457. – 30. Mai 1885 Vom verlornen Sohne (Luk. 51.) Vertrauen
Liebe Kinder!
In diesem Gleichnisse „vom verlorenen Sohne“ ist Meine große Liebe und Barmherzigkeit bezeichnet; denn es heißt (V. 20): „Und er machte sich auf und ging zum Vater; da er aber noch ferne war von dannen, sah ihn sein Vater, und jammerte ihn, lief und fiel ihm um den Hals und küsste ihn.“ So in gleicher Weise ergeht es Meinem Vaterherzen, wenn eine Seele anfängt zu erkennen, welch viele Liebe sie dadurch verschmäht hat, weil sie sich von Mir abwendete, und mehr dem (egoistischen) Verstande als Mir Folge leistete, indem sie sprach: „Gib mir, Vater, das Teil meiner Güter, das mir gehört.“
Durch diesen Trotz und verkehrten Standpunkt einer Seele, wo sie alle Gnade misskennt, und sich auf ihren eigenen Willen beruft, der frei handeln darf, bin Ich genötigt, von derselben Meinen Einfluss zurückzuziehen, dass sie ihre Ohnmacht und Armut erkennen lernt, was dann ein Anfang zu ihrer Umkehr ist, und weil Mein Vater-Auge stets jede Seele beobachtet, so drängt Mich Meine Liebe, solche Seelen dieselbe wiederum stark fühlen zu lassen, weil Meine Freude groß ist, wenn abermals eine Seele gerettet wird. Der Sohn sprach: „Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen!“
In solch bußfertigen Seelen ist das Vertrauen zu Mir durch die einwirkende Gnade bewahrt geblieben, und dadurch der Mut zum Umkehren erhalten worden. Wie es aber der einzelnen Seele ergeht, dass ihr die Möglichkeit wieder heimzukehren ins Vaterhaus bewahrt bleibt, so ist es auch mit der Gesamtzahl! Es ist ein stilles Einwirken des h. Geistes an allen Orten, oft bei einzelnen Personen mehr erkennbar; oft aber auch gleicht dasselbe dem Wachstum in der Natur, das stets statt findet, ohne dass die Menschen die Zeit oder das Schaffen herausfinden können, und doch ist der Fortschritt durch sichtbare Beweise zu erkennen.
Ebenso geht es auf dem geistigen Gebiete; immer wieder wird die Erfahrung gemacht, dass der Geist Gottes nicht aufhört, an der Erziehung und Veredlung der Seelen zu arbeiten, jede Zeit legt Zeugnis davon ab, wie stets die Wahrheit in den Herzen Einzelner bewahrt bleibt, um durch sie die Annäherung zu Mir bei noch vie3len Andern herbeizuführen; denn der Glaube an Meine Liebe und Barmherzigkeit blieb in allen Zeiten und an gar manchen Herzen nie ganz erloschen, wenn auch die Übermacht des Unglaubens groß ist. Diese Zeit des Unglaubens gleicht einer Teuerung im Lande, wobei die Seele hungert nach Etwas, das ihren Drang befriedigen soll, welches Drängen ein stilles Heimweh nach dem ewigen Vaterhause ist, oder wo die Seele ihrem göttlichen Ursprunge gemäß befriedigt werden will.
Dieses stille Heimweh wird durch Meinen Gnadenzug bewirkt, und wenn die Seele denselben richtig erkennt, und nun Willens wird, Meine Lehre, Meine Gnade und Hilfe zu ergreifen, was sie durchs Gebet kund gibt, so eile Ich derselben mit voller Vaterliebe entgegen, und führe sie mit Freuden wiederum ein, wo sie vollen Gebrauch von ihren Kindesrechten wiederum machen darf. Ebenso ist auch der ganzen Menschheit das Recht bewahrt, zu Mir zu kommen, Ich rechne ihre Vergehungen nicht an, sondern warte mit aller Vaterliebe auf ihre Umkehr zu Mir, was zwar viele Langmut erfordert; aber doch einmal geschehen wird.
Amen! Euer Vater.
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