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Aus: Die Austreibung eines Teufels

[PH.01_015,08] Ursprüngliche, noch nicht inkarnierte Geister, sowie Abgeschiedene, aus menschlichen Leibern, welche keinen Drang zum Vorwärtsschreiten haben, suchen – da Tätigkeit ein Lebensgesetz ist, ohne das nichts bestehen kann – sich zu beschäftigen, indem sie versuchen, entweder Geister oder noch lebende Wesen, deren Neigung eine Beeinflussung zuläßt, in ihren Bereich zu ziehen und ihnen ihre Ansichten und Neigungen beizubringen. Daher kommt es, daß der Mensch, je mehr er seine eigenen bösen und schlechten Leidenschaften nährt, immer leichter diesem jenseitigen Einfluß unterworfen ist und endlich ganz diesen bösen, von Langeweile geplagten Geistern zur Beute wird. So wie durch Schreiben, Klopfen und sonstige Mittel die Geister auf einzelne (empfängliche) Seelen einwirken können und indirekt wenigstens dazu beitragen, daß die Ungläubigen zu der Erkenntnis kommen: ,Es gibt eine andere Welt!‘, ebenso wirken die schlechten Geister der Verstorbenen auf das Gemüt, ja auf die körperliche Organisation des Menschen ein, wovon Tobsucht und andere Krankheiten die äußerlich sichtbaren Folgen sind.

[PH.01_015,09] So könnt ihr, würdet ihr mit geistigen Augen sehen, eine ganz neue Welt in und um euch erblicken, die ebenso wie die äußere materielle bemüht ist, euch den Gang zu Mir soviel wie möglich zu erschweren. Deswegen rief Ich auch einst Meinen Jüngern im Garten von Gethsemane zu: „Wachet und betet, auf daß ihr nicht in Versuchung fallet!“

[PH.01_015,10] Diese geistigen Einflüsse sind anfangs so gelinde und sanft, unter spitzfindigen Gründen der Eigenliebe ihr verderbliches Gift verbergend, daß ein feines Gefühl und stete Wachsamkeit dazu gehören, um nicht statt des eigenen Willens den Willen anderer zu tun. Ist aber Standhaftigkeit da und sieht der böse oder schlechte Geist, daß seinen Einflüssen nicht Gehör gegeben wird, so läßt er von selbst ab, weil auch er seine Zeit nicht unnütz verlieren will.

[PH.01_015,11] Dieses unsichtbare Beeinflussen und Verändern der Materie, dieses Entstehen und Vergehen und In-andere-Formen-Übergehen, alles dieses würde – hättet ihr die geistige Sehe – sich in der geistigen Welt vor euren Augen abwickeln, in einem noch größeren Maßstab, weil ihr die Geister durchschauen und schon von vornherein bemerken könntet, welche Idee jetzt den einen oder andern bewegt, dieses oder jenes zu tun. Ihr würdet an diese geistige Welt einen ganz anderen Maßstab anlegen müssen als an eure materielle Welt, da dort schon die Gedanken gewogen werden, während in eurer sichtbaren Welt tausend Gedanken unbemerkt an euch vorübergehen, bis vielleicht erst der letzte, durch die Tat, die Idee eines anderen lebenden Wesens verrät.

[PH.01_015,12] Ihr würdet staunen, wie die Hinübergehenden dort anlangen, wie sie von anderen Geistern entweder mit Liebe oder mit Haß empfangen werden. Ihr würdet staunen, welche moralischen Kämpfe dort eine Seele durchmachen muß, bis sie ihren Weg selbständig gehen kann. Dort hilft kein Verbergen, kein Heucheln und Verstellen. Dort ist der Mensch als Geist nur der Abdruck seines geistigen Ichs, erworben hier auf dieser Welt, und zwar nicht durch Taten, sondern bereits durch Gedanken; denn diese waren die Urheber der Taten, und diese geben auch in der geistigen Welt den Ausschlag. Jeder durch euern Kopf oder euer Herz flüchtig laufende Gedanke ist in eueren inneren Geistesmenschen als unabänderlicher Abdruck eingeprägt worden und wird einst die äußere geistige Umkleidung eures Seelenmenschen bedingen.

[PH.01_015,13] Wenn die Menschen wüßten, was sie tun, wenn sie entweder mit Groll von dieser Erde scheiden, oder wenn die Zurückgebliebenen den Hinübergegangenen fluchen, sie würden schaudern vor den Folgen solcher Gedanken; denn solche Gedanken sind fähig, Qualen auf Qualen – natürlich geistiger Natur – den Hinübergegangenen zu bereiten und in ihnen den Wunsch entfachen, die noch Lebenden mit Rache zu empfangen. Daher seid streng mit euren Gedanken! Ihr ruft oft mit einem Gedanken ein Heer gleichgesinnter, schlechter Geister der andern Welt in eure Nähe, und während ihr glaubt, ihr hinget diesen Gedanken bloß nach, sind es diese Geister, die euch in ihr Netz zu verstricken trachten, die eure guten Eigenschaften zu vernichten streben, um dann den Entschluß zu einer bösen Tat zur Reife zu bringen, welche wieder unendliche Folgen für euch und andere Menschen und Geister hat.

[PH.01_015,14] Dies ist im Evangelium ausgedrückt, wo Ich von dem mächtigen bösen Geist, der aus dem Kranken oder Stummen getrieben wurde, sagte, daß er öde und wüst umherging, dann aber wieder zurückkehrte mit sieben anderen Geistern, die ärger waren als er selbst.

[PH.01_015,15] Das ist das geistige Bild eines Menschen, der wohl eine Leidenschaft besiegt, glaubt einen Teufel von sich entfernt zu haben, sich aber nachlässig wieder diesen Gedanken, seinen Lieblingsideen hingibt. Dieser Mensch nährt ein Flämmchen, und wie die Mücken, von weitem das Licht bemerkend, alle dorthin ziehen, ebenso ist diese geistige Gedankenrichtung ein Licht, das in der Geisterwelt gerade den im Finstern tappenden Geistern als Leitfaden dient. Dort strömen sie hin, beginnt ihr teuflisches Spiel mit verstärkter und vereinter Kraft, bis der geplagte Mensch in ihr Netz fällt und hier auf Erden und dort im Jenseits auf lange Zeit für Mein Reich verloren ist.

[PH.01_015,16] Die andere Welt, die Welt des Unsichtbaren, ist nicht so rosig, wie eure Priester sie euch vorstellen; sie ist aber auch nicht so höllisch, wie die Phantasie gewisser Religionsfanatiker sie euch vormalen möchte. Das ganze Gemälde besteht darin: Wie der Mensch geistig beschaffen ist, so sieht er auch die geistige Welt. So seht ihr ja auch die materielle Welt, ob hüben oder drüben, das bleibt sich gleich.

Predigten des Herrn / 15. Predigt – Am Sonntage Okuli. Die Austreibung eines Teufels.

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