Vom Inneren und Äußeren. Das Amt. Karmathas gute Erkenntnis. Rafaels Segen. Einzug im Hause der Geduld
Das Mahl ist beendet, während dem in heiterer Ruhe über manches gesprochen wurde. Nun wendet der Vater Sich an alle und sagt:
„Meine Kinder! Ich gebe euch allezeit Beweise jener unendlichen Liebe, die euch ständig zukommen läßt, wessen ihr für euren Weg bedürft. Glaubet ja, Kinder und Kindlein, daß Ich sehr genau prüfe, was jedem gegeben werden kann, zu welcher Zeit und wie es zubereitet sein muß. Ihr sollt ja nicht allein Freude und Seligkeit, sondern auch die Lehre erhalten, damit ein jedes in seiner Erkenntnis wächst. Karmathas Rede war gut und schon mit einer gewissen Weisheit gewürzt. Ich lobe euch, denn ihr habt während dem Mahle acht gegeben und habt euch bemüht, Meine Lehre zu verstehen und anzuwenden. Ihr bereits etwas in die Reife gekommenen Kinder brennt daher ordentlich vor lauter Liebe, Mir zu zeigen, was ihr gelernt habt.
Nun, Ich schaue ja, was euch bewegt; Mir ist ewig nichts verborgen! Seid darum nicht betrübt, wenn die Zeit noch nicht da ist, eure Liebe Mir auch praktisch kund zu tun. Erstens sehe Ich euer Vorhaben als ein Mir schon dargebrachtes wahres Liebeopfer an, zweitens wird euch später zum Handeln Gelegenheit gegeben. Wartet nur eine Weile; bald öffnet sich wieder für euch des Heiligtumes Pforte, woselbst Ich eure Liebe auch dem Äußeren nach entgegennehmen will.
Merkt euch gut: Das Innerste ist Mir das Wichtigste! Wo im Innern wahre Liebe wohnt, zeigt es sich auch im Äußeren, weil es kein Äußeres gibt, das nicht dem Inneren entsprungen wäre. Ein Äußeres ohne Inneres gibt es nicht; wohl aber kann einmal ein pur Inneres erstehen. Trotzdem wird jedes Leben existieren!! Das aber versteht ihr jetzt noch nicht. Darum schauet auf das Innere, so wird das Äußere zum Segen, sobald es zu irgendwelcher Tat erforderlich ist.
Diese Schöpfung und noch viele andere habe Ich auch dem Äußeren nach erstehen lassen, darum es für die meisten Dinge einer äußeren Gestaltung und der sichtbaren Zeichen unter Meinen Kindern bedarf. Warum solches geschehen ist, könnt ihr Kindlein noch nicht begreifen. Doch wann eure Zeit gekommen ist, wird es euch kund getan. Aber das sei jetzt für euch die Lehre, daß zu aller Kinder Gunsten die äußere Liebe ein Zeichen der inneren und daß Ich jederzeit diese Liebe annehme, ganz gleich, auf welche Weise sie Mir geboten wird.
Gilt es aber, zu weiterem Fortschritt zu verhelfen, so zeige Ich es an, ob eine sichtbar gestaltete Liebe gerade vonnöten sein wird, oder ob Ich mit einem inneren Angebot vollauf zufrieden bin. — Nun regt sich in euch der Wunsch, wissen zu wollen, wie ihr euch verhalten sollt, damit euer Tun und Lassen Mir stets wahre Freude brächte.
O, ihr Meines Herzens Lieblinge, sorget euch um nichts! Bin Ich für euch eitel Liebe, werde Ich wohl alles daran setzen, diejenige Lehre zu erteilen, die unbedingt zum Ziele führt, so sie nur recht beherzigt wird! Im warten erprobt werden, heißt Demut finden!! Bemüht euch, damit ihr das nächste Mal vor Meinem Thon im Beisein Meiner Ersten Mir eure Liebe darbringen könnt. Dann sollt ihr eine ernsthafte Prüfung ablegen, die euch in neue Abteilungen eingehen läßt. Ihr sollt Mir dienende, tatkräftige Kinder werden. Haltet euch daher an Meine Worte und laßt sie im Herzen lebendig bleiben! Ich gebe euch Meinen väterlichen Segen; Mein Friede ist mit euch.“
Darauf beruft der Vater eine Schar dienender Engel, die die Kindlein auf die Sonne Garapäa in Gabriels Haus führen. Sie nehmen noch mehrere Kindlein mit, die sich in anderer Obhut befinden und betreuen die Kleinen des Reiches Gottes. Nur Karmatha und Sama bleiben zurück. Der Vater wendet sich an Seine Fürsten und spricht:
„Ihr Lichter Meines Herzens, waltet eures Amtes, Mein Segen ist bei eurer Arbeit. Beide Kinder haben genügend Lehre erhalten, so daß das Weitere gut in euren Händen liegt. — Friede ist mit euch.“ Urerzengel und Erzengel kreuzen die Arme über ihre Brust, verneigen sich tief und sprechen: „Heilig, Heilig, Heilig bist Du o Herr!“ Dem Beispiel folgen die Kinder. Nach des Herrn Weggang nehmen Muriel und Zuriel Karmatha in ihre Mitte und begeben sich zu Alaniel, bei dem Michael und Uraniel stehen. Gabriel hat seinen Platz hinter Alaniel, Rafael hinter Karmatha. Die Erzengel bilden einen Halbkreis um die Gruppe und zwar so, daß Karmatha sie ansehen kann. Sama bleibt an Agraleas Seite und steht zwischen ihr und Pura. Rafael beginnt zu sprechen:
„Liebe in UR-Imanuel geheiligte Brüder! Ein Kind meines Hauses hat sich freiwillig entschlossen, den schweren weg zu gehen, der an diesem Schöpfungstag gegangen werden muß, wenn ein Kind des Vaters als Eigentum Gottes, als Geheiligter des Priesters und als ein vom Schöpfer erhöhtes Wesen mit dem ewig Schaffenden, Erhaltenden und zu Sich Zurückkehrenden, mit dem allheiligen Abba eins werden will.
Karmatha, dessen Name ‚geprüft und wohlbefunden’ bedeutet, konnte schon nach einmaliger Belehrung des Vaters — wenn auch unbewußt — die Pforte öffnen, die ihm den Heilsweg bringt. Nun prüft, ob für ihn die Zeit gekommen ist, in Alaniels und Madenias Haus einzukehren, die ihn mit großer Freude hüten, mit aller Sorgfalt belehren werden, damit er den Weg der echten Liebe-Sehnsucht zum Vater gehen kann. Ich lege die Prüfung in eure gesegneten Hände.“ Darauf heben die sechs angesprochenen Fürsten ihre Hände empor und sagen:
„Allheiliger, erhabener Vater, Gott, Priester und Schöpfer! Wir berufen uns auf Dich in diesem heiligen Amte, wir walten nach dem Gesetz Deiner gnädig-väterlichen Barmherzigkeit. In Deinem Namen, zu Deiner alleinigen Ehre wollen wir tun, was uns der höchste Ausfluß Deiner Liebe gebietet. Halleluja!“ Danach spricht Muriel:
„Michael, du stehst in diesem Amt mir gegenüber. Sage, was begehrt das Kind?“ Michael gibt die Frage an Karmatha weiter und der antwortet: „Mein Begehren ist, den Vater über alles zu lieben, Ihm zu dienen, um bald in Sein Gottesherz zu gelangen.“ Michael: „Mir gefällt deine Antwort und ich sage: Muriel, des Kindes Begehren ist recht und gerecht.“
Darauf fragt Zuriel den ihm gegenüberstehenden Uraniel: „Warum verlangt das Kind schon jetzt ins Gottesherz, obwohl es im Allerheiligsten erst einmal weilte?“ Auch Uraniel legt die Frage Karmatha vor, der entgegnet: „Bei der großen heiligen Rede des Vaters vernahm ich, daß Er Kinder in Sein Erlösungswerk stellt, die Ihm im gerechten Sinne dienstbar sind. Ich will auch mit Inbrunst dienen. Doch das gelingt ja nur, wenn ich auf möglichst schnellstem Wege in den heiligen Gott-Herzteil gelange.“ Uraniel: „Deine Antwort kommt aus einem tiefer denkenden Gemüt, und ich sage: Zuriel, dieses Kind ist bereit zu lernen, wie dem Hochheiligen Abba gedient werden muß, um in die Rechte eines Sohnes einzutreten.“
Muriel: „Ist das Kind schon reif genug, um den schweren Schritt zu tun?“ Wer ist Bürge, daß es auf dem Wege bleibt, den es mit allem Liebeeifer wandeln will?“ Karmatha, dem die Frage von Michael aufgegeben wird, sagt: „Ich will mit allem Ernste wandeln, eingedenk der Worte und Ermahnungen des Vaters und auch der euren. Ich selbst kann keine Bürgschaft geben, doch der heilige Vater sei mein Bürge!“ Michael: „Wahrlich, Karmatha, der Herr erleuchtet dich! Recht ist dein Wort und ich sage: Muriel, das Kind wird auf dem Wege bleiben, auch wenn es bei der Wanderung auf Erden den Schickungen nicht vollen Widerstand entgegen setzen kann. Es berief sich auf die beste Bürgschaft. Das sei uns das Zeichen.“
Zuriel fragt Uraniel: „Ist es gut, wenn das reine Kind den Weg der Finsternis beschreitet? Würde es nicht besser nur bei uns erzogen?“ Karmatha, von Uraniel zur Antwort aufgefordert, sagt: „Wohl möchte ich in den herrlichen Sphären leben; der Vater aber offenbarte Seinen Demutsweg, den Er ganz gewiß nicht nur für jene Wesen auf der Erde, sondern für alle Kreatur, auch für uns kleine Kinder gegangen ist. Des Himmels Sphären bleiben, solange der Vater will und ich denke, daß Er sie nicht aufhebt. So gehen sie mir nicht verloren. Doch ich will ein dienendes Kind werden. Vom Vater werde ich beschütz und von euch Ersten geleitet; also brauche ich mich nicht zu fürchten. Das Ziel steht leuchtend vor mir!“ Uraniel: „Karmatha, du hast recht gesehen. Behalte das Ziel vor Augen und den Vater im Herzen. Und ich sage: Zuriel, das Kind bleibt unserm hohen Licht erhalten, auch auf dem Pfad der materiellen Schöpfung.“
Michael wendet sich an Gabriel: „Tun wir recht an diesem Kind und an der Schöpfung, wenn wir es nach seinem Vorbereitungswege ziehen lassen?“ Gabriel sieht Karmatha lieblich an: „Karmatha, denkst du nur noch an den Weg, den du dir erbeten hast? Wird es dich nicht gereuen, die Gefilde der vollkommenen und seligen Kinder zu verlassen?“ Da beugt Karmatha in großer Demut seine Knie, ist es ihm doch, als stünde der Vater vor ihm, Der ihn fragt und er entgegnet:
„Der Vater sieht mein Herz, es ist Ihm nicht verborgen. Auch ihr, hohe Fürsten, kennt meinen Sinn. Doch um eures Amtes willen tue ich euch kund, daß nichts anderes in Meinem Herzen wohnt als der eine Wunsch, dem Vater das zu werden, was Er von einem guten Kind erwarten kann. Ich ahne: mein Weg wird nicht so bleiben, wie ich ihn ersehne; doch Gewißheit füllt mein Herz, daß der heilige Vater und auch ihr als treue Hüter mir hilfreich jederzeit zur Seite steht.
Ihr seid die höchsten vor dem Herrn, ihr könnt in allen Schöpfungsteilen euren Willen zur Gestaltung bringen, weil ihr Gottes Willen in euch trägt. Ich will nicht werden, was ihr seid; ich kann’s auch nicht. Denn der Herr, Den ihr als Hochpriester Melchisedek anbetet, bedarf keines weiteren, um Seine sieben Eigenschaften zu verkörpern. Doch was ihr auf dem fernen Stern euch schon errungen habt und ich hell und klar in euren Sternen sehe, das will auch ich erringen, nämlich: Den geheiligten Dienst an Gottes Schöpfung!
Zwar verstehe ich nicht alles, was ihr gesprochen habt; allein, zur rechten Zeit kommt schon das richtige Verständnis und genügt mir nun das Wissen, daß der Weg zu meinem Besten dient. Darum möge euer Wille gelten, wie der Vater es in eure Hände gibt. Demütig, in Freude und in Liebe beuge ich mich eurem Beschluß, wie er auch ausfallen mag.“ Auf diese schöne Erkenntnis des Karmatha spricht Gabriel:
„Michael, das war eine brave Antwort! Der Grundstein, bei Karmathas Geburt vom heiligen Schöpfer Selbst gelegt, reicht aus, um Gottes Vorschau zu erfüllen. Uraniel soll mit Alaniel noch verhandeln, sind wir ja im Sinne des Priesters und der Schöpfung eins geworden.“ Dem stimmen alle Fürsten zu und Uraniel fragt:
„Alaniel, willst du Karmatha betreuen, bis er die Vorvollendung in der Sphäre der Geduld erreicht? Willst du Bürge werden, wie wir alle, damit der durch Karmatha vorgesehene End-Erlösungsanteil zur höchsten Schöpferehre und zur heiligen Barmherzigkeit gesichert sei? Bezeuge, daß dein Haus ein guter Schutz für Karmatha ist und bleibt. Sprich für dich, zur heiligen Ehre des Vaters, zur Ehre auch des Hauses Rafael, daß es geschehe mit Ja und Amen vor dem erhabenen Angesicht des Schöpfers, der uns Priester, Gott und Vater ist, und vor allen Seinen Werken!“ Alaniel erhebt seine rechte Hand, die linke legt er auf Karmathas Haupt, er schaut zum heiligen Priesterhaus auf hohem Berg hinüber und antwortet:
„Ich, vom Hochpriester Melchisedek, dem UR-Imanuel von Jerusalem berufene Diener und Träger der Geduld übernehme den mir zustehenden Bürgschaftsteil und darüber hinaus! Das mir gegebene Amt behütet in gerechter Geduld das Kind.“ Die anderen Urerzengel haben gleichfalls ihre Rechte gegen das Heiligtum ausgestreckt, und nun legt Rafael beide Hände auf Karmatha und sagt:
„Meine Liebe zieht mit dir, du meinem Hause geschenktes Kindlein. So will ich dich noch einmal nennen, obwohl der Vater dich zum Kind erhob. Laß dich segnen, Karmatha, gedenke deines Abada und deiner Ajera cara, gedenke der treuen Hüter im heiligen Jerusalem und vergiß keines deiner Gespielen. Vor allen Dingen halte durch die Liebe den Weg zum Vaterherzen offen!! Denn nur mit, durch und in dem Vater wirst du die Liebe auch zu uns bewahren, wie wir jederzeit zu dir.
Zwar wirst du noch nicht aus unserer Mitte entrückt, weil es noch mancher Zeit bedarf, bevor du den Materieweg beschreiten kannst. Doch bedenke: dieser Wegteil ist nur dann gerecht zu gehen, wenn alle Vorbereitungsakte gut geworden sind. Darum erfülle ernsthaft deine Aufgabe aus echter, bewußt denkender und zunehmender Liebe, wie allen Kindern geboten ist. Erkenne im Gebot den Dienst der heiligen Liebe an dir und wisse, daß ein jedes Gebot ein Gnadenhinweis zur eigenen Vollendung ist. Ein Gebot ist keine noch so geringste Beschneidung des freien Willens, sondern ist Wegzeiger und Führer zum Vollendungsziel! — Diese Lehre genüge vorläufig zu deiner neuen Lebenswende.“ — Das letzte Ratwort spricht Gabriel:
„Also sei Karmatha nach des Schöpfers heiligem UR-Willen Alaniel und seinem Hause anvertraut.“ Er führt das Kind Alaniel zu, der es mit Rafael ins Haus der Geduld auf die Urzentralsonne Alphania bringt. Alle Lichtfürsten gehen mit. Sama geht zwischen Pura und Agralea. Als Karmatha als Erster seinen Fuß über die Schwelle des Sonnenhauses setzen darf, sprechen die Fürsten einheitlich:
„Gesegnet sei dein Eingang im Hause der Geduld!“
Sama darf noch eine Weile bei Karmatha bleiben, damit die schnelle Trennung den Kinderherzen keinen Schaden bringt. Madenia wird das Kind zur Rajona bringen, sobald es an der Zeit ist oder Sama Sehnsucht leidet. Doch als die Kinder den Beschluß vernehmen, sind sie überglücklich; denn die bevorstehende Trennung hatte auf alle Freude eine Betrübnis geworfen, die auch im Lichte um der Liebe willen gerechtfertigt ist. Nun danken sie laut jubelnd dem Vater, aber auch in kindlichherzlicher Zuneigung den Fürsten-Engeln.
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