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Zum Pfingstfest – von der Gnade

456. – 24. Mai 1885  Zum Pfingstfest – von der Gnade

„Und es soll geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, Ich will ausgießen von Meinem Geist auf alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter sollen weissagen, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen, und eure Ältesten sollen Träume haben. „Und auf Meine Knechte und auf Meine Mägde will Ich in denselben Tagen von Meinem Geiste ausgießen, und sie sollen weissagen!“    Apostelgesch. 2, 17. Joel 3, 1.

Liebe Kinder!

Am Pfingstfeste erinnern sich die Christen an die Ausgießung des h. Geistes, welche bei Meinen ersten Jüngern und Aposteln stattfand, wobei ein äußeres Zeichen geschah, indem sie in vielerlei Sprachen gewaltig predigten. Es musste zu derselben Zeit noch auf wunderbare Weise Meine göttliche Macht an Meinen Nachfolgern bestätigt werden, indem der Widerstand gegen die Ausbreitung Meiner Lehre sehr groß war, und darum Meine Apostel vielerlei Verfolgungen ausgesetzt waren, wodurch manche Seelen, welche durch sie für Mich gewonnen wurden, wieder vom Glauben abtrünnig wurden; somit war es sehr nötig, auch äußerlich Meine Macht zu beweisen; daher Ich denselben  eine große Wundermacht verlieh; aber diese Macht sollte an Meinen Jüngern immer mehr sich im Geistigen durch einen liebetätigen Glauben beweisen; denn die größte Kraft, welche Ich Meinen Nachfolgern geben will, sind die geistigen Gaben Meines h. Geistes, auf dass die Menschen dieselben sich immer mehr aneignen, und dadurch Mein Ebenbild in sich herstellen, welches das höchste Ziel ihrer Bestimmung ist, damit also die Erde gleichfalls zu einem Himmel (Friedensreich) umgestaltet werde.

Beim Anblick der jetzigen Christenheit und ihrer Versunkenheit findet die Mehrzahl es unmöglich, dass solches geschehen kann, und gar Wenige denken darüber nach, ob die Kraft des h. Geistes überhaupt stets noch unter den Menschen fortwirke, und ob dieses auch bei der einzelnen Seele in erhöhtem Maße der Fall sein könne? somit hört das Streben, sich nach Meinem Ebenbilde zu veredeln, bei der Mehrzahl auf, denn die meisten Menschen sind taub geworden gegen ihre innere Stimme, welche sie dazu antreiben will, und daher verscherzen solche geistig Taubgewordene das höchste Gut – die Gnade, welche sie eigentlich erst zu Menschen macht, und sie über da Tier erhebt!

Wie weit der Verfall der Christen in der Jetztzeit geht, können Solche, welche sich noch der Gnade rühmen können, wohl ermessen, und ihnen wird der Geist der Wahrheit in erhöhtem Maße zukommen, so sie darum bitten; darum schon die Propheten auf diese Zeit weissagten:
„Und es soll geschehen in den letzten Tagen“ – das heißt – wenn die Mehrzahl der Menschen aufhört Menschen zu sein, weil sie da mehr den Tieren gleichen, mit ihren sinnlichen Genüssen, wo alles geistige Streben unterbleibt, dann ist das Ende nahe, oder die Auflösung ist gekommen für Viele, die nicht mehr das besitzen von ihrer göttlichen Ausstattung, was ihnen der Geist der Gnade zu ihrer Vervollkommnung und zur Erreichung der Seligkeit verliehen hat. In solcher Zeit werde Ich abermals ausgießen Meinen Geist über alles Fleisch, und eure Söhne und Töchter sollen weissagen, oder: es wird abermals durch Meine Gnade ein großes Pfingsten bei den Menschen stattfinden; denn Ich werde Allen nachgehen.

Wohl Denen, welche dieses Anerbieten der Gnade in solch trauriger Zeit erkennen, und dieselbe zu ihrem ewigen Gewinn ergreifen, Ich werde sie Selbst lehren, auf dass sie Zeugen werden von Meiner erbarmenden Liebe, und gleichwie Ich einst durch Meine Apostel in wunderbarer Weise auf die Herzen einwirken ließ, also wird es abermals geschehen; doch je mehr Meine Jünger in der Liebe und im Glauben an Mich erstarkt sind, desto weniger ist es nötig durch Wunder sie zu bestärken, wodurch doch mehr nur ein beigegebener Glauben erzielt wird, welcher vor Mir keinen so hohen Wert hat, als ein errungener Glaube, der stark geworden ist durch allerlei Trübsal, bei welcher die Liebe und das Vertrauen zu Mir immer mehr zulegen, und die Seele im Verkehr mit Mir sich eine wahre Erkenntnis Meines Wesens erwirbt, dasselbe hoch achtet, und Meinem Ebenbilde nachstrebt. 

Amen! Euer Vater Jesus.

Nr. 15, Vaterbriefe, 8. Heft.

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