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Kap 2 – Unendlichkeit im Raum. Die UR-Wesenheit und ihre heilige Harmonie

Unendlichkeit im Raum. Die UR-Wesenheit und ihre heilige Harmonie. Eine schnelle gute Ich-Prüfung

Die dritte Halle öffnet sich. Karmatha teilt die Kinder in vier Gruppen ein und sagt, das sei keine neue Ordnung, wie sie dächten, sondern die ewige Grundordnung, die Gottes Liebe offenbarte. Dann führt er weiter aus: „Auf des Vaters Geheiß seid ihr Kindlein in dieser Halle versammelt. Zwar ist euch das ganze Tempelhaus nicht unbekannt, doch sein tieferer Sinn war euch bisher verborgen. Nun betrachten wir uns diese Schöne Halle näher und ihr merkt gar bald, wieviel Geheimnisse sie birgt.

Seht, der Unterschied der vier Wände fällt erst bei genauer Betrachtung auf. In der Vorhalle zeigen die Wände keine Unterschiede, wie üblich auch sonst in keinem Haus. Je mehr ihr eine Wand mit der anderen vergleicht, um so geringer sind sie sich ähnlich. Doch versucht, alle vier Wände mit einem Augenrundgang anzuschauen; und was zeigt sich? Eine feinste Harmonie ergibt das Ganze dieser Wunderhalle. Herrlich gleichen sie die Unterschiede aus, als stütze sich eine Sache auf die andere, als gäbe alles einander seinen Grund.

Wir wollen aber nochmals einen Augenrundgang wagen und — o seht — die Halle wächst, ihre Mauern dehnen sich, die Unendlichkeit schaut zu uns herein! Ich sehe erschrockenen Gesichter. Seid nicht ängstlich, denn größer als die raumhafte Unendlichkeit ist unser UR-Vater ewig. Und Er ist ja bei uns! Folgt nur unverzagten Gemüts der weiteren Belehrung. Darum schnell noch einmal umgeschaut, — und seht, unsere schöne Wunderhalle ist wieder das, was sie vordem war.

Ihr atmet auf und fühlt euch wieder ganz geborgen. Doch steigt die Frage auf, wie solches möglich ist. Nun ihr Kinder, es ist ein Wunder, das die Auswirkung geheimer Ordnung ist. Weil wir diese noch nicht kennen, so erblicken wir in manchen Dingen das Wundermäßige als Unbegreifliches. Allein — Raum und Zeit der UR-Ewigkeit haben nur gesetzmäßige Waltung, die freilich das höchste Wunder ist. Der Vater aber will, daß ihr keine Kindlein bleibt. Ihr sollt in Seinem Gnadengeiste wachsen, womit dann die Erkenntnis wächst, das Begreifenkönnen von endlosen Dingen. Das setzt voraus, daß eure Herzen sich vergrößern müssen, um den großen Vater der Unendlichkeit zu verstehen. Das schönste Wunder aber ist, daß ein Herz beim Wachsen für den Vater nebenher ganz klein und bescheiden bleiben muß.

Wie kann jedoch etwas zugleich klein und groß erscheinen? Nun, unsere Wunderhalle bot uns ein schönstes Beispiel. Der Raum war euch bekannt, und dennoch fremd; nichts wußtet ihr von seinen herrlichen Einzelheiten. Das bezieht sich auf den Vater. Ihr habt euch aus eigenem Antrieb noch nicht sehr mit Ihm beschäftigt und Er blieb euch fremd. Eure Liebe zu Ihm, in Sehnsucht ausgedrückt, war noch so schwach, daß sie kaum gestillt werden brauchte. Jetzt freilich überfällt sie euch und am liebsten würdet ihr euch gleich auf einen wenn auch unbekannten Weg begeben, um Ihn zu suchen. Mit der Sehnsucht wächst auch euer Herz. Da ihr den Vater aber gar nicht näher kennt, wäre es leicht möglich, bei Begegnung an Ihm vorbeizulaufen. Daher ist es besser, zunächst um eine innere Offenbarung zu bitten, damit wir Ihm um so sicherer finden können.

Seht, der Raum, dem Tempel angepaßt, schenkt euch Frieden; in die Unendlichkeit hinausgerückt, macht er euch ängstlich. Das ist ein heiliges Symbol. Ewig bleibt UR-Gott zuerst der Schöpfer, der Seine Werke werden ließ und sogar der UR-Ewigkeit für die Kinder die Begrenzung gab, wenn auch nicht in stofflicher Art. Würden wir zuerst in die Unendlichkeit gestellt, — wir müßten uns in ihr verlieren, denn es würde uns die geschöpfliche Grenze zu einer Fessel.

Darum gab die UR-Gottheit Sich Selbst vier Stufen, über welche sie jede Raum- und Zeit-Unendlichkeit den werdenden Geschöpfen anzupassen wußte. Das sind der Schöpfer und die aus Ihm sichtbar gewordenen Priester-, Gott- und Vater-Wesenheiten, in denen jedes Kind Ihn erkennen kann. Für das Schöpfungswerk offenbart sich das Prinzip des Schöpfers, Priesters, Gottes und Vaters in dieser Reihenfolge; für die Kinder umgekehrt, damit sie zu der für sie geeignetsten Vater-Offenbarung Vertrauen und bewußttragbare Verbindung zum All-Heiligen finden. Haben sie sich mit der UR-Gottheit vertraut gemacht, dann sollen sie — vom Schöpfer ausgehend — selbst zum Vater wandeln.

Deshalb zeigte sich zuerst die Halle als trauter Raum, der euch sinnfällig väterlich schützend umgab. Er gewährt Einblick in die Unendlichkeit, sobald ihr die nötige Reife habt. Und wenn ihr, statt zu erschrecken, Seine heilige Größe spürt, wird Er Sich wunderbar als UR-Vater offenbaren. In diesem Werdegang kann zuerst euer Herz groß werden, um des Vaters Wesen aufzunehmen. In der Unendlichkeit wird das Herz wieder klein und bescheiden, was uns zur allerbesten Lehre dient, durch die wir jene gute Größe erreichen, auch den Schöpfungsgroßraum zu erschauen.

Betrachtet euch die Einzelteile unserer schönen Halle, wie harmonisch ausgeglichen alles ist. Sogar die Wände sind wie unterschiedslos geworden. Das stimmt! Denn nur jenem Kind erscheint die hochheilige Vierwesenheit unterschiedlich, das sich nur einem oder dem anderen ihrer Teile zugewendet hat, was sich besonders auf Seine sieben Eigenschaften bezieht. Lernen wir, alles Göttliche in uns zu tragen, erkennen wir, daß eines wie das andere höchst wichtig ist, so bilden wir uns fast allein die Vierwesenheit wie auch die sieben Eigenschaften. Erfassen wir die Ewig-Heilige UR-Gottheit als ein einheitliches Ganzes, so werden wir in UR den Schöpfer nicht anders lieben, als wenn Er sich als Vater offenbart. Und die Herzkammern seiner Priester- und Gott-Wesenheit sind uns dann vertraut wie Seine Stimme, die in Liebe zu uns spricht.

Zu dieser Erkenntnis gehört ein demutsvolles Herz. Auch in zunehmender Reife sollen wir uns nicht als große Kinder sehen, weil allein der Vater groß zu nennen ist! Ihr habt Seine Unendlichkeit zuvor gespürt, sie ängstigte euch; dabei wurde nur ein kleinstes Teilchen offenbart. Doch selbst die Unendlichkeit, soweit sie raum- und zeitgestaltlich ist, ist klein vor ihrem Schöpfer! Und weil sie in sich klein verbleibt, ist sie als großherrliches Wunderwerk anzusehen. Nicht anders gilt es uns. Bleiben wir wahrhaftig klein, so sind wir groß in des Vaters Größe, die Unendlichkeiten nährt. — Das behaltet nun in euch und seid bemüht, auf diesem Weg zur nächsten Stufe zu gelangen, dann wird der Vater bald erscheinen.“

Still ist es im Raum. Die Kinder spüren das Heilige, in größerer Klarheit offenbart. Eraskar dankt Karmatha herzlich, lobt seine Rede und bittet ihn, er möge so lang bleiben, als es ihm gefällt. Das alles muß der Engel tun, obwohl er reifer ist als Karmatha und daher merkt, daß Gott durch ihn geredet hat in der Sprache, die die Kinder auf das Nächste vorbereiten soll. Auch eines aus der Schar tritt vor, reicht Karmatha die Hand und sagt:

„Karmatha, du großes Kind, Dank sei dir für deine Lehre. Ohne dich läge unser Weg zum Vater noch lang verhüllt. Es fragt sich auch, ob wir ihn gefunden hätten. Deine guten Reden zeigten uns das Ziel. Wir möchten unsern Vater nicht betrüben mit der Frage: Warum sandte Er dich nicht schon eher und zögerte, dieses Kostbare uns kund zu tun? Warum brachte uns Eraskar diese Lehre nicht? Dann könnten wir dem Vater längst begegnet sein. Nun freuen wir uns sehr, daß Michael dich zu uns brachte, sonst könnten wir noch lange auf den Vater harren.

Wir bitten dich, belehre unsern Engel Eraskar über alles Wichtige, was wir vielleicht noch nicht ganz begreifen können, er uns aber mit der Zeit dann sagen kann und so das Seine dazu beizutragen. Eraskar wird dir dankbar sein, wenn du ihm noch mehr erklärst. Nimm noch einmal unser aller Dank entgegen.“

Das große Lob erweckt in Karmatha beseligende Gefühle. Ja ja, er weiß viel und kann Eraskar manches künden, von dem derselbe keine Ahnung hat! Denn kann er wirklich die Kinder dem Vater nahe bringen, o — wie weit muß er schon in des Vaters Herz gedrungen sein! Aller Augen hängen ja an ihm. Schon liegt ihm die Zusage auf der Zunge, den Kindern und dem Engel weiterhin zu helfen. Da erinnert er sich plötzlich Michaels und Elyas Worten, die sie ihm als letzte gute Lehre gaben. Er erschrickt über sich, betrübt sich sehr und bittet den Vater, ihm zu helfen, ebenso klein und demütig zu bleiben, wie er es den Kindern zeigen durfte. Des Vaters Stimme tröstet ihn und spricht:

„Mein Karmatha! Im Lichtreich wandelt kein Kind falsch, weil es das nicht gibt, es sei denn, es ginge von Mir fort. Alles ist unersetzliche Entwicklung; aus prüfenden Gedanken werden gute Taten. In der Materie freilich werden aus meist ungeprüften Gedanken unüberlegte Worte und daher böse Taten, die ihre schweren Folgen haben. Aus scheinbar festen Gedanken geht da der Weg zu einem oft zerstörten Leben, während hier aus schwankenden Gedanken durch fortgesetzte Arbeit das sichere, gefestigte Leben sich gestaltet. Denn hier herrschen Meine Grundgesetze. Darum sei ganz getrost! Doch erkenne, was der Zwischenfall dich lehrt.“ Inbrünstig dankt Karmatha dem Vater und wendet sich nun gleich den Kindern zu, sagend:

„Ihr lieben Kinder, euer Dank hat mich erfreut und ich dachte, es sei gut, wie ihr es wolltet. Doch der Vater zeigte mir, wie es am besten für uns alle ist. Seht, er gab Eraskar euch als einen ganz besonders guten Führer. Bedenket, daß ihr meine Worte nicht verstehen konntet, wenn er euch nicht zuvor so gut geleitet hätte. Er gab euch mehr als ich; und nicht ich kann ihm Zusätzliches geben, sondern umgelehrt ist es der Fall. Ich habe von Eraskar viel gelernt.

Auch danken wollen wir uns nicht, sondern nur dem Vater. Wollt ihr aber nebst dem Vater einem danken, so Eraskar, dem der Dank gebührt. Eure Frage, warum der Vater mich nicht eher sandte, entspringt zwar nunmehr eurer Sehnsucht; doch möget ihr erkennen, daß jeder das erhält, was ihm bekömmlich ist. Auch die Zeit ruht in Gottes Hand! Prüft ihr euch, so werdet ihr erkennen, daß euch früher solche Rede viel zu schwer gewesen wäre; ihr hättet nichts begriffen.

Nun seht Eraskar an, wie er vor lauter Liebe glänzt; denn er führt euch zum Vater hin. Das Gelingen ist sein Lohn! Bedenkt: Solange er bei euch verweilt, muß er selber auf die Anschauung verzichten. Das tut er für euch gern. Unsere Seligkeit ist zwar immer ungemessen; doch die Wonne aller Seligkeit ist die gnadenvolle Anschauung. — Und dich, lieber Eraskar, bitte ich: Reihe mich nur ein in deine Kinderschar, gern lasse ich mich von dir belehren.“

Das ist des Engels schönster Lohn in dieser Zeit. Man bittet ihn um Verzeihung; doch freundlich lächelnd sagt Eraskar, es sei ja ihr Entwicklungsweg. Die Kinder fragen Karmatha, warum er sie in vier Gruppen eingeteilt habe. Der Hinweis ist ein Wort über die Geduld, sie würden es zur rechten Zeit erfahren. Im Garten des Tempelhauses bleiben sie eine Zeitlang mit ernsten Gesprächen und freundlichen Spielen für die Kleinen beisammen. Auch andere Gruppen aus der Mittelsonne finden sich noch ein.

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