179. – 6. Juni 1880 Es fragte Mich der Schriftgelehrte: "Was soll ich tun, daß ich das ewige Leben ererbe?" Lukas 10, 25
Liebe Kinder!
Diese Frage höre Ich auch noch von Meinen Kindern aussprechen, nachdem Ich sie doch durch Meinen Geist in die Wahrheiten einleiten ließ, und das Gebot der Liebe zu Mir und ihren Mitmenschen ihnen gar wohl bekannt ist.
Auch sie möchten es eben nicht so ganz erfüllen, sondern nur so wie es ihrem Eigenwillen am besten vorkommt, sie bedenken dabei zu wenig, daß zum ganzen und wahren Kinde Gottes auch (und hauptsächlich) der ganze Gehorsam gehört, und nicht nur zeitweise ein Befolgen der Gebote stattfinden darf, wenn sie wollen die volle Seligkeit erlangen, welche damit verbunden ist.
Wer noch die Gebote (der Liebe) für zu schwer hält danach zu leben, der verwirft Mich und Meine große Vaterliebe, welche nicht weiter verlangt, als was möglich ist zu erfüllen. Es ist sehr traurig, daß nun die Mehrzahl (sogar der Christen) gar nicht nach denselben fragt, sondern sie ganz zurückweist, um desto bequemer ihren natürlichen Leidenschaften frönen zu können, welches ihnen auch bis zu einem gewissen Höhepunkte zugelassen wird, oft den Einzelnen, oft ganzen Familien, oft ganzen Städten, ja ganzen Völkern, bis Ich Selbst einschreite, und Mein "bis hierher" spreche, wenn nämlich alle Rettungsversuche, die Meine göttliche Ordnung in die Vorkommnisse gelegt hat, vergebens waren.
Auch die Willkür der Menschen muß zum Wohle Meiner Kinder beitragen, und dies ist ein Mittel zum Wachstum in der Liebe und in der Geduld; Meine Weisheit verwandelt dieselbe an Meinen Kindern zum Segen, wenn sie Mich darum bitten; allein solche Willkür bleibt dennoch ein Abweichen von Meinen Geboten, welches "Gottlosigkeit" ist.
Ich habe auch ohne diese bitteren Erfahrungen und Bedrückungen der Menschen gegen einander Mittel genug, Meine Kinder auf die Stufe der Seligkeit zu bringen, welche für sie bestimmt ist; nur "der Sündenfall" (in den Ungehorsam und Widerspruch gegen Mich) hat diese Zuchtruten in die Welt gebracht, vorher sollten die Menschen durch Liebe geleitet werden.
Nun wie viel habe Ich schon getan seit Meinem Erscheinen auf Erden, um durch Meinen Geist der Liebe Mein Reich wieder einzunehmen, und welch kleine Zahl hat dieses anerkannt gegenüber den vielen Weltmenschen!
Darum, liebe Kinder, die ihr Mich "Vater" nennet, wenn euch die große Abweichung so Vieler klar wird, und der große Undank für Meine Vaterliebe euch betrübt, und ihr erkennet, daß wo Ich nicht durchzudringen vermag, auch ihr nicht viel tun könnet, so suchet dann ihr desto mehr Meine Gebote wortgetreu zu erfüllen; denn gerade so wie sich die Zahl und Größe der Undankbaren gegen die der Dankbaren verhält, die sich Meine Kinder nennen, eben um so viel mehr hat auch noch in euch die Eigenliebe mehr Spielraum, als Meine Gebote und Meine göttliche Liebe.
Der Mensch gleicht der Welt; gleichwie die Mehrzahl der Kräfte in der Welt zu sündigen Zwecken ausgenützt, und nicht zu Meiner Ehre verbraucht wird, so prüfet, wie viel ihr Mir von eurer eigenen Kraft zuwendet, um Mein Reich mit zu bauen, an welchem ihr euch zu beteiligen wünschet.
Aber wer in Mein Reich eingehen will, der hat sein Anrecht und seine Abstammung durch die Ähnlichkeit mit Mir und Meiner Liebe aufzuweisen, da gelten keine Vielwissereien und Vorteile, sondern das Befolgen der Reichsgesetze, ohne daran zu rütteln; diese tragen das Symbol der Liebe, und kann von denselben nichts weggetan werden.
Wollet ihr also unter Meiner Fahne weiter fortmachen, so bietet eure ganze Kraft auf, denn mit halben Streitern kann niemals ein Sieg gelingen, noch ein Land erobert werden. Ich nenne euch das Land, in welches Ich einziehen und es ganz bewohnen will, damit ihr desto mutiger dafür streitet, es ist – euer Herz. "Siehe Ich stehe vor der Tür" (Offenbarung 3, 20). Amen! Euer Vater.
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