Bei Gabriel wohnt auch der Ernst. Gottes große Freundlichkeit. Trennung und Einheit der sieben Geister
Der Gottheit großes Bild.
Karmatha empfängt die Weihe. Das gesegnete Ende.
Im wunderbaren hehrsten Glanz öffnet sich das Allerheiligste, in den Kindern — so oft es auch geschieht — ehrfurchtsvolle Demut auslösend. Und immer ist es neue, unvorstellbar hohe Seligkeit, die die Allmacht den Kindgeschöpfen schenkt. — Hinter dem geteilten Vorhang lagert die Wolke als Zeichen, daß Heiligstes geschieht und das stets so eingeleitet wird. Obwohl selbst Licht, entströmen Lichtbäche der Wolke; sie hüllen Raum und Kinder ein, heben sich empor und fallen nieder, bilden ein Gewölbe großer Herrlichkeit und festen auf dem Fundament des Heiligtumes neuen Boden, den die Kinder spüren.
Die Wolke vereinigt Halle und Allerheiligstes. Alles sieht die gesegnete Schar und erfaßt doch nicht den Lichtjubel, der aus dem Schöpferischen sein Wesen treibt. Bewußt erkennen sie, was im Wechsel des Werdens vor sich geht; nicht aber können sie die klare Schau auch im Empfinden schon gestalten. Sie brauchen ihre Zeit! Doch sie nutzen sie. Die Ersten nehmen wahr, was die sie ganz einhüllende und doch vor ihnen lagernde Lichtwolke predigen will; und sie werden wach für alles Neue. Da decken sie es selber mit ihrer Liebe heilig zu, denn — sie warten auf das Wort!!
Karmatha und die jüngeren Lichtengel, die nach ihrem Erdenweg nun zum zweiten Male Einkehr halten, können noch nicht wie die Ersten die Lichtpredigt im Herzen anzuzünden und zugleich decken. Es ist dies auch nicht nötig, denn die Liebe Gottes wird es ihnen künden. Still stehen sie und harren in Geduld, und nichts geht ihnen ab von allem Gnadenheil der großen Stunde.
Das Erleben wächst mit der Andacht der Gesegneten. Sie horchen in sich hinein und erreichen einen Zustand der Innerlichkeit, der den bisherigen zwar nur auf Gott ausgerichteten wie einen äußeren erscheinen läßt. Soweit als höchstmöglich hat das gottverbundene Innenleben die Herrscht über sie gewonnen. Keiner der Andächtigen merkt, wie aus allen Wolkenteilen die Gottheit auf ihre Vaterkinder blickt. Als aber die sanftdunkle Stimme, deren größte Sanftheit die größte stärke ist, erklingt, sehen sie das vielgeliebte Angesicht noch nicht; auch kommt ihnen die Stimme nur aus dem vorgelagerten Wolkenteil entgegen. Und doch — es ist eine Stimme von überall her. Da fallen sie auf die Kniee und mit über der Brust gekreuzten Armen beten sie Den an, Dessen Bild ihr Herz lebendig macht. Das, das ist die Gottheit!! Und die Worte, die von Außen her ihr Inneres erfüllen und ihr Inwendigstes dem sichtbaren Erleben öffnen, lauten:
„Ihr Kinder Meines Seins und Meiner Liebe! Höret, höret! Ich bin das urzentrale Licht, unergründlich, unfaßbar, unwandelbar in Meiner Herrlichkeit und unantastbar in Meiner Heiligkeit! Das sind die vier Ströme, Mein Herzschlag in Raum und Zeit! Der raumlose Raum kann sich offenbaren und die zeitlose Zeit ist zu erleben; denn Ich lebe formvollendet in Meiner UR-Allmächtigkeit, aus der jegliche Form geworden ist, auch Meine eigene Gewalt zum höchsten Seligkeitsempfinden aller Kinder! Im All-Sein ruht das Werk, und jedes Tagewerk ist ein Äonteil aus dem UR-All! Was gegrenzt ist, verliert nicht seine Grenze im All des Werdens; und alles, alles ist Mein UR-Ich!!
Wohin ihr euch auch neigen mögt, überall ist Sein und Leben, Licht vom Licht, aus Mir geboren! Blickt auf, ihr werdet Meiner Allmacht Wunder schaun!“ Die Kinder erheben sich; und wie sie empor und nach allen Seiten sehen, selbst zum Lichtboden unter ihren Füßen, da schauen sie fern und nah, faßbar und nicht zu begreifen das heilige Angesicht, das sein erhabenes Bild in ihre Herzen brennt. Und doch ist es nur ein Antlitz, wundersam verklärt. Das können selbst die Cherubinen und Seraphinen nicht ertragen. Sie senken ihre Augen vor der heiligen Enthüllung; aber — sie behalten das ewige Lichtantlitz lebenswahr in ihrem Geist. Doch weiter hören sie das Wort:
„Tief erschauend steht ihr unter aller Gnadenlast der Herrlichkeit! Und doch habt ihr sieben Fackeln schon einmal dieses Bild erlebt, wenn auch in anderer Darstellung! Es zieht an euch vorüber, unvergessen, nur zum Segen für die Arbeit zugedeckt, das Bild, da Ich als Opfersohn Mein Haupt sterbend neigte, die grundfesten der Schöpfung erschütternd. Und nicht nur damals ward auch euer Wesensgrund erschüttert, nein — die Gleichheit beider Offenbarungen macht jetzt eure Herzen wankend, denn die urheilige Schau überflutet euch. Diese Gnade lastet und wird um so schwerer, denn sie eint sich mit dem Kreuz-Erleben und schmilzt zu einem Ganzen in euch zusammen. Der Abglanz, nicht weniger vollwahr auch der Glanz in euch, ihr Ersten, prägt sich nun den Kindern samt Karmatha auf. Ja Ich sage euch: In der zwar unfaßbaren aber nun enthüllten Heiligkeit liegt eure geheiligte Segnung, die zum Grundstein weiterer Werke dient.
Das Gewaltige — obwohl sehr vermindert — nicht länger zu ertragen, ist der schönste Anteil eurer Demut, die mit Mir eins sein will, ohne das eigene Wesen zu bedenken. Ich stehe ganz im Zentralpunkt eurer Herzensopferung, die im gerechten Ausgleich Meine Heiligkeit verlangt. Wahrlich, der Anteil bleibt euch nicht vorenthalten; Ich spende ihn in höchster Fülle! Und seht, im Gnadenerleben habt ihr den Becher Meiner Heiligkeit schon an den Mund geführt und habt getrunken! Tropfen, wie die Finsternis nur tropfen Meines Erlöserblutes trinken darf, sollen die Verirrten nicht unter der fordernden Erlöserlast ihr Sein verlieren. Stets genügen Tropfen, die für das Kind der volle Becher sind! Hier die Tropfen heiligender Lichtgnade, dort der vergebenden Erlösergnade! Dort ward die Heiligkeit verdeckt, hier wird sie offenbar; dort stand die Forderung, hier ist die Gnade! — In des Lichtfeldes Heilsgnade stehend wird euch Großes überkommen!! — —
Warum sage ich das jetzt, wo doch unserm Karmatha die Tür zum Gnadenweg zu öffnen ist? Meine Kinder, er braucht auf seiner besonderen Wanderung ein UR-Samenkörnlein, aus dem der Menschheit eine reiche Ernte werde. Das tiefste Geheimnis aus der Offenbarung ist ihm wie euch Heimgekehrten nicht ganz offensichtlich; allein — im unbewußten Spüren liegt ein großer Demutsfaktor, der nicht hoch genug zu werten ist. Er hat jeder bewußten Erkenntnis vorauszugehen, soll diese sich gestalten und ist also für das Kind wie für das Ganzwerk hoch bedeutsam. Dieses Samenkorn nimmt unser Karmatha zur Erde mit. Geht die Ernte auf, wird er seine eigene Saat erkennen.
Tritt hervor, Karmatha, denn Ich will dein Zeugnis hören. Habe Vertrauen, der Vater steht dir gegenüber. Doch da dein Weg ein großer werden soll, zum ‚lebendigen Nachzeugnis Meines Persönlichen Erdenweges’, so nimmt die Gottheit daran Anteil.“ Indem Karmatha einige Schritte vorwärtsgeht, verändert sich das Bild. Die Wolke lagert vor dem heiligen Herd; aus ihr breitet sich ein Strahl fächerförmig über alle Kinder aus. Die heilige Stimme spricht:
„Karmatha, du willst den Mitopferweg der Liebe gehen. In deinem Lichtleben hast du erkannt, daß er dich zu weiterer göttlicher Höhe, aber auch zur armen fruchtlosen Tiefe führen kann. Hier, am Orte Meiner Priesterlichkeit, will Ich dich fragen und du sollst dich prüfen und Mir Antwort geben vor den Zeugen Meiner Majestät.
Dein Entschluß muß gefestigt und ein selbstgewählter sein, ob du Mein Licht zur Erde tragen willst. Ein mitgefallenes Kind ist ganz aus der Finsternis zu lösen (Legion) und du mußt selber Seelenteile (Kraftpotenzen aus der Materie) durch deinen Erdenweg befreien. Prüfe dich, ob du diesen oder einen leichteren Weg wählen willst oder im Vaterhaus verbleiben möchtest. Die Gott-Geduld wartet, bis du die Wahl deiner Liebe kündest.“ Der Chor ruft „Halleluja“!
Karmatha beugt beide Kniee. Da ihm jederzeit der feste Wille zur dienstbaren Mithilfe inne wohnte, bedarf es keines langen Prüfens mehr. Im Hause Gabriels empfing er des Vaters heilige Barmherzigkeit so gnadenvoll, er steht ganz unter dieser Güte. Sein Gesicht verklärt sich lieblich, er hebt die Augen auf, gefüllt mit Tränen der Freude, Liebe, des Dankens und Opferwillens, und er sagt:
„Vater, der Du in deiner heiligen UR-Wesenheit mir der gute Vater bleibt, siehe, ich bekenne vor Dir und Deinen Kindern: Ich will den schweren Weg auf mich nehmen; gib mir zum Vollbringen Deine Kraft. Erhalte mich als Dein gesegnetes Kind. Nimm mich hin und verwende mich zu dem, wozu Du mich hast werden lassen.“ Da löst sich die Wolke auf, doch ihr Licht bleibt im Raume stehen. Der Vater sitzt auf Seinem Gnadenstuhl, hebt Seine Hände segnend über alle Kinder und öffnet sie, ein Kind zu empfangen. Rafael führt Karmatha hinzu und hebt ihn in des Vaters Schoß. Er sagt dabei:
„Heiliger Vater! Karmatha ist zu meiner und Agraleas Freude aus unserm Haus hervorgegangen. Nun bringen wir ihn Dir, daß er unter Deiner Heilsobhut wandeln kann, wie jedes Deiner Kinder führst. Halte ihn an Deinem väterlichen Herzen fest, wie auch wir an Deinem Gnadenherzen ruhen dürfen. Laß das Glied nicht aus der Kette fallen, es bleibe immer in gerechter Ordnung eingereiht. Heiliger, Unerforschlicher, tue es in Deiner großen Liebe und Barmherzigkeit! Du gießt Ewigkeiten an Licht und Güte über uns aus, — gib, daß wir die kostbaren Tropfen trinken in der Fülle Deiner Herrlichkeit!“
Mit der Stirn berührt Rafael den weißen Raumteppich, so groß ist seine Ehrfurcht. Viermal ruft der Chor: „Halleluja-Halleluja!“ Und indem die Kinder rufen, ernst, ehern, in Liebeglut entbrannt, erhält Karmatha seine Weihe, sein Gesicht in die Falten des heiligen Gewandes bergend, und die Gnadenhände segnen ihn. Danach winkt der Vater den großen Engelsführer zu Sich, segnet auch ihn und spricht:
„Jehasmael, bringe Karmatha an seinen Ort. Schütze ihn mit deinem Sein und Leben auf seinem Erdenweg. Ich werde billig von dir fordern alles, was du ihm aus deinem Schutze tust. Empfange Kraft zum Schutz aus Meiner Kraft, Liebe zum Dienst aus Meiner Liebe, Verständnis zur Führung aus Meiner Weisheit, ja alles, was du zusätzlich zu dem nicht leichten Amte brauchst. Ziehe hin mit Karmatha, dem Gesegneten, der du selber ein Gesegneter bist; und bringe zurück einen Gekrönten, der du schon die Lebenskrone trägst. Amen.“ Jehasmael antwortet:
„Allheilige Gottheit, Vater, unser aller Licht und höchste Liebe. Jetzt steh ich vor Dir als Diener deiner Kraft, die mit mir ist. Nichts unterlasse ich, was Karmatha dient und auf dem freien Willensweg geschehen kann. Ein Kind geht von Dir und einen großen Sohn will ich Dir wiederbringen! Stärke uns beide, auf daß vieler Kinder Weg und vieler Seelen Erlösung durch Karmathas Erdenweg in Dein Gnadenheil eingebettet werden kann. Heilig ist Deine Liebe, heilig gepriesen seist Du im Dank unserer Herzen, unser Vater ewig!“
Wieder ruft der Chor „Heilig-Halleluja“! Jehasmael neigt sich und berührt mit seinen Lippen des Vaters Füße, ein Zeichen willigster Dienstbarkeit. Da wird auch er emporgehoben und ruht mit Karmatha zugleich an Gottes Brust, gesegnet und geküßt. Der schöne Engel, der als Mensch schon dreimal auf Erden weilte, viel Lichtkinder dort bewachte, führt Karmatha zur geheimen Pforte. Die Fürsten segnen auch den Scheidenden, die anderen geben ihm die Hand. Einen hellen Strahl sendet der Vater nach; er bleibt über Jehasmael und Karmatha wie ein Stern sichtbar stehen.
Sama, die Karmatha bis zum Tor Hephata begleiten durfte, ist zurückgeeilt. Agralea umschlingt sie zärtlich und Sebulah streicht brüderlich über ihre Wange. Der Vater, gütig über alle Kinder hinblickend, gibt noch ein Wort zu dieser heiligen Handlung:
„Meine Kinder, der von euch ging, kommt reich gesegnet wieder, denn er hat sein Herz dem Meinen anvertraut. Jehasmael ist einer der besten Wächter in der Materie. Darum sollt ihr, Zuriel und Helia — da Jehasmael aus euerm Haus geboren ist — ihn und Karmatha beschützen. Ihr wißt ja, daß dieser Lichtdienst geschehen kann, ohne das Maß des freien Willens zu beschränken, während Jehasmael als Führer in gewisser Weise der Materie selber untersteht, solange er in deren Bannkreis wirkt und seinen Lichtwillen nicht immer ungehemmt strahlen lassen kann. Eure Lichtweisheit wird stets das Rechte tun.
Nun seid gesegnet! Richtet Meinen Willen in der Erkenntnis eurer Freiheit aus und seid des heiligen Dienstes stets gewärtig. Denn dieser, euch übertragen, ist ein Ruf aus dem Lichtfeld der Barmherzigkeit! Friede sei mit euch allen. Ich, die ewige Liebe, bin immer bei euch. Amen.“ In unvorstellbarer Kraft rufen die Engel:
„Heilig, Heilig, Heilig, Heilig bist Du, o Herr!! Vater aller Barmherzigkeit und guter Gott voll Liebe und Geduld! Hochpriester Melchisedek, der Du uns in Ernst und Weisheit führt! Heilig-erhabener Schöpfer. Dich haben wir kraft Deinem grundheiligen Ordnungswillen lieben gelernt! Gepriesen bleibe ewig Dein allheiliger Name, UR-Imanuel, aller Erden Erlöser Jesus!
„Heilig, Heilig, Heilig, Heilig bist Du, o Herr!!
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