11 Und er sprach: Ein Mensch hatte zwei Söhne.
12 Und der jüngere von ihnen sprach zum Vater: Gib mir den Teil des Vermögens, der mir zufällt, Vater! Und er teilte ihnen das Gut.
13 Und nicht lange danach packte der jüngere Sohn alles zusammen und reiste in ein fernes Land, und dort verschleuderte er sein Vermögen mit ausschweifendem Leben.
14 Nachdem er aber alles aufgebraucht hatte, kam eine gewaltige Hungersnot über jenes Land, und auch er fing an, Mangel zu leiden.
15 Da ging er hin und hängte sich an einen Bürger jenes Landes; der schickte ihn auf seine Äcker, die Schweine zu hüten.
16 Und er begehrte, seinen Bauch zu füllen mit den Schoten, welche die Schweine fraßen; und niemand gab sie ihm.
17 Er kam aber zu sich selbst und sprach: Wie viele Tagelöhner meines Vaters haben Brot im Überfluß, ich aber verderbe vor Hunger!
18 Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir,
19 und ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu heißen; mache mich zu einem deiner Tagelöhner!
20 Und er machte sich auf und ging zu seinem Vater. Als er aber noch fern war, sah ihn sein Vater und hatte Erbarmen; und er lief, fiel ihm um den Hals und küßte ihn.
21 Der Sohn aber sprach zu ihm: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir, und ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu heißen!
22 Aber der Vater sprach zu seinen Knechten: Bringt das beste Festgewand her und zieht es ihm an, und gebt ihm einen Ring an seine Hand und Schuhe an die Füße;
23 und bringt das gemästete Kalb her und schlachtet es; und laßt uns essen und fröhlich sein!
24 Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden; und er war verloren und ist wiedergefunden worden. Und sie fingen an, fröhlich zu sein.
25 Aber sein älterer Sohn war auf dem Feld; und als er heimkam und sich dem Haus näherte, hörte er Musik und Tanz.
26 Und er rief einen der Knechte herbei und erkundigte sich, was das sei.
27 Der sprach zu ihm: Dein Bruder ist gekommen, und dein Vater hat das gemästete Kalb geschlachtet, weil er ihn gesund wiedererhalten hat!
28 Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen. Sein Vater nun ging hinaus und redete ihm zu.
29 Er aber antwortete und sprach zum Vater: Siehe, so viele Jahre diene ich dir und habe nie dein Gebot übertreten; und mir hast du nie einen Bock gegeben, damit ich mit meinen Freunden fröhlich sein kann.
30 Nun aber, da dieser dein Sohn gekommen ist, der dein Gut mit Huren vergeudet hat, hast du für ihn das gemästete Kalb geschlachtet!
31 Er aber sprach zu ihm: Mein Sohn, du bist allezeit bei mir, und alles, was mein ist, das ist dein.
32 Du solltest aber fröhlich sein und dich freuen; denn dieser dein Bruder war tot und ist wieder lebendig geworden, und er war verloren und ist wiedergefunden worden!
Lukas, Kap. 15
[HiG.01_41.03.23,01] Ihr habt in Meinem Buche die Geschichte des verlorenen Sohnes gelesen und werdet diese Geschichte nicht nur einmal, sondern schon öfter gelesen und gehört haben. Aber Ich sage euch, es gibt wohl in dem ganzen Buche keinen Vers und kein Kapitel, das da Größeres in sich fassen möchte, als das Gleichnis vom verlorenen Sohn.
[HiG.01_41.03.23,02] Auch wird es nicht leichtlich eine Stelle geben, die für euch schwerer zu verstehen sein möchte als eben diese. Und das zwar aus der Ursache, die ihr wissen sollet, da sie von größter Wichtigkeit und als solche ein unerläßlicher Schlüssel zur inneren Beschauung ist.
[HiG.01_41.03.23,03] Es ist aber diese Ursache folgende: Oft rede Ich aus Meiner Weisheit durch die Liebe erhabene Dinge; oft aber aus der Liebe durch das Licht der Weisheit kleinlich Scheinendes. – Nun merket, im ersten Falle wird euch nur so viel geboten, als es eurer jeweiligen Individualität zu ertragen möglich ist. Im zweiten Falle aber wird euch eine verhüllte Unendlichkeit gegeben, mit deren endlicher Entwicklung Ewigkeiten nicht fertig werden.
[HiG.01_41.03.23,04] Und sehet, eine eben solche kleinlich scheinende Gabe ist auch „der verlorene Sohn“. Ja, Ich sage, wüßtet ihr, was alles hinter dem „verlorenen Sohne“ steckt, wahrlich, es würden Erzengel zu euch in die Schule kommen!
[HiG.01_41.03.23,05] Ich habe euch in den vorhergehenden Stunden so manches gezeigt, wie es in der gegenwärtigen Zeit auf der Erde zugeht, wobei Ich euch freilich noch die allergrößten Schändlichkeiten verschwiegen habe. Ich habe euch gezeigt das Mangelhafte der Rechtsordnung im allgemeinen; Ich habe euch gezeigt die Tollheit Asiens, wie die Barbarei Afrikas; Ich habe euch gezeigt die Schändlichkeiten Amerikas, freilich nur einen sehr geringen Teil davon; Ich zeigte euch die Rechtspflege Englands, vorzugsweise in seinen äußeren Verhältnissen, wie auch die Behandlung der Verbrecher auf den euch bekanntgegebenen Küsten Australiens. So habe Ich euch auch im tiefen Süden gezeigt ein mißhandeltes Land, wie es war und wie es größtenteils noch jetzt ist. Jedoch eben bei diesem Lande muß Ich euch auf etwas aufmerksam machen, und zwar zuerst vorzüglich auf das, daß ihr auf dieses eben von diesem Lande Ausgesagte eine doppelte Aufmerksamkeit richten, und fürs zweite, daß ihr eben das von diesem Lande Ausgesagte am allerwenigsten buchstäblich nehmen sollet – warum, wird euch die Folge zeigen. Ferner habe Ich euch noch gezeigt die höchst tyrannisch strengen Verhältnisse anderer Inselstaaten und vorzugsweise des Japanischen und so noch einiges in Kürze über den nördlichen Staat Rußland.
[HiG.01_41.03.23,06] Obschon zwar sich die Sachen in der Welt so verhalten, so sind aber dessenungeachtet diese Verhältnisse von Mir euch nicht deswegen kundgegeben worden, damit ihr daraus ersehen sollet, wie es allenfalls in der Welt zugeht. Denn solches und noch tausendmal Ärgeres werdet ihr ohnehin künftig nur zu oft zu lesen bekommen; sondern die Ursache, warum Ich euch solches kundgegeben habe, ist keine andere als diese, daß ihr daraus das große Geheimnis des „verlorenen Sohnes“ ein wenig zu eurem größten Nutzen tiefer erkennen möchtet.
[HiG.01_41.03.23,07] Ihr denket euch jetzt freilich: „Was hat denn der „verlorene Sohn“ mit all diesen Weltgrausamkeiten zu tun?“ – und seid voll Neugierde, wie sich aus all diesem Weltlabyrinthe der „verlorene Sohn“ zurechtfinden wird. Aber Ich sage euch: Es ist denn doch noch leichter aus allen diesen Szenen den „verlorenen Sohn“ herauszufinden und selben darin zu begreifen, als der Durchgang eines Kamels durch ein Nadelöhr.
[HiG.01_41.03.23,08] Um das Ganze zu verstehen, ist es nötig, daß ihr vor allem erfahret, wer eigentlich dieser „verlorene Sohn“ ist. So Ich euch den „verlorenen Sohn“ zeigen werde, auch nur dem Namen nach, wahrlich, ihr müßtet mit mehr denn siebenfacher Blindheit geschlagen sein, so ihr nicht im Augenblicke merken würdet, daß euch eine große Decke von den Augen genommen wurde. Und nun bereitet euch vor und vernehmet den Namen!
[HiG.01_41.03.23,09] Sehet, er heißet „Luzifer“! – In diesem Namen steckt das ganze, für euch ewig unerfaßliche und endlose Kompendium des verlorenen Sohnes.
[HiG.01_41.03.23,10] Nun denket euch, daß beinahe die gesamte gegenwärtige Menschheit nichts als Glieder dieses einen „verlorenen Sohnes“ sind, und zwar namentlich diejenigen Menschen, welche aus Adams ungesegneter Linie abstammen. Sehet, dieser „verlorene Sohn“ hat alles Vermögen, das ihm gebührte, herausgenommen und vergeudet dasselbe nun durch für eure Begriffe endlos weit gedehnte Zeiträume.
[HiG.01_41.03.23,11] Ihr wisset aus der Geschichte des verlorenen Sohnes, wie es mit seinem Endschicksale ging. Nun sehet all diese Verhältnisse der Welt durch; und wahrlich, ihr werdet nichts anderes erblicken als die Endschicksale des verlorenen Sohnes im ausgedehnten Maßstabe …
[HiG.01_41.03.23,12] Was sagt ihr aber zu einem sehr kranken Menschen, wenn seine Füße kalt geworden sind und auf seinem Haupte kalte Schweißtropfen sitzen? Wahrlich, es bedarf dazu keines medizinischen Rigorosums, um gewisserart in prophetischem Geiste aussprechen zu können: nur einige wenige schwere Pulsschläge noch, und der Qual- und Lebensmüde hat ausgerungen!
[HiG.01_41.03.23,13] Fürs erste befühlet die Füße des „verlorenen Sohnes“ im Süden der Erde. Fürs zweite befühlet sein Haupt in des Nordens großem Reiche. Dann leget die Hand auf das alte, müde Kirchenherz, wahrlich, ihr müßtet schon wieder blinder sein als der Mittelpunkt der Erde, so ihr nicht an den Fingern ausrechnen möchtet, um die wievielte Stunde des großen Tages es nun sei? …
[HiG.01_41.03.23,14] Aber sehet, jetzt geschieht mit der Seele des „verlorenen Sohnes“, was Ich euch kundgegeben habe von den Seelen, denen das „Zweite Gesicht“ wird! Sehet, ihre große Not breitet sich jetzt in schnellen Schwingungen aus, und diese gelangen hin vor das große Vaterhaus. Und die Schwingungen des liebeerfüllten Vaters liebwechseln mit den Angst-, Elend- und Notschwingungen des „verlorenen Sohnes“.
[HiG.01_41.03.23,15] Die Seele des „verlorenen Sohnes“ empfindet ein solch heiliges, sanftes Wehen vom Hause des großen Vaters. Sie kehret aus diesen heiligen Schwingungen mutbeseligt wieder in ihr morsches Haus zurück, erhebt dasselbe wieder und kehret in der größten, sich selbst vernichtenden Demut in das ewige Vaterhaus zurück.
[HiG.01_41.03.23,16] Was geschieht aber dort? – Sehet, die Lumpen nur werden dem Sohne ausgezogen und verbrannt; allein der Sohn wird, wie ihr wisset, wieder aufgenommen werden.
[HiG.01_41.03.23,17] Sehet, nun habt ihr das ganze, bis auf diesen gegenwärtigen Augenblick unenthüllte Geheimnis der prophetischen Zahl des Menschen vor euren Augen enthüllt. Wenn ihr nur einigermaßen die Verhältnisse der Zeit durchgehet, wahrlich, ihr müßtet mehr denn tot sein, wenn ihr jetzt noch nicht gewahren solltet die heiligen Gnadenschwingungen, die da nun ausgehen in Strömen von dem heiligen Vaterhause!
[HiG.01_41.03.23,18] Auch ihr seid Glieder des verlorenen Sohnes! Dehnet eure Seele weit aus und lasset erwecken den Geist in eurer Seele! Und kehret in aller Demut gleich dem „verlorenen Sohne“ getrost in das große Gebiet eures liebevollsten Vaters! Wahrlich, Ich sage euch: Er wird euch auf dem halben Wege entgegenkommen!
[HiG.01_41.03.23,19] Sehet, die Zeit Meiner Gnade ist nahe herbeigekommen, und darum habe Ich euch auch solches gegeben, daß ihr erkennen sollet, daß jene große Zeit da ist, von der die Propheten gesungen haben, ja jene Zeit, die aus Meinem Munde selbst vorausverkündet wurde.
[HiG.01_41.03.23,20] Darum verharret nur noch eine kurze Zeit und freuet euch in großer Zuversicht! Denn wahrlich, das große Vaterhaus ist euch näher gekommen als ihr es ahnet!
[HiG.01_41.03.23,21] Wie ihr aber den „verlorenen Sohn“ und alle diese Zeitverhältnisse in euch erkennen möget, und wie dieser „verlorene Sohn“ in einem jeden Menschen wiedergefunden wird oder wie er vielmehr sich selbst wiederfindet, wie der „große Mensch“ im Kleinen gewonnen wird, liebe Kinder, davon wird euch die letzte Stunde getreue Kunde bringen. Amen!
Himmelsgaben, Band 1
Die „Lumpen“ des verlorenen Sohnes
[HiG.01_41.03.25.b,01] Ihr habt gehört, daß die Lumpen des „verlorenen Sohnes“ von den Winden zerstreuet wurden wie Spreu und die übriggebliebenen aber wurden ihm ausgezogen und verbrannt. – Wisset ihr, was unter diesen „Lumpen“ zu verstehen ist?
[HiG.01_41.03.25.b,02] Es ist darunter nichts anderes zu verstehen, als der eingegangene, frühere Universalmensch auf unserer Tafel. Denn durch die Gewinnung eines jeden einzelnen Menschen ist das Edle, von Mir Ausgehende, oder „Mein verlorener Sohn“ wiedergewonnen. Die „Lumpen“ oder das eigentliche Erzböse aber wird verworfen werden in das Feuer, daraus es eigentlich hervorgegangen ist. Es ist aber dieses Feuer dasjenige in der Gottheit, aus welchem alle Dinge ihr materielles Dasein haben.
[HiG.01_41.03.25.b,03] Wer somit sich an die Welt hängt und klebet an der Materie, der klebet an den „Lumpen“ des verlorenen Sohnes! – Wie aber alle Materie euch ihre große Feuerverwandtschaft zeigt, so gilt dasselbe auch von den Lumpen an den Lenden des verlorenen Sohnes.
[HiG.01_41.03.25.b,04] So aber wird es geschehen: Damit Gott wieder werde ein freier Gott, in dem keine Materie mehr wallet, so wird das Feuer- oder Zornverwandte wieder dahin zurückkehren müssen, woher es als das, was es ist, gekommen ist. Und es wird gerade also geschehen, wie wenn ihr an eurem Leibe habt irgendeine Verhärtung und leget da heiße Umschläge auf, damit sie wieder erweichet werde – also auch wird Mein ewiges Feuer diese erzböse Verhärtung in ihrer Allheit erfassen, um sie dadurch wieder seinem eigenen Wesen selbst zu assimilieren.
[HiG.01_41.03.25.b,05] Es ist noch eine Frage in euch vorhanden, ob diejenigen Wesen, die unter den „Lumpen“ verstanden werden, auch ein fortwährendes Selbstbewußtsein haben werden oder nicht? – Ich aber sage euch: Diese Frage beantwortet sich schon beinahe von selbst, da ihr doch unmöglich annehmen könnt, daß es in der Gottheit irgendeinen seiner selbst unbewußten Punkt geben sollte.
[HiG.01_41.03.25.b,06] Aber ob dieses Seiner-selbst-Bewußtsein ein leidendes ist oder nicht – sehet, das ist eine andere Frage! Um aber diese richtig zu verstehen, müßt ihr zuvor begreifen, daß jedes Bestreben, sich selbst zu finden, ein gewisses Leiden in sich selbst notwendig begreifen muß. Nur kommt es darauf an, ob dieses Leiden ein schmerzliches oder ein wohltuendes ist.
[HiG.01_41.03.25.b,07] Wenn dieses Leiden darin besteht, daß sich das Wesen in sich selbst immerwährend ergreift und durch dieses Ergreifen sich zur Einheit immerwährend zu bilden bemüht ist, dann ist ein solches Leiden ein höchst wohltuendes und die Empfindung aus dem klarsten Selbstbewußtsein eine höchst beseligende.
[HiG.01_41.03.25.b,08] Wenn aber das Leiden oder die selbstbewußte Empfindung eines Wesens in sich ein zerreißendes und zerstörendes ist, dann ist es auch ein höchst schmerzliches. Das könnt ihr ja auch aus der Natur sehr leicht abnehmen, wenn ihr nur je irgendeine entzündliche Krankheit beobachtet habt, welche in nichts anderem besteht, als daß sich gewisse Teile im Körper mehr und mehr auszudehnen anfangen. Je heftiger ein solcher Akt vor sich geht, desto schmerzlicher wird er. – Aus allem diesem geht hervor, daß der sich selbst bewußte, wesenhafte Zustand des feuerverwandten Erzbösen eben auch ein höchst leidend-schmerzlicher sein muß.
[HiG.01_41.03.25.b,09] Ihr werdet nun vielleicht meinen, daß die Gottheit dadurch gewisserart in Ihrem Zornteile Selbst immerwährend höchst schmerzlich leidend sein müsse. Allein es ist dem nicht also! Sondern es ist geradeso, als wenn Speisen in eurem Magen verkocht werden; da bersten auch die Hülschen der zu sich genommenen Nahrung, getrieben durch das Feuer des Magens. Aber fraget euch selbst, ob im natürlichen Zustande dieser schauerliche Zerstörungsprozeß im Feuer eures Magens euch je geschmerzt hat?
[HiG.01_41.03.25.b,10] Jedoch, da Ich euch schon so weit geführt habe, so will Ich euch bei dieser Gelegenheit einen bisher noch nie ausgesprochenen Wink geben! Wollet ihr die Endursache solchen Zustandes aller weltlich-materiellen Erzbosheit erschauen, so blicket in euren Magen, und sehet alldort zu, was da mit der in sich genommenen Speise geschieht, wie und warum – so werdet ihr eine große Strecke Meiner Wege erschauen, was da geschehen wird. Jedoch die Zeit steht nicht geschrieben in eurem Magen, und es genügt euch, daß Ich euch gezeigt habe den Zweck.
[HiG.01_41.03.25.b,11] Nun sehet, liebe Kinder! Das ist alles, was euch gegeben werden kann, und das ist auch alles, was ihr zu ertragen vermöget. Mehr brauchet ihr nicht zu wissen, sondern beachtet dieses von Punkt zu Punkt, und das zwar von der euch gegebenen ersten bis zur letzten Stunde! Durchwandert auf diesem Wege die ganze Erde in euch und findet auf diese Art in euch selbst – den „verlorenen Sohn“!
[HiG.01_41.03.25.b,12] Tuet dasselbe, was dieser getan hat und noch immer tut in jedem einzelnen Sünder, der nach Meinem Reiche trachtet. Lasset in der inneren Kammer eures Geistes auf der Tafel eurer Weltbegierden mit der Welt das geschehen, was ihr zuletzt auf der euch gezeigten Tafel mit dem Universalmenschen sahet – so wird in einem jeden von euch der „verlorene Sohn“ wiedergefunden werden und wird sein Verhältnis werden, wie Ich es euch gezeigt habe, da ein anderer Mensch an die Stelle des früheren, auf einen Punkt zusammengeflossenen getreten ist.
[HiG.01_41.03.25.b,13] Dann erst werdet ihr als Wiedergefundene die große Wahrheit des euch in diesen „zwölf Stunden“ Gegebenen in euch selbst im hellsten Lichte erschauen und erkennen.
[HiG.01_41.03.25.b,14] Und da, wie früher gesagt wurde, alle Menschen zusammen einen Menschen ausmachen, wie einer alle – so suchet denn auch all das Übel in euch! Und habt ihr es gefunden und mit Meiner kräftigen Beihilfe aus euch geschafft, da werde Ich, als euer heiliger Vater, der Ich schon über den halben Weg euch entgegengekommen bin, vollends zu euch kommen, euch gänzlich von euren „Lumpen“ befreien und dann aufnehmen in das große Vaterhaus Meiner ewigen Liebe!
[HiG.01_41.03.25.b,15] Schließlich mache Ich euch nur noch darauf aufmerksam, daß Ich derzeit nicht nur euch, sondern auch schon vielen anderen „verlorenen Söhnen“ entgegengekommen bin.
[HiG.01_41.03.25.b,16] Merket aber vorzugsweise auf Meine Ankunft in euch selbst und kümmert euch weniger um die allgemeine! Was ihr fürs allgemeine empfindet, das traget Mir betend in eurem Herzen vor! Um alles andere kümmert euch nicht! Denn das große Wann, Wie und Warum ist in den besten Händen wohlverwahrt! Das sage Ich, euer großer, heiliger, liebevollster Vater. Amen.
Himmelsgaben, Band 1
01] Darauf aber sagten die Pharisäer und Schriftgelehrten, die so ganz geheim mit der Erklärung der Hölle nicht sehr zufrieden waren: »Ah, da sorgen wir uns wieder gar nicht und überlassen das Seiner Güte und Weisheit! Haben wir doch gemurrt, da Er die Menge Sünder und Zöllner annahm, die doch auch gerade keine himmlischen Geister waren, so wird Er wohl auch mit den schon wirklichen Höllengeistern einen Ausweg haben! Denn in Seiner Weisheit wird noch gar vieles verborgen liegen, das Er uns nicht offenbaren wird. Was uns not tut, das wird Er uns offenbaren; was uns aber sicher nicht not tut, um das haben wir uns auch nicht zu kümmern. Ist ein Teufel aus seinem eigenen Willen heraus so blind und dumm und will kein Licht annehmen, – nun, so bleibe er ein Teufel in Ewigkeit! So er die stete Gelegenheit hat, sich zu bessern, und es ihm auch an der Vernunft und am Verstande dazu nicht mangelt, wie auch am Willen nicht, er aber dennoch das Gute und Wahre nicht will und gewisserart eine Ehre dareinsetzt, dem Willen Gottes entgegenzustreben, na, so tue der Narr das, solange ihm das wahrscheinlich eine Freude macht, und Gott und alle seligen Geister werden dabei nichts verlieren! – Das ist so unsere ganz nüchterne Ansicht.«
02] Sagte Lazarus: »Ja, ja, eure Ansicht ist ganz richtig, und da haben auch die Römer ganz recht, so sie sagen: "Dem Selbstwollenden geschieht kein Unrecht!", aber ich sage: So spricht dennoch nur die trockene Rechtsphilosophie der Welt. So ich aber einen Menschen sehe, der sich aus Verzweiflung das Leben nehmen will, oder ich sehe einen selber unerfahrenen Menschen, der giftige Beeren sammelt, um sich damit zu sättigen, so ist es denn doch meine Menschenpflicht, nicht gleich jeden das tun zu lassen, was zu tun er sich vorgenommen hat, sondern ihn davon ganz ernstlich abzuhalten und ihn zu belehren, welche Folgen dieses oder jenes für ihn haben würde.
03] Natürlich, so ich nicht weiß und sehe, wo irgend einem Menschen aus seinen Handlungen eine Gefahr droht, so habe ich auch kein Gefühl für ihn und kann ihm auch nicht helfen; aber wo ich sehe, weiß und fühle, da darf ich einen noch so dummen und eigensinnigen Menschen nicht dem Verderben nach seinem eigenen Willen preisgeben, und es kann einem fühlenden Gemüte nicht einerlei sein, ob unter tausend Menschen neunhundertneunundneunzig verlorengehen oder nicht. Und ich kann darum alle jene nur loben, denen es hart und traurig zumute wird, so sie einsehen, daß gar so ungeheuer viele so gut wie für ewig verloren sind, und ich finde es nun auch ganz natürlich, daß diese edel fühlenden Menschen sich also vor dem Herrn ausgesprochen haben. Denn von Ihm kann man denn doch mit der größten Zuversicht erwarten, daß Er uns auch in dieser Beziehung einen rechten Aufschluß, wenn auch in irgendeinem Bilde, geben wird. – Herr, habe ich recht geurteilt oder nicht?«
04] Sagte Ich: »Mein lieber Bruder Lazarus, du hast ganz recht geurteilt! Mögen da alle Pharisäer und Schriftgelehrten darüber murren, der Herr ganz allein bin dennoch Ich und kann tun, was Ich will, und niemand kann Mich zur Verantwortung ziehen und sagen: "Herr, warum tust Du dies und jenes?"
05] Ich will euch aber von der wahren Barmherzigkeit Gottes ein paar Bilder geben, und nach denen möget ihr selber urteilen, wie es mit derselben steht. – Und so höret Mich denn!«
(Es folgen das Gleichnis vom verlorenen Schaf, vom verlorenen Groschen und dem verlorenen Sohn!)
10] Seht, diese Bilder sagen euch alles, dessen diejenigen bedürfen, die in ihrem Herzen in der Liebe dem Vater im Himmel gleichen: welche aber nur in der Weisheit allein stecken, die fühlen das große Bedürfnis der Liebe im Vater nicht.
11] David, der Mann nach dem Herzen Gottes, hatte auch zwei Söhne, die er besonders liebte. Obschon ihn aber Absalom verfolgte und er (David) ihm alle Gewalt entgegenstellte, daß er ihn besiegte, welche Prämie hätte von David derjenige erhalten, der ihm den so heiß geliebten Sohn lebend wiedergebracht hätte! Salomo war wohl die Weisheit selbst und war stets um David; aber Davids Liebe und Neigung war Absalom.
12] O Meine Lieben, dies Bild besagt unendlich viel! Welche Freude wird Davids Herz empfinden, wenn sein verlorener Absalom ihm einmal lebendig wieder zugehen wird!
13] O Meine Lieben, in der Liebe liegt noch gar vieles verborgen, was keine Weisheit ergründet hat; darum ist der Vater als die ewige Liebe auch größer denn der Sohn, der als Ihr Licht hier vor euch ist.
14] Darum sage Ich: vieles ist selbst bei den weisesten Menschen unmöglich, was bei Gott in Seiner Liebe dennoch alles möglich ist! – Glaubet ihr Mir dieses?«
Großes Evangelium Johannes, Band 6, Kap.242, 1-14
Luk. 15. Empfangen vom Herrn durch J. L. B., am 18. Juni. 1882.
Liebe Kinder! Ich sage euch, es wird Freude sein (vor den Engel Gottes) über einen Sünder, der Buße tut, u.s.w. – ferner: dein Bruder ist heimgekommen ec.
Diese Verse bezeichnen den Grad göttlicher Liebe, zuerst bei den Engeln Gottes, welche sich freuen, wenn eine Seele den rechten Weg zu Mir findet, und diese Freude ist das Einverständnis mit Mir, weil Meine Freude hauptsächlich groß ist, wenn eine Seele wieder zu
Mir umkehrt; denn es ist ein Gewinn für Mein Vaterherz.
Darum lasse Ich solche verlorene (und wiederkehrende) Söhne Meine Liebe doppelt fühlen, wie es im Gleichnis heißt: „der Vater schlachtete ein gemästetes Kalb und hielt ein Fest, weil sein Sohn wieder heimkehrte und gesund war.“
Wie weit aber diese Liebe bei Manchem von Denen sich findet, die sich „Meine Kinder“ nennen, das könnet ihr an dem andern Sohne sehen, der neidisch darüber war, dass die Freudenbezeugung über die Umkehr seines Bruders bei Mir so groß war, und der darüber murrte, weil er den Bruder bevorzugt glaubte. Er wollte in seiner Blindheit – statt die reine Freude über den Wiedergewinn seines Bruders mit Mir zu teilen – erst wieder mit demselben die Anziehungsmittel genießen, die Ich da anwende, wenn eine Seele umkehren will; denn da muss Ich sie ja mit allerlei Verheißungen locken, die den Übergang von der Welt zu Mir bilden, weil sie zu schwach und oft zu weit heruntergekommen ist, um Mich noch rein geistig auffassen zu können.
Oft muss Ich solchen Seelen ihr Gebet um äußere Dinge sogleich erhören, oft können sich dieselben besonderer Ahnungen rühmen, die dann zu ihrer Freude sich verwirklichen, so dass sie dankbar zu Mir aufschauen als Bevorzugte; diese Seelen sind sozusagen nicht „Kinder“ in solchem Zustande, sondern „Kindlein“, die mit Nachsicht und Liebe großgezogen werden müssen; während oft Andere, die schon lange Zeit vorher sich in Meinen Dienst begeben und durch schweren Kampf das Kindesrecht sich erworben haben, nicht viel von solchen Liebkosungen wissen, sondern mehr die schwere Arbeit fühlen, wenn sie Mir treu bleiben wollen, was daher kommt, weil Ich diese als reifere Seelen und größere Kinder, würdige, einen Teil von Meinem großen Haushalte zu übernehmen, und daher ihr Genuss mehr geistig sein soll, und frei von Neid und Überhebung gegen die Brüder.
Je näher eine Seele mit Mir in Verkehr kommt, desto mehr Selbst-Verleugnung muss sie anstreben, und zwar auf geistige Art; sie muss sich freuen können über die Gnadengaben ihrer Mitmenschen, und anstatt darüber – sei es auch nur im Stillen – zu murren, soll sie dankend zu Mir kommen, und Allem aufbieten, dieselben zu unterstützen, anstatt berechnend zu erwägen, ob dieser oder jener Bruder es wohl besser verdiene, als er selbst. Diese neidische Überhebung sitzt gar fein auch Meinen Kindern noch im Herzen, und Ich sage euch deshalb: prüfet euch genau, damit ihr Meine Liebe nicht betrübet, die entschlossen ist, denen nachzugehen, die euch am Unwürdigsten oft vorkommen, damit (wir) Alle zusammen ein wahres Freudenmahl einst feiern können.
Euer Vater.
Lebensgarten
Schreibende: K. G. L. – F. S. – Andr. und Ans. H.
[MEr.01_011,01] Ihr habt gelesen in Meinem Buche (Ev. Luk. 15) die Geschichte des verlorenen Sohnes und werdet diese Geschichte nicht nur einmal, sondern öfter schon gelesen und gehört haben. Aber Ich sage euch, es gibt wohl in dem ganzen Buche keinen Vers und kein Kapitel, das da Größeres in sich fassen möchte denn der verlorene Sohn,
[MEr.01_011,02] auch wird es nicht leichtlich eine Stelle geben, die für euch schwerer zu verstehen sein möchte, denn eben diese. Und das zwar aus der Ursache, die ihr wissen sollet, da sie von größter Wichtigkeit ist und ist als solche ein unerläßlicher Schlüssel zur inneren Beschauung.
[MEr.01_011,03] Es ist aber diese Ursache und lautet also: Oft rede Ich aus Meiner Weisheit durch die Liebe erhabene Dinge; oft aber aus der Liebe durch das Licht der Weisheit kleinlich Scheinendes. Nun merket, im ersten Falle wird euch nur soviel geboten, als es eurer jeweiligen Individualität zu ertragen möglich ist; im zweiten Falle aber wird euch eine verhüllte Unendlichkeit gegeben, mit deren endlicher Entwicklung Ewigkeiten nicht fertig werden. –
[MEr.01_011,04] Und sehet, eine eben solche kleinlich scheinende Gabe ist auch der verlorene Sohn; ja, Ich sage, wüßtet ihr, was alles hinter dem verlorenen Sohne steckt, wahrlich, es würden Erzengel zu euch in die Schule kommen.
[MEr.01_011,05] Ich habe auch in den vorhergehenden zehn Stunden so manches gezeigt, wie es in der gegenwärtigen Zeit auf der Erde zugeht, wobei Ich euch freilich noch die allergrößten Schändlichkeiten verschwiegen habe. Ich habe euch gezeigt das Mangelhafte der Jurisprudenz im allgemeinen; Ich habe euch gezeigt die Tollheit Asiens wie die Barbarei Afrikas; Ich habe euch gezeigt die Schändlichkeiten Amerikas, freilich nur einen sehr geringen Teil davon; Ich zeigte euch die Rechtspflege Englands vorzugsweise in seinen äußeren Verhältnissen, wie auch die Behandlung der Verbrecher auf denen euch bekannt gegebenen Küsten Australiens. So habe Ich euch auch im tiefen Süden gezeigt ein mißhandeltes Land, wie es war und wie es größtenteils noch jetzt ist; jedoch eben bei diesem Lande muß Ich euch auf etwas aufmerksam machen, und zwar zuerst vorzüglich auf das, daß ihr auf dieses eben von diesem Lande Ausgesagte eine doppelte Aufmerksamkeit richten, und für’s zweite, daß ihr eben das von diesem Lande Ausgesagte am allerwenigsten buchstäblich nehmen sollet; warum, wird euch die Folge zeigen. Ferner habe Ich euch noch gezeigt die höchst tyrannisch strengen Verhältnisse anderer Inselstaaten und vorzugsweise des japanischen, und so noch einiges in Kürze über den nördlichen Staat Rußland.
[MEr.01_011,06] Obschon zwar sich die Sachen in der Welt so verhalten, so sind aber dessenungeachtet diese Verhältnisse von Mir euch nicht deswegen kundgegeben worden, damit ihr daraus ersehen sollet, wie es allenfalls in der Welt zugeht, denn solches und noch tausendmal Ärgeres werdet ihr ohnehin künftig nur zu oft zu lesen bekommen, sondern die Ursache, darum ich euch solches kund gegeben habe, ist keine andere als diese, daß ihr daraus das große Geheimnis des verlorenen Sohnes ein wenig zu eurem größten Nutzen tiefer erkennen möchtet.
[MEr.01_011,07] Ihr denket euch jetzt freilich, was hat denn der verlorene Sohn mit all‘ diesen Weltgrausamkeiten zu tun? – und seid voll Neugierde, wie sich aus all‘ diesem Weltlabyrinthe der verlorene Sohn zurechtfinden wird. Aber Ich sage euch: Es ist denn doch noch leichter, aus allen diesen Szenen den verlorenen Sohn herauszufinden und selben zu ergreifen, denn der Durchgang eines Kamels durch ein Nadelöhr.
[MEr.01_011,08] Um das ganze zu verstehen, ist es nötig, daß ihr vor allem erfahret, wer dieser eigentliche verlorene Sohn ist. So Ich euch den verlorenen Sohn zeigen werde, auch nur dem Namen nach, wahrlich ihr müßtet mit mehr denn siebenfacher Blindheit geschlagen sein, so ihr nicht im Augenblicke merken würdet, daß euch eine große Decke von den Augen genommen wurde; und nun bereitet euch vor und vernehmet den Namen!
[MEr.01_011,09] Sehet, er heißt "Luzifer!" – Sehet, in diesem Namen steckt das ganze für euch ewig unerfaßliche und endlose Kompendium des verlorenen Sohnes.
[MEr.01_011,10] Nun denket euch, daß die gegenwärtige beinahe gesamte Menschheit nichts als Glieder dieses einen verlorenen Sohnes sind, und zwar namentlich vorzugsweise diejenigen Menschen, welche aus Adams ungesegneter Linie abstammen. Sehet, dieser verlorene Sohn hat alles Vermögen, das ihm gebührte, herausgenommen und vergeudet nun dasselbe durch für eure Begriffe zu endlos weit gedehnte Zeiträume.
[MEr.01_011,11] Ihr wisset aus der Geschichte des verlorenen Sohnes, wie es mit seinem Endschicksale ging. Nun sehet all‘ diese Verhältnisse der Welt durch; und wahrlich, ihr werdet nichts anderes erblicken als die Endschicksale des verlorenen Sohnes im ausgedehnten Maßstabe.
[MEr.01_011,12] Sehet die mangelhafte Rechtspflege; was meinet ihr, worin diese wohl ihren Grund haben möchte? Wahrlich nirgends anderes als im Leichtsinne und der daraus hervorgegangenen Gewissensstumpfheit. –
[MEr.01_011,13] Nun sehet wieder den verlorenen Sohn an, ob das nicht der erste Fall mit ihm ist, als er das väterliche Haus verläßt? Betrachtet ihr die Tollheiten Asiens! Was sind sie, als die natürliche Folge, die die Zeitfolge nach und nach bis auf den gegenwärtigen Kulminationspunkt der Scheußlichkeit ausgebildet hat? –
[MEr.01_011,14] Nun gehet weiter hin auf Afrika: Führet den verlorenen Sohn bei der Hand mit, und wenn ihr nun einen einigermaßen geschärften Geistesblick dahin richtet, so werdet ihr nicht nur in der gegenwärtigen Lage, sondern in allen erdenklichen Situationen dieses Landes, ja Ich sage, nicht nur Ägyptens, sondern ganz Afrikas mit wunderbarer Treue entdecken, –
[MEr.01_011,15] und das zwar nicht nur in dem und aus dem, was die gegenwärtige Zeit bietet, sondern durch alle Zeitperioden, dahin nur irgendeines Menschen Gedanke zu reichen vermag und darüber hinaus noch, daß da der verlorene Sohn in demselben Verhältnisse, als er sein Vermögen vergeudet hatte, sich befand, allda er ebenfalls auf allen möglichen Wegen gedachte zu irgend einem Besitztume, das dem früheren gliche, sich wieder zu erheben; allein, sehet nur all‘ die fruchtlosen barbarischen Bemühungen dieses ganzen Weltteils, wozu es eigentlich alle, die daselbst reich werden Wollenden, bringen?
[MEr.01_011,16] Vieles wird euch die Geschichte der Vergangenheit zeigen und eben dasselbe zeigt euch unwiderruflich auch die Gegenwart dieses gesamten Weltteils. Denn Ich sage euch, nicht nur ein jeder einzelne Mensch, nicht nur ein jedes Volk, sondern der ganze Weltteil vom ersten bis zum letzten Sandkörnchen, ja vom ersten bis zum letzten Sonnenstrahle, in allen einzelnen Ländereien, Gebirgen, Flüssen, Wüsteneien, Tieren, wird das Verhältnis des verlorenen Sohnes treulich dargestellt, wie auch von der Urgeschichte angefangen bis auf den gegenwärtigen Zeitpunkt und noch fernerhin.
[MEr.01_011,17] Jetzt erfasset den verlorenen Sohn wieder bei der Hand, aber vergesset nicht, ihm bei dieser Reise Sklavenketten anzulegen und gehet mit ihm nach Amerika: Wahrlich ihr müßtet blinder sein denn der Mittelpunkt der Erde, wenn ihr denselben alldort nicht in allen erdenklichen Nuancen vertausendfältigst antreffen möget. Hier brauche Ich euch nichts weiteres zu sagen als, daß das nördliche Amerika sein Inneres, das südliche aber sein Äußeres darstellt, aus welcher Ursache auch dieses Land schon in seiner Form eine insektartig ausgehungerte Gestalt des verlorenen Sohnes darstellt.
[MEr.01_011,18] Wer Ohren hat, der höre, und wer Augen hat, der sehe. Ihr werdet alle wissen, wie es dem verlorenen Sohne in seiner letzten Periode gegangen ist, da der euch bekannte innere geheiligte Funke Afrikas in ihm erweckt wurde; in Australien findet er einen Dienstgeber, der ihm nicht einmal das Futter der Schweine gestattet, so daß er genötiget ist, seinen Magen zu füllen mit allem, was ihm nur vorkommt.
[MEr.01_011,19] Jetzt werdet ihr denken, was wird denn der verlorene Sohn wohl in Neuseeland machen? Wir brauchen ihn auch gar nicht nach Neuseeland zu schicken, sondern es wird uns wahrlich keine große Mühe kosten, das Neuseeland im verlorenen Sohne selbst zu erkennen.
[MEr.01_011,20] Merket denn: Der Süden bedeutet das Allerauswendigste des Menschen. Nun betrachtet ein wenig den verlorenen Sohn, wie er in dieser seiner letzten Schauerprüfungsperiode eben nicht nach dem neuesten Pariser Journale gekleidet ist; nur höchst dürftige und schmutzige Lumpen bedecken seine Schamteile.
[MEr.01_011,21] Nun sehet, da haben wir ja schon die getreue Landkarte, die um die Blößen unseres Verlorenen flattert; dehnen wir, oder vergrößern wir unseren verlorenen Sohn und machen bei der Gelegenheit auch eine kurze beobachtende Visite der gegenwärtig bestehenden christlichen Kirche. Gleicht sie nicht diesem Lande? Möget es betrachten, wie ihr wollt, entweder geistig, wie Ich es euch gezeigt habe, oder auch materiell, wie ihr es nur immer irgendwo beschrieben finden möget; wahrlich ihr müßtet schon wieder blinder sein denn der Mittelpunkt der Erde, wenn euch die auffallende Ähnlichkeit dieses Landes mit den Fetzen des verlorenen Sohnes und diese mit der Kirche entginge.
[MEr.01_011,22] Wie dort von den Winden die Armseligkeit dieser Bewohner, wohlverstanden, verwehet werden, dasselbe tat der Wind mit den morschen Lumpen des verlorenen Sohnes, und dasselbe tun jetzt die heilig wehenden Winde von Oben mit denen samt und sämtlich mehr heidnischen denn christlichen Kirchensekten. –
[MEr.01_011,23] Es wird nun von eurer Seite keiner all zu tiefen mathematischen Kenntnisse bedürfen, um heraus zu bringen, um welche Stunde des großen Tages es nun sei! – Wenn ihr noch einen Blick auf Japan werfet, das wird euch auf den Fingern vorzählen und mit den allerdeutlichsten Zeichen die innere Beengung des verlorenen Sohnes wie auch der gegenwärtigen kirchlichen Verhältnisse, was ihr Inwendiges betrifft, mehr denn sonnenklar anzeigen.
[MEr.01_011,24] Mehr brauche Ich euch da nicht zu sagen. Was sagt ihr aber zu einem sehr kranken Menschen, wenn seine Füße kalt geworden sind und auf seinem Haupte kalte Schweißtropfen sitzen? Wahrlich, es bedarf dazu keines medizinischen Rigorosums, um gewisserart in prophetischem Geiste aussprechen zu können: nur einige wenige schwere Pulsschläge noch, und der Qual- und Lebensmüde hat ausgerungen! –
[MEr.01_011,25] Für’s erste befühlet die Füße des verlorenen Sohnes im Süden der Erde, für ’s zweite befühlet sein Haupt in des Nordens großem Reiche, dann leget die Hand auf das alte müde Kirchenherz; wahrlich ihr müßtet schon wieder blinder sein denn der Mittelpunkt der Erde, so ihr nicht an den Fingern ausrechnen möchtet, um die wievielte Stunde des großen Tages es nun sei?
[MEr.01_011,26] Ihr werdet euch von der letzten Stunde noch gar wohl erinnern können, wie euch kund gegeben und erläutert wurde "das zweite Gesicht." Ihr werdet euch jetzt wohl denken, sollte dieses zweite Gesicht auch noch mit dem verlorenen Sohne irgend eine Wahlverwandtschaft haben? –
[MEr.01_011,27] O Meine Lieben! Wenn Ich jemandem etwas gebe, so gebe Ich es nicht so, wie die Menschen, die da selbst bei dem besten Willen nie etwas Ganzes geben können, sondern Ich gebe allezeit etwas Ganzes, und so sage Ich euch: Eben in diesem zweiten Gesichte wird euch erst der ganze Knoten gelöset werdet, und ihr werdet nach dieser Lösung euch in eurer Rechnung nicht mehr um eine Minute verirren.
[MEr.01_011,28] Kehren wir nun wieder zu unserem verlorenen Sohne zurück, – und sehen ein wenig zu, wie er mit des Todes größter Not ringt. Sehet seine Seele, wie sie gedränget ist bis auf einen Punkt; und wahrlich, so weit muß es auch kommen!
[MEr.01_011,29] Aber sehet, jetzt geschieht mit der Seele des verlorenen Sohnes, was Ich euch kundgegeben habe von den Seelen, denen das zweite Gesicht dadurch wird. Sehet, ihre große Not breitet sich jetzt in schnellen Schwingungen aus, und diese gelangen hin vor das große Vaterhaus, und die Schwingungen des lieb‘ erfüllten Vaters liebwechseln mit den Angst-, Elend- und Notschwingungen des verlorenen Sohnes.
[MEr.01_011,30] Die Seele des verlorenen Sohnes empfindet ein solch heiliges, sanftes Wehen vom Hause des großen Vaters. Sie kehret aus diesen heiligen Schwingungen mutbeseligt wieder in ihr morsches Haus zurück, erhebt dasselbe wieder, und kehret dahin in der größten sich selbst vernichtenden Demut, dahin, da ihr wisset, daß der verlorene Sohn gekehret ist.
[MEr.01_011,31] Was geschieht aber dort? – Sehet, die Lumpen nur werden dem Sohne ausgezogen und verbrannt; allein der Sohn wird, wie ihr wisset, wieder aufgenommen werden.
[MEr.01_011,32] Sehet, nun habt ihr das ganze bis auf diesen gegenwärtigen Augenblick unenthüllte Geheimnis der prophetischen Zahl des Menschen vor eueren Augen enthüllt. Wenn ihr nur einigermaßen die Verhältnisse der Zeit durchgehet, wahrlich, ihr müßtet mehr denn tot sein, wenn ihr jetzt noch nicht gewahren solltet die heiligen Gnadenschwingungen, die da ausgehen in Strömen nun von dem heiligen Vaterhause! –
[MEr.01_011,33] Auch ihr seid Glieder des verlorenen Sohnes! Dehnet euere Seele weit aus, und lasset erwecken den Geist in eurer Seele, und kehret in aller Demut gleich dem verlorenen Sohne getrost hin in das große Gebiet eures liebevollsten Vaters; wahrlich sage Ich euch, Er wird euch auf dem halben Wege entgegenkommen!
[MEr.01_011,34] Sehet, die Zeit Meiner Gnade ist nahe herbeigekommen, und darum habe Ich euch auch Solches gegeben, daß ihr sie erkennen sollet, daß sie jene große Zeit ist, von der die Propheten gesungen haben, ja, jene Zeit, die aus Meinem Munde selbst voraus verkündigt wurde.
[MEr.01_011,35] Darum verharret nur noch eine kurze Zeit, und freuet euch in großer Zuversicht! Denn wahrlich, das große Vaterhaus ist euch näher gekommen, als ihr es ahnet! –
[MEr.01_011,36] Wie ihr aber den verlorenen Sohn und alle diese Zeitverhältnisse in euch erkennen möget, und wie dieser verlorene Sohn in einem jeden Menschen wiedergefunden wird, oder wie er vielmehr sich erst wieder findet, wie "der große Mensch" im Kleinen gewonnen wird, liebe Kinder! davon wird euch die letzte Stunde getreue Kunde bringen. Amen! [5]
Die zwölf Stunden (Elfte Stunde)
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