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c) Das geistige Gesicht und wie Johannes es erhält

K. 1, 9-11

‚Ich, Johannes.‘ Der Seher setzt nicht deswegen sein Ich an einen Anfang, weil er sich hervorheben will; nein – sein Zeugnis, selber einzustehen für das, was er erhält und schreiben darf, tritt markant hervor. Er stellt sich in die vorderste Bekennerlinie. Ernstlich ist‘s der Dank, der heiß in seinem Herzen loht, daß er zu den zwölf Erwählten zählt und als Jüngster dieser Schar dem Herrn am nächtsten stand, sehr oft an dem Heilandsherzen ruhen konnte.

Nun ist es außerdem der heilige Meister von Galiläa, der Sich als das A und O, als Erster und als Letzter offenbart. Diese Schau bürdet dem Johannes die Verpflichtung auf, ebenso für das Gegebene einzustehen, wie der HERR auf Erden für das ewig-wahre Heilswort zeugte und für selbes zur Erlösung aller Menschen und der gesamten Finsternis den Kreuztod auf Sich nahm.

Wie ernst der Gottes-Seher die Verpflichtung nimmt, beweist, daß ihm solch ein Werk von himmlischer Gewalt sonst nie verkündet werden konnte, wenn er selbst kein Zeugnis dessen war. Das berechtigt ihn, an den Beginn sein ‚ich, Johannes‘ hinzustellen. Zu dem Hinstellen gehört die hohe Weisheit und das geistige Bedenken, in welcher Form er die erhaltenen Gesichte, deren Einstrahlung er deutlich spürt, den Gemeinden aller Wett zu bieten hat.

Er nennt sich einen ‚Bruder und Mitgenosse an der Trübsal und am Reich und an der Geduld Jesu Christi.‘ Trübsal und Reich, Welt und Geist, in der Gegenüberstellung dynamisch zu nennen, hebt er zuerst hervor. Damit steht er in den Reihen derer, die zum Wiederkunftsamt erwählt worden sind. Er will nur ein Glied des Ringes sein, dessen Außenseite die Welt und ihre Trübsal widerspiegeln muß, wie ein Ring an der Hand mit seiner äußeren Seite mit allen Dingen in Berührung kommt. Dem Reich gilt die Innenseite, die wie bei einem Ring allein den Finger ihres Trägers streift.

Erst wenn alle, die seine Botschaft hören, ihn auch nur als Zeuge aus der Trübsal, als Reichsbote betrachten, spricht er von ‚… an der Geduld Jesu Christi‘. Wie bescheiden redet er von sich, daß Jesus mit ihm Geduld haben muß. Ja, es geht nicht alles glatt; sein jugendlicher Feuereifer war manchesmal ein Hemmnis des Erfolges. Wie ein Lehrer seinem Schüler Geduld erzeigt, bis sich dieser zum gesetzten Mann entwickelt, so sieht sich Johannes immer noch auf Patmos seinem Meister gegenüber. An der Geduld Jesu Christi hat es gehangen, vor der er sich ehrfurchtsvoll in Demut neigt.

Nachdem er sich gewisserart geistig legitimierte, fängt er an zu beschreiben, was er sieht und künden muß. Eigenartig klingt der Anfang: ‚Ich war im Geist an des Herrn Tag und hörte hinter mir eine große Stimme wie eine Posaune, die sprach:‘ Im-Geist-sein nennt er das nicht mehr dem Irdischen Verhaftende.

Die Umwelt ist versunken, Sein Körper liegt wie tot; auch ist er krank und sehr geschwächt. Die Wachen lassen ihn in Ruhe, denn seine Nähe wirkt beklemmend. Niemand wagt ihn zu berühren. — Ein starker Engel steht zu seinen Häupten, dessen Ausstrahlung die Weltlichen vertreibt. ‚Am Tag des Herrn!‘ ihn zu begreifen ist nicht leicht; auf keinen Fall ist es ein Vierundzwanzig-Stunden-Tag.

Tag = Tat, Abrechnung, Gericht! Das ist des Herrn Tag, der solang währt, als die Abrechnung erfolgt. Im Vorwort sind zwei Gerichtsabläufe mit unterschiedlichen Rechtsausübungen angedeutet, daraus ersichtlich ist, daß sich der Tag auf keinen irdischen beschränken läßt. Zutiefst ist überhaupt der sechste Schöpfungstag gemeint, den Johannes überblikt, in welchem alle Teilentwicklungen, Welt- und Völkerschicksale, Raum-Umgestaltungen sich fortlaufend aneinander reihen, entsprechend der Tagesarbeit eines Menschen. Auch ein Feld, das an einem Tage umgeackert ist, gilt als Tagewerk.

An diesem Tage ist Johannes. Er sieht das gewaltige, wunderbare Tagwerk des All-Heiligen UR, seines Meisters. Noch steht die Welt samt ihren Menschen fernab der Vollendung. Erst das Ende von der Wiederkunft schließt das hocherhabene Tagewerk der Liebe ab, den sechsten Schöpfungstag des Tat-UR-Jahres. Vieles aus der Offenbarung spricht dafür ein untrügliches Zeichen.

Hier schon eines: Johannes hört hinter sich eine Stimme, also in der Vergangenheit, was schon hinter seiner persönlichen Lebenszeit gewesen ist. Aber aus bereits Geschebenem steigt etwas auf, das Gegenwart und Zukunft überstrahlt. Er wendet sich ja um; somit kommt das Rückliegende ihm in das ‚Gesicht‘. Dem Seher offenbart sich der Beginn des Tagewerkes, hernach das Weitere, was sich hochheilig im Verlauf entwickelt. Der erste und der zweite Teil der Offenbarung zeigen dies sehr deutlich an.

Der erste An-Spruch erfolgt vom ‚Ich bin und Ich werde sein‘, vom A und O, UR-Imanuel! ER erteilt den ersten ausdrücklichen Befehl: ‚Was du siehst, das schreibe in ein Buch und sende es…‘. Zur Zeit der Jünger gab es noch keine Bücher. Man verwendete Tafeln, oder Papyrusrollen aus Tierhaut hergestellt, welche man lose zusammensteckte. In URs Heiligtum jedoch gab es zwei Bücher: das des Lebens und das der Schöpfung. Johannes sieht die Bücher liegen, denn der Tag des Herrn offenbart sie ihm und was dazu gehört. Deshalb kann ja Der, Der die beiden Bücher auf Seinem Heiligen Herd aufgeschlagen hat, auch den Befehl erteilen: ‚Das schreibe in ein Buch!‘ — Das lose Blatt eines Buches — wie leicht ist es verloren. Doch ein ganzes Buch? fest gebunden? Es soll heißen: Was Johannes sieht, ist fest und wahr, an – und eingebunden! Und für alle Gemeinden ist ein einziges bestimmt. Was einer Gemeinde gilt, sollen auch die andern wissen; was Gutes eine hat, danach sollen alle streben; und wenn Fehler aufzuzeigen sind, sollen alle bei sich nach dem selben Übel forschen. Außerdem: Dieses Buch, in welches alles eingetragen wird vom Reich und von den Abrechnungsepochen, vom Ende dieses Tages und seiner glorreichen Krönung, ist das wahrhaftige Gnadenbuch, wenn darinnen die Gerchitszeiten auch den breitesten Raum erhalten.

Und diese GNADE gilt allen!

Würden sie nicht aufgerüttelt, alle Menschen, alle Wesen, würde ihnen nicht die Wirkungen aus der Ursache ihrer eigenen Gedanken, Worten und Taten als Folge vorgezeigt, ewiglich lägen sie im Schlaf der Lüge und der Unkenntnis, der Unwahrheit, im Todesschlaf der Trennung von UR-Imanuel! Darum ist das letzte Buch der Bibel das

Höchste Gnadenbuch,

welches jemals ‚im Geist‘ empfangen und geschrieben ward.

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