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1 — K O M M E N — Da jauchzten alle Kinder Gottes (Hiob 38, 7)

1 — Kommen

1. Teil  —  T A O  M A N A

— K O M M E N —

Da jauchzten alle Kinder Gottes (Hiob 38, 7)

Eine Flut von Licht und Herrlichkeit. Ein Haus auf weiträumigem Tafelland. Die Türe ist geöffnet. In kristallenen Fenstern spiegelt sich das Morgenlicht. Kein noch so reinstes Glas der Welt läßt sich mit dem Kristall (Jes. 54, 12) vergleichen. Das Haus ist viereckig gebaut, der Garten, inmitten dessen es steht, gerundet und von einer Mauerhecke eingefriedet, die zwei Tore hat. Durch eines tritt man ein, durch das andere hinaus.

Ehrwürdig steht der Hausherr Chata an der Pforte und begrüßt die Gäste mit dem Friedensgruß, der etwa so lauten würde:

‚Friede schenke dir Tao Mana, unser Gott;

trage Seinen Frieden ein in unser Haus!‘

Jeder Gast hebt die rechte Handfläche dem Licht entgegen, das von einer großen Sonne[VH1] die wie golden glüht und sanfte Wärme spendet, auf ihren Lichtstern DYSOTHERA fällt. In der linken Hand trägt man die Gaben, die man zum ‚Fest des Kommens‘ der Hausfrau schenkt. Chata ist ein hochgewachsener, feiner Mann, hochreif seinem ganzen Wesen nach.

Auch seine Frau ist ziemlich groß, von wunderschönem Wuchs. Die sonst zartroten Wangen sind an diesem Tage dunkler, so erfüllt ist sie von Himmelsfreude. Ihr hellockiges Haar fällt bis zum Gürtel, der ein Gewand in blassem Rosa unter ihrer Brust umschließt. Sie braucht heute nicht die Gäste zu empfangen, denn sie empfängt des Hauses ersten Sohn.

Das geht anders als auf Erden zu. Hier gilt das Lichtgesetz. Es steht im Buche URs, das auch das Gesetz für die Materie enthält. Alles kommt allein von IHM! Auf Dysothera gibt es keinen Geist, der unter den Gesetzen steht (Gal. 4, 5), nur in denselben. Sie leben die Gesetze aus.

Nicht anders die schöne Myo-Chata. Des Mannes angehängter Name zeigt die Verbindung zwischen ihnen an. Ihr Eigenname an der ersten Stelle gilt dem gleichen Rang vom Lichte her. Denn er und sie sind zwei Kerzen eines Leuchters, wie die UR-Gottheit, die man hierorts TAO MANA nennt, was Schöpfer-Vater oder Priester-Gott bedeutet,[VH2] eben solche Leuchter bei der ersten Kinderschaffung vorgenommen hatte.

Myo-Chata ruht auf einem Stuhl. Neben ihr sitzt der Priester, der zugleich Regent und erster Lehrer ist. Er legt die Hand auf ihre Schulter: „Wie fühlst du dich, liebe Tochter?“ Seine Stimme wirkt wie warmer Sonnenschein. Was er sagt, hat für alle Sternbewohner einerlei Gewicht: es ist stets wichtig. Ob er die Lehre Tao Mana‘s übermittelt, ob er sich um die Familien, um das Regiment bemüht, bleibt sich dabei gleich.

Die Frage gilt keiner materiellen Sorge. „Gut, Abaturan“, sagt die Frau. „Die Freude überwiegt, ob ich geistig reif und kräftig bin, den Sohn aus Tao Mana‘s Händen zu empfangen. Möge er in deinem Schatten stehn.“ Sie meint, der Sohn solle auch ein Lehrer und ein Priester werden.

„Welchen Namen gibst du ihm?“ Eine Prüfungsfrage. Die Lichteltern dürfen einen Namen wählen und ist keine Last, wenn sie es im voraus tun. Besser ist jedoch, ihn erst zu wählen, wenn — zumal von höherer Warte her — der neue Himmelsbürger kommt. Chata ist der erste Bürger (Eph. 2, 19), ein Mitregent des Sternenreiches. Und nicht ferne steht die Hausfrau Myo. Sie ist geistig klug und angesehen unter ihren Leuten.

„Ich weiß“, sie beugt in Hingebung ihr Haupt, „daß es besser ist zu warten, bis das Kind vom Heiligtume kommt. Dann schenkt Tao Mana uns den Namen.“ „Sehr gut, liebe Tochter. Merkt es alle“, Abaturan spricht die Gäste an, während Chata schon die Pforte schließt, „es steht euch frei, anvertrauten Kindern, die mitunter höher stehen als ihr selber, einen guten Namen auszusuchen. Unsere Sprache ist ja reich.

Dysothera steht im Felde der Mugona (Urzentralsonne des Ernstes), die die Hagarma[VH3]  überstrahlt, womit uns Offenbarung, Licht und Wärme kommen. Die Einstrahlungen zeigen sich auch oft gestaltlich, wie die Kinder, mit deren Kommen sich ihr Name offenbart, den sie auf den Sternen tragen sollen.“

„Ist‘s der Name, den es im eigenen Reichsstand hat?“ Chata umschlingt seine Frau in der heiligen Gebetsgebärde, wenn ein Kind ein Haus beglückt. „Nein“, klärt der Priester auf, „nur wenn eines ohne Eingeburt erscheint. Jeden Raum, in dem jene Schöpferkinder leben, die der Gottheit bei dem Sturze (Sadhana-Luzifer) treu geblieben waren, hat Tao Mana reichlichst ausgestattet, auch mit eigener Sprache, obwohl das Empyreum bloß die UR-lautsprache kennt. Es ist eben so:

Auf dem Wanderweg, sofern man hier im Empyreum lebt, versteht man jede Sprache, die da und dort geredet wird. Wieso? Alle Arten sind nur Teile der für uns fast unfaßbaren Wort- und Bildersprache Tao Mana‘s. O, die tiefste Kenntnis dessen spiegelt sich in allen Seinen Lehren. Die verstehen wir, ganz gleich, mit welchem Wortlaut Er sie spricht.

Das ist seine offene Tür! Sogar in jener Ferne, die wir in freier Pflicht mit aufzusuchen haben, wo von des Lichtes Sprache kaum ein blasser Widerschein zu finden ist, wird ein armes Raumgeschöpf (der Mensch) die Lehre aus dem Wort und aus dem Bild verstehen, wenn — es sich die Herzenstüre öffnen läßt. Darauf kommt es freilich an; auch bei uns — und überall.“

Bela-Sopher fragt: „Wenn wir ‚In dem Licht im Lichte‘ leben, warum haben wir die einheitliche Sprache nicht? Wir wissen, daß wir von Tao Mana, unserm Schöpfer-Vater, ausgegangen sind. Wohnen auf den Lichtstationen — ich bin mit Sopher ja durch einige gegangen — nur des Lichtes Kinder, ohne Einfluß jener Ferne, die wir im Lehrbild oftmals sehen, warum sprechen wir die Sprache aus dem Sanktuarium nicht?“

Sopher nickt: „Das ist auch mein Bedenken. Bitte, Abaturan, sage uns, was rechtens ist.“ „Das gewiß“, erwidert dieser. „Bela-Sopher hat für mehrere gesprochen. Leicht ist die Erklärung! Wäre unser Leben schön, wenn wir alles hätten, alles könnten, keine Sache zu erwerben brauchten? Wo wäre unsre Freude, die allein der Fortschritt schenkt?“

„Ich verstehe!“ ruft Luosartum, der dritte Bürger und ein Unterlehrer. Seine Frau macht sich sehr viel Verdienste um die Kinder, die aus untergeordneten Sternen hier die Weiterbildung haben. „Schön“, erwidert Abaturan freundlich, „erkläre es; wir haben noch ein wenig Zeit.“ Er meint bis zu des Sohnes Kommen für das Haus. Luosartum zeigt zur Sonne, die durch ihre Raumbewegung jetzt das Gastgemach durchstrahlt.

„Stünde diese Sonne still, wäre unser Stern kein wandernder, dann würde nur ein Platz erhellt. Durch das wechselvolle Vorwärts kommen wir zu jenem Punkt, wo sich Lehre und Erkenntnisse vermengen, wo es — geschöpflich angesehen — keiner Weiterung bedarf. Allein, wäre das das Ende für geschöpfliche Erkenntnis, so würden mit dem Anhalt unser Leben, alle unsere Freude stehen bleiben. Was dann — ? Aber weiter, ach viel weiter als die Grenze dieser letzten Grenze geht des Schöpfers Gütestrahl: Sein Licht und Walten, Seine Lehre, Seine Werke!

Dann — wir brauchen es nicht jetzt zu wissen — stellt Er Sein Volk, sobald es wieder voll versammelt ist, vor eine neue Tür. Wir werden warten, hoch beglückt, bis ER sie langsam öffnet, was wundersamer ist, als würde sie auf einmal aufgetan. Das ist Freude, aus der das Leben kommt: das ewig Bleibende!“

Abaturan ergänzt: „Die Lehre Tao Mana‘s liegt im Leben, das uns erzieht. Phroebe-Luosartum denkt: ‚Wenn wir von und in dem Licht der Gottheit leben, warum brauchen wir denn die Erziehung, wie die arme Ferne sie so bitter nötig hat?‘ Nun nicht schwer!“ Abaturan lächelt sanft.

„Die neue Türe, von der Luosartum sprach, ist für unser Lichtreich jene wunderhehre Offenbarung, daß die Gottheit keinen Stillstand kennt und demnach alle Werke, ganz bevorzugt ihre Kinder, an den Schöpfungsfortschritt angebunden sind. Dieser Fortschritt ist ein anderer, als den jederlei Geschöpf auf seinen Wandlungsstufen sich erringen kann.

Tag und Nacht reihen sich fast ohne Unterschied, abgesehen von den hehren Nächten, wo das Sanktuarium zu erleben ist. Wir bauen, ernten, lehren unsere Kinder und halten unsern Tao-Mana-Dienst. Trotzdem gleicht kein Tag dem anderen. Wir merken bloß die Unterscheidung nicht, weil der Fortschritt eben geistig an dem Lichtlauf unseres Sternes hängt.

Könnten wir den Lauf des Dysothera sehen, da merkten wir, wie sehr er rast. Das zu schauen wäre möglich, würden unsere Augen von der Schöpferhand dafür beschattet. Der Zweck der Schnelligkeit bliebe dennoch unverstanden; es wäre ohne Sonderoffenbarung uns das Sehen wenig nütze.

Wir könnten auch die Raumkörper und den Dysothera majestätisch wandern sehen, gerade wie die weißen Wolken über uns gleich großen Schiffen ziehen. In dem für geschöpfliche Begriffe ‚langsam‘ liegt das Schönste unsres Lebens: Entwicklung, Lehre, Tat und gute Folge aus Erkenntnis.

Tao Mana braucht den Fortschritt nicht, schuf Er ja aus eigener Vollkommenheit, was die Art betrifft, die bei unbewußten Werken sich auf deren Wesen (Gemüt) mit erstreckt. Anders ist‘s für uns bedacht. Art und Wesen oder Seele stehen sich da gegenüber. Die Art zeigt unsere Herkunft an. Der Vollkommene schafft vollkommen (1. Mo. 1, 31)! Die Seele als das Eigene, den Kindgeschöpfen überlassen, hat Er vor die Türe der Vollkommenheit gestellt und ihr das Endziel der Vollendung übertragen.

Unabhängig davon, daß Er das ‚vor die Türe stellen‘ und das Ende überwacht, es im heiligen Voraus in Seinen Schöpfer-Vaterhänden hält; auch den Weg, den wir Entwicklung oder LEBEN nennen, regiert Er Selbst aus Seiner Art, aus Seinem Wesen, weil Er einheitlich der GANZE ist.

Kein Geschöpf kann Träger dieses Ganzen sein, wir bleiben stets ein Anteil Tao Mana‘s. Das ist für uns weit herrlicher; denn nur so stehen wir im Mittelpunkt der Waltung Gottes, nur so sind wir von Seiner UR-Vollkommenheit umhegt. Wäre dieses nicht — der Erstfall bliebe ewiglich ein Hingestürztes! Nichts bliebe davon übrig als die UR-Essenz und UR-Substanz, aus denen Sich der Herr Sein erstes Kind erschuf.

Wohl kann Tao Mana abermals ein Kind aus den wieder aufgenommenen Potenzen schaffen; doch sogar für die ‚Vollkommenheit des Einzigen, Vollkommenen‘ würde eine Neuerstehung nie der Erstling sein! Löst der Schöpfer in Sich Selbst Potenzen eines Kindes auf, das was freilich bisher nie geschah — den vollen Lebenszweck verlor, weil das Wesenhafte des Geschöpfes sich die Art verdarb, dann entstünde stets ein völlig Neues. Es müßte einen neuen Namen haben, womit ein gänzlich neuer Weg, dazu ein neuer Lebens- oder Schöpfungszweck verbunden wäre.

Kein Fortschritt, der zerstört! Tao Mana schuf vollkommen! Gerade unsere Entwicklung, jene bis zum Verschmelzungspunkt von Lehre und Erkenntnis, ist eine zwar meist unverstandene Vollkommenheit. Wir erlangten auf den Raumstationen keinen einzigen Vollendungsgrad, wenn wir nicht aus Tao Mana die vollkommene Art besäßen, durch die wir unser Wesenhaftes zur Vollendung bringen können. Durch Sein Regiment!

Noch ein Zweites sei erwähnt. Ohne jenen Fall würden wir in der Entwicklung rascher vorwärtskommen; ob wir das zeitgemäß empfinden könnten, weiß ich aber nicht. Es bleibt auch müßig, sich davon eine Vorstellung zu machen oder gar — wie im armen Raum geschieht — sich etwas auszudenken, um mit Leibesübung dies und jenes zu erreichen. Weit gefehlt!

Tao Mana weiß, wie unsere Entwicklung an die Ferne auch mit anzubinden ist. Er hat Seine Schöpfungsuhr zurückgestellt, Er läßt den Gang der Zeiger langsam gehen. ER, der Herr der Zeit, kann Sein Wirken: Schöpfung, Werden und Entwicklung an den Pendel Seiner Raum- und Zeit-Uhr hängen und spielt es keine Rolle, ob er weiter oder enger schwingt. Im Rhythmus dieses Pendels haben alle Dinge ihren Rhythmus.

Das Zweite: Er hat den Raum- und Zeit-Uhrpendel auf ein Langsam eingestellt, damit die arme Ferne auch mit vorwärtskommt und nicht liegenbleibt, wenn Sein Schnelleres (Dan. 2, 21) einmal den Zeitablauf diktiert. Auch uns, die wir dienen dürfen, ist dergestalt die Straße leicht gemacht.

Gingen wir im ‚Blitzfluß eines Universums‘ aus dem Lichte in die Ferne, — wir würden viel verlieren. Die Art vom Vollkommenen bliebe wohl; doch vom Eigenpersönlichen, das zur Seligkeit den Fortschritt braucht, würde manches abgeschnitten werden. Wir wären gar nicht fähig, in einem ‚Lichtflug‘ in die arme Ferne zu gelangen; und wenn trotzdem, dann brauchte unsre Wesenheit mehr Hilfe, als wir selber helfen könnten. Dies für Inkarnierte so gesagt — vom Lichte her.

Wir dürfen helfen, obgleich auf einem Wanderwege Tao Mana unser Helfer ist. Wie ihr ja gesehen habt, lassen sich die Wesen [VH4] aus dem Dunkel, in die Materie inkarniert, nur widerwillig lenken. Sie wehren sich, die Lehre aus dem Lichte anzunehmen. Darum ist die Raum- und Zeit-Uhr anders eingestellt; und wir tun gut, uns danach zu richten.

Also geht der Armut wegen unser Vorwärts langsam, stetig seinen Weg, oft kaum bemerkt. Stern- und Sonnenlauf sind ein Symbol, weil wie schneckenhaft der Schatten sich bewegt, den die Wanderung des Lichts erzeugt. Der Morgen bringt, der Mittag hat, der Abend nimmt das Licht: Kommen, Bleiben, Gehen zeigen uns den Lauf der Werke und der Zeiten an.

Wir brauchen die Erziehung unserer Seele wegen, aber auch — im Pendelschlag der Schöpfung für die Ferne gnädig eingestellt — eine um die andere Stufe: aus dem Licht hinab zur Finsternis und von da zurück ins Licht. — —

Der Sohn des Hauses kommt!“ ruft Abaturan plötzlich. „Er hat eine größere Mission; doch er ist wie wir ein Kind, wie Tao Mana uns erschuf. Ämter, den Geschöpfen anvertraut, sind unterschiedlich; sonst brauchte ich ja nicht zu lehren, brauchten wir uns nicht zu helfen. Wenn so, dann wäre unser Lichtreich ärmer als die ärmste Welt.

Wenn er hier erwachsen ist, wird er meine Stelle übernehmen, weil ich wandern werde, um zu dienen, wer Hilfe, Dienstbarkeit und Liebe braucht. Solche Wege sind nicht leicht, bringen scheinbar größeren Verlust des Wissens: Woher — warum — wohin! Letzteres wird des Weges wegen eher aufgetan, da jede Licht-Einzeugung einer Einverleibung (Inkarnation) in der armen Ferne gleicht, bloß nicht wie dort ohne Glaubenswahrung ist. —

Das Licht des Hauses kommt.“ Chata öffnet, und es dringt — als hätte er darauf gewartet — ein breiter Sonnenstrahl herein. Myo fragt: „Was fehlt dem Hause, Priester Abaturan, weil du so sehr betontest: ‚Das Licht des Hauses kommt‘?“ Die Frage ist dem Höchsten angenehm; sie betrifft auch keinen Fehl, vielmehr jene Hingebung an Tao Mana, mit der der Fortschritt lichtgemäß erworben wird. Darum sagt der Priester:

„Keine Sorge, euer Licht glänzt rein. Im Reiche, noch weit mehr als in der Fremde, bringen Kinder einen Segen als Erweiterung der Seligkeit, die an ein Haus geheftet ist. Du, Chata, ich und alle Gäste sind Bewohner dieses Sternes. Haben wir den Lauf vollendet (2. Tim. 4, 7), dann nimmt uns Dysothera wieder auf. Bis zum Abend dieses Schöpfungstages, an welchem Tao Mana sich die Kinder schuf, werden wir vereint und glücklich sein. Doch des Sohnes Licht dient einem heilig-großen Zweck.“

„Ich will Tao Mana meine Liebe opfern“, bekennt Myo, „um Ihn zu erfreuen.“ „Das will jeder“, fällt Nusar ein. Er sitzt oft auf einem Turm, um die Bahn der Himmelskörper, ihre Schnelligkeit, Licht- und Wärmegrade zu bemessen, auch wie und in welcher Zahl die Grade jene Sterne treffen, die in der Lichtversorgung der Hagarma stehen. Nusar hat es auch gezeichnet, wie das vor sich geht. Seiner Arbeit fehlt zwar noch die Reife, auf der „der Nächste weiterbauen kann“, wie er selber meint.

Man nickt ihm zu. Oh — ein jeder möchte Tao Mana Freude machen, Ihn lieben, ehren und Ihm dienen. Während Myo ihren Sitz im Haus behält, Abaturan neben ihr, begeben sich die andern vor das Haus, Chata rechts der Pforte. So schaut man in den Sonnenstrahl hinein, der sich zu einer Bahn gebildet hat.

In seinem Kernfeld zeigt sich eine Form, die sich vergrößert, je näher sie dem Sterne kommt und ihn betritt. Dann verhält sie eine Weile. Es ist das Besinnen: ‚Wo kam ich her? Wo bin ich jetzt? Wo soll ich hin?‘ Zwar schwer vergleichbar, ist es wie auf Erden, wenn ein Neugeborenes im ersten Jahr die Umwelt kennen lernt, ohne sie bewußt zu kennen. Hier gleicht ein Jahrgang sieben Erdenjahren; und wie ein Siebenjähriger geht die Form dem Hause zu, wohin die Bahn gewiesen hat.

Ein schönes Kind! Wohl sind hier alle schön; nur die Arbeit, die die Lichtkindgeister übernehmen, unterscheidet sie. Wertgrade gibt es nicht, jeder Dienst ist UR geweiht, ob groß, klein, in der Nähe oder in der Ferne.

Der Sohn steht am Gehege. Bittend streckt er beide Hände aus. Chata und Bela-Sopher eilen ihm entgegen. Zwischen den Erwachsenen des Sternes geht das Kind dem Hause zu. Es ist ganz anders als auf Erden; es ist sternenreif, trotz nötiger Entwicklung. Daß dieser Sohn im Sanktuarium aber höher steht als sie, merkt man an seinem Geist. Bloß seine Seele, dem Sternenleben angepaßt, in dem er seine erste Weginkarnation erhalten hat, muß noch wachsen, reifen, wie allerorts.

Noch begrüßt ihn niemand. Das erste Recht gehört der Mutter, aus deren und aus Chatas Herzen je ein Strahl zur ‚Kindesbahn‘ sich einten. Myo breitet ihre Arme aus. Auf ihrem Schoße liegt ein weißes Tuch. Behutsam bettet sie das Kind hinein, drückt es an die Brust und sagt:

„Gegrüßest seist du, Sohn aus Tao Mana‘s Heiligtum! Du bist uns ein neuer Strahl; doch aus deiner Art kam unser Stern. Denn was der Schöpfer schuf, hat Er im Fortgang Seiner Herrlichkeit auf Seine reiche Bahn gestellt. Du brachtest vielen Reichtum mit. Chata“, Myo greift nach ihres Mannes Hand, „sprich das Lobgebet; und Abaturan wolle Tao Mana‘s Segen für das ‚Fest des Kommens‘ übermitteln. Mit diesem Segen haben wir in Freuden unseren ersten Sohn auf diesem Stern erhalten.“

Chata betet: „All-Seiender, Schöpfer-Vater Tao Mana! Du hast mein Haus gesegnet. Deine Güte, die den Raum durcheilt, offenbart sich Zeit um Zeit. Sie gibt Bahn und Lauf; sie erfüllt die Herzen Deiner Kinder. Du lehrtest uns und sandtest Lehrer her, um uns zur Voll-Erkenntnis hinzuleiten.

Du schufst uns ja am Anfang (1. Mo. 1), der immer ein Beginnen ist, wenn wir von einem Stern zum anderen gelangen. Doch des Weges Ende hältst du herrlich in der Schöpferhand. Tao Mana, Heiliger, stets sind wir bei Dir! Nichts scheidet uns, weil Du Deine Schöpfungstage ganz allein regierst.

O Deine Führung! Wir dürfen dienen, dürfen an den Werken Anteil haben. Du hast Deine Liebe am sechsten Tag zu hehrer Dienstbarkeit erhoben, die uns in Deine heilsgewohnte Arbeit stellt. Wir haben kein Verdienst, wenn nicht DU es uns verleihst: die Kraft, die uns lebendig macht, die unser Leben ist. Aber unsere Willigkeit nimmst Du als unsere Gaben an.

Mein Dank sei Dir das Opfer für den Sohn; er wird viel Licht von Deinem Lichte bringen. Das ist eine wundersame Offenbarung; also nenne ich den Sohn nach unserm Stern: DYSO sei der Name. Myo, meine Lichtgehilfin, soll den zweiten Teil des Namens nennen. Dir, o Tao Mana, der Du heilig, wunderbar und herrlich bist, zur Ehre und zur Anbetung getan.“

„Des Sternes und des Hauses Name für den Sohn, den Tao Mana uns beschert“, dankt Myo innig. Für die Mutter war es die Geburt; nicht schmerzlich, leiblich, wie auf einer Welt. Aber durch den Fall ist auch im Licht an die Geburt, die geistig vor sich geht (Z.3),[VH5] eine ‚Mitlast‘ angeheftet: Die Eltern sehen bei dem Kommen eines Kindes dessen Weg hinab zur armen Ferne, manchmal öfter inkarniert auf Welten der Materie, auch mitunter tief hinabgedrückt, obgleich nie dem Geiste nach von Gott getrennt.

‚Lichtsorgen‘ nennt das UR und segnet den, der selber oder in der Schau die Mitlast trägt, — im Pendelschlag der Zeit- und Raum-Uhr Gottes. „Dyso-Chata!“ Myo drückt das Kind ans Herz. Sie küssend fragt es: „Und dein Name, Mutter? Soll ich den nicht haben?“ Es ist lichtgerecht, daß das erste Wort des Sohnes seiner Mutter gilt. „Ich heiße Myo-Chata, wir sind eins“, zeigt sie auf Chata. „Unsere Namen sind im Tao Mana-Namen eingeschrieben; wir sind mit Ihm in Ewigkeit verbunden.“

Abaturan, der Regent und Priester (1. Pet. 2, 9), legt seine Hände auf den Hausaltar, dann der Reihe nach auf alle Gäste. Da kommt der Allgegenwärtige unter sie. Ob sichtbar oder unsichtbar, danach fragt man nicht. Der Weisheit Wissen leuchtet: ER ist da! Abaturan betet an:

„Tao Mana, Herr der Schöpfung, Heiliger der Werke, Liebender der Kinder, Ewiger der Tat! Vom Sanktuarium kam der Sohn; seine Bahn war breit. Auf allen Lichtstationen gilt als Erstes Deine Lehre, an der der Fortschritt unsres Wesens hängt. Wie ein Stern den anderen an Klarheit übertrifft (1. Kor. 15, 41), ebenso wird Dyso-Chata mich im Amte übertreffen.

Was gilt es aber, Tao Mana? DU hast mich auf meinen Stuhl gesetzt (Dan. 7, 9). Wird er mir zu Deiner Herrlichkeit bewahrt, so mag er größer oder kleiner sein — ‚ es ist der Stuhl, durch den ich dienen darf und kann. Aber wie die Sterne in der Klarheit eifern, Deine Herrschaft zu verkünden, desgleichen Deine Kinder, die ein größeres Amt erhalten haben.

Tao Mana, Dir danke ich! Der Stern, und auch mein Stuhl, gelangt in werdender Vollendung auch zu größerer Klarheit, obwohl er ja in einer ersten Sonnenreihe steht. O, das Größere entfällt auf unser Sternenvolk. Diesen Segen, diese Herrlichkeit und Güte hast Du heute hergeschenkt.

Tao Mana, ich weihe Deinen Sendling ein in YITU ACA (Mystik des Sternes), damit er nach vier Jahren (ca. 28 Erdenjahre) das Amt des Priesters übernimmt. Er soll Dein Volk noch besser unterweisen, als es mir gegeben war. Dir dankend gehe ich den Weg hinab, wenn der Größere zu Deiner Ehre wirkt, aus Deinem Segen für die Lieben, die ich bisher betreuen durfte. Mögen sie, wie mehrere vorausgegangen sind, den Weg betreten, den die Eltern Dyso-Chatas auch für ihren Sternensohn gesehen haben.

Tao Mana, Lichtsorgen nennst Du das Bangen um den Weg. Ach — wie bist Du Selbst besorgt um jedes Kind, besonders um die Armen, die Güte, Licht, Liebe und die herzliche Barmherzigkeit verließen! Die zumal betrifft die mühevolle Arbeit (Jes. 43, 24). Ja, jetzt verstehe ich, weshalb Du Lichtsorge sagst. Noch ist der Gedanke nicht ganz reif; aber wenn Du wiederkommst, hochgeliebter Herr, dann belehre uns darüber.

Tao Mana, Herr der Schöpfung, Heiliger der Werke, Liebender der Kinder, Ewiger der Tat! Lasse uns das Fest des Kommens feiern, in Deinem Liebe-Namen bloß das Rechte tun. Lasse Deinen Segen auf uns kommen, auf unsern Weg hinab; mit Deiner Güte einst zurück, um die Stühle wieder einzunehmen, die Du uns gerichtet hast.

M I – A R A – M I !“ [VH6]

Abaturan kniet am Hausaltar, vor ihm der Sohn, zu beiden Seiten dessen Eltern, die anderen um sie her. Dyso-Chata hält eine rote Kerze in der Hand. Keiner wundert sich darob. Jeder Lichtkindgeist bringt seine Kerze mit. Die rote Farbe zeigt die Herkunft an. Er stammt also vom Herdbereich des Sanktuarium, vom dritten der vier Wächterstühle[VH7].

Da jauchzen Gottes Kinder auf dem Dysothera, und man hört das Jubilieren aller auf den Sternen. Abaturan brennt die Kerze an des Altars Feuer an. Hell loht sie auf; danach fängt sie stetig an zu brennen, still und stark. In ihrer Flamme sieht man Dyso-Chatas Geist. O Freude, welche Seligkeit hat Tao Mana ihnen mit dem Sohn beschert! Der Priester dankt:

„Tao Mana, Herr, Heiliger, Liebender, Ewiger! Dich mehr und mehr als unseren Schöpfer in der Lehre lieben, dadurch lernen wir — soweit Geschöpfe es vermögen — ‚ Deine heilige UR-Wesenheit erkennen; auch die Tagesliebe, die alle Kinderkerzen angezündet hat. DU läßt sie nicht verlöschen! Und im letzten Liebe-Opfer Deiner Tat“, Abaturan hat jetzt eine Zukunftsschau, „wirst Du alle jene, die die armen Hingestürzten nicht mehr haben, an dem Feuer Deines Herdes immerdar erhalten.

Tao Mana, wir sehen jetzt“, er beschreibt mit der Hand über alle Gäste und die Hausbewohner einen Kreis, „was das zu bedeuten hat. Wir nahmen bisher an, die eigene Kerze gelte jedem selbst. Nun, das ist auch gewiß: der Geist, von DIR uns eingehaucht, ist die Flamme unseres Lebens.

Wie Du jedem Werke Deinen Lebensgeist gegeben hast, Inneres und Äußeres vom eigenen UR, und in allen Werken herrlichst offenbarend dargestellt, also sind auch unsere Kerzen als Symbole anschaulich gemacht. Ihre Flammen zeigen an, ob wir vorwärtsgehen, stehen bleiben oder Herr, verhüte es! — ob wir wie ein ‚armer Stern vom Himmel fallen‘ (OJ. 9, 1).

Tao Mana, wir anerkennen, wen Du uns zur Richtschnur stellst und jauchzen jetzt beim Fest des Kommens: Dein dritter Wächter aus dem Heiligtum wird unser Sternvolk lehren. Das ist ein Vorwärts gehen, gnädiglich von Dir geschenkt. Ach — Deine Seligkeiten hören ja in Ewigkeit nicht auf!

Tao Mana, hüte diese rote Kerze; laß sie fürder leuchten. Deine hohen Lehren, die Du oftmals Selber schon gepredigt hast, sind nie vergessen worden. Du weißt — wie alle Dinge — ebenso auch das, daß wir Dich preisen, ehren, loben und Dir danken, in Ehrfurcht, Liebe und in Anbetung. Wie könnte auch nur eines Deiner heilsgewohnten Worte uns verlorengehen — — ?

Tao Mana, Deine Lehren, Selbst oder durch die Höheren gebracht, zeigten uns den Fortschritt an. Das haben wir mit Freude und mit Dank erkannt. Keine Himmelszahl wird jemals alle Fülle Deiner Güte messen! Das ist das Herrlichste an allen Deinen Werken! Aber nicht genug damit:

Tao Mana, Dein Schöpfergeist hat uns des Lichtes Funken segnend angefacht; Du nährst sie lehrend aus dem Priestergeist; Du hast aus Deinem Gottesgeist das Leben uns vermacht, daß wir wie ohne Dich auch leben könnten, als sei es unser eigenes, was von uns selber käme. ‚Aber nichts von Ewigkeiten an ist ohne Dich gewesen; nichts ist seiend ohne Dich; nichts wird ohne Dich in Ewigkeit bestehen. Das zu erkennen, sagt uns erst, was LEBEN heißt. Das ergibt ein Viertes, Heiliges:

Tao Mana, Dein Vatergeist hat uns an Deine Wesenheit gebunden, ja aus Gnaden angebunden. Ob wir die Augen stets zu Dir erheben oder vor Dir fliehn (Ps. 139, 7-10), — kein Gang, kein Tun und Lassen wird ohne Dich erfüllt! Das hast DU im heiligen Voraus dem Kindervolk bereitet, weil somit — nun der schwere Fall geschah — die arme Ferne auf dem Grunde der Erbarmung liegt; wie zerschmettert, doch nicht tot; wie von Dir gelöst, allein — durch Dein heiliges Voraus mit Dir in Ewigkeit vermählt.

Tao Mana, wer kann im Laufe seines Werdens dieses heilige Voraus ermessen — ? Doch am Abend Deiner Herrlichkeit des Liebetages wird dieses Höchste offenbar, wenn sich für uns die Türe öffnet. Unser Kommen, Bleiben, Gehen sei die Straße, deren Anfang ‚Ehrfurcht‘, deren Ende ‚Liebe‘ heißt.

Tao Mana, Herr der Schöpfung, Heiliger der Werke,

Liebender der Kinder, Ewiger der Tat! Mi-Ara-Mi“

Jetzt breitet Chata eine weiße Decke auf den Altar, deren roter Saum von Myos Händen stammt. Die Silberschale mit dem Feuer bleibt inmitten. Ihren Hausleuchter mit den zwei Kerzen stellt er dahinter auf. An dessen ersten Platz rückt er Dyso-Chatas goldenen Leuchter hin. Rechts des Altarfeuers steht das hohe Tageskreuz, links ein siebenzackiger Stern, den sich Abaturans Volk durch große Treue selbst erworben hat.

Ein gutes Mahl ist zugerichtet. Obenan sitzt Abaturan, rechts der Hausherr, links der Sohn, gegenüber Myo und rundum alle Gäste. Auf kristallenen Tellern liegen Tao Mana‘s reiche Gaben, die der Stern gesegnet spendet.

Indessen sammelt sich das Volk, das nicht ausgeschlossen wurde. Jeweils feiert aber eine Sippe den ersten Festteil der ‚Geburt‘ im Haus, den zweiten Teil im großen Hain des Priesters. Die Mahlzeit dauert auch nicht lang; man verbindet damit keine Festlichkeit wie etwa auf der Welt.

Den Hausaltar umschreitend, singt man einen Psalm. Wenn erstmals das erste Kind mit feiert, trägt jeder eine kleine Kerze, die beim Umgang an dem Altarfeuer angezündet wird. Später wirft man sie ins große Opferbecken, das des Sternes Altar ist. Auch die Leute vor dem Hause bringen kleine Kerzen mit, die man am eigenen Hausaltar entzündet hat.

Im langen Zug geht es durch eine lichte Senke; denn das Haus des ersten Bürgers Chata steht auf einer Höhe. Weiter über einen Fluß, dessen ebene Brücke wie aus weißem Marmor schimmert. Ein gepflegter Wald von verschiedenen Bäumen tut sich auf; freundlich zahme Tiere allerorts. Man hat bei Wanderungen stets ein Futterbrot bereit. Den Wald löst eine Aue ab, von Blumen übersät. Dahinter steigt der Weg zu einem mäßig hohen Berg hinauf, dessen Gipfel eine weite Ebene bildet. Inmitten dieser steht des Priesters Haus, das jeweils der Regent besitzt.

Es bleibt jedoch des Sternenältesten Eigentum. Wenn er seinen Gang als Opfergabe einst bei seiner Rückkehr Tao Mana in die Hände legt, gesegnet und gekrönt wieder seinen Stuhl erhält, dann ist er für immer Herr des Hauses. Das weiß jeder; das weiß jetzt schon Dyso-Chata, als er mit Abaturan dessen Haus betritt, nur gefolgt von seinen Eltern.

Ein hoher Raum wird von flach gewölbter Decke her belichtet. An den Wänden sind Empyreumszeichen angebracht, an den vier Säulen bei dem Hausaltar die Sippenzeichen. Auf dem Altar stehn — in kleiner Form die sieben Tageszeichen, wie im Sanktuarium auf URs heiligem Herd. Vorn, auf der gelben Altardecke, sieht man im Geviert rechts oben eine Sonne, Symbol der Gottheit; links einen Stern, Symbol der Schöpfung; inmitten unten einen aufgehenden Mond, geformt wie eine schöne Lampe mit einem Flämmchen, Symbol des Volkes, hier zugleich das Haus- und Sippenzeichen.

Abaturan entnimmt dem Altar vier goldene Körner, Symbol von Saat ‚Wachstum, Ernte und Dank und hält sie in das Feuer. Tao Mana soll sie segnen. Dasselbe tun die Sterneneltern. Myo gibt die Körner ihrem Sohn. Wer hat das Kind belehrt, was zu sagen, wie zu handeln sei? Sieht sein Geist, wie UR am Heiligen Herd hantiert? Inspiriert ihn jemand? Die Lichtgeister brauchen ja nicht unbedingt die äußere Erscheinlichkeit.

Allein — an die Erscheinlichkeit hat UR den Segen für die Kinder angeknüpft. An der Art, wie Abaturan und die Eltern handeln, merkt es Dyso-Chata gleich, wie er sein Opfer bringen soll. Er sagt des Priesters Worte nach:

„Tao Mana, Herr der Schöpfung, Heiliger der Werke, Liebender der Kinder, Ewiger der Tat! Dir weihe ich mein Kommen, Bleiben und mein Gehen. Lasse Deine Herrlichkeit die Saat“, er legt die Körner vor das Feuer hin, „was Du mir übertragen hast, das Wachstum sein.“ Er nimmt sie wieder in die Hand.

„Gib, daß Dir zum Ruhm daraus die Ernte wird; zur Hilfe derer, die sie brauchen; zur Freude jener, die im Lichte sind.“ Dyso-Chata hält die Körner in das Feuer. „Dir sei Lob und Dank gebracht.“ Er laßt sie in die Flamme fallen. Da steigt’s wie eine weiße Säule auf (OJ. 15, 8). Danach knieen sie, an jeder Altarecke einer, heben ihre Hände wie Pokale hoch, um zu empfangen, was die Gottheit schenken will, Ein Wort:

„Alle eure Arbeit ist gesegnet. Mit Schöpferfreude sehe Ich den Rauch (Jes. 6, 4), der Mein Heiligtum erfüllt. Orakania und Hagarma[VH8] stehen mit an erster Stelle Meiner Herrlichkeit. Mein Reich, das ‚Reich-sein‘, ist jedem Kind geweiht. Wenn einst alle für das Reich in Ewigkeit bereitet sind, gibt es keine zugemachten Türen mehr.

Den Getreuen, die die Dienstbarkeit sich wählten, stehen sie ja offen; doch die letzte bleibt dem Feierabend vorbehalten. Die Getreuen könnten wohl hindurch — für die Fernen und für sich. Doch sie halten bei der letzten Türe selbst die Klinke fest. Erst wenn Ich jenen Lichtstrahl sende, auf dem das erste Kind die Heimkehr finden wird, gehen alle Kinder durch die letzte Türe; und des Liebetages Feierabend bricht herein.

Abaturan geht den Beihilfweg. Es bleibt freigestellt, ihn bis ans oftmals bittere Ende durchzustehen. Ihr braucht euch ja nicht stets zu inkarnieren; ebenso ein ‚Geistesweg‘ (Hebr. 13, 2) verlangt die gleiche Hingebung. Ohne Wissen: woher, warum, wohin, kann bis zum armen Abgrund führen; aber — nicht hinein! Denn vor dem bewahret euch Mein Opfer!

Doch im Geistzustande unter denen leben, die so schwer zu leiten sind, kann den Weg verkürzen. Das Licht im Kinde wehrt sich gegen jeden Abfall der Materie. Da kann das Letzte einer Arbeit liegen bleiben, während Inkarnierte — aber nur die Hingestürzten — sich die Lebenszeit verkürzen können.

Jeder Weg der Lichtkindgeister, inkarniert oder geistig, ist vor Meinem Angesicht gerecht. Soll Ich bestrafen, wo allein der Abscheu vor dämonischem Getrieb die Kinder heimwärts treibt? Oder soll Ich andern Falles, wo das Gnädigsein die armen Hingestürzten aufzuheben hat, den Zorn, Mir angedichtet, walten lassen, den Mein UR-Ich gar nicht kennt?!

Meine nahen Kinder bleiben Mir ja nah, sie können leben wo sie wollen. Einmal treu geblieben[VH9], sind sie in Mein Opfer, das Ich einmal (Hebr. 7, 27; 9, 12) für den ganzen Fall auf Mich genommen habe, unausbrechbar eingefügt! Und seid gewiß: Bei MIR bleibt gar nichts Letztes liegen, da bleibt kein armer Rest zurück! In Mein Letztes ist das Letzte, was jemand nicht vollenden kann, heilig eingebettet. Mit MIR vollbringt ihr einst aus guter Dienstbarkeit und Liebe euer letztes Stück.

ICH, der Schöpfer, Der in Willensherrlichkeit das Werk regiert, werde leicht die letzten Brocken sammeln (Mark. 6, 43), davon der ferne Hungernde gesättigt wird (Luk. 15, 17). Darum wandere, Abaturan! Ich bin deines Weges Anfang und das Ende; Richtung und Lauf werden dir gezeigt. Wenn du von dem armen Felde eine Ähre erntest, hast du viel getan. Hier, auf Dysothera, ist und bleibt dein Stuhl, den Ich dir bereitet habe.

Chata und Myo, ihr kehrt ebenfalls von euerem Wege reich gesegnet heim, auf diesen Stern. Und weil ihr drei, desgleichen euer Volk, in Dyso-Chata, der vom Sanktuarium für eine Zeit hierher gekommen ist, den ‚höheren‘ erkennt, ist‘s für alle schon der erste Baustein für die Wege, die Ich als Opfergabe in Mein Herdbuch schreibe. Für ihn, den Sohn, ist das Leben auf dem Stern der erste Meilenstein von seiner Straße. Hiervon mit dem Segen dann im Haine mehr; die Treuen rufen mich; sie heben schon die Kerzen hoch und wissen, daß ich hergekommen bin.“

Beim Erscheinen Gottes knieten die Familie und Abaturan vor dem Altar nieder, die Augen aufgehoben; denn IHN zu sehen, ach welche Seligkeit, so oft es auch geschieht. Sie stehen wieder auf, nicht ohne Danksagung für Gottes Kommen, für Sein Wort. Beides ist die höchste Segnung.

Tao Mana geht voran, dem Altar zu, hinter den Er Sich begibt. Das Volk des Sternes hat sich in zwei Reihen eng geschart. Eine hohe Pflanzengruppe bildet einen halben Ring, so den Ort nach rückwärts schirmend. Es hat feine Ähnlichkeit mit dem Stuhl- und Herdgeviert im Heiligtume URs.

Abaturan, Myo, Dyso-Chata und Chata stehen vor dem Altar, während alle übrigen, eine große Zahl herrlicher Gestalten: Männer, Frauen und auch Kinder, ihre Kerzen in das Flammenbecken werfen, dann von einer Vorderecke bis zur anderen des Altars einen weiten Halbkreis bilden. Der Priester betet an:

„Tao Mana, Herr der Schöpfung. Heiliger der Werke, Liebender der Kinder, Ewiger der Tat! Unaufhörlich haben wir die Seligkeit:

Dein Kommen, Deine Lehre, Deinen Anblick und die Gabe, Deine Offenbarung zu verstehen. An unserm Anfang lehrten uns zuerst die Höheren; dann konnten wir Dich sehen; und Deine Liebe hielt uns fest in Deinem Heiligtum, wo wir, von Deiner Hand gesegnet, in hehrer Weihe unser Lebensamt erhielten.

Tao Mana, jedem gabst Du einen Stuhl; unsere sind auch ein Teil von Deinem Altarraum. Wohl gibt es Unterschiede; denn wir sollen ja den Kleinen helfen, den Größeren gehorchen, weil Dir nur damit Achtung, Ehre, Dank, Gehorsam, Dienstbarkeit samt Liebe und die Freude darzubringen sind.

Tao Mana, Dank für Deinen dritten Wächtersohn. Von ihm geführt, durch Deine Treue, rücken wir voran. Du bist schon siebenmal zu uns gekommen, seit das Schöpfungskind vom Himmel fiel (S. 13, 1). Belehre uns, wie wir diesem Kinde helfen können. Wenige sind ins dunkle Tal gestiegen; weshalb — sehe ich noch nicht genau. Konnten wir noch nicht genügend Kräfte senden — ?

Tao Mana, durch Dein siebentes Kommen glaube ich, daß unsre Beihilfwege bis zur fernsten Ferne reichen. Heiliger, sprich Du; denn Deine Lehre ist die Kraft, die wir ständig brauchen und erbitten möchten. Mi-Ara-Mi!

Braucht UR Selber eine Kerze? Hat Er sie zur Freude Seiner Kinder hergestellt? Mancher fragt es sich verwundert. Und warum ist sie rot? oder weil auch Dyso-Chata eine rote hat? Doch sie ahnen, daß daraus die hohe Lehre kommen wird, auf die man sich gemeinsam freut. Und UR spricht:

„Meine Kinder! Jedes Sternvolk ist ein Teil vom ganzen Volk und hat die ganze Offenbarung zu erhoffen. Noch liegt die längere Zeit vor euch, noch ist viel zu tun: von Mir, von euch! Hingabe an Mich ist eine Willigkeit, die Ich in jene Kraft verwandele, um die ihr batet, die ihr braucht.

Eure Frage, ob ICH eine Kerze brauche, was für ein Symbol damit verbunden ist, darf gelten. Auch Dyso-Chata fragte es. Sein Dienst ist im Sanktuarium, in dem ihr manche Seligkeit erhalten habt. Nie sahet ihr, daß Ich eine Kerze trug, wenngleich auf Meinem Herd die sieben Leuchter mit je zwei Kerzen stehen. Ihr erkennt es schon, daß Ich eine Kerze jetzt für euch in Händen halte, und wir befassen uns damit.

Kerzen sind den Kindern gleich, zum Leuchten vorbereitet. Euer Dasein ist die Flamme, die sie erst lebendig macht; das Leben ist die Art, ihr Wesen, wie sie sich in Meine Schöpfung fügen, Meinem Willen unterstellen. Demzufolge wird die Flamme brennen: stark, klein, flackernd oder stetig.

Nehmt ihr in Dienstbarkeit und Liebe zu, so ist das am Symbol zu sehen; nicht, daß die Kerzen wachsen. Nur zur Lehre und Erkenntnis setze Ich die Zeichen ein, selbst im fernsten Winkel der Materie. Da gerade sollen Zeichen dienen, ob, wie, auf welche Weise jemand lebt. Ihr lernt das noch; Dyso-Chata habe Ich das Lehramt dafür übertragen. Dabei werdet ihr noch viele Zeichen finden, die — wer will — zum Fortschritt führen. Ja, bis zum Feierabend ist noch viel zu tun.

Nusar“, winkt Tao Mana jenen näher, der des Sternes Wissenschaft erforscht, „warum weinest du? Ist‘s dir keine Freude, Meine Lehre anzuhören?“ Auch im Lichte gibt es einen Schreck: den seligen. Nusar tritt vor und sagt:

„Tao Mana, Vater aller Kinder! Sieh die Tränen bitte an, die mein ‚ungenügend‘ weint. Daß meine Kerze kleiner ist als jene derer, die im Amte höher stehen, weiß ich ja. Auch ist‘s Freude, daß ich mich vollenden darf. Daß aber alle unsere Kerzen — sie waren gleich — so klein gewesen sind, die wir in Dein Opferbecken geben konnten, ist mein Schmerz.

Siebenmal bist du gekommen; aber unsre Gabe war nicht siebenfach mal größer. Deine Kerze ist der Inhalt Deiner Lehre, die wir hören dürfen. O, mein Weniges hat mich bedrückt!“ Bei vielen perlen auch die Tränen. Allein — wer sieht es wohl? — die gute Hand des Vaters sammelt sie. Und Er spricht:

„Mein Sohn, Tränen gelten bei Mir anders als bei euch. Symbole brauchen eben nicht zu wachsen, wie im Kind Erkenntnis, Tat und Liebedienst. Würdet ihr dem Inneren nach auch äußerlich vergrößert werden, — sag‘, Mein Nusar, wohin mit euch? Müßte dann nicht allen Himmelsörtern weiterer Raum geboten werden? Seht die Wunder Meiner Schaffung an: Äußerliches Wachstum ist begrenzt; Inneres — an keine Zeit, an keinen Raum gebunden — ist dem Unendlich Meines UR-Seins angeglichen, wie euer Geist und eure Form Mein Anbild spiegeln. So ist Mein Äußeres, euch zur Anschauung gegeben, auch nicht größer denn vordem im Heiligtum.

Du wirst Deine Gabe, dein Wissen, mit in die Materie nehmen. Das lehrt dich Dyso wenn die Zeit dafür gekommen ist. — Freuet euch, denn eure Opfergaben waren gut. Ihr habt es nun erkannt, daß Ich nur für euch die Kerze trug. Doch mit ihr ist etwas Herrliches verknüpft. Höret zu!

Zuerst stellt sie das Einheitliche Meines UR-Ich dar, weshalb sie für euch übergroß und herrlichst anzusehen ist mit einem Licht, dem Feuer gleich. Das löst Freude aus, wie ihr — nach eurer Ansicht — sie noch nicht erlebtet. Darin freilich habt ihr recht, weil Ich Meinen Kindern Freuden schenke, die in ihrer Steigerung die Gaben Meiner Liebe sind.

Zweitens gilt sie Meinem Volk. Ja, alle Kinder sind Mir lieb und wert. Lieb, die im Treusein ihre Schöpfungsfreiheitsprobe für das Werk bestanden haben, wert genug die anderen, die Hilfe und Erbarmung brauchen. ‚Wert‘ bezieht sich auch auf euch, weil Mir euere Treue wertvoll ist; ‚lieb‘ ist allen andern aufbewahrt, bis sie ihren Heimweg finden.

Als drittes sehen wir die Farbe an. Ihr fragt, warum Ich keine blaue Kerze hätte, die Mein Schöpfertum betrifft. Ich wirke stets zuerst als Schöpfer und enthülle Meine Wesensteile aus dem UR-Sein nach und nach, obwohl sie insgesamt Mein einheitliches ICH ergeben. Zunächst das Wichtigste:

Ich schuf Mein Volk in Schöpfermacht und Priesterkraft aus Meiner Gottgewalt unter Anwendung der Eigenschaft Geduld, aber auch der Liebe, weil der sechste Schöpfungstag, den ihr erlebt, der Liebe untersteht. Daß Mein Gottestum das warme Rot als Offenbarung an die Kinder wählt, habt ihr erkannt. Ebenso geht euch jetzt auf, daß Ich aus Liebe zu euch kam.

Abaturan denkt, das siebente Kommen enthülle die Barmherzigkeit, wo die weiße Farbe dominiert. Ganz recht! Doch du und mehrere von euch stammen aus der sechsten Sphäre, wo Dyso-Chata Wächter ist am dritten Strome für das ganze Volk, und für die Dunkelheit. Bemühet euch deshalb, dem Liebetag zu dienen, womit im gleichen Umfang und auf gleicher Ebene ihr allen Eigenschaften dient. Das zeigt stets das einheitliche Ganze an, wie Meine Kerze es besagt.“ UR stellt sie einmal an das Feuerbecken, nimmt sie wieder in die linke Hand und lehrt weiter:

„Zweierlei sei noch geklärt, soweit ihr es erfassen könnt. Mit Andacht seht ihr meine Kerze an, die nun als jene eures Sternes an der Stelle bleibt.“ Gott zeigt auf den Platz, wo sie vordem für ein Weilchen stand. „Und am Feuerbecken werdet ihr es merken, ob ihr Mir immer näher kommt, obwohl euch nichts von Mir und Meiner Liebe scheidet.

Wie vereinigt ihr denn euch mit Mir, wenn es keine Trennung gibt? Noch dazu: ihr habt die Schöpfungsfreiheitsprobe gut bestanden und gibt es keinen Unterschied, obwohl die Fürsten, Wächter, Ältesten und die Befehlsengel die Hauptlast der Entscheidung trugen und bis zum Tagesende tragen werden.

Habt ihr das Gelübde (Ps. 50, 14), Mir einst gegeben, eingehalten, wieviel mehr denn ICH, was Ich vor Mir Selbst (Hebr. 6, 13) gelobte! Mein Gelübde habe Ich im Testament verankert[VH10]. Ich bewahre eure Treue sogar dann, wenn im Auf und Ab des Weges vom Gelübde manchmal nicht viel übrig bleibt. Dieses aber bleibt:

Was ICH zusage, halte Ich gewiß! (Ps. 33, 4)

Nun versteht ihr das Mir-näherkommen. Aber Schöpfer und Geschöpf stehen nicht auf einer Stufe! Ihr konntet kein Gelübde geben, hätte nicht erst ICH Mein Testament geschrieben und dem Kindervolk vermacht, dazu den Reichtum allen Schöpfungstagen. Geschöpfe bleiben immer im Gefolge ihres Schöpfers, was jene hohe Seligkeit er gibt, deren Reichtum alle Tage überdauert, die Ich zu einem Raum Zeit-Werk (UR-Zyklus) zusammenschloß.

Ihr seid mit Mir verbunden; dennoch müßt ihr Mich stets mehr und mehr erfassen. Ich recke Meine Hände aus und umschließe damit jeden Schöpfungstag, deren hehre Ganzheit euch verborgen bleibt. Könntet ihr das Ganze denn mit Schöpferaugen sehen oder gar erkennen? Alle stehn am Tagesanfang auf dem Platz, von dem jedes leicht aus Lehre und Erkenntnis, aus Entwicklung und Vollendung zu Mir gehen kann; äußerlich, wenn Ich euch besuche oder in das Heiligtum berufe, im Inneren durch eure Willigkeit, Gebotsbefolgung, Liebe und durch Hilfsbereitschaft gegen jedermann.

Der Geistteil ist mit Mir verbunden, auch bei den Hingestürzten, weil Mein Nahesein die Ferne überragt. Geschöpflich steigert sich die Seligkeit, je näher man zu Mir gelangt. Das bieten Meine Lehre, Liebe, Leben und die unauflösliche Verbindung.

Denn Ich bin, Ich heiße und ich gebe euch das Leben!

Also müssen auch die Kinder an Mein EWIG angebunden sein.

Euer Ewig ist geschöpflich zwar begrenzt; denn jeder Tag bringt mit dem Morgen und dem Abend einen Anfang und ein Ende. Die Nacht, der Spiegel Meines unbekannten Lichts, ergibt den Fortlauf für das nächste Tagewerk. Dergestalt bleibt euer Ewig zugedeckt; denn so erhalte Ich es euch.

Gerade das ist das Verbundensein mit Mir. Die Abgestürzten kennen Schöpfungsnot und — Schöpfungstod. Äußerlich als höchste, letzte Warnung denen, die das Ewigkeitsgefühl, den Gottesglauben töten, was das Sterben des Gefühles nach sich zieht. Dieser Tod, so schwer er ist, bleibt geschöpflicher Bestand, also stets vorübergehend, weil Ich das Geschöpf auf eine Daseinsstufe stellte mit der Möglichkeit, auch von sich aus seinen Weg zu Mir zu gehen. Eben damit ist das Ewig-Sein verknüpft.

ICH gebe keinen Tod, sonst müßte sein Prinzip in Mir gewesen sein. Das zerstörte den Begriff der Schöpfer-Unaufhörlichkeit! Zwischen Mir und euch bestehende Berührungspunkte sind im Infinitum werkbedingte Unaufhörlichkeit, auf dem Wanderweg vorübergehend Anfang, Zweck, die Segnung aus dem Zweck, und auch ihr Ende jeweils in der Stufe, die einen Lebensabschnitt grenzt.

Jede Stufe ist ein Pulsschlag der Unendlichkeit, euch — vom Falle her gehemmt — nicht ganz verständlich, aber nicht verborgen. Manches braucht die längere Entwicklung, wozu euch Meine Kerze leuchtet. Im Infinitum gleicht Mein Pulsschlag einem UR-Zyklus, dessen Raum und Zeit im ganzen unerkennbar bleibt, wie ICH ihn an seinem Morgen weckte, wie er gleich der Abendsonne wieder sinkt, um einem neuen Zyklus Platz zu machen.

Auch jeder Tag ist einem Pulsschlag gleich, der sich in Einzelteilen ebenso wie in den Kindern spiegelt. Euer Lichtblut ist Symbol des UR-Pulsschlages; und sogar den Wesen und den Inkarnierten ist der Herzschlag eingezeugt.

Damit ist noch mehr verbunden, als Inkarnierte ahnen mögen; und zu ‚töten‘ ist er nicht! Er hängt mit am Pendel Meiner Raum-Zeit- Uhr (5. 7, 3). Solang das Herz in den Materiekindern schlägt, so lange ist der Puls zugleich das Mahn- und Warnsignal für alles, was gegen das Gesetz des Lebens, gegen die Barmherzigkeit verstößt. Es kann keiner Meine Lichtsignale ausradieren! Gewolltes Überhören ist ein Selbstbetrug.

Nun knüpfe Ich die zweite Frage an, die sich durch das Gesagte besser klären läßt. Sie taucht aus eurer Treue auf und lautet: ‚Wie ist‘s möglich, daß Du — weil Du Schöpfer bist — Dich so erscheinlich zeigst, wie Du uns erschaffen hast, trotzdem aber der Unendliche, nicht zu Erfassende, erhaben heilig bleibst, und doch so herrlich liebenah?

Dyso-Chata wird es später lehren. Jetzt, an der Weg-Entwicklung hängend, lernt er erst mit euch, was den Armen dienlich ist. Mehr hat euch Mein Licht zu bieten; allein, der Segen daraus bleibt sich gleich. Wenig oder viel ist nicht für jederlei der Maßstab eigener Entwicklung. Meistens hängt es davon ab, wem ihr eine Offenbarung bringen könnt. Davon noch die Lehre:

Seit eurem Fortschritt waren das Unendliche und Mein persönliches Erscheinen, zumal ihr darin keine Unterscheidung kennt, ein Hauptproblem. Schon nach Meiner eigenen Art die Form der Kinder, dazu die Lehre, Liebe und die Gaben, die euch fähig machen, mit Mir zu verkehren wie ein Freund mit einem Freund (2. Mo. 33, 11), wie das Kind mit seinem Vater (Jer. 3, 19), zeigten euch die UR-Unendlichkeit. Aber sie verstehen — ? Da mangelt‘s noch. Und umgekehrt: im Unendlichen ‚Meines Wesens Sichtbarkeit‘ zu merken, ist noch eine schwierigere Sache.

Meine Gaben, aller Überfluß der Liebe aus der Lehre, wie Ich euch von einer zu der anderen Erkenntnis führe, — das alles könnt ihr an euch nehmen. Der Überfluß enthüllt euch das Unendliche, Meine Unaufhörlichkeit. Dadurch ist das Letztere, Mein Makro, zu erkennen und bedarf es keiner Überschau des Ganzen, was den Geschöpfen auch nicht möglich ist.

Wie zeigt sich Mein Unendlich, wenn Ich nicht personhaft bei euch bin? Seht, des Lichtes Tage reihen sich zum Sternenjahr; und viele solcher Jahre habt ihr schon erlebt. Licht und Wohlergehen, Freude, Friede, der MEIN- und Nächstendienst, — alles kam von Mir, ohne daß Ich immer sichtbar bei euch bin.

Meine Hände — ungesehen — führen euch; Mein Mund — ungehört — lehret euch. So lernt ihr Mich in der Unendlichkeit begreifen, wie auch nahe durch die Form. Beide Offenbarungen bleiben sich im Werk ganz gleich. Sind denn jene Gaben, die Ich täglich durch das LEBEN spende, weniger wertvoll als die Lehre oder wenn Ich euch bei einem Fest den Freudentisch bereite?

Was ihr sozusagen von Mir Selbst bekommt, entsteigt dem Borne der Unendlichkeit. Mit diesem bin Ich euch so nahe, wie nahe auch in der Person. Es kommt darauf an, Mein Nahesein auch im Unendlich aufzunehmen, womit sich Meine Güte aus dem Schöpfer-Ursprung bis zu der Barmherzigkeit als Schlußstein väterlicher Offenbarung, als die ‚Fülle Meiner Gaben‘ zeigt.

Was steht nun näher: die Sichtbarkeit oder jene Heil bewirkende Verborgenheit? Ist beides nicht Mein ICH? Dieses Wort gilt allem Volk. Wenn es welche auch nicht merken wollen, so bleibt der Segen aus dem Wort der Schöpfung vorbehalten; aber offenbaren wird er sich den Willigen zunächst allein.

Nichts ist außerhalb des UR-Unendlich existent! Schon dahin gehend ist der Segen ausgestreut, wie der Same auf das Land. Ein Teil des Landes nimmt ihn freudig auf und läßt sich gern den tiefen Pflug gefallen. Dadurch erhält es eben mit der Saat den Segen, was ein reiches Feld ergibt.

Mancher nimmt den Samen ungern auf. Da wirkt der Segen erst, wenn er selber merkt, wie arm die Ernte wurde. Hier abermals: Nichts geht verloren! Kommt die Erkenntnis noch so spät, so schließt Mein Segen doch das arm gewordene Gelübde ein, von der Schöpfer-Güte bis hin zur Vater-Eigenschaft Barmherzigkeit. Daran erkennt: Auch als Unendlicher bin Ich euch nahe wie in sichtbarlicher Offenbarung (Jer. 23, 23). Euch bin Ich Freund; den Hingestürzten aus Erbarmung Retter, Helfer, Arzt und Heiland. Denn nicht erst komme Ich, wenn jemand ruft (Jes. 63, 16)!

In der Materie sind Not und Tod an sich der Ruf. Da verhalft gar mancher Schrei, als hörte Ich ihn nicht, wegen der Verachtung, weil der Glaube an die Hilfe einem Strohhalm gleicht. Das ist aus Meinem Fernsein jene Hilfe, die wirklich helfen kann und wird! Behaltet das in euerm Geist, der es — wenn auch öfter unbewußt — in die arme Ferne trägt. — Nun noch etwas über Lichtsorgen (S. 12, 1). Wir lassen dazu Myo-Chata sprechen.“

Sohn und Tochter sind Gott wie die Kerzen auf dem Eheleuchter lieb und wert. Myo tritt links zum Altar hin und sagt: „Tao Mana, Herr, Heiliger, Liebender und Ewiger! Dir danke ich. Du hast mich gerufen, obwohl ich erst die Lehre brauche. Nur der Geist, entbrannt am Feuer Deines Sanktuarium, macht uns fähig, unser Denken oder Wissen zu enthüllen.

Lichtsorgen! Wie ist Dein Fern- und Nahesein so unaussprechlich hehr. Du, Tao Mana, bist besorgt um alle Armen. Du brauchst nicht zu bedenken, was und wann etwas geschehen soll, um dem Lichte zu erhalten, was ihm ewig angehört; um Verlorenes aufzufinden, seinen kargen Pfad geradezurichten, damit es wieder dahin kommt, von wo es abgefallen war: zu Dir!

An Deine hehre Sorge und erhabene Mühe (Jes. 43, 24) kann ich kaum mit Worten rühren. Deine Sorge ist ja keine Not, Deine Mühe keine Last. Alle Not und Last der Armen hast Du eingesammelt, auch jene schon, die im Ablauf der Materie, sich entwickelnd, steigern werden. Du nimmst die Mühsal bis ans Ende der Materie auf Dich! Lichtsorge ist Fürsorge, das hohe Zweierlei wie Dein Nah- und Ferne- sein. Seit dem Abfall hast Du für die Armen Vorsorge getroffen, die für alle einen Heimfindweg bereitet.

In die Schöpferherrlichkeit und -führung hast Du, Tao Mana, alle eingeschlossen und beschlossen, daß Deine Lichtsorge die Schöpfung wundersam bestrahlt. Dein Kerzenlicht enthüllt: Die Materie wird gefegt, bis sie wie ein Kartenhaus zusammenbricht. Doch aus Deiner Güte und Barmherzigkeit wird sie zuvor zur leeren Hülle, zu nichts anderem mehr nütze, als sie in Deines UR-Quells Tiefe zu versenken. Was einst daraus erstehen mag, — o Tao Mana!, wir brauchen es nicht jetzt zu wissen.

Die vom Kartenhaus, die Mühseligen der Ferne, die Beladenen vom Licht (Matt. 11, 28), nimmst Du vorher weg und ist keines ewiglich verloren. Du fegst der Kinder Tun und Lassen, selbst wenn im Auf und Ab der Wege vom Gelübde nicht viel übrig bleibt. Du tust den Weizen in die Güte, die Spreu und was die Armut hinterläßt, in die Barmherzigkeit. Wer kann vorher etwa wissen, was Du daraus machen wirst (Röm. 9, 22-23)?

Gib, daß unsere Kerzen jene ohne Licht mit überstrahlen. Laß uns teilhaben an der Sorge, wie Deine Großen taten: der erste Riß, den die Materie durch sie erleiden mußte[VH11]. Ach — wieviel heilsame ‚Risse‘ sind bereits geschehen!

Tao Mana, möge Dyso-Chata Deine Lehre bringen, damit wir kräftig reifen, den Weg hinab zu wählen. Du hältst uns ja an Deiner Hand (Ps. 73, 23-26); ungefährdet sind wir durch das Recht der Liebe und der Macht. Du bringst uns wieder heim! Unsere Kindschaft wirst Du uns bewahren.“

Myo kniet vor dem Hochgeliebten. Im Augenblick ist Er von allen dicht umringt. Heiligtief leuchten Seine Augen, daß ein einziger Blick genügt, Seligkeiten auszuteilen, die kein Wort und kein Gefühl ermessen kann. Sie fluten wie ein Heilsgewässer um und durch die Kinder hin. Selige Geister! Kann der Mensch ergründen, was das zu bedeuten hat — ?!

Gott erwidert: „Hier sind keine kleinen Kerzen, die die Armut mit erhellen. Meine Tochter macht Mir Freude; aus eigenem Geiste hat sie Mir die Ehre dargebracht. Dabei sehen wir den Namen TAO MANA an, im Hinblick auf den großen Namen UR. Alle — und ich habe viele Namen — sind herrlich und erhaben. Zum Zwecke der Erlösung, mit Für- und Vorsorge gut benannt, habe Ich den einen Namen, in dem alle ihren UR-Stand haben, zugedeckt (OJ. 2, 17). Im Sanktuarium ward er nicht verhüllt. Und bevor es dann ans letzte Fegen geht, tue Ich ihn auch der armen Ferne kund.

Meine Namen gelten allen Werken Meiner Schöpferherrlichkeit. Noch weiter ist dabei zu gehen: Jedes Kind, weil von Meinem Leben es lebendig wurde, gleicht einem Namen, der MIR gebührt und den ICH trage. Ich entnahm die Kinder Meinem Sein; also sind sie ewig an Mein UR-Ich angeheftet.

Daraus schöpfet die Erkenntnis, daß TAO MANA auch der große Name ist, eben der: ‚Ich bin der Ewig-Heilige UR, der Ewig-Einzige und Wahrhaftige‘! Weil jedes Kind mit seinem eigenen Ich ein Stück von Meinem UR-Ich ist, zeigt sich in dem TAO alles Endliche, was in dem Unendlich nicht Vergänglichkeit bedeutet, sondern das ‚Gewordene‘, aus Mir Hervorgegangene.

Ihr meint, da stünde TAO besser an der zweiten Stelle, falls MANA Meinen Geist beträfe, den vollkommenen Geist! Unnötig ist, ‚Höchster Geist‘ zu sagen. Im Vollkommenen gibt es keine Steigerung. Hingegen werden alle Werke, alle Kinder, zeitgemäß von einem Lebensabschnitt bis zum anderen vollendet.

Vollkommen bedeutet: ohne Änderung in sich selber abgeschlossen sein! Das ist allein der Schöpfer; sonst wären ja die Werke, die Er schafft, nicht der Vollendungsmöglichkeit anheim zu geben. Was sich vollenden soll, kann dem anderen behilflich sein, zumal durch guten Vorbildweg, Beihilfen kann ein jeder leisten, wie das treue Kind ein Mitopfer auf sich nimmt.

ICH bin die Hilfe, bringe Selbst das OPFER dar! Ihr habt durch Meines Geistes Wink den Namen TAO MANA gut gewählt. Der Vollkommene — MANA — hebt die Werke — TAO — zur Vollendungsmöglichkeit empor; gemerkt: in einer Hinsicht über Sich (Sach. 4, 2). Nicht, um sie nur im Schöpferjubel anzusehen, sondern als das ‚Werk im Werk‘, so wie Ich die Kerze über Mich erhob, daß ihr sie sehen konntet, bis zur letzten Reihe.

Euer Eigenes ist so zum ersten Rang erhoben. ICH bin der ERSTE und der LETZTE (OJ. 1, 11), der jeden Tag beginnt und schließt, der jedem Morgen neue Seligkeiten schenkt. Verständlich, daß ein Werk bloß seinetwegen einen Rang erhält, womit dann Meine Güte und Barmherzigkeit sich immer offenbaren.

Ich ziehe keine Grenze, die Mir jemand ferne hält. TAO MANA zeigt noch an: ‚Wir Kinder Gottes sind im Endlichkeitsprinzip Geschöpfe; vom GEISTE her sind wir im heiligen Unendlich eingesegnet und zu Gottes Lichtes Sitz (Melchisedek) erhoben!‘ Laßt den Namen daher gelten; in ihm enthüllt sich ja der Vater UR!

Segnend breite Ich die Hände über euch. Auch rufe ich erst jeden in das Sanktuarium, ehe er die Straße zieht.“ Wäre möglich, durch die Macht der Anbetung die Sterne zu bewegen, — es geschähe jetzt.

UR ist gegangen, auch im Lichte äußerlich, aber ohne Scheidung. Er ist fern und nah zu gleicher Zeit.

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