170. – 18. April 1880 "Ihr sollet Niemand Vater heißen; denn Einer ist euer Vater, Der im Himmel ist" Matthäi 23, 9
Liebe Kinder!
Haltet besonders ihr euch an diese Worte, welche ihr ja gerne dem Sinne nach aussprechet, weil ihr Mich nicht mehr als den erhabenen Schöpfer und Gott allein erfaßt habet, sondern durch Meine Gnade zu der Erkenntnis gelangt seid, daß die Liebe Mich euch näher bringt, und zwar Vater- und Kindesliebe soll zwischen uns sein!
Mit dieser Liebe und mit diesem Vorrechte sind aber große Bedingungen verbunden. Auch im irdischen Leben macht ein Vater mit seiner Liebe den Anfang, und bringt für das Kind viele Opfer, ehe er Gegenliebe beansprucht, sondern er wartet mit Geduld die Reife des Kindes ab; verlangt auch nur, daß das Kind stufenweise sich nach ihm richtet und seine Wohltaten einsieht.
Aber wie dieser Vater nicht befriedigt sein würde, wenn das Kind in seinem Eifer stille stünde, wenn es sich versichert glaubt, daß der Vater alle Sorge für es übernimmt; denn dadurch würde das Kind seine volle Ausbildung nicht erlangen, sondern es (das Kind) muß immer mitwirken, und je größere Liebe es zum Vater hat, desto mehr geht es in dessen Willen mit Freuden ein, wenn gleich oft große Anstrengungen zum Weiterschreiten erforderlich sind.
Gerade in dieser Zulage oder Übergabe von des Vaters Geschäften liegt für das Kind das Beglückende (daß Ich hier nur von einem wahren und guten Kinde rede, werdet ihr selbst einsehen).
Diese Familien-Verhältnisse sind die Entsprechungen zwischen Mir und Meinen Erdenkindern; denn Meine Liebe verfolgt gleichfalls diesen Gang mit jeder Seele; nur darf dieselbe außer Mir keinen Zweiten "Vater" nennen; d.h. ihre ganze Abhängigkeit von Mir allein muß ihr klar und ebenso Mein Verkehr mit ihr ein Bedürfnis sein.
Gleichwie ein Kind trauert, wenn es des Vaters verlustig wird, also soll auch eine Seele betrübt werden, wenn sie meint, Meine Vaterliebe gekränkt zu haben, und Ich hätte Mich deshalb von ihr entfernt; denn sie soll sich auf keine andere Versorgung verlassen, als auf die Meinige.
Ihr sollet weder im Verstande, noch im Reichtum oder Ansehen und besonderem Glücke euren Ruhm suchen, sondern allein bei Mir, eurem himmlischen Vater; und wollt ihr solchen Segen dort abholen, so führt euer Weg durch`s Demuts-Tal, wo links und rechts üppige Berge euch verlocken können, hinauf zu steigen, anstatt ruhig fort zu gehen auf einem Wege, dessen Ziel ihr zwar im Geist erschauen könnet, der euch aber oft öde und leer vorkommt, weil die Natur daneben momentane Genüsse bietet.
Daher tretet fest in die Fußstapfen eures Jesus-Vaters, Welcher diesen Weg auch gegangen ist; bedenket, daß Ich als der liebevollste und weiseste Vater für euch Kinder gut und sicher gewählt habe, und mit Meinem Beispiel euch deshalb voranging, also – bleibet in der Demut! Amen!
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