← Zurück zu „Teil 1: Im Himmel…“

Kap 8 – Der Kinder Freiheit gegen Satans Freiheit und eine ernste Warnung

Der Kinder Freiheit gegen Satans Freiheit und eine ernste Warnung

8. Kapitel

Kap. 2, 1-10

„Herr, ist es gerecht, Hiob schlagen zu lassen, bis jeder Wicht mit Fingern auf ihn zeigt? Luzifer wird übermütig. Als sich das erste Kind von Deiner Liebe löste und des Lebens UR-Bedingung übertrat (der Fall), trieb Deines Ernstes Feuer das Geschöpf und Kind aus Deinem Haus. Nun verletzt es alle Heiligkeit. Es sieht so aus, als wolltest Du die Bosheit dulden. Den Weg der Gnade so zu schänden —‚ Vater, wir schauen nicht mehr zu!

Unsere Liebe heischt: Satan ist zu binden, wenn er seine Freiheit frech missbraucht! Schaffe uns Gerechtigkeit, um Dein Recht vor ihm zu wahren, bis der Friede über alle Kinder kommt.“ Aufrecht steht Fürst Muriel. Sein Ernst fließt in die Opferflamme, die das Heiligtum erhellt. Die übrigen Fürsten stehen links vom Heiligen Herd, und viele Stuhlerste sind versammelt. Gott spricht:

„Träger Meines Ernstes! Die Güte gibt dein Wort in Meinen väterlichen Geist, wo eure Himmelstrauer einen großen Anteil hat. Merket auf, was das in der Finsternis bewirkt, wie sich die feinen Fesseln bilden. Der Böse fühlt es nicht, und das ist gut. Nur allmählich spürt er die Barriere, die ihm seinen Weg verbaut.

Verausgabt er die Kraft im Widerspiel, so kann er niemals um die Freiheit rechten. Ihr regtet eure Kräfte gut; doch die Probe ist noch nicht beendet, wenn auch die Entscheidung fiel. Satans Freigefühl steht eurer Freiheit gegenüber. Wenn ihr ihn fesselt, bleibt das Fundament der Freiheit unberührt. Jeder Baustein (Kap. 4, 15; 6, 14) dient dem Schöpfungswerk. Mag Satan niederreißen . . . er kann nicht verhindern, dass eure Söller aufgerichtet bleiben, wodurch die Freiheit Satans von Mir aus nicht gebunden wird.

Was den Frevel anbelangt, vor Meinem Heiligtum verübt, so bedenket seine Kleinheit unter Meiner Schöpferhand. Der Gnadenstuhl nahm ihn nicht an, und auch ihr habt Satan gut zurückgewiesen. Die Bosheit blieb in der eigenen Grube hängen, er musste alles wieder mit in seine Tiefe nehmen. Nichts blieb zurück; nichts ist geschändet, was Mir und Meinen treuen Kindern angehört!

Muriel, Ich sehe eure Not; doch in eurer Freiheit, noch mehr in eurer Opferliebe, liegt das Recht. Habt nur keine Sorge, Ich gleiche alles Unrecht aus. Kein Weg geht weiter, als er in Meinem UR-Sein fest verankert ist!

Aufbau und Ziel wölben sich vom Quell der Mitternacht als Bogen (Off, Joh. 6, 2) Meines Bundes und der Gnade über Raum und Zeit. Darunter bilden sich die Richtung und der Lauf, den Geschöpfen aus den Fundamenten der Bedingung und der Freiheit zugesprochen. Der Ausgleich beider UR-Impulse krönt Mir jedes Werk. Als sich am vierten Tag der Tat der Raum mit Lichtern füllte, habt ihr im geschöpflichen Empfinden oft gedacht, warum zwischen allen Sonnen kaum übersehbar leere Räume lagen. Nun wisst ihr längst, dass Meine große Schöpfungsstrahlung große Räume braucht.

So abgestimmt, nur zu weit herrlicherem Zweck, sind Lebens- und Freiheitsimpulse Meiner Kinder, und sie sind doch insgesamt ein Fünklein nur aus Meinem Licht. Darum lasst den Satan handeln; die Bosheit baut sich ihren Kerker selbst! Am Träger der Geduld kann der Oberste der Teufel seine Niederlage messen. —

Steige nieder, Muriel, gehe neben Satan her; dein Recht kann ihm die Schritte sauer machen. Ihr andern richtet eine Mauer hoch, deren Rand ihm in die Augen fällt. Haltet ihm den Widerstand im Zeichen der Geduld. Mein Segen ruht auf euch.“ Die Ersten neigen und scharen sich am heiligen Gestühl. Gott tritt mitten unter sie. Das ist stets der höchste Lohn für ihre Anbetung und Liebe.—

Im Hades wütet Luzifer: „Wieder einer, den man gar nicht haben will!“ Er deutet hin, wo ein starkes Licht die Form gewinnt. Trotz Angst ruft Puthar zornig: „Lass ihn kommen; und wenn er dir nicht passt, so tritt ihm feste auf den Fuß.“ Ehe Satan eine Antwort findet, steht Muriel am Platz. Sein Gold blendet ungemein.

„Luzifer, du willst Gott wieder in den Ohren liegen, und ich bin gekommen, dich zu holen.“ „Ich brauche keine Amme! Doch dem Anderen im Ohr zu liegen, ist gelogen; ich erkämpfe nur mein Recht und meine Freiheit.“ „Du hast zwar immer noch die Willensfreiheit“, entgegnet Muriel, „ob auch die Handlungsfreiheit, hängt von keinem andern ab als nur von dir.“

„Ja“, fällt Puthar ein, „unser Haupt entlässt dich, weil du hier überflüssig bist.“ „Meinst du?“, klingt es freundlich, so wie UR oft fragt. „Pocht ihr auf eure Freiheit, nun, so geleite ich in meiner Freiheit Luzifer. Jeder handelt, wie es ihm beliebt.“ „Du“, tobt Satan, „nicht aber ich! Mir fällt nicht ein, dich neben mir zu dulden!“ „Dafür dulde ich dich neben mir“, sagt Muriel.

„Dem Streit um Hiob mache ich ein Ende. Der Andere gab ihn mir zur Hand; ich stürze ihn.“ „Der Andere, dessen hehrer Name dein böser Mund nicht nennen darf, zeigt dir deine Grenze. In geschöpflicher Freiheit stehen wir uns gegenüber. Dich zu leiten, drängt mich Liebe und Erbarmung — aber auch der Ernst, damit du merkst, dass über dem Geschöpf der Schöpfer steht.“

Die Argen fühlen eine Kraft, die vorwärts schiebt. Da flüstert Puthar rasch: „Gehe mit, so kannst du sagen, du wollest deinen Feind nicht aus den Augen lassen.“ „Sehr gut, Puthar; doch ihm zahle ich es heim, verlass dich drauf“ Finsteren Gesichts geht der Böse hart am Straßenrand, der Engel in der Mitte.

An der Sperre angelangt, stutzt Satan, ruft jedoch: „Ah, vor mir birgt sich ein Heer samt Herzog hinter Mauern? Hoch genug, dass man sie nicht im Sprunge nehmen kann? Der Andere hat vor mir Angst! Auf diese Genugtuung habe ich schon lang gewartet!“ Schadenfroh reibt er sich die Hände. Die Engel stehen schweigend hoch hinter dem Gemäuer und sehen auf Luzifer herab. Vom Heiligtum, dessen Tore nur einen Spalt geöffnet sind, ertönt das Wort:

„Satan, wo kommst du her?“ „Hast Du nur die eine Frage?“ Luzifer verdeckt die Angst unter schaurigem Gelächter. „Ich habe auch noch andere Fragen; und dass die Zeit, dir abermals in Gnaden überlassen, nur an Meinem Willen hängt, sollst du grimmig fühlen lernen. — Sag an, was du mit Hiob tust. Im Lande ist nicht seines gleichen, schlicht und recht, und sein Herz kennt keinen bösen Schlag.

Du sollst sehen, dass die Geduld noch über deinen Freveln steht, ebenso auch die Gerechtigkeit, die alle deine Bosheit straft! Merke:

Geduld hebt die Gerechtigkeit nicht auf,

noch zerbricht sie Mir das Recht!

Fordere daher die Geduld nicht länger an, als der Stab des Rechts (Jes. 11, 4) die Schöpfung leitet. — Nun, hat Hiob ob der unverdienten Plagen seine Frömmigkeit vergessen?“

„Haut für Haut! Hiob hält am Glauben fest; doch nicht, um sich darin zu üben. Er mag sich nur nicht beugen. Ich sagte Dir: Verkaufe mir die Haut, und ich schlage sie, bis sie kein Hund belecken wird.“ „Ich ließ auch dieses Übel zu“, spricht Gott hart, „denn je mehr du dich versündigst, umso eher bricht dein Widerstand entzwei. Was aber tat Mein Fürst Alaniel, als er vor seinem Haus verachtet saß und selbst sein Weib ihn niederträchtig schmähte?“

„Nicht viel“, trotzt Satan. „Er aß aus feinstem Ton, mit Silber, Zedernholz und Elfenbein verziert; nun schabt er sich mit Scherben Schmutz und Eiter ab. Eitel sagt er: ‚Erst recht bleibe ich auf meinem Weg. Schlug mich Gott, bekenne ich‘s der Kinder wegen nicht, die im Laster umgekommen sind. Ist es aber ein Geschick, so geht es keinen etwas an und ist es besser, ich bleibe fromm dem Anschein nach, so muss man mir noch immer Achtung zollen.‘ Siehst du“, höhnt Satan, „wie sein ‚Recht und Schlecht‘ beschaffen ist?“

„Hiobs Frömmigkeit erkennst du nicht! Ich kam zu ihm, als er den Hohn des Weibes still ertrug. Wohl wies er es zurecht; doch seine Nachsicht ob der Seele war noch größer als sein Schmerz. Er sprach zu Mir: ‚Herr, warum ich leiden muss, verstehe ich nur schwer. Eines aber ist gewiss: Du hast mich unter Deine Huld genommen; und so lass den Prüfstein schleifen, bis er zum goldenen Becher wird, daraus Dein Opfer die Erlösung hebt.‘

Satanas, es ist noch weit, bis du zum Ziele kommst. Du nahmst zwar Hiob alles weg, bis zur Lebensunerträglichkeit; MIR aber hängt er an aus freiem Geist, im Glauben seiner Seele, aus seines Herzens Liebeglut. Wie also willst du ihn zerbrechen?“ „Eines steht noch aus, und dann fresse ich die Seele auf, dass es Dich bitter grimmen muss; denn — ich hasse Dich!“

„Hass ist der Dung auf deinem Acker, dessen Ernte dich ersticken kann! Du grubst dir selbst die Grube deines Falles. — Was soll nun Hiobs Frömmigkeit zerstören?“ „Ich weiß mir etwas, das ihn mürbe macht. Seine Freunde, oft genug bei ihm zu Gast, weilten fern und wussten nichts von seinem Ungemach.

Sie sollen Hiob quälen mit der Schärfe angemaßter Rechtlichkeit. Dann versiegt ihm die Geduld, die Du nicht mehr wiegen kannst, weder für den Raum noch für die Zeit. Was Du sagst, sind Worte, aber keine Tat. Jede Schöpfung formt sich selbst aus dem Gesetz des Lebens. Wie die Sonnen nach eigenen Gesetzen wandeln, so auch alle Wesen, die das Leben in sich tragen.

Frage einen Menschen, ob er des Grundgesetzes Wirkung weiß. Er kennt sie nicht, außer dass er sich ein Gleichnis setzt. Der Lebenskräfte Herkunft kann er nicht erforschen, weil sie in sich selber wirksam sind: Schöpfer und Geschöpf in einem ohne Unterschied. Darum gibt es keinen Schöpfer in Person; richtiger: Jedes Wesen ist sein eigener Schöpfer.“

„Deine Theorie gleicht einem leeren Sack, dessen Öffnung unten hängt. Willst du auf diesem Weg zum Ziele kommen, so müssen Hiobs Freunde, bisher gläubig, umgewandelt werden.“ „Mir scheint, Dein Sack ist leerer als der meine. Denkst Du etwa, Hiobs Starrsinn ist zu stürzen, lässt man ihn vom Gegenteil behauen? Ha, wie wenig kennst Du ein Gemüt, das auf Erden qualvoll pilgern muss! Du wirst schon sehen, wie die Frömmigkeit der frommen Freunde Stecken sind, mit denen man den Gottverlassenen schlagen kann!“

„Schlage zu, Satan, und schnitze dir den Stecken! Und hast du die Geduld bei Hiob ausgemerzt, dann ist sie auch für dich gestorben!“ Das heilige Wort donnert über das Gefilde wie ein Sturm. Luzifer stürzt ab in seine Finsternis.

← Zurück zu „Teil 1: Im Himmel…“