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Schwere Probe für Zacharias. Hohes Räucheramt. Wenn der Himmel alles tut, …

4.T-Kapitel 3

Schwere Probe für Zacharias. Hohes Räucheramt. Wenn der Himmel alles tut, was tut ihr? Vorlicht über Maria. Rom rechnet mit den bösen Templern ab. Ein schöner Abend im Arboretum. Hinweise über Räuchern. Verstand oder Omen? Das Schuldbuch in Gottes Hand. Vom kleinen Häuflein.

Zacharias erhebt sich wie zerschlagen. Auf dem Wege zu Athaja trifft er Hilkia und Jojareb. Sie reden von ‚Verrätern, die mit Römern Nachtgelage hielten‘. Er achtet ihrer nicht. Die Gedanken ziehen unablässig einen Kreis. Athaja ist trotz kurzem Schlaf erfrischt, so hat der gestrige Abend auf ihn eingewirkt. Als er den müden Zacharias sieht, fragt er verdutzt:

„Nanu?“ Zacharias setzt sich nieder. „Ich weiß nicht“, weicht er aus, „es ist zum Lachen, wenn . . .“ „Sprich dich aus“, fordert jener herzlich auf und setzt sich Zacharias gegenüber. Ihr beiderseitiges Vertrauen öffnet Zacharias seinen Mund. „Ich habe von Elisabeth einen Brief bekommen.“ „Steht denn da so Arges drin, daß dir Trost und Glaube schwinden?“

„Wäre ich zehn Jahre jünger, würde es mich jubeln machen. Aber so — ? Vor acht Monaten war ich zum letztenmal bei ihr und erspare mir, daß ich alter Mann noch einmal an die Wünsche meines Lebens dachte. Vor fünf Monden (Luk. 1, 24 u. [VH30]) teilte sie mir mit, sie würde Mutter werden. Um uns eine Täuschung zu ersparen, schrieb ich ihr zurück, der Wunsch hätte sie wohl krank gemacht, wir müßten uns in Gottes Willen fügen.

Gestern schrieb sie mir, es wäre wahr, und in einem Monat wäre es soweit. Bringt es Segen oder Hohn!“ „Wenn dich einer höhnt“, sagt Athaja hart, „dann setzt es etwas ab! Denk‘ an Abraham und Sara, die der Verheißung keinen Glauben schenkten (1. Mo. 17, 17; 18, 12). Trotzdem kam ein Isaak zur Welt. Und gebärt Elisabeth dir einen Sohn, wird er ein Auserkorener des Höchsten sein!“

„Du tröstet gut, Athaja. Doch wir haben heute keine Gnadenzeit wie dazumal.“ Athaja schüttelt ganz verwundert seinen Kopf. „Keine Gnadenzeit ? Wo Simeon bei uns ist und und der HERR erscheint?“ Zacharias senkt beschämt die Augen. Wohin hat er sich verirrt, weil er die Verspottung fürchtet? Seine Hände zittern. Der Erste mischt ihm einen Trunk.

„Du hast heute Räucherdienst (Luk. 1, 9); ich übernehme aber gern das Amt,“ „Nein, die Wühler würden sagen, ich hätte gestern allzu oft gebechert. Sie haben mich schon angerempelt.“ Athaja ballt die Fäuste. „Des Tempelfriedens wegen wäre es mir recht gewesen, hätte der Quirin sie mit nach Rom genommen.“

„Malluch kann das Räuchern vorbereiten“, lenkt Zacharias ab. „Über ihn war ich gestern sehr erstaunt.“ Athaja nickt: „Manchmal denkt man, er kann kaum bis sieben zählen. Die Erläuterung auf seine Frage war so wunderbar, daß das Wort der alten Zeit auf die kommende, die die ‚neue‘ heißen wird, genauest anzuwenden ist. Heiliges steckt in den Propheten.“ Zacharias hat das auch gemerkt, begibt sich aber mit noch ungelöstem Druck ins Allerheiligste.

Bei keinem Amte unterlief ihm je ein Fehler. Heute muß zum ersten Male Malluch helfen, einiges sogar unauffällig richtigstellen. Es ist danach bis zum Räuchern, an welchem alle Priester teilzunehmen haben, während schon das Volk im Vorhof wartet, noch eine Stunde Zeit, in der der Räucherpriester ruht, weil der Dienst hernach vier Stunden dauert.

Zacharias dankt Malluch und bleibt zurück. Er kniet und fleht: „O Herr, ich bin kein Abraham, der im hohen Alter Isaak empfing. Auch war mir nichts verheißen worden. Soll uns jetzt ein Kind geboren werden?“ Zacharias wagt nicht auszusprechen, was sein Herz zutiefst bewegt. Da klingt ein Wort vom Altar her:

„Muß Gott erst verheißen, wenn Er Seine Güte offenbaren will?“ Der Zweite sieht betroffen hoch. Hat Gott gesprochen? Nein, dessen ist er gar nicht würdig. Auf dem Teppich, vor dem Hochaltar, steht ein hehrer Geist. Licht flutet von ihm aus. Sein Antlitz ist trotz herber Strenge mit einer Milde überhaucht, die der Irdische nicht zu benennen wüßte. Nur fühlen kann er sie, und das bloß ungewiß. Er erschrickt in Seligkeit und Angst.

Ist das nicht — — Nein, Simeon nicht; die Lichtgestalt, die so am Altar steht, als dürfe nie ein Mensch dort walten, sieht so — — Er ist ganz verwirrt. GOTT kann in ‚einem Kleide der Allmächtigkeit‘ erscheinen, wie Simeon es offenbarte. Da hört er jene Stimme, ‚fern von der Erde her‘, schon weiter reden:

„Ob du würdig bist, Gottes Worte zu vernehmen, kannst du deinem Schöpfer zu entscheiden überlassen!“ Zacharias beugt sich bis zum Boden. „Und Seine Strenge wirkt in Seiner Milde wie der Sauerteig im Mehl (Matt. 13, 33), geistig und auch irdisch. Deine Sorgen haben dich betrübt. Du hast dich stets bemüht, Gott treu zu dienen und warst des Tempels fester Halt. Darum hat der Herr Sein Ange sicht zu dir und zu Elisabeth gewendet, daß euch dein Sohn geboren wird; denn Elisabeth ist eine fromme Frau!

Dir war bewußt, wie wunderbar der Herr geholfen hat. Du hast — wie wenige — gesehen, daß die Herrschaft Roms gerecht gekommen ist. In väterlicher Milde wirkte der Erzieher, damit der ‚Knabe Juda‘ nicht so ganz verdürbe. Also handelt Gott mit jedem Menschen, wie nötig mit der ganzen Welt! Weshalb bist du nun verzagt? Warum siehst du Gottes Güte nicht?“

Kleinlaut erwidert Zacharias: „Vierzig Jahre hoffte ich auf einen Sohn. Ich bin . . .“ Er braucht nicht zu sagen ‚alt geworden‘. „Die Frau hatte einen Traum (Luk. 1, 25); und als ich bei ihr war, betete sie, und ich — klammerte mich an Gottes Füßen fest. Als die erste ungewisse Kunde kam, würgte mich der Zweifel. Allein, das sah der Herr: ich ergab mich Seinem Willen.“

„Darum leuchtet Gottes Güte über dir. Rede weiter!“ „Ach lieber du, der Engel Gottes.“ „Ich bin ein Himmelsfürst (Dan. 10, 13). Aber daß du reden darfst, soll dich entlasten.“ „Da will ich mir die Last von meiner Seele wälzen.“ Zacharias atmet schwer. „Man wird mich verhöhnen und Elisabeth verachten. Nun schrieb sie obendrein: ‚Er soll Johannes heißen.‘ Weiß sie denn, daß es ein Knabe wird?“ „Du fragst — ? Ihr Traum hat sich erfüllt, und ich überbrachte ihr den Namen, — vom Himmel her, Zacharias!“

„Vom Himmel? Ich bin‘s nicht wert.“ Da tönt es wieder streng, so daß der Mensch sich abermals zu Boden neigt: „Es ist ja fromm, wenn jemand Demut übt; aber wenn ihm eine Offenbarung wird, dann ist‘s Gott lieber, wenn man sich zu Ihm erheben läßt.“ „O“, sagt Zacharias müde, „Gott ist jetzt nicht da.“

„Und wo? Falle nur nicht wieder hin, wenn ich ernsthaft mit dir rede.“ „Weißt du nicht, wie mein Herz beschaffen ist?“ „Ja; und ich kam, um dir zu helfen.“ Das klingt wie Simeons gute Stimme. Aber wäre er der Engel, der in des Schöpfers Herrlichkeit erschien, dann hätten sie ihn viel zu unwürdig aufgenommen. Dieses menschliche Erwägen lächelt Gottes Engel weg.

„Dein Sohn soll JOHANNES heißen. Du, Elisabeth und viele werden an ihm Freude haben (Luk. 1, 13-20). Er wird groß sein vor dem Herrn und viel Volks zu Ihm bekehren. Er geht IHM voraus im Geist und in der Kraft Elia um GOTT die Straße zuzurichten.“ „O du Engel Gottes“, sagt Zacharias, „Elia war schon hier und es heißt, daß ‚Gott ihn senden würde, ehe käme der große, schreckliche Tag des Herrn‘ (Mal. 3, 23-24). Soll mir — mir — ein Elia werden?“

„Freund“, erklingt es sanft, „Maleachi‘s Prophetie betrifft das Innere des jetzigen Geschehens, wenn es sich auch irdisch zeigt. Dein Sohn wird lehren, taufen und bekehren, im Geist und in der Kraft des Elia, der ihn beschattet (Joh. 1, 21). Denn er stammt vom Hause Michaels, aus erster Reihe. Auch du und Elisabeth seid nicht weit ab davon im Licht geboren.“

„Ich muß mein Haupt verhüllen.“ „Doch die Zunge bliebe dir“, wird er korrigiert, „dürftest du die Herrlichkeit des Herrn erblicken.“ Das war gestern falsch, denkt Zacharias, „Der Geist und die Kraft des Elia“, sagt das Licht, „sind stark genug für diese Zeit, die nicht mehr ertragen kann. Michael kommt mit des Himmels Heer, vom TREU und WAHRHAFTIG angeführt (OJ. 19, 11), in der letzten Stunde dieser Welt. Darauf bezieht sich Maleachi‘s Wort.“ „An was ist es zu erkennen?“ Eine mehr bittend gestellte Frage. „Ich bin ja doch zu alt zu einem Sohn; und Elisabeth . . .“

„Du erkennst mich nicht?“ fragt das Licht. „O, ich spürte — dachte — konnte doch nicht ahnen“, holpert Zacharias durcheinander. Das Licht nimmt zu und überflutet ganz des Tempels Heiligtum. Zacharias ist geblendet; nur mit abgeschirmten Augen ist die Himmelslohe zu ertragen. Und dann — dann — —

„Ich bin Gabriel und stehe vor dem Herrn. Er sandte mich, um dir Seine Güte zu verkünden. Du wirst verstummen bis zum Tag, an dem dein Sohn geboren wird. Nimm es nicht als Strafe auf (Joh. 9, 2-3); es ist ein Zeichen Gottes für das Volk. Nun räuchere; und am Rauch soll man erkennen, wer mit dir gesprochen hat.“

Der Geist enteilt; allmählich nimmt das Leuchten ab. Draußen wird man ungeduldig. Längst müßte der Räucherpriester mit dem Räuchfaß Gottes Segen bringen. Jissior flüstert Athaja zu: „Geh hinein, ihm ist etwas zugestoßen.“ „Nach der Satzung darf ich nicht.“ „Hilfe ist wichtiger als Satzungsform“, drängt Nathan. Athaja schickt sich an, ins Allerheiligste zu gehen.

Abseits wispern Jojareb und Hilkia: „Der schläft seinen Rausch beim Räuchern aus.“ „Athaja will hinein.“ „Er ist geliefert, wenn er unsere Satzung bricht (Luk. 13, 15; 14, 5).‘ Sie haben sich zu früh gefreut. Wer sah, daß Simeon durch den Vorhang tritt? Unauffällig greift er nach Athajas Hand, aber nicht, um ihn am Hineingehen zu hindern. Ein Lichtglanz flutet aus dem Allerheiligsten heraus. In dieser Flut steht der zweite Hohepriester.

Betroffen denken viele: So mag Mose ausgesehen haben, als er sein Gesicht verhüllen mußte (2. Mo. 34, 33-35). Der Priester geht zum Volk hinaus, das Räuchfaß dabei schwingend, aus dem der Rauch besonders weiß und lieblich duftend in die Höhe steigt. Doch vergeblich wartet man auf einen Spruch, den der Räucherpriester von der Bundeslade holt. Die Templer schließen sich in steigernder Besorgnis an. Doch die Gläubigen, als sie den Glanz auf Zacharias Antlitz sehen, sinken einmütig nieder. Wie ein starkes Flügelrauschen geht es über sie dahin.

Die Wühler drängen sich zur vorbestimmten Stelle, wo sie mit dem Rädelsführer reden können. Während Zacharias räuchert, das Volk im Rausche eines neuen Glaubens ihn umlagert und ein Raunen durch die Reihen geht: ‚Er hat ein Gesicht gehabt‘; ‚Seht den wunderbaren Rauch‘; ‚Er ist von Gott erwählt‘; ‚Ein Engel sprach mit ihm‘; und anderes, was zu Gunsten des beliebten Priesters spricht, machen die Verschworenen sich einen andern Vers.

„Das Glänzen täuscht; wer weiß, wie er‘s gezaubert hat.“ „Seine Stummheit ist die Strafe Gottes für das Nachtgelage.“ „Wir bringen diese Sache vor das Tribunat.“ „Aber nicht, solange der Tribun bei uns verweilt; den hat der Magier Simeon eingewickelt.“

„Mich wickelt niemand ein“, sagt jemand durch die Zähne, um die Feier nicht zu stören. Die Unkrautsäer fahren jäh herum. Durch die tiefe Andacht, von Zacharias heiligstillem Amt hervorgerufen, fiel es keinem auf, daß Cornelius mit seinen drei Getreuen in den Vorhof eingetreten war. Jojareb und Genossen hatte er mit sicherem Blick erspäht und sich mit seinen Offizieren hinter sie gestellt. Schon längst werden sie beschattet.

Einige schleichen fort; aber jeder hat schon in der nächsten Gasse eine Ronde im Gefolge, die sie in das Richthaus bringt. Jojareb und Hilkia befiehlt Cornelius am nächsten Tag zu sich. Die Szene hat sich unauffällig abgespielt. Als sich der Vorhof leert, treffen sich die Tempelfreunde und die Römer.

Das Verstummen Zacharias macht manchen Priester stutzig, ‚muß eine Strafe sein‘, sagen mehrere. Als man hört, daß Cornelius vom Räucherfest nichts wußte und nur so gekommen sei, doch vom Amt des Zacharias überwältigt gern dem Gottesdienste lauschte, da merkt man es, daß er nicht eingeladen war. Das läßt die Wankelmütigen wieder ganz zum Stummen finden.

Dieser wird von Simeon und Hanna aus dem Hof geführt. Sie betten den Erschöpften auf sein Lager. Als Simeon zu den Harrenden kommt, wird er mit vielen Fragen überhäuft, Athaja sagt ja gleich:

„Er hatte sicher eine große Offenbarung, was der Glanz auf seinem Angesicht bestätigt. Auch trug er eine schwere Last, und er hat —‘ vielleicht — wie Jakob am Pniel mit GOTT (1. Mo. 32, 31) oder einem Engelsgeist gekämpft.“

Auf Simeon schauend, erschrickt er jäh. Daß dieser Gottes Engel ist, was weniger am äußeren als mehr an seiner Wesensart und Lehre zu erkennen war, weiß er ja. Aber nun — ? Sind nicht dessen Augen solchem Strahle gleich, wie er aus dem Heiligtume drang? Da bekennt der Römer:

„Ich ahnte bald, daß du, der so menschlich kam, kein Irdischer bist. Du nanntest ja dein Vaterland ‚Das Empyreum‘. Ein Athener Weiser, den ich darum befragte, erklärte mir, man könne dieses Wort nicht richtig übersetzen. Es hieße etwa ‚Feld des Lichtes‘ oder — ganz hoch gedacht — ‚UR-Universum‘! Und du weißt, Simeon, daß ich daran glaube.

Hast du dich zu weisem Zweck verhüllt, so nenne ich dich Simeon; im Herzen bist du mir ein Fürst des Herrn! (1. Mo. 23, 6; Jos. 5, 14; Dan. 10, 13) So sah dich sicher Zacharias. Allein, nach dem ‚Warum‘ sollten wir nicht fragen. Würde ich dich auch als Fürsten sehen, da verstummte ich wie unser Freund. Ich werde Zacharias zu beschützen wissen.“ Athaja drückt den Römer wortlos fest an seine Brust. Zu diesem sagt Simeon:

„Du bekommst Gelegenheit, ihn und andere zu schützen. Bleibe eine Woche.“ Der Tribun erwidert: „So wörtlich meinte ich es nicht; du bist ja am Werk.“ „Schon gut“, nickt Simeon. „Tut der Himmel aber alles, was bleibt euch für Arbeit übrig?“ „Wahr!“ läßt sich Obadnia vernehmen. „Ein jeder soll das Seine tun. Geschieht es außerdem zur Freude Gottes, so kann es Segen bringen, selbst wenn es bloß durch unsre kleinen Hände geht.“

„Was wird geschehen? Ich will —“ Der sonst selbstsichere Römer stockt. „Du wirst das Rechte tun“, beruhigt Simeon. „Fein! — Nun etwas anderes. Ich kam im Auftrag des Quirins, nach dem Mägdlein Myriam zu forschen.“ „Da ist nur das Beste zu berichten“, erklärt Athaja. Niemand ahnt, was indessen mit dem reinen Kind geschah. Und so fährt der Erste fort:

„Vierzehnjährige Mädchen müssen aus dem Tempel. Myriams Eltern waren – genaues weiß ich aber nicht — von der Besatzung ausgewiesen worden. Da sie vom Stamme Davids waren, konnten sie ihr Kind, um es vor ungewissem Schicksal zu bewahren, dem Tempel anvertrauen. Wo sie sind, ist nicht bekannt.“ Athaja sieht Simeon prüfend an; doch dieser schweigt. Sollen Myriams Eltern nach Gottes Ratschluß nicht in das Geschehen einbezogen werden — —

„Myriam, die man jetzt Maria nennt, ist einem ehrwürdigen Manne übergeben worden, der direkt dem Hause Davids angehört. Er ist so angesehen, obwohl einfachster Herkunft, daß wir für Maria keinen besseren uns wünschen konnten. Außerdem entschied das Los. Sie ist schon Monate bei ihm. Übrigens sind er und Maria mit Zacharias und dessen Frau Elisabeth verwandt.“

„Ich bin beruhigt“, entgegnet der Tribun. „Cyrenius wollte, daß ich sie persönlich sah.“ „Du wirst sie sehen, wenn der Glanz des Himmels ihr die Mutterkrone gibt.“ „Die Mutterkrone?“ fragt man entsetzt. „Wie meinst du das?“ Wohl können ihre Mädchen sehr früh Mutter werden; aber . . . „Wartet ab“, erklingt es sanft, „das Wunder wird euch fröhlich machen.

O“, Simeons Stimme härret sich, „erst werden schmutzigrauhe Hände nach der feinen Blüte greifen. Darum warne ich: Wappnet euch! Und glaubet fest!“ Betretenes Schweigen. Jissior seufzt: „Ich ahne, wie vor unserm Tore etwas lauert, das den Glauben nehmen könnte, wenn wir Simeon nicht hätten . . .,“ „. . . wenn ihr GOTT nicht hättet!“ sagt der Lichtfürst ernst. „Du weißt ja, wie ich‘s meinte“, entgegnet Jissior, „selbstverständlich soll der HERR für uns der Erste und der Letzte sein!“

„Mit diesem Glauben könnt ihr GOTT empfangen“, lobt Simeon, „mit ihm auch einst zu eurer Zeit ins ‚Feld des Lichtes‘ gehen.“ Keiner von den treuen Templern ahnt, daß sie abberufen werden, bevor das Siegel der Erlösung durch das ‚VOLLBRACHT‘ für die Urheberin des Falles aufgebrochen werden wird, — —

Cornelius hat entgegen seiner Absicht Jojareb und Hilkia schon am Nachmittag zu sich befohlen. Er versucht mit Ernst und Güte auf sie einzuwirken. Aber wer verbohrt ist, bleibt verbohrt. Als sie außerdem verdreht von damals sprechen, wo doch Cyrenius statt des verdienten Kerkers nur die Schreibarbeit diktierte, da ist es mit der römischen Ruhe wieder mal vorbei.

„Ihr Pack!“ brüllt der Tribun. „Eher wird aus einem Schwein ein Reh, als aus euch ein Priester! Ihr seid so gesinnungsdreckig, daß ich keine Kaiserliche Rolle über euch beschmutzen will! Tut, was ihr wollt! Aber“, er tritt drohend auf sie zu, „ihr entkommt mir nicht, wenn ihr unterm Volke weiter wühlt und —“ noch bedrohlicher werdend, „— wenn ihr im Tempel Unheil stiftet!

Bis jetzt“, die arg Bedrohten weichen bis zur Wand zurück, „hat der Tempel sein eigenes Gericht behalten, sofern kein Delikt die Besatzungsmacht betrifft, wie euer ekelhafter Vierfürst sein zum Glück eng gezogenes Recht besitzt. Merket aber auf: Ich veranlasse Augustus, das Recht zu Gunsten guter Israelen aufzuheben, sobald ich dies für gut befinde! Und dann — dann —“ Cornelius treibt die aschfahl Gewordenen von einem Winkel in den andern, „— seid ihr dem Quirin Cyrenius ausgeliefert!

Geht! Euch Gesindel mag ich nicht mehr sehen!“ Cornelius stützt sich auf einen Fenstersims, nicht merkend, wie die zwei Männer wie Ratten durch den Vorhang schlüpfen, dafür schwer besorgt Forestus eingetreten ist. „Ich glaube“, keucht Cornelius vor sich hin, „auch der Schöpfer muß so zornig sein, wenn Er solch Gelichter vor Sich sieht!“ Er wirft sich auf sein Ruhebett.

Forestus mischt ihm einen Trank nach Simeons Rezept. „Das tut gut.“ Gierig trinkt Cornelius. „Manchmal denke ich, wie schön es sei, wäre ich auf meinem Gut Ankona und könnte dort mit Weisen über Gottes Wort und Werke reden.“ „Ja, das wäre fein“, stimmt Forestus bei, dem das Soldatenleben auch nicht mehr behagt.

„Fata morgana!“ Im Nu ist Cornelius entschlummert. Pilatus fragt Forestus, was es denn gegeben hätte. Man hat das Toben des Tribuns im ganzen Haus gehört. „Nichts besonderes“, winkt dieser ab. „Eine Tempelsache“, lügt er halb, „die den Tempelrichtern untersteht. Der Tribun war in seiner Ruhe aufgescheucht.“ „So?“ Glaubwürdig klingt das nicht. Pilatus muß sich mit dem Bescheid zufrieden geben, und dem alten Pontius ist die Sache einerlei.

Als Cornelius erwacht, führt er ein Selbstgespräch. „Hm, eigentlich hätte ich nicht brüllen brauchen. Simeon hat mich oft ermahnt. Die Angebrüllten werden dadurch auch nicht besser. Was ist man für ein Häuflein Pech! Ich bin noch jung, da braust — Halt, entschuldige dich nicht, römischer Tribun“, belächelt er sich selbst. „Über Mannes-Wut steht Manneszucht‘, hat Cyrenius gelehrt. Ja, der kann‘s, der haut nicht daneben, wie es mir passiert.“

Plötzlich schellt er laut. Forestus eilt herbei. „Heute scheint es mild zu bleiben“, der Tribun sieht prüfend nach dem Himmel. „Wir wollen die paar Tage nutzen. Lade unsere Freunde ein, wir gehen in das Arboretum. Askanius soll die Diener überwachen.“ Seit Simeons Erscheinen nennt Cornelius sie nicht mehr Sklaven, trotzdem sie offiziell noch solche sind. „Sorgt auch für genügend Fackeln und für Feuerbecken, falls der Abend herbe Kühle bringt. Alles andere besorge ich.“ —

Der Tempeldienst war heute streng. Doch wie die Menge durch das wundersame Räucheramt des stummen Zacharias einem ‚Glaubensrausch‘ verfiel, so wollen auch die Freunde nichts versäumen, solang der Himmel ihnen Simeon beläßt. Denn wer weiß, welche Wolken sich am nächsten Morgen türmen. Es ist viel Lichtkraft aufzusparen. Daher eilt man gerne in das Tribunat, auch Zacharias, den keiner missen mag. Man geht mit ihm — wie ausgemacht — ganz selbstverständlich um, gar nicht so, als wäre er ein kranker Mann. Das gibt ihm sein Selbstvertrauen wieder.

Im Laufe des Gesprächs wird über vieles debattiert, auch welchen Sinn das Räuchern habe. Zum Verwundern stellte Samnus diese Frage. „Eigenartig“, sagt Pedatja, „der amtierende Hohepriester entnimmt wahllos aus den aufgelegten Rollen für den Tempel und für das Volk die Sprüche. Man sagt, Gottes Finger habe diese Stellen angekreuzt. Es erwies sich oft, daß sie wie zugeschnitten schienen, allerdings auch manchmal umgekehrt. Längst fällt mir aber schwer, daraus ein Omen zu ersehen.“

„Ein Omen soll‘s nicht sein“, betont Jaor, „mit solchen rechnen Menschen, die nicht fest im Glauben sind.“ „Gideon bat aber um ein Omen, und Gott gab zweimal Antwort durch das Fell (Rich. 6, 36-40)“, entgegnet Pashur. „Ich erblicke einen Unterschied zwischen einem Zeichen Gottes und einem Omen“ sagt Chol-Joses überlegend. „Leider kann man beides um so mehr verwechseln, je weniger man sich selber prüft.“

„Wir Römer sind in Omen groß“, mischt Askanius sich ein. „Ich bat früher stets um solche und richtete mich danach.“ „Bist du immer gut gefahren?“ fragt Galal interessiert. Askanius hebt die Hände hoch: „Manchmal ging es auf; wenn nicht, so dachte ich, daß ich das Orakel selbst verdarb.“ „Welch schöner Isisschleier!“ lacht der Tribun, „damit geht man jeder Logik aus dem Weg.“

Simeon nimmt den Faden auf: „Man soll all sein Tun mit Logik und Verstand erwägen. Dazu dient der Glaube! Wähnet aber nicht, daß dies der beste Glaube wäre, wenn man die Felle auf die Tenne legt und wartet, was der HIMMEL tut. Unbedingten Glauben und eigenes Tun zu paaren gelingt nicht leicht. Wer im festen Glauben steht, erlangt auch den Verstand, der ihm ohne Omen hilft.“

„Beigepflichtet!“ ruft Josabad. „Halte wenig von der Fragerei. Aber anderes steht mir im Sinn. Dem Aaron wurde einst das Räuchern anbefohlen (2. Mo. 30, 7); zu Isa-i sagt Gott, daß Ihm die Räucherei ein Greuel sei (Jes. 1, 13). Gott widerspricht Sich nicht; nur habe ich die Nuß noch nicht geknackt.“

„Die Schale ist nicht allzu hart“, schmunzelt Simeon. „Bei zwei verschiedenen Worten gleichen Inhalts muß man Zeit und Umstand mit erwägen. Zu Aarons Zeiten war das Amt noch rein. Übrigens verband Mose damit, den Rest von abzubüßenden Strafen zu erlassen, Gaben für die Armen auszuteilen und Fürbittgebete vorzubringen. Insofern war das Räuchern ein gesegnetes Amt.

Ganz anders später. Man betete kaum für andere, höchstens gegen Geld. Noch weniger gedachte man der Armen oder daran, Schulden zu erlassen. Also war es Gott ein Greuel,“ „Simeon“, unterbricht Hilkior, „warum sind wir Heutigen so dumm, daß wir das nicht selber merken? Wie Schuppen fällt es von den Augen. Derlei ‚Widersprüche Gottes‘ haben mich schon oft bedrückt.“

„Das seid ihr nicht“, berichtigt Simeon, „es fehlte nur an einem Lehrer. Israel hat oftmals die Propheten ungehört gelassen und seit vierhundert Jahren keine mehr bekommen. Nun genügt ein Beispiel und werdet ihr jetzt selber weiterschöpfen können.“

Cornelius zupft verlegen an der Toga, sagt aber schließlich: „Du gabst mir früh ein gutes Wort, ich würde in der Zukunft richtig handeln. Vielleicht, wenn mein Brauseschädel graue Haare hat? Denn am Nachmittag — — Simeon, ich hatte mir fest vorgenommen, Ruhe zu bewahren; aber wenn man so was hört . . .“ Ihm steigt das Blut schon wieder hoch. Simeon lacht.

„Dein Brausekopf ist mir ganz lieb, wenn es auch ohne ‚brausen‘ besser ginge. Den Argen Angst zu machen, konntest du in Ruhe, dadurch mit noch größerem Nachdruck tun, und dein Herz behielte seine Kraft. Nun — es gelingt dir noch, ehe du ergraust. Den Argen aber kam dein Donnerwetter recht.“

„Weshalb konnte ich sie nicht bekehren?“ „Das verstehen viele nicht“, mischt sich Hanna ein, die mit den bekannten Frauen auch geladen war. „Du bemühtest dich, mein Sohn, nur die Geduld war rasch verbraucht. Dann kam biegen oder brechen! Du sagtest hinter her, bei sowas müsse auch der Schöpfer zornig werden. Recht hast du ja; es fragt sich bloß, ob Sich Sein Zorn durch Heftigkeit entlädt oder ob Er andere Wege weiß.“

„Letzteres ohne Zweifel! Doch ich bin kein Schöpfer, liebe Mutter Hanna, bin ein winzig kleines Ding in Seinem ungeheuren Wunderwerk. Darum . . .“ „. . . sieht Er freundlich drein. Das ‚Danebengreifen‘ ist nicht schlimm, wiegt man es durch Mühe auf. Wo diese fehlt, neigt sich die Fehlerschale tief. Aber einmal ist es auszugleichen, so oder so.“ Dazu fragt Malluch:

„Gott sprach: ‚Die Missetat der Amoriter ist noch nicht voll‘ (1. Mo. 15, 16), und: ‚Ich will nur ein armes Häuflein übrig lassen‘; dagegen: ‚. . . dann vergeben denen, die Ich übrig lasse!‘ (Zeph. 3, 12; Jer. 60, 20). Sinngemäß könnte man verstehen, daß Gott nicht den Weg der Übeltäter hemmt, um sie späterhin zu strafen. Wie ist das zu verstehen, Mutter Hanna?“

„Im Schöpfungsausgleich stehen Schuld und Sühne gegenüber“, hört man sie erklären. „Schulden stehen nicht nur zwischen Mensch und Mensch; denn jede Schuld erzürnt den Herrn. Man muß also sühnen, was weltgerichtlich selten möglich ist. Jemand schlägt einen anderen zu einem Krüppel. Er wird bestraft. Ist der Geschlagene damit gesund zu machen? Nein! Wieso wird in diesem Falle GOTT der Gläubiger der Schuld? Oh, ganz einfach!

Der Höchste schuf aus Seinem ATMA Seine Lebenskinder. Sie gehören Ihm auf ewig an. Sind sie nun Sein Eigentum, so hat ER allein das Recht, ihr Soll und Haben auszugleichen, ganz besonders, wenn sie gegenseitig sündigen. Derjenige, der einem anderen Böses tut, ihn schlägt oder jemand sogar tötet, ist in erster Linie der Schuldner seines Schöpfers.

Würde aber Gott bei jedem Einzelfall das Schuldbuch in die Hände nehmen, dann hätte Er — zumal für diese Welt — kaum anderes zu tun, als Strafen zu verhängen. Der schwerste Kerker für die ‚Gefangenen Seines Rechts‘ ist jener des Gewissens! Auch mit dem Leibestod wird der Gewissenskerker sich nicht öffnen, wenn nicht zuvor das meiste auszugleichen war.

Wird Gott so unnachsichtig sein, selbst wenn viele Menschen es verdienen? Nein, Er ist der Vater der Barmherzigkeit! Nur sollte niemand darauf pochen, Gott wäre ja die Liebe und müsse also auch verzeihen. Ihr versteht, dann gäbe es kein Ausgleichsrecht! So aber sieht die Sache aus:

Ein Mensch kann, auch wenn er auf der Welt der Sünde unterworfen ist, manch Gutes tun. Gott schreibt gut und böse auf. Das rechnet Er in jeder siebenten, der ‚Sabbatsekunde‘ des Schöpfungs tages ab. Da in diesen laut der Reihenfolge Seiner Eigenschaften die siebente dominiert, wird dennoch trotz gerechter Abrechnung die Grunderlösung wirken. Allerdings — bezahlen muß man eine jede Schuld, wenn auch eine ‚Zahl‘ von ihr erlassen werden wird.

Gott sieht voraus, wie sich eine Rechnung stellt und kann daher sagen: ‚. . . ihr Maß ist noch nicht voll!‘ Demnach nicht, ob Er bloß wartet, um ein unnachsichtiges Gericht zu halten, sondern ob sich zwischendurch ein ‚Haben‘ bildet. Von Güte und Verzeihung leitet Er ein Warten ab. Auch bedeutet das ‚Maß erst noch voll werden‘ eine Abrechnung im Lichte der Erlösung.

Das ‚übrig bleiben lassen‘ ist keine Absicht, was die Gläubigen beträfe. Es wäre leicht, jene zu erretten, die sich erretten lassen wollen, wie man gute Kinder lieber hat als böse. Nein, die durch den Sturz Gefallenen will der Herr erlösen. Zu dem ‚Häuflein‘ gehören solche mit, denen laut Jeremia vergeben wird.

Wohl gibt es einen Unterschied zwischen denen, die sich im Mit-Opfergang vom Weltgericht ‚beladen lassen‘, und den ‚Mühseligen (Matt. 11, 28), die eigenwillig fielen, von denen es ja heißt: ‚Du hast Mir Mühe gemacht mit deinen Missetaten‘ (Jes. 43, 24). Aus Gottes Güte bleiben aus den beiden Teilen Häuflein übrig, die neues Licht in die Materie tragen. Wie oft waren solche Häuflein Samenträger für das Licht! Nun verstehet ihr, daß Gott nie willkürlich irgendwelche Sich erhält.“

„Genau verstehe ich es nicht“, bekennt Askanius. „Trotz Freude auf den Posten gehe ich nicht gerne fort. Ich werde in Achaia einsam sein.“ Hanna lächelt: „Warte! Im hohen Alter wirst du Samenträger finden, für einen, der in deine Gegend kommt. Merke dir den Namen Paulus. Er wird in Griechenland Gemeinden gründen, die du beschützen sollst.“ „Ja — ?“ Fast ungläubig gefragt. Simeon bestätigt aber Hannas Wort. Darüber ist der Römer froh.

Mit verstohlenen Blicken auf Zacharias, der kaum seine Müdigkeit verbergen kann, sagt Athaja: „Es soll unser Austausch heute abend nicht so lang hinausgezogen werden; zwar hätte ich noch ein paar Fragen, doch sie verlangen einen längeren Disput. Nun — ein halbes Stündchen können wir noch bleiben, falls dies unser Gastgeber auch so will.“

„Allemal“, nickt Cornelius liebenswürdig. „Über Tag habe ich viel Dienst, doch für unsre Abende mache ich mich frei. Am letzten seid ihr nochmals meine Gäste.“ Man dankt dem Tribun. An den nächsten fünf Abenden wollen Obadnia, Jaor, Hilkior, Athaja und der Kaufmann Samnus Gastgeber sein. Da Letzterer ein schönes Haus besitzt, so ist sein Angebot willkommen.

Cornelius fängt wieder an: „Weshalb unterscheidet ihr im Tempel allzustreng das Allerheiligste, die Hallen Salomos samt Räumen als Heiligtum und den Vorhof? Es gibt in unsern Tempeln allerdings auch Teile, die dem Volke nicht geöffnet werden, aber bloß aus Vorsicht wegen Dieberei und ungehöriger Manier, in die leicht das niedere Volk verfällt. Gerät einer ohne arge Absicht in solch inoffiziellen Teil, dann ist‘s kein Verbrechen und wird deshalb nicht bestraft, wie ihr es tut.

Nach Simeons Lehre sind dem Schöpfer alle Lebenskinder lieb, wenn sie auch — wie ich — immer mal danebentappen. Ich würde darin keine Strafwürdigkeit erblicken, wenn — sagen wir — der Kaufherr Samnus Sehnsucht hätte, auch einmal ins Allerheiligste zu treten, was für mich bedeutete, in Gottes Nähe zu gelangen, wenigstens dem höheren Gefühle nach.“

Athaja resigniert: „Althergebrachtes ist schwerlich zu bekämpfen. Würde ich nach besserer Erkenntnis allem Volk das Allerheiligste vergönnen, glaube mir, Tribun, man würde mich in Engstirnigkeit des Dogmatismus richten. Sogar unsere Freunde Thola und Jaor könnten mich nicht retten.

Fast erkenne ich“, sieht der Hohepriester hell, „als wenn es Gott auf dieser Welt kaum anders ergeht. Er bringt das Lebensbrot, und es wird verachtet werden; Er gibt den Lebenswein, doch man schüttet diesen in den Sand! (Matt. 22, 5; Joh. 6, 26-35) Sie wären alle froh, einmal das Allerheiligste zu sehen, hernach aber — würden sie die unverstandene Mosesatzung mir als zerbrochenen Rechtsstab vor die Füße schleudern.“

„Das ist wahr! Viele Templer, Pharisäer, Hohe und das Volk hängen um so mehr am Satzungswort, je weniger sie den Kern derselben und der Gottgebote anerkennen; die Einhaltung hemmt sie in ihrem Tun. Nach Außen brüsten sie sich als die echten Israelen, innen sind sie faul und hohl!“ (Matt. 23, 27) Welch hartes Wort aus Mutter Hannas Mund. Da sagt Simeon:

„Gottes Güte leuchtet auch in dunkler Nacht. Morgen sage ich euch einiges darüber. Zudem geschieht etwas, was gleichfalls zum Exempel dient. — Nun sagen wir dem Freund Cornelius für diesen schönen Abend unsern Dank.“ „Zu danken habe ich, wir alle. GOTT erwies uns Seine Freundlichkeit.“ „Das ist ein liebes Wort.“ Man geht fröhlich heim, auch der stumme Zacharias.

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