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Ostwind – Entsprechungslexikon

Entsprechungslexikon · Zusammenstellung: Franz Kreuzwegerer (1998)

Lexikonübersicht · Quellen und Abkürzungen

“Und Gott ließ einen Wind hinfahren über die Erde, und es setzten sich die Wasser”. Daß dies bedeutet, daß alles in seine Ordnung gebracht worden sei, erhellt aus der Bedeutung des Windes im Wort. Alle Geister, sowohl gute, als böse, werden verglichen und gleichgesetzt dem Winde, und werden auch Winde genannt. Durch ebendasselbe Wort werden in der Grundsprache Geister ausgedrückt, durch das Winde ausgedrückt werden. In den Versuchungen, die hier die Wasser sind, die sich setzten, wie früher gezeigt worden, sind es böse Geister, die überschwemmen, indem sie mit ihren Phantasien einwirken und ähnliche, die bei den Menschen sind, aufregen. Wenn diese Geister, oder diese Phantasien zerstreut werden, wird im Worte gesagt, es geschehe durch einen Wind, und zwar durch einen Ostwind. Es verhält sich die Sache beim Menschen, der in Versuchung ist, wenn die Unruhen oder die Wasser der Versuchung aufhören, wie im allgemeinen, was mir (Swedenborg) durch mehrfache Erfahrung zu wissen verliehen worden, daß nämlich böse Geister in der Geisterwelt sich zuweilen in Scharen zusammenrotten, und so Unruhen erregen, aber auseinandergetrieben werden durch andere Geisterscharen, die meistens von der Rechten her, somit von der Morgengegend, herbeiströmen, und jenen so große Furcht und Schrecken einjagen, daß sie an nichts als an ihre Flucht denken, wo dann die, welche sich zusammengerottet hatten, in alle Gegenden zerstreut, und so die übel zusammengestoppelten Geistervereine aufgelöst werden: die Geisterscharen, die jene so zerstreuen, werden Ostwind genannt. Außerdem werden sie auf unzählige andere Weisen zerstiebt, die ebenfalls Ostwinde sind. <HG 842>

Die Darstellung des Letzten Gerichts vor den Bösen, wie ich (Swedenborg) sie zwei- und dreimal sehen durfte, war folgende: nachdem die Geister um mich her sich in verderbenbringende Gesellschaften verbunden hatten, so daß sie die Oberhand hatten, und nicht nach dem Gesetz des Gleichgewichts der Ordnung gemäß sich so regieren ließen, daß sie nicht andere Gesellschaften mutwilliger Weise anfielen, und ihnen mit Übermacht Schaden zuzufügen anfingen, da erschien eine ziemlich große Schar von Geistern, von der vorderen Gegend ein wenig zur Rechten nach oben, bei deren Herankunft wie ein wogender und gewaltig tönender Lärm gehört wurde. Nachdem man diesen gehört, entstand unter den Geistern Bestürzung mit Schrecken, und infolgedessen Verwirrung, und nun wurden die, welche in jenen Gesellschaften sich befanden, zerstreut, der eine dahin, der andere dorthin, so daß sie auseinanderstoben, und kein Genosse wußte, wo der andere war. Als dies andauerte, erschien es den Geistern nicht anders als wie ein Letztes Gericht mit dem Untergang aller. Einige jammerten, andere waren vor Schrecken wie außer sich, mit einem Wort, alle ergriff gleichsam die

nahende Gefahr eines letzten entscheidenden Moments. Ein Geräusch von solchen, die von der vorderen Gegend her anrückten, wurde von ihnen verschieden gehört, von einigen wie ein Geräusch von bewaffneten Reitern, von anderen anders; gemäß dem Zustand der Furcht, und der Phantasie aus ihr. Mir ward es hörbar wie ein anhaltendes Surren mit abwechselndem Wellenschlag, und zwar vieler zugleich. Ich wurde von denen, die mir nahe waren, belehrt, daß solche Scharen von jener Gegend kommen, wenn die Gesellschaften so, wie gesagt worden, übel zusammengesetzt sind, und daß sie den einen vom anderen zu trennen und loszureißen, und ihnen zugleich solchen Schrecken einzujagen wissen, daß sie an nichts anderes als an die Flucht denken und daß mittelst solcher Trennungen und Zerstreuungen nachher alle vom Herrn in Ordnung gebracht werden. Dann auch, daß dergleichen im Wort durch den Ostwind bezeichnet werde. <HG 2128>

“Und verbrannt vom Ostwind” bedeutet voll von Begierden. Dies erhellt aus der Bedeutung von verbrannt werden vom Ostwind, sofern es ist verzehrt werden vom Feuer der Begierden; denn der Ostwind und der Aufgang im echten Sinn ist die Liebe zum Herrn und die Liebe gegen den Nächsten, daher im entgegengesetzten die Selbstliebe und die Weltliebe, mithin die Lüste und Begierden, denn diese sind jenen Liebestrieben eigen. Es gibt einen doppelten Ursprung der Wärme, wie es auch einen doppelten Ursprung des Lichtes gibt: der eine Ursprung der Wärme ist aus der Sonne der Welt, der andere Ursprung der Wärme ist aus der Sonne des Himmels, welche ist der Herr. Daß die Weltsonne in ihre Welt und in alles, was darin ist, Wärme ausströmt, ist bekannt; daß aber die Himmelssonne Wärme ausströmt in den ganzen Himmel, ist nicht so bekannt. Es kann aber dennoch bekannt sein, wenn man nur nachdenken mag über die Wärme, die inwendig im Menschen ist und nichts gemein hat mit der Wärme der Welt, d.h. über die sogenannte Lebenswärme. Daraus kann man merken, daß diese Wärme eine andere Beschaffenheit hat, als die Wärme der Welt, daß nämlich jene eine lebendige ist, diese aber gar nicht lebendig, und daß jene Wärme, weil sie lebendig, das Inwendigere des Menschen, nämlich seinen Willen und Verstand entzündet, und daß sie bewirkt das Wünschen und Lieben, sodann das Erregtwerden. Daher auch Wünsche, Liebestriebe, Regungen Arten der geistigen Wärme sind, und auch so genannt werden. Daß es Arten der Wärme sind, erhellt offenbar, denn aus lebendigen Körpern dünstet von allen Seiten Wärme aus, sogar in der größten Kälte, und namentlich wenn die Wünsche und Neigungen, d.h. Liebestriebe stärker werden, alsdann erwärmt in demselben Grad der Leib. Diese Wärme ist es, die im Wort verstanden wird unter Hitze, Feuer, Flamme, und ist im echten Sinn himmlische und geistige Liebe, und im entgegengesetzten Sinn fleischliche und irdische Liebe. Hieraus kann erhellen, daß hier durch verbrannt werden vom Ostwind bezeichnet wird verzehrt werden vom Feuer der Begierden, und daß, wenn es ausgesagt wird vom Wißtümlichen, das die mageren Ähren sind, bezeichnet wird, es sei voll von Begierden. <HG 5215>

“Und Jehovah führte einen Ostwind über das Land” bedeutet das Mittel der Zerstörung. Dies erhellt aus der Bedeutung des Ostwindes, insofern er ein Mittel der Zerstörung bezeichnet. Der Ostwind hat diese Bedeutung, weil er trocken war und stürmisch, und deshalb die Erzeugnisse jenes Landes austrocknete, auch durch seine Gewalt die Bäume zertrümmerte, und im Meere die Schiffe. Daher wird durch ihn, als durch ein Mittel, die Wirkung der göttlichen Macht beschrieben. Außerdem wird durch “Osten” das Gute der Liebe und der Liebtätigkeit bezeichnet, weil Osten im höchsten Sinn den Herrn bedeutet. Das Gute der Liebe und der Liebtätigkeit ist in seinem Ursprung, weil göttlich, das Allergelindeste, daher auch bei seinem Fortschreiten in den Himmel. Wenn es sich aber zu den Höllen hinabsenkt, wird es hart und streng, weil es von denen, die dort sind, in solches verkehrt wird. Deshalb quält nicht nur der Einfluß und die Gegenwart dieses göttlich Guten diejenigen, die dort sind, sondern es verwüstet sie auch; und daher rührt es auch, daß der Wind von Osten, oder der östliche Wind, das Mittel der Zerstörung bedeutet. <HG 7679>

Außerdem scheinen die Winde, die in der geistigen Welt entstehen, aus verschiedenen Himmelsgegenden dort herzukommen, einige von Mittag her, andere von Mitternacht her, und andere von Aufgang her: die von Mittag her, zerstreuen das Wahre bei denen, die im Falschen sind, und die vom Aufgang her, zerstreuen des Gute bei denen, die im Bösen sind. Der Grund, warum die Winde dieses zerstreuen, ist, weil sie aus dem mächtigen und starken Einfluß des Göttlichen durch die Himmel in die unteren Regionen entstehen, wo es aber einfließt, erfüllt es das Wahre und Gute, d.h. die Gemüter und Seelen derer, die im Wahren und Guten sind, mit dem Göttlichen. Diejenigen, bei denen das Inwendigere, das dem Gemüt und der Gesinnung angehört, lediglich Falsches und Böses ist, und äußerlich Wahres gemischt ist mit Falschem, und Gutes gemischt mit Bösem, halten daher einen solchen Einfluß vom Göttlichen nicht aus, deshalb ziehen sie sich in ihr Falsches und Böses, das sie lieben, zurück und verwerfen das Wahre und Gute, das sie nicht lieben, außer um ihrer selbst und um des Scheines willen. Hieraus ist klar, was für eine Wirkung der vom Aufgang kommende Wind hervorbringt, welcher der Ostwind genannt wird, daß er nämlich bei den Bösen alles Gute und Wahre zerstreut, das sie in äußerer Form vor der Welt dargestellt und geredet hatten, um zu scheinen. Daher kommt es, daß diesem Wind Verdorrung und Vertrocknung zugeschrieben wird. Das Verdorrte bedeutet, wo nichts Gutes und das Vertrocknete, wo nichts Wahres ist, wie aus den Stellen im Wort erhellen kann, wo dieser Wind erwähnt wird. <EKO 419>

Textgrundlage: die bereitgestellte Lexikonausgabe von Franz Kreuzwegerer. Originalquelle als PDF · Seite 275 →

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