Liebe Freunde!
‚Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.‘ (1. Mose 1, 1)
Diese Offenbarung ist an sich ein Rätsel. Am Anfang! War das ein Beginn irgend einer Tat, die keine Vorzeit kennt? Unser Leben lehrt jedoch, daß jeder Tätigkeit — gleich welcher Art — ein Vorhinein zu bieten ist. Wie alles Irdische stets einen Anfang hat, also auch ein Ende; und jedes Schaffen verlangt gar manche Vorarbeit. Ist das ein Beweis, ob einem Anfang eine Grundstufe vorgelagert ist, die nicht selten größere Kenntnisse und viel mehr Zeit verlangt, als das eigentliche Werk benötigt?
Das Wort ‚am Anfang‘ ist ein Weg ins Licht, auf dem die sieben Schöpfungstage zu beschauen sind. Ehe die mosaische Geschichte besprochen werden kann, soll von einem noch tiefer verschlüsselten Anfang die Rede sein. Er lautet:
‚Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist. (Joh. K. 1)
Werden Mose und Johannes überprüft, so ist zu erkennen, daß dem Tatbeginn das WORT vorausgegangen war, aber auch das Wort seine Entstehung einer weiter zurückliegenden Zeit zu danken hat. So ging stufenweise eines aus dem anderen hervor, und jede Stufe fordert einen ursächlichen Beginn, der nichts Vorausgesetztes dulden darf, weil sonst alle Denk- und Tatfähigkeiten scheiterten.
Es ist aus beiden Bibelstellen zu erkennen, daß die Schöpfungstage das WORT voraus hatten und dieses aus dem unermeßlichen Gedankenkraftfeld Gottes kam. Ursprung aller Dinge ist der GEDANKE, dem sich das Wort, die Tat und am Ende die Folge anzuschließen haben.
Die Gedankenkraft rief das All hervor und füllte es mit Leben an. Das LEBEN, der Behälter heiliger Schöpfermacht, das ist GOTT! Im Namen GOTT offenbaren sich die Allmachtstiefen Seiner Herrlichkeit. Welche Fülle von Gedanken Gott gestaltet hat, beweist eine gesegnete Wissenschaft. Zwar nicht alle ihre Träger haben Gott erkannt, so ist doch durch sie gegeben, daß die Menschen die erhabene Größe des kosmischen Domes sehen können.
Da öffnen sich der Sonnen und der Sterne Lichtkraftfelder, deren Größenverhältnis und Raumbeanspruchung nie ganz errechnet werden wird. Nachts sieht man den Himmel oft mit Lichtern übersät. Aber jeder Himmelskörper zieht eine einsame Bahn. In Anlehnung an diese kosmische Schau ist zu erkennen, was für unermeßliche Gedanken GOTT erfüllen mag. Unnütz ist das Grübeln, wieviel aus dem erhabenen UR schon Gestaltung fand, oder ob die Gottheit Sich in ihre Werke aufgespaltet habe und letztere das Gott-Werk selber seien.
Wenn der Mensch die Gedanken eines einzigen Tages addieren wollte, so wäre auch nicht annähernd eine Zahl beizubringen. Hat er sich dabei in die Gedanken aufgespaltet, die zum großen Teil zum Wort, zur Tat geworden sind? Und das Tag für Tag, Jahr für Jahr? Ist er also sozusagen nicht auch selbst ein Gottesträger — — ?
Aber halt! So formuliert, wäre das der Glaube, daß die Gottheit ohne Eigenwesen sich in ihren Werken zeigt. Der Weltmensch gäbe dazu gleich sein Ja. Ablehnung und Leugnung Gottes sind die Hauptfaktoren des sich entwickelnden Weltglaubens, der bloß die ‚Mächte der Natur‘ als Schöpferwaltung anerkennt.
O, das Wunderwerk im Makro ebenso wie in Mikroben erzählen von der Macht des Personhaften Gottes, Der nicht als Gedanken, Wort und Tat ‚erschien‘, wenn Er auch aus Seinem Schöpfer-Reichtum vieles formte. Als GOTT schuf Er am Anfang Himmel und Erde! Eben diese, in Mose als Tage offenbart, sind keine 24-Stundentage. Nein — die UR Schöpfungen haben ihr Signum den Erdentagen aufgeprägt.
Der Mose-Anfang bezieht sich also darauf, daß ein neuer Abschnitt eingerichtet ward. Ja — kein Tag erstand trotz enormer Vielseitigkeit fortgesetztes Werdens ohne eine Schöpfungsplanung. URs Macht, Kraft, Gewalt und Stärke äußert sich in ungeheuren Taten, die folgerichtig ein Wort- und ein Gedanke-Bild als Einzelwerke zur Voraussetzung besaßen.
Unwahr ist, Gott schaffe Seine Werke aus dem puren Nichts. ‚Gott schuf den Menschen Ihm zum Bilde‘. Also ist mit der Gestalt auch eine Wesensbildung als innere und äußere ‚Darstellung Gottes‘ mit erfolgt. Dadurch ist der Mensch ein Anbild der Gott-Wesenheit. Des Menschen Taten erlangen ernstlich keine Form, wird nicht ursächlich ein Gedanke rege, der die zweite Form, das Wort gebiert, im Inneren oder laut geredet bleibt sich gleich. Das bestätigt die Erkenntnis, wie Gott Seine Werke werden läßt.
‚Am Anfang‘ kristallisierte sich eine neue Schöpfung als die Tat. GOTT, der — das heilige GUT, schuf einen uns erkenntlichen Beginn: das Gedanke-UR-Jahr, in dessen Ablauf sich Sein Wille und die Ordnung offenbarten.
UR-Jahr! Ein Ausdruck aus versunkener Bildersprache. Nicht der Mensch allein erhielt das Anbild Gottes, sondern alles, was im Gedanke-, Wort- und Tat-UR-Jahr erstand; sogar unsre kleine Erde, die Einteilung der Jahreszeiten fundierten nicht auf menschlicher Berechnung. Die Licht-Schöpfung ist die Vorlage alles dessen. Gewiß sind große Zeitenfolgen auch noch anders zu benennen, ändert aber nichts an ihren heilig-geistigen und irdisch-kosmischen Dingen. Es ist ein Wandeln auf Wunderwegen, in diese Tiefen einzudringen.
Ein Jahr hat vier Hauptzeiten. Und sieh: Ein Jahr — ein UR; vier Jahrteile — vier Wesensteile der UR-Gottheit! Ein Jahrteil hat drei Monate, was als Gott-Enthüllung den Geschöpfen dient. Zwölf Monate ergeben jene Strahlungen, die Gott den Werken anvertraut. Nochmals zeigt sich Gottes Vier in den vier Wochen. Mose kündet zunächst nur eine Woche, unbekannte Zeitbegriffe der ersten Tat-Jahr-Woche.
UR hat aus dem Licht-Kosmos — für die Materie umgekehrt — zuerst den Tag gebildet, damit der Mensch mit diesem ‚Kleinanfang‘ seine Stellung zu dem Herrn erkennt, wie er sich auf dieser Bahn zu Ihm erheben lassen will. Das ergibt die persönliche Einstellung. Denn wie man sich dem Kosmos und seiner urheiligen ‚Beschriftung‘ gegenüber verhält, so spiegelt sich der Kosmos in uns wieder und wird entweder Reichtum oder Armut zeugen. Paulus schreibt darüber:
‚Wir reden von der heimlichen, verborgenen Weisheit Gottes, die Gott verordnet hat vor der Welt zu unsrer Herrlichkeit.‘ ‚Uns aber hat es Gott offenbart durch Seinen Geist; denn der Geist erforschet alle Dinge, auch die Tiefen der Gottheit.‘ (1. Kor. K. 2)
Wen nimmt‘s nach solchem Zeugnis Wunder, daß UR denen, die Ihn lieben, Seine Werk- und Wesenstiefen offenbart? Wer aber bloß des eitlen Wissens wegen forscht, hat die verborgene Weisheit nicht! Und fremd ist ihm die Liebe, deren Weg die Weisheit überstrahlt. Also wurde aus Gedanke und aus Wort der Himmel, aus der Tat die Erde, lang bevor es die Materie gab. Himmel bedeutet LICHT, und Erde pure WIRKLICHKEIT; denn das Geistige bleibt ewiglich bestehen, während die Materie vergeht.
Am Anfang gab UR den zu KINDERN vorgesehenen Gedanken das Leben; am ersten Tag des Tat-UR-Jahres den Großgeistern, am sechsten dann der ‚großen Schar, die niemand zählen konnte‘ (OJ. 7, 9) nach dem Wort:
‚Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei.‘
Das erfährt keine andere Auslegung als jene, daß Gott den vorbenannten Großgeistern eine mithelfende Fähigkeit verlieh, sonst konnten sie sich laut dem ‚uns‘ an einer Schaffung nicht beteiligen.
Diese Erstlinge erleben wirklich Gottes Anschauung, worauf sich ihre ‚Mittat‘ stützt, auf das ‚Lasset uns‘. Das kennzeichnet Mose mit ERDE, was Tatsächlichkeit bedeutet: geistig aus dem Geist! In und an diesem Tat-Werk bildeten sich URs Erstlinge weiter, wie vom sechsten Tage an dann auch die große Kinderschar.
Im Morgenrot des ersten Tat-Jahr-Tages waren dessen Raum und Zeit noch leer, wüste, ohne lebensbewußte Formen. Aber aus dem Licht enthüllte sich für das Werk die ORDNUNG, die aus URs Wille den Raum und die Zeit gestaltete. UR war Licht! Die genannte ‚Finsternis‘ war, nichts gegenpolarisches, sondern war die unschaubaren Gedanke- und Wort-UR-Jahre. Die Scheidung zwischen Licht und Finsternis war ursächlich die ‚Herausstellung der Tat‘. Das bekundet jenes Wort:
‚Und siehe da, es war sehr gut!‘ (1. Mo. 1, 31)
Die ‚Feste‘ am zweiten Tag zeigt URs WILLE an, aus dem den Lichtkindern das Leben überkam. Die Erstlinge sind die ‚sieben Geister oder Sterne in der rechten Hand Gottes‘ (OJ. 2, 1; 3, 1). Das ‚Oben und Unten‘ bezieht sich auf den Schöpfer und auf die Geschöpfe. In der Feste ist weiterhin der Geistanteil der Kinder zu erkennen, der sie — unbeschadet ihrer geschöpflichen Lebensfreiheit — fest an den UR-Geist bindet, ohne dem kein Kind bestehen kann.
In den zwei ersten Tagen im Prinzip von Ordnung und Wille herrscht das Schöpferwesen vor: ein Herzteil URs. Angemerkt, daß das immer wiederkehrende ‚Da ward aus Abend und Morgen der andere Tag‘ neues Werden aus den Gedanken- und Wort-UR-Jahren zur sichtbaren Tat bedeutet. Ferner ist der Abend die Erfüllung eines abgeschlossenen Werkes, dem die Nacht, das Ausruhen folgt; einzig für das Werk, damit es dann in einem neuen Tag zu gesteigertem Schaffen hinzuleiten war. So steht dafür geschrieben:
‚Denn auch die Finsternis nicht finster bei Dir ist; die Nacht leuchtet wie der Tag, Finsternis ist wie das Licht.‘ (Ps. 139, 11)
Im heiligen Mitternachtsquell wird das Leben zugerüstet; von der ‚Heilsnacht‘ geht es dann zu neuem Dasein aus. Bei JESU geschieht vieles nachts: Geburt und Gethsemane; Nikodemus kommt bei Nacht; der Herr erscheint den Jüngern in der vierten Nachtwache, und vieles mehr. Auch der Leib des Menschen speichert in der Nacht neue Kräfte auf. Welche Schau: Da ward aus Abend und Morgen der andere Tag!
Am dritten Tag schafft UR die Vegetation. Um dieses zu erkennen, verhilft uns Gottes verborgene WEISHEIT. Das Trocknen der Erde ist das Bereitsein zur Aufnahme geistigen Samens. Hand in Hand zu gehen haben stets Gedanke, Wort und Tat, aus denen die gesegnete Folge kommt. Darüber hinaus wurden auch die Lichtgefilde mit herrlicher Vegetation verschönt. Sollten die ‚vielen Wohnungen in des Vaters Haus‘ leere Stätten bleiben? Nur bezieht sich diese Vegetation ursächlich auf Gottes Lehre. Alles andere spiegelt sich darin.
Der vierte Tag, überstrahlt vom heiligen ERNST, enthüllt die Reife der Vergangenheit. Wie in UR das ‚War, Ist, Sein und Werde‘ eine Einheit bildet, so wird die Reife werklicher Vergangenheit sich immer zeigen. An diesem Tag entpuppt sie sich in der Gestaltung unzählbarer herrlicher Sonn- und Sternregionen.
Das sind zugleich die Wohnungen, die UR bereitet hat, bevor Er Sich Sein liebes Kindervolk erschuf. Bei unserm Vater gibt es keine Heimatlosen! Dabei handelt sich‘s noch immer um das Geistgewordene des Tat-UR-Jahres und hat mit der Materie nach dem Kindesfall noch nichts zu tun. Die Licht-Schöpfungen sind die festere Wirklichkeit gegenüber der bloß fest erscheinenden Materie.
Das bestätigt sogar unsre Welt. Längst vermodert ist der Leib, längst in Schutt verwandelt, was die Hände aus Materie schufen; nur die Werke aus dem Geist überdauern Tausende von Jahren! So strahlen die Sterne Erkenntnisse, die Sonnen große Wahrheiten aus für jene, die es fassen wollen. Der dritte und der vierte Tag sind das Symbol des Priesters, URs zweite Herzkammer. Aus dem Schöpfer ersteht dazu die geschöpfliche Struktur, aus dem Priester außerdem der feine Geistanteil der Kinder.
UR schöpft aus Seinem Quell den fünften Tag des tat-kosmischen Jahres. GEDULD ist das Tageszeichen. In hehrer Absicht sind aus diesem Grundlebensstrahl die Tiere ausgegangen, auch da noch immer in der Lichtnatur, nicht wie Tiere auf der Welt. Die Bibel zeugt vom ‚Reich und seinen mannigfaltigen Tieren‘.
Natürlich sind sie untergeordnete Lebewesen, die bloß allgemein die Lichtgefilde zu beleben haben. Trotzdem sind sie eine Vorstufe kreatürlichen Gedeihens, sowie zur Schulung eingerichtet. Denn das ‚Geduldhaben‘ mit der Kreatur ist auch für Lichtgeborene ein gutes Plus im Fortgang der Entwicklung. UR hat keine Werke willensmäßig auf einmal gestaltet, sondern im Verein mit allen sieben Strahlen in Geduld geformt.
Der sechste Tag! Die LIEBE tritt als Dominant hervor und segnet das Gewordene und Werdende. Die Bibel ist uns ein Beweis, daß bis zum Beginn des sechsten Tages ein pures Licht-Werk war. Das erste Kapitel sagt: ‚. . . und Er schuf sie beide, einen Mann und ein Weib.‘ Also gleichzeitig und nicht, wie es im zweiten Kapitel bei den Menschen vor sich ging. Es werden je ein männliches und ein weibliches Kind erweckt, deren erste Hüter mit dem Ordnungstage zur Geburt gelangten, je als Cherubim und Seraphim.
Die dritte Wesenheit GOTT als dritte UR-Herzkammer überflutet den fünften und sechsten Tag. Geduld und Liebe gehen Hand in Hand. Die Bibel offenbart geradezu grandios die Lichtschöpfung und den erst im Verlauf des sechsten Tages eintretenden Fall mit der anschließenden aber vorübergehenden Materie. Als Vorschau wird der siebente Tag beschrieben, an dem die VATER-Wesenheit als vierte Herzkammer im Zeichen der BARMHERZIGKEIT fungiert. Er beschließt die erste Tat Jahr-Woche; es wird jedoch von ihm nichts Näheres kundgetan.
Nun folgt nochmals eine Aufzählung von dem, was an den fünf Tagen geschehen war, wie eine Wiederholung; in Wirklichkeit betrifft es die Materie nach dem Fall. Der sechste Tag wird genau wiederholt, wo bei nunmehr als erster Mensch, also der Adam, erschaffen wird, nach welchem erst viel später Eva ihr Leben erhält.
Es ist zu merken, daß das erste Kapitel der Genesis die Lichtschöpfung, das zweite Kapitel die nacherstandene Materie betrifft. Der Feiertag ist noch nicht erfolgt, — wir leben im sechsten Tag der Kindvolk Schaffung, geistig zu erkennen und auszuleben.
All das ist auf unser Geist-Herz übertragbar, das uns Gott als Ort gerechter Zwiesprache, als Sitz Seines Lichtes gab. Jenes Herz, das man samt dem Geiste und der Lichtseele mit in die Materie bringen kann. In ihm offenbaren sich die Schöpfungstage, geist-kosmisch oder welt-irdisch, jenachdem. Zum Geistigen hören wir:
‚Gott hat von Anfang an Seine Werke wohl geordnet.‘ (Sir. 16, 25)
In uns kann die hehre Ordnung wohnen, als Eben- oder Anbild URs. Wird die Erkenntnis als lebendiges Gefühl erweckt, so ist das Herz ein Träger des Lichts. UR ist in solchem Herzen dann das ‚eine große Licht‘, das alle andern Lichtlein nach sich zieht.
‚Er hat uns wissen lassen das Geheimnis Seines Willens nach Seinem Wohlgefallen.‘ (Ephes. 1, 9)
In der Festigung des Willens scheiden sich Oben und Unten, der Geist von der Materie. Das Herz wird zur heilig-kosmischen Feste, die jede weitere Schaffung trägt. Ordnung und Wille bringen dem Herzen das Schöpferprinzip nahe und füllen eine Kammer aus. In der Festigkeit des Herzens ankert auch der Glaube.
‚Der Herr hat die Erde durch Weisheit gegründet.‘ (Spr. 3, 19 )
Die Erde! Wahrlich eine Fruchtträgerin! Der dritte Tag gibt das Samenkorn dazu. Ja, was nützte ein geordnetes und festes Herz, wenn es keine Wandlung brächte? Wie der Same erst verborgen ruht, so soll man denken, reden oder handeln. Dann wächst er hoch aus der ‚verborgenen Weisheit Gottes‘. Er wird es vergelten öffentlich!
‚Der Herr ist nahe allen, die Ihn mit Ernst anrufen.‘ (Ps. 145, 18 )
Ist Er nahe wie Sein Licht, das königlich an der geordneten Feste widerstrahlt, so leuchtet unser Herz, das in sich die Schöpfungstage geistig schafft. Ein mit Ernst behauchtes Herz öffnet seine zweite Kammer, und der Priester zieht dort ein.
‚Es ist ein köstlich Ding, geduldig sein.‘ (Klgl. 3, 26 )
In Geduld sich üben, ist die schwere Vorstufe zur Liebe. Unsere schwache Seele, unfreien Tieren gleich, geduldig hegen, macht das Herz bereit, daß es — der Sitz des Geistes — auch zum Seelenträger wird. So erlangt es jene Stufe, die die Wiedergeburt bewirkt.
‚Denn Liebe ist stark wie der Tod.‘ (Hohel. 8, 6)
Stirbt kraft der Liebe zu Gott die Welt, dann wird jeder Gedanke zum ‚Ebenbilde Gottes‘, und die ‚Menschenschaffung‘ gilt der Nächstenliebe. Damit wird das Herz ein Grundeigentum des Ewig-Heiligen UR, ein Sitz Seines Lichts und Lebens.
‚Gottes Barmherzigkeit geht über alle Welt.‘(Sir. 18, 12)
‚Der uns nach Seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat.‘ (1. Pet. 1,3 )
Jetzt hat das Herz, aus dem Aufbau geboren, zum hohen Ziel gelangt, den siebenten Schöpfungstag erkannt, wie der erste und der letzte Bibelkünder es bezeugen. Wo die Barmherzigkeit wohnt, da ist die Wahrheit des Ewig-Heiligen UR, des Ewig-Einzigen und Wahrhaftigen!
Echte Ruhe wohnt im Herzen. Das Weltgetriebe brandet nur noch an den Ufern; es wird zum gläsernen Meer (OJ. 4, 6), dessen kristallene Reinheit nicht mehr zu verdunkeln ist. Wenn sich hie und da auch Wellen kräuseln, so wühlt kein Weltsturm mehr die von UR geheiligte Ruhe auf. Ordnung, Wille, Weisheit, Ernst, Geduld und Liebe füllten die sechs Schöpfungstage der ersten urgewaltigen Tat-Jahr-Woche mit den reichsten Schätzen an.
Und wie die vierte Jahreszeit, der Winter, nur für diese Welt nach Oben hin die tote Ruhe zeigt, so liegt ja unter einem sanften Weiß, Sinnbild des Vatertums aus UR, behütet und beschützt des Herzens Lebenskraft. ‚Abgeklärt‘ sind solche Menschen. Ja, ungestört bleibt ihre Ruhe, eingehegt im Schoße der Barmherzigkeit, wo sie rein und kraftvoll alle ihre Werke wirkt, die keine Motte nagt, kein Rost zerfrißt, — Taten, die UR in Seine hehren Taten bettet.
Amen
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