1 Er sagte aber auch zu seinen Jüngern: Es war ein reicher Mann, der hatte einen Haushalter; und dieser wurde bei ihm verklagt, daß er seine Güter verschleudere.
2 Und er rief ihn zu sich und sprach zu ihm: Was höre ich da von dir? Lege Rechenschaft ab von deiner Verwaltung; denn du kannst künftig nicht mehr Haushalter sein!
3 Da sprach der Haushalter bei sich selbst: Was soll ich tun, da mein Herr mir die Verwaltung nimmt? Graben kann ich nicht; zu betteln schäme ich mich.
4 Ich weiß, was ich tun will, damit sie mich, wenn ich von der Verwaltung entfernt bin, in ihre Häuser aufnehmen!
5 Und er rief jeden von den Schuldnern seines Herrn zu sich und sprach zu dem ersten: Wieviel bist du meinem Herrn schuldig?
6 Der aber sprach: 100 Bat Öl. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Schuldschein, setze dich und schreibe schnell 50!
7 Danach sprach er zu einem anderen: Du aber, wieviel bist du schuldig? Der aber sagte: 100 Kor Weizen. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Schuldschein und schreibe 80!
8 Und der Herr lobte den ungerechten Haushalter, daß er klug gehandelt habe. Denn die Kinder dieser Weltzeit sind ihrem Geschlecht gegenüber klüger als die Kinder des Lichts.
9 Auch ich sage euch: Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, damit, wenn ihr Mangel habt, sie euch aufnehmen in die ewigen Hütten!
Lukas, Kap. 18
Kap. 216
01] Sagte Simon Juda: »O Herr und Meister, in diesem Stücke durchaus nicht mehr, aber es gäbe noch so ein paar andere Stücklein, mit denen ich noch nicht so ganz ins reine kommen kann; ich hoffe aber von Deiner Liebe und Gnade, daß sich auch diese beiden kleinen Stücklein so gewisserart von selbst ausgleichen werden!«
02] Sagte Ich: »So nenne Mir wenigstens die beiden Stücklein!«
03] Sagte Simon Juda: »Ach, o Herr und Meister, es zahlt sich fast gar nicht aus, aber weil du es selber so haben willst, so bestehen sie in Deinem Lobe des ungetreuen Haushalters und in dem Verwerfen des Mahlzeitgastes, darum, daß er kein Festkleid anhatte! Denn da kommen zwei unbegreifliche Dinge vor: erstens, wie und wo diejenigen Gäste, welche von den Dienern des Gastgebers an den Zäunen und Gassen stehend aufgefangen und zum Gastmahl hineingeschoben wurden, mit den erforderlichen Festkleidern versehen worden sind, und fürs zweite, wieso der eine arme Teufel, der auch von den Dienern des Gastgebers zum Gastmahle getrieben ward, hinausgeworfen werden mußte, weil er kein Festkleid anhatte. Siehe, o Herr und Meister, dieser Hinausgeworfene und Dein Lob über den ungerechten Haushalter sind für mich noch so ein paar krumme Linien, die ich noch nicht gerade zu machen imstande war!«
04] Sagte Ich: »Habe Ich damals nicht zu euch gesagt: "Tut auch ihr desgleichen wie der ungerechte Haushalter, und sammelt euch Freunde durch den ungerechten Mammon, so werden sie euch dereinst, so ihr noch wohnungslos sein solltet, in ihre himmlischen Wohnungen aufnehmen!"?
05] Damit du, Simon Juda, dieses aber richtig verstehst, so höre Mich an, aber mit beiden Ohren zugleich, damit das nicht bei dem andern Ohr wieder hinausgeht, was das eine aufgenommen hat, und dadurch in deinem Herzen haften bleibt! Siehe, ein jeder irdisch reiche Mensch, der viel mehr Güter und Geldes besitzt, als solche notwendig wären zu seinem irdischen Lebensunterhalt, ist Mir gegenüber, der Ich der alleinige wahre Gutsherr bin, stets mehr oder weniger ein ungerechter Haushalter, und die Güter, die er sein nennt, sind zusammengenommen ein ungerechter Mammon.
06] So er aber wenigstens dann mit seinen ungerechten Reichtümern reichlich der Armen gedenkt, so ihm die Natur seiner Krankheiten, die Meine Amtsboten sind, klar und deutlich sagt: "Der Herr dieser Güter hat vieles wider dich in bezug auf dein ungerechtes Gebaren, und du wirst fürder nicht mehr Haushalter sein!", dann wird er sich durch die vielen beteilten Armen Freunde machen, und so er dann bald darauf nackt und verlassen zu ihnen in Mein Reich hinüberkommen wird, so werden sie sich seiner erbarmen und ihm sein gutes Werk an ihnen reichlich vergelten.
07] Denn siehe, als Ich die Welt erschaffen habe, da habe Ich keine Grenzsteine gesetzt, die Erde nicht mit dem Faden abgemessen und somit auch nicht gesagt: "Siehe, dieser Teil gehört dem, ein anderer dem andern!", sondern Ich habe die ganze Erde zu einem Gemeingut für alle Menschen gemacht. Erst mit der Zeit hat der Geiz, die Habgier und Herrschlust der Menschen angefangen, die Erde abzumessen und mit Gewalt zu bestimmen: "Dieser große Teil des Landes gehört mir, und wer mir dienen und arbeiten will, der soll auch ein kleines Stück Land gewisserart in Pacht bekommen; dessenungeachtet aber bleibe ich der Herr des ganzen großen Stück Landes!"
08] Und siehe, das war die erste sogenannte patriarchalische Verfassung unter den Menschen, und so ungerecht sie auch an und für sich war, so war sie dabei aber dennoch die beste und gerechteste; denn war wie gewöhnlich der Patriarch ein guter und gottesfürchtiger Mann, so hatten es an seiner Seite seine Untertanen oder Kleinpachtbesitzer ebenfalls auch gut, denn er sorgte für das gemeinsame Wohl des großen Stück Landes.
09] Er besaß freilich für seine Person und sein Haus viele tausend Male mehr, als er benötigte, und war somit auch ein ungerechter Haushalter, – aber er verwendete seinen ungerechten Mammon zu lauter guten und Mir wohlgefälligen Zwecken und machte sich dadurch aus seinen Untertanen eine große Menge Freunde nach Meinem Willen und Wohlgefallen, und Ich mußte ihm ebenfalls Mein Wohlgefallen und Mein Lob zukommen lassen.«
…
Die Erklärung des Gleichnisses vom ungerechten Haushalter
Kap. 217
01] (Jesus:) »Also war der Patriarch Abraham, der ein Besitzer des ganzen Gelobten Landes war, ebenfalls ein ungerechter Haushalter; aber ihr werdet gehört haben, daß er in dem von ihm bewohnten Orte zu Salem stets einen großen Tisch aufgerichtet hatte, an dem tagtäglich mehrere Tausende von Armen und dürftigen Menschen gesättigt wurden, und es ward dann zum Sprichwort, daß diejenigen zu den Glückseligen gehören, die das Glück haben, am Tische Abrahams zu speisen.
02] Und sehet, darum war Abraham Mein Liebling, und Ich habe ihn und sein ganzes Haus vielfach gesegnet, was ihr aus dem entnehmen könnt, daß Abraham als ein erster und größter Freund des Königs der Könige und des Priesters der Priester, der ohne Anfang und Ende war und Melchisedek hieß, demselben selbst den Zehnt gab und unter den vielen damaligen Königen allein das Glück und das Recht hatte, sich dem Wohnsitze des Melchisedek zu nähern, und Dieser aber einmal Selbst zu ihm kam in Begleitung zweier Engel und ihm voraussagte, daß sein betagtes Weib Sara ihm einen Sohn zur Welt bringen werde, was Abraham denn auch allerfestest glaubte!
03] Aber zugleich offenbarte Melchisedek, daß die Städte Sodom und Gomorra untergehen würden, und weiter weissagte Er ihm, daß aus seinem Stamme endlich Er Selbst als Mensch, mit Leib und Blut angetan, zur wahren Beglückseligung aller Menschen hervorgehen werde.
04] Lassen wir aber nun den Abraham und den Melchisedek, denn der Letztere sitzet in Meiner Person nun unter euch, und der alte Patriarch Abraham ist im Geiste nicht ferne von Ihm! Wenden wir uns zu einem andern ungerechten Haushalter, der nun in der Nähe von Jerusalem lebt, und in dessen Hause wir uns in Bälde befinden werden! Sehet, es ist unser Lazarus, ein Sohn Simons, des Aussätzigen, den Ich aber, ihm unbewußt, schon in Meinem zwölften Jahre, bevor Ich noch Jerusalem besuchte, mit Meinem Willen geheilt habe, und das darum, weil er in aller Rechtschaffenheit mit seinem großen, ungerechten Mammon vielen Tausenden, woher sie auch immer kommen mochten, große Wohltaten erwies, so wie nun auch sein Sohn Lazarus!
05] Ihr wißt, was er alles getan hat, als wir zu mehreren Malen in seiner Stadt in seinem Hause beherbergt wurden, und sehet, wer den ungerechten Mammon auf diese Weise verwendet, der macht sich doch sicher gar viele und allerbeste Freunde in Meinem Reiche, ist auch Mir wohlgefällig, und so er sterben wird, werde Ich ihn alsbald wieder auferwecken ins Leben, daß er fürder ewig nimmer sterben wird, und sein Übergang von dieser in die andere Welt wird sein, wie dereinst der Meines lieben Henoch war, der nun hier als ein wahrer Erzengel an Meiner Seite sitzet.
06] Mit dem, Mein lieber Juda, meine Ich dir nun übersonnenklar gezeigt zu haben, wohin Mein Lob an den ungerechten Haushalter abzielt, und Ich habe dadurch in dir die eine krumme Linie zu einer geraden gemacht.
Großes Evangelium des Johannes, Band 10, Kap. 216 und 217
11. April 1872
[PH.01_034,01] Dieses Evangelium handelt von einem ungerechten Verwalter, welcher, nachdem sein Herr von seiner Untreue unterrichtet worden war, sich doch wenigstens die Hintertür sichern wollte, damit er nicht, der Not ausgesetzt, zum Darben verdammt würde oder durch schwere Handarbeit sein täglich Brot verdienen müsse.
[PH.01_034,02] Ich sagte dies Gleichnis den Pharisäern und Schriftgelehrten deswegen, weil sie am meisten dem Gelde oder dem Mammon huldigten und, um dasselbe in Fülle zu erwerben, sich keines Mittels schämten, ihren Zweck zu erreichen.
[PH.01_034,03] Was in diesem Gleichnis der ungerechte Haushalter getan hat, nämlich daß er Schuldverschreibungen seines Herrn von den Schuldnern auf die Hälfte herabsetzen ließ, um sich bei ihnen in größere Gunst zu setzen, das taten auch die Pharisäer in ihren Religionsgesetzen, indem sie den Reichen die Befolgung derselben erleichterten, wenn diese sehr gut dafür bezahlten. So waren sie mit den Armen streng und mit den Reichen nachsichtig, wie es eure Priesterschaft noch heute ist.
[PH.01_034,04] Die Lehren, welche Ich Meinen Jüngern gab: Meine Mahnung, sich mittels des Mammons Freunde zu erwerben, auf daß sie im Notfall nicht zu darben brauchen; dann der nächstfolgende Vers: „Wer im Geringsten treu ist, der ist auch im Großen treu, und wer im Geringsten ungerecht ist, der ist auch im Großen ungerecht!“; ferner: „So ihr nun in dem ungerechten Mammon nicht treu seid, wer will euch das Wahrhafte anvertrauen?“; und ferner: „So ihr in dem Fremden nicht treu seid, wer will euch geben dasjenige, das euer ist?“; wie auch der folgende Vers: „Kein Hausknecht kann zwei Herren dienen; entweder wird er den einen hassen und den andern lieben, oder umgekehrt!“, was geistig auch heißt: „Ihr könnt nicht Gott und dem Mammon dienen!“; – alle diese Verse enthalten, mit nur wenig Unterschied, das gleiche; nur der neunte Vers steht in scheinbarem Widerspruch mit den folgenden, weil dort angeraten wird, sich mit dem Mammon Freunde zu machen, auf daß im Falle der Not eine Freundeshand uns unterstütze, während in den anderen Versen gerade mehr darauf hingewiesen wird, daß man nicht zwei Herren dienen könne, und im dreizehnten Vers es sogar deutlich gesagt ist: „Ihr könnt nicht Gott und dem Mammon dienen!“ Denn wie kann sich jemand mit dem Mammon Freunde erwerben und dabei Gott dienen?
[PH.01_034,05] Ihr seht, hier bestehen dem Scheine nach Widersprüche; denn Gott und der Mammon, d.h. die materielle Welt, ihre Schätze und ihre Genüsse, sind doch gewiß entgegengesetzte Dinge, und es ist ganz natürlich, daß derjenige, der dem Mammon oder der Welt huldigt, nicht ebenfalls Gott lieben und Seinen Lebensregeln folgen kann.
[PH.01_034,06] Um die Widersprüche zu lösen, wollen wir diese Verse etwas näher betrachten und versuchen, trotz ihres scheinbaren Gegenüberstehens das gemeinsame Bewegen nach einem Ziel nachzuweisen.
[PH.01_034,07] Seht, wenn Ich in diesem Gleichnisse sagte, daß der schlechte Haushalter die Schuldverschreibungen seines Herrn bedeutend herabsetzen ließ, so bedeutet das geistig eigentlich nichts anderes, als daß die Fehler des Menschen, welche er gegen Mich als höchstes Wesen begangen hat in Rücksicht auf seine eigene Natur und auf die Verhältnisse, in welchen er leben muß, milder betrachtet werden. Wollte Ich ohne diese Berücksichtigung eure Taten beurteilen oder euch gar bestrafen, so stünde es wohl sehr schlecht um die ganze Menschheit. Das Ende müßte eine zweite Vernichtung des ganzen Menschengeschlechts, wie einst bei der Sündflut sein. Die Menschen wieder neu erschaffend, müßte Ich sie – wollte Ich nicht, daß sie in dieselben Fußstapfen fielen – zu Maschinen, aber nicht zu freien Menschen machen.
[PH.01_034,08] Wenn es heißt: „Erwerbt euch Freunde mit dem Mammon!“, so will das soviel sagen als: Erleichtert dem mit Sünden und Gewissensbissen Beladenen seine Last! Stellt ihm vor, daß seine Schuld gegen Mich zwar groß ist, aber von seiner Seite nicht als untilgbar angesehen werden soll! Beweist ihm, daß der Mensch ohne die Welt nicht auf Erden leben kann, sondern daß er mit seinen Nebenmenschen leben muß; nur soll er das Gute wirken, soviel in seinen Kräften steht, wenngleich er durch schlechte Einflüsse daran gehindert werden sollte. Lehrt ihn, daß er Mich nicht als höchsten, strengen Richter, sondern als liebenden Vater ansehen soll, welcher bei Vergehungen wohl weiß, wieviel eigene Schuld und wieviel Schuld der Welt in Anrechnung zu bringen ist!
[PH.01_034,09] Auf diese Art macht ihr selbst den Beunruhigten ihre Last leichter und versöhnt sie mehr mit der Welt, der sie sich vielleicht aus zu großem Eifer entziehen wollten. Indem ihr ihnen, sie so tröstend, guten Rat erteilt, entspricht euer Handeln den Worten: „Machet euch Freunde mit dem Mammon!“ So gewinnt ihr die Herzen anderer, welche auf anderen Wegen, vielleicht verzweifelnd, entweder sich der Welt ganz in die Arme geworfen hätten oder an Gott, Ewigkeit und sogar an der Existenz ihrer eigenen Seele verzweifelt wären.
[PH.01_034,10] Der nächste, zehnte Vers, welcher besagt, daß derjenige, der im Geringsten treu ist, es auch im Größten sein wird, bedeutet: Wenn ein Gläubiger es einmal erfaßt hat, daß er mit seinen schwachen Kräften der Welt widerstehen kann, indem er sich von ihr nicht verleiten läßt, sondern allem nur den Wert zuerkennt, den es eigentlich hat, so wird er sich durch materiellen Glanz nicht blenden lassen und, sollten ihn die Verhältnisse einst weltlich höher stellen, auch dann seine Treue in bezug auf seine Grundsätze bewahren, wie er es bei geringen Kräften und in beschränktem Wirkungskreise früher ebenfalls getan hat.
[PH.01_034,11] Das bestätigt auch der zwölfte Vers; denn das ,Fremde‘ bedeutet eure materielle und das ,Eigene‘ eure geistige Bestimmung. Sich ganz dem einen oder dem andern hinzugeben, ist natürlich nur dann möglich, wenn man das eine ganz hintansetzt und nur dem andern huldigt (was besagen will, daß man nicht zwei Herren dienen kann), während es doch angängig ist, daß man das eine benutzen kann, um im andern seinen Zweck vollends zu erreichen. Nur so ist es möglich, daß Menschen sich Mir nähern und ihre geistige Vervollkommnung anstreben können, nämlich wenn sie, wohl in der Welt lebend, diese und alle ihre Reichtümer und Schätze benützend, doch keinen andern Zweck im Auge haben, als durch weise Anwendung des ihnen Anvertrauten dem Nächsten und durch ihn Mir selbst am meisten zu beweisen, wie sie Meine zwei Liebesgesetze aufgefaßt haben.
[PH.01_034,12] Das nachfolgende Gleichnis vom reichen Prasser und dem armen Lazarus sollte Meinen Zuhörern noch mehr zeigen, welche Folgen es hat, wenn man sich dem Mammon ganz hingibt, statt ihn zu geistigen Zwecken zu verwenden. Es sollte ihnen zeigen, daß auf diese Art der eine seinen Lohn schon auf Erden empfängt, während dem andern die Vergeltung für ein anderes, und zwar längeres Leben aufgespart wird, und daß das eine Leben von kurzer, das andere aber von ewiger Dauer sein wird. Der Weg zur Seligkeit wird dem weltlich Gesinnten ebenso unmöglich sein – außer aus seinem Innern heraus – wie dem schon Guten der Rückschritt zur Welt.
[PH.01_034,13] Daß der Reiche in seiner Qual gebeten hatte, wenigstens seine Brüder zu retten, worauf Abraham ihm antwortete, daß den, der seiner Religion und ihren Grundsätzen nicht glaubt, auch die Toten – kehrten sie auf die Welt zurück – nicht bekehren würden, will sagen, daß diejenigen, welche sich der Welt oder dem Mammon ganz hingegeben haben, wenig darauf achten würden, wenn selbst überirdische Einflüsse bei ihnen sich geltend machten, weil sie, selbst zu niedrig gesinnt, das Überirdische längst als nicht bestehend an??sehen und durch Taten und Worte verleugnet haben.
[PH.01_034,14] Aus dem ganzen Evangelium vorn ungerechten Haushalter geht also hervor, daß ihr Menschen – und besonders auch ihr, welche Ich mehr als andere in Meine Schöpfungsgeheimnisse und in Meine Lehre einführen will –, wollt ihr euch Freunde und Mir Kinder erwerben, ihr vorerst nicht durch zu überspannte Anforderungen den andern den Weg erschweren dürft, und daß ihr selbst bei euch, wenn ihr fehlet, es Meiner Gnade überlassen sollt, inwieweit Ich euch eure Fehler anrechne oder nicht.
[PH.01_034,15] Das Zuviel ist in keiner Hinsicht von Nutzen, sondern überall nur schädlich. Ihr müßt euch und andern den Weg zu Mir nicht erschweren, nicht Meine Geister sein wollen, während ihr noch schwache Menschen seid! Dieses Streben verträgt eure menschliche Natur nicht. Ihr könnt doch ganz Liebe für Mich, ganz Liebe gegen euren Nächsten sein und mitten in dem weltlichen Treiben eure sittliche Reinheit bewahren; ihr könnt Mir ganz dienen, ohne der Welt den Rücken wenden zu müssen.
[PH.01_034,16] Seht ihr denn nicht, wie Ich selbst die weltlichen Ereignisse benütze, um die Menschheit geistig zu erziehen? Ich selbst verachte nicht und kann nicht hassen, was Ich selbst geschaffen habe; nur ist dies der Unterschied, daß alles Gebaren der Menschen, so schlecht es auch von seiten des einen oder andern sein mag, Mir doch zur geistigen Vervollkommnung Meiner Kinder und der gesamten Menschheit dienen muß.
[PH.01_034,17] So wie Ich als höchster Richter und Regent verfahre, so sollt auch ihr tun! Ihr sollt die Umstände, Verhältnisse und Zusammenhänge, die euch auf eurem Lebensweg begegnen, ebenfalls so benutzen, daß ihr am meisten durch die Taten an euren Nebenmenschen Meinen Zweck fördern helft. Dann ist es nicht nötig, Verstorbene heraufzubeschwören – wie der Reiche im Gleichnis glaubte, verlangen zu sollen –, wenn ihr Lebenden die besten sichtbaren Zeugnisse dafür seid, daß mitten im Weltgetümmel die menschliche Seele, eingedenk ihrer hohen Mission,?? nicht zwei Herren, sondern nur einem Herrn, und zwar dem Herrn des ganzen Universums, nämlich Mir allein, dienen kann, ohne die Verhältnisse unbenützt zu lassen, die wohlweislich nur dazu da sind, um die große Aufgabe der Menschenkinder zu beschleunigen und glorreich zu Ende zu führen.
[PH.01_034,18] So erseht ihr aus einem Gleichnis, in dem die Ungerechtigkeit als Beispiel dient, wieviel Nutzen selbst aus Umständen gezogen werden kann, die dem Anscheine nach schlecht sind, deren Endresultat aber das Herrlichste ist, das Ich als Gott, als Jesus angestrebt habe, und das ihr als Meine Kinder mit vollenden helfen sollt! Amen.
G. Mayerhofer, Predigten des Herrn, 34
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