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58. Die schöne Glaubensrede Dr. Martin Luthers

(Martin Luther hält eine schöne Glaubensrede den Römisch-Katholischen. Die Priester werden kleinlaut. Das Volk wünscht in echter Christuslehre unterrichtet zu werden und mitzugehen. Auch die Priester beugen sich vor der Wahrheit der Lehre und schließen sich der Gesellschaft an. Abmarsch von dem ausgeleerten Friedhof.)

Der Bischof mit der Geistlichkeit schaute erstaunt drein und wusste nicht, was er sagen sollte. Nun sagte Ich: „Dr. Martin Luther! Tritt vor und sage auch du einige Worte.“

Sogleich trat er vor und sprach folgende Worte an die Priester und ihre Gemeinde: „Die Liebe unseres Gottes und Vaters hat mich zum Apostel der Reformation, wie einst Saulus vor Damaskus zum Verbreiter der Christusreligion erweckt. Zwar ist die Art der Erweckung eine unterschiedliche, aber wir beide dienten demselben Zwecke: Saulus gegen das Pharisäertum, ich gegen das Römertum.

Dasselbe, was Christus den Pharisäern vorwarf, dasselbe gilt, aber nur noch in verstärktem Maße, dem Römertum. Ich kämpfte gegen die päpstliche Kirche mit der Christuslehre, und so gelang es Mir dasselbe zu erreichen, was dem Saulus, später Paulus genannt, gegen den Tempel gelang. Christus siegte und trotz Verfolgungen breitet sich die protestantische Religion aus, weil sie reine Christuslehre ist, wie wir sie von den Aposteln übernommen haben. Und sehet, aufgrund dieser Christusreligion bildete sich unsere Gesellschaft empor und fühlt sich höchst befriedigt und glücklich zusammen. Wir haben keine Dogmen noch Zeremonien. Die Liebe allein ist unsere Leiterin, diese allein macht uns glücklich. Die Erfüllung des größten Gebotes im Gesetz, das da ist die Liebe zu Gott und zum Nächsten, macht uns zu einer Familie der Kinder Gottes.

Ich frage euch, liebe Brüder im Herrn: Kann es eine bessere Religion geben als diese? Nein, eine bessere besteht nicht. Das zeigt euch unsere Gesellschaft brüderlich zusammen stehend aus Menschen, die im irdischen Leben wie Hund, Katze und Wolf gegenseitig feindlich standen. Es ist aus Unversöhnlichen eine Herde geworden, deren oberster Hirte unser Vater Jesus im Himmel ist. Wenn aber dies der Fall, wie die Beweise vor euch dartun, wie soll nicht diese Religion der Liebe und Eintracht die einzig wahre, die alleinseligmachende sein? Wie können wir eine Religion, die sich zur Aufgabe gestellt hat, zu verleumden, zu verfolgen, zu foltern und am Feuer die wahren Christusbekenner zu braten, als Christusreligion bezeichnen, in welcher es heißt: Die Feinde zu lieben; die Böses tun, durch Gutes tun zu Freunden umzugestalten und für Verleumder und Verfolger zu beten? Seht, so lautet die Religion Christi, und ich, der vielverfolgte und grob verleumdete, angebliche Feind der römischen Kirche, lade euch zu Freunden ein und sage euch: Lasset euch belehren aufgrund der Christuslehre und poltert nicht mehr mit der alleinseligmachenden römisch-katholischen Religion! Denn eine Religion, deren Priester Gott Christus korrigieren und sich anmaßen, gescheiter zu sein, als Christus war, da sie Ihn durch ihre Menschensatzungen für nicht allwissend erklären, und Ihn durch korrigierende Bemängelungen für unwissend erklären, ist eben keine christliche, sondern antichristliche Religion, voller Hochmut und frevelhafter Anmaßung gegen göttliche Heiligkeit und Allwissenheit, und das ist die römisch-katholische.

Darum sage ich noch einmal, verlasst das römische Gebäude des Lugs und Trugs und ergreifet die Bruderhand der Liebe, die ich euch anbiete und werdet Bekenner und Diener Christi und nicht Roms und des Papstes. Denn wir können euch durch unseren Anführer von eurem Elend erlösen und, da wir auf dem Wege zum himmlischen Vater Jesus sind, mitnehmen. Die Päpste können das nicht, weil sie selber in solcher Finsternis und in solchem Elend stecken wie ihr. Dass diese meine Rede der Wahrheit entspricht, erseht ihr an unserer Gesellschaft, die aus allen möglichen Sündern besteht und doch in der kurzen Zeit, wo wir zusammen sind, sich ihre Kleider im Blute, das heißt in der Liebe Jesu, minder oder mehr schon weiß gewaschen haben. Dasselbe steht euch bevor, wenn ihr gutwillig und allein das für alleinseligmachend annehmet, was Christus gelehrt und die Apostel aufgeschrieben haben.“

Diese Brandrede machte die Priester so kleinlaut, dass keiner sich getraute, eine Gegenrede zu halten. Dagegen erhoben sich ganze Säulen des Volkes und sprachen laut: „Wir wünschen die echte Christuslehre ohne Rücksicht zu hören, ob das unseren Priestern recht ist oder nicht, und sind gewillt mit euch zu gehen. Denn immer im Grabe zu hocken und allerlei Elend leiden, ist uns schon genug. Daher wollen wir abbrechen mit allem und mit euch ziehen. Wir bitten euch, belehret uns, dass wir wissen, was wir in Zukunft zu tun haben.“

Ich wendete Mich an die Priester und sagte: „In Meiner Macht liegt die Zukunft eurer Gemeinde. Ich will sie belehren und mitziehen lassen. Doch möchte Ich euch nicht allein hier lassen, sondern auch glücklich machen, denn unsere Reise führt zum Vater Jesus im Himmel. Daher lasset euch belehren und bekehren, damit Ich euch mitnehme und glücklich mache.“

Die Priester schauten sich einander an, und da keiner eine Gegenmiene machte, ja selbst die übrigen Bischöfe gutwillig zunickten, sagte wieder der sprechende Bischof: „Freund! Eure Reden sind überzeugend, wenn auch bitter für uns. Aber die Überzeugung, dass sich wirklich alles so verhält, zwingt uns, sich der Wahrheit nicht zu widersetzen. Daher lasse auch uns belehren in allem, was wir unrecht lehrten, und wir wollen alles gut machen und uns beugen vor der Wahrheit. Und wenn Du uns mitnehmen willst, so bitten wir darum, denn wir werden trachten, eure Zufriedenheit zu gewinnen mit unserem Lebenswandel.“

Ich ließ nun die Engel die neue Gemeinde unterrichten, nachher Brot und Wein herschaffen, welche Ich segnete und verteilen ließ, und das Lob- und Danklied singen, was eine große Freude und Zufriedenheit bei den Neubekehrten hervorrief. Durch richtig angebrachte Reden gelang es uns, ohne große Mühe die neue Gesellschaft an unsere zu schließen, wodurch sie bedeutend anwuchs und über eine halbe Million Köpfe bildete. Als das vollzogen war, ging es wieder weiter, und so gelangten wir nach einer längeren Wanderung zu einer anderen großen Ortschaft, wo wir uns wieder lagerten.

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