Wie herrlich ist die Darstellung des Weges in Dein Reich! Nur geht es uns dabei wie einst Nikodemus, der auch nicht wußte, als Du, o Herr, von der Wiedergeburt mit ihm sprachst, was er aus ihr machen solle. Der Weg vom Kopf bis ins Zentrum des Herzens wäre wahrlich kurz, aber wie ihn antreten? Die Sache klingt trotz der darin verborgenen Weisheit sehr rätselhaft, und wir möchten hier auch mit Nikodemus fragen: ,Herr, wie können wir mit unseren Füßen in unseren eigenen Leib, ja sogar ins Zentrum unseres Herzens hineinsteigen?‘ Es wäre vielleicht doch leichter, in den allerletzten Stern Deiner endlosen Schöpfungen zu gelangen als in unser eigenes Herz hinein.
Ich will euch zum besseren Verständnis noch ein leicht faßliches Bild geben: Es verhält sich mit dieser Sache so, wie wenn ein Vater seine Kindlein im Sommer in seinen Garten ausführte, der voll ist von Bäumen mit reifen Früchten belastet. Die Kinder voll Begierde möchten gleich auf die Bäume steigen, die Früchte hastig abpflücken und im Übermaße essen. Der weise Vater aber sagt zu den unerfahrenen Kindlein: ,Bleibt nur schön bei mir! Würdet ihr mit euren schwachen Kräften auf die Bäume steigen und euch die Früchte nehmen, so würdet ihr leicht vom Baum herabfallen, euch Hände und Füße brechen oder gar zu Tod fallen. Ich und meine Knechte aber sind groß und stark und wissen, wie die Früchte zu ernten sind. Wartet daher ruhig! Ich selbst werde sie von den hohen Bäumen herabholen und sie in euren Schoß legen, so werdet ihr sie ganz ohne alle Mühe genießen können. Werdet ihr aber einmal selbst groß und stark sein, dann werdet ihr auch selbst Meister der hohen Bäume werden.‘ – Versteht ihr dieses Bild?“
RB, Band 2, Kap. 279
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