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Kap 22 Gabriels gute Lehre. ‚Wo, Engel Gottes, ist Gott Selbst?‘

Kapitel 22

Die Welt stürzt wieder auf den Seher ein. Es ist gut, wenn die Bilder, oft erschreckend und doch reich an Segen, nicht in kurzen Folgen kommen. Sinkt ein ‚Neues‘ auf ihn nieder, dann ist alles Äußere geebnet. Ein kleines Wunder: Der Schloßwart scheucht die Leute, wenn sich ‚sein Fürst‘ zurückgezogen hat. „Daniel ist im Gesicht“, sagt er jedesmal energisch.

Wenige Tage nach der Rückkehr aus der Höhle bringt Daniel seine Bitten wieder vor den Herrn (K. 21). Diesmal ist‘s in seiner Kammer, wo er sein Gebet als Abendopfer in des Vaters Hände legt. Da fliegt eine herrliche Gestalt herein. Oh, ah, der Größere, den der Ritter angekündigt hatte. Es ist Fürst Gabriel, der schon einmal Gottes Sendung zu ihm brachte.

„Heute komme ich zu dir“, sagt der Urerzengel, „um dich zu unterrichten. Vor Tagen, als dein Gebet zum Himmel stieg, ging ich mit der Botschaft Gottes aus dem Heiligtum. Du wunderst dich, ich wäre wie ein Blitz erschienen, hätte aber tagelang gebraucht, um zu dir zur Welt zu kommen?

Es ist manche Kunde nach dem Zeitmaß dieser Welt zu bringen, und andere nach dem Maß der Lichtsekunden. Beim Weltzeitmaß streut der Botschaftsträger durch die Sphären Gottes Segen aus. Das bedarf der Zeit. Du weißt ja, daß bei einer Zeit die Jahre, Tage oder Stunden dieser Welt nicht abzuzirkeln sind.

Auch die dreimal siebenhundert Jahre stimmen, mit und ohne ein paar Spannen. Gott stellt Seine Raum- und Zeituhr [VH8] aus dem festgesetzten Gang der Ewigkeit für Seine Kinder ein; für die einen langsam, für die andern rascher, wie für ganze Völker. Nichts ändert die Beständigkeit der Licht-Uhr Gottes! Ich ging nach der Lichtzeit meinen Weg, aber für dich sichtbar wie ein Blitz. Die Unterschiede lernt man erst im Jenseits kennen.

Merke, daß du das Gesicht verstehst; denn du bist dem Vater lieb und wert.“ „Fürst Gabriel, wie kann ich denn als Mensch mit meinen Sünden unserm Vater. . .“ „Halt! Es wäre wirklich eine Sünde, wenn zwar keine böse. Das verstehst du nicht? Wenn man — trotz echter lichtgetreuer Demut — etwas sagt, was es bei dem Vater gar nicht gibt, so ist‘s weder gut getan noch gut gesagt.

Lieb und wert sind unserm Vater alle Kinder; lieb die guten, also sind sie Ihm auch wert. Bei den Bösen steht das ‚wert‘ an erster Stelle, eben wert genug, um sie aus der Dunkelheit ‚zu ihrer Zeit‘ herauszuheben. Lassen sie sich von Ihm heben, dann sind sie wieder lieb, wie einst, ehe sie sich von der Liebe Gottes trennten.

Zahlen sind zumeist Symbole, die mitunter weltlich stimmen. Nach Juda‘s Rückkehr folgen siebzig Wochen, denen eine als Voraustakt wie eine noch als Ende anzufügen sind. In dieser Zeit wird man emsig schaffen, um den Wiederaufbau vorzutreiben.

Fröhlich ob der Rückkehr, bringt man viele Opfer, durch die die Schuld vergeben wird. In jener Zeit wird jede Prophezeiung, die das Ende dieser letzten Welt betrifft, versiegelt werden. Das bedeutet nicht nur die Verschlüsselung; dahinter steht das hohe Gotteswort: ‚Das ist gewißlich wahr!‘ Es erfüllt sich also jede echte Schau.

Nach den zweiundsiebzig Wochen wird ein Heiliges gesalbt. Weißt du, was das ist?“ „Nein, Gabriel. Ist‘s der ewige Beschluß, das hochgesetzte Opfer (Golgatha) — in unserm Volk, das nie allein den Anteil daran hat? Um vieler willen, daß es geschieht, wegen weniger, wie es sich erfüllt — dem Äußeren nach? Denn vom Höchsten aus ist es gegeben, an dem keiner etwas ändern kann.“

„Gut erkannt! Nach der Rückkehr — du selbst bleibst länger hier — ‚ wo man laut Befehl der Könige Jerusalem und seine Mauern wieder baut, vergehen sieben Wochen, bis man einen als Gesalbten wählt. Wie wenig diese Wahl und Salbung ihre Gültigkeit behält, wird man sehr bald merken — ebenso in allen Zeitepochen.

In der letzten Weltepoche wird man viele salben, viele krönen und sie heilig nennen, obwohl man weiß, daß pur der SCHÖPFER heilig ist. Sie tun im Namen Gottes, was Seiner Lehre straks zuwidersteht. Also werden sie auch fallen, schon zu ihrer Erdenlebenszeit, spätestens bei ihrem Tod. Denn wie geboren, so begraben: nackt, arm und leer!

Nicht anders der Gesalbte zu Jerusalem. In zweiundsiebzig Wochen richtet man die Mauern und die Gassen. Das Volk wird jubeln; die alten guten Priester werden weinen. Doch das Weinen wird verwehen und der Jubel sinkt ins Grab. Was man im ersten Jubel sich erkor — Gott und das Heiligtum —‚ wird zur gewohnten Sache werden . . . Darum rottet es der Herr auch wieder aus.

Das kommt nach dem höchsten Opfer (S. 128, 4), denn der Opferträger (Jesu) wird von wenigen erkannt und angebetet werden. Den siebzig Wochen gleich folgen einstens siebzig und zwei Jahre, wo Juda wie durch eine Flut sein Ende findet. Bis zum Ende allen Streites wird sehr vieles Wüst und öde werden.

Diese Flut betrifft noch viele Völker. Sie bringt Tränen, Leid, Not, Tod und Schreck. Das wird ärger werden, als die Noah-Flut es war. Des Streites nimmt kein Ende, von Mensch zu Mensch, von Volk zu Volk, daß die Welt erschüttert wird. Wie Gottes eine Zeit, zwei Zeiten und die halbe [VH9], ebenso kommt einst ein großer Krieg und ein zweiter (1914, 1939), die fortgesetztes Schrecknis und Verderben nach sich ziehen, bis das ‚Grauen‘ gar nicht enden mag. Das sind drei Zeichen (s. a. OJ. 9, 12).

Gottes ‚halbe Zeit‘ treibt die Menschen zur Besinnung, wenn — es fast zu spät am Weltenabend ist. Die Große Babylon (OJ. 14, 8; 17, 1) sitzt dann auf einem Thron, wie kein König jemals hat. Wahnwitz, Hochmut, Herrschsucht, Gier, Überheblichkeit sind die Tenne dieser Welt, auf der Gott worfeln wird (Matt. 3, 12; Jes. 27, 12). Und was Isa-i dem Volk verkündigte, gilt allen Völkern der Materie, bis das letzte Fünklein totgetreten ist.

Nur aus diesem Tod erwachen die Gestorbenen zu neuem Leben! Das heißt: Wessen Seele abgestorben ist und Gott nicht gehorcht, dessen Trieb der Seele wird zertreten, wird ausgeworfelt auf der Tenne der Materie. Und warum? Sieht es nicht nach Unbarmherzigkeit und Zürnen aus? Nein, Daniel! Wer diese Worte — Gottes Tun — so schelten wird, der legt sich selber auf die Tenne!!

Wer nicht im Feuer Gottes ausgeglüht (Spr. 17, 3), wessen Weltspreu nicht geworfelt wird, wie soll er denn ins Licht gelangen? Was die Menschen hart und unbarmherzig nennen, ist Gottes große Güte, die — wie vieles — erst im Jenseits richtig zu erkennen ist. Man kann sie wohl auf dieser Welt verstehen, nach jenem Segensteil, den der Herr gegeben hat: den Menschen und der Zeit!

In einer Woche wird Gott aus Seinem Bund das Opfer stärken. Das sind keine sieben Tage, auch wenn man Dienst und Opfer sieben Tage hält. Was aus Gottes Ewigkeit geschieht, hat hier nur den kleinsten Spiegel. Aber er ist wichtig, weil der Herr der Armut wegen, in die einst das schöne Kind gefallen war, alles Kleine in das Große einbeziehen will und wird.

Er stärkt das Bündnis eine Woche lang (Charwoche). Das gilt auch allen, die ‚im Auftrag Gottes‘ durch die Weltmaterie wandern, was besagt, daß Gott den Bund an ihnen jederzeit erfüllt. Lichtgeistig ist‘s die erste Schöpfungswoche (1. Mo. 1) Seines Tat-UR-Jahres, für die Kinder also offenbart (s. Urwerk). Zwei Drittel aus dem Reiche sind die Vielen, die mit dem einen Drittel (OJ. 8, 12; 12, 7) nicht gefallen sind. Auf dieser Welt ist‘s umgekehrt: zwei Drittel kommen aus der Finsternis, ein Drittel aus dem Licht.

Du fragst, wo denn das zweite Drittel Licht verbliebe und warum die Finsteren es übersteigt. Nicht diese Welt allein — die kleinste und die ärmste [VH10] — ist ein Trägerland, durch das das Opfer Gottes geht. Was die Treuen überall zu schaffen haben, das bestrahlt die Erde mit. Wäre es nicht so — längst wäre sie verweht! Verstehe das nicht falsch. Aus Gottes Kraft und Gnade handeln alle Treuen; aber auch ihr Eigenes ist dabei, mit gesegnet — für sie selbst, für das arme Kind und alle Mitgefallenen. — Nun siehst du noch zwei große Flügel, die von einem Ende bis zum anderen reichen. Wären sie vom Licht, so wären sie sehr gut. Diese hier betreffen die Materie — von einem bis zum anderen Ende, womit die ganze Zeit des Abfalls anzusehen ist.

Das ist wie des Geiers Schatten, der als Schreck auf seine Opfer fällt, wenn er auf sie niederstößt. Und wäre nicht in diesem Bilde Gottes unaussprechliche Geduld zu sehen, oft im zugedeckten Segen, aber immer da! — Er ist stets allgegenwärtig —‚ die Welt wäre schon beim ersten Flügelschlag vergangen! Könnte daraus für die Guten neuer Segen kommen? für die Abgestorbenen ein neues Leben? Nein!

Denn was diese Welt zerbricht, baut sie selber niemals wieder auf!!

Unter ‚Welt‘ ist erstens das verlorene Kind samt Anhang, zweitens alle Inkarnierten auf den Weltstationen, sofern sie aus dem Abfall stammen, zu erkennen. Drittens gilt es dem, was wider Gott, Seine Lehre, das Gesetz, den Willen und die Güte steht, also jene Große Babylon, von der du ja genügend Kenntnis hast.

Noch das vom Flügelbild: Du hattest die vier Winde einst gesehen, widereinander unter dem Himmel und auf dem Meere stürmend (K. 7, 2). Alle Bilder, ob verschlossen oder offen, sind in ihrer Art, dazu in ihrer Deutung je ein Mosaik vom einheitlichen Himmelsbild. Und so merke weiter auf:

Du fandest hier vier Völker vor, die sich teils ergänzten, teils auseinanderstrebten. Noch stürmen sie nicht aufeinander zu; bald aber werden sie sich gegenseitig unterjochen. Das Perserreich wird bleiben; später wird es sich verändern, in der Lebensart, in seinem Umfang, teils auch landschaftlich.

Vor Adams Zeit glaubte Luzifer noch immer, alleiniger Regent im All zu Sein. Er zerstörte seinen ersten Gnadenplatz (Mallona) und den zweiten (Atlantis). Ab Adam herrscht die dritte Gnadenzeit. In dieser ist es ihm bewußt geworden, daß er als das abgeirrte Kind auf Gottes Güte angewiesen ist. Noch spreizt er seine dunklen Flügel von einem bis zum andern Ende aus. Wie lang — ?

Wie sein Anfang, ist‘s das Zeichen für das Ende dieser letzten Welt. Da werden je vier Völker auf den beiden Flügeln einig; doch die Flügel liegen hart im Streit, bis der Greuel der Verwüstung über alle Länder kommt. Dazu die Schrecknisse von Krieg, Hunger, Elend, Not, Verderben, Katastrophen und — vieler Tod.

Weine nicht, Daniel“, tröstet Gabriel, als jener nicht die Tränen hemmen kann. „Wo ist da Gottes Güte? wo Seine Hilfe, die ich im mer herrlich angesehen habe? Wo die Erlösung, von der Isa-i (Jesaja) gepredigt hat? Wo, Engel Gottes, ist Er Selbst? — ?!

„Deine Fragen treffen in das Ziel. Nur wisse das: Wo nicht GOTTES Flügel ausgebreitet wären, da würde schon beim ersten Flügelschlag des Geiers, Symbol des Abfalls und der Welt, das Verderben als ein ewiger Tod die Verwüstung obendrein begraben, bis GOTT SELBST den Schlußstrich zieht — aus einer Weisheit, die kaum wir ersten Engel ganz verstehen können.

Aus Gottes Schlußstrich kommt für alle Abgestorbenen und für die Krumen der Materie ein neues Leben. Würde ohne die Erlösung, von altersher bedacht (Heb. 9, 12), die Finsternis den Schlußstrich ziehen, sie könnte Gottes halbe Gnadenzeit zerstören, die Er herrlich zugemessen hat. Wer weiß, was dann geschähe? Doch wie gut, daß dies ewiglich verschlossen bleibt.

Ein heiliger Beschluß, im eigenen Rat bedacht! Der ist wunderbar, und GOTT führt ihn auch hinaus (Jes. 28, 29). Steht der Beschluß der Allmacht fest, dann fragt der Herr, was wir zu raten hätten. Meinst du, das wäre überflüssig? So sieht es aus, wenn man das Himmlische allein vom Weltbedenken her erfassen will.

Es ist unsre höchste Wonne, wenn Gott uns zu Rate zieht. Was aber hat Er Sich erdacht? Im Licht erzogen und daselbst geblieben, ist es möglich, nur Gedachtes zu erfassen. Wir stehn im Fortgang aller Werke und merken wohl, was werden kann und werden muß. Können wir uns an den ‚Rat des Höchsten lehnen‘, dann kann unsere Seligkeit kein Mensch erfassen.

Wenn es um ein Schwerstes geht und wir daneben reden, so verliert die Seligkeit kein Lot. Herrlich ist es, wenn der HERR Sein Werk mit uns bespricht (1. Mo. 1,26). Darum wird einmal ein Bote künden:

‚Wer hat des HERRN Sinn erkannt, oder wer ist Sein Ratgeber gewesen?

Oder wer hat Ihm etwas zuvor gegeben, daß dies ihm werde wiedervergolten?

Denn von Ihm und durch Ihn und zu Ihm sind alle Dinge!

Ihm sei Ehre in Ewigkeit!‘  (Röm. 11, 34-36)

Der dies Wort dereinst zur Erde trägt, steht jetzt schon in der Schule für die Welt [VH11]. Deshalb ist es dir vorauszukünden.

Nun nimm es hin, der du nah am Gnadenstuhle stehst — zum Dienst, Daniel, nicht bevorzugt vor den andern. Denn vor und in dem Herzen Gottes gibt‘s für alle Kinder einen Platz: den der einheitlichen Segnung, Gnade, Liebe und — weil eben nötig — der Versöhnung!“

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