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25. Des Vaters Gefallen an der Mildtätigkeit der Kinder

(Ein Dorf der Armen und Bedürftigen, die wie die Zigeuner lästig betteln. Liebevolle Bewirtung, Bekleidung und Aufnahme derselben in die Gesellschaft, welche dann die Engel in der göttlichen Lehre unterrichten. Gefallen des Anführers an der Mildtätigkeit.)

Nachdem wir gute zwei Stunden gegangen waren, kamen wir in eine Ortschaft, welche sehr armselig aussah. Ich führte die Gesellschaft nämlich wieder weg und in die Gegenden der Armut und des Elends, daher diese Verwandlung des Bildes. Im Dorf angekommen, liefen eine Menge armer, halb angezogener und zerfetzter Menschen uns entgegen und baten uns um Unterstützung und Brot. Ich machte halt und sagte zur Gesellschaft, wir wollten hier ein wenig rasten, ohne sie aufzufordern, sich mildtätig zu zeigen. Wir lagerten uns auf einer großen Wiese neben dem Dorfe, und Ich ließ durch inneren Antrieb die Dorfbewohner recht fleißig betteln und bitten bei der Gesellschaft, sagte aber gar nichts, als hätte Ich nichts bemerkt.

Eine kurze Zeit schaute die Gesellschaft auf Mich, was Ich sagen und anordnen würde wegen der armen Dorfbewohner, die wie die Zigeuner lästig waren und um alles Denkbare baten. Da Ich gar keine Miene machte und Mich stellte, als würden Mich diese verkommenen Dorfbewohner gar nichts angehen, noch Mein Herz zur Mildtätigkeit rühren, stand ein alter ehrwürdiger Mann auf und sagte: „Liebe Brüder und Schwestern, ich meine, dass unser Führer deshalb keine Augen, keine Ohren und kein Herz für die armen Bewohner dieses Ortes hat, weil er uns prüfen will ob wir Mitleid mit den Armen haben werden. Ich hätte schon längst nach meinem Vorrat gegriffen, wenn mich die Rücksicht auf Ihn nicht zurückgehalten hätte. Nachdem Er aber nichts dergleichen tut, als wollte er uns anspornen selbst diesen Armen zu helfen, – daher tun wir dieses nun selbst.

Es sind Arme, Durstige und Hungrige; wir aber haben von allem genug. Daher mache ich den Vorschlag: Wir sollen auch so gegen diese Armen handeln, wie unser Anführer gegen uns getan! Wir wollen ihnen zu essen und zu trinken geben, und wer Kleidungsstücke hat, die er entbehren kann, der kann sie hergeben, damit wir diese halbnackten und zerfetzten Brüder anziehen und uns ebenbürtig machen. Brüder! Schwestern! Hier ist meiner Ansicht nach ein Feld für uns, wo wir uns in mildtätiger Nächstenliebe üben können. Auf! Brüder, Schwestern, jeder tue nach seinem besten Wissen und Gewissen und betätige sich in der Nächstenliebe.“

Kaum war dieses ausgesprochen, sah man eine Menge Menschen aus den nächsten, an Hügeln gelegenen armen Hütten herunter und zu der Gesellschaft eilen. Als der alte Mann dies sah, sagte er: „Ei, ei, schaut hin, wie viele arme Menschen diese Gegend birgt! Desto besser, je mehr Arme, desto mehr Gutes können wir tun, denn wir sind zahlreich genug und arm keinesfalls, denn würde uns das Nötige zu verteilen fehlen, so wenden wir uns an unseren Führer mit der Bitte, Er wolle uns behilflich sein. Denn Er ist ein gar mächtiger Herr unter uns, und Er braucht nur unseren recht mildtätigen Willen zu sehen, so wird er uns gewiss helfen in der Not. Daher mache ich euch den Vorschlag: Jeder tue nach seinem besten Willen und Können Gutes soviel er kann. Ich bin überzeugt, dass dies der beste Dank unserem lieben Vater Jesus wird, der uns schon so viel Gutes durch Seinen hohen Diener, der als unser Anführer unter uns weilt, getan hat.“

Nach dieser Ansprache rief er laut: „Unser Vater Jesus lehrte: ,Was ihr dem Geringsten aus Meinen Kindern getan, das gilt bei Mir so viel, als hättet ihr es Mir getan!’ Also tun wir Gutes und Edles an diesen armen Kindern unseres Vaters Jesus, soviel und so gut als uns irgend möglich ist.“

Kaum diese Worte ausgesprochen, suchte gleich ein jeder in seinem Vorrat, was er tun kann, und verwunderte sich nicht wenig, dass da Brot und Wein im Überfluss war. Daher entstand ein Leben und Bewegen, wie auf einem großen Marktplatz, denn jeder sah ein, dass hier ein Wunder geschehen und somit genug Brot und Wein zum Austeilen vorhanden war, um diese armen Leute zu beschenken, dass sie sich sättigen und den Durst stillen konnten. Daher sagte man ihnen, dass sie sich in Reih’ und Glied aufstellen sollten, damit niemand zu kurz komme. Dies geschah bereitwillig, und so lagerten sich bald darauf die Armen in mehreren Reihen auf dem Boden. Und nun ging es fleißig zu mit dem Austeilen des Brotes und Weines, bis alle gesättigt und befriedigt wurden.

Als dies fertig war, stand wieder der alte Mann auf und sagte: „Brüder und Schwestern! Gewiss ist es, dass so mancher unter euch doppelt Kleider hat, wozu braucht er sie im Himmel beim Vater? Dort bekommen wir Hochzeitsanzüge, denn dort finden wir den Bräutigam unserer Seelen. Daher schlage ich euch vor: Jeder gebe alles Überflüssige diesen Armen und wir haben dann genau nach den Worten unseres geliebten Vaters Jesus in der Bergpredigt gehandelt. Wohlan, Brüder und Schwestern, tun wir das; wir haben dann so gehandelt, wie Bruder zu Bruder, Schwester zu Schwester, und das ist das einzig Wahre in unserer jetzigen Lage gegenüber diesen Armen.“

Auch dieser Vorschlag wurde gut aufgenommen und jeder tat, was er konnte und so stand bald eine zweite ebenbürtige, über 10.000 Köpfe zählende Menge Volkes anständig angezogen und gut verpflegt da.

Jetzt erst stand Ich auf und ging zu der Gesellschaft und sprach: „Kinder! Eure Mildtätigkeit bewegt Mein Herz und ihr seid Mir dadurch bedeutend teurer und lieber geworden. Nur so vorwärts! Und euer Einzug in den Himmel wird herrlich werden. Ich habe Mir die Mühe gemacht, recht tätig unter euch zu sein, wenn ihr nach Meinen Worten handeln werdet, und ihr habet wahrlich das Rechte getan. Weil aber diese nun bekleideten und gesättigten Menschen gar armselige Wohnungen haben, so wollen wir sie mitnehmen auf unserer Wanderung in den Himmel, denn sie verlieren nichts dabei, sondern sie werden bei unserer Kost ganz gut überstehen und gern unter uns bleiben. Daher erteile Ich den Engeln die Order, dass sie dieselben belehren, damit sie eine und dieselbe Religion haben und uns gleichwerden.“
Nach diesen Worten traten die Engel in entsprechender Ehrfurcht vor Mich und erwarteten still die Order. Und als sie dieselbe erhielten, begaben sie sich sogleich zu den neuangenommenen Brüdern und Schwestern und belehrten sie gründlich über Zweck und Ziel des Menschen. Und so haben wir einen guten Fischzug hier gemacht.

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