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Kap 2 – Der Engel Liebedienst. Karmathas erste ‚große’ Rede. Des Vaters Wohlg…

Der Engel Liebedienst. Karmathas erste ‚große’ Rede. Des Vaters Wohlgefallen

Rafael, Agralea und Karmatha sind auf der Rajona wieder angelangt. Sama eilt herbei und fragt nach ihrem langen Verbleib. Viele Kinder wären im Hausgarten vereinigt und es wären auch noch andere Kindlein unter Alaniels und Madenias Führung angekommen. Und alle warteten auf die Hauseltern. Lächelnd streicht Rafael dem holden Kinde übers lockige Haar. Sie wissen des Vaters Wege für die Zeit, deshalb ist ihnen die Botschaft nicht neu. Doch den Kindern gegenüber verwahren sie ihr Wissen zu deren eigenem Besten, um diese für den Miterlösungsweg heranzubilden. Darum auch entgegnet Rafael:

„Mein liebes Kindlein, du bringst uns eine rechte Freudenbotschaft. Eile nur schnell zurück und künde uns den Gästen an. Hernach wirst du erfahren, wo dein Gespiele Karmatha weilte. Gehe mit voraus, Karmatha, wir folgen nach.“ Froh beflügelt eilen die Kinder von dannen. Samas Fragen, während des Weges an Karmatha gerichtet, kann dieser nicht gleich beantworten. Ihn beschäftigt der Gedanke, wie der heilige Vater alles wunderbar führt. Denn sicherlich, so glaubt er, erhielten Alaniel und Madenia den Auftrag, nur seinetwegen zu kommen, weil er um die Stufe der Geduld gebeten hatte. Doch darüber würde Rafael bestimmt sprechen, denkt er und verschweigt deshalb seine Gedanken. Ehe sie aber an der Quelle im Hain ankommen, wo die frohen Gäste sich gelagert haben, drückt Karmatha mit ernster Gebärde Sama an sich und spricht:

„Sama, meine holdselige Gespielin, bisher waren wir fröhlich und heiteren Muts beieinander, und so darf es auch bleiben. Nur nehmen wir an Erkenntnis zu, wie sich das auch an unserm Körper zeigt. Da heißt es, liebe und später heilige Pflichten übernehmen. Kommt diese Zeit, so wollen wir uns gegenseitig liebedienend helfen, gleichgültig, wo wir uns befinden, ob vereint, ob für kürzere oder längere Zeit getrennt. Der heilig-liebe Vater hat unsere Herzen zusammengefügt; wurden wir ja aus einem Odem geboren. Wir sind eins, wie der Vater als unsre ewige Lebensquelle mit uns eins ist und wie Er will, daß wir mit Ihm eins werden. Du weißt ebensogut wie ich, daß dieses zweite Einswerden nur an uns liegt. Steigert sich die Liebe zu Ihm, Der uns immer nur der gute Vater ist, so erkennen wir das rechte Licht, demzufolge wir ein nützliches Glied in der Gemeinschaft der bereits dienenden Kinder werden.

O Sama, laß uns fleißig sein, damit wir immerdar vereint bleiben dürfen, wie wir aus tiefstem Herzensgrunde auch inbrünstig bitten wollen, in sich immer steigernder Liebe unserem überguten Vater treu zu bleiben.“ Dies ist Karmathas erste Erkenntnisrede. Sama lauscht staunend den Worten des Gespielen. Wo erlernte er solche Weisheit? Sie ahnt, daß er einen neuen Weg beschritten hat und wohl gar während seiner Abwesenheit beim Vater weilen durfte. Der Gedanke nimmt immer mehr Gestalt in ihr an. In ihrer großen Freude, daß ihm solches widerfahren ist, spricht sie sogleich:

„Karmatha, wie überfröhlich ist mein Herz! Ich will tun, was du mir sagtest; und welchen Weg du auch gehst, so werde ich im Herzen stets das bleiben, was ich durch des Vaters Güte dir sein darf und will. Ja, ich möchte mit dir vorwärtsschreiten, damit ich auch ein dienendes Kind werde. Doch will ich daß dem Vater überlassen; Sein Tun geschieht zu unserm Besten.

Zudem haben wir unsern lieben Abada und die herzliebe Ajera cara; und allerhöchste Gnade ist, daß der Abba uns solche guten himmlischen Eltern schenkte, deren wir Kinder sein dürften. Doch nun komm, wir wollen Rafaels und Agraleas Ankunft melden.“ Karmatha freut sich sehr über das Verständnis, das Sama ihm entgegenbringt; er fühlt sich mit ihr ganz eins. An der Quelle angekommen, begrüßt er Alaniel und Madenia mit ehrerbietiger Liebe, danach auch die Kinder und entledigt sich gewissenhaft seines Auftrages. Alaniel spricht:

„Mein lieber Karmatha, ich vernahm deine Rede, als du mit Sama unter den Bäumen standest. Ich freue mich über dich, und der Vater hat mir Sein Wohlgefallen eben angezeigt. Auch du, kleine Sama, hast ein recht verständliches Herz erhalten. — O, wenn Kinder sich derart Mühe geben, da weiß der allheilige UR-Vater in seiner Freude die Mühe zu belohnen. Bedenkt nur jederzeit, daß Er alles sieht und weiß, dann wird euer Weg wahrhaft aufwärts führen, so daß ihr in Ihm nicht nur den Vater erblickt, sondern später auch die heiligen Wesenheiten Priester, Gott und Schöpfer wahrnehmen könnt, die mit dem Vaterteil das ‚große UR-Herz’ bilden. Dadurch wird erst recht der Vater euch nahe sein.

Jetzt ist Er euch Kindlein nur der gute, höchst nachsichtige Vater, Der Sich über eure Spiele freut, euch liebkost, beschützt, euch nichts als Liebe und Licht zuteil werden läßt. Bisher habt ihr nur wahrgenommen, was sich in der heiligen Stadt und auf unsern Urzentralsonnen zuträgt. — Erst mit Gottes letzter Rede habt ihr etwas hören dürfen, von dem ihr vorher keine Ahnung hattet. Denn wie es außerhalb der Lichtmauer zugeht, konntet ihr noch nicht verstehen. Einmal muß das aber offenbar werden, sollt ihr nicht immer Kindlein bleiben. Darum muß eure Erkenntnis zunehmen, wie das bei Karmatha und selbst schon bei der lieblichen Sama wahrzunehmen ist. Ja, betrachtet euch den lieben Vater näher, zaget nicht und habt keine Scheu vor Ihm; Er möchte gern, daß ihr ganz in Sein Herz eingeht. Es ist keine heiligere Stätte als des Vaters Herz, das UR-Herz! Das wird euch einst auch die Gottes-, Priester- und Schöpferkammer auftun, darin ihr ewig eine vollkommene Heimat habt.“

Andächtig lauscht alles Alaniels Worten; in den Herzen erwacht die Sehnsucht, dem Vater immer näher zu kommen. So vertieft sind sie in dieses Denken, daß sie Rafaels und Agraleas Ankunft nicht wahrnehmen. Um so freudiger umringen sie die Lichtfürsten, als Rafael, hinter der Gruppe stehend, plötzlich anhebt zu sprechen:

„Alaniel hat vollwahr zu euch, liebe Kindlein, geredet. Das nehmt euch besonders zu Herzen und arbeitet daran. Wir wollen gleich einmal sehen, wieweit es jedes Kind bringt. Geht darum unter jene Baumgruppe, welche die herrlichen Früchte trägt. Wir werden dann zu euch kommen und die Probe aufs Exempel machen. Nur Karmatha und Sama sollen wegen anderer Aufgaben bei uns bleiben. Hernach halten wir ein fröhliches Mahl; vielleicht — wenn ihr eure Aufgaben richtig gelöst habt — wird vom guten Vater uns noch ein besonderer Segen zuteil. Da springen alle Kindlein jubelnd um Rafael und die andern Fürsten herum, drängen sich liebend an sie und gehen auf einen Wink Rafaels folgsam zur angewiesenen Baumgruppe. Nachdem die Kindlein sich entfernt haben, spricht Rafael:

„Mein lieber Bruder Alaniel, und du, holde Schwester Madenia, um der beiden Kinder willen spreche ich aus, was der Vater euch übertragen hat und was euch also zu uns auf die Rajona führte. Es kommen auch bald die anderen Brüder mit den Schwestern hier an, damit der Ring vollzählig ist, wenn wir das uns anvertraute Amt ausüben. Was wir aber tun, das gleiche im Namen des hochheiligen Priesters Melchisedek.

Karmatha, der mir und Agralea ans Herz gewachsen ist, hat jenen Grad erreicht, der ihn die nächste Stufe erklimmen läßt. Das wird ihm nicht so leicht werden, als er kindlich glaubt. Doch sein Wille ist gut. Diesen Weg kann Sama nach dem heiligen Liebebeschluß des Vaters nicht immer mit ihm zusammen wandeln; aber es ist uns überlassen, ihre Freude nicht zu schmälern, sondern zu erhöhen, ihr jenes Geistlicht hinzugeben, demzufolge sie sich willig des Vaters Führung anvertraut und ihren Weg also auch erfüllt.

Wir bitten, sobald der Beschluß besteht, Karmatha in euer Haus aufnehmen. Sama laßt bei euch Einkehr halten, damit sie mit ihrem Gespielen mitunter zusammen sein kann und nicht auf ihrem Weg zurückbleibt. Es steht ihr zu, neben Karmatha einherzuschreiten, wenn er einst den vorgesehenen Erdenweg vollendet hat, gleichwie auch wir für alle Zeit vereinigt sind.“ Als Karmatha solches hört, wird er selig beglückt. Er kann es kaum fassen, daß der Vater so schnell seinen Weg wendete und dankt Ihm mit großem Frohlocken; doch wartet er bescheiden auf Alaniels Antwort. Madenia umschlingt ihn zärtlich, während Sama im Schoße der Agralea ruht. Alaniel antwortet:

„Lieber Bruder Rafael und Agralea, liebliche Blume des Vaters, große Freude bringt es uns, wenn wir eines eurer Kinder bei uns aufnehmen können. Schon viele Kindlein gingen zwischen unseren Häusern hin und her. Doch der Vater hat uns Seinen Willen kundgetan, auf Karmatha Weg besonders Bedacht zu legen. Können wir denn anders handeln als in der heiligen UR-Liebe? O Rafael und Agralea, nächst dem Vater danken wir euch, daß ihr ein Kind eures Hauses uns anvertraut. Gesegnet soll der Augenblick der Schöpfung sein, wo Karmatha seinen Fuß über unsre Schwelle setzt.“ Den Sinn versteht Karmatha, obwohl nur seinetwegen gesprochen, noch nicht; aber er behält die Worte treulich in sich und später bringen sie ihm Segen. Er fragt auch nicht danach; im Beisammensein mit den Ersten hat er erkannt, daß nicht alles auf einmal verständlich werden braucht. Die Zeit kommt, wo er in das Walten der Schöpfung tiefer hineinschauen kann.

Zunächst gehen sie zu den harrenden Kindern und werden von ihnen wieder freudig umringt, denn sie haben sich besprochen und dabei ein erstes Liebedienen gelernt. Doch auch sie waren geduldig, wer von ihnen gerufen wird; keines drängt sich vor. Rafael wählt ein älteres Kind aus dem Alaniel-Haus und ein jüngstes aus seiner Schar, stellt sie neben Madenia auf und sagt:

„Liebe Kinder, nun wollen wir sehen, ob der Vater Sich über euch freuen kann. Harrendo, unser Ältester unter euch wird die Fragen stellen und der kleine Thoranet soll sie beantworten. Doch dürfen auch andere sprechen.“ Alle Kindlein ordnen sich sogleich hinter der Gruppe, so daß die Kleinsten vorndran sitzen. Harrendo steht auf, geht nach vorn und beginnt mit guter Sicherheit:

„Wir Kinder wissen, daß der gute Vater uns liebt und wir lieben Ihn auch. Aber wir kennen Ihn noch zu wenig. Wie lernen wir Ihn am besten näher kennen?“ Thoranet antwortet: „Wir müssen Ihn noch viel mehr lieben, und wenn wir wieder bei Ihm sind, müssen wir ohne Scheu sprechen: ‚Vater, wir haben Dich lieb’!“ Frage:

„Das ist richtig. Aber ob das dem Vater genügt? Können wir Ihm nicht noch auf andre Weise unsere Liebe zeigen?“ Antwort: „Wir sind noch Kindlein; es wird dem allzeit guten Vater genügen, wenn wir Ihn liebkosen. Da merkt Er, wie sehr wir Ihm zugetan sind. Erst einmal größer geworden, können wir auch andre Beweise antreten und Ihm etwas besonders Großes schenken.“

„Der Vater sieht das wohl als Beweis an. Doch wir müssen Ihm näher kommen, damit wir — wie in der Liebe — so in der Erkenntnis wachsen. Wie fangen wir das an?“ Thoranet besinnt sich eine Weile. „Wir wollen bitten, daß der Weg offenbar werde, von dem Abada Alaniel sprach: vom Vaterherzen in das Gottes-, Priester- und Schöpfer-Herz! Dann erkennen wir das heilige UR-Herz. Nur weiß ich nicht, wie wir das tun sollen.“ Da tritt ein größeres Kind hervor und sagt:

„Thoranet ist zu klein, um so schwere Fragen beantworten zu können, sie auch mir zu schwer. Doch hat der Vater gewiß große Freude über ihn, weil er so gut antwortete. Es wird und nicht leicht sein, in das ganze UR-Herz zu gelangen. Wir müssen in eine neue Erkenntnisstufe übergehen. Wenn wir  gehorsam bleiben, des Vaters Willen als den besten anerkennen und tun, was uns sagt, können wir die Türe ins Gottesherz finden. Wir müssen aber auch dem Abada und der Ajera cara folgen, und aus Liebe zu ihnen das tun, was sie uns sagen. Denn sie kennen den Vater sehr gut und wissen jederzeit um Seinen heiligen Willen.“ Die Antwort wird belobt. Es folgt noch manche Äußerung hierüber. Die Kinder sind so eifrig bei der Sache, daß sie das Nahen mehrerer hoher Lichtgestalten nicht bemerkten, die schon bei der zuerst gestellten Frage angekommen waren und dem ganzen Zwiegespräch freudig zuhörten. Nach weiteren Fragen und Antworten tritt Muriel neben Karmatha hin und spricht, während die Kinder in neue Freude ausbrechen:

„Ihr holden Kinder! Eure Freude ist groß. Wie wird sie aber erst sein, wenn der Vater mitten unter euch weilt? Ihr habt nach Ihm Verlangen. Doch Karmatha soll nun erst die Fragen beantworten, damit sich zeigt, wie er als einer der Ältesten von euch alles in seinem Herzen bewegt hat. Darum sprich, Karmatha.“ Nachdem der Jubel über das Kommen der fünf Urerzengel und Erzengel sich etwas gelegt hat, begibt Karmatha sich einen Schritt vor, sieht die Fürsten der Reine nach an und sagt mit etwas erhobener Stimme:

„Der Vater hat uns Kindern gesagt, daß wir Ihn über alles lieben sollen und ist das also für uns Sein erstes Gebot, das wir — wenn auch noch mit geringerer Kraft — zu befolgen haben. Wir dürfen aber nicht nur dem Wort nach gehorsam sein, weil das dem Vater keine sonderliche Freude macht. Solange wir so klein sind wie unser liebster Thoranet es ist“, Karmatha umfaßt das Engelsknäblein und bleibt während seiner Rede so mit ihm stehen, „wird seine dargebrachte Liebe dem Vater mehr Freude machen, als wenn wir schon nach Dingen fragen, die wir doch noch nicht verstehen können.

Werden wir aber größer, dann kann der heilige Vater von uns mehr verlangen. Wir müssen empfinden lernen, was Liebe ist! als wir Kindlein zum ersten Male im Allerheiligsten sein durften, erkannten wir Größeres, daß es etwa Tiefes um die Liebe zum Vater ist. Aber wir müssen erleben, um was es sich eigentlich bei dieser Liebe handelt.

Der heilige Vater schenkt uns Freude und Seligkeit um Seligkeit. Doch bedenkt Er nicht mit heiligem Ernst, wie die Freude beschaffen sein muß, damit sie uns auch ganz erfüllt? Ja, um unsert- nicht etwa Seinetwegen prüft Er mit vieler Sorgfalt, wie die Seligkeiten auszusehen haben, die uns zugleich eine rechte Lehre sein sollen,“ Karmatha wendet sich zur Kindergruppe um und spricht weiter:

„Ist es nicht große Seligkeit, daß der liebe Vater uns Seine hohen Fürsten sandte? Tut Er das aber nur deswegen, damit wir fröhlich beisammen sind und Gespräche führen, zumal wir erst kürzlich in Seinem Heiligtume weilten und anschließend das erste Mahl erhielten? Was für einen Zweck hätte solche Freude? Ganz gewiß führt der Vater noch etwas anderes im Schilde als nur uns zu erfreuen! Er gibt uns vielmehr dadurch Kunde, daß wir ernstlich zu arbeiten haben, damit wir Ihm näher kommen und bald in Sein Gottesherz eingehen dürfen. Doch sollen wir weniger an das ‚Wann-es-geschieht’ als mehr an das ‚Wie-es-sein-muß’ denken. Dem Vater dadurch eine gerechte Freude, uns aber einen wahren Fortschritt zu bringen, liegt an uns.

Ruft der Vater uns wieder zu Sich, so ist es gut, wenn unsere Kleinsten Ihn liebkosen. Das tut Seinem Herzen Wohl, nachdem jene fernen Wesen Ihm viel Leid zugefügt haben. Die nächste Gruppe sollte aber schon sein demütig zu Seinen Füßen niedersitzen und auf jedes Seiner Worte achtgeben. Wenn wir dann wieder auf den Sonnen weilen, müssen wir über alles Gehörte eifrig nachdenken, bis auch Unverstandenes erkenntlich wird. Die dritte Gruppe, zu der Harrendo und ich gehören dürfen, sollten jedoch den Vater schon um mache Dinge fragen und uns erklären lassen, was uns dienlich ist.

Das darf aber nicht deswegen geschehen, weil die lieben Fürsten uns nicht genügend belehren, sondern in reiferer Erkenntnis dem Vater die bewußte Liebe entgegen zu bringen. Es muß uns ernsthaft angelegen sein, Ihm zu dienen, im Dienst die Liebe zu bezeugen, die uns dann den Weg zum Gott-Herzteil enthüllt. Wir haben aber mit verständigen Fragen zu kommen. Die hohen Fürsten lieben den Vater nicht nur, weil sie wissen: es ist der Vater!, o nein, sie lieben Ihn ganz bewußt! Sie hören erst in sich hinein und halten eine geheime Zwiesprache, wie ich das schon zweimal in unserm Hause beobachten konnte. Jedesmal legt sich dann ein heller Schein um ihre Häupter und überstrahlt sogar ihre Silbersterne. Dann ist es fast so still wie im Allerheiligsten vor des Vaters Gnadenstuhl.

Das ist Liebe!! Wir müssen also eine rechte Zwiesprache mit dem Vater halten lernen, nicht nur immer darauf warten, bis Er zu uns spricht; denn sonst werden wir noch lange zu warten haben, bis sich des Vater-Gottes Herzteil öffnet. Nein, liebe Kindlein, nur eifrige Tätigkeit und rechte Zwiesprache mit dem Vater bringt uns der Verheißung näher, die Er andeutete und die vom Fürsten Alaniel bildlich gemacht wurde, damit wir sie leichter erkennen konnten.

Sind wir an jenem Erkenntnispunkt angelangt, so ist nicht zu versäumen, sich in die rechte Dankbarkeit zu begeben, weil nur ein dankbares Kind dem Vater echte Liebe entgegenbringt. Eine unbewußte Dankbarkeit gibt es nicht! Wollen wir das von Herzen tun, so muß die Hauptforte sein, die Dankbarkeit zu einer wahren zu gestalten. Auf diese Weise wächst die Liebe und durch sie die Erkenntnis.

Jede Erkenntnis bringt neue, dankbare Gedanken, die abermals die Liebe antreiben. Eines baut sich auf das andere auf, weil eines des anderen bedarf. Das sagte der Vater bei Seiner großen Rede. Damals verstand ich das Wort nicht, behielt es aber bei mir und dachte oft darüber nach. Es ist nicht mein Verdienst, daß ich es jetzt erkenne; es ist eine Gabe. Der Vater sah, daß ich Ihn mit meinem ganzen Wesen lieben möchte; und Er segnete mich und euch, weil ich als einer der euren das verkünden darf. Laßt uns größere Kinder danach handeln.

Du aber, lieber Thoranet, mache es so, wie du gesagt hast. Liebkose den Vater, sobald du wieder bei Ihm bist; damit schenkst du Ihm dein ganzes Herz.“ Beide Engelsknaben umschlingen sich zärtlich und küssen sich. Da werden sie von zwei großen Armen umfaßt und eine Stimme, ihnen schon vertraut, spricht:

„So handelt ihr, liebe Kindlein, zu Meinem größten Wohlgefallen. Du kleines Herz (Thoranet) fasse dich und liebkose Mich so, wie du vorhin tapfer gesprochen hast. Beweise Mir damit deine Liebe. — Du aber, Karmatha, hast Mir eine ganz besondere Freude bereitet; wir werden noch ein Weiteres darüber zu sprechen haben.“ Thoranet überwindet die Scheu, die im verborgendsten Grunde gerechtfertigte Demut ist. Ja mitsamt seiner Scheu umschlingt er den Vater, Der Sich zu ihm niederbeugt und freut sich über alle Maßen, als er emporgehoben wird. Er beginnt zärtlich zu scherzen, wie nur ein gutes Kind mit seinem Vater scherzen kann. Als die anderen Kleinen das sehen, hätten sie es auch gern ein wenig getan. Der Vater fragt Thoranet, ob er nicht seinen kleinen Brüdern und Schwestern auch dasselbe gönnen möchte, was er jetzt empfangen hat.

Sofort verlangt das Kind herab, damit alle die selige Lust empfangen sollen. Es läuft zu Agralea, schmiegt sich in deren Arm und sieht freudig zu, wie die Kindlein vom Vater getragen werden. Die Größeren warten des Augenblicks, wo auch sie ihre Liebe beweisen können. Das soll bald geschehen. Vater führt die großen und die Kleinen an den Quellplatz zurück, wo sie vordem mit Alaniel und Madenia geruht hatten. Dort sind Tafeln aufgestellt, beladen mit köstlichem Brot, mit Wasser und Früchten, und vier größere Engel stehen zum Dienst bereit. Der Vater setzt Sich obenan, Karmatha darf zu Seiner Rechten sein. Er segnet das Mahl und heißt alle Kinder fröhlich und dankbar Seine gaben genießen.

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