Vaterbriefe Band 2 / 237. Zum Reformationsfest (ein kirchlicher Rückblick)
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Zum Reformationsfest, 26. Juni 1881
Liebe Kinder!
An dem heutigen Tage, da ihr das Fest der Reformation feiert, will Ich euch etwas deutlicher den Unterschied zeigen, wie ehemals Meine Kirche oder Meine Nachfolger im Glauben standen.
Diesen Glauben bezeugten sie Mir durch große Verehrung, sie ließen sich viele Opfer gefallen, um Mein Wohlgefallen zu gewinnen.
Freilich waren diese Opfer immer nur materiell, und es war kein innerer Kampf damit verbunden, welcher gegen die Sünde ankämpfte, sondern es wurde dieselbe im Gegenteil in mancher Art noch dabei unterstützt; z.B. die Eigenliebe, die Herrschsucht; denn wer viele Mittel hatte zum Opfern, dem wurde viel Gewalt eingeräumt, und er somit vielen Versuchungen ausgesetzt war; und doch wurde durch solche Opfer und Verehrung Mir noch mehr Recht für Mein Wesen damals zuteil, als nun, weil Ich wenigstens doch noch anerkannt wurde; während in der Jetztzeit die Mehrzahl auch noch dieses Mittels, mit Mir zu verkehren, sich entledigt, um desto bequemer ihrer (natürlich-) sündhaften Natur frönen zu können. Diese Menschen ergreifen Mich nur als Versöhner, der aber ohne jede Bedingung für sie die Strafe der Sünde abzubüßen hat, und sie weisen Mir als dem gerechten Gott gleichsam die Quittung vor, welche durch Mein vergossenes Blut am Kreuze sie berechtige, an den Freuden im Himmel teilzunehmen und also sie dort einzulassen.
Es ist aber der Betrug darin leicht zu finden, weil die wahre Beschaffenheit des Reiches der Seligkeit zu wenig erforscht wird, obwohl deutlich im Evangelium steht: "Das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken.., sondern Friede und Freude in dem heiligen Geiste!"
Würde mehr über diese Freude nachgedacht, so würde Manchem klar, daß er mutwilliger Weise dasselbe oft und viel von sich stößt, und dafür nach höllischer Ausstattung strebt, wie z.B, nach Gewalt, Herrschsucht und so sich immer mehr von der Nächstenliebe entfernt, die doch als Hauptstatut im Himmel gilt.
Jetzt ist der Glaube nur noch, daß einem der Himmel geschenkt werde, bei der Mehrzahl vertreten; aber den Glauben, daß das Reich Gottes durch Liebe in der Tat muß erlangt werden, findet man zu abergläubisch (unbequem).
Und leider sind nun auf Erden zu wenig von Meinen wahren Kindern vertreten, die in ihrem Kreise den Beweis liefern, daß Mein Reich und seine Gesetze bei ihnen Eingang gefunden haben, und sie den Genuß als Reichsgenossen fühlen dürfen!
Auch unter solchen, die Mich wirklich suchen und teilweise gefunden haben, ist die Liebe zu Mir und dem Nächsten noch sehr mangelhaft, so daß Ich noch kein Musterreich mit ihnen aufstellen kann, um andere dadurch zu gewinnen; ich muß noch an jedem Einzelnen tüchtig reinigen und arbeiten, damit er eingefügt werden kann zum großen Bau, der jetzt so nötig wäre, für so viele Hungrige und Verlassene, welche durch den Geist des Erbarmens angetrieben werden zu suchen; allein da, liebe Kinder, seid ihr noch weit, weit zurück von dieser Ausführung, weil ihr immer eure Schwäche Mir vortraget, anstatt auf Meine Kraft dabei zu bauen; ihr wollt wegen der großen Entfernung des Zieles nicht einmal die ersten Schritte unternehmen; doch wie könnt ihr da zu einem Ziele gelangen, wenn ihr stehen bleibet. und das Laufen gar nicht anfanget.
Oh ihr Toren! Ihr seid mehr zu bedauern als solche, die noch gar keinen Vorgeschmack von Meinem Reiche haben; ihr härmet euch ab hineinzukommen, und sehet dasselbe im Geiste mit all seiner Seligkeit; aber ihr seid wankelmütige Kämpfer, und der Gegner Meines Reiches lacht Hohn über euch!
Habe Ich doch allen Glaubensmännern Meine Hilfe angedeihen lassen, wenn es sich darum handelte, für Mich den Mitmenschen eine Wahrheit festzustellen, und so halte Ich es heute noch.
Schauet auf Luther! wie sich Meine Liebe und Macht an ihm bewiesen hat, nach dem Grade, wie Ich es zulassen konnte, daß seine Glaubensansichten seinen Anhängern damals und später zum geistigen Segen werden konnten.
Wenn Ich Mein Reich will aufschlagen, so handelt es sich nicht um äußere Vorbereitungen, und daher gebe Ich auch keine äußeren Anleitungen, sondern um aufnahmefähige Herzen, und wenn solche durch Mich zusammen geführt werden, so soll aus den Anregungen eines jeden einzelnen ein Teilchen zum Bau geliefert werden; ein Jedes prüfe den Andern aufrichtig ausgesprochene Meinung in der wahren Liebe zu Mir, und um Meinetwillen auch zu seinem Bruder, so werdet ihr sicher und stark werden in der Eintracht und im Frieden, und somit ist der Grundstein zum Bau gelegt, zu welchem Ich als Baumeister noch vieles beischaffen will.
Reformieret – nicht die Kirche, sondern eure Herzen, damit die unsichtbare Kirche durch sie kann gebaut werden!
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