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15. Mai 1881
Markus 15, 34 – 1. Mose 6
Liebe Kinder!
Ich will euch heute die Worte vorführen, welche Ich einst vor Meinem letzten Atemzuge aussprach, sie lauten:
"Mein Gott, Mein Gott, warum hast Du Mich verlassen!"
Prüfet dieselben ganz nach eurem eigenen Standpunkte, wenn ihr dieselben aussprechen würdet; denn auch ihr seid Kinder Gottes dem Geiste nach.
Es liegt in diesen Worten ein wichtiger Sinn für euch; denn es ist ein Bekenntnis, daß ihr mit Gott vereint leben wollet; aber in diesem Augenblick, wo ihr ein Verlassensein fühlet, zieht sich das Göttliche zurück, und wenn dieses geschieht und die Seele sich allein fühlt, so erkennt sie ihre große Schwachheit, die nur durch die Vereinigung mit dem Geiste gehoben werden kann; alsdann ringt sie wieder danach, und dieses ist die Entscheidung – ganz auf Meine Seite zu treten; es ist das Urteil ( oder Schicksal), das sie sich ausspricht, wodurch ihr Wohl begründet wird.
So mußte auch Ich als Mensch noch den Übergang wieder in das rein Göttliche machen; Ich fühlte das Zurückziehen der Gottheit in Meinem Menschlichen, und ergriff dieselbe durch das Flehen zur ewigen Liebe; die Liebe siegte bei Mir, dadurch, daß Ich all Meinen Feinden den großen Schmerz vergab, den sie Mir durch ihren großen Spott und die Qualen, die Ich leiden mußte, zufügten.
Welch großer Kampf dieses war, könnet ihr nicht begreifen; aber denket euch: Ich, die Liebe Selbst, so gut gegen Meine Feinde, wie gegen Meine Jünger, und im Gegensatz den vollen Überblick der Tücke, Rache und des menschlichen Verderbens vor Mir!
So mußte Ich von ihnen scheiden, und Mein irdisches Tagwerk aufgeben, welches doch so Großes und so Gutes den Menschen bereiten sollte, ohne jeden Erfolg bei den Meisten der Menge, die Mich umgaben. Lauter Ungestalten (monstra), statt Menschen und Geschöpfe von Meiner Hand sah Ich da im Geiste um Mich her; und also rief Ich im tiefsten Schmerze: "Warum hast Du Mich verlassen, Mein Gott!" d.h. Ich bereuete in diesem Momente, daß Ich nicht bei Meiner Gottheit stehen geblieben war, sondern diese in Vaterliebe verwandelte, und dadurch so viele Kämpfe Mir zuzog.
Sehet, dieses Gefühl war das allerschwerste für Mich, so daß der ganze Himmel und das ganze Universum trauerte, und die Hölle schon anfing zu triumphieren, aber zu früh! denn Meine Liebe siegte und konnte mit Freuden ausrufen:
"Es ist vollbracht!" Es ist der große Bund besiegelt, der die Gottes- und Vaterliebe verbindet, und Keines von Meinen Erdenkindern kann nun verloren gehen, sondern alle müssen gerettet werden; ob hier oder dort, die Arbeit an denselben wird nie aufhören, und alle Seligkeit Meiner Engel besteht in dem Einen, dieselben retten zu helfen.
Und nun, liebe Kinder, sage Ich euch, auch ihr dürfet mitarbeiten; euch will Ich Mich immer mehr zeigen in Meinem Wesen; zaget also nicht, wenn euch bange wird, und ihr euch verlassen fühlet, sondern rufet laut (wie Ich einst), und die Entscheidung für Mich soll dadurch auch euch gelingen.
In der Jetztzeit möchte Ich auch wieder so ausrufen (1. Mose 6): "Es reuet Mich , daß Ich Menschen schuf"; denn auch jetzt sind die Zerrbilder in großer Überzahl ; aber Meine Vaterliebe zieht Mich abermals auf die Erde hinunter, um zu retten, was sich noch auf derselben retten lassen will.
Darum gieße Ich nun an allen Orten Meinen Geist reichlich aus, (wo herzlich danach verlangt wird), und werde noch vielen in die Feder diktieren; denn es ist von großem Werte für die Seelen, wenn sie schon im irdischen Leben die Vereinigung mit dem heiligen göttlichen Geiste anstreben, weil ihr freier Wille da noch das Organ hat, sich in der Tat zu bekunden (im Leibesleben).
Wohl den Menschen, die, statt diesen Vorteil hintanzusetzen, denselben Mir dankbar gebrauchen.
So bedenket, was es heißt, einen Gott entweder zu erfreuen oder Ihn zu betrüben, Der Sich Selbst gegeben hat für alle zur Erlösung!
Amen. Euer Vater.
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