(Ein Bedenken aus dem Evangelisten Matthäus. Des Anführers gründliche Aufklärung darüber. Alle Judenpriester erklären, die echte Christuslehre anzunehmen, weil ohne Zeremonien. Die Liebe als das alleinige Glaubensgebot. Die Juden möchten auch im Himmel Handel treiben.)
Nun traten die Juden zusammen und besprachen sich darüber, was sie tun sollten. Da sagte der zweifelnde Rabbiner zu ihnen: „Wartet ein wenig, ich habe noch einen Zweifel, und dieser lässt mir keine Ruhe. Daher will ich mir noch die letzte Aufklärung holen.“
Nach diesen Worten trat er vor und sagte: „Höre, lieber Freund! Ich habe noch einige Zweifel, deshalb komme ich zu Dir um Aufklärung, und diese sind: Maria war die Frau des Joseph. Dann heißt es, dass Jesus der erste Sohn Mariens war. Und drittens werden vier Brüder und Schwestern Jesu genannt. Lieber Freund, wie erklärst Du uns das?“
Ich antwortete ihnen: „Der Wahrheit gemäß verhält sich das wie folgt: Als Maria empfangen hatte, war sie 14 Jahre alt. Um die Schande zu vertuschen, als man ihre Schwangerschaft entdeckte, und weil sie durch Gottesfügung das ,verfluchte Wasser’ beide ohne Schaden getrunken, welches ihnen der Tempel als Prüfung der Wahrheit zu trinken gab, dass sie keine fleischliche Berührung begangen, hat sie der Priester im Geheimen ehelich verbunden. Aber Joseph war damals nahezu 70 Jahre alt, Witwer und Vater von fünf Söhnen aus erster Ehe. Joel, der älteste, dann Joses, Simon, Juda und Jakob.
Die bei Markus genannten Schwestern waren keine Kinder Josephs und Marias, sondern Verwandte, die im Hause Josephs wie eigene Kinder gehalten wurden und daher nannte man sie Schwestern. Joseph war zu alt und zu gottesfürchtig, dass er sich getraut hätte, Maria anzurühren, als er wusste, dass sie die auserwählte Gebärerin des Messias war. Die mangelhafte Erwähnung des Evangelisten (Matth. 1,25 ), dass Jesus Mariens erster Sohn war, ist so zu verstehen und nicht anders. Siehst du, das ist das ganze Geheimnis.“
Als der Rabbiner dieses zu seiner Befriedigung erfuhr, dankte er Mir, ging zurück und sagte: „Nun bin ich über alles im Klaren. Daher bin ich einverstanden, zur Gesellschaft zu stoßen und Jesu Religion anzunehmen, da ich ersehen habe, dass Jesus wahrhaft der Messias und somit Jehova Selber war.“
Die anderen Priester sagten: „Auch wir sind dieser Überzeugung und haben schon längst eingesehen, wer der Messias war. Aber es war uns, wie dir, noch nicht alles klar. Daher hielten wir inne; dann waren wir jüdische Priester und mit dem römischen Zeremoniell nicht einverstanden. Hier scheint es uns, dass das Priestertum keine Macht hat, denn der Anführer ist sicher der oberste Herr und Priester hier, das verrät Seine gründliche Kenntnis der Heiligen Schrift und Seine richtige Aufklärung derselben, und siehe, Er hat nichts Priesterliches an Sich, und daher bin ich der Meinung, dass wir davon enthoben sind, Priesterzeremonien zu lernen und auszuüben.“
Als dieser Redner im Namen aller seine Rede beendet hatte, trat Ich hinzu und sagte: „Du hast das Wahre erraten. Hier gibt es kein Priestertum und keine Zeremonien im irdischen Sinne, sondern hier ist die Liebe das größte und alleinige Gebot, aus dieser entwickelt sich alles. Daher sage Ich: Trachtet nun auch, eure Gemeinde mit euch eines Sinnes zu stimmen, und dann werden Meine Diener euch in allem gründlich unterrichten, was ihr zu glauben und wie ihr vorzugehen habt, um dem Gebote der Liebe zu entsprechen.“
Sogleich machten sich nun die Priester daran, wegen des Übertrittes mit ihren Gläubigen zu besprechen, und sprachen ihnen recht eindringlich und überzeugend zu. Diese aber meinten: „Es ist alles recht und gut und wir glauben euch, denn ihr kennet doch genau die Heilige Schrift. Aber saget uns, warum fraget ihr nicht nach, was wir in Zukunft zu tun haben werden? Ohne Geschäfte, ohne Handeln und Verkaufen ist doch kein Leben, wir sind das von Jugend auf gewohnt und so ist es uns recht schwer, etwas anderes zu tun als Handel zu treiben.“
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