Kapitel 13
Im Hohen Rat herrscht tiefes Schweigen. Die Lage hat sich für Delajah so verschärft, daß sie kein zur Schau getragener Optimismus übertünchen kann. Manche, bisher hinter Hamer stehend, waren weg geblieben. Südlich Zarthan sollten sie sich bis zur Regenrinne von Baal-Hazor sammeln. Nur ein paar Hundertschaften zählte Hamer. Sein Gesicht sieht fahl und müde aus. Sollte Jizri alle andern — ? Waren sie bestochen worden — ?
Der Stadtmann von Beth Semes sagt, das arg zermürbte Israel sei schlecht bewaffnet, und niemand könne Jabin widerstehen. Ja, diese Ansicht hörte Hamer von den wenigen, die zwar ihr Wort gehalten und gekommen waren, aber offen eine dunkle Zukunft kündeten. Nirgends gab es Kampfesmut, Freudigkeit; nur mürrische Gesichter waren Hamer zugewandt gewesen.
Das, und daß die Feinde sich im Kampfgelände übten, meldet er dem Rat. Kein Wunder also, dieses Schweigen. Am schlimmsten sieht es in Delajah aus. Er hatte es erwogen, daß nicht ganz Israel die Treue halten, nicht die geeinte Mannschaft ihm zur Seite stehen würde. Aber diese Niederlage — bevor der Krieg begann — ? Und wie hatte er an seinen Sieg geglaubt.
Sein Haß fällt auf Fürst Jizri, der „wieder fehlt“. Er knirscht böse: „In den eigenen Reihen sitzt der Wurm! Ich will nicht Delajah heißen, wenn er . . .“ „So heißt du ohnehin nicht mehr.“ Paros gönnt dem Obersten den Schlag. „Wieso?“ fragt dieser mehr verwundert als erzürnt.
Paros zieht die Schultern schief. „Du hattest jene Ritter, die wir hätten brauchen können, ohne Ehrlichkeit begrüßt (S. 64,2) und deinen Namen dafür hergegeben.“ Delajah geht auf Paros mit ausgestrecktem Zeigefinger zu. „Du? hast öfter gegen mich gewühlt; mir ist alles zugetragen worden. Ich schwieg, da mir deine Schäbigkeit zu nichtig war. Und wären jetzt nicht alle Kräfte einzusetzen, so sagte ich zu dir: Geh fort!“
Paros kann nicht gehen, will er nicht von heut auf morgen brotlos werden. Damit band der Erste ihn. Nicht mehr auf ihn achtend, fragt Delajah: „Weiß jemand, wo Fürst Jizri ist? Ich sandte zu ihm hin, doch seit Tagen sei er fort.“ „Vielleicht ist er bei seinen fremden Freunden?“
„Bei den Rittern, Hamer?“ „Weiß ich nicht“, sagt dieser kurz. „Ich hörte Frauen, die Jizri über alles lobten. Auf Befragen sagten sie, die meisten Männer stünden hinter ihrem ersten Fürsten, wie es sich gehöre; er hätte viele fremde Freunde. Leider wußten sie nichts näheres. Das ‚viele‘ kann wohl darauf deuten, daß er fremde Stämme angeworben hat.“
„Also sah ich recht!“ Delajah rauft sich seinen Bart. „Er ist ein Verräter!“ „Unmöglich“, widersetzt der Älteste von Beth Semes. „Ich nehme an, er hat gewisse Stämme hinter sich. Da allerdings strömt ihm das Volk in hellen Haufen zu. Gegen seine Ehrenhaftigkeit sage ich nichts aus.“
„Beigestimmt“, sagt Hamer. „Nächtelang schloß ich kein Auge. Ich erwog: Wo steht Israel? Hat es sich den Besseren gewählt, der uns zu Sieg und Freiheit führen kann, wäre da nicht günstig, sich ihm anzuschließen?“ „Und deine Ehre?“ faucht Delajah. „Du wolltest gern den Helden spielen und . . . “ „. . . du den Sieger aus der Ferne!“ gibt Hamer grob zurück. Hätte er kein festes Wort gegeben — heute ließe er Delajah fallen. Der versucht, seinen Fehler wettzumachen. Dazu ist es bloß zu spät.
Der Torwart meldet: „Fürst Jizri kommt und mit ihm viele Männer und . . .“ „ . . . wer noch?“ wird er begierig ausgefragt. Kommt in letzter Stunde eine Rettung — — jedoch nicht durch ihn, Delajah? Ah, das ist das arge Gift vom ganzen Wurm. „Ein Weib ist unter ihnen, eine hohe Frau scheint es zu sein.“ „Geh, frage, ob sie zu uns kommen“, gibt Hamer den Befehl.
„Nein!“ wehrt Delajah heftig ab. „Das sähe ja so aus, als ob wir auf sie warten und sie brauchen möchten.“ „Durchaus!“ sagt Bezai ironisch. „Aber wie du willst; du befiehlst, und wenn‘s der barste Unsinn ist.“ „Fängst du auch noch an?“ Delajah muß sich — ungern — eingestehen, daß einer nach dem andern kippt. Wer hält überhaupt zu ihm? Ein paar Älteste aus Tradition, nicht aus Überzeugung oder gar aus Sympathie.
Indessen tritt Fürst Jizri ein, neben ihm Debora, ihre engsten Freunde im Gefolge, dazu Kis-Abda, Sallumin, Arthasus, Jedothun und an die zwanzig Land- und Städte-Oberste. Ganz perplex setzt sich Delajah nieder, während er zuvor fast ruhelos auf- und abgeschritten war. Hat Jizri alle diese, Delajah nur zu gut bekannt, auf seiner Seite, dann — —
„Was willst du hier?“ fragt er den Fürsten garstig. „Wir sind gerüstet!“ Jizri erwidert ruhig: „Wir kommen nicht zu spät. Willst du aber die paar Hundert morden, die du aufgetrieben hast, dann . . .“ „Morden?“ lacht Delajah sich den Haß vom Herzen weg. „Meine Krieger werden . . . “ „. . . wenden, wenn sie Jabins Macht begegnen. Glatter Mord ist es, die Wenigen ins Feld zu jagen.“
Er fragt Hamer: „Übernimmst du die Verantwortung, nutzlos deine Schar zu opfern?“ „Nein“, erwidert dieser prompt zum Entsetzen des Delajah. „Die Verantwortung hat der Hohe Rat zu tragen. Ich gab mein Wort, ich will es halten.“ „Recht so!“ Hamer staunt. Er hoffte, man würde ihn vom Feldzug abzubringen suchen; dann wäre er befreit. „So bleibt‘s dabei“, eine Wehmut zittert durch, „ich und meine Leute werden tote Helden sein.“
Da tritt Debora vor. Der Oberste vergaß, das ‚Weib‘ hinauszujagen. Unter ihm betrat noch nie ein Weib den Sitzungsraum. Schon fährt er auf, aber niemand nimmt Notiz. Aller Augen hängen an der wundersamen Frau, wie man Debora bei sich selber nennt. Wer mag sie sein? Sie sagt zu Hamer:
„Es gibt verlorene Posten, für die ein Mann sein Wort verpfändet hat.“ Die sie heute kennen lernen, recken ihre Hälse. „Willst du für dich selbst Dein Wort nicht brechen“, sagt sie betont, „so ist das deine Sache und in Hinsicht einer Treue gut. Das hat der Fürst gemeint. Wenn du aber mit dem Treuwort hunderte von unsern braven Männern nutzlos opferst, dann ist es besser, du entbindest sie von ihrem Wort.“
Delajah schiebt sich näher. Das Weib wagt, seine Pläne zu durchkreuzen? Er ist nicht so verbohrt, um nicht zu merken, was auf des Messers Schneide steht. Wie von ungefähr umgeben ein paar Freunde sie und Hamer. Delajah fühlt des Sehers scharfes Auge, die Warnung und den guten Ruf, der leider nicht sein Herz berührt. Debora fährt in ihrer Rede fort:
„Es ist deine Pflicht, Fürst Hamer, aufzugeben oder — dich dem Volke anzuschließen. Israel wird siegen! Freilich anders, als ‚man‘ dachte.“ Ihr heller Blick greift nach Delajah. „Nämlich nach dem Siege weitermorden, Rache üben, maßlose Forderungen stellen, das Geraubte teilen, Kinder, Frauen nicht zu schonen, das alles wird auf unserer Seite nicht geschehen. Dafür sorge — ich — ‚ im Auftrag meines Hohen Herrn!“
„Wer ist der ‚Hohe Herr? Was hast du hier zu suchen? ein Weib, in welchem kein Verstand zu Hause ist?“ Delajahs Zorn geht wie ein Mustang durch. Debora teilt die Schar und tritt ihm gegenüber. So gebieterisch ist ihre Haltung, daß sogar der Oberpriester ein paar Schritte rückwärts weicht.
„Mein Hoher Herr ist GOTT! ER hat mich zur Richterin bestellt und Seinen Willen kundgetan.“ Sie winkt dem Rat von Gibea. „Silo soll Gottes und des Volkes Willen hören!“ Gleich entfaltet Jephan eine Rolle und liest vor: „Das Volk hat Debora, genannt die Palme, zur Richterin über ganz Israel bestellt.“ Hunderte von Namen, deren Würdigkeit der Hohe Rat sich nicht verchließen kann, die Oberen, Ältesten, Richter, Bürger, Bauern, — kurzum: ISRAEL hat diese Rolle unterschrieben.
Jeder darf sie prüfen. Sie ist echt, wie Delajahs Pein, die ihn zerwühlt. Aschgrau geworden, beißt er auf seiner Scham herum. Die Freunde, zumal Debora, auch ein paar Feindliche bedauern ihn. Ihm flimmert‘s vor den Augen. Beinah wäre er gestürzt, Barak, den er stets als Null behandelt hatte, schützt ihn vor dem Fall und vor der noch größeren Schmach der Schwäche. Danklos setzt er sich auf seinen Stuhl.
Er gibt sich nicht geschlagen und tut, als stünde keine Richterin im Raum. „Wie kam das zustande?“ herrscht er Jephan an. „Man muß es prüfen, wer das zusammentrug. Her damit, ich werde es gelegentlich an Ort und Stelle untersuchen!“ Er streckt die Rechte krallenförmig vor. Jephan verneint:
„Tut mir leid, Hoherpriester“ sagt er gelassen, „die Rolle ist ein Eigentum der Richterin; und Hunderte von Obersten, Tausende von Israel, werden wachen, daß weder unsrer Richterin noch ihrer Rolle Schaden zuzufügen ist. Die Zeit ist ernst, doch sie ging an dir vorbei. Du gabst nicht acht, was die Wende schlug. Du hast nur dich gesehen, dich und deine Ziele, deren keines unserm Volke Segen oder Ehre bringt, und . . .“
„So redest du mit mir? deinem Hohenpriester? Weißt du nicht, daß ich . . .“ „Nicht mehr!“ Hart klingt des Mannes Stimme. „Des Krieges wegen und weil erst nach ihm eine neue Wahl geschehen kann, bleibst du der Oberste von Silo. Aber bindende und trennende Gewalt ist dir bereits entzogen, beschlußkräftig von der Mehrzahl aller Ältesten im Volke durchgeführt.
Sei klug, lasse es dabei bewenden; deine Ehre wird geschützt. So will‘s die Richterin, obwohl . . .“ „Wir hängen weder wenn noch aber an“, fällt Debora ein. „Er bleibt das, wie vorgesehen ist. Später richten Gott oder eine andere Wahl. Ihr anderen vom Rat“, spricht sie die Priester an, „kommt her!“
Sie treten wirklich vor. Deboras Hoheit läßt vergessen, daß ein Weib gerufen hat. „Gebt euer Wort, zu schweigen über das, was hier geschah, und bleibt im Gehorsam, solang Delajah euer Oberpriester ist. Übertretung werde ich zu rügen wissen!“ Sie sagen ja, sie legen ihre harten Hände in die schmale, feine Rechte einer Richterin, wie die Welt bislang noch nie besaß.
Sogar die Freunde überschauert es. Immer war sie gütig. Nun ist sie Richterin, gebieterisch und ernst. Die Zeit erfordert das. Wer ahnt, wie schwer ihr diese Strenge fällt? Wieviel lieber möchte sie in Güte helfen, statt zu schneiden. Doch hat jeder das Gefühl, daß nun ein Rechtsmann, nein — eine ‚rechte Frau‘ vor ihnen steht und handelt.
Sie greift nach Hamers Hand: „Ich entbinde dich vom Wort, das du unbewußt am falschen Platz gegeben hast. Ich war damals schon die Richterin; manche haben es gewußt.“ „Ich hörte nie davon“, gesteht Fürst Hamer kleinlaut ein, „und — verzeih — es wundert mich, daß man nirgends davon hörte.“
„Wundern kannst du dich.“ Das alte, liebe Lächeln gleitet über ihr Gesicht. „Die mich kannten, schwiegen lange Zeit. Aber ganze Örter folgten ihnen, Menschen, die auf die Verheißung harrten:
GOTT sendet uns den Helfer zu! Und wer es heute weiß, Männer, Frauen und auch Kinder, — keiner fragt: Ein Weib? O, die Richterin ist beliebt. Sie spricht ein Recht, ohne Ansehen der Person; und ihre Arbeit trägt ihr keine Drachme ein!
Dieses Recht war der Weg zum Volk — und noch wo ganz anders hin. Darüber jetzt nichts mehr. Ich rate dir: Das Wort, hier in diesem Raum gegeben, gib dir heute selbst. Sammele deine Männer, ziehet bis nach Ophra, wo ihr lagern könnt. Dort frage nach dem Hauptmann Sesalab; er weiß Bescheid, er wird unter deinem Schwerte fechten!“ „Unter meinem Schwert?“ Welch ein Lichtblick an dem grauen Tag, der ihm wie ein Sodom war. „Wer ist der Mann?“ Bereit zu tun, was die Richterin befiehlt, drückt er kräftig ihre Hand. Ach, sie hat ihn befreit, — so und so.
„Du erfährst es dort“, erwidert sie und fragt den Obersten von Ophra, der auch zu ihr gehört: „Simeath, willst du mit dem Fürsten gehen?“ Der Oberste ist gern bereit, obgleich er lieber bei Debora bliebe. Sie berührt seine Schulter: „In ein paar Tagen sehen wir uns wieder.“
Nach dem Weggang beider tut Delajah so, als sei das ‚Weib‘ nicht da. Warum wirft er es nicht ‘raus? Fürchtet er die Männer? Hat er Angst, das Letzte zu verlieren? Gesteht er sich‘s nicht ein, daß er gegen diese Richterin, von GOTT berufen, machtlos ist? Warum sagt Gott ‚nein‘ zu seiner Sache? Wollte er nicht auch das Beste? einen Frieden, der — —
‚Delajah‘ raunt es, ‚zeige Mir dein Bestes, weise Mir den Frieden vor, den du durch Blut erkaufen willst!‘ Es schüttelt ihn, nur nicht sein Herz; und so verliert er Gottes Stimme immer mehr. Mit Gewalt sich reckend, sagt er düster: „Was ich tat, kann ich vor — “ Vor Gott — Nein! „— vor mir selbst vertreten; und das genügt. Geht es fehl, so haben andere es auszutragen.
Mir Hamer auszuspannen“, ein böser Blick trifft Jizri, „ist gegen Israel gefrevelt. Es wird sich bitter rächen! Die Männer“, betont er scharf, um zu unterstreichen, daß bei ihm ein Weib nicht zählt, „müssen vor dem Volk geradestehen. Darum Freunde“, die noch zu ihm halten, lächeln schief, „wollen wir erst recht vereint uns gegen jede Mißgunst wehren.“
Eine Atempause nutzt Sathur, Altrat von Beth Semes, dem schon das Gewissen schlug. Klar sieht er Delajahs Untergang. Er gönnt‘s ihm nicht; doch wo nichts zu retten ist, gibt es keine Hilfe. Er sagt guten Tones: „Delajah, du weißt, daß ich an dir hing.“ „Hing?“ wird er übel unterbrochen. „Laß mich reden, wie es unter Freunden üblich ist. Nanntest uns ja so in deiner Schicksalsstunde, die wahrlich auch die unsere ist.
Gemachte Fehler sollte man bekennen. Bedenke: das Volk hat die Richterin gewählt! Ziehe nicht die Augenbrauen hoch, du weißt wie jedermann: Hier sprach der HERR durch Israel; und wir achten Gottes Stimme, die sich also kundgegeben hat. Ich habe dich, Debora“, dreht er sich derselben zu, „noch nie gesehen, nie von dir gehört. Aber vorhin, als du sprachst, da merkte ich, daß Gottes Geist in dir zu Hause ist, und ich — unterschreibe deine Richterrolle, für mich und ganz Beth-Semes.
Nein“, wehrt er wiederum, als Delajah protestiert, „noch spreche ich! Niemand sagt, daß du nicht dein Bestes wolltest; nur hast du übersehen, wo es lag. Soll es nicht als Fehler gelten, obwohl der Hohepriester wissen müßte, was für uns das Beste ist. Nun erkannte ich, daß die Richterin es weiß und der HERR in ihre Hand des Volkes Rettung legt.
Ich weiß wie du so wenig, was sie im Schilde führt, aber das: sie sorgte besser als zehn kluge Männer vor. Noch keine Frau besaß ein solches Amt; allein, wer mag GOTT in Seine Führung fallen, wenn Er durch ein Weib uns helfen will (Luk. 1, 35-37)? Sara hatte Anteil an den Werken Abrahams. Darum danke ich dem Herrn, der Seine Hilfe freundlich hergeliehen hat.“
„Du sagst“, Delajah schneidet anderen die Rede ab, „mein Tun war trotz dem guten Willen fehlerhaft.“ Seine Worte schärfen sich. „Das Gute spricht mir keiner ab, auch nicht — Gott! Ich bat Ihn ja, doch Er sagte ‚nein‘ zu meinem Werk.“ Er gibt sich eine Blöße, die er kaum bemerkt; zum Glück im Durcheinander keiner, nur Debora und die sieben Freunde. „Es gibt heutzutage keine Offenbarung mehr“, setzt er hart hinzu.
„Gott offenbart Sich doch!“ „So?“ sagt er gereizt und höhnisch zu Debora. „Zeige mir mal Seine Offenbarung!“ Keiner trägt ihm diese arge Rede nach. Er ist ganz aus seinem Gleis geworfen und muß sich innerlich und äußerlich erst wiederfinden. Daher sagt Debora extra ruhig:
„Als Simeath und Hamer weggegangen waren, hat sich manches in dir überstürzt, auch die Frage an den Herrn. Und Er sprach zu dir. Weil du nicht weißt, um was es geht, soll nicht das ‚widerliche Weib‘ es künden, sondern unser Seher, der es ebenfalls vernahm.“ Sie winkt Matthanja zu. Der Prophet geht zu Debora hin und wiederholt das Wort des Herrn:
„Delajah, zeige Mir dein Bestes, weise Mir den Frieden vor, den du durch Blut erkaufen willst!‘ Das klingt streng“, sagt Matthanja, „aber welche Liebe liegt darin! Jeder Gottesruf ist Seine Güte, ein ernster ist Barmherzigkeit. Doch du willst nicht hören, du legst alles bloß nach deinem Willen aus. Freilich, wenn du Gott nicht bittest, was der echte Glaube ist, wenn du sagst, Er solle tun, was du für recht und gut befindest, alsdann wundere dich nicht, wenn kein ‚ja‘ vom Himmel kommt.“
„Ach, so siehst du das an? Da wäre jede Bitte zwecklos, wenn der Schöpfer alles lenkt. Da bedarf es keines Glaubens, wenn er nicht zur Bitterhörung führt! Ich leugne nicht, mir hätte jemand was ins Ohr geraunt. Doch es konnte eine Täuschung sein, weil — soweit ich überhaupt noch glauben kann — Gott zu meinem guten Werk schon langeher ein ‚Nein‘ dawidergab.“
Des Mannes Qual ist groß. Er ist erster Priester, gehört mit zur Führung eines ausgesuchten Volkes; und seit Jahren wird ihm eines um das andre aus der Hand geschlagen, da er seinen und nicht Gottes Willen durchzudrücken sucht. Wer will ihn drob verdammen? Wer kann ihn befreien? Debora nimmt behutsam seine rechte Hand, er merkt es nicht. Sie leitet ihn zu seinem Stuhl und setzt sich neben ihn auf jene Seite, wo sie schon mal saß, was nur die enge Gruppe weiß, und sagt:
„Höre zu, als säße eben keine Frau bei dir, sondern einer von den Rittern, die im Auftrag Gottes kamen, dir zu helfen, dich zu Gott zurückzubringen. Willst du?“ Er will nicht, nur ihre Freundlichkeit ist zwingend. Ein Gift spritzt er noch aus: „Du bist kein Ritter! Ich gestehe ein, es wäre gut, wir hätten sie auf unsrer Seite; aber ‚hätten‘ hat man nicht.“
„So nicht“, lächelt sie. „Gott sendet sie, wenn sie auch nicht immer sichtbar sind.“ „Du meinst wirklich, daß —“ Delajah wagt die Vision nicht auszusprechen. Sie bestätigt: „Die zwei großen waren Engel.“ „Und der dritte?“ forscht er hastig, während alle lautlos lauschen. „Sitzt neben dir.“ „Spanne mich nicht auf die Folter!“ Delajah fällt in seine alte Wut zurück. „Ich sehe nichts, ich merke nichts!“ Da sagt sie ernst:
„Ich war der dritte Ritter.“? — ? Ein unartikulierter Laut würgt sich aus Delajahs Kehle. „Du? Du? Ah, so was gibt es nicht!“ „Dies zu glauben, fällt dir schwer, anderen ebenso“, deutet sie auf seine Leute. „Doch es kann bewiesen werden.“ Die Freunde treten vor, die damals mit zugegen waren. Ihr Zeugnis ist zu eindrucksvoll, als daß es wegzuwischen wäre.
„Warum kamst du als ein Ritter wie — “ „Es war Gottes Wille“, sagt sie betont. „Ich mußte meinen Fuß in deinen Amtsraum setzen; nicht einer Weihe wegen“, schiebt sie sein Widerwort zur Seite, „sondern, daß der Hohe Rat erkennen muß: Der HERR hat mich zur Richterin für Israel bestellt!
Gott wird jeden einst befragen, durch dessen Einsichtslosigkeit unnötiges Leid hervorgerufen wird. Und dir, Delajah, sei gesagt:
Gott sagt immer ‚Ja‘ ;
denn Sein Nein ist ein geheimes Ja Seines Willens an uns!
Es ist unsere Sache, aus einem segensvollen Nein an diese Welt das heilighohe Ja der Gottheit zu erkennen. Beugen wir uns unter Seinem Ja, auch wenn es unsrer Unzulänglichkeit ein Nein ergibt, so leben wir durch Gottes Gnade Seinen Willen aus.
Das Bessere geschieht, wenn sich unser ‘Wille nicht erfüllt! Mit dieser Einsicht kann man jede Bitte äußern; Gott tut gern zu unserm Heil, wie Ihm es wohlgefällt, Du, der erste Priester, hättest das dem Volke vorzuleben. Gib GOTT die Antwort, ob es so war; übergib ihm auch dein Leben, deinen Weg, dein Amt. Eine große Gnadenstunde ist dir heute widerfahren.“ —
Sie steht auf. „Willst du uns als Helfer haben, so sende zu mir auf den Hügel. Zehntausende zeigen dir den Weg, wenn du nach der ‚Palme‘ fragst.“ Debora wartet ab, ob Delajah reagiert. Schon ein Händedruck läßt sich als gutes Zeichen werten. Der bleibt aus. Aber Bezai meldet sich:
„Darf ich dir folgen?“ Sie nickt ihm, drei Ältesten und Sathur zu, die sich zu Bezai gesellen. Wortlos geht sie fort, eine Menge Männer hinter sich. Öde bleibt zurück, deren Bürde unerträglich wird. Delajah läuft hinaus, fraglos: ‚Was soll nun geschehen?‘ Die Wenigen auf seiner Seite bleiben stumm zurück und warten lang auf seine Wiederkehr. —
In Gilgal übernachtet man. Boten treffen ein und reiten ab. Die Neuen wundert es, was vor sich geht. Ah, hier leuchtet Israel die Rettung wie — ja — wie Gottes Wolken- und die Feuersäule auf dem Wüstenweg. Nur die fremden Freunde sehen sie noch nicht. Barak ist stets auf dem Sprung und fängt sie vor dem Hause ab. Ginge es nicht um den Krieg, so riefen jene: Fabelhaft, wie alles klappt! Fragen und Befehle, Vorschlag und Entscheidung laufen wie vier Räder eines Wagens (Hes. 1, 15-17).
Tags darauf reitet man dem Palmenhügel zu. Sie überholen ein paar Leute. Da hört Sallumin einen sagen: „Eine Frau? Dich hat wohl das Goldene Kalb gebissen!“ „Nein“, ereifert sich ein Alter, „ich hörte gestern einen Priester sagen, was im Hohen Rat geschehen war. Eine Schande!“ Sallumin greift sofort ein.
„Sag‘ mal, lieber Freund“, er steigt vom Pferd, „du hast von Silo Kunde? Weißt es schon“, tut er vertraulich, „Israel steht auf dem Spiel. Wer helfen kann, soll helfen.“ „Helfen? wo es soviel Verräter gibt?“ ruft jener, der das Goldene Kalb zitierte, ganz entrüstet aus. „Die gibt‘s wohl“, hält der andere die Rede auf. „Du bist mir unbekannt“, sagt er zu Sallumin, „siehst aber ehrlich aus; da kann man wohl die Lippen öffnen.“
„Öffne sie“, ermuntert Sallumin, „es wird nicht zu deinem Schaden sein.“ „Ich bin arm, doch bestechen lasse ich mich nicht!“ braust der Alte auf. „Sachte!“ Sallumin lacht leise. „So habe ich es nicht gemeint.“ „Na ja“, sagt der Mann und erzählt, daß im Herbergshaus zu Silo ein paar Männer und ein Priester saßen, der unterm strengen Siegel der Verschwiegenheit vom gestrigen Hohen Rat berichtete. Er achtete des Alten nicht, der hinter einer dünnen Wand des Priesters Rede hören konnte.
„Weißt du, wer der Priester war?“ Sie sind zurückgeblieben. Der Beritt biegt in die Seitentäler ein und die Wanderer sind auch ein Stück voraus. Der Alte zögert. „Ich weiß es nicht, hörte nur, wie einer fragte: ‚Paros, stimmt das auch?‘ Also anzunehmen, daß es der Priester Paros war.“
Sallumin tut sich Gewalt um still zu sein. Gemeiner Schurke! Er gibt dem Mann die Hand: „Dir will ich‘s anvertrauen: Ehrlichkeit für Ehrlichkeit! Die Versammlung war in einer Hinsicht nicht sehr gut, denn ich war dort.“ „Du?“ der Mann bekommt es mit der Angst, er fürchtet Strafe.
„Unbesorgt“, begütigt Sallumin, „und wisse: genau das Gegenteil geschieht, was da einer fälschlich ausposaunte. Israel steht unter einheitlicher Führung eines — Richters.“ Er verschluckt die ‚Frau‘; noch ist es besser so. „Alles ist geordnet. Sei getrost, du und die Deinen. Wenn du einmal Hilfe brauchst, so komme nach Jerusalem zum Richter Sallumin, er wird dir immer helfen.“ Dabei schwingt er sich aufs Pferd.
„Kennst du ihn?“ fragt der Alte freudig, an einen Führenden zu kommen, der ihm in etwas helfen könnte. Sallumin nickt und spornt sein Roß: „Ich bin‘s selber.“ Lachend galoppiert er fort. Der Arme starrt dem Reiter nach, murmelnd, daß der ‚gute Gott der Väter ihn so herrlich führte‘. Er schlägt sich abseits, mit den andern möchte er nicht weitergehen.
Sallumin holt schnell auf und berichtet. Debora nickt mehrmals vor sich hin. „Ich sah die Schlange. Paros hat sein Wort gebrochen und ist nach Mose‘s Satzung zu bestrafen. Du als Rechtsanwalt, Fürst Jizri, Jedothun und Kis-Abda, ihr vier werdet das erledigen, gleich morgen früh. Ihr trefft Paros sicher bei Delajah an, aber diesen laßt in Frieden.“
„Kann daraus ein Nachteil kommen?“ fragt Arthasus. „Die Wanderer schienen mir verstört zu sein.“ „Es sind kleine Leute, auf deren Reden niemand etwas gibt. Der alte Mann, ein echter Israele, ist zurechtgebogen worden. Du tust gut, Sallumin, ihm zu helfen, wenn er demnächst zu dir kommt.“
Mancher Älteste ballt seine Faust. Debora predigt Nachsicht und Geduld und wie schwer es ihren Priestern werden müßte, sonst die Ersten unterm Volk. Nun ist ihre Würde weggenommen worden, freilich durch die eigene Schuld. Daß obendrein ein Weib sie überführte, die Gewalt, das Richterrecht besitzt, Priester ab- und einzusetzen, hat sie vollends aus der Bahn gebracht. Kein Wunder, daß ein Paros den Geheimnisschwätzer machte.
Jizri sagt: „Die Dummheit hat ihn ausgebootet. Er bedachte nicht, daß er ins schiefe Licht gerät, wird ruchbar, es ist ein Richter da, dem die Priester unterstehen. Nur sich wichtig machen und die Zunge wetzen kann er gut.“ Die Richterin verhält, und man schart sich um sie her.
„Sie graben sich ihr Grab. Es wird viel geschehen, doch es kommt aus unsers Hohen Hand.“ Sie deutet nach dem Norden: „In ein paar Tagen hören alle die Drommeten, überall. Zu dieser Zeit muß unser Heer im Kampfgelände sein. Ein paar Getreue brauche ich, die mir im Kettenwechsel (Stafetten) stets die Kunde bringen, wie das Ganze vor sich geht.“
„Sieh nicht trübe drein“, sagt der Älteste von Thirza, „wenn ich betone: Schade, daß du kein männlich Wesen bist. So zögest du vor unserm Volk einher.“ Debora lacht, ihre Heiterkeit steckt die Männer an. „Aber Nekkoda, ihr und viele mehr seid die Herzöge von Israel. Ihr zieht ja voraus, jedermann vor seiner Schar. Und dann“, ein ernster Glanz erhellt ihr Auge, „der höchste Herzog ist der Hohe Herr! Seid ihr zu jederzeit gewiß, daß ER euch eine Bahn bereitet (2. Mo. 13, 21), dann braucht ihr keinen anderen, der euch zum großen Sieg verhilft.“
Bezai denkt: Was Mann, was Frau; hier wirkt Wahrheit! Beredten Blickes bittet er, ihm das Alte zu verzeihen. Sie blättert auf: „Vergeben kann bloß Gott! Jede üble Tat ist eine Sünde wider Ihn, weil ER uns erschaffen hat. Man soll zwar den Gekränkten um Verzeihung bitten; wer aber erst den Höchsten darum bittet, dessen Fuß geht leicht zum Gläubiger.
Du meinst, manche wollen nicht vergeben? Das auch. Wer dem andern Übles tut, muß die Feindschaft in Geduld ertragen. Hat er sich mit Gott versöhnt und spürt im Herzen, daß der Herr vergeben hat, dann bleibt die Feindschaft auf dem Nächsten liegen, der eine Bitte um Verzeihung unbeachtet läßt.“
„Solches hat Delajah nie gelehrt.“ „Du gleichfalls nicht“, wird er verwarnt. Er errötet. „Ich meinte es . . .“ „ . . . nicht böse“, erwidert sie. „Wer erst zur Umkehr kam, soll auf seinen Wandel achten. Kein Priester sollte warten, ob erst ein anderer die Lehre bringt.“ Man ist am Hügel angelangt. Es geht hinan; die Neuen voll Erwartung, was daselbst geschehen wird.
Charkros rudert aufgeregt mit beiden Armen: „Herrin, mein Fürst ist da! Überall leuchtet uns der Morgenstern!“ Das ist immer sein Symbol, wenn was Günstiges geschieht. „Hast du für den Tisch schon vorgesorgt?“ „Aber Herrin!“ „Gut“, wird er belobt, „laß auch uns die Tafel decken; sieh, eine Menge Neue sind dabei.“ Der Getreue strahlt. Eine Welt würde er Debora unter ihre Füße breiten, wenn es ihm bloß möglich wäre.
Su-el-Kambynos, der Kämmerer und dreißig Midianiter treten aus dem Haus. So ehrerbietig wird die Richterin begrüßt, daß Bezai sich sagt: ‚Sie ist gar keine Frau; sie ist — ja, was?‘ Und erst das Hallenmahl: Brot und Wein! Es ist still im Raum wie unter Gottes Nachtgezelt, wenn eine ganze Schöpfung schläft. Das zumal schlägt bei den Neuen tiefe Wurzeln. Sie verstehen, daß die Heiden ihr bis in den Tod gehorsam sind. Delajah, sinnt Bezai, was hast du hier versäumt! Schon klingt die Tafelglocke. Es gibt Lamm, Brot, Obst und hellen Wein.
Nach dem Essen fragt Debora, warum der Midianiter selber kam. Der erwidert: „Hohe Richterin, in all den Tagen spürte ich die Führung unseres Gottes.“ Das ‚unser‘ betont er stark, was einige veranlaßt, sich zu schämen (Matt. 8, 10). „Wir lagern da, wo du es anbefohlen hast“, berichtet er.
„Die Stämme sind zu mir gestoßen. Die Führenden sind brav, keiner will am eigenen Stricklein zerren. Jeder sagt: ‚Was die Richterin befiehlt, das wird getan!‘ Wann kommt nun das Signal? Ich möchte morgen wieder bei der Truppe sein.“
„Ist möglich“, sagt sie. „Nun höret: Einheitliche Leitung unserer Truppen ist der Sieg, ehe Jabin und Sisera ihr Gewaffen lockern. Niemand wird zurückgesetzt, am wenigsten Fürst Su-el-Kambynos, wenn ich bestimme: Fürst Jizri ist der Herzog in den Schlachten; jedoch alle Häupter, zumal die Stammesfürsten, wird er immer mit zu Rate ziehen.
Ich bin euch dann nahe. Außerhalb von Dothan, in dem sogenannten Karawanental, nach Beth Sean zu, steht auf einer kleinen Kuppe ein rotes Haus. Ich habe es gekauft und es ist schon eingerichtet. Jede Botschaft ist dorthin zu senden; jeder der Verantwortlichen trifft mich dort an.
Nur ist nicht bloß eine Schlacht zu lenken. Wenn ihr die Parole auch schon wißt: möglichst niemand töten, notfalls verwunden, sonst die Feinde strichweis einzukreisen und zu Gefangenen zu machen, so wird mancherlei geschehen, was nicht völlig zu vermeiden ist. Hier hat Barak zu befehlen, immer wieder die Parole auszugeben und die Gefangenen zu sammeln.
Das Toben hält drei Wochen an. Auf Hauptmann Agratano lege ich viel Wert; er soll unbeschädigt zu mir kommen. Jabin wedelt wie ein Fuchs. Laßt euch nicht verwirren, nichts einzeln tun. Bleibt als Kette fest verbunden. Ein Teil Midianiter unter Dalphon und unsere Ältesten zwischen Hebron und Jerusalem mit ihrem Heer bilden jenen linken Flügel, der sich bis zum Knick des Kison schiebt. Den rechten Flügel, mählich einen Bogen bis nach Endor machend, übernimmt Fürst Su-el-Kambynos, dazu unsere ältesten ab Jerusalem bis Abel-Mehola nach dem Jordan zu.
In der Mitte stehen alle übrigen Israelen samt den andern fremden Freunden. Soweit ist das Ganze gut geordnet. Jabin hat den Ammon auf seinem linken Flügel aufgestellt, Su-el-Kambynos gegenüber. Mit ihm möchte er, sobald er einen Sieg in seinem Beutel wähnt, Sisera überrumpeln. Südwestlich Endor muß dann ein Durchbruch vorgetragen werden, sobald es — ohne unsre Kette zu zerreißen — geht, um den Ammon abzuschneiden. Ist das gelungen, so soll der Durchbruch wieder zu der festen Linie kommen.
In Kedes haben Jebusiter mir ein Haus gekauft, von wo aus nordwärts jede Flucht der Feinde abzuriegeln ist. Schwerer Platz. Wer will ihn übernehmen?“ Keine Hand bleibt unten. Debora greift zum Pur und Bichras zieht das Los. Er ist fast bestürzt. Wer wäre nicht befähigt, auserwählt zu sein? Beglückwünscht — unter ihnen gibt es keinen Neid — ‚ lächelt er verlegen. Matthanja sagt:
„GOTT hat gewählt! Mancher denkt, er wäre auserwählt, weil er dies verdient. Sicher liegt auch ein Verdienst am Rand, sonst geschähe die Erwählung nicht. Bei der Auserwählung kommt es weniger auf die Person als mehr auf eine Sache an, die der Herr durch die Erwählung offenbaren oder auch gestalten will.
Jede Wahl hat eine Pflicht, die über des Erwählten Kraft hinaus die Kreise ziehen kann. Die Echten bleiben in der Demut, Gottes Willen auszuüben. Der ihnen einen Arbeitsanteil übergab. Das hatte Bichras gut erkannt.“
„Seine Gnade ganz allein“, sagt dieser. Noch manche Frage stellt man an die Richterin. Was sie bestimmt, hat Hand und Fuß; doch zumeist klingt‘s wie ein Hinweis oder Rat, selten als Befehl. Umso uneingeschränkter hat sie die Leitung in der Hand.
Bezai bittet auch um einen Platz. „Das kommt noch, warte ab“, sagt Debora herzlich. „Es gibt mehr zu tun, als Waffen wetzen. Trümmer, zerstörte Existenzen, Götzenglauben gilt es zu beseitigen. Arthasus hat schon einen solchen Posten.“
Jener hat sich rasch gewandelt; aber nur das Sich-bescheiden ist der wahre Widerhall. Daher sagt sie ihm: „Wir werden sehen, was der Abend mit sich bringt.“ Sie und Matthanja spüren einen weltenfernen Strahl, der den Palmenhügel trifft. — Möge Gottes Güte walten.
NEUOFFENBARUNG