Hoffnungsfreudige Vorbereitungen. Ein Prophetengebet. Der König kommt! GOTTES Hut, Mantel, Gürtel u. Kleid. Sein erster und Sein letzter Fürst. Vom ersten Gebot: Gespräche über die Vier-Wesenheit
36. Kapitel
Der schöne Säulenraum ist aufs beste zubereitet. Dem Teppichbilde gegenüber steht der ‚hohe Stuhl‘ mit der schweren Scharlach decke, daneben große Vasen, geschmückt in frohester Erwartung, — ja voraus in Anbetung. An den Wänden hängen Lampen mit Naphtha und Galbanharz gefüllt. Auch warten Wein, Früchte, Brot und süßer Kuchen auf die Gäste, desgleichen eine Hauptmahlzeit. Man weiß ja nicht, wie lang der Abend währen wird.
Die Schule, durch den Hof mit dem Wohnkomplex verbunden, bleibt unberührt. Nebst Micha ist nur ein Lehrer eingeweiht. Phrybe sitzt bei Orpa; Elkana und Hophei helfen tüchtig mit. Der Aufgeregteste ist Nathan. Man sieht dem alten Diener manches nach und ordnet unauffällig sein Versehen.
Sogar Abjathar muß überprüfen, was er selber tut. Die Landfrauen sind die Verläßlichsten. Im Oval reiht sich Stuhl an Stuhl. Om-Sabra steht mit Assuram, der sehr zeitig kam, am Tor, um die Gäste zu empfangen, Telem und Chenos unterhalten sich. Rochaleth, Barthomas und Olley sind die ersten.
„Du scheinst zu merken, wenn was Besonderes im Gange ist“, sagt Joroham zu Barthomas. Der lacht: „Kunststück, wenn der beste Freund im Traume winkt.“ „Was träumte dir?“ forscht seine Mutter. „Nur den Ruf: ‚Komme sofort nach Jerusalem‘!“ Da war er früh zum Schmied gelaufen, um die Maultierkarre auszuleihen. Beeroth sei gern mitgekommen, doch sein Ältester sei krank. „Isa-i, du sollst Gibea nicht vergessen, lassen viele sagen.“ „Ich komme bald, will nur Maphia erst nach Gilead begleiten.“
Mit Asarja kommen außer den bekannten noch Samser, Jehiel, zwei Haupt- und drei Unterpriester. Das fällt natürlich auf, und am Tore lungert Volk. Abjathar kennt die ‚Schäfchen‘ und läßt Kost verteilen. Die Priester tragen nur die Hausamtstracht, bloß Asarja außerdem den Würdegürtel. Susanne hockt mit Nathan in der Tür; beim Vorhang, der in die Gemächer führt, die Dienerschaft. Abjathar erlaubt es gern, daß die treuen Leute Anteil haben. Sie sind zu wohl erzogen, als daß sie stören würden.
Samathuel liest die Rede Isa-is vom Morgen vor: Gottes JETZT. Es entspinnt sich ein Gespräch; doch trotz vollstem Interesse sieht man immer wieder nach der Tür, die zum Gartenhofe führt. Da sagt Asarja plötzlich:
„Wir warten; der König aber wartet, bis unser Herz so zubereitet ist, um es Ihm, dem ARIEL, als Willkommgruß anzubieten. Laßt uns stille werden, dann ist ER da, ehe wir die Häupter wieder heben.“ „Welch ein gutes Wort!“ Samathuel sieht Asarja glücklich an. Isa-i priestert, wie es seine Mutter tat. Das Gebet wird Jubel, Dank, Ruf und Anbetung. Er nimmt die Worte aus dem Davidpsalm (Ps. 145):
„Vater Zebaoth, König aller Lande! Dein Name sei gelobt in Ewigkeit. JETZT hast Du Dich aufgemacht, Deine Kinder heim zusuchen, und wir öffnen Dir das Haus. Gedenken wir der Größe Deiner Wunder, die so unerforschlich sind, o ARIEL, Heiliger, wer will ermessen, was Du gibst? Ob wir Deine Taten preisen, die Herrlichkeiten zählen, so faßt‘s kein anderer Raum, denn Deine eigene Unendlichkeit!
Deine Güte und Geduld rechnen nicht das Unvermögen an, der Demut wegen, die wir in Andacht Dir bezeugen. Deine Ehre rühmen wir mit Dank; Deine Herrschaft währet für und für. Die Gefallenen richtest Du empor; die der Arge niederschlug, hüllst Du in Deine Obhut, in die herzliche ERBARMUNG ein. Aller Augen warten auf Dich, und Du gibst uns Deine Gnade mit dem Reichtum Deiner Zeit. Du tust Deine Hände auf und füllest, was da lebt, mit Deinem Wohlgefallen!
Du, Herr, bist denen nahe, die Dich mit Ernst anrufen; Du tust, was der Gottesfürchtige begehrt. All-Heiliger, erhöre uns! Komme wieder, lehre uns die Lebenswunder sehen, die Du allewege tust. O Wunderbar, Rat, Kraft, Held, Ewig-Vater, Friedefürst, mache unsern Geist bereit, die Seele reif, DICH zu empfangen. HERR, HERR, gelobet sei Dein Name bis in Ewigkeit!“
„Halleluja“, schließt Asarja das Gebet. So beten lernen, um die Menschen hochzureißen, in Gottes Licht hinein, ach — — Er, Isa-i, Samathuel und Abjathar gehen an das Tor, so gewiß: Der König kommt! Als sie nahe sind, liegt der Pförtner auf der Erde, als wäre er erschlagen worden. Aber nein. „Dort“, haucht der Mann und zeigt durchs Gatter, „der große König kommt. Mich traf ein, Strahl, ich weiß es nicht, wie mir geschah. O Prophet, hilf mir hoch.“
Fast ergeht es ihnen ebenso, als sie auf die Straße treten. Von Morija kommt der Herr, ein Strahl von Ihm umhüllt das Haus. Obwohl noch früh am Abend, ist die Gasse völlig leer. Eine ungewöhnliche Erscheinung. Dem Wunderbaren folgen zwei Gestalten. Mitten auf der Gasse knien sie nieder; und als der König kommt, greift jeder nach des Mantels Saum (Matt. 9, 20). Freude, Ehrfurcht macht sie stumm.
Der Herr legt ihnen Seine Hände auf, auch dem Pförtner. Abjathar sagt: „Kein Erdengruß, der Dir würdig sei. Nimm uns, wie wir sind, und mache aus uns, was Dir wohlgefällt. O König ARIEL . . .“
Abjathar übermannt es; und Asarja, sehr erschüttert, ergänzt hilf, daß wir Deine Gnadenlast ertragen können.“ „Kommt!“ sagt Gott. Isa-i und Samathuel fassen wortlos nach den wunderbaren Mantelstücken, die des Kleides Ärmel überhängen. Beinah hätte Abjathar den Vorhang, den er raffte, fallen lassen; denn im Schein der Naphthalampen sieht man eine unerhörte Pracht, mit der sich ARIEL gekleidet hat. Auch die Engel tragen Himmelskleider. ‚Das muß so sein‘, denkt Joroham. ‚Gott wird erklären, warum Er heute mächtig kommt, während wir das erstemal Vertrauen fassen konnten.‘ Da sieht er ein Lächeln auf ARIELs Gesicht, und — — er stürzt an Dessen Brust. Der Herr scheucht alle Angst:
„Steht auf, Kinder, euer VATER ist gekommen.“ Man gehorcht. Nun ohne Furcht, kommt ihnen aller Glanz so herrlich vor. Können ihre Augen nach und nach das Himmlische ertragen, oder hat der Himmel von der Pracht das Übermaß bedeckt — — ? Der Vater spricht:
„Meine Kinder, ihr habt euch vorbereitet, Mich zu empfangen; habt die Welt verloren, um Mich ganz zu finden. Seht, als Ich als König ARIEL erschien, habe Ich euch überrascht. Und als ihr inne wurdet, wer Ich war, hinderte euch eine Mir wohlgefällige Demut, es zu erfassen. Ihr seid unter Meinem Segen rasch den Weggegangen, eine zweite Offenbarung zu erleben.
Ihr folgtet Mir zum Tempel nach, was bedeutet, daß ihr aus der Welt heraus und ins Geistesleben eingetreten seid. Also konnte dann im Tempel, den Ich mit der Offenbarung reinigte, Meines Heiligtumes Segnung euch erfüllen, womit die dritte Geistigkeit geschah: die freie Schau auf Mich! Jetzt nicht mehr nur, daß ICH kommen, warten, euch suchen und auch finden will, was zwar jedesmal geschieht, so oft Ich Kinder auf dem Arbeitsfeld besuche.
Im dritten Stadium habt ihr sehnsuchtsvoll gewartet, womit ihr Mir entgegenkamt; nicht nur bis ans Gartentor“, sieht Gott freundlich drein. „Euer Gruß kam Mir durch Engel schon vor Meinem Heiligtum entgegen. Und glaubt ja, wenn auch außer euch und Ifras Volk kein Mensch Mein Kommen sieht — : In dieser Stunde geht die Segnung durch das Welten-All, die viele Seelen friedvoll macht, die den ‚Vorwärtssturm der Materiellen‘, zu ihrem Babelturm zu kommen, hemmt.
Den reiße ICH von Zeit zu Zeit immer wieder ein! Erst wenn die Letzten gar nicht hören wollen, lasse Ich sie ihren Turm bis unters Dach erbauen. Doch das Dach zerstöre ICH, ehe sie es auf die Zinne ihres Turmes bringen (1. Mo. Kap. 11, 1-7). — Davon nun nichts weiter.
Heute will Ich nur vorn Segen künden, darum schmückte Ich Mich mit des Heiligtumes Hut, Gürtel und dem Kleid. (S 133, 6) Auch eure Liebe schmückte sich. Ihr fragt: ‚Wo ist unser Schmuck, da es noch viele Mängel gibt?‘ Weil ihr heute in dem Geistlicht steht, bin Ich nahe (Jes. 50, 8 ), und Mein Segen gleicht die Erdenfehler aus. Bin Ich ein Gott, der lieber an der Kinder Fehler denkt, als mehr an ihre Mühe (Jes. 54, 9-10), wenn sie auch bescheiden ist? Wohl werden Sünden abgegolten und Ich rechne wirklich ab. Da gibt es keine schmalste Spur, die hinter Meinem Richterstuhl vorüberführt.
Was gewänne je ein Kind, gäbe es schon einen Schlängelpfad? Wie lernt Mich‘s sehen, wenn Ich nie zuvor mit ihm gesprochen habe? Und immer hinter Meinem Rücken ist das Dasein eine Last! Wer verbirgt sich denn vor Mir (Ps. 139)?
Kein Kind trägt ohne Meine Gnade seine Lasten bis zum Ende; aber Meine Gnade trägt das Kind zum Ende hin, wo es — wenn vorher nicht freiwillig — in der Tages-Endzeit vor den Richterstuhl geleitet wird! Ich will gern der Angst das doppelte Gewicht verleihen, um einen Teil der Fehler auszugleichen. Dann wird es ihnen sein, wie früher Isa-i, als er, vor Angst und Hunger schluchzend, einen warmen Herd bei Garozam in dessen Hütte fand.
Isa-i hat daraus gelernt, noch zu priestern, wo kaum einer das Verzeihen über die Gerechtigkeit erhebt. Muß er zu seiner Amtszeit manches schwere Wort wie eine Geißel schwingen, so gleicht sein Herz die Wege der Verirrten aus. Sollte Ich, der Herr, von Dem er sich den Tagesschatz geliehen hat — wie er sagt — ‚ nicht noch weit mehr den Ärmsten helfen, die bis zuletzt den Umweg wählen, statt ihre Last in Meinen Schoß zu bringen? (Jes. 9, 3)
Ihr stauntet über Meinen Hut, wie darüber, weil Ich keine Krone trage. O seht das heilige Symbol: Der Hut auf Meinem Haupte, ganz zu oberst. Haupt bedeutet stets Gerechtigkeit; und die bedarf des Schutzes, geistig und auch irdisch. Die Gerechtigkeit soll wie das Haupt zu oberst sitzen; denn nur aus ihr entströmen Milde und die Prüfung aller Dinge. Braucht es dazu aber eine Sache, wie im Hute dargestellt? (Sach. 3, 5; Jes. 21, 8 u. 63, 2)
Ich trage Meine Krone als Bestätigung des Regiments. Unter ihr als Meiner Herrschaft entwickeln sich die Werke, vornehmlich Meine Kinder, die Ich in die Tage stelle, denen Ich sie übergab. Hierin stehn sie unter Meinem Schutz, der vor dem Fall die reine Geistkraft war. Mit dem Falle ward der Schutz zu einer Waffe, die Ich höchst Selbst über Meine treuen Kinder hielt.
Zum Zeichen dessen gab Ich Michael im Kampf mit Satan einen Hut, dem Helme gleich (Jes. 59, 17; Dan. 10, 21; OJ. 12, 7), darunter er und seine Engel die Behütung fühlten, die Ich ihnen angedeihen ließ. Seitdem habe Ich — und das aus purer Gnade und Barmherzigkeit — über Meine eigene Gerechtigkeit den Hut erhoben als OBHUT für die Treuen, besonders während der Materiezeit.
Ich dehnte diese Obhut wie ein Fell (Jes. 40, 22) als Zelt, nicht zu übersehen; während dunkle Wolken drohen, wenn sie tief die Welt bedecken. Meine Milde schuf den blauen Himmel über der Materie wie einen Hut, der auch den tiefst Gefallenen über die Gerechtigkeit hinaus bedeckt. Soll daher Mein Hut nicht prächtig sein?
Die vier Kanten sind die vom UR-Sein aufgebauten Säulen. Ihr seht sieben Sterne, zwölf Zeichen und deren große Doppelzahl (OJ. 14, 1): Die unwandelbaren und wandelbaren Hochgesetze, die die Gebote bergen, dargestellt als Edelsteine größter Art. Der Doppelbogen zeigt die zwei Grundecksteine an: Die Gesetze der Bedingung und der Freiheit; Mein ATMA, und was Ich daraus schuf!
Warum zeige Ich euch dies an Meinem Hut? Seht, nicht von dem, von der Hut, von der OBHUT aus betrachte Ich das Kind. Ihr sollt wissen, daß Ich heute mit der Obhut zu euch kam, und — zur Materie. Ihr überschaut es nicht, wie nötig Meine Feld- und Weinbergleute, mehr noch alle Ärmsten, so ein Kommen brauchen. Zugleich dient es zur Bescheidenheit, daß Ich nicht nur euretwegen kam. Denn der Versucher setzte gleich den Bohrer an, wie so hoch ihr vor Mir stündet. Solch Gedanke ist der erste Schritt zum Fall!
All Mein Tun geschieht nur für den Geist. Denn Ich bin Geist; aus ihm habe Ich die Kinder aufgeweckt; geistig ist Mein Reich! In das geistig für den Geist ist die Materie im Übermaße väterlicher Milde, die die Gestirne der Materie überstrahlt, schon eingehegt. — Nun könnt ihr Fragen stellen. Ich will nicht nur predigen, obzwar es nötig ist. Besprecht euch nur mit Mir. Zuvor“, lächelt Gott, „könnt ihr eure Mahlzeit halten; denn das Leibliche darf sein.“
Lange bleibt es still. Ach, das heilig-gute Wort! Isa-i neigt sich auf Gottes Füße, die er mit seinen Tränen netzt. Hophei denkt: ‚O Prophet, laß unsre Dankestränen mit auf Gottes Füße fallen.‘ Jedem ist, als kniee er mit Isa-i vor Gott. Asarja streckt zaghaft seine Finger aus, er möchte sie auf Gottes Rechte legen. Bevor ihm das gelingt; ist schon seine Hand erfaßt. Da stammelt er:
„O Herr, Du hast soviel von Deiner Himmelsherrlichkeit vor unsern armen Erdenaugen aufgetan und bist wahrlich als der Ewig Vater hergekommen; Du, der Schöpfer aller Lebensdinge, Deiner Tage, wie auch der Unendlichkeit! Mir ist es wie ein Traum und wird es bleiben, bis mein Leib zerfällt: ich — der kleine Mensch an GOTTES Seite, und ER hält meine Hand!“ Ein heißbittender Blick . . . Asarja neigt sich über Gottes Rechte.
Gott winkt Nathan her. Dessen Herz verzagt. Krampfhaft hält er Susanne fest und zerrt sie so mit durch den Saal. Die Menschen wagen leis zu lachen. „Komm, Getreuer“, sagt ARIEL, „die gute Magd dazu. Hier, hütet Meinen Mantel und den Hut.“ Gott legt beides ab, während Er den Gürtel, der den Rückenteil des Mantels hielt, wieder um die Hüften schließt.
Nathan bringt vor Beben kaum die Lippen auseinander: „Herr, o Du Oberheiligster! Nur in bescheidenstem Verstand kann ich den Worten folgen. Sieh gnädig meine Kleinheit an, und gib lieber einem Engel Auftrag, der mit Himmelsdingen besser fertig wird. Ich — — wie soll denn ich den Hut behüten, der mich zu behüten hat?“
„Fein gesagt! Doch bei Mir herrscht Ordnung vor. Da du als des Hauses erster Diener der Gäste Eigentum betreust, halte Ich es für gerecht, nicht dein gutes Amt zu schmälern.“ Abjathar denkt: ‚Könnt‘ ich jetzt mein Nathan sein.‘ Der greift nach dem Hut wie nach einem Hauchgebilde, gibt ihn Susanne mit gebieterischem Blick und sagt dabei: „Weißt Du, o Herr, er ist leichter als der Mantel, den ich selber tragen will. Warum hast Du diesen nicht erklärt? Ich hatte sehr dar aufgehofft.“
„Recht so, daß du den Herrn erinnert hast, Er hätte es vielleicht vergessen,“ Eines Engels Lachen perlt. Nathan nimmt vom Himmel gern den Nasenstüber hin, „Verzeih, Allerhöchster“, murmelt er, „so hatte ich es nicht gemeint.“ „Du kommst schon noch auf deine Kosten“, tröstet ARIEL. „Bringe nun die Tische, wie du heute morgen heimlich mit den Dienern vorgeprobt.“
Nathan hängt die Kostbarkeit auf ein Gestell. „Er weiß alles“, sagt er leise. Susanne dirigiert die Mägde, Diener sorgen für den Wein. Jeder ist bei Tisch darauf bedacht, dem König und den Engeln alle Dinge darzureichen; ihre Herzen läuten wie die Glöckchen in der Ewigkeit, und der Allmächtige hört strahlend zu. O — göttlich angerührt, — und sogar auf Erden sind sie fähig, so zu leben, wie der HEHRE GEIST die Himmelskinder schuf.
Nach dem Mahl fängt ARIEL aufs Neue an: „Ich hatte nur vom Hut gesprochen, weil der euch unverständlich war. Nach Meinem reichen Mantel fragte Nathan ganz mit Recht, zumal Ich heute einen andern trage, als vor Tagen, da Ich bei euch war. Mein ‚Bundesladenfeuer‘ ließ euch rüstig vorwärtsgehen. Isa-i, wehre Mir nicht ab, in dem du denkst: ‚Das machte Deine Güte, König ARIEL!‘
Doch nicht nur, weil euer Geist die Seele mehr bestrahlt, wählte ich ein anderes Gewand. Ihr sollt symbolisch oder himmlisch sehen lernen. In des Reiches Licht ist alles ein Symbol; und gerade das ist Wirklichkeit! In der Materie verfeinert man die Rede und die Schrift, um zu ersetzen, was verloren ging. Nun sollt ihr etwas vom Symbol vernehmen. An der Beschreibung Meines Hutes habt ihr schon erkannt, um was es dabei geht.
Nun nehmen wir den Mantel her.“ Nathan flitzt, um ihn zu holen. Ein Engel hält ihn auf: „Nicht nötig, er wird nur erklärt.“ ARIEL fährt fort: „Mein Mantel stellt die Werke dar, mit denen sich Mein Schöpfer-Sein umgibt. Ich trage ihn auf Meinen Schultern, auf denen alle Werklast ruht. Seine Länge (OJ. 1, 13) deutet an: Ich höre niemals auf zu schaffen, wie Mir es immer wohlgefällt.
Joroham denkt, Ich müsse als Symbol von einheitlichen Werken auch nur einen Mantel tragen. Doch es gilt dem zunehmenden Verständnis der Geschöpfe; denn vom Anfang der Perioden bis zu ihrem Niedergang trage Ich nur ein Gewand: das der Anschauung. Allein die Werke wachsen, sie vollenden sich aus Meiner UR-Vollkommenheit!
Ohne Ahnung, wie nahe Abjathar dem Schöpfungsfortlauf kam, läßt er die gutgeteilten Klassen jährlich ihre Reife zeigen und setzt den Schluß der Prüfung als den Anfang für den nächsten Abschnitt ein. Hat jemand aber noch so gut gelernt, so bewältigt er das Leben dadurch nicht. Auf der freien Arbeitsbahn muß er das Gelernte erst erproben. Und als Greis, denkt Chenos, zeigt es sich, wieviel zu lernen jedem übrig bleibt.
Zwar in Meinem Tat-Impuls gewaltig und nie gänzlich zu erforschen, geht es so in Meinen Tagen zu. Von den Jahren ganz zu schweigen! Reife ICH die Werke durch geheime oder gnadenvolle Führung aus, so zeigt sich das symbolisch an den Dingen, die ICH MIR persönlich vorbehielt. Selbstredend, daß Ich auch die Anschauung nach eines Kindes Fähigkeit gestalte.
Om-Sabra meint, den reichen Mantel anzusehen hättet ihr noch nicht verdient. Nun, Ich weiß, ob, wann und wie ein Übermaß zu schenken ist. Ihr seid längst bemüht, in Meiner Liebe und Gerechtigkeit zu leben; doch erst durch Isa-i und Meine Offenbarung habt ihr völlig Kehrt gemacht. Joroham, der Mantel ist derselbe wie vor Tagen, nur sein Schmuck zeigt eure Liebe an. Ihr seid Mein Werk; Ich schuf euch allesamt mit diesen Händen!“ Gott hebt sie hoch; im Naphthaschein der Lampen leuchten sie wie weißes Licht. „Aus Meinem Geist seid ihr zur Kindgeburt gelangt!
Seht, alle Werke wandeln sich; unbewußte durch die Schöpfermacht, bewußte durch geheimes Gottes- oder gnadenvolles Vatertum. Darüber waltet noch Mein Priestergeist, der aus Ernst und Weisheit alles ineinanderfügt, dergestalt, daß ein Werk des anderen bedarf, eines auch dem andern dient. Eine Frage brennt in Meiner Tochter Hophei, die sie uns verkünden soll.“
Hophei preßt derart Abigails Arm, daß die schmerzlich ihren Mund verzieht. Sie bittet: „O Heilig-Vater, Du hast die Fragen Deiner Söhne aufgedeckt, sie brauchten nicht vor Dir zu stottern wie nun ich, weil — o Vater, ich bin ja bloß ein Weib. Bringe doch die Frage bitte selber vor.“
„Es ist Meine Sache, eine Frage aufzudecken oder nicht! Damit ist ein Zweck verbunden. Hast du jenes Wort vergessen, das Ich über Meine Töchter sprach?“ „Nein.“ Hophei ist vor Furcht dem Weinen nahe. Ein Engel sieht sie zärtlich an. Da läuft sie hastig hin zum Hohen Stuhl — man hatte nach dem Mahl die Tafel weggerückt — und birgt sich ganz in Gottes Schoß.
„O Herr“, flüstert sie, „niemand kann das Heil ermessen, das Du heute Deinen Kindern bringst. Ist einmal mein kleiner Ackerweg zu Ende, wird mir alles stufenweise aufgetan.“ Sie sieht hoch. O — das heilige Gesicht, und so nahe; welche Wonne! Da ist der Druck von Unwürdigkeit verweht. Sie kniet vor einem VATER, Den es in Ewigkeit nur einmal gibt.
„Vater, mir fiel Dein goldener Gürtel auf, der den Rückenteil des blauen Mantels hielt, vorn nur in der Mitte sichtbar war. Dein rotes Kleid, der weiße Hut: Art und Farben sprechen mich gewaltig an. Nun sieh, man legt den Mantel samt dem Gürtel ab. Du hast den breiten Mantelhalter über den des Kleides wieder umgetan. Diblaim hätte die Bedeutung ungefähr gewußt. Sieh es nicht als Neugier an, die Entsprechung zu verstehen, die auch ohne Worte heilig ist.
Die Schöpfungskunde spricht zu uns durch Sonnen wie durch Mücken. Der Riesenbaum auf Libanon, das Blümchen in den Gärten Jerichos, ein Sandkorn und des Musa (Teil von Sinai, 2250 m) hohe Spitze, — o König ARIEL, in allem wirkt die Offenbarung Deiner Herrlichkeit! Herr, sage uns ein wenig über mein Bedenken.“
Keiner wundert sich ob dieser Rede. Diblaim, im Tempel ungerecht verachtet, hatte viel sein Weib belehrt; und sie — begabt — lernte leicht. Auch ist man über jenen falschen Berg hinweg, der die Frauen abseits stellt. Jeder freut sich offenen Gemüts auf das Gespräch zwischen Gott und einer Tochter. Und Er sagt:
„Setz‘ dich neben Mich, um deine Frage zu behandeln. Abgesehen von der Anbetung, die Ich gern entgegennehme, ist Mir lieb, wenn Kinder kindlich handeln. Ich wirke dann auch väterlich. Doch ist billig, daß alle Töchter Anteil haben.“ Ein Engel nickt Abigail zu. Flüchtig wie ein Reh ist sie beim Herrn, im Gefolge Orpa, Phrybe, Elkana, Olley, Maphia und Hisrael. Isa-i und Samathuel tragen ihnen ihre Stühle nach. Asarja rückt sogar zur Seite, um den ‚Töchtern‘ Raum zu geben. ARIEL sagt väterlich:
„Hophei, ganz genau weiß es nicht einmal Mein Isa-i. Es schadet daher keinem, wenn es daneben geht. Warum du reden sollst, kann Abigail sagen.“ Diese forscht in ihres Mannes Augen, doch der funkt zurück: ‚Was weiß ich davon? DER es weiß, sitzt neben dir.‘ O ja, der HERR! Da findet Abigail auch das Wort.
„König ARIEL, mein Vater prüfte ab und zu, was wir Kinder wußten und was nicht. Durch geschickte Fragen fanden wir oft selbst die Antwort. Ohne daß Dein Schöpferwesen uns versinkt, fragst Du heute nur als Vater, damit uns keine Schranke von Dir trennt. Hophei, die klügste Tochter, kann die beste Antwort geben. Durch sie schneiden wir mit günstig bei Dir ab“, lächelt sie. „So machten wir‘s zu Hause auch; das klügste der Geschwister ließen wir am meisten reden. Ist es so recht gedacht, Vater Zebaoth?“
„Gut, liebe Tochter, und für Kindlein nützlich anzuwenden. Doch ich hebe Hophei wegen ihrer Klugheit nicht hervor, sondern weil sie Mir geheim gestand, daß alles Meine Gabe sei, was die Magd Susanne gleichfalls äußern könne. Dergestalt“, lächelt Gott zurück, „können alle Töchter profitieren. Nun beginne, Hophei, wir haben ja noch mehr zu tun.“ Gottes Augen glänzen sanft. Da sieht sie nur noch das Verhältnis ‚Vater-Kind‘. Tapfer legt sie los:
„Ewigguter Vater! Dein Wesen ist zu heilig, als daß es einem Beispiel unterliegt. Immerhin — im Symbol sind Gürtel, Kleid und Mantel Deine Schöpfermacht, DU SELBST! Da Du die Werke auf den Schultern trägst, was besagt, daß Du sie erhältst, verstehe ich, daß sie vom Gürtel festgehalten sind, als Gnadenakt, der nicht bloß als Hülle dient, worunter auch Dein Kleid entfiele. Es bedeutet sicher, daß durch den Gnadenakt kein Kind sich ewig von Dir wenden kann. Einmal muß es doch zurück. Soweit ist mir‘s ziemlich klar.
Zeigt der Mantel als Symbol die Werke an, warum hält der Gürtel nur den Rückenteil? Es ließe sich ja sagen“, sinnt Hophei kurz, „daß Du das, was sich hinter Dir im ‚Schlängelpfad‘ verbergen will, in den Gnadenakt mit einbeziehst. Doch da stockt mir der Verstand. Du, der Schöpfer, brauchst Dich nicht erst umzuwenden, um zu sehen, was da vor sich geht; noch weniger, daß die Werke hinter Deinem Rücken ohne Gürtel je verloren wären.
Nehmen wir als Rückenteil die armen Wesen an, die Dich betrügen wollen — was ihnen freilich nie gelingt — ‚ dann bedürfen sie der Gnade, die sie immer hält und trägt. Aber jene, die Dir so gut als möglich dienen, also sinngemäß vor Deinen Augen sind als Vorderteile Deines Mantels, die wären nicht an Dich gebunden, und sie hingen lose von Dir ab.
Das hieße ja zurückgesetzt; und das gibt es bei Dir nicht. Damit hört mein Wissen auf, auch über das, warum Du Deinen Gürtel ohne Mantel trägst. Nun laß uns bitte Deines Lichtes Weisheitsfackel sehen. Weißt es ja, mein König ARIEL, vor Dir bin ich der kleine Anzündspan.“
Hophei schmiegt ihr Haupt an Gottes Hand. Ihre Fragen deuten auf ein Feld, — so wunderbar — ‚ wer kann darüber säend oder erntend schreiten? Nur der HERR! Er hat Schöpferfreude über Seine Töchter, und Er streichelt sie. Neidlos sehn die Söhne zu, ahnend, bei ihnen tut‘s hernach ein fester Händedruck. Der Vater sagt:
„Vom Anzündspan (S. 211, 1) wurde schon einmal gesprochen. Es kommt auf solches Spänlein an, das am schnellsten Feuer fängt. Wer es besitzt, kann einen größten Brand entfachen; geistig lichtgemäß, irdisch freilich auch verkehrt, daß Wälder, Dörfer, Städte, Mensch und Tier verbrennen; oder wie ein unbedachtes, böses Wort verleumdet und zerschlägt. Höret aber nun:
Der Mantel ist ein ganzes Stück, was besagt: Die in einem Werk gewordenen Teile sind geistig nicht unterschiedlich anzusehen. Mir ist nichts nahe, fern, unwert oder wert. Nur vom Fall hervorgerufene Veränderungen stellen Teile dar. Du hast recht, Töchterlein, Ich brauche Mich nie umzudrehen, um zu schauen (Hes. 1, 17 u. a.), was etwa hinter Meinem Rücken vor sich geht.
Der Rückenteil entspricht dem Fall. Daß Ich den besonders an Mich schließe — nicht, daß ICH ihn nicht verliere, sondern er den Retter nicht verliert — ‚ verstehet ihr. Die zwei Ärmelstücke, die auf den Schultern alle Mantelteile fest zusammenhalten, sind die jedes Werk verankernden Grund-Ecksteine: die Bedingung und der freie Wille. Die Vorderbahnen stellen Meine Treuen dar und bedarf es keiner Sonne, in ihnen erstens Sohn und Tochter, zweitens ihr Leben im Himmel und in der Materie zu erkennen. Daß sie lose hängen, bedeutet nicht, daß sie von Mir nicht gehalten würden.
Die Treuen lassen sich von Meinen Armen halten, womit sie ihren Gürtelanteil haben, außerdem den besseren; denn vorn trägt man den reichsten Schmuck. Sie helfen ja und können so symbolisch ihren Gürtelteil bedecken. Das bedeutet: Im freien Dienst haben sie die Kindschaft hingegeben, um dem Fall die Kindschaft (s. Urwerk) als das einst verschleuderte Erbgut wieder einzubringen. Und das unter Meinen Armen, Meinen Augen!
Zweitmäßig, daß der Rückenteil als unbewußte Werke stets durch Schöpfermacht gehalten sind, während alles freibewußte Werk in der ‚gehaltenen Freiheit und unter Meinen Augen‘ auf der Brust, wo das UR-Herz schlägt, sinnfällig sich entfalten kann.
Daß Ich den Gürtel um die Hüften schloß, darüber gibt uns Isa-i Bescheid. Hinweisen will Ich noch, daß Nathan“, der Genannte wird stolzrot, „den inneren Wink beachtete. Ein Antwortschlüssel, der zu brauchen ist. Seht, die Gästesachen sind in einer Kammer gut verwahrt, Nathan trägt den Schlüssel an der Innenseite seines Gürtels. Dort nimmt ihn niemand weg.
Meine Sachen trug er nicht hinaus; er beließ sie unter Meinem Blick. Das ist ein heiliges Symbol! — Nun, Weisheitsträger, lasse deine Fackel brennen.“ O, vor dem Vater priestern dürfen, — Isa-i kann kaum des Glückes Fülle fassen. Maphia, die schlichte Frau vom Land, hat des Vaters Hand ergriffen. Sie möchte etwas sagen, traut sich aber nicht heraus. Da wird sie väterlich ermuntert:
„Dein Bedenken hat kein Himmel vorher angerührt.“ Sie wischt ein paarmal über ihren Mund, dann quillt‘s heraus: „Herr, Herr, bis ans Lebensende kann ich nicht erfassen, daß ich an Deiner Seite sitzen darf, als wärest Du ein guter Mensch und hättest mich belehrt, wie Rabbi Abelu es tat. Du hast uns Töchter lange bei Dir sitzen lassen; ich meine, daß Deine Söhne gleichfalls das genießen sollen.“ Maphia wird resolut: „Wir Frauen machen Platz. Vielleicht“, sehnend sieht sie hoch, „rufst Du uns nochmals gnadenvoll zu Dir. Herr, ist mein Gedanke falsch gewesen?“
„O nein, liebe Tochter, Ich Selbst hätte es jetzt angeordnet. Nun hast du reichen Segen ausgelöst.“ Die Frauen gehen hochbefriedigt in den Kreis zurück. Asarja benutzt den Augenblick und rückt wieder näher zu dem Herrn. Auch gut getan. Isa-i sieht auf Gott; er erwartet stets das Anbruchszeichen, innerlich wie äußerlich. In Gottes Augen leuchtet Zustimmung. Und er beginnt:
„König ARIEL, in Deiner väterlichen Huld bist Du bei uns. Man spürt, wie sich die Barmherzigkeit ergießt. Laß Dir aus unserm Geist das Opfer bringen: DIR dienen und aus diesem Dienste lehren wo es nötig ist; von Dir empfangen und dann weitergeben. So stehen wir in Deiner Hand. Lasse meine Rede Dir ein Preislied sein.
Vater, Du gabst den Schlüssel, ich habe aufgeschlossen, und Dein Licht ist da! Dein Schöpfer-Raum kennt keine Kammer, und die Kostbarkeiten bleiben allezeit vor Deinem Blick. Denn wo nicht Deine Augen wachen, Deine Hand beschützt (Ps. 127, 1), ist es vergeblich, seine kleine Habe einzuschließen. Nathan hatte recht getan; denn wo wir Deine Herrlichkeit erleben, ist heute sinngemäß der UR-Raum, den DU übersiehst, den DU erfüllst, durchdringst und trägst.
Du hast den Mantel abgelegt, um Dein Kleid zu zeigen, willst uns als IMANUEL, als VATER nahe sein. Und wenn Du ohne Mantel, Hut und Gürtel kämest, — Du bist der HERR! Dir ist, wie die Wimpern einem Auge, alles nahe. Ein Zeichen gabst Du jedermann: ‚Ich habe dich gerufen, du bist Mein!‘ (Jes. 43, 1)
Dein Ich-Ruf steht am Anfang, Dein Mein-Besitz am Ende. In des Rufes A und O ist der Gerufene zweimal eingebettet, was wohl den Grundgesetzen gleicht. Du hast die Werke über die Person gezogen; nur nicht, weil Du darunter stündest, selbst wenn Du als ihr Träger sie über Dich erhebst (Sach. 4, 2).
Man hat beim Wandern auch die Decke auf der Schulter; bedarf man aber ihrer, so legt man sich auf sie. Du stützt Dich auf die Werke Deiner Herrlichkeit in hehrer Schöpferlust, obendrein, daß sie in ihrer Dienstbarkeit zur eigenen Verherrlichung und zu der Kinder Lebensfreude hingelangen.
Gott in Seiner GOTTHEIT kann kein Kind ertragen, wenn Er auch als VATER kommt. Läßt sich von Ihm der Schöpfer trennen? von der Güte die Allmächtigkeit? Die Güte hat uns eingeschoßt; aber keiner hat vergessen, daß vor uns der Schöpfer sitzt! Würde der Gedanke das Gefühl beherrschen, so lägen wir zu Seinen Füßen. Statt dessen saßen Töchter an des Vaters Seite, stehen Söhne neben Ihm. Er verbirgt um unsertwillen Seine Macht, Kraft, Gewalt und Stärke und läßt sie nur insoweit spüren, als es für die Kinder nützlich ist. Im Nützlichkeitsprinzip liegt Seine väterliche Huld.
Sein Kleid gleicht der Person, die wir sehen und erkennen, davon Er aber jenen Machtteil wieder deckt, der der Werke wegen durch die Werke fließt. Wirklich schauend läßt sich‘s nicht ertragen, obwohl der Strom der UR-Macht uns belebt. Gott bedeckt, ohne zu verdecken; Er läßt sehen, ohne daß es uns blenden kann. So dringen Kinder aus der Kraft des ATMA bis zur letzten Tagesgrenze vor, so wandeln sie die Bahn und steigen auf zu Seinem Licht!
Wer das in Demut anerkennt, wird sich dankbar über Gottes Quelle neigen; ER hat uns zu Seinem Werk gemacht, das andern Werken dienen darf. Freibewußte Kinder bleiben stets ein Werkzeug in des Schöpfers Hand. Sind wir vom Mantel oder Gürtel, nur vom Band an Seinem Schuh ein Stück, so gehören wir Ihm an. Laßt es ewig in uns widerhallen:
‚Ich habe dich gerufen, du bist Mein‘!“
Isa-i stürzt in der Überfülle des Gefühles förmlich nieder. Ein Leuchten überstrahlt das ewige Gesicht, so wundersam, daß sogar die Engel ihre Häupter neigen. Asarja setzt hinter diesen ungeprägten Dank das Wort: „O Herr, wie groß ist Deine Güte, den Prophet uns zuzusenden, der aus Deinem Lichte eine Fackel trägt. Möge er Judäa ganz erhellen und — vielleicht einmal die ganze Welt.“
„Amen!, Asarja, weil du nicht nur an Judäa denkst! Allerorts, zu allen Zeiten, können sich die Treuen daran halten: ‚Ich habe euch gerufen, ihr seid Mein!‘ — Nun noch von Meinem Kleide, das als Decke dient, ohne die ein jedes Wesen in das offenbarte UR-Sein sinken würde als ein Hauch, so wie es ausgeatmet ward. Das ist aber nicht Mein Arbeitszweck.
In Meinen Augen liegt ein Stück UR-Wesenheit. Deshalb dient das Kleid zur Freude und zur Anschauung, zum Segen Meiner Kinder, wobei sie ja den vollen Werkteil an MIR haben können. Denn von Mir aus bleiben keine Krüge leer (Joh. 2, 7). Und Mein Schmuck zeigt an, wieviel Güte, Huld und Liebe Ich hernieder trug. —
Noch ein wenig von den Farben. Des Mantels Blau — ihr braucht es nur mit Meinem Wort vom Himmel zu vergleichen — zeigt die Macht und Pracht des Schöpfers an, Der aus Ordnung und aus Wille wirkt. Der goldene Gürtel erinnert an das Sonnenlicht. Denn würde eurer Erde auch ein Himmel blauen, so wäre sie doch ohne Sonnenlicht in Eis erstarrt; wie allerdings die Sonne wenig nützt, wenn dunkle Wolken fortgesetzt den Himmel trüben. Weiße Wolken aber sind ein Segen.
Euch schien die Weisheit wie des Himmels Licht. Ihr habt dabei den Ernst gespürt als großen Ruf, der euch eure Straße wies. Weisheit und Ernst sind Meine Priester-Fackeln. Wer diese sich zur Leuchte nimmt, der wirkt wie Gold an seinem Tag, wie Ich an Meinen Tagen wirke. Nur verwechselt meine Weisheit nicht mit Wissen, noch Meinen Ernst mit Härte, welch Letztere sehr selten etwas taugt. Wer nach priesterlichem Sinne Ernst und Weisheit paart, der lernt Mich ganz als Priester Melchisedek lieben und erkennen.
Vom Schöpfer- und vom Priester-Sein trete Ich als GOTT hervor auf einer Mittel- oder Mittlerbahn, die des Falles wegen in Geduld und Liebe zubereitet ist. Die rote Farbe Meines Kleides (Jes. 63, 1) ist das Symbol dafür; tiefer noch das rote Blut. Ja heiligtief gebe Ich als Lebenssaft Mein Gott-Sein her! Geduldig warte Ich auf jedes Kind, oder bis die Armut sich verzweifelt wendet, wenn das Blut für sie geflossen ist.
Dann bin ICH da; und Meine rote Liebe lockt und heilt, sie wärmt und labt das Kind. Führt sie auch manchmal aus der Weisheit dunkle Wege, ist der Stab des Ernstes streng, so nur aus Schöpfergüte, die man erst hernach (Joh. 13, 7) erfahren wird. Mein Wesen und Mein Name GOTT hat schon manchen Sucher bang gemacht.
Wer sich Meinem Walten anvertraut, wird Mich stets als VATER bei sich haben, auch im Schöpfer, Priester oder Gott. Aus Meinem ganzen Wesen habe Ich die Huld als Vater-Obhut für die Kinder auserwählt. Darum kam Ich mit dem weißen Hut. Ja, Meine Obhut ist ein heiliges Geschenk!
Schließt den Schatz nicht ein, noch verlieret ihn, sondern wirket mit ihm eure Lebenstage. Wahrlich sage Ich, dann werdet ihr einst euern Schatz im Himmel wiederfinden. Denn vom Vaterhaus seid ihr gekommen, und ins Vaterhaus kehrt ihr zurück!“ (Joh. 17, 14-24; 15, 19)
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