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Simeon und Cornelius. Anbahnung zwischen Rom und Tempel

3.T-Kapitel 5

Simeon und Cornelius. Anbahnung zwischen Rom und Tempel

Simeon und Cornelius sitzen sich gegenüber. Der Tribun, die Stirne aufgestützt, denkt nach. Die Geschichte Israels war eigenartig; und völlig ist das ‚Gestern‘ nicht verwischt, trotz des Tages Last, die ihm wenig Zeit zur Rückschau übrig ließ. Er versucht, vor Simeon seine Ungewißheit zu verbergen.

„Ich bin Römer! Euer Gottesglaube kann mit meiner Ansicht nicht vereinigt werden. Das Fest kam mir trotz deiner Rede — verzeih — langweilig vor. Unsre Götterfeste sind ganz anderer Art.“ „Bist du von eueren Götterfesten stets befriedigt heimgegangen?“ Väterlich klingt diese Frage.

Cornelius sieht Forestus an. Der schüttelt sich. „Nein“, zögert der Tribun. „Ich gehe meistens bald, wenn uns nicht der Cäsar hält. Allein — die Kampf- und Wagenspiele, der Auftritt der Vestalinnen erfreuen mich. Dabei herrschen Kraft und Schönheit vor, da braucht keiner stumm und teilnahmslos zu stehen, wie bei eurem Räuchern, bei den langen Litaneien. Und allzeit nur den einen Gott verehren — bei Herkules, das sagt keinem Römer zu!“

„Verstehe ich“, lächelt Simeon. „Außerdem kommt‘s darauf an, wo und als was jemand geboren wurde. Nun, mein Freund“, — dazu nickt Cornelius lässig — ‚ „das Äußere ist nicht ausschlaggebend. Wer das Gute in der Brust erwecken kann, der wird bald das Trügerische dieser Welt zu meiden suchen, ohne ein Asket zu sein. Das Asketentum ist nicht sehr gut.“

„Ich dachte“, entfährt es Cornelius. „Und dein Alter — ? Heute sehe ich, du trägst keine Maske. Gestern kam mir der Gedanke. Du wirkst jugendlicher, als ich selber bin. Wie kommt denn das? Du siehst nach keinem Juden aus. Ich habe dich verdächtigt; der Verdacht besteht noch immer, trotzdem ich dich“, Simeon läßt keine Regung ob des Verdachtes merken, „nicht als Spion betrachte, wie mir am Morgen zugetragen worden war. Da, das Briefchen!“ Er reicht Simeon eine fein gegerbte Eselshaut.

Simeon liest und lacht: „Das Eselchen hat sich verraten.“ „Ach — ? Wisse, vieles aber absolut nicht alles ertrage ich. Sage mir den Namen!“ „Versprichst du mir, nichts gegen ihn zu unternehmen? wenigstens nicht vorderhand. Es ist ein armer Schelm, der keinen warmen Herzschlag kennt.“

„Versprechen tu‘ ich nichts, du bist mir noch zu undurchsichtig. Meinetwegen soll der Esel galoppieren, bis er sich die Beine selber bricht.“ Unmutig zieht der Römer seine Augenbrauen kraus. „Warte eine Weile“, sagt Simeon gütig, „wenn nicht heute oder morgen, so naht die Zeit, wo du anders denken lernst.“ „Und dabei ein Römer bleiben?“ spottet der Tribun.

„Ja, dem Äußerlichen nach bleibst du ein Römer. Unabhängig davon ist des Geistes Leben, das über dem Vergänglichen, den Dingen der Materie steht.“ „Geist? Vorhin sprachst du von der Seele. Haha, dem Alter dreht sich doch wohl manches um.“ Simeon gibt fein den Spott zurück: „Nicht unbedingt! Geist und Seele sind zwei Kräfteteile, die ursprünglich und bleibend alle Geister haben, deren Wohnung auf den Sternen ist.“

„Du phantasierst“, ruft Cornelius unwillig, während sich Forestus an die Stirne tippt. „Geduld! Lade einige Templer und die Städter zur Besprechung ein. Da wirst du manches hören und erlangst zu gleich den besseren Kontakt; wirst dann auch leicht erkennen, was ich dir verkünde: Mein Vaterland heißt EMPYREUM, und ich ging zu letzt vom Ort MYRÄÄON aus.“

„Wo liegen diese Länder?“ giert Cornelius. „Mit einem Dutzend Worten ist dies nicht erklärt. Mein König hat mich zu dir hergesandt und weil ich dich schon lange liebe.“ „Jetzt hört‘s auf!“ Cornelius springt hoch, daß der Stühl nach hinten kippt. „Mit deiner Hänselei kannst du für deine Juden nichts ergattern! Ich habe Lust, dich . . . einzukerkern! Mord ist dir nicht geläufig, du Tribun mit einem Herzen, das nicht Rom geboren hat!“

Die Männer stehen hart voreinander. Zwei Augenpaare flammen, das eine aus dem Trieb zur Macht, das andere in fernem Schein. „Setze dich“, sagt Simeon wie zu einem Kranken, „und höre mir noch zu. Du dachtest, ob mein König mächtiger als Augustus und euere Legionen wäre, auf die ihr überheblich pocht. Schaue nur zurück! Wo sind die Sumerer? Wo Chaldäa, Urägypten, Medien, Persien und Babylon? Sie stiegen auf und fielen nieder; und so geht‘s jedem Volk, das nur auf Willkür und auf Waffen baut.

Denn höher als das blanke Eisen steht die Gnade; schwerer als ein Panzer wiegt die Barmherzigkeit; schärfer als ein Schwert ist die Allmächtigkeit; schneller als das rasche Roß läuft Gottes Recht!

Das und vieles mehr sind unsere Waffen! Tribun“, Simeons Wort wird hart, „keiner kommt mir nahe; denn mein König ist der Herr von allem, was du siehst und auch nicht sehen kannst. Was du siehst, gleicht einem einzigen Legionär gegenüber euren zwölf Legionen, die du nicht im ganzen überschauen kannst.

Du liebst die Sterne. Ein Funke ist zu sehen; und du ahnst es nicht, wie groß sie sind, was es dort für Lebewesen gibt, aus Geist, Herz und Seele wundersam geformt. Ein Stern ist Myrääon, da kam ich her. Das größtenteils unsichtbare Firmament nennt man Empyreum. Hänsele ich dich nun? oder biete ich dir eine Wahrheit an, von der eure Priester keinen Schimmer haben?“

Cornelius starrt in die hellen Augen. „Ich brauche Jahre, um das zu verdauen. Die Griechen haben alte Schriften; aber alles ist da mehr gedacht. Auch ägyptische Hieroglyphen sollen davon künden. Du sprichst, als sei es das Natürlichste der Welt. Nun — wir kommen heute nicht zusammen; mir fehlt die Zeit. Des Quirins Galeeren sind bereits in Sidon. Über Tyrus und Cäsarea kommt er nach hier. Ich muß mich sputen, um das Gröbste hinter mich zu bringen.“ Cornelius wischt sich den Schweiß. Forestus, es ihm nachtuend, tritt näher, in beiden Händen einen Rollenberg.

„Tribun, ich komme nicht allein zurecht. Das Vergleichen mit den ungeläufigen Namen — aus!“ Er läßt die Rollen fallen. Beinah hätte der Tribun gelacht, während Simeon offen schmunzelt. „Darf ich dir behilflich sein?“ sagt er verbindlich. „Ich lese dir die Rollen vor, du liest nach und machst an jeder Tafel einen Strich. So ist sicher, daß am Ende alles stimmt.“

„Beim Pollux!“ Cornelius bückt sich nach den Rollen. „Du willst mir wirklich helfen? Weißt du, nicht einmal dem Zacharias würde ich‘s erlauben, der sicher ehrlich ist. Doch bei dir — “ Das Übrige verschluckt der Römer. Geschickt lenkt Simeon ab: „Du gewinnst viel Zeit. Solltest du mich brauchen, stehe ich dir bis zur Ankunft des Quirins gern bei.“

„Wann waren euere Priester herbestellt?“ „Auf Nachmittag.“ „Dann lieber heute Abend.“ „Lade demnächst ein paar Männer ein, wie ich dir geraten habe; ich geb‘ die Namen an.“ „Denunzianten nicht!“ „Du wirst geschont“, lacht Simeon. Wieder fällt den Römern das Lachen eines frohen Kindes, die Augen eines starken Buben, die Weisheit hohen Alters an ihm auf.

Nach einem Imbiß wird die Arbeit aufgenommen. Forestus staunt, wie alles klappt. „Ah, hier ist deine Tafel, Simeon, und — was bist du? Lehrpriester und Prophet? Er verbeugt sich etwas. Cornelius, dem heute seine Arbeit ‚fließt‘, kommt herüber. „Zeig‘ her!“ Er prüft sie eingehend. Sie ist echt und hat sogar schon eine alte Farbe. Da steigt‘s ihm hoch:

„Der Tafel nach bist du ein Jude, mir gegenüber nanntest du dein Vaterland — Wie?“ „Empyreum“, hilft Simeon ruhig nach. „Also?“ „Es entgeht dir nichts“, meint Simeon. „Mitunter siehst du aber auch den Wald vor lauter Bäumen nicht. Mein Wesen, unabhängig von dem Leben dieser Welt, stammt vom Empyreum.

Ich kam anders her als du. Wenn du nun ein Gallier wärest? Keim Mensch bestimmt sein Vaterland, außer unter den Voraussetzungen, die du im Augenblick noch nicht verstehst. In Rom geboren, und du bist ein Römer; ich kam nach Jerusalem, demnach bin ich hier zu Haus. So muß meine Tafel stimmen, ja?“ Cornelius ist perplex. „Bei Apollo, du hast recht!“ Wie klug der Alte ist. Wenn man den für Rom ergattern könnte — — Ein Seufzer, oder war es nur der Wind, der durch die Fenstersäulen strich — Noch eine Stunde bis zum Abend, da ruft Forestus: „Fertig!“ „Wie?

Fertig? Mit der ganzen Stadt?“ „Ja!“ Stolz zeigt der Hauptmann auf den Tisch, wo entgegen sonstiger Gewohnheit alles säuberlich geordnet liegt. „Können Lehrpriester und Propheten mehr, als die Gaukler Persiens?“ Simeon zuckt es schalkhaft um den Mund: „Konnten sie dich schon mal bluffen?“

„Nein! Nur dein Arbeitszauber bleibt mir unfaßbar.“ „Es ist keine Zauberei, es ist eben ein System. Wenn ihr euere Legionen zu einem Einsatz bringt, dann achtet ihr sehr scharf auf die Systeme bis ins Kleinste, wie der Soldat mit Schild, Schwert und Lanze fechten oder wehren soll. Willst du vier oder gar acht Rosse sicher lenken, so ist jeder Zügel ganz genau zu führen, sonst kippen dir die Pferde deinen Wagen um.“

„Ist geschehen, als ich noch am Lernen war“, grinst Cornelius. „Ohne Simeon hätte ich vier Tage zu der Buddelei gebraucht“, sagt Forestus. „Hab ich dafür frei?“ Cornelius verneint: „Wir nehmen gleich die Landleute vor.“ Halb bittend zu Simeon gewendet: „Willst du wirklich helfen? Morgen oder übermorgen. Du brauchst es nicht umsonst zu tun.“

„Ich bot mich an! Es läßt sich viel erledigen, bevor Cyrenius kommt. Er ist besorgt, weil du wenig gute Leute hast, ahnend, was der letzte Pontius dir hinterließ. Silberlinge und Sesterze nehme ich, für die entsetzlich Armen dieser Stadt, die unwürdiger hausen als mancher Hund in euerm Rom.“

„Mach es nicht zu arg! Ich sah keinen nackten Mann.“ Cornelius ist verärgert, weil Rom — nein nein, nur ein paar Unfähige gewütet haben. Er soll bald merken, daß es weit schlimmer steht, als er nur zu denken wagte. Man geht in sein Privatgemach. Nach dem Mahl — sie sitzen noch beim Wein — werden die zwei Tempeloberen gemeldet. Die Begrüßung fällt in etwas herzlicherer Weise aus, als es der Lage nach sonst üblich wäre.

Nachdem man allerlei besprochen hat, lenkt Simeon auf die schweren Mißstände in Pälastina hin. Ab und zu erhitzt sich der Tribun. Er will Rom sauber sehen, weil er selber sauberen Sinnes ist. Wenn der Quirin jedoch den bösen Braten riecht, wer weiß, was da noch folgen wird. Simeon beschwichtigt ihn:

„Denke nicht, Tribun, daß du belästigt wirst um Dinge, die nicht du verschuldet hast, auch euer Cäsar nicht. Kommt alles an den Tag, so ist es für den Pontius Naxus (Schimpfname) und für seine Helfer gut, daß sie nicht mehr leben.“ „Wie? Nicht mehr leben?“ Entgeistert fährt Cornelius hoch: „Sie sind auf Melite (insel Malta) im Exil, bis die Prüfung abgeschlossen ist. Dann wird das Strafmaß festgesetzt. Der Quirin Cyrenius, der diese Sache überhat, fällt kein vorzeitiges Todesurteil.“

„Sie sind in einem kleinen Boot geflüchtet, das im jähen Sturme kenterte. Keiner kam lebend zurück.“ „Welch ein Omen“, murmelt Forestus und streut einige Harzkügelchen auf den Hausaltar. „Wieso weißt du das?“ fragt Athaja. Zacharias sieht Simeon ehrerbietig an:

„Er ist ein Prophet; was Wunder, wenn er solches weiß.“ Abermals beruhigt Simeon: „Cyrenius bestätigt‘s dir, Tribun; er befindet sich in voller Fahrt und kommt früher, als es vorgesehen war. Darum bot ich dir die Hilfe an.“

Athaja zerdrückt aus Angst ein Lächeln. Nun weiß er, wie Simeons Tafel, von der Cornelius berichtet hat, ‚ohne Zauberei‘ das Tribunat bekam. Er hat sich gut geändert; doch für hohe Dinge ist er ein erst halb beschriebenes Blatt. Wenn der Tribun dahinterkommt? Aber schon liegt das Gespräch auf anderer Bahn.

Simeon erklärt noch einiges aus seiner Festtagsrede. Die Templer wundern sich, wieviel Cornelius behalten hat. „Tribun“, setzt er hinzu, „es ist besser, wenn du Land, Leute und die Sitten kennen lernst. Der Naxus, wie man ihn ob seines Treubruchs nennt, gab sich keine Mühe, die zur Verzweiflung Getriebenen auch nur anzuhören, geschweige sich des Elends anzunehmen, das durch seine ungehörigen Erpressungen zustande kam.“

„Erpreßt? Das tut Rom nicht! Die Steuern waren hoch; bedenkt, es kostet viel, die östliche Mauer herzustellen. Vielleicht noch eine kurze Zeit, und die Steuer wird herabgesetzt.“ „Wirklich?“ fragt Athaja. Er hatte für alle Fälle einige Zinsrollen mitgebracht. Die zieht er nun hervor und sagt:

„Hoher Römer, verzeih, wenn ich vorzulegen wage: In den letzten fünf Jahren ist der Länderzins verdoppelt, der Haus- und Tempel-Zins verdreifacht worden. Dazu die Fron, ohne Sold, und den Fronenden ward die Schatzung nicht erlassen.“ „Hast du das schriftlich? Sind die Abrechnungen aufgehoben worden, um sie mir zu präsentieren?“ Des Römers Ärger kennt keine Grenze. Alles Schöne dieses Tages und des Abends ist verweht.

Athaja reicht sie hin. Zacharias meldet: „Der Pontius befahl bei Todesstrafe, die Dokumente aufzuheben, weil er ab und zu Vergleiche stellte, wo er — um weiteres zu erpressen.“ „Morgen überprüfe ich die Sache.“ Einzelnen Zahlen nach sieht Cornelius sofort, daß kaum die Hälfte der erpreßten Gelder Rom bekam. Den schlimmsten Haken zerbricht Simeon:

„Cornelius, wenn du die Akten sichtest, so sieht es aus, als wenn die Tempelscheine unecht wären. Naxus fertigte sich jeweils eine Doppelrechnung an: für das Tribunat und für Rom. Im Hausgewölbe findest du die Truhe, in der die Urschrift aller Dokumente liegt.“ Cornelius geht auf und ab, mühsam eine Wut bekämpfend. Daß Besiegte eines Siegers Unwürdigkeit beweisen, geht ihm ‚über den Helmrand hinaus‘, wie er zu sagen pflegt.

Forestus kennt seinen Vorgesetzten. Verstohlen flüstert er den Priestern zu: „Geht heim; ich gebe euch die Wache mit. Seid jetzt unbesorgt, er bringt die Wahrheit an den Tag.“ Dem alten Krieger geht es selbst wie seinem Herrn. Das Soldatenleben läßt zwar wenig Feinheit über; aber so etwas? an Besiegten? Nein, das ist beiden widerlich.

Kaum sind die Hebräer fort, fängt Cornelius an zu toben: „Dieser Schuft! Dieser Meuchelmörder!“ Eine Flut böser Flüche folgt nach. Forestus rettet blitzschnell einen schönen Kelch, halb gefüllt mit Wein, den Cornelius zerschmettern will. „Austoben lassen“, murmelt er in sich hinein.

Cornelius läßt die Truhe holen. Er wühlt alles hastig um und um. Bei starkem Fackellicht schaffen sie allein. Es soll niemand diese Schande sehen. Der Morgen graut, als das meiste Material gesichtet ist. Forestus bringt ein Mahl, dazu einen schweren Wein. „Schlafe ein paar Stunden; dann löst du mich ab. Ich glaube, daß Simeon — bei Diana und ihrem Heer, er mag sein, wer er will — uns helfen wird. Wir müssen die Hebräer . . .“ „Denkst du etwa, ich bitte sie, sich ihre Zungen selber abzubeißen?“

„Höre deinem alten Barte zu. Die bleiben stumm, aus Ehrgefühl . . .“ „ . . . das Naxus nicht besaß!“ „Nicht so laut; auch meinte ich, weil du sie gewonnen hast. Beim Lupus, wer kann dir widerstehen?“ Zärtlich rauh sagt es Forestus. „Na ja“, brummt Cornelius. „Aber dann die Städter? Wenn der Denunziant im Tempel sitzt, wer bürgt uns da für Schweigsamkeit?“ „Dafür wird der Tempel selber sorgen.“ Forestus Zuversicht soll sich bestätigen. —

Die Oberen beraten auch bis in die tiefe Nacht. ‚Schweigen‘ heißt die Parole. Vor dem Schlafengehen sagt Athaja: „Simeon, mich hat gewundert, auf welche Art du deine Tafel eingeschmuggelt hast. Ist das nicht . . .“ „ . . . anrüchig?“ ergänzt Simeon gelassen. „Nein, es geschah ja bloß zu euerem Schutz. In derlei Fällen handelt besser der Verstand, um das dringend Gute zu erreichen. Und deiner Feinde wegen habe ich das so getan.“

„Warum gabst du dem Tribun den Rat, die Toten ihrer Reichsschaft zu berauben? Das kommt mir weltlich vor.“ „Schon recht; es gilt aber weniger den Toten; denn des Menschen Ehre gleicht dem Staub, den man von den Füßen schüttelt gegenüber aller Ehre Gottes. Mehr für den Umstand war es nötig. So behält der Römer seine Ehre, die er über alles liebt.

Es sind meist gute Menschen, die auf Ehre achten. Und der Tribun schämt sich vor euch. Wenn von uns aus nun der Vorschlag kam, den er flüchtig formulierte und ich sagte, er soll ihn dem Quirin von sich aus unterbreiten, dann steht der Tempel und das Volk in einem guten Licht. Das kann bloß allen nützlich sein.“

„Sowas wäre mir nicht eingefallen.“ Simeon nickt: „Merke, nur der Gedanke, der zu Wort und Taten treibt, ist die Präge, wie sich alles offenbart. Bewirkt er helfen, heilen, wo es nötig ist, so hat alles Tun und Lassen ein Gesicht des Lichts. Hätte ich zu meinen Gunsten meine Tafel eingeräumt, wäre es Betrug. Da nicht ich sie brauche, gab der Himmel das Gelingen.“ Eines Engels Lächeln gleitet über Simeons Gesicht. „Ich konnte es ja wundermäßig tun; aber euch zur Lehre ist‘s geschehen, wie ich‘s eben tat.“

„Im Grunde war es doch ein Wunder“, sinnt Zacharias. „Du bietest dich dem Römer an, er sagt gleich ja, was mich erstaunen ließ, und ausgerechnet wird der Tempel samt der Stadt geprüft.“ „Bei unserm heiligguten Vater-Gott sind alle Dinge möglich. Er hilft zu dem auch irdisch zum Verständnis Seiner Erdenkinder.“ (S. 13, 1-2)

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