Den 6. Juni 1884. Zum Geburtstag.
Liebes Kind!
„Weine nicht“, weil du glaubst, deine Zunge sei zu lahm, das Dankgefühl auszusprechen, das in deinem Herzen am heutigen Tage sich einstellt, im Rückblick auf deine seitherigen Führungen, sowohl innerlich als äußerlich, bis auf den Punkt, wo du jetzt angekommen bist. Dein Vertrauen, damit du auch in schweren Heimsuchungen und Leiden dich an Mich gewendet hast mit Bitten und Klagen ist es, darum die Gnade dir stets in reicher Fülle zu Teil wurde, ohne daß du es oft nur ahntest; denn nicht in der Erfüllung äußerlicher Hilfe, liegt die Erhörung der Gebete, sondern ein stiller geistiger Segen wird dadurch bewirkt, und dieser Segen besteht in einer näheren Verbindung mit Mir.
Um aber solche Verbindung zwischen Mir und der Seele festzuhalten, muß Ich immer die nötigen Mittel anwenden, welche gehen, weil durch solche Mittel meistens eine Entfernung von solchen Dingen geschehen muß, welche statt die Liebe zu Mir hinzuleiten, dieselbe von Mir abziehen; solches kann oft nur durch Gewalt geschehen.
Oft sind es bittere Verluste von Besitztum, oder von guten Freunden, Enttäuschungen, und oft auch Krankheiten u. s. w., lauter Erziehungsmittel. Wohl Jedem, welcher dieselben als solche durch die Erleuchtung des Geistes anerkennt, weil sie erst dann den vollen Gewinn bringen.
Darum aber, wenn dich noch eine Bürde drückt, so sehne dich nicht so sehr, dieselbe abzuschütteln, damit das Kleinod, das oft darin verborgen, nicht dabei verloren geht; komme lieber um Kraft zu Mir dieselben würdig tragen zu können, und überlasse mit kindlichem Vertrauen die Zeit der Abhilfe Mir. Dies sind die besten Dankworte, und sie bringen die Segen, wenn du einsiehst wie Allen an dir vorüberging, ohne dir zu schaden, sogar äußerlich nicht, wohl aber dich anhauchte mit dem Friedenshauche, der sich bleibend in dir bilden sollte, um einst als dankbares Kind in Mein Reich aufgenommen werden zu können. Arbeite ruhig weiter mit der Kraft, die Ich dir zuweise, und fühlst du dich schwach, so bitte um noch mehr Kraft, so wird es dir geben dein treuer Vater Jesus.
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