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8. Kapitel – Von der vierten Umstände oder Species

Von der vierten Umstände oder Species

33. Die vierte Qualität oder der vierte Quellgeist in der göttlichen Kraft Gottes des Vaters ist die Hitze. Die ist der rechte Anfang des Lebens und auch der rechte Geist des Lebens. Die herbe, saure und süße Qualität ist der Salitter, der zum Corpus gehöret, daraus der Corpus gebildet wird. Denn es stehet in der herben die Kälte und die Härtigkeit und ist die Zusammenziehung und Vertrocknung. Und in der süßen stehet das Wasser und das Licht oder Scheinlichkeit und die ganze Materia des Corpus. Und die bittere ist die Scheidung oder Formierung, und die Hitze ist der Geist oder die Anzündung des Lebens, davon der Geist im Corpus entstehet, der in dem ganzen Corpus quallet und außer dem Corpus leuchtet, und macht die lebendige Bewegung in allen Qualitäten des Corpus.

34. Es ist aber sonderlich auf zwei Dinge in allen Qualitäten zu sehen. So man ein Corpus ansiehet, so siehet man erstlich den Stock oder Kern aller Qualitäten, der aus allen Qualitäten gebildet ist; denn zu dem Corpus ist Herbe, Sauer, Süße, Bitter und Hitze. Diese Qualitäten sind zusammen vertrocknet und machen den Corpus oder Stock.

35. Die große Geheimnis des Geistes: – Nun diese Qualitäten sind in dem Corpus vermischt, als wären sie alle nur eine Qualität, und quillet doch jede Qualität in seiner eigenen Kraft und gehet aus. Eine jede Qualität geht aus sich selber in die andern und reget die andern, das ist, sie infizieret die andern. Davon bekommen die anderen Qualitäten diesen Willen, das ist, sie approbieren dieser Qualität Schärfe und Geist, was in ihr ist, und vermischen sich immer.

36. Nun zeucht die herbe Qualität mit der sauren immer die andern Qualitäten zusammen, und fasset und hält den Corpus und vertrocknet ihn, denn sie vertrocknet alle anderen Kräfte und hält sie alle durch ihre Infizierung. Und die süße sänftiget und befeuchtet die andern alle und temperieret, sich mit den anderen allen. Davon werden sie fein lieblich und sanfte.

37. Und die bittere macht die andern alle rege und beweglich, und scheidet in Glieder, daß jedes Glied in der Temperierung aller Kräfte Brunnquell krieget, davon die Beweglichkeit entstehet.

38. Und die Hitze zündet alle Qualitäten an. Daraus empöret sich das Licht in allen Qualitäten, daß eine die andere siehet, denn wenn die Hitze in der süßen Feuchtigkeit wirket, so gebäret sie das Licht in allen Qualitäten, daß eine die andere siehet.

39. Daraus entstehen die Sinnen und Gedanken, daß eine Qualität die andere, die auch in ihr und mit ihr selber temperiert ist, siehet und mit ihrer Schärfe approbieret, daß es ein Wille wird, der in dem Corpus aufsteiget in den ersten Quellbrunn in die herbe Qualität.

40. Da dringet die bittere Qualität in der Hitze durch die herbe, und die süße in dem Wasser läßt sie sänftig durch. Da fähret die bittere in der Hitze durch das süße Wasser aus dem Corpus und macht ihm zwo offene Pforten. Das sind die Augen, die erste Sinnlichkeit.

41. Dessen hast du ein Exempel und Vorbild: Siehe an diese Welt, sonderlich die Erde, die ist aller Qualitäten Art, und bilden sich darinnen allerlei Figuren. Erstlich ist darinnen die herbe

Qualität. Die zeucht den Salitter zusammen und befestiget die Erde, daß sie ein Corpus ist und nicht zerbricht, und bildet darinnen allerlei Corpus nach jeder Qualität Art als allerlei Steine und Erze und allerlei Wurzeln nach jeder Qualität Art.

42. Nun, wenn dasselbe gebildet ist, so liegts da als eine körperliche quellende Beweglichkeit, denn es quellet durch und in der bittern Qualität in sich selbst, als in seinem eigenen gebildeten Corpus. Es hat aber noch kein Leben zur Wachsung oder Ausbreitung ohne die Hitze, die ist der Naturgeist.

43. Wenn der Sonnen Hitze den Erdboden anleuchtet, so quellen und wachsen in der Erden alle Bindungen von Erz und Kräutern, Wurzeln, Würmer und alles, was drinnen ist.

44. Dies verstehe recht: Der Sonnen Hitze zündet in der Erden die süße Qualität des Wassers an in allen gebildeten Figuren. Nun wird durch die Hitze in dem süßen Wasser das Licht, das erleuchtet die herbe, saure und bittere Qualität, daß sie in dem Lichte sehen. Und in dem Sehen steiget eine in die andere und approbieret die andere, das ist: sie kostet in dem Sehen der andern Schärfe; daraus kommt der Geschmack.

45. Und wenn die süße Qualität der bittern Qualität Geschmack kostet, so flennt sie sich und giebet das Weichen wie ein Mensch, wenn er bitter oder herbe Gallen kostet; so breitet er im Maul beide Gaumen aus und flennt sich und erweitert die Gaumen weiter als sie ihm gewachsen sind. Also tut die süße Qualität gegen der bittern.

46. Und wenn sich die süße Qualität also ausdehnet und weidet vor der bittern, so dringt die herbe immer hinnach und wollte auch gern von der süßen kosten, und macht den Corpus hinter und in ihr immer trocken. Denn die süße Qualität ist des Wassers Mutter und ist ganz sanfte.

47. Wenn nun die herbe und bittere Qualität von der Hitze ihr Licht bekommen, so sehen sie die süße Qualität und kosten ihr Süßes Wasser. Dann eilen sie dem süßen Wasser immer nach und trinken das in sich, denn sie sind ganz harte, rauh und durstig, und die Hitze vertrocknet sie vollends Und die süße Qualität fleucheog immer vor der bittern und herben und dehnet ihren Gaumen iminer weiter aus, und die bittere und herbe eilen immer der süßen nach und laben sich von der süßen und vertrocknen den Corpus. Also ist das wahrhaftige Gewächse in der Natur, es sei gleich einem Menschen, Tiere, Holze, Kraut oder Steine.

48. Nun merke das Ende der Natur in dieser Welt! Wenn nun die süße Qualität also vor der bittern, sauren und herben fleucht, so eilen ihr die herbe und bittere also heftig nach als an ihrem besten Schatz, und die süße dringet so heftig von ihnen und bemühet sich so heftig, daß sie durch die herbe Qualität dringet und zerreißt den Corpus und weicht außer dem Corpus aus und über die Erden, und eilet auch so harte, bis ein langer Halm wächst.

49. Dann dringet die Hitze über der Erden auf den Halm, so wird die bittere Qualität alsdann von der Hitze angezündet und krieget einen Stoß von der Hitze, daß sie erschrickt, und die herbe Qualität vertrocknet es. Da streiten die herbe, süße und bittere und Hitze miteinander, und die herbe macht in ihrer Kälte ihre Trockenheit immerdar, so weicht dann die süße auf die Seite, und die andern eilen ihr nach.

50. Wenn sie aber siehet, daß sie soll gefangen sein, daß die bittere also hart auf sie dringet und die Hitze von außen auch auf sie dringet, so macht sie die bittere inbrünstig und entzündet sie. Da tut sie einen Sprung durch die herbe Qualität und steiget wieder über sich. So wird alsdann ein harter Knoten hinter ihr an dem Orte, wo der Streit war, und der Knoten kriegt ein Löchel.

51. Wenn aber die süße Qualität durch den Knoten springet, so hat sie die bittere also hart infizieret, daß sie gar zitternd ist. Und alsbald sie über den Knoten kommt, dehnet sie sich geschwind auf allen Seiten aus, in willens, der bittern zu entfliehen. Und in solchem Ausdehnen bleibet ihr Leib in der Mitten hohl, und in dem zitternden Sprung durch den Knoten krieget sie noch mehr Halmen oder Laub und ist nun fröhlich, daß sie dem Kriege entlaufen ist.

52. Und wenn nun die Hitze von außen also auf den Halm dringet, so werden die Qualitäten in dem Halme angezündet und dringen durch den Halm und werden in dem auswendigen Lichte von der Sonnen infizieret, und gebären die Farbe in dem Halm nach ihrer Qualität Art.

53. Weil aber das süße Wasser in dem Halme ist, so behält der Halm seine grüne, lichte Farbe nach der süßen Qualität Art.

54. Solch Wesen treiben die Qualitäten mit der Hitze immer in dem Halme, und wächst der Halm immer für sich und wird immer ein Sturm nach dem andern gehalten, davon der Halm immer mehr Knoten krieget und seine Äste immer weiter ausbreitet. Indessen vertrocknet die Hitze von außen immer das süße Wasser im Halm, und wird der Halm immer dünner; je höher er wächst je dünner wird er, bis er nicht mehr entrinnen kann.

55. Alsdann gibt sich die süße Qualität gefangen, so herrschst dann die bittere, saure, süße und herbe zugleich untereinander. Und die süße dehnet sich noch etwas aus, aber sie kann nicht mehr entrinnen, denn sie ist gefangen.

56. Alsdann wächst aus allen Qualitäten, die in dem Corpus sind, eine Kolbe oder Kopf und wird ein neuer Leib in der Kolben oder Kopf, und wird figurieret gleichwie erstlich die Wurzel in der Erden, alleine daß es nun eine andere, subtilere Form krieget.

57. Alsdann dringet die süße Qualität sanft von sich, und wachsen kleine subtile Blättlein in dem Kopfe, die sind aller Qualitäten Art. Denn das süße Wasser ist nun wie ein schwanger Weib, das den Samen empfangen hat; und sie dringet immer von sich, bis sie den Kopf zersprenget.

58. Alsdann dringet sie auch in den Blättlein herfür, als ein Weib, das gebäret. Aber die Blättlein oder Blüten haben nicht mehr ihre Farbe und Gestalt, sondern der andern Qualitäten alle; denn die süße Qualität muß nun der andern Qualitäten Kinder gebären. Und wenn dann die süße Mutter die schönen grünen, blauen, weißen, roten und gelben Blümlein oder Kinder geboren hat, so wird sie gar müde und kann dieselben Kinder nicht lange ernähren, und mag sie auch nicht lange haben, dieweil es nur ihre Stiefkinder sind, die gar zarte sind.

59. Und wenn dann die Hitze von außen auf die zarten Kinder dringet, so werden alle Qualitäten in den Kindern angezündet, denn der Geist des Lebens qualifizieret in ihnen. Dieweil sie denn nun zu ohnmächtig sind zu diesem starken Geist und können sich nicht erheben, so lassen sie ihre edle Kraft von sich gehen, und das reucht also lieblich, daß einem das Herze lacht. Sie aber müssen verwelken und abfallen, weil sie zu zart sind zu diesem Geiste.

60. Denn der Geist zeucht aus dem Kopf in die Blüte; und der Kopf wird formieret nach aller Qualitäten Art. Die herbe Qualität zeucht zusammen den Leib des Kopfes und die süße sänftiget ihn und dehnet ihn aus, und die bittere scheidet die Materia in Gliedern, und die Hitze ist der lebendige Geist darinnen.

61. Nun arbeiten alle Qualitäten darinnen und gebären ihre Frucht oder Kinder. Und ein jedes Kind ist nach aller Qualitäten Art und Eigenschaft qualifizieret. Solches treiben sie also lange, bis die Materia gar vertrocket, bis die süße Qualität oder das süße Wasser vertrocknet. Alsdann fällt die Frucht aus und vertrocknet auch der Halm und fällt um.

62. Und das ist der Natur Ende in dieser Welt. In diesem sind noch gar hohe Dinge zu schreiben. Das wirst du bei der Schöpfung dieser Welt finden. Dieses ist nur zu einem Gleichnis allhie eingeführet worden und aufs kürzeste beschrieben.

63. Nun die andere Gestalt der Qualitäten oder der göttlichen Kräfte oder der sieben Geister Gottes ist sonderlich bei der Hitze zu merken: Erstlich ist der Grund oder das körperliche Wesen, wiewohl sie in der Gottheit und auch in den Kreaturen keinen sonderlichen Corpus hat, sondern es sind alle Qualitäten untereinander wie eine, jedoch vermerket man jeder Qualität Wirkung insonderheit.

64. Nun in dem Corpus oder Quellgrund ist die Hitze, die das Feuer gebäret. Das ist eine Gestalt und die kann man erforschen. Und aus der Hitze gehet das Licht durch alle Geister oder Qualitäten, und das Licht ist der lebendige Geist. Den kann man nicht erforschen. Seinen Willen aber kann man erforschen, was er will oder wie er ist, denn er fähet in der süßen Qualität, und das Licht gehet in der süßen Qualität auf in dem süßen Wasser, und in den andern Qualitäten nicht.

65. Dessen hast du ein Exempel: Du kannst alle Ding in dieser Welt anzünden, daß es leuchtet und brennet, da die süße Qualität das Oberregiment innehat, und da die andern Qualitäten das Regiment innehaben, kannst du nicht anzünden. Und ob du gleich die Hitze drein bringest, so kannst du doch nicht den Geist drein bringen, daß es leuchtet. Darum sind alle Qualitäten der süßen oder des süßen Wassers Kinder, dieweil der Geist allein im Wasser aufgehet.

66. Bist du nun ein vernünftiger Mensch, in dem Geist und Verstand ist, so siehe dich um in der Welt, du wirst es also finden: Ein Holz kannst du anzünden, daß es leuchtet, denn das Wasser ist Primus darinnen, desgleichen allerlei Kraut über der Erden, da das süße Wasser Primus ist. Einen Stein kannst du nicht anzünden, denn die herbe Qualität ist Primus drinnen. Die Erde kannst du auch nicht anzünden, es werden denn zuvorhin die andern Qualitäten und rausgesotten, welches an dem Pulver zu sehen ist, welches doch nur ein Blitz oder ein Geist des Schreckens ist, da sich der Teufel in dem Zorne Gottes drinnen fürbildet, welches ich an einem andern Orte ausführlich beschreiben und auch beweisen will.

67. Nun wirst du sagen: Man kann ja das Wasser nicht anzünden, daß es leuchtet? – Ja, lieber Mensch, hie steckt die Geheimnis. Das Holz, das du anzündest, ist auch nicht das Feuer, sondern ein finsterer Stock, allein das Feuer und Licht nimmt seinen Ursprung davon. Du mußt aber verstehen von der süßen Qualität des Wassers und nicht vom Stocke, das ist von der Fettigkeit, das ist der Geist drinnen.

68. Nun ist in dem elementischen Wasser auf Erden die Süßigkeit nicht Primus oder Oberregent, sondern die herbe, bittere und saure Qualität, sonst wäre das Wasser nicht tödlich, sondern es wäre wie das Wasser ist, da der Himmel aus geschaffen ist. Das will ich dir beweisen, daß in dem elementischen Wasser auf Erden die herbe, saure und bittere Qualität Primus ist.

69. Nimm Korn, Weizen, Gersten, Haber oder was du willst, da die süße Qualität Primus innen ist, und weiche das in elementisch Wasser und brenne es hernach, so wird die süße Qualität den andern das Regiment nehmen. Und zünde dasselbe Wasser hernach an, so wirst du auch den Geist sehen, der von der Fettigkeit des Korns in dem Wasser blieben ist, der das Wasser überwunden hat. Solches siehst du auch im Fleische. Das Fleisch brennet und leuchtet nicht, allein das Fett brennet und leuchtet.

70. Nun möchtest du fragen: Wie kommt das oder wie hats eine Gestalt? Siehe, in dem Fleisch ist die herbe, saure und bittere Qualität Primus und in dem Fetten die Süßigkeit. Darum ist eine fette Kreatur immer fröhlicher als eine magere, dieweil der süße Geist sehrer in ihm quallet als im magern. Denn das Licht der Natur, welches der Geist des Lebens ist, scheinet sehrer in ihm als in dem magern, denn in demselben Lichte in der süßen Qualität steht das Triumphieren oder die Freude, denn die herben und bitteren Qualitäten triumphieren darinnen, denn sie freuen sich, daß sie von der süßen und lichten Qualität gelabet, gespeiset, getränket und erleuchtet werden. Denn in der herben ist kein Leben, sondern der herbe, kalte, harte Tod; und in der bittern ist kein Licht, sondern die finster, bittere und wütende Pein, das Haus des zitternden und grimmigen furchtsamen Elendes.

71. Darum wenn sie bei der süßen und lichten Qualität zu Gaste sind, so werden sie infizieret und lieblich, dazu ganz freudenreich, und triumphieren in einer Kreatur. Darum ist keine magere Kreatut fröhlich, es sei denn Sache, daß die Hitze in ihr Primus ist, das ist, ob sie gleich mager ist und wenig Fettes hat, so ist es dennoch trefflicher Süßigkeit. Dagegen hat manche Kreatur vie Fettes und ist doch ganz melancholisch, das ist die Ursache, daß sein Fettes nach dem elementischen Wasser geneiget ist, da die herbe und bittere Qualität etwas stark ist.

72. Bist du nun ein vernünftiger Mensch, so siehe: Der Geist, der sich aus der Hitze empöret, der nimmt in der süßen Qualität seinen Ausgang, Aufsteigen und Leuchten. Darum ist die süße Qualität sein freundlicher Wille und herrschet in der Sanftmut, und die Sanftmut ist sein eigen Haus. Und das ist der Kern der Gottheit. Und darum heißt er Gott, daß er ist süße, sänftig, freundlich und gütig, und darum heißt er barmherzig, daß seine süße Qualität in der herben, sauren und bittern aufsteiget und sie labet, erquicket, befeuchtet und erleuchtet, daß sie nicht ein finster Tal bleiben.

73. Darum verstehe nur deine Muttersprache recht, du hast so tiefen Grund darinnen als in der hebräischen oder lateinischen, ob sich gleich die Gelehrten darinnen erheben wie eine stolze Braut. Es kümrnert nichts, ihre Kunst ist jetzt auf der Bodenneige. Der Geist zeiget, daß noch vorm Ende mancher Laie wird mehr wissen und verstehen als jetzt die klügesten Doctores wissen, denn die Tür des Himmels tut sich auf; wer sich nur selber nicht verblenden wird, der wird sie wohl sehen. Der Bräutigam krönet seine Braut. Amen.

74. Siehe das Wort Barm ist nur auf deiner Lippen, und wenn du sprichst Barm, so machst du das Maul zu und karrest hinten nach. Das ist die herbe Qualität. Die umschleußt das Wort, das ist: sie figurieret zusammen das Wort, daß es hart wird oder schallet, und die bittere Qualität zerscheidet es.

75. Das ist, wenn du sprichst Bar, so kirret der letzte Buchstab R und murret als ein zitternder Odem. Und das tut die bittere Qualität, die ist zitternd. Nun ist aber das Wort Barm ein tot, unverständig Wort, das niemand verstehet, das bedeut, daß die zwei Qualitäten Herbe und Bitter ein hart, dunkel, kalt und bitter Wesen sind, die kein Licht in sich haben. Darum kann man ihre Kraft außerhalb des Lichtes nicht verstehen.

76. Wenn man aber spricht Barmherz so druckt man die andere Silbe Herz aus der Tiefe des Leibes aus dem Herzen, denn der rechte Geist spricht das Wort Herz aus, der sich aus der Hitze des Herzens empöret, in welchem das Licht ausgehet und quallet.

77. Nun siehe, wenn du sprichst Barm, so figurieren die zwei Qualitäten Herbe und Bitter das Wort Barm gar langsam zusammen; denn es ist eine lange ohnmächtige Silbe von wegen der Qualitäten Schwachheit. Wenn du aber sprichst Herz, so fähret der Geist in dem Wort Herz geschwind wie ein Blitz heraus und gibt des Worts Unterscheid und Verstand. Wenn du aber sprichst Ig, so fängest du den Geist mitten in den andern zwei Qualitäten, daß er muß drin bleiben und das Wort formieren.

78. Also ist die göttliche Kraft; die herbe und bittere Qualität sind der Salitter der göttlichen Allmacht. Die süße Qualität ist der Kern der Barmherzigkeit, nach welcher das ganze Wesen mit allen Kräften Gott heißt. Die Hitze ist der Kern des Geistes aus welcher das Licht fähret und zündet sich in der Mitten in der süßen Qualität an und wird von der herben und bittern gefangen als inmitten. Darinnen wird der Sohn Gottes geboren. Das ist das rechte Herze Gottes.

79. Und des Lichts Flammen oder Blitz, das augenblicklich in allen Kräften leuchtet, gleichwie die Sonne in der ganzen Welt, das ist der Hl. Geist, der gehet aus der Klarheit des Sohnes Gottes und ist der Blitz und die Schärfe, denn der Sohn wird mitten in den andern Qualitäten geboren und ist mit den andern Qualitäten gefangen.

80. Verstehe dies hohe Ding recht: Wenn der Vater das Wort spricht, das ist: seinen Sohn gebäret, welches dann immer und ewig geschieht, so nimmt dasselbe Wort erstlich in der herben Qualität seinen Ursprung. Da fasset sichs, und in der süßen nimmts seinen Quell. Und in der bittern schärfet sichs und beweget sich, und in der Hitze steigets auf und zündet den mittlern süßen Quell an.

81. Nun brennets zugleich in allen Qualitäten von dem angezündeten Feuer, und das Feuer brennet aus den Qualitäten, denn alle Qualitäten brennen. Und dasselbe Feuer ist ein Feuer nicht viel Feuer.

82. Und dasselbe Feuer ist der wahrhaftige Sohn Gottes, der von Ewigkeit zu Ewigkeit immer also geboren wird. Das wollte ich an Himmel und Erden, Sternen und Elementen und an allen Kreaturen, an Steinen, an Laub und Gras, ja an dem Teufel selber beweisen und nicht mit toten, schlechten, unverständigen Argumenten, sondern mit eitel lebendigen und unüberwindlichen, ja mit unwiderruflichen und unwiderleglichen festen Argumenten, auch über und wider aller Menschen Vernunft und endlich wider aller Teufel und Höllen Porten, so es allhie nicht zuviel und weiten Raumes nehmen wollte.

83. Allein es wird in dem ganzen Buche in allen Artikel und Stücken gehandelt werden, und wird es freilich bei der Schöpfung der Kreaturen, sowohl bei der Schöpfung Himmels und Erden und aller Dinge finden, welches sich denn besser schickt und dem Leser begreiflicher ist.

84. Nun merke: Aus demselben Feuer gehet der Blitz oder das Licht aus und wallet in allen Kräften und hat aller Kräfte Quellbrunn und Schärfe in sich. Dieweil es durch den Sohn aus allen Kräften des Vaters geboren ist, so macht es nun hinwiederum alle Kräfte in dem Vater lebendig und beweglich. Und durch denselben Geist sind alle heiligen Engel formieret und aus des Vaters Kräften gebildet worden. Und derselbe Geist erhält und trägt alles, formieret alles, alle Gewächse und Farben und Kreaturen im Himmel und in dieser Welt und über aller Himmel Himmel, denn die Geburt der Hl. Dreifaltigkeit ist überall also und nicht anders und wird auch in Ewigkeit nicht anders werden.

85. Wenn aber das Feuer in einer Kreatur angezündet wird, das ist: wenn sich eine Kreatur zu sehr erhebet, wie Luzifer und seine Legionen taten, so verlischt das Licht und gehet auf der grimmige und hitzige Quell, der Quell des höllischen Feuers, das ist: es gehet auf der Geist des Feuers in der grimmen Qualität.

86. Hiemit merke die Umstände, wie das geschieht oder geschehen kann: Ein Engel ist aus allen Kräften zusammenfigurieret, wie ich nach der Länge beschrieben habe. Nun wenn er sich erhebet, so erhebet er sich erstlich in der herben Qualität. Die rafft er zusammen wie ein Weib, das gebären will, und druckt sich. Davon wird die herbe Qualität also hart und scharf, daß sie das süße Wasser nicht mehr zwingen kann und kann nicht mehr sänftig in der Kreatur aufsteigen, sondern es wird von der herben Qualität gefangen und vertrocknet und in eine harte, scharfe, grimmige Kälte verwandelt. Denn es wird zu derb von der herben Zusammenziehung und verlieret seinen lichten Glanz und seine Fettigkeit, darinnen der lichte Geist aufgehet, der der Geist des heiligen, englischen und göttlichen Lebens ist, welcher wird durch die herbe Qualität also hart zusammengezogen und gedruckt, davon er vertrocknet als ein süßes, dürres Holz.

87. Und wenn dann die bittere Qualität in der vertrockneten süßen Qualität aufsteiget, so kann sie die süße nicht sänftigen und mit süßem lichten Wasser tränken, dieweil sie vertrocknet ist. Da wütet und tobet die bittere Qualität und suchet Ruhe oder Speise und findet ihr nicht, und wallet in dem Corpus als eine verschmachtete Gift.

88. Wenn denn nun die Hitze die süße Qualität anzündet und will ihre Hitze in dem süßen Wasser sänftigen, davon sie aufsteiget und in dem ganzen Corpus leuchtet; da findet sie nichts als einen harten, dürren und süßen Quell, da kein Saft innen ist, der gar vertrocknet ist von der Herbigkeit.

89. Alsdann zündet sie den süßen Quell an, in willens sich zu laben. Aber da ist kein Saft mehr, sondern der süße Quell brennet und glühet nun wie ein harter, verdorreter Stein und kann sein Licht nicht mehr anzünden. Und der ganze Corpus bleibet nun ein finster Tal, da nichts innen ist als in der herben Qualität eine grimmige, harte Kälte, in der süßen ein hart glühend Feuer, darinnen die grimmige Hitze aufsteiget in alle Ewigkeit, und in der bittern ein Wüten, Toben, Stechen und Brennen.

90. Und da hast du die wahrhaftige Beschreibung eines verstoßenen Engels oder Teufels und auch die Ursache, und ist nicht nur ein Gleichnis geschrieben, sondern im Geiste durch die Kraft, aus dem alles worden ist. Mensch, hierinne besinne dich hinter sich und vorsich. Es ist nichts vergebens.

91. Diese große Geschichte, wie sie ergangen ist, wirst du beim Fall des Teufels nach der Länge finden.

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