Lexikonübersicht · Quellen und Abkürzungen
Was aber und wie beschaffen die Religion ist, die durch Moab und die Söhne Ammons bezeichnet wird, kann aus ihrer Entstehung, die beschrieben ist, erhellen, und dann auch aus vielen Stellen sowohl im historischen als prophetischen Wort, in denen sie genannt werden. Sie sind im allgemeinen diejenigen, die in einem äußerlichen Gottesdienst sind, der einigermaßen als heilig erscheint, aber nicht im Inneren, und die, welche die Dinge des äußeren Gottesdienstes als das Gute und Wahre ergreifen, dagegen aber das zum inwendigen Gottesdienst Gehörige verwerfen und verachten. Ein solcher Gottesdienst, und eine solche Religion schleicht sich ein in diejenigen, die in natürlich Gutem sind, aber andere neben sich verachten. Sie sind nicht unähnlich den Früchten, die in der äußeren Gestalt nicht unschön, inwendig aber schimmelig oder faulig sind. Auch nicht unähnlich marmornen Gefäßen, die Unreines, zuweilen Garstiges enthalten. Oder auch nicht unähnlich Frauenspersonen, die an Gesicht, Leib und Manieren nicht mißfällig, inwendig aber siech, und mit Ekelhaftem erfüllt sind; denn das allgemeine Gute, das bei ihnen ist, ist es, was nicht unschön erscheint, aber das Besondere, das hineinkommt, ist unrein. Anfangs zwar nicht so, aber nach und nach, denn sie lassen sich leicht von allem Möglichen einnehmen, was gut genannt wird, und von daher von allem möglichen Falschen, das sie, weil sie es begründen, für wahr halten, und zwar dies weil sie das Innere des Gottesdienstes verachten, dieses aber, weil sie in der Selbstliebe sind. Solche haben ihren Ursprung und stammen ab von denen, die bloß in äußerem Gottesdienst sind, und in diesem Kapitel durch Lot vorgebildet werden, und zwar
wenn das Gute des Wahren verödet ist. Beschrieben werden sie im Wort, sowohl wie sie geartet sind im Anfang, da ihr Gutes noch nicht so verunreinigt ist, als nachher wann es verunreinigt wird, wie auch zuletzt, wenn es ganz verunreinigt ist; und daß sie das Inwendigere des Gottesdienstes und der Lehre verwerfen. <HG 2468>
“Die Mächtigen Moabs” bedeutet die, welche in einem Leben des Falschen waren aus jener Liebe. Dies erhellt aus der Bedeutung der Mächtigen, insofern sie das bezeichnen, was regiert und die Oberhand hat; und aus der vorbildlichen Bedeutung Moabs, insofern es diejenigen bezeichnet, die im natürlich Guten sind, und sich leicht verführen lassen, somit die, welche dadurch in einem Leben des Falschen sind. Denn diejenigen, die im natürlich Guten sind, und nicht im Guten aus dem Glaubenswahren, und somit auch nicht im geistig Guten, lassen sich leicht verleiten, jedes beliebige Falsche zu glauben, und daher auch danach zu leben. Sie werden vom Wahren zum Falschen besonders durch das hingeleitet, was ihren Trieben schmeichelt. Diese sind es, die unter Moab verstanden werden. <HG 8315>
Amos 2/3: “Ausrotten werde Ich den Richter aus der Mitte Moabs, und alle seine Fürsten werde Ich töten mit ihm”. Unter Moab werden im Wort die verstanden, die Gutes der Kirche schänden; durch den Richter, der ausgerottet und durch die Fürsten, die getötet werden sollen, wird das Gute bezeichnet, das geschändet wird und die Wahrheiten, die dadurch verfälscht werden; Richter bedeutet das Gute und Fürst das Wahre. <EKO 315>
Jerem.48/25: “Abgehauen ist das Horn Moabs und sein Arm ist zerbrochen”. Durch Moab werden bezeichnet, die im unechten Guten und daher in verfälschten Wahrheiten sind, die an sich Falsches sind. Die Zerstörung dieses Falschen wird bezeichnet durch: abgehauen ist das Horn Moabs, und die Zerstörung jenes Bösen durch: sein Arm ist zerbrochen. <EKO 316>
Also wird auch im zehnten Vers (von Psalm 60) unter Moab die demütigste Liebe, welche ist gleich der Reue im menschlichen Herzen, allhier zu einem Waschtopfe. <SUP,S.87; A/JE XI,S.320; HIGA III,S.144/8: Der 60. Psalm David>
Textgrundlage: die bereitgestellte Lexikonausgabe von Franz Kreuzwegerer. Originalquelle als PDF · Seite 112 →
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