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Fliege, und Vogel im Käfig (Lebens– und Verhaltensregeln)

Empfangen durch G. Mayerhofer, am 9. Januar 1871. Als Antwort auf einen Brief – so schließend:

„Aus Ihren ersten Zeilen lese ich die Mahnungen, die Ihnen der Herr durch die zwei dort angeführten Bilder gab (nämlich ein Vogel im Käfig, der hinaus möchte, und eine Fliege), das eine ist freilich etwas entmutigend, weil es gleichsam den sonst so gerne gewünschten Flug nach Oben verhindert; allein in dem Schlusse der Rede Henochs (Haushaltung Kap. 56, Vers 33–35 in der Grotte Adams) liegt doch der große Fingerzeig, denn er weist – mit den beiden göttlichen Tugenden gewappnet, der Liebe und Demut (Tugenden, die „unser Vater“ während Seines irdischen Lebenswandels lehrte und selbst ausübte) – nach der Gegend des Morgens hin, das will sagen – (fährt nun das Wort des Herrn fort:)
Mensch! Bleib in den Grenzen der Erkenntnis, die Ich für dich bestimmt habe; Ich weiß am besten, dass selbe für dich ausreichen und sie heilsam benutzend, dich zum Morgen des geistigen Lichtes, zum Morgen Meiner Gnadensonne führen; sei, wie die Fliege (das zweite Bild), gehe so unbeachtet wie sie durch die Welt, erfülle wie sie deine heilige Mission – „Mein Kind“ zu werden und du wirst geistiger Lebenssammler werden, und wie die Fliege unter ihrem unscheinbaren Gewande, ohne Prunk, ohne Glanz, eine Menge Licht- und Lebens-Elemente birgt, – ebenso wirst dann auch du unter der schlichten Hülle des menschlichen Körpers eine geistige Fülle von Lebens- und Liebe-Wahrheiten bergen, die erst in dem andern eigentlichen Licht-Leben ihren wahren Wert bewähren werden. –
Mein Sohn! Mein Schreiber hat diesen Brief angefangen und siehe, Ich will ihn vollenden. Ich will dir den Trost und die Ruhe in’s Herz legen, die Mein Schreiber dir versprach, weil ich im Voraus weiß, dass Ich solche Sachen besser verstehe, wenngleich auch Mein Schreiber darin ein tüchtiges Werkzeug ist, aber er weiß es eben auch genau, dass solche Trostworte nicht von ihm, sondern von Mir ihm während des Schreibens ins Herz gelegt werden.
Du hast ganz recht, wenn du jetzt offen bekennst, dass dein Außenmensch die Stimme deines Innern verlernt hat, und dass du oft die warnende Stimme nicht achtetest, die dich vom Fragen abhalten wollte.
Begreifst du jetzt, dass – hätte Ich dir durch Meinen Schreiber kundgegeben, du sollest Meine Stimme auch deutlich vernehmbar hören, du in wie viele Irrtümer gefallen wärest, indem du stets deine Gehirnstimme für die des Herzens gehalten hättest, oder wenigstens (hätte Ich dir auch im Herzen Worte gegeben) du nicht hättest unterscheiden können, was von dir und was von Mir, d.h. was wahr und was falsch ist.
Daher bleibe bei deinem Vorsatze, gebe dich, d.h. deinen Willen, deine Weltsorgen, deine Familie und alles was dir teuer ist in Meine Hände; sie sind die besten Versicherungs­anstalten für alles, was da kommen mag.
Arbeite, soweit es in deinem Berufe liegt, dir und deiner Familie eine sorgenfreie weltliche Existenz zu begründen, das bist du ihnen schuldig! Was aber andere wichtige Hoffnungen und Wünsche anbelangt, lege sie in Meine Hand, als feuerfesten Schrank, dort bewahre Ich sie dir auf, und stelle dir selbe mit reichen Zinsen – zur Zeit wieder vollzählig – zurück, nur nicht vielleicht wenn du, sondern Ich es am besten finden werde.
Vertraue auf Mich, deinen himmlischen Vater! Er hat dich jetzt auf verschiedenen dir geeigneten Wegen dahingeführt, wo du schon längst sein solltest; bis jetzt glaubtest du für dich einen Willen zu haben; jetzt siehst du ein, willst du vorwärts schreiten, und in allen Verhältnissen ruhig sein, dass „dein Wille in dem Meinen aufgehen soll.“ („Hingebung!“)
Dieses, Mein Kind, ist der einzig rechte Weg zur Ruhe, zum Troste und zu Meinem Herzen! Folge ihm stets und er wird dich mit klarer Beurteilung der kommenden Verhältnisse ausstatten, dir die Welt erscheinen lassen – wie und was sie ist und ein unermessliches geistiges Feld dir eröffnen, welches in die Unendlichkeit sich erstreckt, während die weltlichen Bestrebungen auf das Mindeste reduziert werden.
Hier hast du die Antwort auf deinen Brief an Meinen Schreiber, das Jahr hat bei dir mit einem guten Vorsatze geendet, – fange das neue mit – diesem Vorsatz entsprechenden Taten an und du wirst die Stimme und die Hand deines dich stets segnend begleitenden Vaters auch in diesem Jahre nie missen, sondern sogar oft deutlich verspüren!
Amen.

Als Anhang hierzu die 3 Verse aus der Haushaltung I. Kap. 56, Vers 32–35.

32. (spricht Henoch): „O lieben Väter! sehet, uns selbst hat der Herr eben hier ein gar großes Denkmal gesetzt:
33. „Wir sind diese Grotte – in unserem irdischen Dasein, mit einem Eingange vom Abende und einem Ausgange gegen den ewigen Morgen; in der Mitte sind wir, wie wir sind in des Lebens Fülle und treten vom Abende her als Kinder in die Gnade und Erbarmung und sehen da Nichts, als nur den Mittelpunkt des Lebens vor uns, ohne zu bedenken, dass diese Lebensgrotte nicht geschlossen ist, sondern uns allen gar wohl einen entgegengesetzten Ausgang gen Morgen stets offen hält. –
34. O liebe Väter, ein einfach Licht ist auch das holdselige Flämmchen der ewigen Liebe; unsere Sehe der Seele ist diese erhabene Kuppe; diese Quelle ist gleich unserem Geiste, der beständig zum Lichte emporstrebt, aber beständig zurückgewiesen wird mit der Lehre:
35. Was strebst du Ohnmächtiger empor; da ist kein Weg für dich; sondern bleibe oder kehre in das goldene Becken deiner demütig gehorsamen Liebe zurück; beschaue dich da in der prüfenden Täuschung deines Seelenlichtes und sei allezeit bereit, dem Zuge des Bächleins gen Morgen zu folgen; da erst werden dich mächtige Strahlen der Gnadensonne ergreifen und werden dich aufziehen als Feuerwölkchen in vollster Freiheit deines Lebens dahin, woher du gekommen bist!“ –
Amen!

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