a) Der vierte Engel und die Große Babylon.
Der Auftakt im großen Rahmen, dessen Einzelfolgen sich erst nach und nach kristallisieren.
‚Und es kam einer von den sieben Engeln, die die sieben Schalen hatten, redete mit mir und sprach zu mir: Komm, ich will dir zeigen das Urteil der großen Hure, die da an vielen Wassern sitzt.‘ Fängt der dritte Teil der Hauptgerichtszeit mit dem offiziellen Wirken der vier letzten Schalen-Engel an, so kann es folglich nur der vierte von den sieben sein, der dem Ernste untersteht.
Der Ernst, das Zünglein an der Waage im bestimmenden und tragenden Charakter, gleicht die bestimmenden Grundlebensstrahlen Ordnung, Wille und Weisheit mit den tragenden Geduld, Liebe und Barmherzigkeit in eigener Hoheit aus. Dieser Engel verwaltet 1. die dritte Endgerichtszeit, 2. bringt Gottes Zorn zum letztwilligen Abschluß, 3. führt den Schöpfungsausgleich herbei, und 4. legt aus diesem allen den Kronsieg auf den Heiligen Herd im Allerheiligsten. Wichtig ist also, welcher Engel wirkt.
Sein Ruf ‚Komm‘ bezieht sich außer den bisherigen für Johannes geltend nun ausnahmslos auf alle Seelen, alle Kinder. Hohen Sinnes ist‘s der große Ruf der UR-Bedingung: Komm, es gibt kein Ausweichen mehr! Auch das Weitere ist an alle gerichtet und sollen alle sehen, was da war, ist und kommt. Das zeigt Vers 9.
Ich will dir zeigen = Unterweisung; das Urteil = Abrechnung ohne freie Gnade; die große Hure = Zusammenfassung der mensch-finsteren Laster; die an vielen Wassern sitzt = alle Herrschaftssitze und Verbindungen fest inne habend, auch: sich starrsinnig gebärden.
‚Mit welcher gehurt haben die Könige auf Erden; und die da wohnen auf Erden, sind trunken geworden von dem Wein ihrer Hurerei.‘ Gehurt haben = äußerste Ausnutzung einer Position; Könige auf Erden = wie bisher gedeutet Herrschende und Maßgebende. Doch auch die auf Erden wohnen = alle, die die Wwelt über GOTT erheben; sind trunken geworden = sich verführen lassen, die ‚Liebäugler (Hurer) nach Oben‘, die dadurch Ehre oder Mammon, am liebsten beides zu gewinnen trachten.
In Trunkenheit gewinnt alles zwei Bilder, auch zwei Farben. Was sie über sich erheben, sehen sie als Phänotypus an. Von dem Wein ihrer Hurerei = Betäubungsmittel, Verzerrungen der Lebenswahrheit. Die Könige haben diese ‚Weine‘ aufgebracht; die auf Erden Wohnenden geben sich nur allzuwillig diesem Weltrausch hin. Was wunder, daß sie als Trunkene weder die Zeit, am wenigsten die folgenschweren Zeichen sehen — — ?!
‚Er brachte mich im Geist in die Wüste. Und ich sah ein Weib sitzen auf einem scharlachfarbnen Tier, das war voll Namen der Lästerung und hatte sieben Häupter und zehn Hörner.‘ Das ‚im Geist‘ ist nicht — wie sonst — nur auf Johannes anzuwenden; diesmal soll es jedem gelten, der mit dem Seher ‚geistig im Geist‘ freibewußt, mit eigenem Willen beseelt und durch die Gnade, die in CHRISTO JESU ist, den Weg zum Hochziel wählen will.
Gewiß ist alles Gnade Doch aus Lichtweisheit läßt sich auch der gerechte Anteil eigener Fähigkeiten mit bewußter Energie zum Weg verwenden. Das ‚Ich’ darf freilich nicht die Seele übertrumpfen, es muß deren Diener sein. Wer dies erreicht, hat beides: Gnade und persönliche Kraft, die zu paaren sind, wie UR durch Seinen erhabenen Ernst die bestimmenden und tragenden Eigenschaften paart.
In die Wüste gebracht = in die verdorbene Menschheit, in deren Herzensöde versetzt, der der freie, reine Geist entflieht. Wüste Bedeutet hier noch die Glaubenslosigkeit. Nun — ein Weib sehen! Es betrifft keine Personalität, etwa im Althergebrachten von nur einer Sündergebärerin. Die ‚Erscheinung’ bezieht sich auf alle, die nach erfolgter Auslegung ‚gehurt‘ haben.
Nicht Umsonst wird es die große Babylon genannt, das Prinzip der Ich-Sucht, deren grenzenloser Machtbereich die Menschen ungehindert überschwemmt, sie mit ihrem Hurenwein betäubt. Die Gotteskinder, noch unter göttlichem Lichteinfluß stehend, spüren schaudernd die diabolischen Mächte, während ‚die auf Erden wohnen‘ lieber in der blinden Weltspiegelei das Ihre suchen.
Das Weib sitzt auf einem scharlachfarbnen Tier = untergeordnete Kraft, Tribhaftigkiet unter Ausnutzung von Sattel-Positionen, also von der Ich-Sucht ganz gewollt gelenkt. Ein Tier = einseitige, auch einmalige Einstellung; scharlachfarben sagt etwas ganz besonderes. Scharlach = böse Ansteckung; und Farbe = Gefahr der Verseuchung. Im Zusammenhang mit dem Weib gilt das Tier als Machtwahnsinn, der mit gewalttätiger Kraft die Ich-Sucht entfesselt hat.
Hierbei ist das ‚eine Tier‘ das Zusammenbringen oder Einigung der vordem geschiedenen weltlichen und geistlichen Machtteile. Es war voll Namen der Lästerung = nicht mehr nur, daß die Namen auf dem Tier geschrieben stehen, nein — mit Namen voll beschriftet, was ja gleichzeitig ein vollgerüttelt Maß besagt.
Wieder sieben Häupter, zehn Hörner! Das Einigen der Drachentiere bestimmt eine andere Deutung, ohne das Frühere aber aufzuheben. Aus der Ich-Sucht wachsen hauptsächlich: Ruhmsucht, Ungerechtigkeit, Heuchelei, Geiz, Jähzorn, Dienerei und Rachsucht. Diese stoßen ihre Hörner vor: Gefallsucht, Dünkel, Dummheit, Bosheit, Streitsucht, Hader, Verleumdung, Wollust, Besitzgier, Irrigsein.
Wie hoch die von den Erdbodenmenschen gepflegten Triebe im Werte stehen, beweist: ‚Das Weib war bekleidet mit Purpur und Scharlach und übergoldet mit Gold und edlen Steinen und Perlen und hatte einen goldenen Becher in der Hand, voll Greuel und Usauberkeit ihrer Hurerei.‘ Scheinbar ohne Mühe kann sich die geschmückte Ich-Sucht in einen Wettbewerb mit den Himmlischen begeben; denn auch diese haben goldene Harfen, Schalen und dergleichen.
Allein — dieses Weibes Schmuck besteht nur in der Einbildung, nur übergoldet. Es glaubt, herrlich auszusehen, und irdisch trifft es zu. Doch wer unterscheidet denn des Himmels Schmuck vom Tand der Welt? Wer aber jemals einen Strahl vom Infinitum sah, wird ferner auch den hellsten Weltglanz finster nennen. So dementsprechend ist die Unterscheidung zwischen echtem Reichsgeschmeide und dem armen Katzengold des Weibes ‚WELT‘!
Das Weib war bekleidet = ihre Art verhüllt, auch vom Anhang begleitet; mit Purpur = Herrschgier; Scharlach = Überwältigung; übergoldet mit Gold = Blendwerk; edle Steine = Außenwelt; Perlen = Tränen, ihr zur Last gelegt. Doch nicht genug damit! Alles ist der Ich-Sucht noch zu wenig. Um die ihr gezogene Crenze zu mißachten, greift sie zum Heiligsten, das der Erde Schutz und Hilfe bietet: nämlich zu einem goldenen Becher. Er ist stets Symbol des heiligen Kelches, sofern er als golden bezeichnet wird.
Das Weib frevelt mit dem hohen Zeichen, denn der Ich-Sucht ist die Lehre Gottes eine Torheit (1. kor. 1, 18). Voll Greuel Unsauberkeit der Hurerei = bewußt boshaft, Heiliges lächerlich machen, eiverhöhnen; voll = ein gerüttelt Maß, dem erst recht das volle Zornmaß gegenübersteht. In ihrer Hand bedeutet: nebst der Verhöhnung als geistliches Machttier das Evangelium für sich ausbeuten. Das ist der schlimmste Greuel und bringt der Großen Babylon den Untergang.
‚An ihrer Stirn geschrieben einen Namen, ein Geheimnis: Die große Babylon, die Mutter der Hurerei und aller Greuel auf Erden.‘ An ihrer Stirn = verstandliche Überlegenheit; geschrieben = eingraviert und triumphierend; ein Geheimnis = schwer erkennbar, zumal die eigene Ich-Sucht; die große Babylon = Blenderin; Mutter der Hurerei und aller Greuel auf Erden = bringt und nährt den Antichrist. Wahrlich, eine Tiermutter, die unermüdlich ihre Jungen wirft.
‚Ich sah das Weib trunken von dem Blut der Heiligen und von dem Blut der Zeugen Jesu. Und ich verwunderte mich sehr, da ich sie sah.‘ Trunken, sinnlos, läßt sich — wie Betrunkene — zu allerlei verleiten. Sie ist aber nicht nur aus sich selber trunken, sondern — furchtbar und erschreckend — vom Blut der Heiligen und Zeugen JESU = von den Lichtkindern, die als Mitopferträger in die Materie gehen.
Diese Babylon, weltliche und geistliche Machtstühle beherrschend, hat unzählige Blutströme entfesselt, einmal angefangen von Abel bis Zacharias (Matt. 23, 35), zur Christenverfolgung, Inquisition und bis in die Tage der Weltkriegsgreuel. Und was alles bleibt noch vorbehalten — ??
Wenn der Seher sich verwundert, so eigentlich im Schreck. Da ich sie sah = den Schöpfungsbau und dessen Verlauf wie Sprossen an der Himmelsleiter, die unter Tränen das gefallene Kind samt Anhang nun erklimmen muß = bis ganz zum Ende obenhin! Die Große Babylon ist in diesem ‚heilig-schweren Schöpfungsdrama‘ des Kindes Last, die nach unten zieht, geschaffen aus der Schuld.
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