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Wachet, denn ihr wisset nicht, wann der Herr kommt

492. -10. Januar 1886 Wachet, denn ihr wisset nicht, wann der Herr kommt

„Und seid gleich den Menschen, die auf ihren Herrn warten, wenn er aufbrechen wird von der Hochzeit, auf daß wenn er kommt und anklopft, sie ihm bald auftun. „Selig sind die Knechte, die der Herr, so er kommt, wachend findet. Wahrlich, Ich sage euch, er wird sich aufschürzehn, und wird sie zu Tische setzen, und vor ihnen gehen, und ihnen dienen!“ (Luk. 12, 35.)

Liebe Kinder!

Es ist sehr nötig, daß Ich die Seelen auf Mein zweites Kommen vorbereite, und dasselbe deshalb noch verzögern muss, weil Mein Erscheinen auf Erden in der Jetztzeit dem größern Teile der Christen zum Gerichte, den geistigen Tod verursachend, würde.
           
Der Begriff von Mir und Meinem Wesen ist nun ganz der Wahrheit entgegengesetzt; darum würden gar viele Seelen Mich nicht anerkennen und aufnehmen, sondern sich an Mir ärgern. Deshalb ist es so wichtig für dieselben, mehr Erkenntnis von Mir zu erhalten, um Mich in allen Meinen Eigenschaften richtig aufzufassen, sowohl in der Liebe und Weisheit, als in der Heiligkeit und Gerechtigkeit, damit Ich durch Meinen hl. Geist Mich den Menschen belehrend nähern kann, und sie den geistigen Segen, welcher mit Meinem Erscheinen verbunden ist, höher achten, als leibliche Wohlfahrt.
           
Denn daß Ich nicht die Erde bei Meinem Kommen umwandeln will, sondern nur die Herzen, dieses müssen die Menschen zuerst glauben. Die Erde ist schön und ergiebig genug, um allen Menschen soviel zu liefern, daß ihr Leib, als Diener des Geistes, erhalten werden kann. Würden die Menschen nicht durch gegenseitige Lieblosigkeit einander den Besitz zu entziehen suchen, sondern in brüderlicher liebe teilen, *) so wäre Jedes reichlich versorgt, und die Erde die Vorhalle des Himmels auch im geistigen Sinne, und sodann könnte Ich mit Meiner Liebe bei ihnen aus- und eingehen, weil der höchste Grad der Liebe sich den Ausdruck im Dienen wählt!

Wer die reine göttliche Liebe in sich sucht, der wird nicht verlangen, daß man ihm dienen solle, sondern wird selbst seinen Mitmenschen zu dienen suchen, um sie gleichfalls in die beglückende Sphäre der Liebe zu ziehen. Denn je mehr Liebe in einer Familie herrscht, oder in einem geistigen Geschwisterkreise, oder in einer Gemeinschaft, destomehr himmlischer Vorgeschmack wird denselben zu Teil, und sie fühlen Meine geistige Annäherung, welche her möglich ist bei einem ruhigen, gemütlichen Gedankenlaufe, der mehr mit höheren geistigen Anschauungen sich beschäftigt, als mit den aufregenden materiellen Vorkommnissen, welche Ärger, Klagen und Unzufriedenheit über die Mitmenschen hervorzurufen, und wo dann der Verstand den Gedankenstrom regiert, um durch allerlei selbstische Genugtun sich die Unruhe und Aufgeregtheit zu dämpfen.

Sehet, liebe Kinder, dort bin Ich dann noch nicht zu finden, sondern nur bei Solchen, welche in allem ihrem Wollen und Handeln auf Mein Beispiel in der Liebe sehen, mit denen werde Ich Mich zu Tische setzen, und das Mahl der Liebe genießen, welches Stärkung für alle Ewigkeit verleiht!

Euer Vater. Amen!

*) NB. aber nicht im sozialdemokratischen Sinne, sondern nach gegenseitigem Herzens- Bedürfnisse, frei! D. Hsg. Nr. 45 i. Vaterbriefe, 9. Heft.  2

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