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Kap 30 – König ARIEL vom Quelland der vier Ströme


König ARIEL vom Quelland der vier Ströme

30. Kapitel

Am Außentor des Hauptpalastes fragt ein Fremder nach dem Rechtsgelehrten Abjathar. Er trägt ein reichgeziertes, rotes Kleid (Jes. 63, 1). Sein lichtgelber Mantel ist einfacher Art, abgesehen von dem breiten Gürtel, den der Hüter auf ein Vermögen schätzt.

„Herr, du kommst zu sonderbarer Stunde.“ Der Hüter streckt die Lanze vor. „Die Stunde braucht dich nicht beirren; ich will deinen Herrn besuchen „Morgen; ich verlasse meine Wache nicht.“ „Treue Hüter sind Gott angenehm“, sagt der Fremde. „Nur wird dein Herr sich freuen, wenn du meldest: Der König aus dem Quelland der vier Ströme will ihm seinen Friedensgruß entbieten.“

„Von diesem Lande hörte ich noch nie. Verzeih, da wundert‘s mich, daß du die Mitternacht gewählt, wo sonst — verzeihe abermals — böse Buben in den Gassen lungern.“ „Kam dein Herr noch nie zur späten Nacht zurück?“ Hm. „Aber“, sagt der Hüter, um den Fremdling abzuwehren, „König, wo sind deine Fackelträger, deine Kämmerer und was mehr? Tut mir leid; komme morgen wieder. Willst du gut schlafen, so gehe rechts die Ecke ‘rum, die graue Mauer lang, an deren Ende wieder rechts, und du bist bei hundert Schritt am Batrah-Hof.“

Das Letzte haben Muriel und Abjathar gehört. Daß niemand eines Engels höchste Himmelslohe sieht, ist gut. Abjathar freut sich; zunächst über seinen braven Mann, außerdem aus einem ihm plötzlich unerklärlichen Gefühl. Die Nacht ist hell genug, um die Szene zu erkennen. Auch brennt am Tore eine Fackel. Wie wunderbar kann sich ein Cherub bücken! Der Fremde hebt zum Gruß die Hand. Abjathar, im Moment beeindruckt, befiehlt: „Das Gatter auf, laß den hohen Gast herein!“ Er greift selber hastig zu.

„Herr“, sagt der Wächter, indem er beide Riegel löst, „du gebotest, keinen einzulassen und hast niemand vorgemeldet.“ „Schon gut; ich schelte dich ja nicht.“ Das Tor ist auf. Abjathar verneigt sich, wie er niemals gegen Unbekannte tut. „Sei gegrüßt, Friede sei mit dir in meinem Haus. Als Gast der ‚Hohen Mitternacht‘ (Matt. 25, 6) sei mir willkommen. Darf ich fragen, wer du bist?“ Der Gast erwidert:

„Segen sei mit dir und deinem Haus! Du bist sehr freundlich. Mir trugen viele zu, wie gut du auf der Erde lebst. Führe mich bei dir als ‚König Ariel vom Quelland der vier Ströme‘ ein; das Weitere findet sich.“

Abjathar erstaunt. Den Vier (1. Mo. 2, 10), einst das Paradies, haben schon verschiedene Völker eingenommen. Dort gibt es keine Könige, wie Babylon, Persien und andere Reiche haben. Er weiß nichts damit anzufangen. Nun — er ist gewohnt, sich durch neue Menschen geistig zu bereichern. Hier glaubt er gleich, daß er ganz Bedeutendes erfahren wird.

„Laß dich geleiten, König Ariel“, bittet er. Auf dem Wege fliegen Abjathars Gedanken. Ein König: welcher? Das Quelland: irdisch oder geistig? . . . wie gut du auf der Erde lebst, sagt doch nur, wer die Erde überwacht. Wenn aber das, wer ist‘s? Da sieht er, wie Muriel lichtstolz des Königs Mantelschleppe trägt. Und sein Gesicht! So verklärt! Sein Herz hastet. Ist zu glauben, was sein doch geistig durchgebildeter Verstand verneint?

Aus der Halle dringt das warme Licht der Lampen. Ifra-Gohnora, Isa-i und Samathuel stehen dienstbereit. Auch sie wissen nicht, wer sich die Mitternacht (Luk. 2,8) zu seinem Kommen vorbehalten hat. Nur Nathan kniet. Sein guteinfältiges Gemüt denkt: Wohl noch ein hoher Himmlischer.

Als der König durch die Türe geht, streift seine Hand des Dieners Haupt. O armer reicher Knecht! Er spürt die bewußte Anrührung. Da hält er an sich, um nicht laut zu jubeln. Mit dem Mitternächtigen kommt etwas Unsichtbares mit herein, allen so stark fühlbar, daß es empfindsam einen jeden trifft. Wären nicht die Männer durchweg hoch gebildet und in öffentlichen Ämtern stehend, — man könnte sagen: Eine Sekte hat die Wirklichkeit verloren.

Abjathar stellt vor: „König Ariel vom Quelland der vier Ströme.“ Er nennt Stand und Namen seiner Freunde. Beim Titel ‚König‘ steht man ehrerbietig auf. Asarja geht als Erster ihm entgegen. Er fühlt sich — wie der Herr des Hauses — zu dem großen Manne hingezogen. Die andern tun es nach. Nur ‚Ariel‘ macht ihm zu schaffen. Der König gibt jedem freundschaftlich die Hand. Sie fühlt sich menschlich an, vertraut; doch ihr Druck drückt jedem bis ans Herz.

„Friede und Segen sei mit euch! Dem Herrn gefällt die Stätte, wo Freundlichkeit und Liebe wohnen. Ihr wundert euch, weil ich zu später Stunde kam. Wir reden noch davon; erst wollen wir uns kennen lernen.“ Welch ein Kontrast: Unsagbare Hoheit und Natürlichkeit. Sagte Muriel: Laßt uns erst kennen lernen? Ja — die Irdischen den Engel. Trotz allem — seligtrunkene Wonne nimmt überhand.

Ifra bietet seinen Stuhl dem König an. Der setzt sich, als wäre er schon lange da und nur einmal aufgestanden. Asarja sagt, während er sinniert: „Du führtest dich als König ein. Geschichtlich ist ein Königreich im Quellteil der vier Ströme unbekannt. Selbst von Städte-Königen weiß ich nichts.

Wer bist du? Wer sind deine Ahnen? Verzeih! Die Verantwortlichen sind dem Volke eine Prüfung schuldig. Wir dienen keinem, wenn ein Phantasma uns beherrscht.“ Vom Weltverstand besehen hat der Frager recht. Aber es war kein Phantom, als Mose GOTT auf Sinai, im Busch und in der Hütte sah. Ah, damals waren andere Zeiten, da konnte das geschehen. Und der Cherub — der Menschgeist Ifra-Gohnora — ? Da, des Königs Wort! Schon die Stimme unvergleichlich. Wer gab ihr jenen Klang, in welchem ungezählte Ewigkeiten schwingen??

„Asarja, ihr erlebtet große Gnade und habt euren Dank Gott dargebracht. Kann darauf ein Irrlicht folgen? Als Erster Israels bist du berechtigt, dunklen Dingen nachzuspüren, was jedoch kein Recht ergibt, mich als Trugbild zu erforschen. Letzten Endes siehst du mich. Der Herr des Hauses bot mir Frieden und ich den Gottessegen an. Gilt sein Hausfriedensrecht, so auch mein Gottessegensrecht! Das müßte dir ja sagen, was du besser fragen kannst. Sieh das nicht als Tadel an, wenn ich sonderlich mit dir verhandele.“

„Das geht mir nicht gerade ein.“ Asarja deutet, ruhig redend, in die Runde: „Ein Teil der Männer hat kaum weniger Verantwortung als ich.“ „Gewiß; nur fragte keiner, wie du es tust. Der Hausherr darf nach Stand und Namen forschen. Trotzdem er weiß, daß das Quelland keinen König hat, glaubte er mir ohne Vorbehalt. Decke dein Bedenken auf, es ist gut; richtiger: Der Gottessegen macht es gut.“

Asarja wird beklommen. Er kennt Könige, deren Majestät bloß Titel ist. — Hier ist sie Person. — „Du hast mit wenig Worten viel gesagt“, müht er sich, ein inneres Verhältnis mit dem König anzubahnen. „Mich dünkt, du bist einem Geiste gleich.“ Er zeigt auf Muriel. „Dieser hat bewiesen, daß er ein Cherub ist. Wie er, so scheinst auch du zu schauen, was einem Menschen innewohnt.

Gerade das irritiert. Gab Gott das wunderbare Heil — ich gestehe ein, dessen ich nicht würdig bin —‚ so ist nicht anzunehmen, daß Er dieses überbietet, nur um Herrlichkeiten zu erhöhen. Darum mein Bedenken. Ich kenne allerdings das Quelland nicht von einer Reise her, — Noch ein Anlaß sei genannt: Dein Name ARIEL.

Das Oberste unseres Altares heißt ARIEL (Hes. 43, 15; Jes. 29, 7). In Geheimschrift deutet Mose diesen Teil als ‚Der heilige Herd‘. Ich glaube nicht an Zufall, daß du gerade so den Namen trägst, wie das Heiligste in unserm Heiligtum. Das bedrückt mich mehr als es mich freut.“ Keinem war das aufgefallen; und: Muriel steht neben diesem König mit überglänztem Angesicht. Kann es sein, daß . . . Ist es eine Demutsprobe . . . ? Ach, ganz vom Himmel eingehüllt, und wie wenig weiß der Mensch von ihm. Ariel begütigt:

„Dein Argument ist zu verstehen. Doch ich will es ordnen, wo bei jeder profitieren kann, Nehmt erst auf, ohne zu vergleichen. Mein Name stammt von keinen Eltern ab (Hebr. 7, 3), weil ich keine je besaß. Ein Findling bin ich deshalb nicht.“ Ariel sieht Parnach lächelnd an. Der wird rot. Er dachte es so nebenher; aber der — der verkappte König sieht die kleinste Regung des Gemüts.

„Ihr hörtet, daß mitunter hohe Geister ohne körperlichen Leib (Z. 6) zu einer Erde gehen, um da wie ein Mensch zu leben, ohne es zu sein. Im Gegensatz zu Inkarnierten haben solche Helfer weltlich keine Eltern. Nehmt an, bis ihr Näheres ertragen könnt, ich sei eben so gekommen. Was das Quelland anbelangt, ist es der ERDE als Geheimnis anvertraut. Kann diese reden? kann sie schweigen?

Nun daß sich ein Planet nicht wissend äußert wie ein mit Gottes Geist begabtes Kind, brauche ich wohl kaum zu sagen. Es kommt aber darauf an, ob der Mensch die Erde reden hört, oder ob sie ihm ein stummer Träger ist. Jede Kreatur bezeugt den Schöpfer, Sonnen loben, Sterne preisen, Welten dienen Ihm.

O hast recht, Asarja: Gott überbietet keine Herrlichkeit, die die Empfänger ohnehin bis zu des Tages Abendrot verpflichtet. Doch jede Offenbarung kann als Geschichte oder Lehre auferstehn; Gott reißt solches Segensband nicht ab. Nur für die Materie knüpft Er es immer wieder neu. Dergestalt wollen wir mein Land betrachten. Das Geistige spiegelt sich dabei im Irdischen.

Vom Schöpfer gehen Licht, Leben, Werk und Segnung aus. Er ist ein wahrer Gott, und jede Sache fließt einmal aus Ihm. Das genügt für Schöpfungsjahre, deren Zeit ihr nicht versteht. Er, ein Quell, dessen Unerschöpflichkeiten Seines Wesens Zeugnis sind! Ewigkeiten lassen sich im Ewigen erfassen, Sonnenleben auf den Sonnen, Irdisches auf einer Welt. Das Begreifen liegt auch mehr im bloßen Glauben, der in Hinsicht des Gegebenen Gott wohlgefällig ist.

Da keine Werke über ihren Meister wachsen, der Schöpfermeister aber wachend auf sie blickt, leitet Er aus einem Born die Lebenswasser über alle Seine Werke hin. Leicht verständlich, daß auf große Dinge große Wasser kommen müssen, auf kleinere entsprechend ihrer Fassungskraft.

Ihr hörtet etwas über Straße, Gasse, Weg und Pfad, von Bach, Fluß, Strom und Meer.“ Man staunt. Ein Engel wüßte, was zuvor geredet ward; sonst — — ? Nur EINER könnte das so wunderbar erklären, ohne zugehört zu haben. Muriel weiß, wo jetzt der EINE ist. Ifra ahnt es fast. Ariel spricht weiter:

„Eden, um dessen Sinn sich Menschen bis zu ihrer Endzeit mühen werden, war ein zubemessener Lebensraum, ein Symbol des Reichs, das trotz des Kindes Abfall nicht verringert ward. Gott gab nur jenen Teil dem Fall, den Er beim Werden des Ringes der Barmherzigkeit mit Seiner Hand beschattete (s. Urwerk). Dieser Teil blieb vom Lichte unbevölkert. Der Schöpfer hob ihn auf für einen Gnadenakt oder — zu einem Freudenplatz, wäre Sadhana nicht abgefallen.

Gott gab auch im Gnadenakt das äußerliche Bild: Ein Quell inmitten Edens, was so bedeutet, daß ER ‚inmitten Seiner Werke lebt‘. Weil selbst höchste Kinder Gottes Allheit nie im Ganzen schauen werden, auch nicht brauchen, leitete Er daraus vier Ströme ab; doch offenbar erst sieben Meere, die im Licht die Hauptsphären sind. In sie gab Er die Ströme, Flüsse und die Bäche. Nur in Eden kamen zur Erlösung der Materie wegen erst die Ströme aus dem Quell, entsprechend den vier Wesenheiten des Allmächtigen.

So war und bleibt der Garten geistig ‚Gottes Land‘. Denn was ER Sich schafft, erhält Er Sich nach Seiner Art. Nur das Äußere ward verändert, weil kein Weltlicher den Qellstand finden soll. Die Ströme entspringen nicht mehr einheitlich, wie sich zudem ihr Lauf geändert hat, was weniger durch Naturereignisse als mehr durch die Bewahrung Edens von Gott Selbst geschehen ist.

Heilige Bedeutung: Wie die Menschen sich von Gott entfernen, so schließt Er Seinen Garten zu. Die getrennten Ströme sagen an, daß die UR-Einheit getrennt erscheint. Seht, ihr seid reif, das Vater-, Gott- und Priesterwesen zu ertragen, aber nicht den Schöpferteil, weil ihr noch als Menschen lebt. Im Licht-All sind gemäß der Sphären die vier geeinten Wesenheiten zu erkennen. Der Materie aber ist‘s zum Heil der Inkarnierten nicht gegeben.

Je weniger man die Gottheit suchte und sich Weltsymbole (2. Mo. 32, 4) schuf, desto mehr veränderten sich die Ströme und das Land. Nicht anders Gott in Seiner Huld. Der Mensch verliert die Spur, die herrlich eingezeichnet ist. Wunderbar kam Gott zu Abraham; immer aber so, wie dieser samt Umgebung es ertrug.

Dasselbe auch bei Mose. War der allein, so stand das Licht viel klarer da, als wenn noch andere zugegen waren (2. Mo. 24, 9-11). Gott paßt Sich gern dem Lebenslauf der Kinder an! Wißt ihr die Bedeutung dessen?“ Wie heiligernst ist das gefragt; es durchschauert jedes Herz. Man spürt es wohl, — jedoch begreifen — ?

Sagt Chenos: „Außer unsern Geistigen erfaßt es keiner. Abelu und Diblaim hätten es erkannt. Wärest du, König, nicht offensichtlich als ein Mensch gekommen, würde ich nun sagen: Mir ist, als wärest du vom Himmel her. Dort wohnt nur EINER, dem Titel und Name ‚König Ariel‘ gebührt. Allerdings . . . Gott deckt Sein HEILIG der Erlösung wegen zu. Das gerade zeigt mir an, daß du ein für uns Verhüllter bist, ganz gleich welcher Art.

Du sagst: Gott paßt Sich Seinen Kindern an! Gewiß nicht, weil Er muß, sondern weil sie dadurch freiheitlich zu Ihm gelangen. Vergib, wenn ich nicht so treffe, wie du wohl erwarten kannst.“ Keiner, der sich ob der Ansicht nicht verwundert und nicht freut. Hätte Chenos recht, dann wäre etwas vorgegangen, was seit Josua fast ganz verloren ging. Elia kannte solche Wunder. Asarja fällt nicht einmal ein, daß — wäre es eine Gottesoffenbarung — sie in einem Haus und nicht im Tempel zu Jerusalem geschieht.

Ariel sieht Chenos freundlich an: „Gut gesagt! Das Erkennen läßt euch das Geheimnis noch erleben, wenn auch nicht in dieser Nacht. Einerseits erscheint Gott sehr oft nachts (Ps. 19, 3; Matt. 14, 25; Luk. 6, 12; 1. Thess. 5, 2 u. a. )‘ weil Er nur in heiligen Erschaffernächten alle Tagewerke Seinem Quell entnimmt, anderseits für das Welten-All, weil dieses statt des Tageslichtes lieber seine dunklen Nächte wählt: Unglauben und pure Sinneslust.

Urmäßig lag das Erwachen der Geschöpfe in der Schöpfungsmorgenzeit. Der Tag wird euch näher an die Wahrheit führen. Denn wenn Asarja will, kehre ich am Morgen bei ihm ein. Im Heiligtum erkläre ich den Namen ARIEL in Verbindung mit dem Oberteil der Bundeslade; und wenn der Hausherr will, bleibe ich auch morgen noch sein Gast,“ Abjathar und Isa-i springen auf. Isa-i ruft:

„König Ariel, du bleibst hier?“ Muriels Brudergeist überkommt das große Ahnen. Abjathar neigt sich tief: „Muß ich dir sagen, der du die Herzensfalten siehst, daß mir unverdiente Ehre wird, wenn du in meinem Hause bleibst?“ Und Asarja faßt nach des Königs Hand: „Komm, Herr, lehre mich im Tempel GOTTES TEMPEL zu erkennen.“ Da geht ein Funkeln über Ariels Gesicht, das sich keiner deuten kann.

„Du hast ein Wort gesagt, dessen Sinn der Himmel kennt! Damit hast du dich in Gottes Hand begeben, wie noch nie in deiner ganzen Lebenszeit. Im Tempel wirst du morgen GOTTES TEMPEL kennen lernen!“ Ariel gibt Asarjas Händedruck zurück. In dessen Augen glitzert es verräterisch; verstohlen fährt er drüberhin.

„Noch das: Ihr dachtet, daß ein spätes Kommen ungehörig sei, außer bei Gefahr. Ob die Seelen in Gefahren stehen, die eilig abzuwehren sind, — wer beachtet das? Ein Zeichen für die ganze Welt:

Gott ist ein Arzt, der auch ungerufen kommt, der nicht erst wartet, bis es tagt. Denn bei Seelenkrankheit kommt es schwer zu einem Tag, zur Erkenntnis, und somit kaum zum Hilferuf. Darum kommt Gott, wann ER dies für richtig hält! Und das glaubt ihr ja, daß Seine Zeit wohl stets die rechte ist.“

Ifra-Gohnora sieht und schweigt; er weiß es nicht, wann Gott Seine Bahn erkennen lassen will. Nur das sagt er: „Herr, Menschen setzen sich die Zeit, aber keiner gibt sie sich. Nicht ‘mal Sekunden kann er grenzen. Begegne ich dem offenbaren Herrn“, er sieht den König ehrerbietig an, „dann bitte ich: Herr, bringe Deinen Tag und Deine Zeit in die Materie, wie Dir beides wohlgefällt.“

„Das ist eine ernste Bitte und allerdings nicht so, daß Gott erst etwas bringen muß. Nein — die Materie soll am Gottestag erwachen, wo ihr ein letztes Mal (Golgatha) das Licht geboten wird. Seit dem Fall ist Gottes Zeit und auch Sein Tag bestimmt, Sein Opfer, und wie Er solches tut! —

Davon nun nichts weiter. Jeder ruhe noch ein wenig aus; gute Ruhe ist ein Segen. Asarja, bedenke, was dir heute widerfahren ist. Gott läßt dich nicht ins Unglück laufen!“ Ariel steht auf. O — keiner möchte gehen, und man drückt sich noch ein bißchen ‘rum. Abigail bittet Hophei dazubleiben. Nathan schleppt das beste Bett heran und stellt es für den König unterm Wandbild auf. Isa-i hat sich zu Ariel gestellt, im Herzen bittend, wartend und bereit, einem Ruf zu folgen, ganz gleich wohin es geht.

Abigail fragt zag, ob das Lager Ariel genüge. Da sagt der König zu den Frauen: „Eure Seelen waren wie ein offenes Buch. Gott hat darin gelesen und Sich väterlich gefreut. Ein Lager, Tochter, macht die Liebe weich und die Wahrheit rein. In deinem Hause könnte Gott sogar ruhig schlafen.“ Er legt seinen Mantel auf das Bett. Nathan hat eine Lampenfackel außen an die Fenstersäulen eingeklemmt; sie erleuchtet so den Raum, ohne daß ein Dunst den Schläfer stören kann. Im Hause wird es alsbald still.

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