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Der sechste Schöpfungstag – Da ward aus Abend und Morgen, der sechste Tag

6-1024 Diese ‚Haut-Substanzen‘ werden — einflußlos vom Willen Luzifers — sich nach und nach zu allerlei verdichten. Glaubt aber nicht, daß dies durch Meine Macht geschieht. Nein! Das Notopfer darf für sich verlangen, im voraus jene Bedingungen eingehalten zu sehen, die es nötig werden ließen und deren Ziel die Schöpfung garantiert! Und da auch Luzifer Weiteres zu schaffen sich bemüht, so ergänzen sich hier ohne jeden Zwang beide Willensimpulse, und es wird, was werden soll!

6-1025 Mein Element Erde (Erde = in der Entschlüsselung stets Tatsache) entspricht der gestaltenden Gewalt. Des Falles wegen schuf die Gewalt also eine Materie-Erde, in welcher Luzifers äußere Kraftsubstanzen als halbbewußte und unbewußte Lebensformen festgehalten werden. Diese Erde umfaßt einen großen Teil, eine Art Hülsenglobe, deren Form jener des Gefallenen gleicht. Es wird in ihr aber auch zu zwei anderen ‚Erden‘ kommen. Wird miterlösend durch euch dieser Großerdenraum Meinem Heimführwerke eingereiht, so wird der Opfersohn als Gegenstück die personhafte Sadhana der Vollerlösung anheimgeben. Nimmt sie diese an, so werden einst sogar die Schlacken der Gesamtmaterie wieder reingeistiges Gut.

6-1026 Ihr fragt besorgt, ob ihr die Erd-Raummasse wirklich mit erlösen könnt. O ihr Ersten, das ist nicht allzu schwer, denn der weitaus größte Teil davon sind die von Meiner UR-Macht nicht zu trennenden Potenzen. Ihr habt auf der Hagarma die Halle Merhatom errichten helfen. In dieser sind des großmächtigen Berges Mahapatra innere Substanzen zur Darstellung gelangt, die äußerlichen aber sind durch Geduld und Liebe in die Materie eingestreut und manches Heilige mehr, sonst würde die Materie zur unlösbaren Härte.

6-1027 Das Eingestreute bedarf der Erlösung nicht, es geht mit den zu befreienden Potenzen von selbst zurück. Wäre es anders, würde zu freier Rückholung der Vollmaterie fast ein Großwerk (Schöpfungsmonat) benötigt. Die Hilfssubstanzen sind ‚geliehenes Gut‘, mit dem Luzifer nicht machen kann, was ihm beliebt. Es geht werkgemäß außerhalb der Erlösung dahin ein, von woher es stammt. Der Schlußteil der Erlösung beginnt, wenn in der kindgeformten Hülsenglobe die letzte Lösewelt entsteht.

6-1028 Die Hilfssubstanzen sind dazu bestimmt, den Erscheinungsformen einen gewissen Bestand zu verleihen. Hingegen sind die in der Materie gebannten Kraftsubstanzen der Gefallenen, die auch zu verschiedenen Lebensformen werden, unbedingt der Erlösung unterworfen. Denn diese rief Luzifer zu Widergöttlichem hervor, und so gelangen sie aus sich selber niemals zur Lichtsubstanz zurück.

6-1029 Die der Materie ‚geschenkten Lichter‘ werden für die Materie-Gebannten leuchtende, Leben spendende Sonnen sein, und nie werden sie erkennen, auf welch geheimen Wegen von euern Lichtern aus die Strahlung auf sie überfließt, die erst von solchen ‚Lebensspendern‘ aufgenommen und wie Eigenes ihren untergeordneten Systemen zuleiten werden. Insgesamt ist das dann ein ‚Schöpfungsmensch‘; aber dieses Sinnwort entfällt, sobald es keine Materie mehr gibt.

6-1030 Das ‚Herz der Gefallenen‘ wirkt am meisten auf den Lösewelten, von größter Bosheit, Zwietracht, Leid und Tod beherrscht. Kaum auf der ersten Welt wird der bitterste Kampf beendet, und der unsichtbare wird der härtere als der sich sichtbar äußernde sein. Ihr sollt das Äußere, den Haupt-Verstand bezwingen, der ‚Sohn‘ allein das Herz! Wird letzteres durch das Opfer zum Schmelzen gebracht, so kann in diesen Feuerfluß die ganze Letzt-Materie einbezogen werden.

6-1031 Noch hat jeder Werkanteil aus Meinem UR-Ich — soweit nur immer möglich— in euch Lichttreuen den gerechten Widerhall gefunden; und aus Geduld und Liebe Meines Gott-Herzteiles wird sogar in härtester Materie ein Widerschein sich finden lassen. Über das eigentliche ‚Wie‘ will Ich euch nicht zwangsläufig zur Erkenntnis führen. Das bedeutete euch keine Seligkeit; es wäre die Vorwegnahme dessen, was erst später großen Reichtumssegen bringen soll.

6-1032  Alles daher zu seiner rechten Zeit! Nun belehrt eure Kinder, die ja die Meinen sind. Seid getrost! Nie entbehrt ihr Meiner Führung! Und Ich will einen neuen Segen stiften, der eurer Sehnsucht größere Vollendung gibt, als wenn ihr Mich stets vollauf sehen könntet. Zwar ist die Sehnsucht eine Last; überlegt ihr aber, daß MIR das Vor-euch-Verhüllen euretwegen unendlich schwerer ist als euch das Nichtschauen, so könnet ihr es willig auf euch nehmen. Ich trage das Vierfache von dem, was durch den Fall auf allen Kindern und Geschöpfen lastet! Bleibt ihr dessen eingedenk, dann wird euch jede Last zur leichten Bürde, wie das Opfer es erfordert. – Nun gehet hin; immerdar wird Mein Segen und Mein Friede mit euch sein!“

6-1033 Das Wort ist verklungen, nicht aber in den Stuhlersten verhallt. Zugedeckt sind das hehre Angesicht, die weiße Wolke, der wundersame Jüngling. Doch die hocherhabene UR-Wesenheit ist in allem Leben wahrzunehmen. Aus den erprobten Kindern sind durch Hingabe an das Schöpfungsopfer dem Werk verhaftet selige Geister geworden, die UR nicht schauen können. Allein das ‚Göttliche‘ ist nicht ganz verhüllt; im Gegenteil: Die Last der Aufgabe heimst alle guten Früchte der UR-Kinder ein. Denn — in UR ist nichts verloren!

6-1034 In ewiger Verbindung sehen die Freien in sich UR ungetilgt, hören Seine Stimme bald wie Gedanken, bald an ihr Ohr erklingen. Die Liebe vom Kind zum Vater steigert sich, je mehr die Dunkelheit in ihrem Raume tobt und die Freien mit davon betroffen werden. Gewaltig ist deren Anstrengung, eine Gasse zur dämonischen Tiefe anzubahnen. Am Ende der elften Stunde beteiligen sich die Ersten in der siebenten Sonnensphäre gesegnet an der Bildung der Materie. Die Schatten sehen nicht des Lichtes Wirken, jene große das All umfassende ‚heilende Bahn‘, auf welcher der Opferträger der ERLÖSER wird.

6-1035 Die Ersten merken, wie wichtig ihre Arbeit ist. Barmherzigkeit senkt sich mehr und mehr in sie, und Gottes heilige Liebe füllt ihre reinen Seelen bis oben an. Immer größere Kreise zieht die Liebe; denn je mehr sie unter den Lichtgeborenen zur Auswirkung gelangt, um so fester bildet sich der Ring, der die Materie umhegt. Allmählich spürt Luzifer die Hege. Doch wie wenig er Michael und dem Brand entweichen konnte, so wenig ist‘s ihm möglich, die Liebewirkung zu zerstören. Heilsstarke Arme umschlingen den Gestürzten. —

6-1036 Der Raummensch ‚Materie‘ ist geschaffen. Sonnenartige Gebilde, die ihr Licht vom Reich empfangen und ihren Planetenkreisen spenden, durchziehen ihn. Sinnhaft dem Platz, wo das Herz pulsiert, ist ein Raum gegrenzt, wo eine Planetarsonne schwebt, bei weitem nicht die größte. Sie steht im Kreuzfeuer einer Doppelstrahlung der Liebe und Barmherzigkeit; und dort trifft sie kreuzweise die Ausstrahlung der sieben Himmelssphären.

6-1037 Diese Sonne gebärt nach und nach acht Planeten. Das ist Symbol. Acht Kind-Einheiten wurden zuerst geboren, und acht UR-Jahre bilden einen Zyklus. Der dritte Planet ist eine Erde, ein Gnadenspiel zur dritten Wesenheit GOTT und dem dritten Geistelement Erde. In diese erste Weltenerde sind Luzifers Herzkräfte eingebannt. Die Fürsten, sehend, neigen sich vor der Allgewalt der UR-Barmherzigkeit! Es spiegelt sich auch hier die dritte Dimension, die Weite, denn am äußersten Rand des Himmelsraumes hat die Materie sich bilden müssen.

6-1038 Wie die sieben Sonnenringe, durch die die Strahlsphären wie Radspeichen laufen, sich wunderbar zusammenfügen, so sehen die Fürsten staunend sogar in der Materie URs heiliges Wundertum. Da tragen sie auf reinen Händen das Erkannte in Raum und Zeit hinein. Sie dürfen es als eigenen Erwerb in Anspruch nehmen, und immer seligere Freude kommt über sie: dem Liebetag sein schönstes Ziel zu setzen helfen!

6-1039 Die materielle Umwandlung des vierten Elements ‚Luft‘ bleibt ihnen aber fast verborgen. Sie sehen wohl an eigenartigen Strahlen der Laut- und Lichtschwingungen die andere Gesetzmäßigkeit, weil aller Lichtzufluß der Veränderung unvermeidbar unterworfen ist. Ja, erst am hochgesegneten Abend wird UR von der vierten Wesenheit mit ihrem hohen Eigentum und Werk als Schein des siebenten Ruhetages das vorausstrahlen lassen. Und in Demut verhüllen sie ihre Augen; sie greifen nicht nach einer Frucht, deren Reife erst noch kommt. —

6-1040 Die Vater-Wesenheit wird jetzt mehr innergeistmäßig erscheinlich, wird jedoch von UR in Güte, Gnade, Langmut und Sanftmut unter die Strahlung Seines Opfers gestellt. Darum fließt auch aus der vierten Herzkammer ein unvorstellbar reicher Vatersegen über alle Kinder hin. Das Gefühl erfassend, steigen ihre Herzen himmelhoch in Lob, Dank, Preis und Anbetung. Die elfte Stunde ist beendet, und vollgerüttelt ist ihr Maß an segensvollen Gaben.

6-1041 Mit Beginn der zwölften Stunde kehren die vier Stuhlgruppen vom Arbeitsfelde heim. Sie gehen durch das Zwischenreich. Die Fürsten setzen aus ihrer Rechtskraft dort die Wächter als Sphärenleiter ein. Geht einer von ihnen zur Materie, so tritt an dessen Stelle ein Ältester, wie auch die Befehls-Engel als jeweilige Vertreter unter ihnen allen gelten. Gott belobt das Tun der Fürsten. Die Wächter, Sadhanas Kinder, können zwar nur mit Aufbietung aller Kraft, aber segensreich die Brücke halten. Gerade ihre Liebe ist ein fester Pfeiler, der die Lasten trägt, die als Schöpfungsschuld über diesen Steg getragen werden. In der Halle Merhatom auf der Hagarma sammeln sie noch einmal ein, was ihren Ab-Weg reich und sicher macht.

6-1042 Der Erste aus dem Licht löst sein Gelübde (Ps. 50,14) ein. In allen Gefilden spürt man daraus den gewaltigen Einfluß. Jedes Lichtkind möchte gern sein Herz dem Liebefürsten geben als Kraft für ihn, als Demutsfreudigkeit für UR, als erbarmendes Geschenk für die Gefallenen.

6-1043 Am Heiligtum öffnet sich die dritte Pforte. Rafael betritt den roten Teppich. In lautloser Feierlichkeit schließt sich das Tor, und ihn umfängt ungeahnte Schöpfungsstille. Darf er vor dem Weg, der zittern macht, den Vater oder Gott noch einmal sehen, Melchisedeks Segenshände spüren? Wird der Schöpfer Sein Geschöpf umfangen, damit ihm kein Leid geschieht und UR nicht abermals ein Kind verliert?! Ach, das aus dem Fall entstandene Gesetz ist unerbittlich. Daher muß er äußerlich im Vorraum bleiben, vor dem streng geschlossenen Vorhang. Doch sein Geist erlebt in Wirklichkeit URs Offenbarung.

6-1044 Der Fürst kniet vor dem Herd, auf dem das reine Kreuz leuchtet im UR-Sonnenlicht. Die Opferschale schwingt, Weihrauch steigt auf; und UR — Sein UR — sitzt auf dem erhabenen Stuhl, umgeben von den sieben Fackeln. Aufgedeckt ist der kostbar weiße Raumteppich; alle Zeichen im Gefunkel ihres Silbers und des Goldes sind bestrahlt vom Schein des Feuers auf silbernem Teller. Endlose Scharen stehn im Allerheiligsten, die Wächter ernsten Angesichts in den vier Ecken des Herdes. Rafael neigt sein Haupt bis zum Boden, denn er erkennt: Wie es sein Geist erlebt, so wird es wieder aufgetan, wenn die Liebe den großen Sieg errungen hat! Er weiß nicht, daß schon sein Weg für das Licht aus Gottes Liebe eine Mittler-Offenbarung bringen kann.

6-1045 Rafael fühlt eine Hand auf seinem Haupte ruhen, gibt aber seiner Sehnsucht keinen Zügel frei, um zu sehen, was die Vorerlösungszeit verhüllt. Doch o Seligkeit, o Jubel, Er ist mit UR verbunden! Nochmals öffnet sich die Pforte, und Agralea kommt herein, geleitet von Uraniel und Michael, ihnen folgend alle Fürstenpaare. Alsbald zeigt sich die weiße Wolke, und sie hören — höchstbeseligt — Gottes Wort:

6-1046 „Fürsten Meines Reiches! Nun Ich euch jetzt zu Mir berufen habe, beginnt jene lange Zeitperiode, die vieles in das Dunkel der Materie hüllt. Ihr habt die Offenbarung über UR-Nächte gehört und erkennt:

Das heilige Dunkel Meiner Nächte lag über allem Werk!

Da ruhte es in Meines UR-Seins unmeßbarer Tiefe, und kein Kind ergründet jemals diesen Born. Ihr tragt hierzu auch kein Verlangen. Die Tiefe ist die heilige Frucht, die Ich Mir selber vorbehielt! Mit nichts ist dieses Dunkel zu vergleichen, am wenigsten mit des Falles Finsternis. Denn in Meinem hehren Dunkel, wie in Meinem Herzen, pulsiert höchstes Leben, wie es kein Tag ganz empfangen kann!

6-1047 Wie die UR-Elemente Feuer, Wasser und Erde — zwar höchst gnadenvoll umwandelt — dem Fallbereich zuteil geworden sind, genauso wird von Meiner Nächtlichkeit über das arme Lebenssein gebreitet. Wirkt sich dort auch alles anders aus, herrscht dennoch ihre in MIR verwobene Wesensart. Ohne die Verwobenheit kann nichts bestehen, zumal nicht in der vergänglichen Materie. Alles geht von Meinen UR-Nächten aus! Kein Ding kann eine noch so reine Existenz erlangen, die nicht in einer UR-Nacht vorgebildet ward! Heiligster Grund der Bedingungen! Anders aber ist der Fall entstanden; somit ist er einem ‚Aussatz‘ gleich.

6-1048 Fiele dieser UR-Grund fort oder daß in ihm das Freiheitsgesetz parallelisierend wirken würde, wäre das Geschöpf-Sein aufzulösen, weil Mein UR-Grund als Bedingung nicht wie alle anderen Bedingungen aus Meinem UR-Sein stammt, sondern beides ist! Nun ihr Fallpotenzen tragen müßt, sollt ihr das Notwendigste erfahren, damit den vier finstersten Stunden das zwar sehr bedeckte Licht dienstbar bleibt.

6-1049 Die strengst alleinige UR-Bedingung ist die Macht des Lebens, der Lebensstrom, in dem verborgen jedes Werk seinen Grund, aber auch den Impuls des Werdenden besitzt. Sie ist UR-Raum und UR-Zeit, bin Ich selber: UR! In ihr spielt sich alles ab, ob geheim, ob offenbar, mit und ohne Form, vor Äonen, der gewaltige Tat-Zyklus und jene Folge, deren UR-Jahre Unendlichkeiten höchstherrlicher Fülle bringen! In ihr sehe Ich Mein ganzes Tun, bin Ich in Wesenheit und Person das ganze Zentrum! In ihr habe Ich auch Meiner UR-Frucht Freude, den Titanenjubel, der glutend Meine Brust durchbraust, die Jahr Äonen Sonnen, von Mir ausströmend, zu Mir zurückflutend — alles stellt diese eine einzige Bedingung dar, die ‚Leben‘ heißt!

6-1050 Unabhängig von raum- und zeitgebundenen Erscheinlichkeiten mit ihren eigenen Bedingungen, von den Fundamenten, ja sogar von Meiner den Kindern zuliebe personhaften Offenbarung, besteht die Bedingung des Lebens. Ihr fragt: Wieso ist sie auch von Dir unabhängig? Ihr lieben Ersten, Ich selbst bin doch das Leben, die Bedingung! Was sich euch von MIR enthüllt, ist Leben aus dem Leben! Wie können Ich und das Leben voneinander abhängig sein? Es ist die waltende Machtpolarität, und das — ihr Ersten — ist Meine UR-Tat!

6-1051 Jetzt könnt ihr leicht den Kern von all dem verstehen, was Ich für die kommenden vier Stunden vorauszusagen habe. Das aber bewegt (Luk. 2,51) allein in euren Herzen; denn erst dann ist es allgemein zu enthüllen, zumal in der Materie, wenn diese ihrer Auflösung entgegensieht. Auch zu diesem Zeitpunkt wird die majestätische Bedingung noch manche Dunkelheit vom armen Weltenraum bedecken, doch in ihm als ‚Herrschaft ohne Ende‘ ihre lebensgewollte Strahlung zur Auswirkung gelangen lassen, meist ungesehen und ungehört.

6-1052 Nichts, was nicht diesem UR-Leben entströmt, von ihm gespeist und in einem auch euch Ersten niemals gänzlich zu erklärenden Kreislauf wieder von ihm aufgenommen wird. Ob das gestürzte Kind es will oder nicht, es bleibt als Lebensanteil darin eingeschlossen. Gegen alles kann es kämpfen, aber gegen dieses Leben nicht! Das ist UR, der Unvergängliche, dessen Lebensfunken nicht zu annullieren sind!

6-1053 Ihr fragt: Hört so nicht eigentlich der freie Wille auf? Ihr hättet recht, wenn stets die Gegenseitigkeit beider Fundamente gilt. Aber viel wichtiger als deren Ausgleichung ist die Einhaltung der aus ihnen erstandenen Ordnungsfolgen! Anerkenntnis und Einhaltung sind das Wichtigste. Habe Ich, der Geber, sie gleichmäßig eingehalten und so zu Meinen und Meiner Kinder Gunsten aufgebaut, kann Ich wohl samt Werk erwarten, daß die Gegenseite auch dasselbe tut, wodurch das wahre Rechtsverhältnis erst in Kraft treten kann!

6-1054 Nun, ihr Lichter Meiner Werk-Heiligkeit, die Gegenseite stellen jene dar, denen Ich zur Freude Meiner Hände Arbeit übergab. Handeln sie gerecht, ist die Grundordnung gewahrt; wenn nicht, muß ICH den Ausgleich bringen! Muß Ich diesen außerdem noch tragen, damit beide Fundamente zur Tat-Jahr-Hoheit kommen, so bin Ich berechtigt, ein Schwergewicht auf die Bedingungen zu legen, weil Luzifer ein ganz unberechtigtes Schwergewicht auf den freien Willen bürdete.

6-1055 Das wäre leicht, sofern Meine schöpferische Macht zur Wirksamkeit gelangte, wären alle Kinder in den Fall geraten. Schon in einer Voranstellung der Bedingungen hätte der Ausgleich sich ergeben. Da nun ihr Fürsten samt euren Scharen — ihr bildet ja das Doppelte der Dämonie — aber getreu geblieben seid, indem ihr beide Fundamente anerkannt und eingehalten habt, werde Ich deshalb die dem Tat-UR-Jahr zu Grunde gelegten Bedingungen nicht einfach zu Meinem Ausgleich vorherrschaftlich machen.

6-1056 Das freie Willensgesetz soll von Mir aus keinen Zwang erleiden. Also bleibt für euch die Grundordnung bestehen, nicht jedoch für Luzifer. In welchem Maße er die Freiheit über die testamentarische Gegenseitigkeit hinaus für sich in Anspruch nimmt, in ganz gleichem Maße setze Ich souverän Meine Bedingungen für und gegen ihn über seinen freien Willen!

6-1057 Da es innerhalb einer Raumzeit keine zwei getrennten Führungen gibt (Matt. 6,24), habe Ich Meine rechtliche Inanspruchnahme eines Bedingungsausgleichs außerhalb solcher Raumzeit entnommen, um damit eine Zwischenbasis zu errichten. Das erfolgt durch die UR-Grundbedingung: das Leben! Gegen dieses Leben kämpft Luzifer vergeblich; dieses Leben ist Sieger; denn — Ich bin das Leben!

6-1058 Ich knüpfte ferner an, was des ‚Lebens‘ Offenbarung zur Folge hat. An jedem Anfang waltete geheim die UR-Bedingung, die frei angenommen werden wollte. Der Ursprung liegt in der Verbindung von Mir als Hochpriester Melchisedek zu dem jedem Kinde einverleibten Teilgeist, der zuerst immer heimlich wirksam war. Aber nach erster eigener Erkenntnis erweckte er den Lebensdrang und gelangte so im Rahmen des Tat-UR-Jahres zur pur eigenen Funktion. Das ergab den zweiten Geist- oder Rückkehrschritt zu Mir, und Ich konnte nun in offenbarer Herrlichkeit Mein Geistlicht frei enthüllen.

6-1059 Folglich entstand zwischen Schöpfer-Geschöpf-Schöpfer die freie Einheit, wie ebenso bei Priester-Geist, Gott-Seele, Vater-Kind! Ihr hattet den Lebensstrom erkannt, angenommen und zu einer großen, das Werk bildenden Wirksamkeit erhoben. Er ging geheim zu euch, offen aber zu Mir und wieder zu euch zurück. Das rief eine doppelte, die ‚Kreuzverbindung‘ hervor. Diese trägt den ganzen Fall!

6-1060 Gerade das will der Gestürzte nicht; er will seine Freiheit. Das ist unmöglich, am meisten durch die Freiheit selbst. Darum wirkt Meine Ausgleichsmacht fast nur geheim. Da der Ausgleich, Werk und Offenbarung umfassend, nicht lebensbestimmend ist, was Lebenszwang bedeutete, vielmehr lebensführend, so kann er ohne weiteres zur Geltung kommen. Hierin wirkt sich der genannte Lebensstrom über allen Werken aus; und das wiederum ist UR!

6-1061            Die geschöpfliche Freiheit bleibt also unbeschnitten, und beide Fundamente bleiben ausgeglichen. Die Hauptgrundpolarität, ‚Leben schaffen und erhalten‘, sind für Luzifer Pol und Gegenpol. Denn geschaffen ist alles Leben! Aber beim Erhalten stehen sich Mein unverrückbarer Erhaltungswille und Luzifers Vernichtungstrieb gegenüber! Er wirkt noch einen Tod und wird triumphieren. Doch das Nutzlose des Beginnens zeigt sich schon beim ersten ‚Todesakt‘, der bloß die Hinwegnahme des an die Materie gebundenen Leibes ist. Denn was in die Materie eingeboren wird, ist unzerstörbares Leben! Die Hülle ist zu töten; doch das eingezeugte Leben wird wieder ausgezeugt! Die Hülle fällt in ihren Staub zurück, der dem Schöpfer dienen muß!

6-1062 Dann betreibt er einen inneren Tod. Der kann ihm gelingen, sofern sich jemand von ihm fangen läßt. Geschieht das aber nicht, so steht der stärkere Wille über ihm, wie ja Michael der starke Sieger war. Allein, erst recht ist der innere Tod aufhebbar; denn da wirkt der Lebensstrom aus UR, gegen den Luzifer vergeblich schwimmt.

6-1063 Da er Meine Grundverbindung nicht mehr anerkennt, steht diese in keinem für sein Bereich vorherrschenden Ausgleichsgesetz. Sie kann wirken wie sie will und gerade deshalb ausgleichend tätig sein. Ihr Treuen könnt der gleichen Wirksamkeit genügen, womit das Leben auch aus euch in jeder Form die Oberhoheit hat. Was wäre Ich denn für ein UR, spräche Ich: Alles Licht und Leben ist aus MIR gekommen, und es würde beides keine Vorherrschaft behalten, weil ein Kind — auch sogar das erste — sich mit seinem Anhang wider die Bedingungen erhob? Wahrlich, nichtig wären Aufbau, Richtung, Lauf und Ziel, wenn Ich das nicht in Meinen Händen unablässig hielte!

6-1064 Nichts soll die Materie mehr beherrschen als das Leben! Urmäßig ist der Wille, werkmäßig die Ordnung, tagmäßig die Liebe Dominant. Aber über allen Eigenschaften steht das Leben! Der Gestürzte, durch seinen Fall gefesselt, kann sich stets nur gegen eine Eigenschaft erheben, während dann die übrigen geheim und offen zur Auswirkung gelangen. Ihm, nun ein Einzelträger, stehen Macht, Kraft, Gewalt und Stärke einig gegenüber! Er weiß es wohl, hat jedoch in armseliger Verblendung sich vorgenommen, statt die UR-Eigenschaften nun das aller Schöpfung zugeteilte freie Leben zu vernichten. Hierin aber wird er seine bitterste Niederlage erleben!!

6-1065 Das wird glorreich offenbart, wenn die dritte (Mark. 15,25) finstere Stunde über die gesamte hinter der Feuerwand errichtete Materie kommt. Ihr fragt nach der Bewandtnis dieser Stunde und ihren Folgen. Ein Wort sei euch gesagt; denn als Meine Lebensträger sollt ihr in die arme Grube steigen. Der höchste Lebensträger ist der Sühnesohn, und durch ihn kommt Luzifers bitterstes Versagen.

6-1066 Während der ersten Materiestunde bricht Meine Macht aus Ordnung und Wille eine Bahn, geht ihr sieben und eine Schar einmal hinab und wird sich‘s zeigen, ob der Dämon die Freiheitsprobe auf sich nehmen will, bevor in der zweiten Stunde die konzentrierte Heiligkeit aus Weisheit und Ernst sein Land (Hiob 1,7) durchdringt. Wenn aber das, dann gibt es kein Zurück, bis die von euch geforderten und von Mir als billig angesetzten vier Bezahlungsstunden abgelaufen sind! Zur bittersten Niederlage gesellt sich außerdem die bitterwehe Pein!

6-1067 Viele Male ist die dritte Stunde von ungeheuerer Bedeutung. Ihr wißt, warum Ich mit dem Falle Mich als UR verhüllte; und sobald ihr in die arme Tiefe geht, wird selbst Mein Name UR in euren Herzen schlummern. Das geschieht aus einem unbekannten Gnadenakt, den aber einst des Opferträgers Bahn enthüllen wird. Einen Zusammenhang erkennt ihr ja selbst zum dritten Wesensteil, dritten Jahr, dritten Zyklus und besonders auch zur dritten Dimension, der Weite. Und weit genug hat sich Luzifer entfernt. Das dritte Element ‚Erde‘ habe Ich schon hinreichend erläutert.

6-1068 Diese ‚drei‘ hat eine außerordentliche Geltung. Aus dem geheimen Akt löst sich aber jene Sicht, daß Ich Meinen Schwerpunkt in der dritten finsteren Stunde kompensiere. Der vom dritten UR-Herzteil gesandte SOHN fällt innerhalb der besagten Stunde den Entscheid des Lebens! Selbst im engsten Rahmen Seiner Opferzeit gilt eine dritte Stunde auch dem letzten Kampf. Der Gefallene wird — das Leben des Menschensohnes nicht berühren könnend — sich auf den Körper stürzen und mit dessen Tod sich brüsten. Doch der letzte Ton seines ersten Siegesschreies wird zu seinem eigenen Todesschrei! —

Damit schließt die Liebe alles Leben und das Leben alle Liebe ein!

6-1069 Von dem, was ihr jetzt höret, bleibt das meiste der Materie bis fast zu ihrem Ende zugedeckt. Ein Kampf gegen Weisheit und Ernst — zum Teil aus Unwissenheit – wird eine Schärfe annehmen, die einzig und allein vom Reiche aus abzulenken ist, damit sie nicht ganz zerstörend wirken kann. Wenigen Lichtkindern wird es gelingen, sich den Hochaltar Melchisedeks mit seinen zwei erhabenen Leuchtern ungeschmälert aufzurichten. — Weiteres, was allmählich sich enthüllt, bedarf keines Hinweises mehr, zumal ihr, Meine Fackeln, es geheim in euch tragt.

6-1070 Von der vierten Abweg-Stunde sei gesagt, daß das Erlöserlicht sie voll durchstrahlt, ist das ‚Schöpfungssoll‘ erfüllt. In ihr fügen sich die vierte UR-Wesenheit, die Dimension Nähe und das ‚Zurück‘ zusammen. Die ‚Krone‘ wird erhellen, daß alle bisherigen Seligkeiten einen Vorgeschmack von dem bedeuten, was der Vater-Herzteil mit sich bringt. Dann löst sich das Geheimnis auch des vierten Elements ‚Luft‘, das Symbol vom heiligen Sabbat der Barmherzigkeit!

6-1071 Das Gesagte ist jetzt für euch an sich keine ‚Wortoffenbarung‘ mehr, sondern löst im Sinne unseres Tat-UR-Jahres gleich die ‚Taten‘ aus. Dies braucht nicht sofort in äußere Erscheinlichkeit zu treten; denn das merkt euch gut: Alles stellte Ich erst in der viergeteilten Schöpfung in Mir dar; also hat in den ihr angeschlossenen zeit- und raumbegrenzten Tagen alles erst in Meinem UR-Sein die Gestalt! Habt ihr MICH gesehen, dann wohl die gegebene Form; die urgeistige Strahlform konntet ihr nur spüren, nie aber schauen! In dieser urgeistigen Strahlform hat nun Meine euch erteilte Wortoffenbarung ihr Werk begonnen beziehungsweise fortgesetzt.

6-1072 Jede Urform lebt fertig in Mir, während die Gestaltung im Prinzip der Ordnung vor sich geht, wie, wann, wo und warum dies nötig ist. In der Armut der Materie könnt ihr dennoch geistig glücklich sein, weil Ich Meinen Reichtum als auch ausgleichendes Schwergewicht des Lebens gnadenvoll der Tiefe schenke. Dieser Reichtum rührt euch an, sobald ihr dort die Verbindung von und zu Gott aufgenommen habt. Dann weichen alle Schatten von den Seelen! Wer nach der Wärme Meines Lichtes greift, der besitzt Mein An-Bild in sich ganz gewiß!

6-1073 Doch ihr Lichtkinder werdet euern Reichtum auch verborgen tragen müssen. Erst in der vierten Stunde der Materie wird allgemein vieles offenbart, am Schluß sogar Mein hochheiliger Name UR und die mit ihm verbundene Vierwesenheit! Grundsätzlich bewirkt das der Opfersohn; denn durch Ihn allein muß die Decke, die Verdeckung durch den Fall, beseitigt werden! Ihr, Meine Ersten und im entsprechenden Maßanteil die Kinder, sollt dieses Heilige auch bewahren, um es verhüllt der traurigen Tiefe darzubieten. Je mehr ihr opfert, um so glorreicher wird eurer und des Opferträgers Bahn und dazu die Vollendung sein!

6-1074 Das ist eine ungeheure Arbeit! Je näher ihr dem Falle kommt, um so mehr spürt ihr den Widerpart. Ihr werdet manchmal grollen, denn unauslöschlich ist Mein Name in euch eingebrannt! Seht ihr dazu die Greuel der Verwüstung, wird es euch schwer, die königlichen Güter in die Suhle zu tragen. Auch seht ihr dann um eurer selber willen fast ein ‚Umsonst‘, während das ‚Heilige Dennoch‘ hinter Meinem Vorhang steckt. Dennoch gebe Ich einen kostbaren Edelstein für den Teufel hin, nämlich Meine Liebe als Sohn, von Meiner Gott Herzkammer aus Geduld gezeugt und in der Liebe eingeboren! Ich opfere mein Blut!! Opfert ihr nicht minder; laßt Geduld, Liebe und Barmherzigkeit zu Trägern werden, damit die vier bestimmenden Grundlebensstrahlen um so majestätischer durch die UR-Bedingung ‚LEBEN‘ wirken können!

6-1075 Augenblicklich ist das Lichtreich mit der Vor- und Zubereitung des Erlösungswerkes angefüllt. Zu eurer Kraft und Opferfreudigkeit sei noch ein Geheimnis angedeutet zu dem, warum Ich Mich bedeckte. Seht, ihr habt das erste Schöpfungssoll bereits erreicht, die nicht leichte Freiheitsprobe, in gutem Maß auch alle Kinder entsprechend ihrer Fähigkeit und dem Alter ihres Geistes. Jedes brachte Mir ein gesegnetes Maß: ‚das volle Herz und angefüllte Hände‘!

6-1076 Die Verhüllung ist niemals bloß des Falles wegen eingetreten; denn es wäre ungerecht, Mich eines losgesagten Kindes wegen vor denen zu verbergen, die Mir ihre reichste Liebe boten. Eure Freiheitsprobe wiegt an sich den Fall schon auf. Aber ICH bereite Mich besonders vor; allerdings nicht Meinetwegen; dazu genügte ja Mein Wille! Doch zufolge beider Fundamente ist das allmähliche Werden einzuhalten, auch in Hinsicht Meiner Offenbarung zugunsten aller Kinder.

6-1077 Der Fall war nicht bedingt, wie ihr wißt; also beugte Ich hier in Gedanken und in Belehrung vor. Eine vorausgehende Tat zu einer etwa notwendig werdenden Erlösung hätte das ‚Unbedingt‘ zur Folge, womit jede Freiheitsregung ihre Fesselung erfuhr und es kein Schöpfungstestament noch die euretwegen jetzt bestimmte Vorbereitungstat zu geben brauchte.

6-1078 Mein UR-Rhythmus ist LEBEN, stellt keine, sondern ist die Bedingung und steht abseits ausgleichender Gesetze. Diese UR-Lebens-Bedingung ist der Boden Meiner Vorbereitung, die Mein zeitweiliges Verhüllen vor euch verlangt. Der Fall ergab keine konsequente Löse, weil eure innere Verbindung mit Mir besteht. Mein Bild ist nicht verblaßt, Ich bin euch das geblieben, was Ich bisher war. Verwendet daher diese Lebenskraft, die ein Mit-Opfer segensreich gestaltet. Gebt ihr zwar nun euer Lichtleben auf, o seht: Meine UR-Sonne leuchtet euch, in ihr ist euer geheiligtes Leben eingehegt! Die Finsternis aber soll errettet werden. Darauf richtet euer ganzes Augenmerk. —

6-1079 Nun komm, Rafael! Die Zeit ist da, um als Erster Meine Bahn zu bilden, die zur heilsamen Brücke werden soll. Komm, Engelsfürst, du sollst gesegnet sein!“ Rafael kniet vor der weißen Wolke nieder. Unfehlbar — URs Hände legen sich auf ihn. Er nimmt die starke Lichtflut in sich auf; sein Herz schwillt bis zum Bersten an. Noch nie fühlte er sich so mit UR verbunden wie jetzt, obwohl er schon gar manche Steigerung erfuhr. Zeitbedingt ist die Handlung, allein, wie eine Ewigkeit währt das selige Gefühl. Damit sind aber über zwei Drittel des gewaltigen Schöpfungstages abgeschlossen. —

6-1080 Uraniel und Michael geleiten Rafael-Agralea. Hinter ihnen fällt die Pforte zu. Beim leisen Klang wenden sich die Engel um. Es wird erst wieder aufgetan, wenn der Tagesfürst seine Mit-Opfergabe ins Allerheiligste bringt. Auf der Rajona halten sie ein Liebemahl; und die Versammelten nehmen hier bereits den Segen ihres Mit-Opfertumes auf. Rafael-Agralea ist ein Stück des hohen Himmels geworden, es bedarf in dieser Hinsicht keines zweiten Segens mehr.

6-1081 Bis zur Sonne Hagarma bleiben die Fürsten Rafaels Begleiter. Als er die Halle Merhatom verläßt, gleicht er dem Prüfkind an des wundersamen Jünglings Hand. So gehen sie bis zur Materiegrenze. Dort erwartet sie ein drittes Licht, Mahal, Rafaels erster Sohn. Wortlos übernimmt er die weitere Führung. Die Fürsten sehen Mahal lange nach, wie er einen reinen Geist in die Materie schleust.

6-1082 Daselbst gleicht Rafaels Licht einem Funken; doch im Dunkel schimmert es weithin. Mahals Licht scheint ungehindert, denn die Hölle nimmt‘s nicht auf. An Rafaels Flämmchen merkt Luzifer, was vor sich geht: UR hat seinen Fall nicht tatlos hingenommen! Aber wie will er der UR-Tat widerstehen? Er erkennt ja Rafael an dessen Farbreflex; er hat nichts vergessen, auch nicht den All-Heiligen. Doch sein Hochmut hat alles Wissen und Erinnern zugeschüttet. Weit entfernt, sich beeindrucken zu lassen, verharrt er in stoischer Ruhe und sieht zu, was die beiden Lichter tun.

6-1083 Mahal führt den Schützling ins Zentrale. Da toben die Gefesselten, die Luzifer sich unterworfen hat. Er hat wie ein Herrscher einen ‚Stuhl‘ errichtet, und seine sieben Hügelältesten samt Großwesen gehorchen ihm blind. Sie fühlen keine Fessel, sie sind ja selber mitgefallen. Der Bannort ist ein armseliges Weltgebilde. Dessen noch geringere Sonnenanstrahlung bringt erst allmählich Vegetation hervor. Den besten Platz nimmt Mahal in Besitz, woselbst er den unteren Seelenteil des ‚ersten Menschen“ (betr. nicht 1. Mo. 2,7) vorbereitet.

6-1084 Während der Inkarnationsphase ist jedes Bewußtsein ausgeschaltet. Es ist wie eine lebenslose Nacht. Aber jede Schöpfungsnacht gab aus ihrem reichen Segen den Kindern einen neuen Morgen voll herrlicher Erkenntnisse. Hier wird das Erwachen ein ganz anderes sein. — Mit größter Achtsamkeit fügt Mahal aus der Materie Potenz zu Potenz, bis die Bildung fertig ist. In den Seelenleib senkt er die Lichtseele wie ein Sammelkorn, den Geist als Lebensherz in das Erdkörperherz hinein. Das Materielle am Opferkind steht allgemein im Vordergrund; eingehüllt im Innern ist der Lichtfürst Rafael.

6-1085 Als das nicht leichte Werk beendet ist, sieht Mahal den Finsteren mit seiner Dämonie von dannen rasen, von eigenen Furien gejagt. Die Hölle heult wild auf in allen ihren Klüften. Mahal spürt die Nähe des All-Heiligen, dessen ewiges ATMA die Form, die noch schlafend in Mahals Armen ruht, umweht. Da regt es sich und wird lebendig nach dem Gesetz der Welt. GOTT Selbst haucht den lebendigen Odem ein: ‚Da ward der erste Mensch eine lebendige Seele!“

6-1086 Offenbar ist das LEBEN, die UR-Bedingung! Tief verneigt sich Mahal vor dem Ungesehenen; auch er ist mitgesegnet für seine pflichtgetreue Arbeit. Doch das ‚Leben geben‘ war nicht dabei. Ja, tut das GOTT nicht ganz allein? Gewiß, obwohl alle Kinder Leben zeugen können. Immer aber aus dem erst gegebenen Strom der UR-Bedingung! Hier ist er gebildet, und ‚Zweige‘ werden noch erstehen. Dann pflanzt sich das Leben durch sich selber fort. Mahal sah URs Lebenswunder. —

6-1087 Der erste Mensch erwacht. Langsam paßt er sich der Umwelt an. Er sieht Mahal nicht, vernimmt jedoch eine Stimme als innere Eingebung, die ihn alle Dinge lehrt. Doch auch der Weltfürst kehrt zurück, nachdem Gott gegangen ist. Luzifer spricht Mahal an, den er sieht, und befragt ihn, was hier geschehen soll. Der Lichtführer erkennt, daß des Gefallenen ganzer Reichtum seine ‚Scherben‘ sind. Da weiß er richtig, was ‚Erbarmen‘ heißt. Er gibt deshalb gerne Antwort; und als Luzifer merkt, daß Mahal nicht geht, bleibt er auch und gewinnt allmählich Verbindung zum ‚Sohn der Erde‘.

6-1088 Das löst Widerstreit im Menschenherzen aus. Trotzdem ist das Licht souverän, sogar noch, als der Verführer sich in blendender Erscheinung zeigt, den Menschen ‚Kretoh‘ und die danach erderweckte Agralea ‚Admara‘ nennt. Bei zunehmender Verführung Luzifers offenbart Gott sich als ‚gute Kraft‘. Um diese Zeit kommt auch Zuriel und Helia zur Welt, die nun ‚Parat und Enzilla‘ heißen. Oft können die Menschen nicht gleich entscheiden, wer mächtiger und besser ist, der Weltfürst, der sich als der ‚große Geist‘ vorstellt, oder die gute Kraft.

6-1089 Luzifer bannt seine Scharen, er läßt sie nicht sich inkarnieren; und er triumphiert, als erstmalig Parat, von ihm verführt, Kretoh im Zorn verläßt. Sein Siegesrausch ist kurz. Kretoh geht bekümmert in seinen Gartenwald, wo der Blender auf ihn wartet. Kretoh ruft ‚die gute Kraft‘ herbei und — sie kommt. Plötzlich steht sie schützend da. Luzifer entweicht mit grimmigem Entsetzen. Das ist eine Wende, wo Kretoh die erste offene Belehrung von Gott erhalten kann.

6-1090 Er lauscht andachtsvoll. Ihm ist, als sei in ihm ein Raum, in dem der Name GOTT wunderbar widerhallt. Vieles wird ihm aufgetan; nichts aber darüber, wer er ist. In großer Freude bittet er ‚seinen guten Gott‘ in seine Hütte und führt ihn zu Admara hinein. Diese hatte auch nach Versöhnung ausgespäht und ein weißes Lamm entdeckt, das ihr zutraulich zur Hütte folgt. Sie will es Parat und Enzilla bringen. Der nun erkannte HEILIGE segnet beide reich und setzt sie als ‚Abada‘ und ‚Ajera cara‘ (Menschenvater und Menschenmutter) ein.

6-1091 Doch auch Parat sucht nach einem Mittel zur Versöhnung. Im weiten herrlichen Gelände seines Gartens findet er eine Wunderblume und nennt sie ‚Stadus hellas‘, das heißt Liebe und Versöhnung. Eilend gehen er und Enzilla, die herrliche Blüte sorgsam tragend. Dabei lernt das zweite Menschenpaar in der guten Kraft GOTT erkennen.

6-1092 In Kretohs Hütte belehrt Gott sie über Tag und Nacht, die Himmelslichter, Jahreszeiten, die gesegnete Bearbeitung der Erde, kurzum über alles, was sie zu weisen Menschen macht. Luzifer bleibt jetzt unsichtbar, sein Einfluß nimmt aber zu. Die Welt bevölkert sich. Himmlische Scharen ziehen ein. Trotzdem wird der Weg immer schwerer, denn neben einem Lichtführer machen sich drei Finsterlinge breit.

6-1093 Kretoh hat, unterstützt von Parat, über tausend Jahre lang ein gutes Regiment geführt und wird von allen Menschen als ‚Abada‘ und Admara als ‚Ajera cara‘ geachtet. Nach deren, Parats und Enzillas Heimkehr nimmt die finstere Macht auf der Erde zu. Noch herrscht das Göttliche weit vor. Sobald ein Menschen-Lichtregent sein Werk vollendet hat, tritt der nächste auf den Plan. Stück für Stück wird durch die Kinder heimgetragen; sie leisten viel, und doch merkt die Finsternis die Lücken kaum. Bei jedem Teil, der in die goldene Opferschale fällt, erschallen Jubelchöre zur heiligen Ehre Gottes, denn Er zeigt sich ja bei jeder Heimkehr eines Opferkindes. —

6-1094 Luzifer arbeitet gewollt auf die Zertrümmerung des Planeten hin. Damit glaubt er, Gottes Maßnahmen einen Dauerriegel vorzuschieben. Die letzten Menschen unterstützen unwissend sein Zerstörungswerk. Er hat den TOD herbeigeführt, sogar durch Gewalt. Der letzte Prophet Mecalames (Gabriel) wird ermordet. Es ist ein Erstlinsblut, das auf solche Weise die Erdwelt tränkt; das wird Luzifer auf einer zweiten Welt sehr binden. Mecalames ist ein Eiferer. Weltfreuden, durch fast siebentausend Menschenjahre nach und nach eingebürgert, hebt er auf und setzt in strenger Zucht das Gottesleben wieder ein.

6-1095 Die Technik greift ins Kosmische und ist Urheber des geistigen Zerfalls. Mecalames besitzt große Macht; wo er auftaucht, beugen sich vor ihm die Menschen, gewollt und ungewollt. Niemals war es Luzifer gelungen, diesen Mann Gottes anzurühren. Er forschte in der Weltgeschichte, bis zu Kretoh zurück, und die Kunde von Abada nutzt er klüglich aus. Er sammelt alles Hochgut dieser ersten Menschenklasse. Um so mehr überschaut er das um sich greifende Verderben. Und gegen das stellt er sich mit aller Kraft; er will keines der ‚Kinder von oben‘ der Dämonie verfallen sehen, auch nicht, daß die Menschen im Entsetzen den Verfall der Welt erleben sollen.

6-1096 Daß dies bald geschieht, weiß er genau; das Licht schlug große Breschen in ihren Potenzbestand. Luzifer ahnt nicht, daß über seinen zerstörenden Fingern die heilige Hand erlösend waltet. Mecalames untersagt das Graben in die Tiefe, das Herabholen von Ätherkräften, Reichtum, Welthandel, den Zusammenschluß von großen Völkern. Er ist der letzte ‚Abada‘, der geistige Fürst dieser Welt. Doch Luzifers belassene Freiheit kommt trotz allem mehr zum Durchbruch, je näher das Ende wetterleuchtet. Aus GNADE!

6-1097 Mecalames erfleht Strafe für die Menschen. Da erscheint Gott ihm im Traum und spricht: „Du, Träger der Barmherzigkeit, erbarmst dich jener nicht, die schuldlos schuldig wurden? Strafe rettet keinen!“ Der Prophet entgegnet: „Ich möchte alle vom Verderben lösen. Denn sieh, o Herr, sie gehen unter, so oder so! Soll der Dunkle sie verschlingen? Befreit das Licht sie durch des Planeten Ende, so wird Barmherzigkeit ihr Retter sein! Durch den Erdentod trägt er das Opferleben heim zu Dir. Gib mir Kraft; ich treibe Dir sie zu wie schuldlos weiße Lämmer!“ „Tue wie du willst, Mecalames, Meine Kraft ist mit dir. Barmherzigkeit muß Ordnung, Wille, Weisheit und Ernst verkörpern; also sei Prophet und Vollender Meines Willens!“

6-1098 Das Traumbild stärkt. Mit kosmischer Strahlung, die dem Propheten mehr bekannt ist als dem Haupttechniker, beginnt er ein Kraftwerk nach dem anderen durch Feuer, Wasser, Erdbeben und Orkane zu zerstören. Er eilt ins Land der hohen Berge, wo sich die Gläubigen unter seinem Schutze sammelten. Er tröstet sie und sagt, daß entstehende Katastrophen ihnen nichts anhaben könnten. Danach führt er sie auf ein Hochplateau, wo sie auf seine Rückkehr harren sollen. Er zeigt ihnen nicht, was die Finsternis ihm nicht verbergen kann; er ist Prophet. Doch er gibt Anweisungen, was zu tun sei, wenn er bis zu einem bestimmten Tag nicht wiederkommen würde, verbietet aber, ihn zu suchen noch den ‚Gnadenplatz‘ zu verlassen.

6-1099 Der heilige Greis, dessen Herz schon der ewigen Heimat zugeflogen ist, den die Dämonie nicht schreckt, steigt zur Tiefe nieder, zur Burg des letzten Königs Taagor, dem Höllenknecht mit einer Höllenschar. Den Königsvater hält er im Verlies gefangen, weil er selber herrschen will; den jüngeren Bruder Progal hat er verstoßen, die Mutter muß verschmachten. Er, der erste Hügelälteste, hat Luzifer von der Wichtigkeit überzeugt, seine Tore für eine Menschwerdung zu öffnen. Auf diese Weise würden ‚die vom Licht‘ ihm weit eher zugetrieben werden als nur durch eingeflüsterte Stimmen.

6-1100 Mit der Epoche der ersten Erde trat eine weitere Bedingung in Kraft: Luzifer durfte sich nicht mehr zeigen. Damit war ein Befreiungsakt verbunden; denn so war er, als sei es sein eigener Wille, dahin zu bringen, seine Wesen ‚Menschen‘ werden zu lassen. Das gestaltete sich zum Ein- und Ausfalltor, das das Licht benutzte.

6-1101 Ließ sich der Zerfall der Welt vermeiden? Mecalames fragt es in sternheller Nacht. Gott erscheint und sagt: „Ja, und sogar ohne die Freiheit anzutasten. Doch die Hölle soll ganz aufgerissen und ihre Wesen sollen Menschen werden. Somit bekommen sie die Bindung mit ihrem isolierten Teilgeist, ohne welchen es für sie keine Rückkehr gibt. Das belastet Meine Kinder sehr; aber ewig, Mecalames, währt das nicht! Denn die Engel predigen ihnen vom Reich. Nichts geht verloren außer einer kleinen Zeit, in der sie dem Lichte ferne sind. Das gehört zum Schöpfungsopfer und zur heiligen Vollendung.

6-1102 Ich enthülle dir, daß die Teilgeister der Gefallenen nicht mit in die Hölle sanken, denn — heilig, heilig ist Mein Geist, ob in Mir oder in den Kindern! Jeder Teilgeist der Gestürzten ist verwahrt und den Armseligen nicht vorenthalten. Wenden sie sich um, was für sie freilich nur noch über Weltgeburten führt, so verbindet sich ihr Geist mit dem Seelenwesen, was Meine Güte, Gnade, Langmut und Sanftmut bewirkt. Zwar böswillig, sind sie aber doch den Weg gegangen, und ihr Teilgeist ist seit ihrer Erdgeburt bei ihnen, dessen Einfluß auf die Dauer nicht zu unterbinden ist. Die Kluft zwischen Hölle und Himmel ist allein durch Inkarnationen zu überbrücken!

6-1103 Sogar der große Mittler geht über diese Brücke! Jedem inkarnierten auch bös gebliebenen Wesen gilt die Brücke. Zudem besteht zwischen ihnen und den noch nicht inkarnierten Wesen eine andere Kluft. Die pure Hölle kann nicht mehr vollständig die Weitwandler suggestiv verführen. Darum werden sie bald oder später sich nach Befreiung sehnen. Jede Verkörperung, sei sie noch so verfehlt, hinterläßt den Teilgeist als Mahner, der vom Wesen nicht mehr zu trennen ist. Er bleibt der ‚lebendige Schlag des Seelenherzens‘.

6-1104 Darum erhebe Ich keine Bedingung gegen das Erscheinen der NUR-Menschen; im Gegenteil, Mecalames, Ich fördere dieses! Dergestalt verliert die Hölle ihre Wesen. Sie werden jenseits ebenso von Engeln belehrt wie die durch höhere Regionen heimkehrenden Lichtwandler. Die Weltwandler dürfen sogar solchen Lichtwandlern bis zur Grenze folgen, um genau den Unterschied zu sehen, der zwischen ‚Hüben und Drüben‘ besteht, was ihrem Fortschritt dienlich ist.

6-1105 Die Hölle treibt zwar ihre Wesen an, zu einer Welt zu gehen, um recht viele Lichtwandler zu verderben. Ich lasse dieses zu, denn dadurch werden sie verkörpert und gelangen eher zur Befreiung. Auf den Trieb der Gefangenen gründe Ich ihre Erlösung! Jetzt der Hölle größten Spielraum lassend, fördert ja mein Werk! (s. heutige Zeit).

6-1106 Luzifer kann das Inkarnationstor — einmal aufgetan — nicht mehr schließen, für keine Welt; denn die Wesen sind auch willensfrei. Seine dämonische Lust, die Lichtkinder dergestalt zu verderben, wird nicht gehemmt. Er merkt zu spät, daß er sich beim Öffnen jenes Lebenstores selbst geschlagen hat. Dann — Mecalames – ist Meine Zeit gekommen, die des Opfers und der Erlösung! Deshalb sei getrost! Diese Erdenwelt hat ihren Dienst vollauf getan; und des Liebetages Krönung kommt herbei. Was ist für MICH die kurze Frist eines Schöpfungstages? Nichts, du großer Prophet dieser Welt!

6-1107 Meinen Kindern sind die Stunden eine Zeit, die Ewigkeiten in sich birgt; unendlich strömt ihnen Seligkeit und Segen zu. So erfülle nur dein Werk; du bist gesegnet, und Meine Krone ist dir gewiß!“ Mecalames sieht die Verheißung schimmern, im Hohen Haus des Ewigen. Noch weiß er nicht, daß es sein eigenes Hoheitszeichen ist, weil er trotz Prophetentum nicht wissen darf, was für ein fürstlicher Geist ihm innewohnt. — Da geht er seinen schweren Weg. —

6-1108 Der König hat in der letzten Kraftstation den kosmischen Erreger einsetzen lassen. Ein Spiel mit dem Tod, wenn sich der Erreger mit einem durch ihn hervorgerufenen magnetischen Atompol im Kraftfeld eines Sonnenstrahles kreuzt. Seine Techniker warnen: „Hier stehen wir vor einer Wand und wissen nicht, was dahinter ist.“ Sie wissen‘s nicht; aber ahnen? . . . Die Station steht auf dem Südmeergebirge, auf höherer Bergspitze ein Regulator, in dem bei Gefahr das selbsttätig laufende Werk abzuschalten ist. Der Erfinder hat heimlich einen Hebel eingesetzt, der es für immer zum toten Werke machen kann. Er weiß nicht, daß noch zwei Menschen sein Geheimnis kennen.

6-1109 Derweil der Erfinder grübelt, ob er ein unvorstellbares Unheil verhindern soll, streben gleichzeitig die Mitwisser der Bergspitze zu. An einer Stelle stoßen die Wege zusammen, denn zum Regulator führt eine Felstreppe hinan, die links am Grate Schutz, rechts tief unten Klippen und die Brandung hat. Das vorhandene Seil hat der Erfinder aus Vorsicht mit hinaufgezogen. Er hat sich durchgerungen, Taagors Befehl zu trotzen. Und diese Treppe hat bisher noch keiner ohne Seil bestiegen.

6-1110 Mecalames ist zuerst an den Stufen. Ohne sich umzusehen, spürt er den Königstiger hinter sich. Trotz Schwindelgefühl klimmt er mutig hoch. Taagor ergeht es nicht anders; doch in blinder Wut kennt er nur eines: den Regulator! Starker Sturm hat sich erhoben, entfacht vom in Gang gesetzten Werk. Ein kosmisches Kraftfeld ist getroffen. Noch wandert es mit der Sonne, noch kann ausgeschaltet werden. Taagor will aber Gold, das zu erzeugen ist. Du Einsamer auf der Höhe, noch hast du Zeit zu tun, was der Geist befiehlt. — Höre des Sturmes Hohngelächter; sieh die wilden Würger in den aufgewühlten Lüften!

6-1111 Der Prophet, mit dem Atem ringend, ist schon fast oben, als Taagor, einen Sturz mißachtend, vorwärts rast, um Mecalames einzuholen, ehe dieser das Plateau erreicht.

6-1112 Da wendet sich der Alte ruhig um, er steht zwei Stufen über Taagor. Unwillkürlich duckt der Finsterling sich vor der Klarheit dieses großen Geistes. Doch dann entwickelt er ein böses Wortgefecht. Dazu heult die Hölle um die Höhe, ihr Gefauche füllt die Schründe, und tief unten klagen arme Wesen.

6-1113 Mecalames hingegen wirft dem König alle seine Verbrechen vor. Da packt Taagor rasende Wut. Jäh sich bückend, reißt er die Füße des Propheten weg, und Mecalames stürzt gerade im Augenblick, als der Erfinder — durch die lauten Worte aus seinem Grübeln aufgescheucht — zur Treppe eilt, um das Seil auszuwerfen. Schreckerstarrt sieht er den Mann, den er zutiefst verehrt, lautlos im Geklüft versinken und — des Teufels Fratze, dem er ausgeliefert ist. Wer wird je das Grab des gewaltigen Propheten finden?! Er stürzt ins Werk, will noch tun, was er um wenige Minuten versäumte. Der wahnsinnige König wird auch ohne Seil die gefährlichste Stelle überwinden. Und was dann? —

6-1114 Dem Königstiger gelingt der Sprung. Ein Aufschrei, furchtbar und erschütternd. Lähmende Stille. Mit einem Male ist der Sturm verstummt; als stünde die Welt im Raume still, so totenhaft geistert es um den Mörder. Er aber, von nichts beeindruckbar, sieht nur sein Kraftwerk laufen, sieht das Gold, das seine Kammern füllt. Ohne Seil wagt er den Rückweg. Niemand soll herauf und Einhalt tun; das wird er selbst besorgen, wenn seine Keller nichts mehr fassen können.

6-1115 Mecalames ist tot! Neben dem kläglichen Rest des Leibes erhebt sich eine hehre Gestalt: der letzte Lehrer der Erdenwelt, Gabriel, Kronträger der Barmherzigkeit. Er hilft, aus dem zweiten kleinen Leibrest des Erfinders dessen Geist zu lösen, der bald dem Lichtfürst gegenübersteht. Da nähert sich das höchsterhabene Licht den beiden. Sie verneigen sich. — Gott ruft einen herbei; nicht durch Zwang, sondern durch das waltende Gesetz der Abrechnung: Luzifer!

6-1116 Dieser wähnt, die Seelen an sich reißen zu dürfen, die durch den Ermordungsschreck nicht selbst und rasch genug sich geistig bilden könnten. Er prallt zurück, als er merkt, daß es ein gottbedingtes Kommen ist. Er wendet sich, will fliehen. — Da erhebt sich die gewaltige Stimme seines Herrn. Wohl sträubt er sich gegen diese plötzliche Erkenntnis, gibt sie nicht zu und richtet sich als Herr seinem HERRN gegenüber auf. Gott spricht streng:

6-1117  ,,Luzifer, du arges Wesen! Jeher trug dich Meine Liebe, selbst in deinem armen Fall. Auf der Ataräus wolltest du neben Mir stehen; du wähntest, eine eigene Kraft zu sein, nicht aus Meiner UR-Kraft ausgegangen. Warum mußtest du vor Meinem Feuer fliehen? Warum schufst du dir nicht selber einen Raum? Weshalb schriest du in Qual, Ich solle Meines Zornes Brand von deinem Nacken nehmen? Und du darfst dich nicht mehr zeigen, seit es dir verboten ward! Und mußt nun vor Mir stehen, obwohl du so viel Klafter zwischen uns dir wünschst, als ein Schöpfungsjahr Sekunden hat!

6-1118 Lüge nicht“, gebietet Gott, als Satan aufbegehren will, er bleibe aus freien Stücken hier. „Sei nicht töricht, Luzifer, denn das ist nicht gut! Du verlangst, Ich solle Meine Kraft von Mir tun und vor dir stehen wie du nun vor Mir? Ist dein Begehr nicht eigentlich Beweis, daß Ich allein Macht, Kraft, Gewalt und Stärke bin, daß niemals Mein Ich-Bin von Mir zu lösen ist?! Wahrlich, damit hast du Meine Göttlichkeit voll anerkannt!

6-1119 Du zeterst, Ich sei bei dir eingebrochen? Wie töricht! Dir steht ja frei, bei MIR einzukehren. Die Pforten werden zwar gehütet, doch sie sind nicht zugeschlossen. Allein, als LUZIFER darfst du nicht kommen, und dein Licht hast du verspielt. Du gedenkst nicht einmal des Namens, den dir Meine Liebe gab. Dein schönes Gut hast du gegen einen schmutzigen, zerrissenen Bettlerlumpen eingetauscht!

6-1120 Höre Meine Abrechnung, finsterer Dämon! Mein Zorn war heilig und gerecht. Und doch, ein einziger Schrei aus deiner Qual hätte Mir genügt, um an Stelle dieses Feuers die Geduld, Liebe und Erbarmung einzusetzen! Die Materie entstand, für dich ein kleines Universum. Die Geduld eines Himmels gehört dazu, auf die Schicht eines völlig erkalteten Wesens noch immer gutes Land zu bringen, damit die Liebe fernerhin den Samen streuen, daß die Barmherzigkeit einst ernten kann. Denn so ist das einstige Verhältnis zwischen Mir und dir wiederherzustellen, und zwar dann, wenn du demütig willst.

6-1121 Ich wußte: Nicht leicht würde dieses Ziel erreicht, denn genugsam hast du deines Wesens Kraft zur Bosheit umgewandelt. Ich aber kannte meinen Weg, Luzifer, wie Meine Macht wirken mußte; denn Ich überschaue jeden Raum und seine Zeit von der UR-Ewigkeit! Sollte Mir sonach verborgen bleiben, was in deinem Innern vor sich ging?! Täusche dich nicht! Der vor dir steht, weiß alles!

6-1122 Aus deinen Lichtgeschwistern ging Schar um Schar hervor; doch alle sind aus Meinem Geist geboren! Nun sieh, diese Lichtgeborenen trugen den Liebesamen her, um den von Meiner Geduld beackerten Boden zu besäen. Sie verließen Schönheit, Licht und Kraft, sie verließen ihren GOTT, um dir zu helfen. So viel Licht ist schon herabgetragen, daß es dir zum Halte werden, dir Erkenntnis bringen konnte, was du einst besaßest und nun verschleudert hast.

6-1123 Du glaubst, die Welt sei dein? die Materie, die sie umgibt? — O nein, ICH habe dir das gnädig überlassen! Dafür hast du Meiner Kinder Opfer schmählich aufgefressen! Lache nicht, Beelzebub, du kannst sie nicht verderben! Ihr Opfergang war nur für dich! Von dem, was sie aus Liebe zu dir taten, wird Meine Heiligkeit besänftigt, sonst müßte nun Mein Zornbrand doppelt auf dich fallen!

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