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Kap 3 – Alaniel und Luzifer

Alaniel und Luzifer

3. Kapitel

Vor den Dämonen steht das Licht. Luzifer starrt in die Helle, während Puthar sich vergeblich wendet. Selbst in ihren Abgrund leuchtet es hinein, ein Zeichen, das die Form ergibt und das auf Gottes Hochaltar der Dominant des Tages ist: das KREUZ!

Alaniel steht mit ausgebreiteten Armen da. Seine Worte lassen keinen Zweifel, dass es sich — wie oft — um einen Ausgleich handelt. „Luzifer, der HERR sendet mich, um mit dir zu reden.“ „Ich wüsste nicht, was wir zu reden hätten.“ „Du nicht, weil du Gottes Heilsplan nicht in Anspruch nimmst. Ich zeige dir, mit welchem Unrecht du die Gott-Geduld herausgefordert hast, und — ich helfe dir, armes Kind, bevor das Schöpfungsopfer auf dich fällt.“

„Was geht mich dein Gefasel an?“ Luzifer stellt sich steil. Das Zittern seiner Glieder hält er für Wut, weil er sich wie festgenagelt fühlt. „Der Andere, dem ich gezwungen dienen musste, ist . . .“ „Ja, ER IST! — ist der Schöpfer aller Werke! Leugne nicht, dass du an Ihn denkst.“ „Ich?“ Hohnlachend krümmt sich Luzifer. „Fällt mir nicht ein, an Ihn zu denken!“

„Sei nicht töricht“, sagt Alaniel. „Nur aus der Kenntnis einer Existenz ersteht die Leugnung! Du musst dich ja mit Gott befassen, weil du zum Widerpart geworden bist. Je mehr du schreist: Es gibt keinen Gott, desto mehr lebt Er in dir, durch die Macht Seiner Schaffung, durch das Geschöpf. Du bist ja Sein Geschöpf“

„Nicht dass ich wüsste!“, höhnt Luzifer. „Den präsentierten Heilsplan nimm nur wieder mit. Mich ungerecht zu schelten, weil ich nach meinem Willen lebe, zeigt mir an, wie tief du stehst, gebunden als ein Knecht an einen andern. Triebe mich die Lust, so sagte ich zu dir: Armes Kind, wohin verirrst du dich? — Ein Schöpfungsopfer ist ohne jeden Sinn. Es gibt kein Opfer!“

„Ist nicht das schon Opfer, dass die Gottheit ihre Heiligkeit bedeckt, um sich als VATER zu enthüllen?“ „Ein Irrwahn ist‘s, von diesem Geist erdacht! Denn im Glauben an sich selber liegt die Kraft zur Herrschaft über andere. Auch du bist überwunden worden.“

Plötzlich sagt er ruhig: „Dort ist ein Haus; kehre mit uns ein.“ Jedes Haus umschließt im Jenseits eine Kraft, zum Guten oder Bösen. Der Dunkle weiß, dass er daselbst besser wirken kann. Doch was gilt Alaniel der Splitter? Ihm, von Gottes Kelch erstarkt —?

„Du denkst“, sagt Alaniel nach kurzem Schweigen, „ein Gottesopfer wäre nur ein Wahn?“ „Jawohl! Gäbe es nach dem Formate einen Gott, wie du es glaubst, so wäre es ja Seine Sache, sich zum Nutzen etwas zu erschaffen.“ „Besser noch zu Seiner Freude oder Ehre“, ergänzt Alaniel. „Meinetwegen, du kommst ja ohne so was nicht mehr aus. Im Nutzen liegt die größte Eigenfreude.“

„Ja; aber Eigenfreude kennt kein Echo, sie bleibt ohne jede Melodie.“ „Darüber lässt sich streiten. Doch als ein Vater zu erstehen birgt sehr wohl den Eigennutzen und die Eigenfreude. Hätte Er — natürlich nur von deiner Ansicht ausgegangen — sich nicht offenbart, so hätte Er die Freude nicht genießen können.“ „Ebenso die Kinder nicht, die den gerechten Widerhall ergeben.“

„Ha, ganz falsch gedacht! Die Geschöpfe, falls ein Schöpfer sie erschuf, hätten ohne Schauung nichts entbehrt. Nur was man hatte und hernach genommen wird, ist ein Verlust. Ohne Schau wären sie die Seligen; es gäbe keine Knechte und — kein Opfer. Hätte Gott — ich spreche nur im Sinne deiner Überzeugung — im Opfer Seine Heiligkeit bedeckt, so nur für sich! Es wäre Ihm wohl leid gewesen, immerfort allein zu sein.

Sieh den Nutzen an, der sich auf sich selbst bezog! Den aus einer Macht Gekommenen zu sagen: Ich bin euer Schöpfer! Nur weil Er der Erste war, der zum Ausdruck einer Raummacht wurde, ist Betrug am ganzen Schöpfungswerk!“ Alaniel schweigt, er rüstet seinen Geist. Puthar stößt den Dunklen an: „Der versandet, weil du ihm das Wasser aus dem Bache abgeleitet hast.“ „Scheint mir so.“

Das Licht lächelt: „Luzifer, du bringst aus deinem alten Topfe alten Kram. Dass GOTT die Raummacht ist, hast du erkennen müssen, ungewollt, doch umso schmerzlicher. Du hast nur dein eigen Bild gezeichnet. Als Geschöpf bist du die Erste aller Lebensformen, nun auch der Erste deiner Hölle. Aus Eigennutz und Eigenfreude übst du die Herrschaft über deine Wesen aus; jeder muss nach deiner Fiedel tanzen. Nennst du das Gerechtigkeit?“

„Ich habe es dem Andern nachgemacht“, höhnt Luzifer. Alaniel steht auf. Sein Licht lastet auf den Bösen: „Gottes Opfer, die Heiligkeit zu decken, um als VATER sich zu offenbaren, war kein Muss, das Eigennutzen brachte, womit die Eigenliebe in den Vordergrund getreten wäre. Was die Gottheit tut, geschieht aus weisem Willen zur Freude und zur Seligkeit der Kinder.

Konnte Gott nicht Wesen schaffen, die ohne Freiheit Ihm gehorchen mussten, von Anfang an? Dann könnte Er kaum Eigenfreude haben an Geschöpfen, die — ohne Fortschritt — keine Seligkeit genießen. Gott kennt kein Muss! Sein Wille wirkt zum Segensheil der Kinder. Was oft als Muss erscheint, ist ein verhüllter Pfad, dessen Ende jene Freude heißt: Ich bin ein Anbild Gottes. — Und das hehre Muss, das nur im Schöpfer lebt, verstehst du nicht.

Siehe an die Freiheit aller Kinder als ein Bild aus Gottes freier Willensherrlichkeit! Die höchste Wonne eines Kindgeschöpfes ist die Weisheit, sich in Gottes Schöpferwillen einzufügen, weil Seine freie Willensherrschaft uns den Boden bietet, auf dem wir unserer Freiheit leben können.“

Alaniel weiß die lange Pause abzuwarten, ehe Luzifer erwidert: „Du sagst, Gott habe dich gesandt. Bist du frei, wenn man dich schicken muss?“ „Dein Schachzug nützt dir nichts.“ Alaniel tritt näher, aber Luzifer und Puthar ziehen sich zurück. „Merke, dass die GEDULD die Sendung ist. Ich, Träger der Geduld, sah den schwachen Faden, daran du hängst. Du hast ihn ausgedehnt bis beinah zum Zerreißen. Weißt du nicht, was das bedeuten muss?“

„Das interessiert mich nicht“, sagt Luzifer gemessen. „Hinge ich an einem Faden, so wäre meine Ansicht von dem ungerechten Gott gerecht; es wäre so bewiesen, dass die Geschöpfe unfrei sind. Deine ausposaunte Freiheit, Seligkeit und Freude, wären Illusion. — Ich fühle mich an keinem Faden hängen, ich habe meine Fäden selber in der Hand.“ Luzifer hebt stolz den Kopf.

Alaniel berührt Satans Schulter. Der zuckt zusammen, bleibt aber trotzig stehen. „Durch Geduld, Liebe und Barmherzigkeit bist du an einem Faden angebunden; doch der ist dünn geworden, ein Bruchstück, wie der Vater sprach. Es war mein Kampf um dich, mein Opfer, dich in deiner Hölle aufzusuchen, dir als Geschöpf und Kind ‚Geduld‘ zu bieten, damit dein Faden wieder fester wird.“

„Ach“, kommt Puthar näher, „Gott hat die Geduld verloren, und ein Geschöpf muss flicken, was die Schöpferhand zerriss?“ Heilig zürnend hebt Alaniel die Rechte gegen diesen Frevler, und Puthar fällt in sich zusammen, „Die Schöpferhand kann dich zerreißen und wäre keiner da, um dich zu retten! Ob Gottes Güte für dich einmal weiter als die Macht des Schöpfers greift, ist noch lange ungesagt. Du wirst dich lange winden müssen wie ein Wurm!

Doch um dich ging es“, wendet sich Alaniel an Luzifer. „Es wäre gut, wenn du dich beugtest. Nimm das Opfer der Geduld, ich führe dich zu Gottes Thron.“ „Mich gelüstet nicht danach; ich bin ein Herr mir selbst und brauche niemanden über mir. Was bedeutet denn Geduld? Sie ist Schwäche, die dem Schwächling gilt. Muss dein Gott geduldig sein, so ist Er schwach und taugt zu keinem Regiment.“

„Luzifer, frevle nicht! Es könnte wirklich die Geduld zerreißen und dann . . .“ „Geh fort, ich mag dich nicht mehr sehen. Du bist mir widerlich mit der Geduld, ein Leim, mit dem man Fliegen fängt! O wenn ich dich verderben könnte!“ Luzifer stößt es zornig aus.

„Ob du den Träger oder die Geduld verderben willst — in beiden Fällen ist es dein Verderben! Vielleicht gibt es zuvor noch einen Weg, um dir zu helfen. Ich will Gott um diese Straße bitten. Den Ruf der Gnade nahmst du jetzt nicht an. Nun habe Acht, dass nicht das große Schöpfungsopfer dich erdrückt.“ — Das Licht enteilt.

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