474.- 27. September 1885 Worin das wahre Brot des Lebens besteht
Da sprach Jesus zu ihnen: „Wahrlich, wahrlich, Ich sage euch: Moses hat euch nicht Brot vom Himmel gegeben, sondern Mein Vater gibt euch das rechte Brot vom Himmel; denn dies ist das Brot Gottes, das vom Himmel kommt, und gibt der Welt das Leben,“ Da sprachen sie zu ihm: „Herr, gib uns allweg solches Brot!“ (Joh. 6, 32.)
Liebe Kinder!
„Ich bin das Brot des Lebens!“ (460.) Den geistigen Sinn dieser Worte haben Meine Jünger gleichfalls nicht begriffen zu der Zeit, als Ich dieselben zu ihnen sprach; weil ihr Sinn noch zu sehr aufs Äußere, Materielle gerichtet war, so konnten sie Geistiges noch zu wenig herausfinden aus solchen Vergleichungen. Es muss dieses Öffnen des Geistes-Auges und Ohres nach und nach auf geordnete Weise sich entwickeln, und weil das Zutun der Seele dabei nötig und bedingt ist, so geht es damit bei den Meisten langsam; denn die Seele ist träge zum Geistig-Guten, und wählt lieber das, was ihr bequem ist, d. h. sie steht mehr mit dem Äußeren (Weltlichen) im Rapporte, und reizt den Körper zu solchen Handlungen an, welche augenblicklichen Genuss im Materiellen bieten, anstatt dass sie an ihrer Veredlung zu arbeiten sich alle Mühe gibt; daher sie auch sehr viel auf die äußeren Formen hält, z. B. auf das Halten der Gesetze, anstatt mehr mit dem Geiste vereint dieselben durch die göttliche Liebe zu erfüllen.
Darum sind auch die Gesetze, welche Ich durch Moses gegeben, mehr für den noch natürlichen Menschen anpassend, welcher noch nicht die reine göttliche Liebe erfasst hat, wie sie in Meinem Wort im neuen Bunde von Mir Selbst den Menschen angeboten wird als wahres Brot zum ewigen Leben. Wer aber nun aus Liebe zu Mir Meine Gebote erfüllt, der hat den Anfang zum ewigen Leben gemacht, und ist fähig im Himmel fortzuleben; er bedarf keiner andern geistigen Speise mehr, weil es auch keine gibt, die den Geist sättigt, außer der Wahrheit, welche von Mir ausgeht. Diese Speise kann Ich aber nicht nach Willkür verschenken, sondern sie muss bei Mir abgeholt werden, durch das Forschen in der alten und neuen Schrift mit redlichem Herzen; denn nur so kann eine Seele Mich erkennen lernen, und in sich wahrnehmen; jede andere Art und Weise mit Mir sich zu verbinden ist nicht die richtige.
Es gibt zwar Vorkommnisse in der Welt, als da sind Wunder, welche momentan viele Seelen in Erstaunen setzen, und sie zum Glauben nötigen; aber dadurch wird wenig für das wahre Wohl der Seelen erzielt; denn dieser Glaube ist ein erzwungener und kein frei errungener, und wird bald abnehmen, sobald die erste Aufregung über das Wunderbare sich gelegt hat. Es ist dies ein Glaube ohne selbst erstrebte Liebe, und kann nur durch Meine Gnade erhalten bleiben; wenn eine Seele Mein Wort höher achtet, als das Wunder. Darum sorget auch ihr, dass die Seelen, die Ich euch zuführe, durch Mein Wort und die göttliche Liebe zum wahren Glauben gelangen, auf dass sie nicht, wie einst die Israeliten zu Moses Zeiten, zwar Manna essen, aber dabei nichts für’s ewige Leben gewinnen!
Euer Vater!
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