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Knabenalter – Entsprechungslexikon

Entsprechungslexikon · Zusammenstellung: Franz Kreuzwegerer (1998)

Lexikonübersicht · Quellen und Abkürzungen

Die Engel haben keine Vorstellung von Zeit, somit keine von solchem, was der Zeit angehört, wie von den Altersstufen des Menschen, nämlich von der Kindheit, vom Knaben- und Jünglingsalter, Erwachsenen- und Greisenalter, sondern für das alles haben sie die Vorstellung von Zuständen; so für die Zeit der Kindheit haben sie die Vorstellung des Standes der Unschuld, für die Zeit des Knabenund Jünglingsalters die Vorstellung des Zustandes der Neigung zum Guten und Wahren, für das erwachsene Alter die Vorstellung des Zustandes der Einsicht, und für das Greisenalter die Vorstellung des Zustandes der Weisheit. <HG 3254>

Bekannt ist, daß der Mensch in die Natur seiner Eltern und Großeltern, wie auch der Ureltern von Jahrhunderten her geboren wird, somit in das Erbböse von diesen allen, das sich nach und nach angehäuft hat, bis zu dem Grad, daß er, an und für sich betrachtet, nur böse ist. Diese Natur ist es, die ausgerottet werden muß, während der Mensch in der Welt lebt, und es kann gar nicht anders geschehen als durch Wiedergeburt vom Herrn, d.h. dadurch, daß er einen ganz anderen Willen und daher einen anderen Verstand empfängt, d.h., daß er neu gemacht wird in Ansehung jener beiden Vermögen. Auf daß dieses aber geschehe, muß er zu allererst neugeboren werden wie ein Kind und lernen, was böse und falsch und was gut und wahr ist, denn ohne Wissenschaft oder Erkenntnis kann er mit keinem Guten ausgestattet werden. Aus sich nämlich erkennt er nichts anderes für gut an als das Böse, und für wahr als das Falsche. Zu diesem Behuf werden ihm solche Erkenntnisse eingeflößt, die nicht ganz denjenigen entgegen sind, die er früher gehabt hatte, z.B. daß jede Liebe bei sich selbst anfange, daß man zuerst für sich selber sorgen müsse und hernach für andere, daß man solchen, die arm und elend der äußeren Form nach erscheinen, wohltun müsse, mögen sie inwendig geartet sein, wie sie wollen. Ebenso den Witwen und Waisen, weil sie so genannt werden, und zuletzt den Feinden im allgemeinen, wer sie auch sein mögen, auch daß man so den Himmel verdienen könne. Diese und ähnliche Erkenntnisse sind für die Kindheit seines

neuen Lebens und sind so beschaffen, daß sie, weil sie etwas vom vorigen Leben oder von der Natur des vorigen Lebens an sich haben, auch etwas vom neuen Leben in sich tragen, in das er so eingeführt wird, und sind daher so beschaffen, daß sie in sich zulassen, was zur Bildung eines neuen Willens und eines neuen Verstandes förderlich ist. Dies sind die untersten Gutheiten und Wahrheiten, womit diejenigen anfangen, die wiedergeboren werden, und weil sie inwendigere oder dem Göttlichen nähere Wahrheiten in sich zulassen, so kann auch durch sie Falsches ausgerottet werden, das der Mensch vorher für wahr gehalten hatte. Aber die, welche wiedergeboren werden, erlernen solches nicht als Sache des bloßen Wissens, sondern machen es zur Lebenssache, denn sie tun jene Wahrheiten. Aber daß sie dieselben tun, kommt aus dem Grunde des neuen Willens, den der Herr einflößt, ohne daß sie es überhaupt wissen. Und wieviel sie von jenem neuen Willen aufnehmen, soviel nehmen sie auch von jenen Erkenntnissen auf, und lassen es ins Tun übergehen und glauben es. Hingegen wieviel sie nicht vom neuen Willen aufnehmen, soviel können sie zwar lernen, aber nicht zur Tat werden lassen, weil sie nur aufs Wissen, nicht aufs Leben bedacht sind. Das ist der Stand der Kindheit und des Knabenalters im neuen Leben, das an die Stelle des vorigen Lebens treten muß. <HG 3701>

“Zwanzig Jahre alt und darüber” bedeutet den Zustand der Einsicht des Wahren und des Guten. Dies erhellt aus der Bedeutung von zwanzig, wenn es sich auf das Lebensalter des Menschen bezieht, sofern diese Zahl den Zustand der Einsicht des Wahren und Guten bezeichnet. Daß zwanzig den Zustand der Einsicht des Wahren und Guten bedeutet, beruht darauf, daß der Mensch, wenn er zwanzig Jahre alt geworden ist, anfängt, aus sich zu denken; denn der Mensch geht von der ersten Kindheit an bis zum letzten Greisenalter durch mehrere Zustände in betreff seines Inneren durch, nämlich durch Zustände der Einsicht und Weisheit. Der erste Zustand geht von der Geburt bis zu seinem fünften Lebensjahr; dieser Zustand ist ein Zustand der Unwissenheit und der Unschuld in der Unwissenheit, und wird die Kindheit genannt. Der zweite Zustand geht vom fünften Lebensjahr bis zum zwanzigsten; dieser Zustand ist ein Zustand der Belehrung und des Wissens, und wird das Knabenalter genannt. Der dritte Zustand geht vom zwanzigsten Lebensjahr bis zum sechzigsten, und dieser Zustand ist ein Zustand der Einsicht, und wird Jugend, Jünglingsalter und Mannesalter genannt. Der vierte Zustand oder der letzte geht vom sechzigsten Lebensjahr an weiter hinauf, und dieser Zustand ist der Zustand der Weisheit, und der Unschuld in der Weisheit. Diese nacheinander folgenden Lebenszustände des Menschen werden durch die Zahlen der Lebensjahre Fünf, Zwanzig und Sechzig bezeichnet. <HG 10225>

Textgrundlage: die bereitgestellte Lexikonausgabe von Franz Kreuzwegerer. Originalquelle als PDF · Seite 333 →

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