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Guttun, ohne Vorwürfe für getanes Unrecht zu machen


(Liebevolle Verheißung der Sündenvergebung, wenn sie Buße tun, und wie gute Menschen leben wollten. Guter Wille der Geister, Buße zu tun. Bewirtung der Geister, ohne Vorwürfe zu machen für getanes Böse. Freude und Staunen über das wunderbare Mehren der Nahrungsmittel. Neugierde, wer der junge Anführer ist, der, wie einst Jesus, die Nahrungsmittel vermehrte. Übertritt der Geister zur Gesellschaft)

 
In diesem wüsten Geschrei hob Ich die Hand auf und gab das Zeichen zum Schweigen und sagte: »Die Sünden, die ihr vorbrachtet, sind wohl groß, aber sie können getilgt werden, wenn ihr Mir folgen wollet, und so rate Ich euch, daß ihr die Rede, die Mein Bruder früher an euch hielt, beherziget und annehmet. Ihr solltet aus, bösen Teufeln gute, Buße tuende und Liebe verbreitende Menschen werden, wie wir, dann wird euch der Vater im Himmel alle Sünden verzeihen und aus der Hölle erlösen, in welcher ihr schon Jahrhunderte stecket und euch nicht zu helfen wisset.« 

Wie ein Blitzstrahl ging diese Verheißung durch die Menge und sogleich erhoben sich einige aus dem Volke und sagten: »Wir sind gewillt, alles zu tun, nur bewahret uns vor den Höllenflammen, die dort aus dem Inneren der Erde hervorlodern, denn die sind entsetzlich anzuschauen, und wir tun das Äußerste, was ihr von uns verlanget, damit wir nicht unseren wohlverdienten Lohn für die begangene Lieblosigkeit gegen euch empfangen.«

Sobald die Sprecher aufhörten, schloß sich die große Höllenkluft wieder und es war nichts mehr davon zu sehen, worauf die Menge in laute Freudenrufe ausbrach und hoffnungsvoll auf mich schaute. Ich aber sagte zu der Menge: »Ihr seid hungrig und daher wollet ihr erst etwas einnehmen, bevor wir weiter verhandeln.« Und zu der Gesellschaft gekehrt: »Machet euch auf, jetzt ist die Gelegenheit, das Böse mit dem Guten zu vergelten und seid also liebevoll und ohne Vorwürfe; denn wer mit Vorwürfen Gutes tut, der hat keine Verdienste dabei, weil er seine Nächstenliebe vorwirft und damit prahlt, daß er Gutes für Böses tut!« 

Sogleich machten alle ihre Säcke auf, auch die Mohammedaner zogen ihre Überbleibsel hervor, und legten sie hin zum Segnen. Ich aber beschied die Engel, auch Wein zu holen, damit die Kräftigung in der Liebe eine größere würde. Sobald der Auftrag erteilt ward, verschwanden die Engel und kamen im nächsten Augenblick in vermehrter Anzahl und voll beladen mit Wein zurück, welchen sie zu den Speisen stellten und wieder abtraten. Ich aber hob Meine Hände empor, streckte sie über die Nahrungsmittel und segnete sie.

Darauf wandte Ich Mich zu der Menge der bösen Geister und sagte ihnen, sie sollen sich in Reihen niedersetzen, damit man sie bewirten könne. Und sogleich setzten sich alle nieder. Und nun sagte Ich zu der Gesellschaft: »Nehmet eure gesegneten Vorräte und verteilt sie; die Jünglinge aber werden den Wein verteilen.« Als die Mohammedaner wieder ihre kleinen Vorräte in die Hand nehmen wollten, sahen sie, daß sie so groß waren, wie die der übrigen Brüder und freuten sich, daß auch sie soviel Gutes tun konnten, wie die Brüder, die schon weiter vorgeschritten waren als sie.

Sogleich machten sich alle auf und gingen freudigen Herzens zur Verteilung. Als die große Menge die kleine Zahl der Verteiler und der Vorräte sah, ward sie traurig; denn es schien ihr, daß die meisten gar nichts bekommen würden. Als sie aber sahen, daß die Vorräte nicht weniger wurden und das Verteilen fleißig vonstatten ging und alle genug bekamen, da freuten sie sich sehr und bewunderten die unerschöpflichen Säcke der Verteiler, sowie die Gefäße mit Wein, welche fort und fort neuen Wein gaben.

Aber noch größer war die Verwunderung, als sie die Güte der Speisen und des Weines verkosteten, was sie nicht genug loben konnten, da sie noch nie etwas so Gutes gekostet zu haben meinten. Als alle beteilet waren, setzten sich auch die Verteiler nieder und aßen und tranken von dem übrig gebliebenen Vorrat des zu Verteilenden. Während des Essens und Trinkens wurde fleißig gesprochen und so fragten die bösen Geister die Verteiler, wer ihr Anführer sei und wie er heiße, da er so mächtig zu sein scheine; denn sein Segnen der Speisen und des Weines erscheine wie ein Wunder, das einst Jesus gewirkt hat, als er die fünftausend Zuhörer mit fünf Broten und zwei Fischen speiste.

Es ist hier wohl viel mehr Vorrat gewesen, da ein jeder von euch einen Sack davon hatte, aber fünftausend oder unsere Riesenmenge erscheint vergleichsweise wieder so, wie fünf Brote und zwei Fische zu fünftausend Beteilten. Wir sehen da ein Wunder und daher möchten wir etwas Näheres über euren jungen Anführer erfahren.

Die Verteiler aber wußten nichts Positives auszusagen, als daß er ein hoher Geist sei, dem selige Geister, diese Jünglinge und andere gehorchen und dienen, und sagten: »Um das haben wir uns speziell nicht gekümmert, sondern wir tun bloß das, was er sagt, und das ist gut, weil ein sichtbarer Segen auf allem liegt, was er uns zu tun heißt. Und wir tun es gern, weil er mit uns so lieb und freundlich umgeht. Tuet auch ihr so und es wird gut für euch. Denn wir sind überzeugt, daß er auch euch in unsere Gesellschaft aufnehmen wird, wenn ihr ihm folgen werdet, und tun, was er euch sagen wird, denn er ist gut und edel, und daher zu lieben und gern zu haben.« 

Mit dieser Aufklärung waren die Geister beruhigt und sagten: »Es ist gut, daß wir wissen, daß er nur Gutes mit uns vorhat und daher wollen wir alles tun, was uns möglich ist, denn bösen Geistern kostet es mehr Mühe wie euch, Gutes zu tun, aber wir fühlen in uns die Kraft, es doch tun zu können.« Unter solchen und ähnlichen Gesprächen wurde die Mahlzeit eingenommen, und als sich alle gesättigt hatten, ersahen sie, daß ihnen noch für eine zweite Mahlzeit übrig blieb. Nur der Wein wurde, ganz, ohne daß etwas übrig blieb, getrunken. Das aber auch aus wohlweißlichen Rücksichten.

Während dieser Mahlzeit verschwanden die die Menge umgebenden Friedensgeister, wodurch die bösen Geister sich frei entscheiden konnten, was sie tun wollten. Ich hielt nun eine Ansprache an sie und gab ihnen bekannt, daß Ich ihnen die Freiheit gebe damit sie sich ganz frei entscheiden können, ob sie in ihren Höllenzuständen verbleiben oder bei uns bleiben und alle Wohltaten eines Gott gefälligen Lebens genießen wollen. Ohne sich viel zu überlegen, antworteten sie Mir: »Die Hölle haben wir lange genug gekostet und haben sie mehr als satt. Daher, lieber junger Mann, nimm uns auf in deine Gesellschaft und gib uns deine Wünsche kund und wir wollen sie erfüllen, soweit es uns möglich ist.«

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