← Zurück zu „Vaterbriefe Band 3“

Von der wahren Herzens Demut

479.- den 1. November 1885  Von der wahren Herzens Demut

„Nachdem Er aber ausgeredet hatte, ging Er gen Kapernaum. Und eines Hauptmanns Knecht lag todkrank, den er Wert hielt“ u.s.w.  (Luk. 7.)

Liebe Kinder!

Ich führe euch in der Person des Hauptmanns ein Bild vor – wie der wahre Glaube beschaffen sein muss. Zuerst ist es die Liebe, welche der Hauptmann dadurch an den Tag legte, dass er Mich bitten ließ seinen Knecht gesund zu machen; „er hielt denselben Wert“, heißt es von ihm; auch zeugten die Ältesten der Juden von des Hauptmanns Liebe: „er ist es Wert, dass Du ihm das erzeigest, denn er hat unser Volk lieb, und die Schule hat er uns erbaut.“

Er hatte also ein Herz von wahrer Nächstenliebe durchdrungen; denn er dehnte dieselbe nicht nur auf seine Hausgenossen aus, sondern auch auf das Volk, für welches er in geistiger Weise sorgte, dadurch, dass er ihnen eine Schule erbauen ließ. Was aber den Wert seiner Liebe erhöht, das ist die wahre Herzensdemut, welche er dabei Mir und Andern gegenüber an den tag legte, wie es heißt: „Da sie aber nun nicht ferne vom Haufe waren, sagte der Hauptmann Freunde zu Ihm, und ließ Ihm sagen: „Ach Herr, bemühe Dich nicht, ich bin’s nicht Wert, dass Du unter mein Dach gehest; darum ich auch mich nicht würdig erachtete, dass ich selbst zu Dir käme, sondern sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund!“

Wer solch Demut besitzt im Herzen, dem komme Ich entgegen, wie Ich dort nach Kapernaum ging, weil Ich wohl wusste, dass der Hauptmann eine Sehnsucht nach Mir hatte, und das große Vertrauen in Meine Liebe und Macht setzte, dass ich den Knecht gesund machen würde; denn durch seine Liebe und sein Vertrauen wurde Ihm in Innern das wahre Licht und die wahre Erkenntnis von Mir, so dass er in allen Stücken so viel Weisheit erhielt, nach Meinem Sinne zu leben und zu handeln: „Auch ich bin ein Mensch, der Obrigkeit untertan, und habe Kriegsknechte unter mir, und spreche ich zu Einem: gehe hin! so geht er hin, und zum Andern: komme her! so kommt er, und zu meinem Knechte: tue das! so tut er’s!“

Vergleichet nun mit diesem Bilde der Ordnung und Einigkeit die jetzigen vielen Klagen der Vorgesetzten und Herrschaften, so werdet ihr herausfinden, wo die Hauptwurzel des Übelstandes zu finden ist, dass nun so wenig Liebe und Vertrauen bei der dienenden Klasse der Menschen gegen ihre Vorgesetzten und Herrschaften anzutreffen ist: Es ist das Beispiel dieser, welches nicht geeignet ist Liebe und Gehorsam zu erzielen, wie sie selbst zu wenig Liebe in Wort und Tat ihre Mitmenschen fühlen lassen; aber auch dabei ein hochmütiges Herz haben, das sich auch Mir gegenüber keiner Schuld bewusst ist, und darum Mich nicht verlangt um abzuhelfen.

Würden solche Menschen ihre Schwachheit erkennen, und im Gefühle derselben sich an Mich wenden, so gäbe Ich auf solche Mir wohlgefällige Bitten ihnen ein neues Herz und einen neuen Geist (Ps. 51, 12.), und verstärkete Meinen Gnadenzug auch an ihren Untergebenen; denn diese sind leider auch geistig oft sehr krank. Wie wohlgefällig ist Mir darum solch ein Dienstherr, welcher Meine Hilfe anruft, um diese Kranken gesund zu machen! Wie Ich solche Bitte schnell erhöre, das könnet ihr daran sehen, dass Ich nach Kapernaum ging, auf dass der Hauptmann Mich fand. Solch Bittenden gehe Ich mit Meiner Hilfe entgegen; besonders aber Solchen, welche in demütiger Liebe, wie dieser Hauptmann, Mir diese Bitte vortragen. Darum lernet auch ihr gleich wie der Hauptmann lieben, glauben und hoffen! denn Ich sage euch: „solchen Glauben habe Ich in Israel (d.h. unter den Gläubigen) nicht gefunden!“

Amen! Euer Jesus.

← Zurück zu „Vaterbriefe Band 3“