Gleiche Liebe für alle Kinder. Unterschiedsgrade von Erkenntnissen und deren Ausleben. Loslösung und Erlösung — Erde und Jenseits
Im weiten Halbkreis stehen ein großer Teil der Ersten mit Karmatha vor dem Herrn. Die Enden ihres Bogens erreichen rechts und links den heiligen Stuhl. In Ehrfurcht, flammende Liebe im Herzen, schauen sie in das erhabene Angesicht. Ein Wehen, sanft und brausend, macht die Stille im Raum lebendig. Auch jetzt — wie oft — spüren alle Kinder: Gott spricht zu ihnen ohne Worte! Nur Karmatha kann das noch nicht ganz fassen; allein, beseligt nimmt er die Kostbarkeit der hehren Stille in sich auf. Nun spricht der Herr:
„Kinder, ihr Geheiligten in Meinem Namen! Liebe strömt über euch hin. Aus Meiner All-Gottheit will der Vater immer zu den Kindern sprechen, ganz gleich, wie sie sich Mir zugewendet haben. Mein Erbarmen brachte ja für alle Lebewesen den Beweis der höchsten Gnade. Zum Heil schaut die Barmherzigkeit über das hinweg, was sonst manche Last bedeuten müßte. Doch auch Mein Vatertum ist von der allheiligen Gottheit eingeschlossen; Ich kann nichts anderes sein, als was Ich urewig bin! Mein ‚Ich-Bin’ läßt sich von keiner Zeit, von keinem Raum umschließen; und es gibt keine Grenze für Meine Wesenheit und Schaffenskraft.
Ich, der Schöpfer, ließ die Werke durch Wille und Ordnung machtvoll werden, und als Priester voll erhabener Kraft walte Ich in Weisheit und im Ernst. In Meiner Gott-Gewalt allgegenwärtig und allwissend, führe Ich in Geduld und Liebe das aus Meinem Schöpfertum Hervorgebrachte und im priesterlichen Amt Gesegnete und kröne es in Meiner Vater-Offenbarung durch die Barmherzigkeit!
Also bin Ich alles in Allem! Zwar offenbare Ich mich nun als Hochpriester Melchisedek, was jedesmal geschieht, wenn ein Kind sich auf den Opferweg begibt, den Ich, der einige Gott, einmal ging für alles Leben! Doch zur Vorbereitung gehört mehrmals ein Segen; nicht, daß er — einmal gegeben — das Kind nicht für immer unter seinem Lichteinfluß zu wahren wüßte, sondern weil das Kind des Opfersegens auf jeder Stufe selig bewußt sein soll, um aus dem Bewußtsein auch von sich aus die Segensverbindung zu erstreben und zu bewahren.
Nun tritt hervor, Karmatha! Scheue dich nicht, in die geöffneten priesterlich-segnenden Hände dich zu begeben, damit Mein Licht über dir zur gerechten Segnung wird.“ Rafael und Zuriel führen Karmatha zum Gnadenstuhl. Selber gehen sie zurück auf ihren Platz, während Karmatha — erschauernd — sich vor der ihm neu erscheinenden Priesterheiligkeit verneigt. Doch er wird emporgehoben und Melchisedek sagt:
„Mein Kind, nun gehe in eine neue Stufe der Vorbereitung und Erkenntnis ein. Was du bisher in den Häusern der Geduld, des Ernstes und der Weisheit errungen hast, geht dir nie verloren; es bleibt dein Eigentum. Stets dachtest du an ‚Mein Vollbracht’ für alle Kinder und wolltest, deiner Reife nach, auch für Mich alles tun. Selbst nach dem Wissen über alle Bitternis des Weges bleibst du deinem Vorsatz treu.
Noch manches Schöpfungsdünkel ist dir zu enthüllen, bis dein Weg gelingen kann. Und in mancher Anfechtung mußt du dich bewähren; denn auch Meine große Geduld und herzliche Barmherzigkeit harren aus. Es ist besser, du lernst das Tiefere im Reich, dann wird dein Erdenweg gekrönt. Schon manches Licht trägst du in dir und hast erkannt, wie nötig Weisheit ist und was sie bringt. Ja, ohne Weisheit wird manches unerreichbar bleiben, obwohl Meine Liebe alle Kinder ewiglich zu segnen weiß, auch wenn sie einen oder den anderen Strahl nicht völlig sich erringen wollen.
Doch welches Kind in freier Wahl Meine UR-Gottwesenheit erfassen und im freien Dienst Mir nützlich werden will, das lernt erkennen, daß das Hochziel nur durch alle sieben Eigenschaften zu erreichen ist. Ausdrücklich merke aber, daß dennoch allen Kindern die gleiche Liebe gilt, die keine Unterschiede kennt! Allein, wer in die vier Herzkammern des Schöpfer-, Priester-, Gott- und Vatertums der UR-Wesenheit soweit als möglich eingedrungen ist, um den siebenfachen Strahl der Krone zu erwerben, der wird Mich wohl noch anders sehen und erleben.
Das aber nicht, weil Ich sie reicher segne, Mich tiefer offenbare, o nein! Erkennet es alle: Ich offenbare Mich stets gleich und zwar gemäß dem Reifengrad der Kinder. Kleinen kann Ich nicht zuerst als Schöpfer kommen, sondern immer nur als Vater. Da aber beide Wesenheiten auch Mein UR-Ich sind, wird den Kleinen ebenfalls ihr vollgerechtes Offenbarungsmaß zuteil. Sind sie durch das Vatertor gegangen, öffnen ihnen sich die übrigen drei Pforten Meiner UR-Gott-Wesenheit. Doch das darf erst dann geschehen, wenn sie in Meinem Vaterherzteil ganz wie zu Hause sind, weil anders sie sonst Schaden nehmen würden.
Bedenkt, daß Meine Ordnungswaltung ein unbedingtes Gleichmaß haben muß! Ich kann — wenn auch dem Ablauf einer Schöpfung angepaßt — nicht willkürlich etwas auf verschiedene Weise gründen; ein Festgesetztes gilt innerhalb des Werkes allen seinen teilen. Mein Schöpferwille brachte aus den sieben Eigenschaften das Werk hervor und gründete es auf die Ordnung. Es haben an der Werkerstehung sowie am weiteren Werden und an der Vollendung auch alle Kinder ihren Anteil, worin ihre Fortentwicklung ruht. Obgleich alles Leben samt Bedingungen im Gesetz genau geregelt sind, werden die Gesetze zufolge der Meinen Kindern zuerteilten Lebensfreiheit doch verschieden zur Auswirkung gelangen.
Erkennet das an Luzifer. Sadhana waren alle Lebensbedingungen zugeeignet; sie trug die sieben Eigenschaften in sich wohlgeordnet. Doch war es ihre Arbeit, sich diese bewußt eigentümlich zu erwerben. Euch Fürsten gab Ich zwar nur je einen Strahl und ihr solltet euch die andern selbst erringen. Doch die Substanz hierfür war vorhanden, weil jede Eigenschaft aus der Einheit Meines UR-Ichs die übrigen in sich birgt. Zufolge der frei angenommenen Bedingungen habt ihr die Lebensgesetze für euch wie für das Werk anerkannt; und das brachte euch die Seligkeit und Herrlichkeit, ein vollkommenes Wesen in der Vollendung, deren ihr euch schon erfreuen dürft.
Sadhana hatte euch mancherlei voraus. Doch berührt das nicht zu Ungunsten die vorerwähnte Gleichheit, weil das Schöpfungs-Kind als Meine Gottes-Fackel dem Liebetag die Krönung bringen sollte. Nun werden die getreuen Kinder die Mit-Vollender dieses Tages und der Feiertag ist ihre Krone. Und es wird sich zeigen, ob Sadhana als Juwel der Krone einzufügen ist.
Die Schöpfungsfreiheitsprobe hat sie nicht bestanden, was aber nicht an den Gesetzen lag, die plötzlich anders geworden wären mit anderen Bedingungen, sondern lediglich an ihrem Willen. Wie sie sich selber ihren Weg über die Freiheit bahnte, so erfüllte sich das zweite Fundament an ihr. Das Resultat ist euch bekannt.
Durch den Fall bedingt gibt es nun zwei Kindergruppen, die vom Licht und von der Finsternis. Beide aber haben gleiche Rechte und Gesetze. In der Materie ist eines Kindes Eingehen in Mich nicht allein maßgebend. Für die Materie gilt Richtung und Lauf, während der Aufbau aus Meinem Schöpfertum fast zugedeckt bleibt, das Ziel hingegen, auch in nachfolgenden Läuterungsperioden, durchaus zu erreichen ist. Was ein Kind während seiner Erdzeit mehr unbewußt tut, wird nicht angerechnet, wenn es sonst sich Mühe gibt und in den mehr geistigen Jenseitssphären zur Einsicht kommt, allen Ernstes seine falsche Richtung ändert und damit seinen Lauf geistig-gesetzmäßig in Ordnung bringt. So ist einem Jeden das Tor zu Meiner innersten Gott-Wesenheit geöffnet, was ja auch das höchste Ziel bedeutet.
Kommt auch ein Lichtkind auf Erden zur denkbar besten Erkenntnis, so läßt sich diese doch nicht immer voll auswirken, weil die naturmäßige Gesetze in gewisser Hinsicht den reingeistigen Gesetzen überlagert sind. Das geschieht wegen mancher der Materie gewährten Freiheit. Luzifer wußte nicht, daß Letztere die Basis zur freien Rückkehr war und seine sich selbst angelegten Fesseln sprengen würde. Ich unterstützte sogar weitgehend die Materiegesetze, gelangt doch dadurch die Gesamtmaterie am ehesten zur Voll-Erlösung, was selbst Sadhana trotz ihrer Umkehr keineswegs ahnt.
Zumal während Meinem Erdenweg blieben die Materiegesetze in der Vorherrschaft; denn sonst bedurfte es eines Willenhauches Meinerseits, um Luzifer vor Golgatha zur Einsicht zu bewegen. Dann aber wäre seine Rückkehr kein Erlösungswerk, was es über Golgatha geworden ist! Etwas aus dem ‚Wunder der Erbarmung’ hätte da gefehlt, nämlich die Unberührbarkeit des im Kinde investierten freien Willensfunkens, der Meinem freiherrlichen Schöpferwillen angeglichen ist! Über Golgatha kommt Mein Wille und Gesetz zur ewigen Verherrlichung und Offenbarung!
Wenn also auf der Erde Erkenntnis und deren Anwendung nicht stets auf gleicher Stufe stehen, so wird dennoch — ohne bewußten Kindeswillen und Rücksicht auf die erdgebundenen Gesetze — die über ihre Auswirkung hinausstrahlende Erkenntnis durch Meinen Aufbauwillen aus Richtung und Lauf das Ziel der nächsten Sphären vorbereiten und grundlegend festigen. Und das ist da weit wichtiger als ein Ausleben, das ja immer nur ein Vor-Weg, ein Stückwerk bleibt. Freilich ist nicht zu vergessen, daß sich die Festigung des Zieles nachweltlicher Sphären nicht ergibt, fehlt auf Erden jegliche Erkenntnis.
Erkenntnis und Tatfestigung in den vom irdischen Verständnis aus genannten jenseitigen Sphären sind hernach die Stufen, die den Weg ins Lichtreich bilden. Deshalb richte Ich ein größeres Augenmerk auf diese jenseitige Erkenntnis- und Tatschule, weil auch die armen Kinder in Meine Wesenheit gelangen sollen, was sie als materiegebundene Wesen auf Erden so gut wie nie erreichen. Ihnen aber soll ja ganz besonders Mein Vaterherzteil geöffnet sein.
Bedächte Ich dabei nur das Resultat des Erdenlebens, da sähe es sogar für manches Lichtkind auf längere Zeit nicht günstig aus, von unseren armen Weltlingen noch ganz zu schweigen. Können diese sich auf Eden nicht einmal mit Meiner Vater-Wesenheit befassen oder nur im kleinen Maße, wie sollten sie hernach ‚begnadigt’ werden, wenn nur mit dem Materieleben ihr Soll und Haben abgerechnet wird?!
Ihr Ersten kennt zur Vollgenüge die beiden Schöpfungsfundamente, auf die sich jegliche Entwicklung stützt. So ebenfalls die Voll-Erlösung! Daher schuf ich beim Fall zwei Plätze, auf denen in gewahrter Freiheit die Gestürzten die Erlösung finden können, nämlich die Erde und die Entwicklungssphären. Auf der Erde erfolgt die Loslösung vom Bann, während in den weitaus meisten Fällen die letztwillige Erlösung durch die Sphärenwanderung geschieht. Ihr wißt, daß diese Sphären stufenweise Meinem Lichtreich näherkommen, dem Lichte angepaßt, während alle Grobmaterie der nur zu einem Zweck geduldete Fremdkörper ist, der den Keim der Auflösung schon bei seinem Werden in sich trug. So kann auch die Erde nur in einem Punkte Hauptfeld sein als Ort der Opferung! Alle Auswirkungen hieraus konzentrieren sich auf Mein Reich und die ihm dienstbar eingeordneten Entwicklungssphären.
In der Loslösung fällt jeder Schein und alles Materielle ab; hingegen festigt die Erlösung jeglichen Gewinn! Durch den Erdenweg wird die heimzutragende Substanz vom Falle losgelöst, beim Durchgang durch die Sphären gereinigt und erlöst zum Wiedergewinn als Meines Reiches unveräußerliches Gut. Im Allgemeinen bleibt es sich gleich, ob sich das auf Lichtkinder oder auf Gefallene bezieht. In beiden Fällen werden alle Spezifika der Materie entnommen, bis zur gewissen jenseitigen Mittelstufe losgelöst, bis auch der kleinste Substanzanteil nicht mehr vom dunklen Magnet Materie angezogen werden kann; dann setzt die magnetische Lichteinwirkung ein, durch die in der Festigung der werdenden Lichtsubstanz die Erlösung vor sich geht. Durch Mein Opfer habe Ich das Gefallene losgekauft, dem früheren Besitzer abgenommen, um daraus wieder eine eigene Wesenheit zu machen, die mit allen ihren Gliedern „Mein heiliges Erlöserwerk“ sein wird, dem nur Mein Reich den rechten Rahmen geben kann!
Ihr Ersten habt das ganz begriffen, denn das geschöpfliche Erkenntnislicht liegt voll in euch. Du aber, Karmatha, begreifst die Tiefe nicht, auch tut es noch nicht Not. Da dir jedoch kein Wort entgangen ist, so trägst du in dir das Enthüllte als lebensvollen Samen. Zur rechten Zeit geht er schon auf und bringt dir gute Früchte. Was aber jetzt lebendig wurde, dem gehe nach; und Meine Ersten sollen mit entscheiden, ob du für einen nächsten Grundlebensstrahl genügend reif geworden bist.“ Beseligt schmiegt Karmatha sich in des Vaters Arme, schaut zu Ihm empor und sagt:
„O heilig-liebevollster Vater! Daß ich dein Lebenswort behielt, ist deine Gnade. Ich will mich bemühen, sie in mein Leben einzuschreiben, damit ich die von Dir vorausgesagte frucht erreichen kann. Mir ist nicht leicht, Deine Barmherzigkeit zu verstehen, die dem Feind des Lichtes wie ohne Maß und Ziel gegeben wird. Müßte nicht Dein Opfer die Materie längst aufgelöst, statt gelöst und erlöst haben?!
O ja, ich weiß, Du willst nur heimbringen, willst nicht strafen, sondern lieben! Sieh, das ist der Sinn, den ich Deinem Gnadenwort entnahm. Denn löstest Du die Materie auf, so könnte auch Dein Liebe-Lichtreich nicht bestehen, weil Deinem Werk dann etwas fehlt. Deinen treuen Kindern ginge ihre UR-Heimat verloren und sie würden selbst mit aufgelöst. Dann könnte kein Kind mehr an Deinem Vaterherzen ruhen und Du könntest keinem Kinde Deine heilig-wahren Lebensworte offenbaren noch ihm Deine Liebe schenken. Die Schöpfung wäre arm; ja — es gäbe gar kein Sein!
Darum will Ich mich erst richtig vorbereiten, damit auch ich ein Teil Deiner Heimbringung, des erlösenden Liebewerkes werde. Das soll mir die Höchste Seligkeit bedeuten! Deshalb spreche ich die Bitte aus: Vater, gib mir von Deiner Kraft, soviel ich tragen kann; führe mich an Deiner Hand, daß ich Deine Wege weiß und gehe. Denn siehe, ich liebe Dich!“ Karmatha schlingt plötzlich seine Arme um des Vaters Hals, birgt sein Haupt selig schluchzend an die große Gnadenbrust, deren Herz alle Schöpfung trägt und wartet mit Ehrfurcht auf ein Wort.
Gott umschießt liebend das Kind, legt ihm Seine Rechte auf das Haupt und gebietet nun den Fürsten, das Amt vorzunehmen. Karmatha wird für reif erachtet, in das Haus des nächsten Grundlebensstrahles einzutreten. Der Herr winkt Michael und Elya herbei, übergibt ihnen Karmatha, segnet sie zu ihrem Amt und entläßt alle aus dem Heiligtum, nachdem sie Seinen priesterlichen Segen empfangen haben.
Doch ehe sie das Heiligtum verlassen, danken die ‚Großen’ mit einer herrlichen Preisanbetung, so daß der gute UR-Vater wieder einmal mitten unter sie tritt, ihnen Seine Hände reicht, sie abermals segnet und liebkost. Danach wandeln Seine Kinder die Wege Seines Lichtes.
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