Jesus: „Wenn Gott Puppen und Automaten haben will, so ist dazu ein Augenblick hinreichend, um damit den ganzen sichtbaren Raum auszufüllen. Aber alle diese Wesen würden keinen eigenen freien Willen haben und kein eigenes, für sich dastehendes, selbsttätiges Leben. Sie würden sich regen und bewegen nur nach dem sie durchströmenden Willen Gottes. Ihre Sehe wäre die Sehe Gottes, und ihre Gedanken wären die Gedanken Gottes. Solche Geschöpfe wären gleich den einzelnen Gliedern deines Leibes, die sich ohne dein Erkennen und Wollen durchaus nicht für sich bewegen und tätig sein könnten. — Ganz anders verhält es sich mit deinen Kindern, die aus deinem Fleisch und Blut hervorgegangen sind. Diese warten nicht mehr auf deinen Willen; sie haben ein völlig eigenes Leben, Wollen und Erkennen. Sie werden wohl Lehre und Gebote von dir annehmen, aber dennoch nicht nach deinem, sondern stets nur nach ihrem eigenen Willen. — Und siehe, Geschöpfe mit freiem Erkennen und Wollen, die sich selbst zu bestimmen und zu vervollkommnen haben, um dadurch für ewig freie, sich selbst bestimmende Wesen zu bleiben, müssen von Gott auch so geschaffen sein, daß ihnen solches zu erreichen möglich ist.“
[Ev. Bd. 5, Kap. 71, 10-13]
Jesus: „Erschaffen ist leicht, aber die aus Gott hinausgestellten Geschöpfe zu einem freien, ungerichteten und selbständigen Sein hinleiten, das ist sogar für die göttliche Allmacht keine leichte Sache. Doch mit Geduld und Langmut kann man dennoch alles erreichen, und ist eine Sache in zweckvoller Hinsicht gelungen, dann gedenkt man nicht mehr der Zeit, die dazu vonnöten war. Es geht dabei zu wie bei einem Weibe, das in seiner Schwangerschaft viel Furcht und Wehen zu bestehen hat, aber wenn das Kind zur Welt geboren ist, dann hat bei dem Weibe alle Furcht aufgehört, und es gedenkt nicht mehr der Schmerzen; denn es sieht vor sich die lebendige Frucht, die aus ihm in ein freies, selbständiges Leben hervorgegangen ist. — Wäre es aber mit der freiesten Selbständigmachung eines Geschöpfes eine leichtere Sache, dann hätte Ich als der Schöpfer aller Dinge und alles Seins wahrlich nicht nötig gehabt, nun selbst als ein Mensch in die Welt zu kommen, um die völlige Freigestaltung des Menschen durch Lehre und Tat zu bewirken.“
[Ev. Bd. 6, Kap. 63, 1-3]
Jesus zu dem Römer Agrikola: „Welten erschaffen ist für Mich ein leichtes, aber freie Menschen ins Dasein zu rufen und sie aus sich selbst vollenden zu lassen, wobei die göttliche Allmacht vermöge ihrer Liebe, Weisheit und Ordnung schweigen und untätig sein mußt das bleibt auch für Mich keine leichte Sache! Da hilft Mir nichts als Meine unbegrenzte Geduld und Meine übergroße Sanftmut.“
[Ev. Bd. 8, Kap. 14, 16]
Ein fremder, weiser Gast am Tische König Lamechs: „Bei der Erschaffung der Dinge kommt es nur auf den Willen Gottes an, und es wird da sein, was Gott haben will. Ein von Ihm ausgesprochenes allmächtiges ‚Werde’ genügt, und zahllose Sonnen und Welten drehen sich in übergroßen Kreisen vor dem Auge des allmächtigen Werkmeisters! — Aber beim freien Geiste ist das allmächtige ‚Werde!‘ ein Gericht, welches ist des Geistes Tod. Da muß an die Stelle der Allmacht große Liebe, Erbarmung, Geduld, Sanftmut und endlos weise Führung Gottes treten und muß den Geist (die Seele) des Menschen wie einen zweiten Gott führen und lehren damit dieser dann durch die Selbsterkenntnis das werde was er sein soll nach der göttlichen Ordnung. Und das ist mehr als Welten und Sonnen erschaffen.“
[H. Bd. 3, Kap. 42, 11-12]
Jesus: „Ich will es, daß jeder Mensch auf dem von Mir vorgezeichneten Wege fortschreitet und sich mit eigener Mühe und Aufopferung das erwirbt, dessen er hier und jenseits bedarf, um selbsttätig und dadurch (vollkommen) selbständig werden zu können. Denn die volle Selbständigkeit ist zur höchsten Seligkeit eines der allernötigsten Erfordernisse.“
[Ev. Bd. 3, Kap. 177, 14-15]
Jesus: „Wenn Ich vermöge Meiner Allmacht wollte, da kein Mensch je eine Sünde begehe, so würde auch kein Mensch mehr sündigen; denn er würde sich nicht um eine Linie über Meinen Willen hinausbewegen können. Wer aber hätte dann ein Verdienst ob des sündenfreier Lebens eines Menschen, den allein Gottes Allmacht leitete, wie sie das Wachstum der Bäume und ihrer Früchte leitet und die Welten durch den endlosen Raum führt? Niemand als Gott allein, weil der Mensch dann nur eine Spielpuppe in den Händen Gottes wäre. Die Menschen aber sind bestimmt, freie und völlig selbständige Kinder Gottes zu werden; darum müssen sie so geleitet werden, daß dabei ihr freier Wille nicht die geringste Nötigung von einem mächtigeren Geiste erfahre, sondern allein durch Offenbarung und Lehre und durch äußere Gesetze dahin geleitet werde, aus sich selbst das Wahre und Gute zu ergreifen und aus eigener Bestimmung danach tätig zu werden.“ [Ev. Bd. 6, Kap. 225, 6-7]
Der Erzengel Raphael: „Die Seele prüfe sich selbst, inwieweit sie in aller Selbstverleugnung, was die Lustreizdinge dieser Welt betrifft, vorgedrungen ist, und wieweit sie völlig eins mit dem Willen Gottes geworden ist, ob in ihr wohl schon Meisterhaftes sich regt, — und Gott, der Herr, wird nicht säumen, in ihr Seines Willens Macht offenkundig werden zu lassen. Die Macht des göttlichen Willens aber wird dem Menschen nicht etwa wie einem Kinde die Milch eingegossen, sondern er muß sie selbst durch seine eigene Willenskraft, die bei jedem Menschen völlig frei ist, wie mit Gewalt an sich ziehen. — Daß diese Sache sich so und nicht anders verhält, ist daraus ersichtlich, daß der Herr, dem doch alle Dinge möglich sind, Seine Jünger selbst gleichfort lehrt, erzieht und ihnen zeigt, was sie zu tun haben, um sich Seinen Willen für ewig zu eigen zu machen. Was aber die eigens vom Herrn erwählten Jünger zu tun haben, das hat auch jeder andere Mensch zu tun, um zu der Macht des göttlichen Willens in seiner Seele zu gelangen.“
[Ev. Bd. 10, Kap. 17, 11, 13-15]
Jesus zu einem hohen römischen Richter: „Bestrebe dich, dir Meinen Willen so anzueignen, wie du dir des Kaisers Willen zu eigen gemacht hast, und du wirst dann bald vollkommen eins werden mit deinem jenseitigen Geiste aus Mir, welcher ist Meine Liebe, Weisheit und Macht, und du wirst dann auch so wirken können wie dieser Engelsgeist Raphael zu wirken imstande ist.“
[Ev. Bd. 10, Kap. 200, 4]
Der Herr zu den Vätern der Urzeit, die ihre Lauheit in der Liebe beklagen: „Alles kann Ich euch geben, allein die freie Liebe eures Herzens zu Mir, diese kann Ich niemandem geben! Und wenn Ich solches täte, was wäre da eure Liebe?! Sie wäre nur ein fremder Trieb in euch, der euch nötigen möchte, wider euren Willen Mich zu lieben und anzubeten. Ich aber habe euch zu freien Menschen und Kindern erschaffen und habe einem jeden gegeben einen eigenen guten Anteil der Liebe, die da bewirkt das Leben in euch. Mit dieser freien, eigenen Liebe müßt ihr Mich ergreifen, so werdet ihr das Leben in euch erfassen!“
H. Bd. 1, Kap. 142, 4-6
Jesus, der Herr, zu dem römischen Oberstatthalter Cyrenius: „Würde Gott mit Seiner Allmacht aus Seiner Weisheit heraus den Willen des Menschen leiten, so wäre der Mensch um nichts besser als ein Tier, ja, er stünde sogar noch unter dem Tier, weil sogar dem Tier schon eine kleine Willensfreiheit insoweit verliehen ist als es auch Verständnis und Gedächtnis hat, Hunger, Durst und Schmerz fühlt und darum etwas denken, urteilen und durch seine Stimme, Miene und Gebärde kundgeben kann, was es für sein Bedürfnis will.“
[Ev. Bd. 7, Kap. 214, 9]
Jesus im Jenseits zu Robert Blum: „Würde die Gottheit sich durch Ihre Macht eines Wesens bemächtigen, das aus seinem eigenen freien Willen Ihr aufs entschiedenste und hartnäckigste widerstrebt, so würde das solch ein Wesen augenblicklich vernichten, was wider alle göttliche Ordnung wäre. — Wenn aber die Gottheit Ihre Ordnung für ewig unwandelbar dahin feststellt, daß kein Wesen, möge es sich gestalten, wie es wolle, vernichtet werden kann, so wird dadurch allen Wesen die ewige Fortdauer gesichert und zugleich auch jedem Wesen die freie Möglichkeit gegeben, ein überaus glückliches zu werden, aber auch ein unglückliches zu verbleiben, solange es dies selbst will!“
[Rbl. Kap. 30, 9-10]
Jesus schildert den unumgänglichen Weg der Erschaffung und Gestaltung freier Menschen, wobei die Anwendung der göttlichen Allmacht bald in den Hintergrund treten muß.
[Rbl. Bd. 1, Kap. 95, 3-7]
Jesus im Jenseits zu übereifrigen Geistern: „Es ist leicht gesagt: ‚Herr, richte die bösen Völker! Vertilge alle, die eines hochmütigen und herrschgierigen Herzens sind! Tue Wunder! Laß durch eine allgemeine Pest das ganz arge Menschengesindel zugrundegehen!‘ — Aber bedenket, daß Ich dann umsonst gearbeitet hätte! — Wir müssen vielmehr größte Geduld üben und sogar verkehrtesten Handlungen mit derselben Ruhe betrachten wie die guten und gerechten! Denn die erste Hauptbedingung zur Gestaltung freier Menschen ist, daß sie in der Trennung von Mir ihrer selbst bewußt werde und aus sich selbst heraus zu handeln anfangen — ob gut oder schlecht, ob gesetzlich oder ungesetzlich, das muß für den Anfang eines jeden werdenden Menschen völlig eins sein!“
[Rbl. Bd. 1, Kap. 95, 8-9]
Jesus zu einer gutwilligen Seele im Jenseits: „Du verlangtest Gutes — und verlangtest Mich selbst und siehe, so steht nun vor dir wahr und lebendig, was du in deinem Herzen wolltest! — Von nun an wird dir Mein besonderer Wille kundgetan werden. Wirst du diesen zu deinem eigenen machen, so wirst du leben ein wahres, seligstes Leben!“
[Rbl. Bd. 1, Kap. 130, 8]
Jesus: „Jeder Mensch trägt gewisse Schwächen in sich, welche die gewöhnlichen Fesseln des Geistes sind, durch die er wie in einer festen Hülse eingeschlossen ist. Die Fesseln aber können erst dann gesprengt werden, wenn die mit dem Fleisch verbundene Seele sich durch die gerechte Selbstverleugnung so gestärkt hat, daß sie fest genug ist, den freien Geist zu fassen und zu halten. Aus diesem Grunde kann der Mensch auch nur durch allerlei Versuchungen seine Schwächen gewahren und erfahren, wie und worin sein Geist geknebelt ist. Wenn er dann gerade in diesen Punkten sich in seiner Seele selbst verleugnet, so löst er dadurch dem Geiste die Fesseln und bindet damit die Seele. — Ist in der notwendigen Zeit die Seele mit allen den ehemaligen Geistesbanden gefestet, so geht dann der entfesselte Geist in die stark gewordene Seele über, und diese gelangt dadurch in alle himmlische Machtvollkommenheit des Geistes und wird für ewig vollkommen eins mit ihm.“
[Jug. Kap. 298, 8-15]
Jesus zu dem Mägdlein Jarah: „Höre, Meine liebe Jarah, Ich sehe wohl in dein Herz und lese darin, wie sehr du Mich liebst, und kenne auch deine Treue; aber du bist nun noch ein Kind. Bis jetzt warst du unter dem Schutze Meiner Engel, und die bösen Geister der Welt konnten sich dir nicht nahen. Wenn aber deine Jahre reifer werden, dann wirst du aus eigener Kraft der argen Welt und ihren Gelüsten widerstehen müssen, um dadurch nach Meiner für alle Wesen gestellten unwandelbaren Ordnung aus dir selbst den festen Boden zu gewinnen, auf dem du dich Mir im Geiste und in aller Wahrheit wirst nahen können. Die Welt hat eine starke Macht über den Menschen, weil sie zum größten Teil von der Hölle beherrscht wird, und die Seele muß mit ihrem Fleisch und Blut manch harten Kampf bestehen, um nicht von der Welt verschlungen zu werden. — Wenn aber solche Kampfzeit über dich kommen wird, dann gedenke in deinem Herzen Meiner und alles dessen, was du von Mir gehört und gesehen hast, und der Sieg über die Welt wird dir ein leichter werden!“
[Ev. Bd. 2, Kap. 137, 13-14]
Jesus: „Warum ist denn die langsame, stufenweise Entwicklung eines Menschen vom Embryo im Mutterleibe bis zum erwachsenen, erfahrenen Manne nötig, wenn Gott doch mit Seiner Allmacht sogleich völlig weise und kräftige Menschen herstellen könnte? — Ja, das kann Gott allerdings, aber was wären solche Menschen? Ich sage es euch: Nichts als Maschinen, die nie einen eigenen freien Willen, ein eigenes Selbstbewußtsein und nie ein selbständiges, freies Denken, Fühlen und Handeln haben könnten, sondern Gottes allmächtiger Wille müßte sie in jedem Augenblick aus sich neu beleben, in ihnen denken, wollen und ihre Glieder zur Tätigkeit anregen. — Daher ward von Gott von Ewigkeit her eine Ordnung gestellt, derzufolge die aus Gott hinausgestellten Ideen sich selbst immer mehr von Gott lösen, endlich sich als ein von Gott getrenntes Sein und Leben finden und erkennen müssen und nach ihren eigenen Gedanken frei wollend und frei tätig zu werden haben, auf daß sie dadurch als völlig lebensgefestet dann durch äußere Lehre zur Lebensvollendung wie auf eigenem Grund und Boden gebrach werden können. Dazu aber bedarf es einer sehr langen Zeit, die von Gott aus wohl berechnet und in viele Abschnitte eingeteilt ist, in denen dies und jenes fortschreitend vorgenommen werden kann.“
[Ev. Bd. 6, Kap. 63, 4-11]
Jesus: „Es ist dem Menschen schon auf dieser Erde — etwa als hoher Amtsinhaber — die höchste Seligkeit von seinem freien Willen Gebrauch zu machen. Wieviel größer aber ist jene Seligkeit, die aus der Einigung des Menschenwillens mit dem Willen Gottes für die ganze Unendlichkeit und Ewigkeit hervorgeht! Aber bevor dies erfolgen kann, ist eine ernstliche Grund- und Hauptbildung des menschlichen Willens durch alle Lebensstadien erforderlich, sonst wäre es höchst gefährlich, des Menschen freien Willen mit großer Machtvollkommenheit auszustatten. Der Mensch muß belehrt und so geführt werden, daß er sich freiwillig auf die Wege des Lichts begibt und sich auf ihnen so lange in aller Liebe und Selbstverleugnung übt, bis er das rechte Ziel durch seine eigene Tätigkeit und Selbstbestimmun erreicht.“
[Ev. Bd. 5, Kap. 78, 4-7]
Jesus: „Alle Geschöpfe bestehen unter Meinen Mußgesetzen, auch der Mensch seinem Leibe nach, — nur des Menschen Seele und Geist nicht, d.h. was da betriff den Willen und das freie Erkennen. Die Form und die Lebenseinrichtung der Seele in allen ihren Teilen ist natürlich auch ein Mußwerk, von Mir ausgehend, doch nur so, daß sie durch den freien Willen im Menschen entweder sehr veredelt und befestigt oder auch sehr verunstaltet und geschwächt werden kann.“
[Ev. Bd. 7, Kap. 121, 4]
NEUOFFENBARUNG