3 — Kommen
3. Teil — G O T T – I M A N U E L
— K O M M E N —
Das ist das Erbe der Knechte des Herrn und ihre Gerechtigkeit. Jes. 54, 17
Das dritte Tor des Heiligtumes öffnet sich. Fließt die Herrlichkeit hinaus? herein? O, aus der UR-Zentrale strömt‘s hinaus: Licht, Leben, Herrlichkeit und — Güte. Und die Kinder dürfen ihren Anteil wiederbringen nach dem Maß, das ihre Herzen haben.
UR sitzt auf Seinem hohen Stuhl, dessen Saum den Tempel füllt (Jes. 6, 1), vor Ihm eine Schar und Seine Ersten. Perutam kommt von der Trigidur, neben ihm die Fackelträger Uraniel und Michael. Am Sphärenausgang hatten sie sich offenbart, nicht dort erst wegen ihm (Ja-ardua), sondern Armer wegen, die von ihren Sühnestätten[VH43] auf die Trigidur geleitet wurden.
Unsagbares erfüllt Perutam am Heiligen Herd im Angesichte Seines hochgeliebten UR. Das Licht vibriert vom Chorgesang. Perutam öffnet beide Hände, um aufzunehmen, was er für die Beihilfstraße braucht; um zu geben, was sein Geist dem Vater opfern kann. UR begibt Sich an des Herdes Herrschaftsseite, hebt das Buch des Lebens hoch und spricht:
„Meine Kinder, es ist gut, daß ihr Meine Bahn erwählt (Jes. 35,8), die zu Satans Abgrund führt. Ein Zeichen sind die Fackelträger, die Perutam hierher geleiteten. Das geschah nicht seinetwegen, weil er dessen nicht bedarf. Aber Meine Leitung führt ein jedes Kind, auch Meine lieben Großen.
Die Fackeln sind Mein Licht; die Träger stellen beide Schöpfungsfundamente dar. Das Offenbare davon gilt den Beihilfstraßen in die Dunkelheit und aller Kinder Rückweg: den Treuen als die Heimkehr aus dem Arbeitsfeld, den Abgestürzten als die Heimbringung, damit sie Kinder Gottes werden.
Ihr meint, nur ICH bewahre euch die Bahn des Lichts. Gewiß; aber aus der Freiheitsprobe setzte Ich euch an der Strecke ein, und in diesem Sinne seid ihr Meine lieben Helfer. Davor habt ihr euch in Ehrfurcht stets geneigt. Wer sich neigt, den hebe Ich empor, der steht unterm Tageszeichen frei im Licht! Ihr seid die Opfergasse auf die erste und auch auf die zweite große Hilfsstation gegangen, habt viel Gut zurückgebracht, das vom Erstkind blind verschleudert ward. Das macht euch zu lieben Helfern — für das Schöpfungskind und dessen Schar. —
Stehe auf, Perutam! Große und auch kleine gute Kerzen steigen vor dir nieder (z.B. Uraniel als Mose). Erfülle alle Zwischenstufen gut, die du mancher Seele wegen aufzunehmen hast. Oder hast du für den ‚dritten Gnadenschub‘ (Zeit vor Jesu) genug geleistet?“ Wie freundlich klingt die Stimme Gottes, die jedes Kind erschüttern macht. Perutam erwidert:
„O UR, Ewig-Heiliger, Ewig-Einziger und Wahrhaftiger! In Deines Heiligtumes Halle dürfen wir Dich bei dem Namen nennen, der in uns den ewig festgefügten Widerhall ergibt. Deine Frage ist die Gnade selbst. Sie zeigt uns an, daß wir die Freiheitsprobe für den armen Fall noch einmal leisten dürfen.
Für Sadhana gaben wir die Kindschaft — schon erworben — Dir zurück[VH44]. Du, ewigguter Vater UR, brauchst die Antwort nicht erst zu vernehmen. Du weißt alle Dinge; und wir wissen, daß die Richtung und der Lauf des eigenen wie des Beihilfsweges unsere Sache ist, durch Deine Güte dargetan, doch der Aufbau und das Ziel in allen Dingen ewig DEINE SACHE bleibt!
Ist für den dritten Gnadenschub genug geleistet? Genug hast DU getan; ehe denn die Kinder wurden und hast in Dein Genug das kleine Kindgenügend eingehegt. Wie sich die Stufen reihen, überlasse ich ganz Dir. Dein Wort sei meines Fußes Leuchte (Ps. 119, 105), und Dein Wille sei mein Wanderstab!“
„Gut erkannt!“ lobt Gott. Die wahre Seligkeit des Lebens ist der Fortschritt, nur im Lichte zu erwerben und allein auf Meiner Bahn. Davon fällt ein Abglanz in das Dunkel, sonst könnten unsere armen Wesen die Erlösung nicht erfahren. Ihre Ketten werden wohl in der Materie zerrissen; aber die Befreiung aus dem Kerker kommt zumeist nach einem Weltenweg. Hierbei überstrahlt Mein Glanz den Abglanz eurer Beihilfstraßen.
Mein Wächter, folge jetzt des Ordnungsträgers Spuren, wie es Mein Herrschaftwille vorgesehen hat.“ Uraniel und Urea, die den Segen für die ‚dritte Gnadenzeit‘ empfingen, stehen rechts und links am Heiligen Herd. Hand in Hand verlassen sie das Heiligtum, von URs Augen überwacht.
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Schreckliches ist über Israel hereingebrochen. Jeder Tag heißt Mühsal, und das harte Lager lautet Last. Man hatte letzthin stark gehofft, der Thronanwärter, den man MUSA nennt, würde ihre Plagen mindern. Man hatte sich getäuscht; nicht eigentlich in ihm, dem Pharao die Aufsicht gab und der heimlich manche Bürde zu erleichtern suchte. Doch die Knutenknechte, scheel auf Musa sehend, machen ihm die Aufsicht schwer. — —
Jahre eilen hin. Musa ist ein fast Fünfzigjähriger geworden. Um diese Zeit — und hier beginnt des dritten Wächters Weg — geht ein hochgewachsener Mann durch des Jakobvolkes wüsten Hüttenteil. Er ist, soweit man merkt, der einzige, den kein Ägypter anzurühren wagt. Sein fürstlich feines Wesen hält die rohe Horde fern. Man nennt ihn Fürstenpriester, weil er aus einer rein gebliebenen Linie des Ben-Jamin (1. Mo. 35, 18) hervorgegangen war und die Gabe eines Priesters hat.
Er richtet arg gequälte Herzen und zerbrochene Hütten auf, hilft den Frauen, hütet Kinder, wäscht der Männer Wunden und trägt Wasser zu. Keiner hindert ihn. Wer verschließt den Bütteln ihren Mund, daß es Pharao nicht hört? Wer läßt die Geißeln fallen, wenn der Mann durch der Ägypter Reihen geht? —
Sein Name ist Nu vom Volke ‚Nun‘ genannt; denn man sagt: ‚Nun kommt er wieder; nun hilft er uns‘; und anderes. Musa, von den Ägyptern so genannt, obwohl er ‚Mose‘ heißt (2. Mo. 2, 10), sieht das Wirken dieses Mannes. Da quillt sein Herz für seine armen Brüder über. Den ärgsten Folterknecht trifft seiner Hände Schlag. Ist es ein Mord? ein Urteil Gottes, um durch den Tod des einen Treibers andere zu zähmen? — ?
Mose flieht; aber Nun wirkt weiter. Sein Knabe Josua wächst gut heran, reinen Herzens und eines starken Körpers. Er ist beliebt bei jung und alt. Erst an der Hand des Vaters, später auch allein, geht er helfend unterm Volk einher. — Und wieder gehen Jahre durch die Welt. — — Da geschieht:
„Vater, er ist wieder da!“ Josua stürzt in die Hütte. „Wer, mein Sohn?“ „Musa!“ „Ah!“ Ein Seufzer — und in sich hineingeredet: „Ich sah im Traum, er ist ein Großer Herr“, ruft der im Leid des Volkes mit Geprüfte, „willst Du uns erretten? Hast Du nun Dein Heiligtum geöffnet?“ Ihm ertönt es hörbar: „Meine Tür steht offen, Tag und Nacht! Allein — wer sieht danach, ob Meines Lichtes Heiligkeit in euer Dunkel dringt?“ „Du hast recht, Herr!“ Nu-Anim beugt sich bis zur Erde.
„Wegen weniger (Matt. 9, 37), die Mein Licht beachten, ist die Türe offen für die Schafe, die von Meiner Weide in die Wüste gingen (von Kanaan nach Ägypten). Rüstet euch; der Tag ist nah!“ „Herr!“ halb erstickt gerufen. Josua faßt nach seines Vaters Hand: „Wer hat mit dir gesprochen? Ich sah niemand.“ Die erste große Offenbarung, die Josua erfährt.
„Du bist kaum dreißig Jahre alt[VH45] und hast Gott, den Herrn, erlebt. ER hat dich gerufen! Zu was? Wir brauchen es nicht gleich zu wissen. Aber rüste dich, Gottes Tag ist nah!“ „Lehre mich das Rüsten“, bittet Josua. Da führt Nu-Anim seinen Sohn in des Glaubens tiefere Symbolik ein. —
Mose hat gewirkt; und Aaron hat geredet. Ägypten liegt als böser Alptraum hinter Israel. Doch die weite Wüste — ? Sie verschlingt die Menschen; sie zerstört den Glauben trotz Gottes großer Güte, die täglich über Israel erscheint. Mose könnte fast verzagen, hätte er nicht treue Helfer neben sich.
Nu-Anim hatte seinen Sohn vor dem Auszug Mose zugeführt: „Er sei dein Knecht (Jünger; 2. Mo. 24, 13).“ Mose sah ihn lange an und — sah Gottes Hand auf dessen Haupt. Durch die Bürde der Verantwortung sehr ernst geworden, sagte Mose: „GOTTES Diener soll er werden; doch er bleibe mir zur Hand.“ Josua wurde damals ganz bedrückt, diesem strengen Mann zu dienen, jetzt weiß er längst, wie viel Güte hinter dieser Strenge steckt. —
Man war rasch gewandert, beinah flüchtend, um Ägypten hinter sich zu bringen. Es rundet sich der dritte Mond, als man die Wüste Sin verläßt. Aufatmend sieht man zurück; ängstlich vorwärts; denn das Grauen wartet ihrer. Raphidim, wo Mose länger lagern will, um Mensch und Vieh die Rast zu gönnen, ist wasserarm. Mit Josua und etlichen Getreuen steht er in der Hitze, im Geschwirr der Zornigen, die nach Wasser schreien.
Man blickt zum fernen Horeb, dessen Ausläufer sich bis Raphidim erstrecken, „Vater Mose“, ruft Josua. „da steht ein Mann, er winkt dir zu.“ „Du hast scharfe Augen“, erwidert Mose, „meine sind schon trüb, bin ja achtzig Jahre alt.“ „Ich sehe niemand“, mischt sich Aaron ein, „und habe bisher gut gesehen.“
„Er ist deutlich auszumachen.“ Josua beschattet seine Augen. Mose sagt: „Wir wollen prüfen, was er von uns will.“ Sie gehn auf einen Felsblock zu, sechzehnhundert Schritt vom Lagerrand entfernt. Welch ein Zeichen? Ist es nicht die dritte Gnadenzeit, wie der Herr im Traume sprach?, und sind es nicht drei Monate, seit sie Ägyptens Tyrannei entkamen — ?
Gnade — ? Gnadenlos ist diese Wüste! Die sechzehnhundert Schritte sind ein Zeichen des Verderbens, geht es Mose durch den Sinn. Josua ist sonderbar mit ihm verbunden. Noch braucht er Lehre, bis sein Geist die Herrschaft über ihn gewinnt. Aber beide haben jetzt die Gnade und das Zeichen: Wasser — mitten in der Wüste; aus dem Fels durch Mose‘s Stab geschlagen (2. Mo. K. 17). Mitten in der armen Welt Gottes wundersame Offenbarung.
Doch kaum die Gnade hingenommen, murrt das Volk. Amalek, durch das Geschrei herbeigelockt und vom Wasser hörend, das so dürftig bei ihm rinnt, macht die Gegend für sich strittig. Freilich — Raphidim und was dazu gehört, ist ein Gebiet von Amalek; nur hat sich vorher keiner um den wasserarmen Ort gestritten. Und mit Israel hat Mose wieder seine Last.
„Hätte nicht der dumme Bub den ‚Wassermann“ — man sagt nicht GOTT — „herbeigelockt, dann . . .“ „. . . wäret ihr verdurstet“, wird der wüste Haufe unterbrochen. „Es sei ein Zeichen, ob es Gott gewesen ist“, verhöhnt man Josua. „Ziehe wider Amalek!“ Mose befürchtet Übles; denn Amalek, mit sechshundert Streitern, gut beritten, wirft seine Lanze herausfordernd in die Luft.
Josua ist unverzagt — und siegt. Nicht nur über Amalek. Er sagt dankbar: „Gott hat geholfen — gegen unser Volk!“ „Gegen Israel?“ Aaron fragt‘s verwundert. Mose lächelt fein: „Er hat mehr Verstand als mancher von uns Alten. Fühlt euch nicht getroffen“, begütigt er verschiedene, die mit Josua zanken. „Ihr ruft Hosianna, weil das Wasser kam und Amalek vertrieben wurde; das ‚kreuzige‘ werdet ihr noch auf ihn bürden (Joh. 12, 13; 19, 6).“ In Wehmut ruht sein Blick auf Josua. — —
Immer mehr kommt der ‚junge Knecht des Herrn‘ in Gottes Wunderweg hinein. Nach langer Zeit am ‚Gotteswasser‘ strebt man nun dem Horeb zu. Die Wanderung ist hart. Überall nur Wüste oder Feinde. Wüste Welt — Feind Materie! Ein Mahnmal, wie es hehrer kaum gegeben werden kann: mitten in der Wüste Gottes Wasser; mitten auf dem Fels die Offenbarung der Gebote Gottes! — —
Gott ruft wieder auf den Berg, der Mose ach so heilig ist, daß ihm jedesmal die Knie zittern. Es dürfen vier Getreue und siebzig Älteste hinauf, um Gott zu sehen (2. Mo. 24, 9-11). Das gilt für das Volk. Josua, sieben Schritte hinter Mose, darf die Herrlichkeit des Herrn erleben, soweit die Seele sie erträgt. Ohne Leib — o, da wäre keine Schranke zwischen UR und Seinen ‚lieben Helfern‘ (S. 120, 1). Er und Mose bleiben vierzig Tage oben (2. Mo. 14, 13 u. 18; 1. Kön. 19, 8; Matt. 4, 2 u.a.).
Das ist für Josua die zweite Offenbarung. Sie ergibt die zweite Pflichtepoche: Bleiben; nach Mose zu erfüllen, frei im Heiligtume übernommen, frei im Herzen seinem HÖCHSTEN anvertraut. Das weiß er schon, auch mit Mose; im Traum hat er den Ausgang aus dem Heiligtum erlebt (S. 120, 7 – 121, 1); nur nicht genau. Noch muß er alles Kommende, für seine Pflicht entwickeln. — —
Es folgt die dritte Vorbereitungsschau. Fern vom Sinai — und das herrliche Gesetz versinkt: Gottes Treue, Liebe, Führung. Gewiß ist manches zu verstehen. Dreißig Jahre sind sie auf der Flucht, jetzt aus der Mühsal ihrer Wanderung; noch fern des Landes, das der Herr verheißen hat. Wird ihnen aber erst das neue Land? Ist es nicht von Abraham, dem Ernst-Fürst, unter Gottes Güte herrlich zugerichtet worden?, ein Spiegel für das Reich, das ewiglich der Kinder Gottes Heimstatt bleibt? —
Josua, nun ein Mann von sechzig Jahren, — Mose ist schon hundertzehn, redet über das mit diesem. Mose sitzt in seinem Zelt, die Stirne in die Hand gestützt. Zwiespältig ist sein Herz; voll Freude über Gottes wundersame Führung Tag für Tag; voll Trauer über Israels Gemurre; voll Zweifel, ob Gott helfen wird, weil er — Mose — allzu oft das arme Volk entschuldigt, statt Gottes Heiligkeit allein zu achten, möchte Israel dabei zu Grunde gehen. Und doch — tief innen wohnt der Glaube, aus dem Licht zur argen Welt herabgebracht. Auch ein Zeichen von dem Streite zwischen Licht und Finsternis, von dem Ordnungsträger auszutragen.
Dreißig Jahre sind sie ohne Heimat, ohne Heil, weil Israel nicht hören will. Nicht alle! Es gibt im Volke viele Treue. Jedoch die Menge — ? Dabei regnet‘s Man-hu, Wachteln fallen nieder — doch man lärmt: ‚Wer hat das Feuer angelegt (4. Mo. 11, 1)? Gott — ? Ha, Mose, um das Volk zu unterdrücken! In Ägypten hatte man . . .‘ Die Plagen sind vergessen; das Weinen ist verweht. Man denkt an dicke Fische aus dem Nil.
Mose liegt in Gottes Hütte, die ER ‚gestiftet‘ hat. Alle Lasten ruhen auf den müden Schultern. Vor dem Vorhang wartet Josua, zwar bangend, aber nicht verzagt. Er hört des Vielgeliebten Klage und was der Herr darauf erwidert. Da sammelt er des Geistes Kraft; er wird den Lümmeln wehren, wenn sie Mose — —
Mose‘s Geist kommt über siebzig Älteste, die Ordnungslohe vor dem Heiligen Herd im Sanktuarium. Josua sieht das blaue Licht wie eine Fackel. Die Männer künden Gottes Willen. Währenddes wollen viele andere im Lager, aber ohne diesen Ordnungsgeist, prophetisch wirken. Josua bittet:
„Mose, sende mich, ich will sie niederwerfen; sie sollen deine Geisteskräfte nicht mißbrauchen!“ Dieser, noch von Gottes Abrechnung bedrückt, die er für Israel stets auf sich nimmt (s. Als Mose starb, S. 41, Abs. 4), hadert: „Bist du der Eiferer für mich? Ich stehe selbst vor Gott gerade! Mir wäre lieber, alle hätten meinen Geist, statt sich zu balgen und zu murren!“
Aaron erwehrt sich hämischer Gedanken nicht; und Mirjam, seine Frau, zischelt laut: „Endlich wird dem ‚Thronanwärter“ — sie meint Josua — „der Zügel angelegt. Du bist es, der Mose abzulösen hat. Es wäre höchste Zeit. Bei jeder Kleinigkeit läuft er zum Herrn, statt selbst das Regiment zu führen.“ Unversehens tritt Josua hinzu: „Ihr werdet es erfahren“, sagt er leise, damit Mose es nicht hört, „wer das Regiment erhält. Ihr nicht, und ich will es nicht, wenn nicht GOTT mich ausersieht.“
„Du warst ein grüner Mann, als ich Pharao begegnete!“ Aaron wütet und Mirjam geifert mit. „Ich mußte reden; Mose hatte keine Zunge und . . .“ Sie wenden sich dem Lager zu. Mose mit den siebzig folgt in einiger Entfernung. „Und?“ fragt Josua scharf. „Ohne Mose, und ich hätte sehen wollen, was du vor Pharao bewirken konntest! Dein Mut wird anerkannt, Aaron; doch die Taten, Gottes Urteil, gingen bloß durch Mose‘s Hand!“
„Eifere ihm nur um den Bart“, kichert Mirjam. „Das Volk entscheidet, wer ans Ruder kommt.“ „Bei dir denkt bloß die Zunge!“ Josua rafft sich ruhiger zusammen: „Über dich, Aaron, wundert sich sogar der Herr. ER allein ist der Regent!“ Gleichfalls ruhiger, entgegnet dieser: „Noch sitzt Mose auf dem Stuhl.“
Dieser hörte von dem Ärger nichts; er ist viel zu sehr geplagt (4. Mo. 12, 3). Kaum ist eine Not vorbei, stehen schon zwei neue vor der Tür, pausenlos. Fast erschrocken hört er in der dritten Nacht danach Gottes Stimme neben seinem Bett. Josua saß noch vor dem Zelt und unterhielt sich mit den Hütern. Er sieht, daß Gott zu Mose geht und ist bange. Wird Er segnen oder Abrechnung verlangen? Es dauert eine Weile, bis der Vorhang sich vom Nachtwind öffnet. Gott spricht Josua an:
„Mein Sohn, Mein Segen macht aus dir, was im Lichte vorgesehen war. Morgen sieht man, wer Regent im Volke ist: ICH, der Schöpfer! Für die Stätten, ob im Empyreum oder auf der Welt, wähle Ich nach Meinem Willen jene Kinder aus, die die Oberaufsicht führen, wo und wie es MIR gefällt!
Mir dienen einstmals dreißig Jahre, um der Hölle ihren letzten Riegel zu zerbrechen (Jesu Lehramtsantritt). Nicht ICH bedarf der Jahre; sie sind der letzte Vorhof Meines Gnaden-Heiligtums. Alle Helfer — du kennst die Offenbarung — sollen in den ‚Zahlen Meines Heils‘ ihr Zahlenwerk erblicken: denn ICH zähle! — zähle Raum und Zeit, und was darin geschieht!
Dreißig Jahre hast du treu gedient, mitten in dem Abschaum dieser Welt; und sechzig bist du alt. Eine Hälfte gilt dem irdischen, die andere dem geistigen Geblüt. Siehst du darin deinen Weg, so merkst du, daß dir zehn Jahre an der Lichtzahl ‚sieben‘ fehlen. Nicht der Reife wegen, die vor Mir besteht, nein — für das Volk und für das Ziel, das der Welt bis an ihr Ende MEINE Zeichen setzt: insgesamt die Erlösung aus dem Fall.
Sei getreu; Ich bin mit dir, wie Ich mit Meinem Ordnungsträger bin. Dein Geist wird es dem Volk bekennen, was du dem Widersacher sagtest (S. 33, 3). Habe auch Geduld mit denen, die sich schwer von der Materie lösen lassen. Bedenke nur, viele standen nie in Meinem Heiligtum; wie können sie da liebe Kinder sein? Sie sollen es erst werden, Josua. Eifere mit Ernst, bloß eifere den Seelen gegenüber nicht zu sehr.
Morgen wird man starren, daß Ich auch vor Großen keinen Einhalt tue, wenn Mein Eifer (2. Mo. 20, 5) richtet. Nun künde, was dein Geist zu sagen hat.“ „Herr, wäre doch mein Dank so groß, wie das Gezelt des Himmels ist!“ „Meinst du“, lächelt Gott, „ob eines Kindes Dank des Infinitums Weite füllen kann?“
„Nie!“ Kniend greift Josua in Gottes Faltenwurf. „Da Du aber alle Dinge weißt, so auch meine Danksagung. Leider ist sie klein.“ „Das braucht dich nicht zu kümmern. Die großen und die kleinen Kinder entsprechen einem großen oder kleinen Dank. Da ist Mir keines näher oder fern.“ „Wie gut Du bist! Herr, segne Mose und das Volk, segne auch die ganze Welt.“
„Ich bedenke es!“ Gott geht fort; zurück bleibt ein aufgewühlter Mensch bis in die tiefste Tiefe seines Wesens. ‚Ich bin doch kein Mose? Wie kommt es, daß der Herr so lang mit mir geredet hat?‘ Die Mohren haben nichts gehört, doch das Licht empfunden; und den Segen haben sie gespürt.
Die Gnade will er anderntags berichten; er mag Mose‘s Schlaf nicht kürzen, wenn auch seine Seele überquillt. Mose wurde unterrichtet — von Gott Selbst. „Was sagte Er zu dir?“ fragt Josua. Er sitzt am Morgen Mose gegenüber. „Mir?“ Ach — er hatte allzeit für die Sünden anderer die Rechnung vorzulegen; doch Josua gönnt er Gottes hehre Offenbarung. Er hat ihn längst als ‚Folgenden‘ ersehen, nicht nur seiner Treue, ebenso des Könnens wegen, das sein Geist besitzt, ihm — Mose — ebenbürtig.
„Unter uns sind inkarnierte Lichtkindgeister“, sagt Mose, „und wäre Israel nicht gar zu blind, wären wir schon längst nach Kanaan gekommen, weniger das irdische als mehr das ‚Reich der Ewigkeit‘ gemeint. Der Herr kann alles mit des Lichtes Einsatz tun. Er wird ihn wunderbar vermehren, wenn — die Welt an ihrem Ende steht. Doch zu deiner Frage, lieber Josua:
Gott hat für zwei nichts Gutes angekündigt. Erschrecke nicht, es sind Aaron und Mirjam.“ „Aaron — ? Er hatte sich gebrüstet . . .“ „Laß ruhen“, hält Mose an, „es wurde mir trotz deiner Vorsicht hämisch zugetragen.“ „Feiglinge!“ knirscht Josua. „Es wäre gut . . .“ „Halte dich zurück“, gebietet Mose. „Das befahl mir Gott“, bekennt Josua. „Er wies auf ihre Kleinheit hin; o ja, das Volk, das den Lämmern gleicht. Aber Aaron? Es gab mir einen Stich, ob nicht der HERR ihm auf die Zunge klopft.“
„Rufe Großfürst Hur, deinen Vater und den Altrat Abeldan.“ „Und Eleasar, Ithamar?“ „Nein; sie sollen ihrer Eltern Kleinheit nicht mit sehen. Hinterher können sie die Bürde tragen helfen.“ ‚Keiner denkt so edel wie des Volkes Knecht.‘ Josua seufzt. GOTTES Knecht, verbessert er sich selbst.
Gott fordert Aaron auf, Propheten herzubringen, durch die ER Sich im Gesicht oder Traum enthüllen würde. Doch da ist niemand als:
„Nicht also Mein Knecht Mose, der in Meinem ganzen Hause treu ist. Mündlich rede Ich mit ihm, und er sieht Mich, den Herrn, in Meiner Gestalt, nicht durch dunkle Worte oder Gleichnisse.“
Man hört, wie Gott mit Seinem Knecht verkehrt. Da gibt es kein Umschreiben. Alle Zeugen wußten es. Aaron ist ob Gottes Abrechnung entsetzt, zumal der Herr Sich von ihm wendet und Mirjam plötzlich Aussatz hat. Ist es ganz gerecht, daß das Weib vor allem Volk die Strafe trägt, während Aaron bloß die Abrechnung erfährt, obendrein nicht öffentlich (4. Mo. K. 12)?
Es ist nahe an der Mitternacht, als jeder einen kurzen Schlummer sucht. Vor seinem Zelt sieht Josua jemand stehen. Ein halber Mond und Sterne leuchten nieder. Es muß ein Fremder sein. Wie kommt der in das Lager? Ihn durchhaucht ein Wehen, so ein — — Schon wird er angesprochen:
„Josua, komme mit!“ „Ist jemand krank? Warum holt man nicht den Arzt? Oder . . .“ „Komme mit!“ wiederholt der Fremde, ohne auf die Fragen einzugehen. Ungewiß, was werden wird, hält Josua mit dem Fremdling Schritt, durch die Wüste. Wie rasch sie wandern, wieviel Zeit vergeht — er weiß es nicht. „Wer bist du?“ fragt er höflich. „Ich bin deine Führerin vom Lichte her.“ „Führerin — ? Wieso? Wird denn nicht ein Mann von einem Engel, eine Frau von — nun ja — von einer Engelin geführt?“
„Denke diesmal nichts, Josua, lasse dich von Gottes Herrlichkeit durchströmen.“ „Wenn das nur so einfach wäre!“ Der Mensch greift nach der hellen Hand. „Damals wollte ich Gott danken mit der Weite Seines Himmels. Er verwies mich an den ‚kleinen Dank‘, der Ihm auch genüge. Du sagst das Gegenteil.“ „Wieso Gegenteil? Was wir, Gottes Kinder, geben, ist dem Höchsten gegenüber klein. Oder nicht?“ „Hm — das sicherlich; aber darum kann ein Mensch sich nicht von Gottes Herrlichkeit durchströmen lassen, die aus des Herrn Unendlichkeit unendlich ist.“
„Es kommt darauf an, ob man sich völlig öffnet und so den ‚vollen Strom‘ empfängt — nach dem Maß, mit dem der Schöpfer uns erschuf.“ Welch ein guter Wink vom Licht! ‚Sich völlig öffnen‘, also auch der Führung voll vertrauen, selbst wenn er eine, hm — Führerin zur Seite hat. Die Nacht trinkt das Lächeln eines Engels. Sie stehen jetzt am Fuße eines Berges.
„Steige auf!“ Josua fragt beklommen: „Gehst du nicht mit? Bleibe doch bei mir“, bittet er, „dein Wesen ist mir auf dem kurzen Weg so liebvertraut geworden und . . .“ „Der Weg war lang“, sagt der Engel ernst. „Habe acht, der Stieg ist nicht sehr leicht; ich wache, bis du wiederkommst.“ Er gibt Josua eine Lampe in die Hand, wunderlich geformt.
Josua sieht hinauf. Steht da nicht einer? Jener, der ihn rufen ließ? Er denkt eben nicht an Gott, weil Mose nicht zugegen ist, der immer mit Gott spricht, Ihn allewege sieht — für Israel also auch für ihn. Daß er Gott sehen durfte, hält er für den Segen, der ihn durch Mose überkommt.
Indessen ist er oben angelangt, und da sieht er IHN. Sein kleines Lampenlicht hat zugenommen; das Licht von DEM, Der auf einem weißen Steine sitzt (OJ. 2, 17), strahlt weit hinaus. Er winkt ihm zu, näher herzutreten. Josua befolgt den Wink. Es bedarf des Mutes nicht, dem Lichte nah zu kommen, aber zaghaft geht er vor. Unmöglich, daß — Doch wer anders soll es sein, als — — Nein, Mose ist nicht da, über den der Herr — —
„Tritt her, Mein Sohn, Ich habe hier auf dich gewartet.“ Das ist zuviel für Josua. Er stürzt vornüber, Schauer überjagen ihn, die Tränen rinnen, „Herr, o Herr!“ Mehr bringt er nicht heraus. Gottes Hand berührt ihn sanft, und auf einmal sitzt er neben Ihm, nicht wissend, wie dies zugegangen ist. Wiederum entringt sich ihm der Ruf: „Herr, o Herr!“
„Kommt es dir so übermächtig vor?“ Freundlich fragt es Gott. „Du gibst mit Recht nicht viel auf Träume; manche aber sind Gesichte. Das weißt du doch?“ „Ja, Herr!“ Josuas Stimme festigt sich. „Also weißt du auch, daß du vor vier Nächten vorbereitet worden bist, Mir hier zu begegnen. Nicht bloß über Mose, wie du immer denkst. Steht ein anderer Sendling wegen eines Werkes einen Schritt zurück, gibt das keinen Ausschlag für die eigene Verbindung, die jeder zu Mir herzustellen hat.
Du denkst recht, die Verbindung käme nur von Mir! Die ursächliche stets. Daraus folgt die Rückverbindung, die vom Kinde auszugehen hat. Die hast du erreicht, sonst säßest du nicht hier.“ „Herr“, wagt Josua zu unterbrechen, „das bewirkte bloß Dein Gnadenteil. DU hast gerufen, hast mich führen lassen müssen, denn sonst hätte ich Dich nicht gefunden.“
„Nein?“ Was birgt das Fragewort? „Herr . . .“ „Keine Sorge. Hast du Mich noch nie gefunden?“ „Durch Deine Güte“, erwidert Josua. „Deine Lehre war der Weg: im Herzen jederzeit; im Leben dieser Welt durch Deine Offenbarung.“
„Richtig! Und Ich enthülle dir: Bloß noch ein paar Jahre, und du sollst das Joch des treuen Knechtes tragen, selbst ein ‚Knecht in Meinem hohen Dienst‘. Sieh, Josua, Meine lieben Helfer, Knecht und Magd, müssen selbst geradestehn, wie Mose guten Sinnes sagte. Zu dem soll jeder seine Lampe leuchten lassen; und Ich sehe“, Gott zeigt auf jene wunderliche, die vor Josuas Füßen brennt, „deine leuchtet hell und rein.“
„Herr, das ergab ja Deine Gnade.“ „Schiebe Mir nicht alles in den Schuh“, lächelt Gott, „sonst stehst du arm und bloß vor Mir. Und das möchtest du doch nicht?“ „Nein — o nein! Könnte ich Dir wenigstens ein echtes Saatkorn bringen.“ „Das wird sich weisen, Perutam.“ Vor Glück erschauernd, beugt sich Josua, um Gottes Saum zu küssen. Der Herr hält ihn zurück.
„Hast du den Namen ‚Perutam‘ verstanden?“ „Nein, Herr, ich weiß nicht, wer das ist.“ „Gut, er bleibe also zugedeckt um deiner Demut willen, die du dir errungen hast. Dein Geist verspürte es, was Ich offenbarte. — Du hast zum dritten Mal den großen Ruf gehört und bist ihm innerlich und äußerlich gefolgt. Also sollst du Mose‘s rechte Schulter sein, ihn zu entlasten, der die Volkslast willig auf sich nahm, als wäre es die eigene. Wer so die fremden Schulden trägt, ist ein ‚lastenfreier Lastenträger‘; und was ein solcher trägt, braucht die Materie nicht abzugelten.
Du bist‘s auch, Mein Josua. Was an Erkenntnis fehlt, das ist kein Manko, ist nur der Rest von deinem Beihilfweg. Dieser ist ja erst beendet, wenn du einst — wie jeder Sendling bei der Heimkehr in das Sanktuarium kommst. Wird die Rückbringgabe auf den Heiligen Herd gelegt, dann erst ist das Maß erfüllt. Nun noch das, was dich nicht erschrecken soll.
Du hast deinetwegen Meine Gnade; vom Lichte ausgegangen, bist du fähig, diese Schau zu haben. Da du wie alle Helfer diesen Weg pur für den armen Hinsturz gehst — die Bilder, die sich folgern, siehst du jetzt —‚ so kannst du mit am Werke dienen. Ihr Treuen könnt die Schöpfungswunde waschen helfen; aber heilen, Josua, kann nur ICH!“ Das klingt heiligernst. Josua fühlt keine Welt um sich; er ist ihr entrückt (OJ. 1, 10).
„Warum wähle Ich die Nacht, dir zu begegnen? Sieh, wenn Menschen es auch nicht verstehen, daß nichts, vom Licht in die Materie reichend, des Symbols entbehrt, kannst du merken, daß in der Begegnung zwischen Mir und dir Besonderes geschieht. Stets ein Segen für die Treuen und ein Heilprozeß für unsere Lo-Ruhama (Hos. 1, 6), die sich selbst verlorene Tochter.
Nacht bedeutet im Zusammenhang mit einem Beihilfweg ‚Materie‘; erstens, weil die Helfer zu ihr niedersteigen, zweitens, weil sie ihr eigenes Licht nicht sehen. Und das darum, damit Satan Mir nicht vorzuhalten braucht, ‚es wäre leicht, mit des Lichtes Wissen eueren Weg zu wandern‘. Er tut es zwar, doch zu seinem Schaden. Deshalb wird zumeist das Licht gedeckt, um ihn weitgehendst an der Frevelei zu hindern.
Auch ICH trete in der Nacht des Abfalls auf. Wenn Ich als Mensch erscheine, wird die dünne Kerze am Verlöschen sein. Meine Liebe, jetzt der Tagesdominant, geht zur Sühne und Versöhnung wie aus Mir heraus. Nicht aber isoliert; sie kommt als SOHN, der die Sühne und Versöhnung in der letzten Phase übernimmt, aus dem dritten UR-Teil Meiner hohen Wesenheit, aus der Gott-Herzkammer.
Erhält ein Sendling eine dritte große Offenbarung — die kleineren gelten ihm allein —‚ so ist‘s jener Teil, der aus Meiner Sohnschaft die Materie überstrahlt. Ob angenommen oder nicht, mindert nicht den Einbruch in die Dunkelheit (OJ. 16, 15), mit dem ICH nehme, was dem Fremdling nicht gehört.
Nun fällt über dich ein Teil bis tief hinab ins Tal des Todes, des Verderbens. Jeder solcher Strahlen ist ein Fels, mit dem Ich die Materie ummauere. Du meinst, da käme sie doch nie heraus, wenn der Schöpfer sie ummauert; da gäbe es wohl ewig kein Entrinnen. Du hast sogar recht, muß Ich den Gedanken auch erst lenken. Siehe, keines soll entrinnen, keines sich verstecken (OJ. 6, 16), weil Ich mit der Sohnschaft alle retten will.
Für manche dauert‘s lang, wie dein Weg hierher (S. 128, 4), während er dir durch das Zeitempfinden der Materie kurz erschien. Eben in Verbindung mit der Sohnschaft warte Ich sehr lang, was bloß kein Untätigsein bedeutet.
Mein WARTEN ist die höchste Tatentfaltung für den Fall!
Zum nicht leichten Aufstieg gab die Führerin dir eine Lampe. Dir war er aber nicht sehr schwer. Wie kam denn das?“ Gott fängt die Hand, die sich abwehrend hebt. „Du willst Mir wieder etwas in die Schuhe schieben (S. 52, 3; 129, 6)! Was ihr tut, das bleibt ewig euer Teil, obgleich ohne Meinen Segen nichts erworben werden kann. Doch dieser, Josua, entfällt auf eines Kindes Rückverbindung; und davon weißt du ja Bescheid.
Jede Offenbarung führt zur Hochsymbolik Meines Empyreums. Das ist Oben! Nicht da“, lächelt Gott, als Josua das Firmament betrachtet. „OBEN ist Meine UR-Vollkommenheit, zu der eure Stufen führen. Dein Hügel sei noch klein, meinst du? O, wo immer die Getreuen weilen, im Reich, auf Austragswelten oder wieder heimgekehrt, da stehen sie auf ihrem Berge eigener Vollendung, die sich im Verlauf der Schöpfung weiterhin vollendet.
Kann Ich nicht aus Meinem Oben niedersteigen, um die Kinder zu besuchen, zu erfreuen, trösten, mahnen, wie es eben nötig ist? Du sagst freudig ‚ja‘! Dir ist dieser Berg nicht mehr so klein, er ist die Zeitempfindung, in der du augenblicklich stehst. Weit genug für einen Perutam, wenn er trotz der Nacht die Wächterin am Fuß des Berges stehen sieht.
Mein und ihr Licht leuchten weit hinaus; und auch deine Lampe ist dabei. Das heißt: In der Einigung mit Mir und deiner ‚Engelin‘, so von dir geprägt, überspannt dein Licht ein großes Dunkelstück, das Satanas dir in die Quere bringen will. Manches darf er tun, und du wirst es merken. Aber jede Untat nimmt von seinem Wesen etwas weg — zu seinem Heil.
Berge muß man ‚nehmen‘ können. Oft sind sie die vorgelegte Quere. Du bedenkst, ob dein Auge, was geistig zu verstehen ist, ungenügend war, weshalb du eine Lampe brauchtest. Nein! Um zu Mir zu kommen, hätte es derselben nicht bedurft, auch nicht einer Führerin. Aber Satan soll die Hilfe extra spüren. Das sind die ‚Anstoßpunkte‘, die er nicht umgehen kann. Doch das Hellerwerden deiner Lampe entfällt allein auf dich.
Du gingst hinter Mose her (S. 120, 7); galt es aber, seine Bürde zu erleichtern — sehr verdient, vom undankbaren Volk zu wenig dargebracht —‚ dann stelltest du dich in die Sperre. Darum und noch wegen vielem mehr habe ICH auf dich gewartet, hier auf dieser dunklen Welt, einst im Reiche, wenn du deine Garbe von dem Schöpfungsfeld nach Hause bringst. — Wenn du noch andere Bedenken hast, so kannst du sie jetzt vor Mich bringen.“
Josua weiß nicht, was im Reiche oft geschah: er lehnt sich an des Vaters Brust. „Herr, darf ich VATER sagen?“ „Wenn Ich‘s dir bin, so ist‘s auch Meine Freude.“ „O, ich dachte . . .“ „Meine Freude ist der Kinder Seligkeit!“ „Gewiß, Vater; Du schaffst Dir Deine Freude aber durch die Werke.“ „Und — ? Sind Meine Kinder nicht Mein Werk?“ „Ich will Dir viele Freude machen, so gut ich es auf dieser armen Welt vermag, geliebter Vater.“ „Das läßt sich hören, ist auch für das Empyreum reif. Nun sprich.“
„Warum wurde Mirjam gestraft? Es lag an Aaron, weil er ihre Zunge nicht erzieht. Er tutet immer in ihr Horn; oft gegen Mose. Nun ist sie ausgestoßen vor dem ganzen Volk, Aaron aber schontest Du. Das verstehe ich nicht ganz.“
„Nicht sehr schwer. Solange Mirjam ihre Strafe trägt, hat Aaron keine Geistesschau. ICH bin von ihm gegangen, Josua, was schwerer wiegt. Ich habe ihn jetzt ‚ausgesetzt‘, von Mir entfernt. Er wollte Mose kränken und Mir Vorschrift machen, wen Ich auf den Volksstuhl setzen müsse.
Dafür gab Ich Mose neue Kraft, bin zu dir gekommen und setze dich auf seinen Stuhl im Israel der Welt. Offen soll es Mose tun. Wenn Ich jemanden den Rücken kehre — zwar nur zu seinem Heile, nicht für immer —‚ so hat derselbe sehr viel aufzuholen. Der Mensch nennt‘s Strafe; Ich nenne es Erziehung, die stets heilsam ist. Es war keine Ungerechtigkeit Mirjam gegenüber.“
„Herr!“ entsetzt sich Josua, „ich meinte nicht, daß . . .“ „Schon gut. Menschlich lag es nahe, so zu denken. Merke aber das: Mein Name heißt GERECHTIGKEIT!“ Josua atmet wie befreit. „Jederlei ist Deine Führung! Vater, Du hast es zugelassen, daß Aaron und sein Weib sich widerlich benahmen und hattest sie mit Gnade überhäuft, — wie mich auch. Aber in der Zulassung hat sich‘s gezeigt, daß Du alle Dinge dienstbar machst, obendrein zum besten jedes Kindes. Ewig Dank sei Dir, o Vater, dargebracht!“
„Was bedenkst du noch?“ „Warum Mose nicht zugegen ist. Er konnte mir die Gnadenfülle tragen helfen; Du gabst zuviel.“ „Das ist Meine Sache! Oder nicht?“ „Ja, gewiß, nur bekümmert mich, weil er diese Heilsnacht nicht erlebt.“
„Er erlebt sie mit und freut sich, daß Ich dich gerufen habe. Mit der Zulassung und Führung hast du recht. Ich lasse Satans Querholz zu; ungut wäre, wenn man ‚Führung‘ dazu sagt. Hingegen das: Ich führe jeden Dienenden über Satans Querholz weg, wenn auch manchmal einer strauchelt. Dann erst recht!“
„Wieder Deine große Güte! Nun noch wegen meiner Führerin. Es war mir neu, daß es solche gibt. Bei kleinem habe ich‘s den Berg herauf erkannt.“ „Welches?“ „Daß Deine Töchter Deinen Söhnen ebenbürtig sind. Ich merke das mir gut: Dein Name ist Gerechtigkeit! Du hast den einen Kindesteil aus Deiner rechten, den andern aus der linken Hand geschaffen; beide sind es Deine Hände. Bloß meinte ich, daß ein Mann den männlichen, eine Frau den weiblichen Beschützerengel hätte.“
„Zumeist“, belehrt der Herr. „Geistig hast du es erkannt, sonst wärest du nicht auf das ‚Engelin‘ gekommen, was weltlich dennoch richtig ist.“ „Neben Dir, mein guter Vater, wird mir leicht, zur Erkenntnis vorzudringen. Ich kam mit jungen Jahren aus der Tyrannei Ägyptens, doch der Leute Leid war mir wie eine eigene Last. Mein Vater trug sie auch.“
„Dafür wurde er samt seinem ganzen Hause reich gesegnet.“ „Noch eines, Vater: Im Empyreum sind die Kinder wie in einer Ehe auf der Welt verbunden. Allein — dort leben sie in höchster Harmonie. Ich dachte, man bliebe auch auf einem Weltenweg vereint. In vielen Ehen aber gibt es Zank und Streit. Wären sie vom Lichte her geeint, so gäbe es das nicht. Gehören meine Führerin und ich zusammen? Doch ob so, ob anders, ich anerkenne ihre Führung; denn du, o Vater, hast es so bestimmt.“
„Daran tust du recht. Allgemein stehen die Betreuer immer höher als ein Schützling, weil erstere mit ihrer Lichtkraft wirken, die letzteren durch die materielle Last behindert sind. In deinem Falle — wie in manchem andern auch — stehst du mit der Führerin auf einer Stufe. Ihr seid, obzwar nicht ehelich, im Licht geeint Sie gehört zum Ring der Wächter-Engel. Erkennen solltest du den Knecht, die Magd: beide Meine Kinder.
Den ‚Anstoß‘ konntest du schon vorher wissen, als Ich Meinen Sohn bei seinem Himmelsnamen nannte.“ „Wen?“ fragt Josua. „Der an Meiner Seite sitzt“, lächelt Gott. „Hattest Du denn mich gemeint? Und was bedeutet Perutam?“ „Deine Beugung läßt nicht zu, anzunehmen, was dir vom Himmel her gehört. Für den Erdenweg nach Meinem Sinn! Doch während einer Offenbarung rückt ein Kind vom Weltweg ab und braucht dann Satan nicht zu dienen. Was diesem dabei trotzdem hilft, geht wieder nur durch Meine Hände.
Meines Wächter-Engels Name nehme Ich nun wieder mit, weil wir für diese Nacht jetzt ausgeredet haben.“ „Schon?“ Josua erglüht. „Nenne mich nicht unbescheiden, lieber Vater; aber bei Dir bleiben dürfen wie in dieser für mich hehren Nacht — — ach treuer Hüter, heiliger Hort, lasse mich in Deinem Herzen sein! Denn irdisch —“ Den Seufzer trägt der Nachtwind weg.
„Sei getrost, Mein Sohn! Es ist für unsere weltverlorene Tochter besser, im zugedeckten Licht zu helfen, womit ihre Heimkehr zubereitet wird. — Streue Meinen Segen aus, der dir jetzt zuteil geworden ist.“ „Ja, Herr; und laß mich waschen helfen, was Du Selber heilen mußt. Heile bitte meine Seele mit.“
„Diese Nacht hat alles ausgelöscht; gehe hin in Frieden!“ Josua hebt seine Lampe hoch, dieses wundersame Licht. Ob er sie behalten darf? Den Berg hinab kommt ihm ein Lied in seinen Geist:
‚Zu Dir, o Herr, steht immer mein Verlangen,
zu Dir, o Vater, will ich allzeit gehn;
und mitten in der Welt, in allem Bangen,
wirst Du, o Ewiger, an meiner Seite stehn!‘
Die ‚liebe Engelin‘ nimmt ihn bei der Hand. Josua dankt ihr wortlos, innig, mit der Bitte: ‚Führe mich im Maße deines Lichts.‘ Sie sagt, am Lager angekommen: „Ich bin bei dir gewesen, seitdem man dich ins Wiegbett legte. Und ich bleibe neben dir, das gehört zum Beihilfweg: zu dem meinen. Was wir aus dem Lichte tun, vor- und hinterher, ist ein Auftakt und Beschluß.“ Noch ein Händedruck — — das Licht enteilt — für das äußerliche Auge.
Josua steht sinnend da, bis ein Hüter ihn bemerkt. Die Oberen sind nachts mitunter draußen, wenn Gottes Hüttenfeuer niederloht. Doch allein — ? „Herr“, ruft er ihn leise an, „wo kommst du her?“ Eilig öffnet er das Tor. Josua sieht hoch. Ach ja: wo kommt er her — ? wo ist sein Bleiben — ? wo geht er hin? — Weil es ein treuer Hüter ist, gibt Josua Bescheid:
„GOTT hatte mich gerufen; nur Mose soll es wissen.“ Der Mann legt einen Finger auf die Lippen und leuchtet Josua den Weg entlang. Im Zelt dann angekommen, steigt abermals der Dank aus seines Geistes Inbrunst hoch. Der Osten rötet sich, als Josua zu Mose geht. Die Hüter grüßen: „Der Herr Mose steht gerade auf.“ „Ist gut.“ Josua läßt ich auf den Sitz der Wächter nieder.
Nicht lange, da winkt Mose ihn herein. „Sage nichts“, fängt er gleich an, „ich habe alles miterlebt. Glücklich bin ich, daß die Wahl, die dich betreffen soll, auch Gottes Wille ist. Obgleich es noch ein Weilchen dauert“, auch ein kleiner Seufzer, „soll nun das Volk allmählich wissen, daß du nach mir sein Führer wirst — für die Welt.“
„Das hat lange Zeit! Erst führst du uns nach Kanaan und . . .“ Mose beschattet sein Gesicht, lächelt aber wieder als der alte Kämpfer. „Wie dem auch werde —‚ Israel soll dich anerkennen. Du weißt mit Leuten, die den bösen Kindern ähneln, besser als ich umzugehen. Du bist ausgeglichen, während ich . . .“ „Halte ein!“ Josua läuft auf und ab. „Dein Vergleich ist ungerecht. Nein“, wehrt er ab, als Mose etwas sagen will, „nicht gegen Gott; gegen dich, Vater Mose, bis du ungerecht.
Im unerschütterlichen Glauben an den dir damals unsichtbaren Gott standest du vor Pharao, führtest du das Volk vom Nil, mit ungeheurer Anspannung des Geistes und des Körpers nunmehr dreißig Jahre durch die Wüste! Alles lud man auf dir ab — auch den größten Dreck!“ Josua wischt sich die Stirn, sie ist tropfnaß. „Gott sprach zwar von der Beugung, die Ihm wohlgefällt; aber das ist nicht gemeint, daß du dich vor mir erniedrigst, wo ich noch so viel zu lernen habe, — von dir, Gottes gutem Knecht!“
„Es sei bewendet.“ Mose strafft sich wieder. „Ich handele öfter unerbittlich, sonst verderben mir die armen Schafe in der Wüste.“ Mitleid zittert durch die alte Stimme. „Du wirst auch noch strenger handeln, hast du — wie ich — die Last zu schleppen.“ Josua steigt ein Gedanke auf:
„Wenn du meinst, daß man zwischen dir und mir Vergleiche zieht, du wärest streng, während ich — Ah, da fahre ich dazwischen! Dich soll keiner mehr . . .“ „Wie sprach GOTT zu dir, mein Sohn?“ „Habe auch Geduld mit denen, die sich schwer von der Materie lösen lassen‘ (S. 126, 4).“ „Siehst du“, sagt Mose weich, „hinterher haben sie ja stets ihr Unrecht eingesehen.“
„Hinterher! Das wurmt! Die Alten wollen alles besser wissen, bei der Jugend . . .“ „. . . drücken wir ein Auge zu“, lächelt Mose. Josua sieht verwundert drein. Noch ein feines Lachen: „Gnade und die Bürde dieser Welt eigneten sich nicht zum Freuen?“ Plötzlich wieder hoher Ernst:
„Diese hehre Nacht hat mich entlastet. Ich weiß uns unter Gottes treuer Hut und Israel in guter Hand, vom Herrn gelenkt, wenn ich gehen darf. Soll das meinen Geist nicht fröhlich machen? und meine Seele nicht erheitern? Du bist vorbestimmt für diese Zeit.“ „Habe Dank, Vater Mose. In einer Stunde bin ich wieder da. Aaron wollte zu dir kommen.“
Mit festem Vorsatz wendet Josua sich seinem Zelte zu, nicht das ‚Querholz‘ ahnend, das Gott angedeutet hatte. Heimgekommen, treten ein paar Männer vor ihn hin. „Wir wollen mit dir reden“, sagt der Erste. „So früh? Hat das nicht Zeit?“ „Ein Übel schiebt man nicht auf eine lange Bank!“ So der Zweite mürrisch. „Aha!“ Josua winkt ins Zelt hinein.
„Also was?“ Der Erste fragt: „Warum wurden Aaron und sein Weib geschlagen?“ „Das ist Gottes Sache“, sagt Josua. „Gott?“ höhnt der Dritte. „Wir wissen, wer die ‚Wunder‘ tut!“ „Wenn ihr es wißt, ist das Gerede zu beenden.“ Josua verhärtet sich. Wieder soll es gegen Mose gehen, diese — — Einer zürnt: „Schlägt Gott den, der von der Wahrheit zeugt?“
„Welche?“ Josua fängt langsam an zu glühen. Heute sollen sich die Lästermäuler ducken. Der Vierte zankt: „Aaron ist vor allem Volk geachtet, hochbetagt, und seine Söhne sind die besten Priester. Er ist immer gut, wenn wir manchmal — — Die harte Wüste hat uns hart gemacht, das merke dir, der du Aaron auf die Seite drängst, um wie der Alte auch, der zu nichts mehr taugt, uns zu quälen, uns zu schikanieren. Das Wunder kommt aus Mose‘s hartem Kopf. Gelte also Härte gegen Härte!“
„Noch etwas?“ Die kurzen Fragen nehmen den fünf Männern förmlich den Verstand. Der Fünfte ahmt die Frage höhnisch nach. „Das wäre schon genug! Nachdem Mose Aarons Geist verschlossen hat, wir ohne ihn kein echtes Gotteswort erhalten, habt ihr, du und Mose, euere Spießgesellen ausgeschickt, an den Grenzen Kanaans her umzuhorchen (4. Mo. K. 13). Selber habt ihr euch in euer Zelt verkrochen; man sah euch ein paar Tage nicht.“
„Nachts“, fällt ein anderer ein, „warst du fern des Lagers. Wer weiß wo? Nur dem Alten hast du es rasch zugetragen. Wir fingen eure Kundschaft ab; nutzlos, uns was vorzuschwärmen. Der Wüstenzug war ganz umsonst, wir kommen nicht nach Kanaan.“ Josua verschafft sich mit Gewalt Gehör:
„Seid ihr fertig? Gottes guten Knecht zu verteidigen, hieße GOTT lästern! Möglich, daß ihr nicht“, er tippt die fünfe an, „den Jordan seht, wenn — der Herr euch vorher abberuft!“ „Du kannst Mose nicht verteidigen!“ ruft einer hitzig. „Sehr wahr! aber anders, als ihr meint! Trollt euch nun, ihr seid widerlich geworden! Man sollte euch — —“ Josua verhält.
‚Sind es nicht die Armen, die noch nie im Heiligtume standen? aus der Tiefe aufgestiegen, daß sie nun errettet würden?‘ ‚Herr, mein Hügel ist vergangen, meine Lampe ist verlöscht‘. ‚Nein, Josua; wäre Ich nicht Gott, Mir könnte gleichfalls übel werden dieser Lügner wegen, die ein Querholz vor dir sind!‘ ‚Was soll ich tun?‘ ‚Handele nach deinem Herzen, und du handelst recht.‘
Es wäre falsch, die Lügner merkten ‚Gottes Wort‘. Aber von der Gnade sollen sie den Anteil haben. Josua wendet sich den Männern wieder zu: „Kommt abends her, nicht aber ohne eure Fürsten; dann wollen wir den Vorwurf klären, den ihr vorzubringen wagtet.“ Die Männer traten fordernd ein, kleinlaut schleichen sie hinaus. — Es wird Abend.
Fünf Fürsten und die Männer treten ein. Eljasaph, der Fürst von Gad, ist zornig. Er sagt als Erster: „Josua, du weißt, wie ich zu Mose stehe, und zu dir. Die Widersinnigen . . .“ Freundlich schneidet Josua die Rede ab: „Laß sie sprechen, lieber Fürst; es wird sich weisen, wer die Suppe löffeln muß.“ Er schenkt den Männern Wein in ihre Becher. Eine seltene Labe.
„Wir lassen uns mit deinem Wein nicht fangen“, reizt Judas Fürst Nahesson. Trotzdem leert er ihn in einem Zug. Ein Lachen: „Wenn er dir nur schmeckt.“ „Du lachst, Josua? Wir sind wegen ernster Dinge da.“ „Ich weiß, Fürst Gamliel.“ Der Fürst von Dan, Ahi-Eser, sagt erbost: „Denke nicht, du kannst uns unter deine Felle reden! Wenn Mose das nicht schlichtet, gibt es Rebellion!“ „Nach deiner Weise nicht!“ fällt Eljasaph rasch ein. „Ihr seid nur neun Männer, aber hinter euch stehn eure Stämme. Und Gad habt ihr verführt!“ Erbittert hebt er eine Faust.
Josua fängt sie ein. „Wir schenken uns das Drohen; die Abrechnung besorgt der Herr!“ Fürst Elisama keift: „Die besorgt der Zauberer vom Nil!“ „Möglich! Euch Fürsten gegenüber will ich Gottes Knecht verteidigen, da „Uns gegenüber nicht?“ erhitzt sich der Gaditer Mann. „Schweig!“ gebietet Eljasaph, „für den Stamm rede ich, sein Fürst!“ Fast käme es zum Handgemenge.
Josuas kräftige Gestalt reckt sich gebieterisch, daß sich sogar die Fürsten ducken. „Machen wir es kurz! Ich will des Volkes wegen euer Lügennetz zerreißen. Ihr wißt, um was es geht, seid aber viel zu feig, es einzusehen.“ „Du nennst uns feig?“ Nahesson ist seiner kaum mehr mächtig.
„Ich spreche!“ Josua hebt die Hand. „Duldet ihr das nicht — bitte sehr, ihr könnt gehen.“ Man bleibt hocken. „Ihr brachtet vor, Mose hätte Aaron und die Frau geschlagen. Zur gegebenen Stunde wird der Herr die Wahrheit offenbaren.“ Josua setzt sich wieder, seine Ruhe verfehlt die Wirkung nicht.
„Aaron sagte, Mose‘s Weib sei eine Mohrin. Ihr wißt es, daß sein Schwiegervater Jethro der Midianiter Priester war (2. Mo. 3, 1), diese nur durch Sonneneinfluß dunkler sind als wir, also keine Neger wie vom fernen Afrika, und wißt, daß gerade Jethro noch genau die Lehre Abrahams befolgte, genauer jedenfalls als ihr; vom Goldenen Kalbe ganz zu schweigen.“
Gamliel wagt: „Verjährt; Mose war ja vierzig Tage mit dir auf dem Berg; alle dachten, Gottes Feuer hätte euch verzehrt.“ „Um ihrer oder eurer Sünden willen?“ fragt Eljasaph sehr scharf. „So meinte ich es nicht“, weicht Gamliel aus. „Jeder hatte Angst, ohne Mose könne man nicht weiterziehen.“
„Halte diese Ansicht fest, Gamliel, wir reden dann darüber. — Die Mohrin wäre glücklich ausgewetzt. Zudem sind alle Menschen Gottes Kinder; ER hat sie gemacht! Also braucht sich niemand über andere zu erheben. Manche Fürsten nahmen niedere Ägypterinnen auf. Hat Mose dir das schon mal vorgehalten?“ Josua sieht Elisama an, dessen Weib eine Mischung ist.
„Wenn obendrein die Tochter Jethros frommen Glaubens war, wie im Haus des Patriarchen üblich, durfte Aaron sie nicht schmähen. Ist jedoch das Goldene Kalb verjährt, dann Mose‘s Ehe mit Zippora, die zudem verstorben ist, weit mehr. Oder nicht?“ Man schweigt. Bloß Eljasaph nickt Bestätigung.
„Wurde er gekränkt“, fährt Josua fort, „stand GOTT es zu, Aaron zu bestrafen. Zu dem ‚Mose tut die Wunder‘, sage ich von Herzen ‚ja‘, aus Gottes Kraft, die ihn erfüllt. Für jene, einst vor Pharao getan, Wasser in der Wüste, Man-hu und die Wachteln, all die Hilfe bei den schlimmen Dingen, vom Wüstenweg hervorgerufen . . .“ „Eben!“ ruft Nahesson dazwischen, „. . . habt ihr Mose“, Josua übergeht den Hohn, „nie einmal gedankt!
Elisama meint zwar jetzt, Gott allein gebührt Dank. Wenn Er fragt, ob du ihm dankst? Ich fragte Ihn, warum Mirjam ihre Strafe offen tragen müsse, Aaron aber nur geheim. Er sprach: ‚ICH bin von ihm gegangen’ “; das ‚was schwerer wiegt‘, läßt er aus. „ICH habe ihn jetzt ausgesetzt, von Mir entfernt. Er wollte Mose kränken und Mir eine Vorschrift machen, wen Ich auf den Regimentsstuhl setzen müsse‘ (S. 132, 5).“ „Wann sprach der Herr mit dir?“ fragt Eljasaph ergriffen.
„Heute Nacht.“ Noch ist Josua überwältigt von der Gnade, die ihm widerfahren war. „Aarons wegen wollte ich gern schweigen; doch man warf mir vor, ich triebe außerhalb des Lagers Heimlichkeiten.“ Die Männer beugen sich bedrückt. Unabweisbar — hinter Josua steht ein Licht. Der sagt weiter: „Auch Mose hat es geistig mit erlebt. Hier sei gleich vermerkt:
Man bekrittelte, er hätte lang im Zelt verbracht, während Männer Kundschaft holen sollten. Ihr wißt, daß Mose kränkelt. Gnädig ließ der Herr ihn ruhen. Das übervolle Herz trieb mich zu ihm, was böse ausgedeutet wurde. Von Aaron heißt es plötzlich, er brächte euch das echte Gotteswort. Was nach der Episode mit dem Goldenen Kalb geschah, sei kurz erwähnt.
Was zum Götzen Kalb geopfert wurde, hat GOTT durch Seinen Knecht (2. Mo. 32, 3-20) verweht. Der Herr erhöhte Aaron; aber er und seine Söhne Abihu und Nadab gingen um des Volkes Bart. Mose hatte Eleasar und Ithamar erzogen; und ihr habt bekannt, sie wären euere besten Priester. Mose hatte Aaron vor der Wut des Volks geschützt, weil alles Gold verloren ging.
Aaron verklagte Israel, es hätte ihn gezwungen, sagte aber: ‚Das sind deine Götter, die dich aus Ägypten führen‘ (2. Mo. 32, 4 u. 22). Mir sagte er, damals wäre ich ein Bub gewesen, als er vor Pharao reden mußte, weil Mose es nicht konnte. Sicher war ich damals noch ein jüngerer Mann.“
„Das war doch nicht bös gemeint“, sucht Ahi-Eser einzudämmen. „Du verzerrst sein gutes Wesen. Dich und Mose kann man achten, aber niemals lieben, weil ihr so unnachsichtig seid.“ „Möglich!“ Josua bleibt gelassen. „Ob ich verzerre, wird der HERR euch sagen.“ Das Licht hinter Josua, von ihm selber unbemerkt, nimmt zu. Eine Hand reckt sich über seinem Haupte aus. Wie von einem Menschen hört man Gottes Stimme:
„Ich zerschlage eure Lüge! Josua ist zum Ärmsten gut und habt ihr oft gesagt: ‚Mit Josua läßt sich‘s besser an als mit Mose.‘ Er tut es aus freundlichem Gemüt. Sagt jetzt aber nicht, ICH hätte ihn vor Mose nun erhoben! O, ihr zerbrecht die Auserwählung nicht, die aus Meinem Willen kommt! Aaron handelt aus Berechnung, daß man mit ihm am besten führe, statt mit dem auch oft strengen Josua oder gar mit dem ‚Rüger‘ Mose. Die Lüge sei zerschellt! Ihr wollt es, Mose soll den Wunderstab aus seinen Händen legen, oder ihr macht — wie schon öfter — Rebellion.
Rebelliert“, erhöht sich Gottes Stimme, „und vermerkt, daß auch der Himmel rebelliert — gegen euch! Ich strafte Aaron nicht; Ich zeigte bloß, wes Hände über Mose sind. — Alles Weitere wird Josua verkünden.“ Eine zeitlang bleibt die Lichthand sichtbar. Eljasaph warf sich auf die Knie; die andern, leicht gebeugt, sahen scheu zur Offenbarung hin. — Das Licht vergeht.
Josua dankt still, weil Gott das böse Wetter wendete. Dem Lichte hingegeben, sagt er freundlich: „Gamliel verriet, alle hätten sich geängstigt, wenn man ohne Mose hätte weiterwandern müssen. O, warum wollt ihr heute ihm den ‚Stab der Führung nehmen, den der HERR nur wiedernimmt? wenn er heimberufen wird? Vielleicht werdet ihr dann weinen und nach Mose schreien; vielleicht —“ Josua zögert, selbst vom inneren Bild bedrückt.
„Wollte Aaron Führer werden, weil Gottes Feuer Seinen Knecht und mich verschlang, weshalb Aaron diesen Götzen schuf, dann brauchte niemand zu verzagen. Übrigens war das Symbol bekannt: Das Kalb ist ein unvernünftiges Tier; so unvernünftig wäre Israel vom sicheren Nil vertrieben worden.
Es hieß auch: ‚Mose hat uns falsch geführt, voll Unvernunft das Obdach weggenommen und uns der Wüste preisgegeben. Nur Tiere laufen aus der Angst in die Gefahr hinein, vor der sie fliehen. Das Gold war der Verspruch, Israel nach Kanaan zu bringen. Mose sah, daß die Wüste uns verschlingen würde, darum hat er dann das Kalb samt Gold zerstört.“
Josua beendet das Gespräch. „Dreißig Jahre dient er uns. Trotz der Wüste ist das Volk gewachsen und bisher bewahrt. Nie wird es wieder eine solche Wüsten-, solche ‚Gnadenstraße‘ geben, vierzig Jahre lang — wie Gott es vorgesehen hat, in der ein ganzes Volk aus aller Not gerettet wird.
Es starben Alte, Kranke und auch Kinder. Wo ginge wohl der Tod an uns vorbei?! Die ganze Welt gleicht einer Wüste, weil vielen die Erkenntnis fehlt. Erkennt ihr Gottes Güte an, so erfüllt sich auch der vierte Wanderzehnt; und Kanaan, als Symbol des Gottesreiches für die Welt, wird Israel die Tore öffnen.“ Josua gibt jedem seine Hand. Sie wird genommen, aus dem ‚Überdruck der Offenbarung‘, wie es Ahi-Eser später nennt.
Eljasaph, zurückgeblieben, umarmt Josua. „Ich wußte es, daß Gott dich ausersehen hat, wenn — daß — —“ Nach einer Weile: „Ob Mose vorher, ehe wir — —“ Josua hat diese Möglichkeit bisher von sich gewiesen. Jetzt sagt auch er bedrückt: „Wir wollen flehen, daß er uns erhalten bleibt.“ —
Der Fürst geht nachts zu Aaron, ihm das ‚Geheime Gotteswort‘ zu bringen. „Es bleibt unter uns, die Achtung vor dem Volke ist zu wahren. Nicht etwa der Schwätzer wegen soll‘s geschehen“, er meint die neun Männer. „Das war eine Kampfansage gegen Mose. Was hat er dir denn angetan? Er erhöhte dich vor Gott und Israel, trotzdem du manches — du weißt es selbst. Stelle dich auf seine Seite und — du stehst bei Gott!“
Aaron kämpft mit sich. Umkehr ist nicht leicht. Würde man nicht tuscheln, wenn er — Aaron — sich auf einmal hinter Mose stellt? und hinter Josua? Da zeigt sich ihm ein Stundensand. Sollen seine Tage abgelaufen sein — ? Und Mirjam? Muß er nicht auch ihretwegen sich besinnen? Die viele Gnade, trotz Goldenem Kalbe ihm geworden — ach ja, man müßte sich — —
„Ich machte manches falsch“, beginnt er leise, „der Wüstenweg trug vieles dazu bei . . .“ „O Aaron“, sagt Eljasaph, „wenden wir uns um, zu Gott, so sollen wir nie nach Entschuldigungen suchen. Damit hemmen wir den Fuß zum Heil.“ Noch ein kleiner Kampf — Aaron gibt Eljasaph die Hand. Die Lippen bleiben stumm, nur die Augen sprechen das Bekenntnis aus. Der Fürst erhebt sich still. Auf dem Weg zurück zum Zelte sieht er dankbar zu den Sternen hoch. „O Herr, Dein Sieg ist es gewesen!“ —
Aaron betet an der Gotteshütte, für Mirjams Heilung. Mose wartet ab, bis jener selber kommt. Die Morgensonne flutet golden über das Gezelt. Da bringt der Arzt die Frau zur Gotteshütte, selber wie erlöst. „Aaron, Aaron, führe sie zu Mose; sie ist geheilt! An etlichen erfüllte sich das gleiche Wunder.“ O Gott! Er springt vom Steinsitz hoch.
„Gesund — ?“ Ungläubig starrt er drein, trotz Hoffnung, Gott möge an sie beide denken. Er kniet sich hin, ein Tränenbach rinnt in den Sand. Der Arzt berührt ihn sanft: „Aaron, du bist gerechtfertigt vor dem Herrn; und sieh — wenn du mit Mose Hand in Hand vor Israel erscheinst, werden sich die andern auch bekehren.“ Da begibt sich Aaron rasch ins Lager. Wie ein Lauffeuer verbreitet sich die Mär: ‚Mirjam ist gesund geworden!‘ —
Um diese Zeit weilt Josua bei Mose. Er erzählt von dem Abend mit den Fürsten und den Männern. Mose sagt sinnend: „Die Wüste hat sie so verhärtet, sie haben recht. Ich möchte weiterziehn, mindestens bis Kades und nachher ohne große Pausen ostwärts, damit die Murrer merken: Gott öffnet Kanaan.“
„Ohne Aaron? Der geht nicht mit, bleibt Mirjam ausgestoßen.“ Mose seufzt: „Die Last hört nimmer auf. Der Herr sprach nur von sieben Tagen; heute ist der achte.“ „Heute heilt Er sie und Aaron.“ „Seine Seele?“ „Ja!“ Da erklingt am Zelt der Bronzeteller. „Siehe bitte nach.“ Mose ist noch von der Krankheit müde. Herein treten Aaron und sein Weib. Freude über die Genesung, Reue Mose gegenüber lassen Mirjam heftig weinen.
Mose zieht sie an sein Herz. „O Tochter, weine nicht! Gott hat dich gesegnet! Wir verlassen heute noch den Ort. Wie dieser hinter uns versinken soll, so auch alles Übel.“ „Mose!“ Aaron wirft sich nieder. „Nicht!“ Josua hebt ihn auf. „Es ist dein guter Wille. Doch gibst du uns die echte Bruderhand, dann hast du besseres getan, als einen Schuh zu küssen.“
„Das soll gelten!“ Mose‘s manchmal müde Augen flammen hell; ihm glitzern Tränen auf den Wangen. „Noch heute stehn wir Hand in Hand vor Israel und wollen alles tun, das Volk zu schonen.“ „Ich habe es längst eingesehen, Mose“, erwidert Aaron zitternd, „dachte aber, es sei ungut, vor der Masse sich zu wenden. Von nun an will ich bei dir stehen, auch bei dir, Josua; denn —“ Ein kurzes Zögern: „Fürst Eljasaph ist bei mir gewesen.“
„Er sprach mit dir?“ fragt Josua. Aaron nickt. „Er hat es mir so leicht gemacht und will schweigen.“ „Wir auch!“ ruft Mose herzlich aus. Fast wirft ihn diese große Freude um, sein Herz ist schwach geworden; doch aus seines Geistes Kraft geht er mit Josua und Aaron durch das Lager. — —
Josua steckt bei Kades in der Wüste Sin das Lager ab und schlägt sich bis nach Edom durch, westlich vom Tel Araba. Indessen murren welche: „Er ist ausgerissen!“ Fürst Pagiel hört ihr Brummen. „Wäre er geblieben“, sagt er stählern, „ginge eure Rede um: ‚Seht an, wie feige er sich drückt!“ Priester Ithamar, mit hinzugetreten, sagt sanfter: „Verkauft ihr eure Seelen an den Asmodi? Wer soll euch erlösen?
‚Du sollst kein falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten!‘ (2. Mo. 20, 16)
Ihr achtet die Gebote nicht; aber Gottes Segen wollt ihr haben und das Land, das Er dem Patriarchen gab!“ Vor Ithamar duckt man sich in echter Scham, vor Mose nur aus purer Angst; und gerade er hätte anderes verdient. Josua wird recht behalten: man wird nach seinem Heimgang weinen. — —
Kades wird verlassen, nachdem Aaron einen grünen Stab erhielt und Mirjam begraben wurde (4. Mo, K. 17 u. 20). Da jagt Josua von Edom her, staubbedeckt. Sein Ernst löscht die Freude der Getreuen, drückt den Haß der Ungetreuen aus. Er gibt auf keine Fragen Antwort, sondern stürmt in Mose‘s Zelt.
„Er will nicht“, sagt er erschöpft. „Konntest du mit Edoms König reden?“ „Ja, über den Tel Araba hinweg. Er schwur, er würde Israel vertilgen.“ Mose geht ein paarmal hin und her. Wie gern ginge er zur Gotteshütte, um sich Rat zu holen. Er möchte, wie so oft, kein Blut vergießen, auch wenn man ihn herausgefordert hat. Aber soll er wegen jeder Sache Gott im Ohre liegen? Hat er nicht aus Seinem Geist den Geist empfangen? — ?
„Edom wollen wir nicht schlagen; Israel wird es als Freund noch brauchen — später. Reite morgen bis nach Elath; wir umgehen Edoms Grenzen. Nimm geübte Wegesucher, und von Elath ab bereite uns die Lagerstätten bis zum Flusse Arnon vor, der — wie bekannt — die Grenze zwischen Moab und den Amoritern ist. Dort soll Israel noch einmal länger rasten. Komme mir entgegen, Josua, wie — wie du vom Herrn zu mir gekommen bist.“
Josua erwidert: „Du bist vor mir gekommen, von Gott gesandt zum Volke, das im Finstern wandelt (Jes. 9, 1). Deine Fackel sollte lange leuchten, bis du dahin gehst, von wo du ausgegangen bist.“ „ja! Aus GOTT ist unser Kommen; Seine Güte gibt das Bleiben; in Seine Gnade mündet unser Gehen, heim ins Reich.“ Da hören alle, die versammelt sind, die Stimme Gottes:
„Aus MIR gekommen, den Weg erfüllt und zu Mir zurückgelangt, ist Meine Lichtwahrheit! Ich öffnete dem Volk des Lichts den Weg zu den Verirrten, um sie heimzuholen, wie Ich als Symbol euch noch nach Kanaan geleite. Das ist Mein Zeichen ewiger Erbarmung. Ihr wisset es, um was es geht. Ich tröste euch!“
O, die gute Stimme! Wenn man immer Herz und Ohren für sie offen hielte, wenn — — Mit dem Hinweis auf das Gnadenwort bespricht man ihren Weiterzug. Anderntags verläßt Josua das Lager wieder. Mose sendet für die einzelnen Etappen treue Männergruppen nach, die die Bastionen halten sollen.
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Die vierzig Jahre runden sich. Doch noch immer ist das Volk der alten neuen Heimat fern: alt vom Patriarchen her; neu, weil man es erwerben muß. Man hat den kleinen Arnon überschritten. Das Lager liegt zwischen Dibon und dem Orte Aroer, ein Gebiet der Moabiter. Bis zum Jordan gegenüber Jericho kundschaftend vorgestoßen, kehrt Josua zurück. Man atmet auf. — — Aber dann — die letzte Meuterei[VH46], kurz vor Mose‘s Tod, hat Josua zutiefst empört. Mit Gewalt bedenkt er Gottes Wort: ‚Sind es nicht die Armen, die noch nie im Heiligtume standen? aus der Tiefe aufgestiegen, daß sie nun errettet würden?‘ (S. 137, 2) Allein — das Schwert des Patriarchen nimmt er fest in seine rechte Faust — aus Gottes Macht. — —
Mose hat das letzte Wort ans Volk gesprochen, das der HEILIGE durch seinen Mund geredet hat. Und jetzt — jetzt merkt man, was die Glocke schlägt. Außerhalb des Lagers, also fern der Welt, hingegen nahe bei der Gotteshütte, nahe an das Licht gerückt, erfolgt durch den getreuen Ordnungsträger, Cherub Uraniel, die gute Lehre ewiger Erbarmung. Noch lebt das Volk auf dieser Welt und wird — auch als Symbol — wieder in den Lagerwall zurückgeschickt. In Gottes Hütte, von ihm Selbst gestiftet, als Seiner Liebe Obhut, bleiben Mose und Josua zurück.
Im ‚ARIEL‘ leuchtet Gottes Lohe. Schon sieht Mose sich im hohen Sanktuarium, das Heimbringgut in Gottes Hände legend. Josua erkennt es auch. Ergriffen und verwir
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