← Zurück zu „Der Eine“

Ende:Saels letzte Erdentage, ein Greis geht selig heim; wie Samuel abgehült wird

Schlußkapitel

Saels letzte Erdentage, ein Greis geht selig heim; wie Samuel abgehült wird; heilige Heimkehr.

Samuel kommt unbeschwert in Rama an. Weder Sauls Trabanten noch Philister hemmten seinen Weg, und er drängte zum Erstaunen seiner Freunde förmlich vorwärts. Immer nahm er auf den Wegen Rücksicht auf Mensch und Tier, auf alles, was ihm nahekam. Diesmal — — als wäre er auf einer Flucht oder wolle gleich den Himmel stürmen. Er gönnt sich weder Rast noch Ruh.

Kaum angelangt, stellt sich die ganze Ortschaft ein, ein paar hundert Leute, ihn ehrerbietig grüßend, mit Tränen in den Augen. An Chaha stellt man manche Frage. Nachdem der herzliche Begrüßungssturm sich legt, bei dem erst Schweres zuzudecken ist, dankt Samuel jedem Einzelnen, und aus seiner Sehergabe fragt er einen alten Mann, den alle achten:

„Nun, lieber Hashuba, was hat euch in der letzten Zeit bedrückt? Ich sehe Licht und Schatten, Licht euch zugehörig, Schatten aus der Seelenarmut dieser Welt. Gab wohl ein heiliges Erlebnis, dem ihr in großer Scheu begegnet seid? “ „Wenn bisher nicht“, sagt der Alte ganz bedächtig, „daß du ein Prophet, ein Sendling Gottes bist, so wäre nun erwiesen, daß du einer bist.

Lange bist du weggewesen und wir haben oft um dich gebangt, auch um Rama, um unser Israel. Genau hast du gesehen, was in jüngster Zeit geschah, doch deiner Freunde wegen, die wir achten, die jedoch nicht ‚sehen‘ können, will ich für uns alle sprechen. Und glaube mir, Prophet des Herrn: dankbar lagen wir auf unseren Knieen, haben Gott gelobt, weil uns und auch dir und deinem Hause somit große Hilfe ward. Nun höre bitte zu.

Vor einer Woche kamen erst Sauls Leute an, sich manches stehlend, ansonst uns ungeschoren ließen. Es war eben etwas unter uns, als wäre eine Mauer da.[VH8] Sie durften nicht so handeln, wie sonst üblich ist, zogen auch mit saueren Gesichtern ab, fluchend, sie kämen wieder, wenn Sauls Gegner, sie meinten dich, getreuer Samuel, verdorben und gestorben wäre. Saul hätte dir die ärgste Rache zugeschworen. Wir sagten nichts dazu, um sie nicht zu reizen, doch wir besprachen uns hernach, Saul wäre gegen dich ganz ohne Macht. Hinter dir stünde Gott, den du stets den EINEN nennst. Und wie recht hast du damit!

Das andere wird auch dich verwundern, trotz deiner Schau. Etwa will durch uns der Herr dir zeigen, wie Er dich treulich zu behüten weiß — alle, die Ihm ehrlich dienen wollen. Einvermerkt: ‚Wollen‘ (Röm.7,18)! Doch ich meine, weil Er ja unser Vater ist, sieht Er freundlich unsere Mängel an. Er streicht gewißlich gern, wo kein böser Wille wirkt, sondern aus dem weltgebundenen Unvermögen unserer Seele kommt. Denkst du nicht ebenso?“

Samuel drückt dem Alten beide Hände. Wie recht hat er! Würde er, bloß aus Gottes Gnade ‚Sendling‘, alles bis ins Kleinste wissen, alsdann wäre ja sein Weg verfehlt, jener Teil, der auf ihn selbst entfallen muß, wo das Weltlichste des Lebens dominiert. „Ach ja“, bestätigt Samuel, „wie könnte ich mich überwinden, meine Fehler — Rashi und die anderen, wehrt nur ja nicht ab, ihr hättet bei mir keinen Fehl gefunden, bedenket: es gibt keinen Menschen, der ohne Fehler, ohne Sünde ist.

Sicher unterschiedlich, wer absichtlich Böses tut oder durch die Weltgebundenheit, wie auch uns es überfallen kann, oder ob man sich bemüht, ein weltseelisches Fehl so gut wie möglich abzustreifen. Gerade darin, in dem Gut und Bös des Menschen, muß bei jenen, die Gott extra sendet, um Sein Heilswort zu verkünden, einem Ort, einem ganzen Volk zu helfen, alles, was sein Menschentum betrifft, nicht völlig offenkundig sein.

Wenn ja, wäre es zu leicht, sich zu überwinden und wäre nicht des Lohnes wert. Man würde ja auch Gottes gnadenvolle Führung an sich selber nicht erleben. Da ginge einem viel verloren, die Verbindung mit dem Herrn aus eigenem Vermögen, jene tiefe Freude: ‚Gott, der Heilige, ist für mich da!‘ — Nun sprich weiter, Hashua, ich möchte hören, was jüngst geschah, was weiterhin noch zu berichten ist, das Finstere der Feinde und — sah ich recht? — das Hohe Licht der väterlichen Gottesliebe.“

„Du stellst dich auf die gleiche Stufe, wo wir alle stehn“, fällt Khemal ein, „was dich besonders lieb und wertvoll macht. Nie hast du deine Sonderheit herausgekehrt! Hast du Gottes Offenbarungen im Wort und Bild empfangen, dann hast du sie uns mitgeteilt, als wären wir dabei gewesen. Mitunter schon und hast uns festgehalten, damit wir ob der Gnade nicht vergingen, stand Gottes Heiligkeit bei uns. Nun“, Khemal wendet sich dem Alten zu, „ich bin auch begierig, was sich bei euch zugetragen hat.“

Die von Rama rufen: „Sag‘ alles, wie es war!“ „Das will ich tun. Als die Saulischen gegangen waren, kam ein Trupp Philister, keine große Schar und anzunehmen, daß sie jenen folgen sollten. Wie sie unser unversehrtes Rama sahen, schrieen sie voll Gier: ‚Aha, da ist viel zu holen!‘ Wir waren auf der Hut, verteidigen konnten wir uns aber nicht, selbst wenn wir auch bewaffnet wären. Und das waren wir ja nicht. O, unsere paar hundert Männer,— nichts hätten sie gerichtet.

Erst wollten sie dein Haus erstürmen, lieber Samuel. Warum gerade das fiel uns erst später auf, nachdem der Schwarm verschwunden war, fortgejagt, heulend, wie von Furien gepeitscht. Wie konnte das geschehen? Es ist uns bekannt: keine andern Stämme sind so roh und zügellos wie jener der Philister. Mit unsern Leibern wollten wir dein Hab und Gut verteidigen. Und blieben staunend stehn, mit der gewissen Furcht, dann mit — ach, es ist niemals zu beschreiben, als wir das ‚Wunder unseres Gottes‘ sahen!‘

In deiner Türe stand ein großer Mann. Er trug ein härenes Gewand, welches aber glatt und glänzend wirkte, oder so — nun ja, es war etwas Sonderliches an dem Mann. Er sprach zu den Phiistern: ‚Was wollt ihr hier in diesem Haus? in diesem Ort, über dem die Hand des Gottes Israel gebreitet ist? Wißt ihr das Geschehen nicht, als ihr‘ Gottes heilsgehütete Bundeslade raubtet (Kap.3 u. 5)? Soll jetzt auf euch das Gleiche kommen? Hier‘, der Hohe trat zur Seite, aber bloß soweit, um jeweils einen Einzelnen hindurchzulassen, ‚kommet her, tretet ein, und merket dann, was mit euch passiert!‘

Das Wort glich Blitz und Donner. Für uns aber, Samuel, war jeder Laut so sanft, unaussprechlich gut betont, wir fühlten uns darin geborgen, wie eingehüllt ins härene Gewand des Hohen Herrn. Ob es GOTT gewesen ist — wir haben nicht danach gefragt. Ob es ein Engel war, ist ungewiß. Der Heilige kann auch einem Menschen einen solchen Auftrag geben; aber — “ Und der Graubart stockt, er wagt es nicht, den innersten Gedanken preiszugeben.

Der Prophet braucht eine Weile, um das Bild herauszuschälen, wie das Geschehen zu betrachten ist. Aber mehr und mehr erhellt sich sein Gesicht, wie von jenem Glanze überstrahlt, den die von Rama an dem Hohen Mann erkennen konnten. Bloß muß erst mal der Körper, übermüdet, seine Ruhe haben. Fürst Chaha sieht‘s zuerst, winkt in die Runde und sagt besonnen:

„Geht nach Hause, heute Abend kommt zum Anger. Samuel braucht eine Ruhe, wir auch“, er meint seine Gruppe, lächelnd: „und unsre Tiere sind zu tränken und zu füttern.“ „Das besorgen wir“, ruft ein Jüngling. „Los, los“, fordert er zwei Knaben auf, „ist auch ein kleiner Gottesdienst, der Kreatur zu helfen!“ Genau, und so warten alle auf den Abend.

Drei Frauen haben rasch bei Samuel gekocht, gesäubert und Lager für die Männer hergerichtet. Sie lassen es sich schmecken und dann sinken sie in einen guten Schlaf. Rundum wird das Haus bewacht. Die es tun, würden sich verwundern, sahen sie, daß es außer ihnen auch noch ‚andere Wachter‘ gibt.

Als Samuel erwacht, weiß er es: Das Letzte naht. Er fühlt sich aber sehr gestärkt. Bald sind sie alle munter und man geht zum Anger, der am Ortsrand günstig liegt. Alles strömt herbei, Männer, Frauen und auch Kinder. Es ist, als ob es jeder spürt, ohne es zu wissen: ‚Samuels Abschiedsrede kommt‘.

Tiefe Stille. Seitlich, doch im Kranz der Leute eingeschlossen, steht der Seher. Letzthin ging er manchesmal gebückt, nicht nur aus der Last der vielen Sorgen, auch durch die Last des Alters mit bedrückt. Heute steht er da, ungebeugt, als wäre er ein junger Mann wie damals, wo er vor der Gotteshütte den Raub der Bundeslade nicht verwehren durfte — aus Gottes heilsgewohntem Zorn, jenem Zürnen einer gnadenvollen Zucht, die die Kinder auf dem Wege ins Verderben allzeit zu behüten weiß.

Menschen, die von Gott abgewendet, ahnen nicht, daß sie niemals ohne Seine Führung sind. Wenn nicht — es gäbe kein Entrinnen aus der selbstgewählten Schlucht, die das ‚los-von-Gott-dem-Schöpfer‘ mit sich brächte. Was wissen sie von ihrer Gottheit, die unzählbare Werke lenkt und auch erhält?’ und das Kindervolk, wie geschrieben steht: ‚ … das niemand zählen kann‘ (1.Mo.15,6; OJ.7,9 u.a.)?

Des Propheten Augen schweifen über alle hin, eine kleine Schar, und dennoch eine Menge, die nicht zu übersehen ist. Sind Heimgegangene des Volks dabei?’ ab Abraham gerechnet?’ oder noch viel mehr? All die Menschen, die über diese Erde gingen und aus dem Jenseits sich versammelt haben? Er sieht‘s und sieht‘s doch nicht, er spürt die Masse und steht doch allein dem Heiligen gegenüber. Da hebt er seine Hände hoch und spricht das wunderbare Wort, das Gott einst anbefahl: ‚Wenn ihr aber segnet, dann …“

– Der HERR segne dich, und behüte dich;

– Der HERR lasse Sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;

– Der HERR hebe Sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden!‘

Freunde, durch Mose ließ der Herr uns wissen: ‚Wie hat ER‘, der Vater, unser Heiliger, ‚die Leute so lieb‘ (5.Mo.33,3)! Ein Wort mit aus Mose‘s Überzeugung kommend und als Letztes seiner Menschenliebe Israel mit auf dem Wege gab. Aber nur für uns? Ihr erkennt es selbst, die ihr heute dieses ‚nahe Wort‘ empfängt, immer angebunden an die Gnade unseres Herrn! Denn Sein Wort hört niemals auf, Seine Liebe hat kein Ende, Barmherzigkeit ist das A und O der führenden Allgegenwart. Auch wir sind eingehegt in dieses ‚liebe Leute‘, und wird fernerhin es niemand geben bis ans Ende dieser Welt und weiter noch in hehre Himmelsferne, in der Gottes Kinder wohnen.

Wir haben mehr als acht Jahrzehnte ohne Frieden leben müssen; Krieg und Krankheit suchten viele Völker heim. Es soll aber keiner sagen: ‚Zuchtrute Zebaoth!‘ Hat ER den Krieg, Tod und Not befohlen? Ich brauche weder euer Ja noch euer Nein; beides steht dem Herrn zu Seinem hohen Recht! Sagt ER ‚ja‘ dazu, so ist es über allem Übel Seine väterliche Güte, weil im Leid die Menschen eher zur Besinnung kommen — wer nun will, und wer sich dann dem Willen Gottes auch zu beugen weiß.

Sein ‚nein‘, ihr Freunde, die ihr bei Seinem Wort geblieben seid, besagt, daß während unseres Weges durch die Weltmaterie wir soviel Freiheit haben, selbst die Hölle, selbst das Paradies zu schaffen. Hier das Innere des Herzens, unsrer Seele, die sich durch den Geist zu Gott erheben lassen soll, gemeint. Wie unser Leib, so vergeht dereinst die Welt mit allen ihren Schründen, die Weltlichen, das menschlich Sinnlichste am Menschen.

Wir sind von drüben ausgegangen, ganz gleich, aus welcher Stufe oder Sphäre kommend und ewig bloß nach drüben unser Lebensweg zurück. Seid nicht betrübt, weint nicht, wenn ich sage: Jetzt ist meine Zeit gekommen, ich darf heimkehren in des Vaters Haus. Denkt daran: keiner bleibt zurück, ihr folgt mir alle nach, einer früher, der andere später; und wir folgen alle unserm Herrn, der ja unser Gott und Heiland ist (u.a. aus der alten Zeit bestätigt: Ps.17,7; Jes.43,3 u.11; Hos.13,4).

ER geht vor uns her, ER lenkt unsern Fuß, ER bestimmt die Zeit, auf Erden und in Ewigkeit! Wo Er, der Vater und der König ist, da gibt es jenen Frieden, den die arme Welt nicht kennt! Außer kleinen Übeln, die eigenen und fremde Feinde über Rama brachten, seid ihr wie fast kein anderer Ort beschützt gewesen. Ah“, Samuel zeigt mit einem beinah heiteren Gesicht auf seine kleine Schar, wie er Rama‘s Leute nennt, „euere Gedanken sind zwar gut, aber fehl am Platz, — nicht zuletzt vor unserm Gott.

Ihr alle wähnt, durch mich sei der Friede hier erhalten, weil ich Gottes Sendung bin und wäre so die Gnade, dieser Friede stets bei euch gewesen. Nun“, Samuel zögert etwas; spürt er, was er sagen soll und aus sich nicht will, aus der Demut seinen Herzens? „Ein wenig ist durch mich das Heil bei euch geblieben, aber vorwiegend durch euch selbst.

Die Gebote habt ihr stets befolgt und spielt es keine Rolle, ob jemand mehr oder weniger erkennt. Viel, liebe Freunde, sieht der Höchste nicht im Vorrang an, nur wenn es aus des Sendlings Auftrag sich ergibt. Ist das Wenige treu und gut, steht es über manch von Vielem, was durch Wissen und durch Forschen kommen kann. Als Knabe mußte ich bei Eli alle Rollen lesen und waren deren viel, die mir unsern Schöpfer offenbarte, so daß ich wohl auf diese Weise in Sein Licht, in Seine Führung mehr gelangen konnte als jemand, der die Rollen nicht besitzt.

Immer aber besser noch ein redliches Gemüt und ohne Rollen, als mit diesen und den Weg verfehlt! Ihr habt ganz andere Rollen lesen dürfen — die aus Gottes Werk, die auch die Natur uns lehrt. Sehen wir in all der herrlichen Natürlichkeit, bei Nacht die Sterne, bei Tag die helle Sonne, Wiese, Wald, Feld und Flur, die Hände unseres Schöpfers, dann haben wir das beste Buch gelesen, das je ein Mensch zur Hand bekommen hat (Jos.1,8).

Geht für einen Sendling nebenher, aus Schriften Gottes Führung zu erkennen, um Seinen Willen, Seine Worte zu verkünden, so ist das kein ‚voraus‘ gegen jene, die das ‚Buch der Werke‘ lesen. Ihr von Rama seid die Hüter eurer kleinen Stätte selbst; denn durch euren Glauben, durch die Liebe zu dem Herrn und manchem mehr, habt ihr Seine Hut herabgefleht, mit und ohne Worte. Ihr wißt ja solches: ohne GOTTES Hut gibt‘s keine auf der ganzen Welt! Und nirgendwo im unermeßlich weitgedehnten All!

Bleibt immer treu, wenn auch einmal Schweres kommen wird. Denket nie: ‚Wäre Samuel bei uns, hätte uns die Not nicht überfallen.‘ So gedacht, verliert ihr jene Richtung, die zum Himmel führt. Seufzt auch nicht: ‚Hätte Gott uns nicht verlassen, dann …‘ Dieses Denken wäre noch viel übler als es alle andern sind. Nein, meine lieben Leute, es gilt das eine:

Man verliert die echte Demut, geht es immer gut. Da heißt‘s: mein Tun hat mich bewahrt! Daraus entspringt der Hochmut, der das EGO hebt. Da wähnt man sich so weit, um nichts hinzuzulernen und — kann GOTT verlieren. Denn der ärgste Feind des Lebens liegt im Menschen selbst. Der größte Helferfreund ist immer GOTT !

Etwas sei noch überlegt: Würde zu euch nie ein Unbill kommen, dann werden eigene Hausgenossen, Israel gemeint, eure Stätten hassen. Wie auch wollt ihr euch bewahren, den Tribut dem Höchsten opfern, ginge alles glatt dahin? Bisher ließ man euch in Ruhe, weil man weniger Gott als mehr mich gefürchtet hat. Hebt immer eure Augen auf zu den Glaubensbergen, von denen eure Hilfe kommt (Ps.121).

Laßt uns beten, Geist und Seele vor dem Gottesstuhl, und alles, was uns überkommt, dem Herrn vertraut.“ Samuel kniet nieder, jeder tut es nach, das Haupt erhoben, als wolle man den Himmel auf die Erde holen. Über die Gemeinde streicht ein Wehen, wie ein sanfter Wind und ist‘s wie ein Zelt, das allesamt umschließt. Und das ist, was Gottes Seher spricht:

„Ewig-Heiliger, wunderbarer Gott, Heiland und Vater von alters her, aus einer Zeit, die der Geist verspürt, die wir Menschen aber höchstens ahnen können aus der Ewigkeit, deren Träger Du alleinig bist. Du hattest Deine Kinder aus dem Born der Schöpfermacht- und herrlichkeit herausgehoben, noch ehe wir zum selbstbewußten Leben kamen, hast mit hehren Priesterhänden uns gesegnet. Dann hast Du uns in Deine Gott-Geduld, in die Heilandsliebe eingehegt, uns wachgeküßt im Lichtstrahl der Barmherzigkeit. Und da offenbartest Du Dich als der V A T E R !

Dürfcn wir das wissen, ist es eine Gnade ohnegleichen, auch wenn wir es nicht voll erfassen, selbst wenn des Leibes Last uns nicht bedrückt. Doch in jeder Bürde ist das Walten der Erbarmerliebe zu erkennen; denn da zeigst Du uns das Heil, die Heilung unsrer Seele, die oft so widerspenstig ist und des Geistes Führung nicht gehorcht, wie es leichthin möglich wäre.

Heute, Herr, will ich nicht allein für meine Freunde, nicht allein für Israel Dich bitten, ja als Dein Prophet nicht allein für diese Welt und ihre armen Kinder; heute hebe ich mein Herz zu Dir empor und gedenke Deines Werkes, der Du ewiglich der E I N E bist! Ich weiß wohl: Dein Werk, das bist Du Selbst, und darin offenbart sich Deine allmachtsvolle herrlichkeit!

Daß Du alle Werke DIR erhältst, dazu braucht es keiner Bitte, zumal fürs schönste Werk: Dein Kindervolk! Aber daß der Abfall zur Besinnung kommt, die Gestürzten, die Du besonders durch die Liebe trägst, er-trägst, Vater der Barmherzigkeit, um das bitte ich. Zwar kann keines Kinder Flehen mehr erreichen, als was Du Selber vorgesehen hast. ‚Deine Vorsehung‘ gipfelt in dem einen Wort, Dir gleich, und heißt R E T T U N G !

Wäre es da nötig, Hände zu erheben?, zu flehen, Du möchtest der Verlorenen gedenken? Kann unser Bitten mehr erreichen, als was in Deinem väterlichen Herzen wohnt und ewig seine Wirkung hat? O Herr, Vater, ich weiß, daß dies nicht möglich ist. Denn niemand kann mehr wollen oder geben, als was im Quell der schöpferischen Herrlichkeit verborgen liegt. Und aus dem Verborgenen hebst Du das heraus, was aller Kinder heil und Segen ist, weil aus der Quell-Verborgenheit auch unser Leben kam.

Das aber hast Du mich gelehrt: an andere denken, für sie bitten, weil Du unsere Gebete in das Meer der Ewigkeit von Raum und Zeit versenkst. Es sind die Tropfen, die Dein Meer nicht größer machen, nicht gewaltiger werden läßt, aber — diese Tropfen sammelst Du und verwendest sie in Deinem Segen! Herrlich und erhaben hast Du alles vorgesehen, hast die Fertigkeiten Deiner Werke im GEDANKE-Gut der schöpferischen Allmacht vor Dich hingestellt und hast sie wirksam werden, lassen, als Dein Gedanke-Gut zum WORTE ward!

Aus diesem nahmst Du dann die TAT, hast in jenen für uns völlig unerrechenbaren Jahr-Millionen, die ‚UR-Ewig‘ heißen, niemals auf gehört ‘zu schaffen — für Deine Kinder, wie für jedes Deiner Werke. Könnte eine Sonne ihre Bahnen ziehn, wenn nicht DU, o Heiliger, ihr Licht und Wärme gibst? Kann die Unzahl Deiner Sterne glänzen, so nicht DU dem Himmelsheer den Glanz verleihst? Und können wir, Vater hoher Gnadenliebe, je bestehen, wenn nicht DU uns in den Mantel der barmherzigen Vergebung hüllst?

Nichts, nichts ist möglich ohne Dich!

Wir preisen Deine hocherhabene, wundersarne Wesenheit, wir begeben uns in Deine väterliche Hand und mit uns erbeten — unser Volk, die Menschheit, die es bitter nötig braucht. Siehe gütig auf uns nieder, und wer des Weges letzte Erdenstrecke geht, den nimm an Deine Hand, führe ihn, hol’ ihn heim! Preis und Ehre, viel Ruhm, Lob und Dank Dir dargebracht, stets in Liebe, Ehrfurcht und in Anbetung. Ewig-Heiliger, Ewig-Einziger und Wahrhaftiger, Du der E I N E !

Wer hat nicht in flammender Erhebung mitgebetet? Oder wessen Herz blieb unberührt? Ist es nicht, als ob die mehr als dreihundert Leute e i n e s wären, ein Ganzes vor dem Herrn — ? Lang dauert es, bis einer nach dem andern sich erhebt, nachdem Samuel, gestützt von Chaha und von Khemal, aufgestanden ist.

Einen andern Graubart hebt man hoch. Ihm besonders ging die Rede nah. Ist es auch ein Seherbild? Ihm ist‘s, als dürfe er mit Samuel die letzte Strecke wandeln. Nicht wie der Prophet, da fehlt ihm zu viel, wie ein Rückblick auf den Lebensgang sich zeigt. So vieles müßte ungeschehen sein. Welchem Menschen widerfährt das nicht? Es ist die Folge! Er wird‘s erleben, der liebe Greis. —

Frühester Morgen anderntags. Man ließ ihn nicht allein, die Nachbarn hatten wie ihn oft betreut, und so nahm Abelae ihn am Abend mit zu sich, freundlich sagend: „Vater Ka‘jiun, heute bleibst du gleich bei uns, auch ein Lager ist bereit.“ Er winkte ab, er mochte niemand lästig fallen. Doch an diesem Abend, nach dem Gebet des Samuel, war es ihm doch, als ob er Hilfe brauche; und mit stummen Dank war er bei Abelae eingekehrt.

Gerade steigt die Sonne überm Horizont herauf, mit einem sanften Rot, wie seltener geschieht, und bald mit ihrem Strahlenglanz, so daß sie einen schönen Tag verheißt. Bei Abelae, wo der Alte gut gebettet liegt, ist es dessen hilfsbereite Frau, die Micheam, die in der Frühe an das Lager tritt, zu prüfen, ob Ka‘jiun sie braucht. Es genügt ein Blick auf den Greis, sie weckt ihren Mann: „Komm rasch, ich glaube …“ und sie geht zurück.

Abelae fährt in seine Kleider. Als er Ka‘jiun berührt, merkt er schon die Todesschwelle. Noch aber sind die Augen nicht gebrochen, ein Glanz liegt auf dem faltigen Gesicht, dessen Lebensrunen, von viel Leid und Sorge kündend, sich allmählich glätten, als würde eine Hand darüberstreichen. Ein Flüstern:

„Verdient habe ich das nicht, nun darf ich doch vor Samuel die letzten Schritte gehen und ihn vielleicht erwarten, damit ich ihm durch Gottes Güte folgen kann, wie hier auf Erden, so hernach in Gottes Paradies, das ER uns zubereitet hat.“ Ein mühseliger Atemzug und gelispelt: „Werde sicher erst in weitem Abstand folgen können. Doch das Licht des Sehers wird sich weit verbreiten, und so brauche ich bloß einfach diesem Lichte nachzugehen und komm‘ einst ebenso zurück ins Vaterhaus.

Meine vielen Fehler muß ich alle einbekennen, habe große Angst davor. Und doch — “ eine lange Pause, „ — dennoch weiß ich um die Güte unsres Gottes. ER wird mich heilen, ER wird mir vergeben, mich trösten und dann hernach — “ Weiter kommt der Müde nicht. Der Mund verstummt, die Augen schließen sich von selbst, ein seligschönes Lächeln breitet sich auf dem Gesicht des alten Mannes aus. So wie Kinder lächeln können.

Micheam stürzen Tränen aus den Augen. Sie hat ihn immer gern gemocht. Als er noch rüstig war, hat er überall geholfen, obwohl er öfter mürrisch war, wortkarg, manchmal sogar brummig. Ansonst stand er in Rama wohlgeachtet da.

„Wir müssen sofort unserem Ältesten, dem Patael, berichten, und für die letzte Ruhestätte ist sehr rasch zu sorgen. Ob man es noch heute dem Propheten — “ Abelae zögert. Man hatte gestern das Gefühl gehabt, ob nicht ihr vielgeliebter Seher sehr bald gehen würde, und dann wären sie verwaist. Nicht bloß ihr kleines Rama, ach nein, es würden alle, die ihm fleißig nachgegangen sind, die im Glauben sich bewährten, die traurigen Verwaisten sein, wenn …

„Rufe Chaha mit herbei“, gebietet Abelae seiner Frau, „der Fürst wird wissen, ob man Samuel belasten darf.“ „Ich hab‘ geträumt“, berichtet Micheam, „es kam ein großes Licht, wie eine wohlgeformte Lampe, und als ob sie jemand trüge, so sah es aus. Dann wurde eine herrliche Gestalt daraus, sie kam und ging wieder fort und — ich erwachte. Da kam mir der Gedanke: das war Samuel! Als LAMPE kam er in die Welt, als großer GEIST kehrt er zu Gott zurück.“

„Micheam!“ Ihr Mann reißt sie förmlich an die Brust. „Das hast du geträumt? O, das hast du für uns alle sehen dürfen; also wird wohl heute noch — “ Was geschieht, wagen sie nicht auszusprechen. Der hohe Lichtgeist geht, spüren sie tief innen im Gemüt. Auch Abelae wischt verstohlen über seine Augen.

Der Tag neigt sich dem Ende zu. Flüstern in der Runde. Ka‘jiun bringt man in der sechsten Stunde (gegen Abend) in die Gruft. Der Tag war heiß, man konnte ihn nicht lange liegen lassen. Wie aber in der Frühe, so breitet sich am Abend auch ein zartes Rot am Himmel aus, das gesamte Firmament behauchend. Nicht allein in Rama, viele Leute sehen hin zum Horizont und mancher: ‚Es geschieht etwas, der Herr setzt uns ein Himmelsmal.‘

Die engsten Freunde sind bei Samuel versammelt, der erst in den letzten Stunden krank geworden ist. Sein Geist, die lichtgeprägte Seele, überwinden dieses für sie kleine Ungemach. Chaha, Khemal, Rashi, Lamuor, Patael, Abelae mit Micheam, und an diesem Tag weit hergekommen, als hätte sie der Gottesgeist geführt, sind Sallu und Rebonara mit im Raum; nur stehen sie nicht dicht am Lager, um den Sterbenden nicht zu bedrängen.

Er liegt mit jenem hellen Leuchten da, wie es stets gewesen ist, wenn Gott ihm durch die Offenbarung nahe war. Die letzte Anweisung sprach er mit Chaha durch. Auch in Rama leben ein paar Arme. Ihnen soll zu gleichen Teilen Haus und Hof gehören. Was er sich ersparen konnte, soll für Waisenkinder, die in Rama leben würden — manchmal werden Eltern eher weggerafft —‚ aufgespart und für ihren Lebensweg verwendet werden. David läßt er sagen:

„Sohn des Isai, gedenke, als du der Hirtenbube warst, glücklich bei dem Harfenspiel, freundlich gegen jedermann, mutig und gern hilfsbereit. Gelangst du auf den Thron von Israel, dann erinnere dich meiner letzten Worte. Bleib‘ dem Hochsten immer treu, nicht bloß mit wohlgesetzten Liedern und mit deiner schönen Stimme, mit dem Spiel, das ein Gemüt erfreuen, sogar hellen kann. (s. Saul)

In der Demut vor dem Herrn gehe jedem Unrecht aus dem Weg, mache es dem Saul nicht nach, deine Hand mit Mord zu röten (was später eingetroffen ist, als ob auch das der Seher vorher sah). Höre auch die kleinen Leute an, denn diese sind das Volk, nicht bloß die paar Großen, die deinem Throne nahestehn.

Rüste nie zu einem Krieg, wirst du überfallen, lasse deine Feinde leben. Bleibst du auf dem Weg des Herrn, dann wird Israel sich in der Welt bewahren und kann mit anderen zum Volk des Lichts gehören. Gehst du aus auf Raub und Mord, dann befällt dein Sohn nach seinem ersten Glanz der Wahn der Welt (1.Kön.10, bes.V.14), und das geeinte Israel wird‘s nie mehr geben.“ (alle zwölf Stämme)

Für Samuel naht der Mittag, als ihn eine große Trauer überfällt. „Ach mein Lebensweg, vor dem Herrn muß ich‘s bekennen: ‚Du heiliger, oft bin ich in eine Schuld geraten, habe unterlassen, was zu tun im Rechte stand, hingegen das getan, was Deinem Geiste widersteht. Nun vergib mir, Vater, herzlicher Barmherzigkeit, lasse mich trotz aller Menschenfehler jetzt in Frieden heimwärts ziehn.

Gnade hast Du mir gewährt, mich nie von Deiner Hand gelassen und mir bei Freund und Feind geholfen. Alle guten Gaben sind von DIR gekommen, und wie ich gestern, angerührt von Deinem Liebelicht, mit meiner Herzgemeinde“, er meint Rama, „zu Dir beten konnte, also höre mein Gebet jetzt auch in Gnaden an.

Lasse meinen Engel kommen, er möge mich begleiten, ob es auch nur stufenweise aufwärts geht. Und das ist heilsam für den Seelenrest. Legen wir auch ihn in Deine Vaterhand, dann mag‘s ein Rückbring körnlein sein, das Du in Freundlichkeit besiehst, darüberhauchst und den Altar Deines Hohen Hauses ziert …‘

Allmählich zeigt sich jenes wundersame Rot, gleich zwei Flügeln, über Gottes Himmel ausgespannt, von einem bis zum andern Ende, wie den Anschein habend, als würden diese, aus dem Untergang der Sonne hochgewachsen, sich mit ihren Spitzen weit im Osten nähern. Alsbald richtet sich der Seher hoch, von Micheam gestützt. Und da — da geht die Türe auf, während vor dem Haus die Leute einen lichten Schatten sahen, der hineingegangen ist. Durch die Fenster sieht und hört man, was geschieht.

Unwillkürlich weicht man vor der Form zurück, die sich als eine herrliche Gestalt entpuppt. Wer — ? Man wagt nicht zu denken, am wenigsten zu fragen. Selbst Samuel weiß die Gestalt nicht sofort einzuordnen. Ist‘s sein Engel? Ist‘s der Herr? Er reckt die schwach gewordenen Arme aus, jene rührende Gebärde, die mehr als welche Worte sagt. Der Hohe bleibt am Lager stehn.

„Samuel, du hast dein Tagewerk vollbracht und wirst heimgeholt. Ich frage: bist du ganz bereit, Mir zu folgen oder auch an Meiner Hand zu gehn?“ Beinah ist‘s ein Ächzen, was sich dem Menschenmund entringt. „Du? Du Selber? Ich wartete auf meinen Engel, und es wäre meine Seligkeit gewesen, wenn mich, der Lichtgeist, der mich stets begleitet hat, gekommen wäre und wäre obendrein ganz unverdient. Nun — nun — — “

„Die Erschütterung zeigt die Mir bewahrte Treue an. Was der Mensch verfehlt, ohne argen Willen, das kann gestrichen werden, bevor ein Heimkehrkind die Schwelle Meines Heiligtums betritt. Abgerechnet wird zwar stets, weil ohne dem es keine Seligkeiten gibt. Und merke dir, Mein Samuel, merkt euch alle“, wendet Gott Sich um, „es kommt weit weniger darauf an, wer eine Seele holt. Bin Ich es Selbst, so ist‘s noch lang kein Vorzug vor den anderen; denn wo Engel, wo ein anderer Gesandter kommt, steht Mein Auftrag in dem Wort: ‚Geh, und hole Mir das Kind!‘

Dann ist‘s nicht anders, als wäre ICH gekommen. Mein Selbstkommen ist das Zeichen, das der Mensch benötigt — dann und wann. Wird es bis in fernste Zukunft angezeigt, so kann jedermann für sich die Gnade haben. Es gibt auch Seelen, die nicht abzuholen sind, nicht so gemeint — erschreckt doch nicht — ‚ daß die ewiglich verloren wären. Nein! Das sind immer solche, die sich ihr Leben selbst verdarben, die in der Gottesferne stehen blieben, Mich nicht kannten und den Nächstendienst nicht übten. Allein der Nächstendienst ist der echte Dienst für Mich!

Wieder nicht gemeint, weil Rebonaras gutes Herz, ihr andern aber auch, vor Mir bedenken will, wie es mit all denen stünde, die Mich überhaupt nicht kennen, aus Geburt, aus Erziehung und manch andere, die man die sogenannten Heiden nennt. Merkt auf! Diese Seelen werden abgeholt, weil sie ja bloß aus Unkenntnis Mir auf dem Weltweg ferne standen.

Also gilt Mein Kommen heute absolut nicht Samuel allein, ebenso Mein Segen. Wer treulich glaubt, dem bin Ich nahe! Und seht das hehre Himmelszeichen an“, der Herr zeigt mit der Rechten durch das große Fenster. Sicher ist es bloß ein Bild, weil die Perspektive das Natürliche nicht ergeben kann, während man genau den  weiten Himmel sieht und dieses rote Flügelpaar, an seinem breiten Auswuchs tief im Westen, die Spitzen hoch im Osten sich vereinend und so das Firmament umschließend.

„Die Flügel Meiner Herrlichkeit, der Güte und Erbarmung, die die Menschheit, all die armen Seelen und gestürzten Wesen himmelsnah umhegen und seht ihr eben nichts, was außerhalb der Flügelspannen existiert, die kleinen und die Großen. Und ob fern von Mir, ob nah, alles, alles bleibt in Meinem Raum- und Zeitgehege!

Allerdings: solang ein Kind sich trotzig stellt, wissentlich viel Unrecht tut, seiner Ich-Welt frönt, das mißbraucht, was ihm zuteil geworden ist, das steht von sich aus außerhalb der Flügelgnade,- nie aber außerhalb der Schöpfermacht! Wäre das, dann wäre solche Seele rettungslos verloren. Und das gibt es bei Mir nicht!! So töricht können bloß die Weltlinge es denken oder lehren.

Nun ihr Meine Worte hörtet, so nehmt gern für euch in Anspruch, daß keiner von euch mehr, keiner weniger erhalten hat und daß, wenn jedermannes Erdenende kommt, er sänftlich heimgetragen wird. Ob es einer merkt, wie hier geschieht, ob ohne das bewußte Wissen, bleibt sich gleich. Meine Gnade wie zudem auch Meine Liebe hängen nicht vom menschlich armen Wissen ab.

Dich, Samuel, frage ich: willst du mit Mir gehn?’ soll dich dein Führerengel holen? Sprich, deine Bitte wird erfüllt.“ Staunend hat der Seher Gottes Wort gelauscht, in einer Hingebung, die ihm trotz hohem Glaubensstand noch niemals möglich war. Er sieht auf zu dem, der für ihn immer VATER war, alles in allem, der EINE ! Er antwortet beinah wie ein Kind:

„Vater, heiligwunderbarer Gott, allmachtsvoller Schöpfer, der Du priesterlich an Deinen Kindern handelst, heimzukehren ist die für mich die höchste Seligkeit. Führe DU mich, geistig lasse mich Dir folgen, Deinen Gang beachten. Deine Füße hinterlassen jene Spur, auf der man unbedingt ins Reich des Lichtes kommt.“

„Gut gesagt!, und nicht dich allein, Mein Seher auf der Welt, durchströmt Mein Licht. Wer dies erkennt, es im Herzen aufzunehmen sucht, wird immer darin wandeln. Nicht erst, wenn ihr heimgekommen seid, obwohl es dort ganz anders strahlt, als es in der Materie möglich ist, obendrein zum Schutz der Wanderkinder, vor allem als ein Schutz für arme Seelen und verirrte Wesen.

Immerhin — wer glaubt, daß Ich das Licht für jeden bin, der wird trotz dickster Finsternis, die keinen Einfluß auf ihn haben kann, im Lichte wandeln. Die Folge, hier die ‚Nachfolge‘, wird jedem Kind das echte Leben schenken (Joh.8,12 u.a.). Mein Prophet hat es euch kund getan“, Gott wendet sich an alle, im Raum und vor dem Haus, „es wird in eurem Ort nicht immer Friede sein; denn die Weltlichen sind darauf aus, überall zu stören, wo Licht und Wahrheit sind, wo Ich reinen Herzens angebetet werde.

Ich aber sage euch: Fürchtet euch nicht, die Welt kann bloß das Weltliche sich nehmen, die Kinder der Materie die Materie, und sonst nichts! Jedes Geistesgut, das ihr und alle Meine Wanderkinder auf dem oft nicht leichten Pfad durch die Materie erhalten haben, wie es all die Meinen auch besitzen, ob sie getreu am Altar (Heiliger Herd) standen oder schon ihr Soll erfüllten, ob sie die ‚Mit-Opfer-straße‘ erst noch auf sich nehmen, in ihrer Lichtfreiheit erbeten, das hat bei Mir ein Gewicht!

Bleibt ihr in der gewonnenen Erkenntnis fest, haltet die Gebote ein, die Ich euch durch Mose wissen ließ (2.Mo.K.20), so wird euch keine Finsternis, kein Feind und nichts erschrecken. Und das euch zum Trost gesagt: Ich verlasse nicht einmal die ärmste Seele, die an ihrer eigenen Fäulnis krankt und beinah daran sterben kann, wie sollte Ich denn die verlassen, die so gut als möglich in der Liebe und auch im Gehorsam bleiben? Selbst wer von den Getreuen ängstlich und in Schmerzen diese Welt verläßt, o seht!, Geist und Seele, das KIND, ist und bleibt in Meinem Herzen fest verankert. Frei geht es in seine Heimat ein.

Samuel hat es euch vorgelebt als Zeichen, daß der Mensch gewiß nicht irre werden braucht, womit nicht verbunden ist, daß ja jeder ein Prophet, ein Seher müßte sein. Seht an: Meine Schule hat viel Klassen und viele Schüler, nötig deshalb wenigere Lehrer. Allein der Hauptlehrer bin ICH ewiglich!

Also seid in Zukunft gerne Schüler und soll das Verhältnis immer bleiben, solange die Materie besteht. Hat sie ausgedient, kann sie für alle nächsten Schöpfungszeiten, weil alsdann der ganze Fall bereinigt ist, für immer weggenommen werden. Hernach wird sich noch anderes im Vaterhaus ergeben, worauf jeder hoffen darf. Erfragen braucht ihr das jetzt aber nicht.

Seht nochmals Meinen Himmel, das rot gezeigte Panorama an und merket auf, wie zwischen Meinen schöpferischen Allmachtsflügeln, deren Ursprung nie ein Kind erkennen wird, auch nicht Meine Großen (die sieben Fürsten), aus dem Rot ein herrlichsanftes Weiß geworden ist als das Symbol, daß sich ein Tor geöffnet hat, um Meinen Seher einzulassen.“ So liebevoll, so gütig, wie niemals zu beschreiben ist, neigt sich der Herr auf Samuel herab. Er legt ihm eine Hand aufs Herz, eine auf die Stirn und erklingt das eine Wort:

„K O M M !“

Es ist keiner von den Menschen, der nicht zutiefst erschüttert ist. Eben dieses eine Wort — sie hörten, sie verstanden es. Allein, es war keine Erdensprache, auch nicht jene, die der Höchste um der Menschen willen menschlich wählt. Ein Wort der Ewigkeit! Und keiner hat den Strahl gesehen, der auf dem Antlitz des Entschlafenen ruht. Denn im Augenblick, als das ‚Komm‘ erklang, schlossen sich die müden Erdenaugen, da öffnete sich das Innere, und der Lichtgeist konnte an des Schöpfer-Vaters Seite treten.

Und wieder sieht es niemand, wie der Heilige, den guten Diener führend, fortgegangen ist. Doch des Gottes-Geistes Wehen bleibt zurück, es schließt alle Menschen ein, hier versammelt und reicht weit, weit hinaus in die noch unbekannte Zeit der Welt, so weit und nicht mehr übersehbar, Gottes Flügelpaar Sein eigenes Reich, Sein hehres Firmament umschlossen hat, Er, der

E I N E  !

← Zurück zu „Der Eine“