136. – 5. Oktober 1879 "Von der Liebe und Weisheit Gottes" (Nach Lesung der Predigt 43)
Liebe Kinder!
Soeben habt ihr gelesen von dem größten Gebote, nämlich von der Liebe, wie sie überall in Meiner Schöpfung ausgeprägt ist, und wie jedes Pflänzchen, jedes Insekt und Tierchen das Ausfließen derselben von Mir durch die natürliche Sonne genießen kann; aber in hohem Grade soll der Mensch nicht allein die natürlichen Sonnenstrahlen, sondern auch Meine Gnadensonne über sich scheinen lassen. Er soll sich derselben aussetzen, damit sie auf ihn einwirken kann; dazu ist sein eigenes Hinzutun nötig, er (der Mensch selbst) muß suchen, prüfen, und dann muß sein freier Wille wählen, d.h. sein Wille muß sich geneigt machen gute Handlungen auszuführen, und gute Tugenden sich anzueignen.
Daß aber das Wachstum nur durch die Einwirkung Meiner Gnadensonne stattfinden kann, wird er bald erkennen, und in diesem Erkennen soll er sich an Mich wenden, dadurch setzt er sich den Strahlen der Gnadensonne aus.
Aber gerade so, wie ihr bei der natürlichen Sonne ab und zu gehen könnet, und oft lieber den Schatten wählet, wenn euch deren Strahlen heiß drückend vorkommen, so ist es auch mit Meiner Einwirkung der Gnadensonne; indem dieselbe euch bald zu heiß und unerträglich vorkommt, weil sie Reinigungsmittel durch Leiden und Vorkommnisse aller Art anwendet, da weichet ihr dann derselben aus, suchet lieber den Schatten, der euch behaglicher scheint, und verhindert dadurch das Gedeihen des geistigen Lebens.
Ihr stellet ein gewisses Bild euch vor, nach dem Meine Liebe bei euch wirken, oder nach euch sich richten soll, und vergesset dabei Meine leitende Weisheit, welche ganz anders euch oft behandeln und sogar Meine Liebe vor euch oft verdunkeln muß.
Darum ist es so nötig, daß ihr eure Liebe nach Meinen Geboten einrichtet; so wird euch auch die Erfahrung an andern lehren, was die Liebe alles zu beobachten hat, und durch diese Selbsterfahrung werdet ihr immer mehr mit Mir einstimmen lernen, daß die tiefe göttliche Liebe nicht immer so leicht begriffen werden kann. ( Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken ).
Darum liebet euren Nächsten zuerst, und die Liebe zu Mir wird sich dadurch von selbst vermehren, so werdet ihr inne werden, wie dieses Gebot das größte ist, welches zum wahren Ziele führt, und das Kind dem Vater am ähnlichsten macht; alle andern Eigenschaften sind Zweige an dem Liebe- (Lebens-) Baume, und bringen nur Früchte, wenn der Stamm gesund ist, und seine Wurzeln gegründet sind im Vaterherzen, welches heißt: "Liebe". Amen!
(siehe Nr. 38 unserer Sammlung, Abschnitt 38. Die Morgen- und die Abendblume. D.Hsg.)
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