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Kap 34 – Der Heimgang Daniels – nach Kanaan und in Gottes Reich

Kapitel 34

„Endlich scheint er aufzuwachen.“ Besorgt beugt sich Kambasy über Daniel. „Du hast nicht geschlafen?“ fragt er den Diener, der seit Mitternacht am Lager saß. Jetzt ist fast Mittagzeit. Langsam öffnen sich die hellen Augen. In ihnen liegt ein Himmelsstrahl, daß beide Männer sehr erschrecken. Weh, so schaut einer aus, der vor seinem Lebensende noch einmal die Augen öffnet, um sie dann für immer zuzuschließen. Doch ihr guter Herr will heim ins Jordanland, und alle haben sich mit ihm gefreut.

Sie erfüllen eifrig ihren Dienst. Daniel verwundert sich, weil der helle Tag bereits ins Zimmer strömt. „Was ist geschehen? Warum steht ihr denn bei mir?“ Kambasy beschwichtigt; denn er meint, Daniel sei krank geworden. „Du hast ganz wunderbar geschlafen und wir sind“, lügt er sich ein bißchen aus, „eben eingetreten, um nach dir zu sehen.“

„Ich habe mich verschlafen“, zankt Daniel mit sich. Da ziehn des Geistes Bilder auf, und die ‚letzte Not‘ will ihn übermannen. Ein Sonnenstrahl huscht über sein Gesicht, wie ein Gruß des Ewigen. Er läßt sich ausnahmsweise helfen, in sein Taggewand zu schlüpfen. „Für die Reise habe ich dein bestes Fürstenkleid gerichtet“, sagt der Diener, „auch was du aufgeschrieben hast, ein paar schöne Stücke hier vom Schloß; leider . . .“

„. . . herzlich wenig“, murrt Kambasy. „Du läßt von deinem Eigentum zu viel zurück, Fürst Daniel.“ „Ich hab‘ das Schloß zu einem guten Zweck vermacht, soweit wir einem solchen dienen können. Das Wenige soll andere erfreuen. Überdies“, er sieht beide Meder freundlich an, „könnt ihr nach meinem Tod zurück in euer Vaterland; ihr könnt auch bleiben, ich habe alle meine Leute unserem Fürsten Sesbazar ans Herz gelegt. Jetzt aber flott; morgen wollen wir am Treffpunkt nicht die Letzten sein.“

Der Hauptmann des Geleites kommt mit ein paar Juden, denen ihre Heimkehrfreude aus den Augen strahlt. Einer sagt: „Ich war erst ärgerlich, weil ich zum letzten Trupp gehören sollte. Mein Weib hat nur gelacht: ‚Dummer‘, sagte sie ganz unbotmäßig, ‚ich als Mann hätte mich versteckt, um mit Daniel zu ziehen. Es ist eine Ehre, wer ihn heimbegleiten darf.‘ Was sagst du dazu, unser ‚Jordanseher?“

„Daß sie klug geredet hat“, lacht Daniel, „Mit der Ehre“, wird er wieder ernst, „wollen wir nicht spielen. Wir, die wir morgen in die Heimat dürfen, achten es als höchste Ehre, wenn GOTT der Führer auf dem Wege ist. Mit IHM wandern wir, — seht, liebe Männer, es ist so wie einst, als Mose unser Israel zum Land des Patriarchen führen konnte, mit Gott als Wolke und als Feuersäule.

Wir brauchen diese Zeichen nicht; Gott gab ein anderes: alle sind sie in der Heimat wohlbehalten angekommen. Geschieht es mit uns ebenso, dann hat der Herr das gleiche Wunder auch an uns getan, wie Mose es erfahren konnte. Das bewahren wir als ‚köstlichsten Besitz‘!“ Still wenden sich die Männer um, dankbar und bereit, für Daniel sich aufzuopfern, wenn — es nötig werden würde.

An der Pforte sagt der Oberste zu Daniel: „Du hast mir jetzt den Weg gezeigt, ich danke dir.“ Daniel sieht ihm nach. „Herr, Du hast die Heiden lieb (OJ. 21, 26 na.), so wie Mose sagen durfte: ‚Wie hat ER die Leute so lieb‘ (5. Mo. 33, 3)!“ Vom Herzen steigt es auf: „Wenn die Menschen in den Abgrund fallen — nicht tiefer geht‘s hinab als da, wo Deine Vaterhände warten, um sie aufzufangen und — in Güte wieder aufzurichten.

Für viele wird es lange währen; doch am Feierabend Deines hehren Liebe-Schöpfungstages — ach, die Seligkeit wird alles überfluten!“ Die Abschiedsstunde bringt der Seher auf dem Söller zu. Sein Blick gleitet hin zum Euphratstrom, der im Glanz der Abendsonne wie ein goldenes Band im Lande liegt. Im weiten Rund die schönen Höhen, die grünen Täler, hängenden Gärten, etwas herbstlich überhaucht.

Im Westen, wo die Erdenheimat liegt, schimmert es noch einmal hell herüber, als wolle ihm die Sonne ihren letzten Gruß mit auf den Weg geben. Die Sterne ziehen auf. „Vom Ewigen seid ihr ausgegangen, zum Ewigen kehrt ihr zurück; wir Menschen auch. Herr, mein Vater-Gott, Dir danke ich für Deine Güte!“

Langsam geht die Nacht durchs Land. Im Schloßhof steht die Wagensänfte, das Geschenk des Cyrus. Vier edle Perserhengste sind davor gespannt; ein geübter Lenker wird mit ihnen fertig. Die Leute, die im Schloß zurückzubleiben haben, stehen in zwei langen Reihen da und ist kaum jemand, der nicht verschämt die Tränen zu verbergen sucht, als der Jordanseher scheidet. Jedem gibt er seine Hand und jedem eine Gabe. Außer Kambasy reiten noch der Schloßarzt und zwei Meder mit.

Als sie zur Mautherberge kommen, rötet sich der Himmelsrand, „Ihr seid ja so viele!“ Daniel begrüßt den Hauptmann freundlich. Dieser grinst: „Darüber kann dir unser König Auskunft geben. Die Karawanenstraßen sind um diese Zeit nicht räuberfrei; denn die Räuber sorgen für den Winter vor. Zeit deines Lebens bist du nicht aus Babylon herausgekommen, wo die Wege streng gesichert sind, Militär und Karawanenleute — weit herumgekommen — müssen sich auf fremden Straßen schützen.“

‚Ja ja, der Selbstschutz ist schon gut‘, denkt Daniel. Gott kann die Menschen durch die Menschen schützen und vieles mehr, wie IHM es wohlgefällt. Es zeigt sich auch, daß Cyrus richtig vorgesehen hatte. Räuber nahen sich. Doch bei der Menge der Berittenen und schwer Bewaffneten geben sie gleich Fersengeld. Unbehelligt kommt man in das linke Jordantal.

Der Oberste beordert vier Soldaten fort. Daniel fragt nach ihrem Ziel. „Sie handeln auf Befehl des Königs“, weicht der Perser aus und lacht: „Die gehen nicht verloren.“ Ob er wohl lügt? Kambasy hat ebenfalls ‚gemogelt‘, als er am letzten Tage auf der Durahöhe mit dem Diener vor dem Lager stand. Wird Gott wohl über solche ‚lieben Lügner‘ ein klein bißchen lächeln — ?

In der Annahme, daß die Perser nunmehr heimwärts reiten, hat sich Daniel geirrt. Wieder lacht der Hauptmann listig: „Weißt du, Fürst Daniel, der König gab mir den Befehl, dein Vaterland in Augenschein zu nehmen, daß ich ihm davon berichten soll. Deine Männer, hörte ich, bleiben bei dir bis Jerusalem, obwohl sie anderwärts zu Hause sind, wenigstens die meisten.“

„Hast du die vier Boten nach Jerusalem geschickt?“ Der Hauptmann ‚überhört‘ die Frage und inspiziert die Truppe. In die Heimatfreude mengt sich ein kleiner Ärger. ‚Ich bin jetzt kein Fürst, dem man Ehrenbögen setzt; ich bin ein Wanderer, einer von den vielen, die ihre kleinen Lebenswege gehen.‘ —

In Syrien sieht das Land gepflegt und wohlbehütet aus. Nicht weit ab vom Meromsee wird der Jordan überschritten, der — im Gefälle zwar schon stark — einem breiten Bache gleicht. Doch von Hazor an, nahe am See Kinnereth (Genezareth), drückt das Elend des geschlagenen Landes alle Juden nieder. Sogar die Perser sind empört. Man sieht es noch, wie sinnlos die Kulturen einst vernichtet wurden, einfach aus Zerstörungslust.

Kaum gibt es kleine Dörfer oder Städtchen. Mühselig wird das Land bestellt; doch bereitet man dem Seher überall den freundlichsten Empfang. Man bringt ihm kleine Gaben. Er wehrt ab: „Liebe Leute, ihr braucht alles selbst so bitter nötig. Denke keiner, daß ich es nicht achte. Euere große Liebe ist das herrlichste Geschenk, und das nehme ich mit mir. Ihr erhaltet bald von jenem Schatz, den König Cyrus für euch sammelte.“

Sie ziehen durch das öde Land. Wie schwer, die Verwüstung, die fünfzig Jahre währte, zu beseitigen und die einst blühenden Gefilde wieder herzustellen. Etwas bestaunen alle Perser: den ungeheuren Fleiß der Leute. Wo sieht man jemand müßig sitzen? Frauen, alte Männer und auch Kinder helfen mit, damit der gute Name ‚Kanaan‘ zu seinem alten vollen Recht gelangen soll.

Endlich kommt Jerusalem in Sicht, die Stadt, der der Himmel ihren Namen gab [VH18]. „Das ist ja überwältigend!“ ruft Kambasy. Er hält den Atem an. Man sieht es aus der Ferne nicht, wieviel Trümmer noch die arme Stadt bedecken, wieviel Gassen kaum passierbar sind, wie dort, wo einst die herrlichen Paläste standen, das Unkraut in die Höhe schoß.

Was überwältigt, ist die Lage dieser Stadt. Auf der Moriah-Höhe steht ein Teil des Tempels, der im Strahl der Sonne glänzt. „Wenn das der König sehen könnte!“ begeistert sich der Offizier. Oh — die Begeisterung vergeht, als man Jerusalem erreicht. In höchster Eile wurden Trümmer weggeräumt, als die Boten Daniels Ankunft meldeten. Ein paar Straßenzüge sind ganz fertig.

Wo der Palast der Eltern stand, hat Harphya mit vielen Freunden ein bescheidenes Haus errichtet. Der Garten ist gepflegt. So findet Daniel ‚zu Hause‘ alles bestens vor; er weiß ja nicht, wie herrlich einstmals seine Eltern wohnten. Oder doch — ? Ach, das braucht ja nicht zu sein, spürt er ganz genau. Für Harphya freut es ihn, daß sie ein nettes Häuschen hat.

Stumm ist die Begrüßung der Geschwister, schmerzlich, und — vom Freudenschein erhellt. Und niemand stört. Auch ist Daniel von der weiten Reise müde; er merkt, wie die Leibeskräfte in den letzten Jahren nachgelassen haben. Am nächsten Morgen kommt Fürst Sesbazar mit den bereits gewählten Ältesten der Stadt und einem Priester, der später Hoherpriester wird, jener erste nach der Rückkehr aus der Babylonischen Gefangenschaft.

Daniel kann sich der Ehre nicht erwehren, die man ihm von allen Seiten bringt. Vom Ausland kamen Karawanen, dem heimgekehrten Volk zu helfen. Der ‚Cyrusschatz‘ vom letzten Landtag ist schon listenmäßig aufgeteilt, damit die Armen ihren Anteil haben sollen. Daniel soll es nur noch überprüfen und — wo nötig — ändern.

Trotz Kräfteschwund kann er viel erledigen. Täglich kommt der Hauptmann, um nach ihm zu sehen. „Kannst du denn so lange bleiben?“ fragt Daniel am achten Tag. „Ich freue mich, daß ich dich noch habe und bin dir auch zu großem Dank verpflichtet; du und deine Perser haben uns so gut geleitet und . . .“

„König Cyrus wird nicht schelten. Außerdem — ich träumte in der ersten Nacht, hier im Lande, da stand einer neben mir, der sprach: ‚Bleibe! Ich komme wieder, wenn du heimwärts ziehen sollst.‘ Was das zu bedeuten hat, weiß ich nicht; immerhin — mir ist‘s wie ein Befehl des Königs. Wie kann man das verstehen?“ Matt, doch hellen Auges, erwidert der Prophet:

„Du hast den guten Glauben angenommen, lieber Perserfreund, also brachte dir ein Bote Gottes den Befehl. Das ‚Warum‘ wirst du bald erleben.“ Er schweigt über sein Empfinden, das Nahende. Warum soll er ‚alle seine lieben Leute‘ in die Trauer um ihn stürzen? Seine Zeit ist abgelaufen.

Am zwölften Tag sieht Harphya, daß es mit ihm zu Ende geht. Sie läßt Fürst Sesbazar, die Ältesten und den Hauptmann rufen. Bald sind sie versammelt. Daniels Gesicht wirkt hell, menschlich müde, geistig wunderbar geglättet. Das Licht aus seinem Geiste überwiegt die Mängel seines Körpers.

Die Juden spüren es im Leid: Der letzte Seher ihres Volkes geht dahin. Daniel richtet sich ein wenig auf, unterstützt von Harphya und seinem Arzt. Jeder tritt ans Lager und erhält den Abschiedsgruß des Scheidenden. Keiner von den Männern wird dies je vergessen. Wie eine Flamme trifft es ihre Herzen, eine, die verzehrt, und die so wunderbar erwärmt, erneuert.

Ist es ihnen nicht, als falle alle Mühsal der Gefangenschaft von ihnen ab?, als würde auch die Not, die sich immer noch vor ihnen türmt, zu einer leichten Bürde werden — im voraus? Ein Odem füllt den Raum. Da kniet einer nach dem andern nieder und Daniel spricht sein letztes Erdenwort:

„Meine Freunde! Seid fröhlich in dem Herrn, Der uns so getröstet hat, so herrlich in die Heimat führte, in die irdische, an die sich unsere ewige Heimat schließt. Wo ich jemand Unrecht tat, da wolle er es mir verzeihen, damit ich es dem Vater bringen kann, mir zur Entlastung, den Vergebenden zur Seligkeit.

Siebzig Jahre war ich in der Fremde und nur wenige vom Volk genauso lang. Meine Freunde Misael, Hananja und Asarja weilen schon in jenem Kanaan, das himmlisch ist und nicht von dieser Welt. Auf das richtet euer ganzes Sinnen! Was in der Fremde ungut war, das lasset fallen; aber das, was Kores, Darius und Cyrus gut getan, das hütet wie Kleinodien und vergeßt die nicht, die euch geholfen haben, die euch dienten — wie mir auch.“

Er macht eine Pause, das Reden strengt ihn an; doch sein Geist wirkt kräftiger in Gottes Licht, das ihn umgibt. „Heute kann ich euch noch etwas sagen, damit das Volk gewappnet ist für das, was kommt. Mir wäre wohl, ich brauchte nur das Gute zu verkünden; doch wer der Anfechtung ins Auge sieht und sie erkennt, kann leicht das Argste überwinden.

Juda‘s Weg geht fehl, wenn es — verweltlicht — die Offenbarungen verdirbt, wie schon geschehen ist. Man wartet auf den Helfer gegen jedes Ungemach. An das Seelische, das die Not des Lebens gibt, wird nicht gedacht. Noch wird Gott gnädig Seine Seher senden; und hört man ihren Ruf, so geht Juda niemals unter! Aber ach — ich sehe eine große Wolke, die über den zwei Stämmen schwebt und nicht verziehen will, weil Juda selbst die dunkle Wolke ist — seine Einstellung zur Welt, sein arm gewordener Glaube!

Den Sehern folgen viermal hundert Jahre, und — der HEILAND, von den Alten angekündigt (Ps. 17, 7; 51, 16; 85, 5; 106; Jes. 43, 3 u. 11; 45, 15; Hos. 18, 4). Man wartet nicht auf IHN, den Tröster in der Not der Seele, den Retter aus dem Tod des Glaubens. Man hofft auf den Messias, der das Äußere bedenkt, wie Othniel es tat (Ri. 3, 9). Wird das Volk auf einen solchen hoffen, dann wartet es darauf vergeblich bis ans Ende dieser Welt!

Der Heiland kommt!“ Daniels Gesicht wirkt fast erschreckend, wie heilig sieht es aus. Wehe, Juda, wenn du IHN nicht anerkennst, wenn du IHN verachtest, weil Er nicht ein Judmäa wird (S. 211, 6)! Wehe, Juda, wenn du dich an diese Welt verlierst! Immer tiefer sinkt die dunkle Wolke, die die ganze Menschheit überschatten wird.

Ich sehe unsere Welt, ein Spielball großer Himmelslichter, ein dunkler Punkt im finsteren Gewölk. O Freunde, lehrt die Leute, wie der HEILAND kommen wird, der Erlöser jeder Seele, Erretter aus der Sünde, Angst und Schuld! An Diesen glaubt, Diesem schenkt das Herz. Diesem opfert willig das Gemüt und laßt fahren, was euch von des Heilands Hilfe scheiden mag.

Liebet Gott und eure Nächsten, so gut es jedermann vermag. Rechnet nicht mit Lohn, daß ihr des Himmels Löhnung nicht verliert. Seid freundlich gegen jeden, nicht nur unterm Volk. Ihr wisset, wie die fremden Könige gehandelt haben, euere Schätze wiedergaben und noch mehr dazu. Es ist im Volke eingewurzelt, die Heiden zu verachten. O, welch Irrtum und Verkennung der Gebote Gottes!!

Nur eines sei erwähnt: ‚Du sollst nicht töten!‘ Steht dabei: ‚Du sollst nicht deine Brüder töten, bei den andern darfst du es?‘ Ach nein, das hat Gott nicht erlaubt! Die Sinai-Gebote gelten allen und sind von allen Menschen einzuhalten. So will‘s die Nächstenliebe, die Gott durch Mose kundgegeben hat (3. Mo. 19, 18). Und wer ist dein Nächster, armer Mensch auf deiner armen Welt? Ist‘s denn nicht ein jeder, der die Unterstützung und die Hilfe braucht (Luk. 10, 29-37)?!

Lernt Juda, als des Lichtes Sinnbild, nicht für sich, sondern als ein Helfervolk für alle Völker da zu sein, dann erst wird es — als Symbol — ein Licht der Menschen werden, das GOTT im Heilandsweg zur Erde bringt. Verliert es dieses Ziel und Gottes Weg, so wird es nach dem Heiland niemals wieder die Erwählung überkommen! So klein wird es — und verachtet von den andern Völkern. Doch auch diese werden keinen Vorzug haben, ein Lichtsymbol für andere zu sein.

Tröstet euch, ihr Trauernden! Licht bleibt Licht! Was die Welt verdirbt, macht der Ewige in Seiner Güte wieder gut; was der Mensch verachtet, nimmt ER an; was die Völker sich zerstören, richtet Er im letzten Weltgericht doch wieder auf — anders freilich, als auch dann die Menschheit denken wird.

Gott, der Ewige läßt nichts aus Seinen Händen rinnen, weil jede Schöpfung pur aus Seinem Lichte stammt. Nichts hat Er für immer für die Welt gemacht. Jeder Mensch, der — mindestens erst selbst — die gleiche Gasse geht, sich im Feuer Gottes reinigen läßt, der hilft mit, die Irrgegangenen auf einen guten Weg zu bringen. Helft mit, ihr treuen Freunde, stellt euch in die Reihen derer, die der Vater der Barmherzigkeit zur Erde schickt!“

Wiederum nach einer Pause, in der Daniel sich immer mehr verklärt und der Schein um ihn an Helligkeit sich so verstärkt, daß mancher seine Augen schützt, ruft er beseligt aus: „Herr, o Herr, DU bist gekommen? DU nimmst mich an Deine Hand?! Ewig-lieber Vater, ich — ich — —“ Und er verstummt. Mit Erdenworten ist die Seligkeit nicht auszudrücken, nicht von jenem Mund, der irdisch jetzt erkaltet, der aber ‚für das Reich des Lichtes Sprache‘ hat. — — —

Um ihren ‚lieben Großen‘ herrscht im ganzen Lande stille Trauer. Was er säen durfte, geht den Menschen nicht verloren, auch wenn es oft den Anschein hat, wenn die dunkle Prophezeiung sich erfüllt — am Volk und an den Völkern bis zum Niedergang der Welt, bis auch die ‚Große Babylon‘ gestorben ist.

Die ‚Saat des Lichtes‘ ist so stark, daß sie immer ihre Ähren treiben wird: dreißig-, sechzig-, manchmal hundertfältig in den freien Herzen, die sich

G O T T    ergeben haben.

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