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Zehn kleine Bausteine – ERSTGEBURTSRECHT, HIMMELSLEITER, GEBETSKAMPF

Zehn kleine Bausteine

DAS ERSTGEBURTSRECHT

1. Mo. K. 25-32

Jakob ist der zweite Zwilling Isaaks und Rebbekas. Er hat kein Recht auf eine Erstgeburt und das damit verbundene geistige Erbe. Er muß nach dem Gesetz der Welt, welches scheinbar von Gott zugelassen worden war, dienen. Der Abraham gegebene Segen sollte für die Erstgeburt der Same sein, wie die Sterne: geistig ungezählt. Selten ist ein Gott-Gesetz so falsch gedeutet worden wie gerade jenes von der Erstgeburt. Abraham hatte es rein geistig angesehen und entsprechend ausgelebt.

Jakobs Geschichte ergibt Konflikte. Seine Hinterhältigkeit Esau und dem blinden Vater gegenüber läßt sich mit dem an ihn erfolgten Segen nicht vereinbaren. Hatte Jakob recht gehandelt, so war der Gottessegen angebracht; ist seine Handlungsweise ungesetzlich, dann ist die Segnung nicht am Platz. Gott segnet nicht, wo ein Betrug getätigt wird.

Das einstige Geschehen aber geistig ausgewertet, — und es öffnet sich das göttliche Geheimnis. Das ist weniger schwer zu prüfen, als es erst den Anschein haben mag. Die vier Hauptlebensphasen Jakobs entschlüsseln ja das Ganze nahezu von selbst; und die Lichtschau wird gewonnen.

Die vier Phasen haben geistig und auch sachlich ihren Grundstrahl aus URs Vierwesenheit erhalten. Der Erwerb des Erstgeburtsrechtes, hier durch ein Linsengericht, geschieht im Schöpfer-Zeichen, in dem herrschenden Prinzip: Die Erstgeburt hat die Herrschaft über alles Erbe und die Nachgeborenen.

Die zweite Wandlung erfolgt durch den Erhalt des Segens aus dem Recht der Erstgeburt, was dem segnenden Prinzip des Priesters aus UR untersteht. Als Drittes tritt in Jakobs Leben das emporhebende Gottprinzip im Symbol des Traumerlebens mit der Himmelsleiter. Der vierte Punkt, der seines Lebens Rest bestimmt, ist der Gebetskampf mit dem ‚Manne Gottes.‘

Jakob hat sich seinem Vater in die Hand gegeben. Vier Stationen, die vier Himmesrufe, machen ihn zu einem ISRAEL! Es zeigt sich, wie das möglich war, obwohl nach menschlichem Ermessen er seinem Bruder Esau bitter Unrecht tut.

DAS RECHT AUS DER ERSTGEBURT

1. Mo. 25, 29-34

Jakob hält bei der Geburt mit einer Hand des Bruders Ferse fest. Der Zeitunterschied der Zweitgeburt ist minimal. Nicht das Weltrecht ist hier zu erörtern; das Recht vom Geiste her ist wichtiger. Auch handelt sich‘s zunächst nicht eigentlich um Recht, sondern um die Sache, nämlich folgendes ist zu bedenken:

Bei ‚Kindern aus dem Licht‘ (Joh. 15, 19; 17, 14) wird dem materiellen Kraftanteil der Vorrang eingeräumt, weil die Materie innerhalb ihres eigenen Bereiches entsprechend willensmäßig wirken darf, auch weil auf dieser Basis sie viel leichter zur Erlösung hingeleitet wird. Der Einsatz dieses luziferischen Kraftanteiles erfolgt mit der Seele bei dem Zeugungsakt.

Beide Teile folgen aufeinander wie Esau und Jakob. Daß Letzterer als symbolisch dargestellte Himmelsseele des Weltkraftteiles Ferse in dem Händchen hat, zeigt an, daß das Licht den ihm anvertrauten Dunkelteil festzuhalten sucht, um ihn einst mit heim zu nehmen. Erst später, jenachdem, wie die Entwicklung eines Mutterleibes vonstatten geht, wird der übergeordnete Geistfunke ungefähr im siebenten Monat eingehaucht.

Ein Geist mit seiner Seele, die im Reiche eines Lichtkindgeistes (Engel) Körper ist, nimmt in Freiwilligkeit in einem Weltweg ein Stück Kraftanteil des Satans auf, um ihn heimzubringen. Solche Kraftanteile sind keine personellen Wesen, die selber ihre eigene Einkörperung zwecks Erlösung anzutreten haben. Doch die Kräfte holt der Himmel heim; sie sind das Erbgut, einst verschleudert, jenes Recht aus einer Erstgeburt im Licht.

Dafür sucht das Materielle, in seinem Elemente herrschend, das Licht zu sich herabzuziehen und sich im Herzen seiner Wohnstatt einzunisten, um den dort regierenden ‚Geist aus Gott‘ und dessen Lichtseele zu verdrängen. Am Zwillingspaar Esau-Jakob läßt sich das am besten demonstrieren.

Ob damals die zwei Brüder um das Erstrecht kämpften, ist an sich nebensächlich, zumal das ihnen entstammende Volk die Mission nicht so erfüllte, daß sie der Welt zum Heil geworden wäre. Denn Gottes Lehre aus dem Bibel-Altteil ist ja nicht dem Volk zu danken, sondern einzig und allein dem Schöpfer-Gott, Der das All erschuf — auch die Lehre, auch den Glauben.

Die Esau-Jakob-Episode zeigt jene Transparenz, die das Himmlische erkennen lehrt, nämlich so: Esau, als der Anteil der Materie, darf im eigenen Bereich zuerst erwachen, womit nicht gegeben ist, daß er der Herrscher sei. Das Licht ist es! Das muß aber kämpfen, um das Recht der Herrschaft, also gegen die Materie, um sie durch die Unterjochung zu befreien und dem Geiste zuzuführen, der sie erlösen will und wird.

Beider Lebenslauf läßt sich daher auch nicht trennen. Eigenartig ist ihr Daseinsbild. Der rauhgeborene Esau geht auf die Jagd, aufs freie Feld. Sein materieller Kraftanteil ist dabei ganz in seinem Element, bei dem Wild des Waldes. Er streift umher, läßt ‘sich nicht führen, gibt sich dem ordnenden und geordneten ‚Hausgesetz‘ nicht hin. Er geht und kommt, wie ihm beliebt. Das zeigt die Triebhaftigkeit des Menschen nur zu deutlich an.

In Gottes Heiligtum (Haus) kehrt der Mensch nur selten ein (als Notchrist). So auch Esau. Wann ihn hungert, wenn die Witterung den Schlaf im Haus verlangt, dann kehrt er heim, zwar mit Beute, dem Getier, das die Familie zur Nahrung nutzt. Rauh, nicht leicht zu lenken, das ist der Esau-Teil im Menschen.

Gegensätzlich, wie nicht schärfer darzustellen ist, wächst Jakob unter seines Vaters Geist- und seiner Mutter Seelenführung auf. Ob bewußt, ob unbewußt — immer wirkt die Seele aus dem Licht geläutert und gelenkt durch ihren Geist aus Gott. Mitunter dauert‘s lang, bis ein Licht zum eigentlichen Wirken kommt; doch den Weg, der ihm gegeben worden ist, versäumt es nie.

In der Hütte (Obhut) entfaltet sich der glatte, feine Knabe, nicht ‚behaart‘ vom Tierischen der Finsternis (Triebe). Er wird vom Geist erzogen, bis er sich selber dem Materie-Kraftanteil entgegenstellen kann. Abrahams Reichtum, geistig und auch irdisch, wäre gar zu rasch verloren, wenn nicht das ‚Kind des Lichtes‘ an Stelle jenes aus der Finsternis zu rücken war.

Damit beginnt der Kampf zwischen beiden Brüdern, wie im Menschen zwischen gut und böse, dem Triebe nach der freien Welt oder dem sich Gottes Obhut unterstellend. Urgezeugt ist jedes Kindes Geist, auch der Geist der späterhin Gefallenen, der sich dabei isolierte, um erst in einer Welteinkörperung wieder in Aktion zu treten. Im Kampf um gut und böse waltete — wie bei dem Zwillingspaar — das herrschende Prinzip, der Schöpfer.

Der zu erlösende Teil im Menschen ist — meist unspürbar — zwangsläufig an den Geist gebunden, weil ohne Geist in der Materie nichts bestehen kann. Doch die angehörende und von ihm bestrahlte Seele lenkt er frei, bis beide offen walten können. Das Symbol hat aber weiteres zu künden.

Im Auftakt des an den Schöpfer hinzugebenden Lebens spielt das Rote Linsengericht im Zeichen einer unverstandenen Liebe eine große Rolle. Bald spürt Jakob seine größere Geisteskraft; und nicht zu Esaus Schaden langt er nach der Erstgeburt. Weltlich sieht es freilich aus, als ob er — falsch und hinterlistig — seines Bruders Rechte raubt. Allein — die spätere Geschichte beweist das Gegenteil (1. Mo. K. 33).

Die Seele von Oben hat das Recht, den materiellen Kraftanteil zu dessen Nutzen zu bezwingen. Noch steht der ‚Trieb‘ im Vordergrund. Trotzdem spürt das Untere genau, daß es ohne Führung auf die Dauer nicht bestehen kann, wenn es sich auch lang und heftig wehrt. Halb im Zweifel, halb im Widerpart, sagt daher Esau, daß er doch wie alle Menschen sterben müsse und könne ihm das Recht der Erstgeburt nicht helfen. Das Irdische hält ihn gefangen, und für ein Irdisches gibt er das Geistige dahin.

Genau so hatte Sadhana, das Erstkind Gottes, ihre Machtstellung im Lichte drangegeben, ihre Erstgeburt verschleudert, und hatte sich für ihre Kraft des Geistes die Materie eingehandelt. Und über das ‚Gericht‘ — die Speise der Materie — führt der Weg zurück. Typisch ist, das alle Wesen aus der Finsternis, einst mit Sadhana (Luzifer) gefallen, und ihre Kraftpotenz, die die Lichtkindgeister auf sich nehmen, immer erst nach der Materie verlangen, wie auch Kleinkinder nur dem Trieb des Leiblichen verhaftet sind. Daher ist es auch das ‚Recht des Lichtes‘, in seiner Führung jede Lichtseele über jene der Materie zu setzen.

Zuerst wird von der Vorherrschaft nicht viel zu spüren sein, da der Trieb den Menschen leitet. Genau im Gleichnis: Esau, der freie Herr der Jagd; Jakob, der Sohn und Knecht des Hauses. Der Esauteil merkt wenig von der Vorherrschaft der Jakobseele, die der geistigen Erstgeburt entstammt. Doch bei Menschen, deren Seele aus dem Licht gekommen ist, bleibt die Erkenntnis auch nicht aus. Also überkommt die Jakobseele nach und nach das geistige Recht aus der Erstgeburt vom Himmel her.

Die Jakobsseele, von der, Mutter (Liebe), die den Besseren erkennt und unterstützt, beginnt, sich auszubreiten. Da vollzieht sich eine Art Revolte zwischen gut und böse. Das Böse oder Unvollkommene hat das ‚Feld‘, weil der Mensch noch nicht den Segen für das Recht der ausgetauschten Erstgeburt besitzt.

Doch sobald die Seele fest zum guten Ausgleich strebt, setzt die Kraft des Geistes ein. Isaak ist blind geworden, er handelt jetzt nach dem Verstand und unterscheidet nicht, welcher Knabe eine echte Wurzel seines Stammes würde. Als Abrahams und Saras einziger Sohn glaubt er recht zu handeln, wenn der erstgeborene Esau Grundglied eines Volkes wird. Ja — der Verstand urteilt nach der Welt, und die Vernunft muß oftmals unterliegen.

Die Brüder sind nun reifen Alters. Der eine soll Gebieter, der andere Diener werden. Nicht anders zwischen Licht und Welt, zwischen dem Verstand und der Vernunft. Zwar nicht leicht erkenntlich, so tritt doch das Wort in Kraft: ‚Seid klug wie die Schlangen, aber ohne Falsch wie die Tauben.‘

Rebbeka, die ‚sehende Vernunft‘, erkennt, daß Esau nicht ans Haus zu binden ist; er achtet weder auf die Herden, noch darauf, daß er eine gute Wurzel wird. Hingegen Jakob dient dem Recht, stellt sich unter das ‚Gesetz des Erzhauses Abraham‘, um auf dem Pfad des Ahnen zu verbleiben. Verständlich, daß die Vernunft dem besseren Teil die Herrschaft zuzuschieben sucht.

Wird GOTT dem Betruge, wie Rebekka tat, zum Sieg verhelfen? Oder ist es kein Betrug? Ist es Klugheit, die dem ganzen Hause dienen will, nicht zuletzt zu Gunsten dessen, der mit seiner Erstgeburt nichts anzufangen weiß? Dem Verstand, der blind nach einer Regel handelt (Isaak), ist in den Arm zu fallen, gerade darum, um ihm sein Hausrecht zu erhalten. Solches tut die Mutter, die dem besseren der Söhne den Segen aus dem Recht der Erstgeburt erlangen hilft, und um auch Esau seinen Anteil zu bewahren.

Es ist Beides auszugleichen und in den Stand zu setzen, der jedem Teil gebührt. Somit erhält die Seele ihre Vorherrschaft, und die Vernunft siegt über den Verstand. Der materielle Kraftanteil darf freilich nicht gleich merken, daß er — zu seinem Heile — sich dem Lichte unterordnen soll.

Es geht um ‚Licht oder Finsternis‘. GOTT ist der Erlösung wegen Mensch geworden, ohne Mensch zu sein! Denn — ER ist der Schöpfer! Jakob nimmt in diesem Sinn ein Kleid des Esau an, die äußere, rauhe Schale der Materie und erbittet so den Segen, der die gute Seele stützt, der ihr Kraft verleihen soll.

Isaak hört an der Stimme, das Jakob bittet; doch wie der Verstand nur ‚Greifbares‘ gelten läßt, so gleichfalls Isaak. Das Kleid des Esau kann nicht täuschen. Viele Menschen, die einzig dem Verstand gehorchen, bloß diesen walten lassen, irren sich, oft, schwer — und bitterlich — —

Kommt aber die Vernunft zur Waltung, so geschieht das Gleichnis: Jakob, im ‚Haus des Herrn‘, im Gesetz und Recht geblieben, erhält den Segen und ist der Erste. Der Verstand ist sozusagen überlistet worden, um den Lichtgeist über die Materie zu setzen. Damit ist die Vorherrschaft der Jakobseele überkommen, und sie hat den ‚Sitz des Rechts‘ erhalten.

Freilich fängt der Kampf jetzt heftig an. Der Trieb des Niederen bäumt sich auf und stellt sich hinter den Verstand. Er begehrt als Esau auf, daß sie arg betrogen worden seien: der Vater durch das Rauhgewand, er um die Erstgeburt. Allein — er schlendert in den Tag hinein und vergibt für eine Nichtigkeit sein Recht, die Erstgeburt um einen Teller Linsensuppe.

Die Reue kommt bloß meist zu spät oder ist so lau, daß der erste kleine Wind sie rasch verweht. Immerhin – der Kampf zwischen Licht und Dunkel setzt sich in verstärktem Maße fort. Denn nun kommt die Abrechnung. Aber Jakob hat den Segen aus dem Recht der Erstgeburt erhalten; er ist nicht zweimal zu vergeben.

Hat der Mensch erst einmal völlig aus Vernunft dem Göttlichen in sich das Erstrecht eingeräumt, dann wird er niemals wieder von dem Schöpfer scheiden, auch wenn das Leben manches Auf und Ab ergibt. Noch besagt der eine Segen für die eine Seele, daß nur der Geist im Menschen herrschen soll, wenn auch — wie gesagt — trotz Erkenntnis, trotz des Lichtes, manches Ab geschieht. Dieses eine bezieht sich grundsätzlich auf den EINEN GOTT!

Hat das der Mensch erreicht, dann hat seine Seele den Segen aus dem Recht der Erstgeburt erhalten, und es dominiert der Geist, der sich dem Hohen Priester unterstellt, wie ein Ministrant den Altardienst des Priesters mit versieht.

DIE HIMMELSLEITER

1. Mo. 28, 10-22

Die Licht- oder Jakobseele muß in ihrem eigenen und im Kampfe gegen Welt und Finsternis gewisserart die materielle Kraftpotenz (Esau) verlassen (isolieren), damit im Menschen immer mehr das Gute siegt. Das gibt oft einen eigenen Weg, dem Verstand, den weltlichen Gebräuchen fremd. Erst später, hinterher, wird es sich zeigen, daß es dennoch Wege der Erkenntnis waren, Pfade, auf denen sie zu ihrem Erbe noch ein ‚Eigenes‘ erwarb.

Bloß mit seinem anvertrauten Pfunde heimzukommen, ist nicht viel getan (Luk. 19, 22-24). Jakob wandert in die Fremde, verläßt das Haus der Eltern, den Bruder und — scheinbar Recht und Pflicht des Segens aus der Erstgeburt. Das bewirkt im Menschen, daß sich der noch ungegorene Kraftanteil als Herrscher fühlt und handelt, was vorwiegend im jugendlichen Alter vor sich geht.

Da gibt er sich zu wenig Rechenschaft. Und erst wenn die Vernunft die Oberhand bekommt (Jakob kehrt wieder heim), ist ein Ausgleich herzustellen. Dreimal sieben Jahre (bis zum 21.) wird dem Esauteil im Menschen Zeit gelassen, sich zu entwickeln, zu besinnen, — sich nach dem guten Teile seiner selbst zu sehnen.

Ist das Besinnen eingetreten, so kehrt die Jakobseele mit großem Reichtum heim; nicht von der Materie, im ‚fremden Land‘ erworben: von der Innerheit des Geistes, vom Gottesreich des Lichts, mit dem sie durch den Geist verbunden ist. Wer bloß des Lebens Notwendiges genießt, was der Körper braucht, wozu auch gute Kunst pp. gehören kann, darüber hinaus aber weder Herz noch Seele darben läßt, auf den kommen dann die ‚Ströme aus dem Licht‘; und Herz samt Seele werden reich.

So wird sie kommen und dem dunklen Kraftanteil von aller ihrer Habe bieten (1. Mo. 32, 14-22). Aber noch ist‘s nicht so weit; noch muß der Weg bezwungen werden. Auf diesem oftmals langen Weg wird sich hinwärts eine Möglichkeit zum Erwerb der Neugeburt ergeben, rückwärts kann man sie erlangen.

Dieser Gang ins ‚Land des Geistes‘, das viele Menschen gar nicht kennen, auch nicht kennen wollen, hilft der Jakobseele, von der Welt sich zu erheben, um zu sehen, wie man aufwärts steigen kann, und niederwärts, beladen mit dem Himmelsgut, das die Welt, der Mensch, so bitter nötig braucht.

Die Seele kommt mit GOTT in eigenen Kontakt, denn die Himmelsleiter mit den Erkenntnissprossen verbindet Licht und Welt. Droben steht der HERR; Engel schweben zu der Seele nieder, die am Fuß der Leiter liegt. Und sie steigen auf. Jakobs Sehnsucht, Ehrfurcht, Dienstbarkeit und Dank legen sie als gute Seelentriebe in die Hand des Herrn. Kein Wunder, wenn der Segen aus dem Recht der Erstgeburt sich innerlich und äußerlich vermehrt.

In Mutters Land (in Gottes Liebe) wird Jakob reich und angesehen. Er erwirbt vier Frauen, vier starke Bindungen ans Licht. Allein, es wird nichts umsonst gegeben; denn das göttliche ‚Umsonst‘ kommt aus der Gnade. Um sich das Umsonst zum Eigentum zu machen, gehört viel Dienstbarkeit dazu; für Gott, für den Geist, für die Liebe, für ein reines Herz.

Dreimal sieben Jahre währt die Dienstbarkeit, was keinesfalls für jedermann die Zahl ergibt. Gott hat sieben Eigenschaften; und diese dreimal zu erwerben, bedeutet das Empfangen aus des Priesters Gnade, Gottes Langmut und des Vaters Sanftmut, aus der UR-Gottheit. Der Schöpfer, das Erste der Vier-Wesenheit, bleibt dem UR-Sein ewig vorbehalten (die Baumfrucht, die verboten war).

Wer dem Schöpfer dient, kann sich dennoch nicht an Seine Stelle setzen. Das ergibt: Obwohl Jakob dreimal sieben Jahre diente, wird er Labans Reichtum nicht besitzen. Doch die gerechte Löhnung wird ihm ausgehändigt. Danach kehrt er heim in seiner Eltern Haus, zu seinem Bruder. Die Himmelsleiter schwebt ihm aber immer vor; ihm ist‘s, als wären all die Jahre, Tage, ja die Stunden in den Jahren jene Sprossen an der Leiter, als sei er innerlich zum Teil schon hochgestiegen.

In Demut neigt er sich vor dieser unerhörten Güte Gottes. Als er diesen Stand erreicht, klammert er die Hände an der Himmelsleiter an. Jener Weltteil (Esau), zu dem Jakob wieder auf dem Wege ist, muß sich um das Irdische bekümmern; bloß das Herz ruht fest in seines Gottes Hand.

Die Demut, Jakobs Herz bewegend, beschert ihm jene Wandlung, daß er selbst in seinem Geiste ‚geistig‘ wird, wie neugeboren, womit er auch den aufgenommenen armen Weltanteil ins Licht hinüberziehen kann. Dieserart bleibt die Himmelsleiter nicht allein ein Bild; sie wird zur hohen Wirklichkeit: zur Neugeburt aus Gottes Geist, somit unlöslich verbunden mit dem Herrn.

DER GEBETSKAMPF

1. Mo. 32, 25-32

Bevor die Jakobseele offenbar ihr ‚Recht‘ erhält, mit des Geistes Herrschaft ausgestattet, ist der Gebetskampf bis zur Morgenröte auszutragen. Sie hat sich auf ihr Lichtsein zu besinnen. Wird der zum ISRAEL gewordene Jakob sich vor seinem Bruder ängsten, als dann erfüllt sich hier bereits das Wort: ‚In der Welt habt ihr Angst!‘ (Joh. 16, 33). Selbst nach der Ausgießung des Heiligen Geistes hatten Jesu Jünger manchmal Angst.

Daraus geht hervor, daß nicht jede Angst etwas Minderwertiges und Unvollkommenes der Seele ist. Das Leben dieser Welt gleicht einer dauernden Geburt — bis zu des Leibes Tod. Hierin bewährt sich der Gebetskampf bis zur Morgenröte: bis die frohen wie auch die erlösten Kinder in das Reich des Friedens kommen können. Die Hüfte ist der feste Halt (OJ. 19, 16), um den Jakob rang.

Es gibt zweierlei Ängste: die weltliche, und jene, ob man ‚treu befunden wird‘. In Letzterer darf die natürliche Lebensangst mit schwingen, wie Märtyrer trotz Standhaftigkeit vor dem Martyrium in Angst und Lebensnot die Augen schlossen und der Schlag des Herzens nicht zu zählen war.

Jakob hat vor Esau Angst, obwohl er fest auf Gottes Himmelsleiter steht. In unlösbarer Bindung ruft er aus: ‚Ich bin zu gering aller Barmherzigkeit und aller Treue, die DU an Deinem Knecht getan hast‘ (32, 11). Nachmals nennt er sich auch Esau‘s Knecht, weil er des Bruders Liebe (Einsicht) sich erwerben will. Es gilt, der Materie dienstbar zu begegnen, denn man wird selten ‚Herr‘, wenn man sich herrisch stellt. Die Liebe hat das Niedere bezwungen und es dadurch geistig hochgehoben (33, 4.)

Das ist im Gebetskampf zu erringen, eine Nacht hindurch, was das ganze Dasein auf der dunklen Welt bedeutet. Ist es aber nicht von Sternen überstrahlt, die um so intensiver wirken, wenn man sie nicht sehen kann? Das ist das Zeichen: GOTT hilft; Er ist nahe, wenn man in Not und Trübsal sich verlassen fühlt.

Nachts teilt Jakob seine Habe, was er der Welt zu opfern hat, was er geistgemäß behalten darf. Und er blieb allein (Gethsemane)! Die SEELE hat sich zu bewähren, denn der GEIST hat mit der Himmelsleiter seine Herrschaft angetreten. Ja — der Seele leuchten Gottes Sterne, Gottes Hilfe ist ihr nah.

In Gewißheit, daß Gott im Nahen und im Fernen, im Dunkel und im Hellen wirkt, kann jetzt die Seele ihrem Gott begegnen; nicht mehr nur oben an der Leiter, die ER Seinen Kindern zimmert, nein — unten an der ersten Sprosse, die von der Materie aufwärts führt. Als VATER kommt der Herr! Das scheinbar äußerliche Ringen war nichts anderes als eine große Abrechnung. Kann diese wohl ein anderer halten, als der SCHÖPFER ganz allein — ?

Falsch gedeutet ist, daß ein Engel mit ihm kämpfte. Heilig jenes Wort: ‚Warum fragst du, wie ICH heiße?‘ (V. 30). Du weißt es; und die Abrechnung vor deiner Heimkehr hält der HERR, ER allein kann eine Seele segnen, die unermüdlich während ihres ganzen Lebens im Gebet verbleibt, was ja nicht nur Worte sprechen heißt. Nur GOTT kann aus einem Jakob einen ISRAEL, den Bürger von Licht-Heilig machen, von der Stadt, wo der All-Heilige thront.

‚Und bist obgelegen‘ wird ausgelegt, als hätte Jakob diesen ‚Mann der Nacht‘ besiegt. Wer kann GOTT besiegen — ? oder einen Engel, der im Gottes Auftrag kommt — ? O! Jakob hatte sich besiegt, sich hingegeben, seine Seele dem Herrn anbefohlen, sich überwunden. So ist er des Vaters Sohn in Ewigkeit geworden. Nichts steht seiner Heimkehr mehr im Weg.

Und Esau, der arme Teil im Menschen? Er ist froh, daß das Licht zurückgekommen ist. Die Jahre lehrten ihn: ohne Gottes Führung gibt‘s kein wahres Leben. Wunderbar ist jene brüderliche Szene, wo jeder dem anderen dienen, sich dem andern unterordnen will, ohne seine Selbständigkeit, was auch Verantwortung bedeutet, aufzugeben (33, 3-17). Das Licht will, um zu erlösen! die Materie soll, um erlöst zu werden.

Noch sei als Symbolik angefügt: Jakob hat vier Frauen und zwölf Söhne. Die ‚4‘ spiegelt sich in der heiligen Vierwesenheit des UR: Schöpfer, Priester, Gott und Vater; die ‚12‘ in den Zehn Sinai- und den zwei Heilandsgeboten. Später teilte sich das Volk in zehn und zwei Stämme auf.

Durch Mißachtung der Zehn Gebote wird Israel (10 Stämme) ausgerottet, der zwei Gebote wegen Juda und Benjamin zerstört. Silpa und Bilha waren keine Stammesfrauen Labans; er hätte sie sonst nicht als Mägde fortgegeben. Jakob hat also zwei freie Töchter (der Geist bringt den Samen wie die Sterne am Himmel), und die zwei Mägde (die Materie, jenen Samen wie der Sand am Meer). Dazu 1. Mo. 22, 17.

Sachlich läßt sich die Geschichte kaum verstehen; nur vom Geiste her ist zu erkennen, daß Jakob ein Kind von Oben war, dazu eines aus den ersten Reihen. Doch an zweiter Stelle wurde er geboren, weil in der Welt zuerst die ‚Welt‘ regiert; aber GOTT steht an erster, daß Geschöpf an zweiter Stelle.

Der Geist, des Lichtes Sendling, wird über alle Weltherrschaft hinaus in den Himmelsstand erhoben und erlangt durch treues Dienen (bei den Eltern), durch Hingabe an Gott (an der Himmelsleiter), durch Dienstbarkeit am Nächsten (bei Laban), durch die Selbstbezwingung im Gebetskampf (am Pniel), den Segen aus dem Recht der Erstgeburt: die echte Wieder- oder Neugeburt aus dem Geist, aus dem herrlichen

DICH lasse ich nicht,

DU‘ segnest mich denn!

6.5.1950 A.W.H.

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