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38. Das Niedersteigen des Apostels Petrus

(Die Priester verlangen als Beweis den Apostel Petrus, und dieser kommt herunter zu ihrer größten Verlegenheit. Verwandlung Petri von Jüngling in Greis, worauf sie ihn einen Schwindler und Zauberer nennen. Petrus verschwindet wieder. Übertritt eines alten Priesters zur Gesellschaft aus Liebe zum Anführer (Vater), und diesem schließt sich die ganze Gemeinde außer den jungen Priestern an. Abreise, Lagern der Gesellschaft und Mahlzeitessen. Die Engel singen das Loblied dafür. Daran erkennen sie die streitenden Priester als Engel und bereuen ihr früheres Betragen gegen den Anführer.)

Diese Antwort brachte den jungen Priester ein wenig in Harnisch, und er wusste nicht, was er anfangen sollte. Daher wandte er sich an seine Amtskollegen und fragte sie um ihren Rat, was er tun solle.

Diese aber meinten: „Glück auf! Hier lässt sich entweder viel erleben und erfahren, oder der junge Mann fällt durch. Weißt du was, sage Ihm, Er soll den heiligen Petrus herunterrufen, denn ich glaube nicht, dass dies möglich ist. Denn der heilige Petrus muss himmlisch-herrlich und sehr mächtig sein. Daher stelle Ihn nur auf diese Probe und du wirst sehen, wie er kläglich durchfallen wird. Er sieht zwar außerordentlich schön aus, aber sonst ist er doch nur ein Mensch wie die anderen. Daher ist er nicht viel mächtiger als diese.“

Der junge Priester wandte sich zu Mir und sagte: „Freund! Da Du vorgibst, ein gar mächtiger, somit hoher Geist zu sein, so haben wir beschlossen Dich zu bitten, Du möchtest uns den heiligen Petrus herunterrufen, damit wir hören, was dieser zu Deinen Aufklärungen sagt.“

Ich aber erwiderte ihm: „Du hast dir den besten Mann erwählt, also geschehe nach eurem Wunsche.“

In diesem Moment erglänzte das Firmament, als wäre eine glühende Sonne aufgetaucht, und da bewegte sich eine Menschengestalt langsam herunter und je näher sie kam, desto lichter war die Gegend erleuchtet.

Endlich kam Petrus herunter, verbeugte sich tief vor Mir, zog sein blendendes Licht, das aus seinem Körper ausströmte, ein und fragte Mich ehrfurchtsvoll: „Herr, was ist Dein heiliger Wille?“

Ich aber zeigte auf die Priester und sagte: „Petrus, gehe hin und stehe diesen Ungläubigen Rede, was sie von dir haben wollen.“

Sogleich wandte sich Petrus an die Priester und fragte sie: „Liebe Brüder! Was ist denn euer so besonderer Wunsch, dass ihr mich rufen ließet?“

Diese aber waren im ersten Moment in einer solchen Verlegenheit und so stark erschrocken, dass keiner einen Laut von sich geben konnte.

Als aber Petrus recht freundlich zu ihnen trat und sie seine junge Gestalt und Physiognomie betrachteten, fingen sie sogleich an zu zweifeln und sagten: „Petrus war ein sehr alter Mann, du bist aber ein junger Mann. Wie könnten wir dir glauben, dass du der alte Greis Petrus bist? Und daher sind uns deine Aussagen nicht glaubwürdig.“

Petrus sagte darauf: „Wohl bin ich jung und schön, aber das ist kein Zeichen der Täuschung, sondern meines fortgeschrittenen Seelenzustandes. Gut, ihr wollt den alten Petrus haben. Da steht er, wie er lebte und leibte.“

In diesem Moment stand ein Greis von über 70 Jahren in altjüdischem Anzuge vor ihnen. Verdutzt sahen die Priester diese Verwandlung an und meinten: „Das ist eine Zauberei, du bist ein Gaukler und nicht Petrus. Denn Petrus war Bischof, du schaust aber wie ein gemeiner Jude aus, und mit Juden wollen wir nichts zu tun haben. Fahr ab von uns, du Schwindler!“ Und Petrus verschwand in diesem Augenblick aus ihren Augen.

Nun wandte Ich Mich an sie und sagte: „O ihr ungläubigen und verstockten Sünder! Wer kann mit euch fertig werden?“

Als Ich dieses aussprach, erhob sich der erste Priester, der mit Mir sprach und sagte: „Freund! Nimm mich an! Ich möchte bei Dir sein, denn mein Herz zieht mich zu Dir, dass ich es nicht länger hier aushalten kann. Ich sah und hörte alles und sage nichts anderes: Wo so viele liebreiche Aufnahme gefunden haben, wird auch für mich noch ein Plätzchen sein. Daher, lieber Freund, nimm mich an! Denn mein Herz sieht nur Dich.“

Ich erwiderte ihm: „Lieber Freund, dein Wunsch ist erfüllt. Frage aber auch deine Gemeindeangehörigen, ob sie nicht Willens sind, mit uns fort in eine schöne Zukunft zu ziehen.“

Sofort wandte sich der alte Priester und sagte: „Der so liebreiche, mächtige und weise Anführer dieser Riesenmenge des Volkes fragt euch, ob ihr auch gesonnen seid, mit Ihm weiter aus dieser wüsten Gegend zu ziehen, wo euch eine schöne Zukunft entgegenstrahlt.
Ich für meine Person bin der Seinige, denn ich ersah aus seinen Reden und Aufklärungen und aus Seiner Vornehmheit, dass sich selbst der Petrus so tief und ehrfurchtsvoll vor Ihm verbeugte und Ihn seinen Herrn nannte, dass hier etwas Besonderes sein muss. Auch ist mein Herz, ich sage es euch offen, so stark für Ihn eingenommen, dass ich nicht mehr von Ihm fortgehe.
Wer mit mir die gleiche Gesinnung hat, der komme mit; denn ich sehe, dass die ganze Gesellschaft anfängt, sich vorwärts zu bewegen.“

Auf diese Ansprache erhoben sich alle und gingen ihrem alten Priester nach. Die jungen Priester aber standen da wie angenagelt und wussten nicht, was sie tun sollten, da die ganze Gemeinde sie verlassen hatte und Mir nachzog, – dem nachzog, den zu beleidigen sie bisher getrachtet hatten. Was sollten sie jetzt allein in der wüsten Gemeinde machen? Nun war guter Rat teuer und lieb, aber nicht zu bekommen. Daher beschlossen sie, nachzugehen und zu spähen, was es da geben würde, und was wir machen und wohin wir gehen würden.

Wir gingen eine kleine Stunde außerhalb des Ortes und da ließ Ich lagern. Darauf trat Ich zu der neuen Truppe, an deren Spitze der alte Priester stand und sagte: „Lieber Freund Markus, deine Liebe zu Mir ist ein entscheidendes Unterpfand, dass du ein echter Hirte dieser deiner Gemeinde wirst. Deshalb bleibst du bei ihr im Sinne der wahren Jesuslehre. Meine Diener werden euch belehren, was zu glauben, wie zu leben und zu handeln ist. Jetzt aber wollen wir unsere Mahlzeit halten, daher setzet euch alle nieder, denn es wird sogleich verteilt werden.“

Nach diesen Worten drehte Ich Mich um und auf einen Wink traten die schönen Engel ehrfurchtsvoll vor Mich, verbeugten sich tief und warteten still Meines Befehles, worauf Ich ihnen auftrug, Brot und Wein für alle zu bringen.

In diesem Moment verschwanden die Engel, worüber sich Markus und seine Gemeinde stark verwunderten und Mich still betrachteten, ohne etwas zu sagen. Nach einigen Minuten fing die Gesellschaft an, einen Weg für die schwer beladenen Engel zu Mir zu bahnen, welche Brot und Wein vor Mich in großen Haufen niederlegten.

Nun hob Ich Meine Hände auf, streckte sie über die Mahlzeit, segnete sie und ließ sie verteilen, was in einigen Minuten beendet war. Darauf ließ Ich die Engel das Loblied singen, was die neue Gemeinde in höchste Überraschung versetzte, da diese Stimmen für ihre Nerven zu durchdringend waren. Darauf ließ Ich die Mahlzeit einnehmen.

Die betrogenen, verstockten Priester krochen wie die Diebe hinter die Gemeinde, bedauerten ihren Widerstand, als sie die Engel singen hörten und sagten: „Ach wir Esel und Ochsen mit unserer römischen Weisheit, da habt ihr es. Das sind ja Engel, denn ihre Stimmen sind übermenschlich schön, und so ist auch ihre Gestalt. Und wir gehen mit dem Herrn und Anführer streiten und behandeln Ihn gemein! Wer weiß, wer er ist? Trachten wir doch, etwas von der Mahlzeit zu bekommen, um zu wissen, was diese Leute essen.“

Und so gingen sie recht verstohlen in die hintersten Reihen und fragten, ob Brot und Wein gut sei. „Himmlisch gut“, erwiderten die Befragten und sagten: „Na, jetzt steht ihr wie die Ochsen am Berge und wisset euch nicht zu helfen. So lange aber Zeit war, habt ihr euch mit Füßen und Händen gegen die Wahrheit gesträubt und euch Gemeinheiten gegen den Führer erlaubt.
Gehet hin und bearbeitet statt uns die Erde, es steht euch frei, denn wir kehren nicht zurück. Uns scheint, wir sind schon halbwegs im Himmel, denn der wunderherrliche Gesang und diese himmlischgute Mahlzeit übersteigt alles Denkbare und bisher Erlebte.“

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