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4. Teil — U R – der Ewig-Heilige, der Ewig-Einzige und Wahrhaftige

4 — Auf der Bahn

4. Teil   —   U R – der Ewig-Heilige, der Ewig-Einzige und Wahrhaftige

AUF DER BAHN . . .

. . . daß sie Deine Kinder von ferne herzubringen samt ihrem Silber und Gold. Jes. 60, 9

Welch ein Licht! Oder sind noch Schatten da, die hinter diesem, hinter jenem Strahle stehen? Weht es ihn nicht eigenartig an, und was bedeutet dieses Wehen?

Der Wanderer beschirmt die Augen wie ein Mensch, der der hellen Sonne wehren und dabei sein Ziel erspähen möchte. Am Wege steht ein Baum. Daselbst angekommen, sieht er erstaunt empor. Fernher sah der Baum natürlich aus. Hier mißt er vergeblich mit den Augen dessen Höhe, seine starken Äste, lichtwärts ragend, wie um des Himmels Helle aufzunehmen und dennoch so, als trüge dieser Stamm das weite Firmament ([VH62] u. S. 236, 3 u. 6).

Da ist ein Sitz aus hellem Stein und samtenem Moos. Müde ist der Wanderer nicht, im Gegenteil strömt Kraft durch seine Glieder. Die Sinne lauschen auf die Töne, die fremd und wohlvertraut vom hohen Wipfel auf ihn fallen. Das Wort des Lichtes und die Herrlichkeit umspülen ihn wie sanfte Wellen. Nachdem er lang verweilte, teils versunken, teils das Um-ihn-her betrachtend, wendet sich sein Blick zurück auf seinen Weg. Jeder Schritt gleicht einem Meilenstein, der sich bildhaft in ihm spiegelt.

„Das habe ich erlebt, — und ist neu, was hinter mir und vor mir liegt.“ Wieder schaut der Wanderer rundum und zu des Baumes Spitze auf, die ihn wie ein heiligreines Wesen überdacht. Im Besinnen und Erkennen zeigt sich ihm das Bild: die Materie, die letzte Welt, und was er auf ihr war.

In der Stille quillt es hoch: „Ich bin nicht genau gegangen, denn sonst — ? ER holte mich doch ab — ER! O große Güte, Vater UR, Du bist‘s doch gewesen? Oder muß man, frei von der Materie, aufs neue lernen, Dich zu erringen? Ist es besser, diese erste Strecke ohne Deine Hand und Deine Anschauung zu gehen? Habe ich zuviel auf mich geladen, daß ich erst der Reinigung bedarf, ehe ich Dein Antlitz wieder sehen kann?“

Nicht ängstlich, bloß sich prüfend, sucht der Wandersmann, was fehlen möchte, weil sich um ihn her nichts regt. Da — von ganz oben fällt es niederwärts und hüllt den Sinnenden in einen Mantel ein. Hatte er denn keinen? Der alte war nicht schlecht gewesen, er hob sich in der Farbe bloß ein wenig von des Weges Lichtsaum ab. Jetzt zeigt‘s den Unterschied, und daß vom Alten (die Materie) mancherlei noch abzulegen ist.

„Dem mangelt‘s nicht“, formt sich die Rede, im Herzen und am Ohr zu hören. Und es rieselt weiter niederwärts; von noch viel höher her, wo dieser Baum — der Wanderer sah wahrlich nur den einen — des Lichtes Decke stützt. Dorther kommt die Stimme. Wie das Herz, so weitet sich die Schau, wenngleich nicht alles auf einmal zu sehen ist. Weiter tönt das Wort:

„Weißt du, woher du kommst?“ „Aus der Tiefe der Verlassenheit. Nicht von DIR verlassen, Vater UR, Deine Stimme dringt zu mir. Die Materiellen aber haben Dich, Dein gutes Licht, Deine Liebe, Dein Gesetz verlassen. Ich hätte ihrer viele gern Dir bringen mögen; nun stehe ich allein vor Dir, unter jenem Lebensbaum, der DU, Mein Vater, Selber bist.“

„Nur um ein Kleines (Joh. 16, 16) von der Bahn, an Meiner Hand und unter Meinem Willen gehend, siehst du niemand um dich her. Aber wenn Ich dich erfasse, wird dir kund, wie viele deiner harren, wie viele im Gefolge deiner Füße sind.“ „Vater, Du führst mich nicht? Ich dachte — glaubte — —“

„Niemand, auch kein ‚Gestorbener‘, geht ohne Mich — ob sie es wissen, ob sie es nicht wollen. So wie dieser Baum symbolisch aus der Wurzel Bahn und Geist vereint, vermittelnd als der Mittler, so auch Meine LIEBE jene, die sich führen lassen. Und die ERBARMUNG alle, die Ich Gestorbene nenne, weil sie Mich, Mein Licht, Meine Liebe, Mein Gesetz in sich getötet haben. Aber weiter: Wer hat dich gesendet? dich entlassen?“

„O herzliche Barmherzigkeit, mich entließ die Fremde; sie konnte mich nicht halten, ich war nicht ihr Eigentum. Aber DU hast mich gesendet, vom Licht zuerst auf meine Beihilfbahn, jetzt zurück; und ich erkenne Deinen Vaterruf, der das Kind zur Heimkehr leitet. Ich will warten, bis ich Deine Hände spüren, Dein Antlitz wieder sehen darf, um dann . . .“

„Sind geschaute Seligkeiten größer als gefühlte? Warten ist ein Stehenbleiben auf dem Platz, von wo man seinen Anfang nimmt.“ Da ist‘s dem Wanderer, als wäre er noch einmal auf der Welt. Ein wenig ungewiß, was im Lichte höchste Seligkeit bedeuten kann, sieht er zu des Baumes Höhe auf, von woher das sanfte Säuseln niedertaut, auf ihn, den Gesegneten.

„Herr, weiß man es genau? Weil man Deine Wunder sehn und fühlen kann, ist geschöpflicherseits zu sagen: Geschaute Seligkeiten sind die größeren, wenn sie im Gemüt zu fühlen sind. Von höchster Warte aus betrachtet, auf der allein der HOCHSTE steht, ist Seligkeit an keine Schau, ebenso an kein Gefühl gebunden. Da Du eins in allem bist, hängen Deine Gaben von der Darstellung nicht ab, diese aber von den Kindern, je nachdem sie sich den Seligkeiten gegenüber würdig zeigen oder nicht.“

„Das ist der Standpunkt einer hohen Warte“, raunt der Baum. „Also gehen wir im hohen Wissen weiter, in der Frage ob des Wartens, die Ich stellte.“ „Eben darin weiß ich nicht Bescheid. Noch hängt mir irgend etwas an, was sich nicht zur Seite schieben läßt. Aber was man weiß, läßt sich überwinden; was sich im Fühlen überkreuzt, ist doch schwerlich auszuwetzen.“

„Viel ist es bei dir nicht, was auszuwetzen wäre.“ „Jetzt wird mir leicht! Du hast die Frage billig erst im Licht gestellt; denn in der Materie — ? Ich hätte sicher keinen Vers gewußt, der als Antwort dienen konnte.

Du sagtest: ‚Warten ist ein Stehenbleiben auf dem Platz, von wo man seinen Anfang nimmt.‘ Es kann zwei Dinge haben, wie alle hehren Lebensdinge auf zwei Füßen, auf zwei Polen stehen, die trennen, die vereinen können. Warte ich auf DICH, — o Vater, dann nicht so, daß DU erst zu mir kommen müßtest, was zwar auch zur hohen Seligkeit gehört. Ich warte auf die Zeit, sobald Du dies und jenes für mich vorgesehen hast. Diesen Falles dürfte wohl mein Warten nicht zum breiten Graben werden.

Manche warteten aus Eigennutz und andern Übeln mehr. Da entsteht die Kluft, die sich um so mehr verbreitert und vertieft, je länger jemand wartet, Übel abzulegen. Auf Gnade warten kann gut und ungut sein. Gaben wachsen mit der Anwendung. Brache Felder bringen keine Früchte, sogar bei guter Erde, die versteinen kann, wenn kein Pflug ihr Furchen gibt, kein Sämann Saaten in sie senkt, wenn die Saaten keine Pflege haben.

Darum warte ich auf Deine Hände, bittend: Vater, gib mir Deines Lichtes Saat, um eine Ernte hier zu halten, die Dir Freude machen soll. Vielleicht —“ ein kleines Zögern, „— kann ich meine kleine Beihilfgarbe auch mit druntermengen.“

„Daß Ich nicht sehe, wenn sie ein paar kleine Körner hat?“ Jubel! Ganz im Vater-Kind-Verhältnis spricht der Herr. „O Gott, gäbe es der Hölle Schlund, wie Irrige es glauben, daß kein Erbarmen in ihn fiele, — DU siehst (Ps. 1 39, 8) jedes arme Körnlein, jeden Staub, mit dem die Seelen sich beflecken. Nicht so will ich die Beihilfgarbe in des Lichtes Ernte mengen. DU weißt es ja, daß ich‘s in Ehrfurcht und in Liebe sagte.

„O ja; und eben weil Ich alle Dinge weiß, weil aller guten Dinge Ursprung aus Mir kommt, desgleichen deine Engelsart, die dir nicht verloren ging, im Gegensatz zu den Gestorbenen. Die die Welt nicht freiten, bleiben die Lebendigen, auch in der Materie, worauf es sich bezieht. Ob als Engel, ob als Wanderer, — sie sind stets des Lichtes Kinder (Luk. 20, 35-36).

Es ist gerecht, den Rest der Dunkelheit aus einem Opfer ins Gefäß des Lichts zu mengen. Denn nur in diesem wird er rein, weil — als Erstes und als Letztes — MEIN KELCH-GEFÄSS das Opfer faßt! Du hast gewartet; dein Warten war jedoch die stille Tat. Du lebtest Meinen Ruf, die wahre Bahn und dein Gelübde aus. Was materiell mal hie, mal da gemangelt hat, — o Sohn, das liegt im voraus für die Willigen in Meines Kelches Grund.“

„Herr!“ Der Wanderer schmiegt sich an den Baum, als wäre er des Vaters Brust, Welch ein Gefühl der Seligkeit! „Erkläre bitte, warum ich auf dem Weg noch niemand traf, und keine lieben Tiere, keine schönen Pflanzen sah. Nur diesen einen Baum. Wohl erkenne ich, was er bedeutet. Gerade das Symbol ist Deine Gabe, in der Erkenntnis Deiner Herrlichkeiten lichthaft zuzunehmen bis zur geschöpflich höchsten Reife.“

„Ich will dich erst beim Namen nennen, aus Demut unbeachtet, was mit ihm verbunden ist; dann wirst du bis auf einen Rest die Frage selber lösen. PERUTAM, wache auf!“ Ein Weckruf an den Wachenden. „O UR, ich konnte sehen, trotzdem ist die letzte Binde der Materie gefallen; ich konnte hören, lausche aber jetzt dem feinen Ton des Lichts. Dank, Dank, Herr Zebaoth!“

„Der Dank ist eine Tür. Du bist seit deinem Wiedereintritt in das Empyreum dessen Lichtnatur begegnet; du bist auch nicht im Traum gewandelt und hast vernommen, was an Ton und Sprache schwingt. Aber weil du auf dem Weg in deinem ganzen Hause, also in dir selber treu geblieben bist, deshalb solltest du zuerst bloß MIR begegnen. Du bedachtest, was dir fehle, weil Ich Mich dir eben nicht personhaft offenbare. Siehe an:

Ich steigere die Freude bis ins tragbar höchste Maß. Gebe Ich das Beste gleich zuerst (Joh. 2, 10), was soll hernach gegeben werden? Wer etwas sieht, der hat nicht stets die beste Schau. Es kommt nicht darauf an, ob Ich Mich Selbst, symbolisch oder wie in einem Bilde zeige, sondern wie sich eine Offenbarung spiegelt. Wiederum:

Nichts spiegelt sich, was nicht vorhanden ist!

Wer Mein Wort in seiner Hirtentasche trägt, wird Mich auch ohne Augen sehen; wer den GEIST des Wortes wirken läßt, hört Mich mit und ohne Ohren. Das gilt auch dir, Perutam; zuerst in deiner Heimat und auf allen Lichtstationen, dann durch die Materie, und wieder nun in deines Vaters Haus.

Dein ganzes Sinnen war allein auf MICH gerichtet. Wundert dich es noch, daß dir nichts begegnete, als der Lebensbaum, von dem du wußtest, was er zu bedeuten hat?“ „Ja, mein Schöpfer-Vater UR, es wundert mich, nämlich Deine herrlichhohe Lehre und Deine unfaßbare Güte! DU hast es in meines Geistes Hirtentasche eingesenkt, als ob es pur aus mir gekommen wäre. Doch der Ursprung dieser Gabe kommt allein von Dir.“

„Die Heimkehrkinder wundern sich ob allem Guten, das sich ihnen offenbart“, spricht‘s aus dem Baum, um vieles näher als zuvor. „Das und des Lichtes Friede kommt von Mir (Jer. 33, 9). In der Welt legt man das weltlich aus, hier im Sinne Meiner Offenbarung. Darum ist auch dein Verwundern echt. Fragst du noch, wieso ein für dich schon längst Vergangenes (Materie) auf deines Geistes Bahn den Schatten wirft, so merke auf:

Dir folgen Pfunde, die du vom einen Pfund vermehret hast. Alles trägst du heim ins Sanktuarium, wo die Gabe eingesammelt wird. Für dich, Perutam?“ „Auch diese Antwort fällt mir schwer. Sicher darf ich‘s für mich buchen, weil Deine Güte, Deine Gnade, meines Pfades Ränder sind; anders hätte es sehr wenig Wert, wenn das Heimbringgut allein sich selber gilt.

Gehörte es nicht denen, die die Materie gefressen hat, dann bin ich arm. Sammle ich für sie die Schätze, so werde ich aus eigener Armut reich. Darum übergebe ich es Dir, dem Vater, und überlasse Dir, was Du mit dem Heimbringgute tust.“

„Reif gesprochen für die erste Lichtstation!“ Viel näher tönt die Stimme, als ob sie Ast um Ast herniederstiege. „Merke auf Mein Wort, Perutam, damit jene Kinder und die armen Wesen — lichtgemäß dir folgend, irdisch schon vorausgegangen — auch den Segen aus der Offenbarung haben können.

Aus Entwicklung, Freiheit und vom Lichtverband herauf zu Mir, aus Gesetz, Lehre und Erlösung Ich hinab zu euch, auf der Mittel- oder Mittlerstufe als Vermächtnis Mir vermählt[VH63], bleibt euer Geist in ewiger Verbindung mit dem UR-Geist immer das, was er als Fünkchen in Mir war. Dennoch kann auch er sich steigern im geschöpflichen Prinzip; aber besser, reicher, wird er nicht.

Was er sich erwirbt, gilt seiner Seele aus dem Licht, wie ebenso dem Kraftteil der Materie. Und das, um diese Tiefschau leicht zu machen, stelle Ich ins seelische Gebiet. Die Seele wächst, nimmt an Erkenntnis zu, vom eigenen Geist geführt, während Ich der Führende der Lichtkindgeister bin.

Gälten Gaben aber nur den Wesen, was bleibt dem Helfer, das ihm selber werden darf? Was gilt jenen allen, um sie an des Liebetages Feierabend zu beglücken?“ „Du führst mich hin zur Herrlichkeit, Vater UR. Weil mein Geist ein Funke Deines Geistes ist, also kann ich im Verhältnis Deine Klarheit sehen (2. Kor. 3, 18). Mehr bedarf es nicht; mit keinem ‚mehr‘ ließen sich die Seligkeiten steigern oder gar erschöpfen.

Was den andern ohne Rechnung eines Lohnes gilt, tut man für sich selbst. Denn Du, der beste Kaufmann, lässest keinen darben, weil wir Deine Erben sind. Das Vermögen, Gutes tun zu können, steigert sich durch Deine Güte, die die Reservatio mentalis ist, aus welcher alle Segenskräfte fließen.

Gute Gedanken, liebe Worte, hilfsbereite Taten sind des Nächsten Freude und erleichtern seinen Weg. Und dankt er nicht, so mindert er das Gute zwar für sich; die eigene Geberfreude kann der Undank aber nicht zerstören, wenn man DIR den Ausgleich überläßt mit jener Bitte: ‚Herr, vergib, er weiß nicht, was er tut.‘ O siehe — SEGEN wirst Du senden!

Zum zweiten Frageteil: Des Lichtes Kinder haben immer zugenommen an Erkenntnis und an allen Lebensfähigkeiten; denn anders stünde Deine Schöpfung still. Dabei wirkt ein jeder für sich selbst, gilt eben das empfangene Pfund dem eigenen Vorwärtskommen.

Ohne dieses anvertraute Pfund war nie ein Hilfsweg zu beschreiten, niemals ein Gelübde einzuhalten.

Du hast zwei Pfunde hergegeben. Das eine, als des Kindes Haben — bloß vom Erbteil her —‚ verwahrst Du in der Bundeslade; das andere verleihst Du als des Lebens Soll. Herrlich handelt Deine Güte! Das Vermögen Deiner Pfunde zeigt sich in der Steigerung als Wert der Ewigkeit. Von uns aus können wir die Pfunde opfern, von DIR aus sind sie unser Eigentum.“

„Du fliegst ja blitzgeschwind ins Kernbereich des Lichts! Aus dem Erbpfund bringst du neunundneunzig heim.“ „O Vater, die Samenkraft der neunundneunzig enthält Dein Pfund. Die höchste Wonne ist zu wissen: Der gute Schöpfer-Vater ist das Lichtvermögen Selbst, und hier —“ ein liebes Lachen, wie die Welt nicht kennt, „— wundert es mich nicht, woher der Reichtum unsres Geistes, unsrer Seele, unsrer Beihilfstraße kommt.“

„Wahrheit und Reinheit“, lobt der Herr, „sind Kleid und Mantel der Bescheidenheit.“ „Vater UR, mir ist, als besäße ich mein erstes Kleid und meinen ersten Mantel, die Du mir von Anfang an gegeben hast. Dennoch sieht es aus, als trüge ich ein anderes Gewand. Aber wundersam: Beides ist mir recht; ich mag nie das erste Kleid, den ersten Mantel missen, jenen hergeliehenen Anteil aus dem Reichtum Deines Hauses. Was neu am alten ist, macht mir große Freude. Wie kommt denn das?“

„Bedenke Meine Lehre von dem Pfund. Wie du vom unveränderlichen UR-Sein stammst, so alles, was als erstes Lebensgut gegeben wird samt Form und Hülle, die Umhüllung, das ‚heilige Gehege‘. Kleider sind des Lichtes Form, Mäntel der Umhüllung gleich, auch das, was ein Kind aus seinen Gaben macht.

Das im Licht und auf den Beihilfwegen selbst Errungene ist das Neue am Gewand, ohne dem es sich nicht zeigen kann. Im Verhältnis, jedoch souverän in ihrer Herrlichkeit, steht Meine Offenbarung an das Kind: ewiglich der ALTE (Dan. 7, 9) in Meinem Sein und in Meinen Eigenschaften, auch aber als der NEUE (OJ. 3, 12), wenn die Kinder stufenweise vorwärtsgehen. Je mehr Erkenntnis, um so höher ist dann eine Schau. Denn Alt und Neu sind Ich und Meine Werke,

ICH UR, und Meine Offenbarung!

Desgleichen Du, Mein Perutam. Dein Altes bist du selbst, das Neue deine Ernte, wobei —“ auch ein gutes Lächeln, „— die Beihilfgarbe einzumengen ist. Deine leichten Körner sind ganz himmelsreif. Bist du es zufrieden?“ „Ach Vater UR, mein Dank wäre minderwertig, wenn ich nur zufrieden wäre, Du weißt alle Dinge, Du weißt, ob ich jetzt überselig bin.“

„Was drückt dich noch? Soll Ich‘s rückwärts werfen als den Anteil der Materie, der nichts gemein mit Meinem treuen Sohne hat?“ „Vater UR!“ Fester bettet Perutam sich an den Baum. „Die Welt liegt hinter mir; trotzdem beschattet sie mich noch. Wohl ist‘s kein Druck, kein Hemmnis, nun den Fuß voranzusetzen. Die Gedanken sind es, die mich halten.

Im Empyreum waren sie gefüllten Kelchen gleich. So leicht konnte man daraus die Worte, diese in die Taten formen. Und war alles gut vor Deinem Angesicht. In der Materie, zumal auf jener dunklen doch vom hellsten Licht umfluteten Welt, da waren die Gedanken Last und Mühe. Ich wollte sie zur Seite schieben und gelang mir nicht, nicht einmal mit höherer Gewalt.

Vielleicht, Vater UR, waren die Gedanken für die vielen Menschen jenes Hemmnis, daß sie wie im Kreise gingen, immer wiederkehrend, manchmal bohrend, wenn ich die Bosheit anderer beseitigt hatte, ein paar Böse aber sich nicht wandeln wollten. Die Gedanken haben mich zumeist bedrückt. Ich wußte ja, daß sie an Kraft verlieren, wenn man sie zu guten Worten formt und mit denselben stets die gute Tat verbinden wollte.

Wo blieb daraus die gute Folge, wenn all die lastenden Gedanken nicht verschwanden? Selbst eben gehen sie mir nach. Doch rückwärts will ich keinen werfen und bitte Dich, Mein UR, es nicht zu tun. Da würde mancher noch von mir belastet, weil ich trotz Verzeihen nicht vergessen kann.“

„Das sei die letzte Rede unter Meinem Lebensbaum, Wächter Meines Gott-Herzstromes. Nicht, weil du entlastet werden müßtest, so fern es sich auf deinen Beihilfweg bezieht. Merke auf, was allein im Lichte gilt, wenngleich Ich erst die ‚Schale der Erkenntnis‘ Meinen Wanderkindern schenke (den Inkarnierten).

Festhaftende Gedanken sind kein Fehl, wenn sie aus belastenden Erleben wiederkehren und nicht aus anklägerischer Art oder gar aus Selbstmitleid. Dann sind sie keine Last, nicht für sich, nicht für die anderen. Der Ursprung der Gedanken ist die erste Schöpfergabe an das Kindervolk. Ohne diese gäbe es kein eigenes Bedenken jener Lebensdinge, die Ich den Kindgeschöpfen überließ.

Lastgedanken sind ein Anteil eines Beihilfweges. Schiebt man sie zur Seite, um sie loszuwerden, dann hilft man nicht. Überwindet man sie dahingehend, an die Schulden keine Klage anzuhängen, so räumt man so viel Steine aus des Bösen Weg, soviel jemand Böses tat. Das ist der schwerste Hilfswerkanteil, weil nichts mehr bebürden, manchen Lichtanteil zerstören kann, als der Gedanke, der sich mit verübter Untat anderer befassen muß.

Im letzten Meilenstein auf deiner Straße (als Josua) hast du fast pausenlos Unholde überwinden müssen. Du hast, wie Uraniel als Mose, stets dem Volk gedient, Härten ausgeglichen, selbst im Strafen noch die große Liebe deines Wesens kundgetan; also konnten die Gedanken dich belasten. Du hast Mich ja so oft gefragt, warum dein guter Wille keinen Ausgleich schuf.

Sieh, manches blieb zu deinem Heil und dem der dir Anvertrauten zugedeckt, was die Gesamtentwicklung der Materie betrifft, und nur am Rand des Lichtes Kinder. Im Ablauf sind sie eingeflochten, sonst wäre es kein Opfergang. Wohl hängt das Aufwärts ihrer Seelen auch mit dran, vordringlich das der aufgenommenen Kraftpotenzen, die aus der Materie im Mitopfergang als Heimbringgut erworben und zu Licht gestaltet werden sollen.

Hänge Ich das lichtbedingte Werden an, das pur ein hochgesetztes VORWÄRTS kennt, wie die Materie nie hat, so ist das auch ein Teil der Reservatio mentalis Meiner Güte. Davon ist der erste Grad die Seligkeit über den Empfang der Gaben; der zweite ist, sie wie aus eigenem Vermögen anzuwenden; der dritte hat die Anteilfreude für die Nächsten. Der vierte Grad, Perutam, ist eure Freude an des Vaters Freude, die Er über Seine Kinder hat! (Neh. 8, 10).

Das gehört ins Heiligtum, wo ihr geboren wurdet — als GEDANKEN! Von ihm ausgegangen, tragt ihr den Samen auch in euch — und in die Materie hinab. Es genügt, wenn er dort still keimt. So wird dieser Grad der Seligkeit als des Vaters Freude euch erfüllen.

Du hast deine Nächstenliebe bis zu Meinem Baum getragen, wo alle Lasten ausgeglichen werden. Das ist wie Tropfen eingesickert, und Meines Baumes Wurzel saugt sie auf. Nichts fällt zurück auf jene, die du zu entlasten suchst.

Echt ist deine Freude vom ersten bis zum dritten Grad, weil du wähnst, Armen seien nun vor Mir entlastet. Wisse: Wer andern immer wieder arge Mühe macht, der muß selbst den Kern der Last im ‚Rechtsgericht‘ entgehen. Sonst wäre es kein Gnadenerbe, kämen allzu leicht die ‚Heimfindkinder‘ in das Reich. Denn

Gerechtigkeit ist ein Grundstück der Barmherzigkeit!

Nun betrachte deinen Weg und Meine Vaterfreude über dich, Mein Sohn. Damit liegt der vierte Grad der Seligkeit offen vor dir da.“ „Laß mich noch verharren, Vater UR; noch mehr Gedanken möchte ich im Rechtsgerichte Deinem Lebensbaume anvertrauen.“

„Also gehe Ich voraus.“ „Immer!“ jauchzt der Wächter. „Und an Meiner Seite?“ „Du bist eins in allem. Folge ich Dir nach, so gehe ich an Deiner Seite; führst du mich, dann bin ich im Gefolge Deiner Kinder.“ — Gottes Lebensbaum hört auf zu raunen. Und doch — welch unerhörte Lebenskraft strömt von ihm aus, Perutam überflutend, der sich am Stamm auf eine starke Wurzel setzt.

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