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Von den Ehen im Himmel

27. Dass es in den Himmeln Ehen gibt, können diejenigen nicht glauben, welche annehmen, dass der Mensch nur Seele oder Geist nach dem Tode sei, und von Seele und Geist eine Vorstellung haben, wie von einem dünnen Äther und Lufthauch; ebenso wenig diejenigen, welche glauben, dass der Mensch erst nach dem Tage des Jüngsten Gerichts als Mensch fortleben werde; überhaupt diejenigen nicht, welche nichts wissen von der geistigen Welt, in der die Engel und Geister, also wo die Himmel und die Höllen sind. Weil nun jene Welt bisher unbekannt war, und man gar nicht wusste, dass die Engel des Himmels, sowohl als die Geister der Hölle, Menschen sind, erstere in vollkommener Form, letztere jedoch in unvollkommener Form, deswegen konnte nichts von den Ehen daselbst geoffenbart werden. Man würde nämlich gesagt haben: Wie kann Seele mit Seele oder Geist mit Geist verbunden werden, in der Weise, wie Gatten miteinander auf Erden? und dergleichen mehr; welches alles im Augenblick, da es ausgesprochen worden, den Glauben an Ehen daselbst aufgehoben und zerstört hätte. Da aber jetzt mehreres von jener Welt geoffenbart, und auch beschrieben worden ist, von welcher Art sie sei, was in dem Werk ,vom »Himmel und der Hölle« und auch in der »Enthüllten Offenbarung« geschehen ist, so kann auch die Wirklichkeit der Ehen daselbst, sogar vor der Vernunft, dargetan werden, und zwar in folgenden Abschnitten:
I. Der Mensch lebt nach dem Tode als Mensch.
II. Auch dann noch bleibt der Mann Mann, und das Weib Weib.
III. Bei einem jeden bleibt nach dem Tode seine Liebe.
IV. Insbesondere bleibt die Geschlechtsliebe, und bei denen, die in den Himmel kommen – und dies sind diejenigen, die auf Erden geistig werden -, die eheliche Liebe.
V. Dies ist durch eigene Anschauung vollkommen bestätigt.
VI. Folglich gibt es Ehen im Himmel.
VII. Es sind geistige Vermählungen, die verstanden werden unter den Worten des Herrn, dass nach dem Tode keine Verheiratung stattfinde.
Es folgt nun die Erläuterung dieser Punkte in ihrer Reihenfolge.

28. I. Der Mensch lebt auch nach dem Tode als Mensch.
Dass der Mensch auch nach dem Tode als Mensch lebe, wusste man aus gleich anzuführenden Gründen bisher in der Welt nicht; und, was zu verwundern ist, auch nicht in der christlichen Welt, wo das Wort und durch dieses Erleuchtung über das ewige Leben ist, und wo der Herr selbst lehrt, dass alle Toten auferstehen, und dass Gott nicht ein Gott der Toten sei, sondern der Lebendigen: Matth.22/30,31; Luk.20/37,38. Und noch dazu ist der Mensch in betreff der Neigungen und Gedanken seines Gemütes mitten unter den Engeln und Geistern, und ihnen so beigesellt, dass er nicht von ihnen getrennt werden kann, ohne zu sterben. Und noch wunderbarer ist, dass man dies nicht weiß, da doch jeder Mensch, der von der ersten Schöpfung an gestorben ist, nach dem Tode zu den Seinigen kam, und noch kommt, oder, wie es im Wort heißt, zu ihnen versammelt wurde und noch versammelt wird. Außerdem hat der Mensch ein allgemeines Innewerden, welches dasselbe ist mit dem Einfluss des Himmels in das Innere seines Gemütes, vermöge dessen er inwendig in sich das Wahre vernimmt, und es gleichsam schaut, und besonders die Wahrheit, dass der Mensch nach dem Tode lebe, selig, wenn er gut, unselig, wenn er böse gelebt hat; denn wer denkt nicht so, wenn er sein Gemüt nur ein wenig über den Körper und über das Denken, das den Sinnen am nächsten ist, erhebt? Und dies geschieht, wenn er mehr innerlich in der Gottesverehrung ist, und wenn er sterbend auf seinem Bett liegt und sein Ende erwartet; desgleichen, wenn er von Verstorbenen und von ihrem Schicksal hört. Ich selbst habe tausenderlei von ihnen erzählt, z.B. welches Schicksal den Brüdern, Gatten, Freunden mancher Personen zuteil geworden sei; auch habe ich geschrieben über das [jenseitige] Los der Engländer, der Holländer, der Katholiken, der Juden, der Heiden, und auch über das Los Luthers, Calvins und Melanchthons; und noch habe ich niemand irgendwo sagen hören: Wie kann ihnen ein solches Los zuteil geworden sein, da sie doch noch nicht aus ihren Gräbern auferstanden sind, sofern ja das Jüngste Gericht noch nicht gehalten ist? Sind sie nicht unterdessen Seelen, welche Lufthauche sind, und in irgendeinem Wo [pu] oder Ort sich aufhalten? Dergleichen habe ich noch von niemanden sagen hören. Hieraus konnte ich schließen, dass ein jeglicher in sich selber inne wird, dass er nach dem Tode als Mensch fortlebe. Welcher Mann, der sein Weib und seine Säuglinge und Kinder geliebt hat, sagt nicht, wenn dieselben sterben oder bereits gestorben sind, und er in einem über das Sinnlich-Körperliche erhobene Denken bei sich selbst ist: Sie sind in Gottes Hand, und ich werde sie nach meinem Tode wiedersehen; und aufs Neue ein Leben der Liebe und Freude mit ihnen anknüpfen.

29. Wer könnte nicht, wenn er sehen will, durch seine Vernunft schon sehen, dass der Mensch nach seinem Tode nicht jener bloße Geist ist, von dem man sich keine andere Vorstellung macht, als von einem Windhauch, oder von Luft und Äther, welcher [Lufthauch] oder in welchem die Seele des Menschen sei, welche mit Sehnsucht harre auf die Verbindung mit ihrem Körper, um in Genuss der Sinne und ihrer Vergnügungen zu sein, wie vorher in der Welt? Wer vermöchte nicht zu sehen, dass, wenn es sich mit dem Menschen nach dem Tode so verhielte, sein Zustand niedriger wäre, als der der Fische, der Vögel und der Landtiere, deren Seelen nicht fortleben, und daher nicht in solcher Angst, Sehnsucht und Erwartung schweben? Wäre der Mensch nach dem Tode ein solcher Geist und somit ein Windhauch, so würde er entweder im Weltall umher schweben, oder nach der Überlieferung einiger in einem gewissen Wo [pu] oder auch mit den Vätern im Limbus aufbewahrt werden, bis zum Jüngsten Gericht. Wer könnte dann nicht hieraus vernunftgemäß weiter schließen, dass also auch die, welche von der ersten Schöpfung an gelebt haben, seit welcher man sechstausend Jahre zählt, noch immer in demselben ängstlichen Zustand sein müssten, und zwar in einem immer angstvolleren, weil jede sehnsüchtige Erwartung Angst erzeugt, und diese fort und fort sich steigert. Jene müssten also noch immer entweder im Weltall umher schweben, oder in irgendeinem Wo eingeschlossen sein, und somit sich im äußersten Elend befinden; auf gleiche Weise Adam und sein Weib, ferner Abraham, Isaak und Jakob, und ebenso alle übrigen seit jener Zeit. Hieraus folgt, dass nichts mehr zu beklagen wäre, denn als ein Mensch geboren zu werden. Es ist aber gerade das Gegenteil vom Herrn vorgesehen worden, von Ihm, Der da ist Jehovah von Ewigkeit, und der Schöpfer des Weltalls; dass nämlich der Zustand des Menschen, der sich mit Ihm verbindet durch ein Leben nach Seinen Geboten, seliger und glücklicher wird nach dem Tode, als vorher in der Welt, und zwar deshalb seliger und glücklicher, weil der Mensch dann geistig ist, und der geistige Mensch den geistigen Lustreiz, welcher den natürlichen Lustreiz weit übersteigt, und tausendmal köstlicher ist, fühlt und inne wird.

30. Dass die Engel und Geister Menschen sind, kann an denen erhellen, die dem Abraham, Gideon, Daniel und den Propheten, besonders dem Johannes, als er die Offenbarung schrieb, und auch den Weibern am Grabe des Herrn erschienen sind; ja auch daraus, dass der Herr selbst nach der Auferstehung den Jüngern erschien. Dass sie gesehen wurden, geschah, weil dann die Augen ihres Geistes aufgetan waren; und wenn diese geöffnet werden, erscheinen die Engel in ihrer Gestalt, welche die menschliche ist; aber wenn diese Augen verschlossen, das ist, verhüllt sind durch das Gesichtsorgan der materiellen Augen, dann erscheinen sie nicht.

31. Man muss jedoch wissen, dass der Mensch nach dem Tode nicht ein natürlicher Mensch, sondern ein geistiger Mensch ist, gleichwohl aber sich als völlig der gleiche erscheint, und zwar so, dass es ihm nicht anders vorkommt, als dass er noch in der natürlichen Welt sei; denn er hat einen ähnlichen Leib, eine ähnliche Gesichtsgestalt, eine ähnliche Sprache und ähnliche Sinne, weil er ähnliche Neigungen und Gedanken, oder einen ähnlichen Willen und Verstand hat. Er ist zwar in der Tat nicht der gleiche, weil er ein geistiger und daher ein inwendiger Mensch ist; aber der Unterschied zeigt sich ihm nicht, weil er seinen Zustand nicht vergleichen kann mit seinem vorigen natürlichen; denn diesen hat er abgelegt, und in jenem ist er; daher habe ich sie oft sagen hören, dass sie nicht anders wüssten, als dass sie noch in der vorigen Welt wären, bloß mit dem Unterschied, dass sie die nicht mehr sähen, die sie dort zurückgelassen, und dass sie die sähen, die von dort abgegangen oder gestorben sind; aber die Ursache, dass sie diese sehen, und jene nicht, ist, weil sie nicht natürliche, sondern geistige oder substantielle Menschen sind, und der geistige oder substantielle Mensch den geistigen oder substantiellen Menschen sieht, wie der natürliche oder materielle Mensch den natürlichen oder materiellen Menschen sieht, aber nicht umgekehrt, wegen des Unterschiedes zwischen dem Substantiellen und dem Materiellen, welcher ist wie zwischen dem Vorherigen und dem Nachherigen; denn das Vorherige, weil es an sich reiner ist, kann dem Nachherigen, das an sich gröber ist, nicht erscheinen, und das Nachherige, weil es gröber ist, kann auch dem Vorherigen, das an sich reiner ist, nicht erscheinen, demnach nicht der Engel dem Menschen dieser Welt, noch der Mensch dieser Welt dem Engel. Dass der Mensch nach dem Tode ein geistiger oder substantieller Mensch ist, kommt daher, weil dieser inwendig verborgen lag im natürlichen oder materiellen Menschen; dieser war ihm wie ein Kleid oder wie eine Hülle, nach deren Ablegung jener geistige oder substantielle hervorgeht, somit reiner, innerlicher und vollkommener. Dass der geistige Mensch immer noch völliger Mensch sei, obgleich er dem natürlichen Menschen nicht sichtbar ist, stellte sich deutlich heraus am Herrn, als Er von den Aposteln gesehen ward nach der Auferstehung, dass Er nämlich erschien und bald wieder nicht erschien, und dennoch ein sich gleicher Mensch war, sowohl da man Ihn sah, als da man Ihn nicht sah; sie sagten auch, dass, als sie Ihn sahen, ihre Augen aufgetan worden seien.

32. II. Auch dann noch bleibt der Mann Mann und das Weib Weib.
Weil der Mensch als Mensch fortlebt nach dem Tode, und der Mensch männlich oder weiblich ist, und ein anderes das Männliche und ein anderes das Weibliche ist, und zwar so ganz, dass das eine nicht verändert werden kann in das andere, so folgt, dass nach dem Tode der Mann als Mann, und das Weib als Weib fortlebt, beide als geistige Menschen. Es wird gesagt, dass das Männliche nicht in das Weibliche, noch das Weibliche in das Männliche verändert werden könne, und dass daher nach dem Tode der Mann Mann, und das Weib Weib sei; weil aber noch nicht bekannt ist, worin das Männliche wesentlich besteht, und worin das Weibliche, so soll es hier mit wenigem erklärt werden. Der Unterschied besteht wesentlich darin, dass das Innerste im Männlichen die Liebe ist, und die Hülle derselben die Weisheit, oder, was dasselbe ist, dass er die mit der Weisheit umhüllte Liebe ist; und dass das Innerste im Weibe jene Weisheit des Mannes ist, und die Hülle derselben die Liebe von daher; diese Liebe aber ist die weibliche Liebe, und wird vom Herrn der Gattin durch die Weisheit des Gatten gegeben; aber die frühere Liebe ist die männliche Liebe, und ist die Liebe weise zu sein, und wird vom Herrn dem Gatten mitgeteilt der Aufnahme der Weisheit gemäß; daher kommt es, dass der Mann die Weisheit der Liebe, und dass das Weib die Liebe dieser Weisheit ist; deshalb ist von der Schöpfung her beiden die Liebe zur Vereinigung eingepflanzt; doch davon soll in der Folge mehr gesagt werden. Dass das Weibliche aus dem Männlichen sei, oder dass das Weib aus dem Manne genommen sei, erhellt aus folgendem im Buche der Schöpfung: Jehovah Gott nahm hinweg eine von des Mannes Rippen, und schloss die Stelle zu mit Fleisch, und baute die Rippe, die er vom Menschen genommen, zu einem Weibe; und führte dasselbe zum Menschen; und der Mensch sprach: Diese ist Gebein von meinen Gebeinen, und Fleisch von meinem Fleisch; daher wird sie Ischah heißen, weil sie vom Manne genommen ist: 1Mo.2/21-23; was Rippe bedeutet und was Fleisch, soll anderswo gesagt werden.

33. Von dieser ursprünglichen Bildung kommt es her, dass der Mann geboren wird mit vorwaltendem Verstand, und das Weib mit vorwaltendem Willen, oder was dasselbe ist, dass der Mann geboren wird mit der Neigung zum Wissen, zur Einsicht, und zur Weisheit, das Weib aber mit der Liebe, sich mit jener Neigung im Manne zu vereinigen. Und da das Innere auch das Äußere zu seiner Ähnlichkeit gestaltet, und die männliche Form die Form des Verstandes, die weibliche aber die Form der Liebe zu diesem ist, so geschieht es hierdurch, dass der Mann eine andere Gestalt, eine andere Stimme, einen anderen Körper hat als das Weib, nämlich eine strengere Gesichtsbildung, einen rauheren Ton und einen stärkeren Körper, und dabei ein bärtiges Kinn, im allgemeinen eine weniger schöne Form als das Weib; wie sie sich denn auch unterscheiden in Miene und Charakter. Mit einem Wort: Nichts ist gleich bei ihnen, und dennoch eignet sich alles zur Verbindung im einzelnen. Im Mann liegt das Männliche in allen, selbst den kleinsten Teilen des Körpers, und auch in jedem Begriff seines Denkens, wie in jeder Regung seines Gefühls; desgleichen ist im Weib alles weiblich; und da somit das eine nicht in das andere verwandelt werden kann, so ergibt sich hieraus, dass nach dem Tode der Mann ein Mann, das Weib ein Weib bleibt.

34. III. Bei einem jeden bleibt nach dem Tode seine Liebe.
Der Mensch weiß, dass es eine Liebe gibt, er weiß aber nicht, was die Liebe ist. Dass es eine Liebe gibt, weiß er aus der gewöhnlichen Redeweise, indem man z.B. sagt: Er liebt mich; der König liebt seine Untertanen, und die Untertanen lieben den König; der Gatte liebt seine Gattin, und die Mutter liebt ihre Kinder, und umgekehrt. Ferner: Dieser oder jener liebt sein Vaterland, seine Mitbürger, seinen Nächsten; desgleichen bei unpersönlichen Dingen sagt man: Er liebt dies oder jenes. Obwohl aber die Liebe so allgemein in der Rede vorkommt, so weiß doch kaum jemand, was Liebe ist. Denkt jemand über sie nach, so kann er sich keinen bestimmten Begriff von ihr bilden, und sie somit nicht im Licht des Verstandes darstellen, weil sie nicht dem Licht, sondern der Wärme angehört; und darum sagt er dann, sie sei nichts Bestimmtes, oder nur etwas, das aus dem Sehen, Hören, und der Unterhaltung einfließt, und hierdurch anregt. Er weiß aber ganz und gar nicht, dass sie sein eigenstes Leben selbst ist; nicht nur das gemeinsame Leben seines ganzen Körpers, und aller seiner Gedanken, sondern auch das Leben aller einzelnen Bestandteile derselben. Der Weise vermag dies schon zu erkennen, wenn man ihn fragt: Wenn du die Anregung der Liebe hinweg nimmst, vermagst du dann noch etwas zu denken oder zu tun? Erkaltet nicht mit der Neigung deiner Liebe zugleich auch dein Denken, Reden und Handeln, und erwärmen diese nicht zugleich, wenn jene erwärmt? Die Liebe ist daher die Wärme des Lebens beim Menschen, oder seine Lebenswärme; die Wärme seines Blutes und die Röte desselben stammen eben daher; das Feuer der Engelsonne, die lauter Liebe ist, bewirkt dies.

35. Dass ein jeder seine eigene Liebe habe, verschieden von der Liebe des anderen, d.h. dass kein Mensch die gleiche Liebe habe, wie der andere, das kann man schon aus der unendlichen Verschiedenheit der Gesichter erkennen; das Angesicht ist das Entsprechungsbild der Liebe; denn dass die Gesichtszüge sich verändern und wechseln je nach den Neigungen der Liebe, ist bekannt. Auch die Wünsche, die der Liebe angehören, ferner die Freuden und Leiden derselben, leuchten aus denselben hervor. Hieraus ergibt sich klar, dass der Mensch seine Liebe ist, ja sogar die Gestalt seiner Liebe. Es ist aber wohl zu merken, dass nur der innere Mensch, welcher ein und derselbe ist mit seinem Geist, der nach dem Tode fortlebt, die Form seiner Liebe ist; nicht ebenso der äußere Mensch in der Welt, weil dieser von Kindheit an gelernt hat, die Wünsche seiner Liebe zu verbergen, ja sogar andere zu heucheln und an den Tag zu legen, als die seinigen.

36. Dass bei einem jeden nach dem Tode seine eigene Liebe bleibt, kommt daher, dass die Liebe das Leben des Menschen ist, wie soeben Nr. 34 gesagt wurde, und sie daher der Mensch selbst ist. Der Mensch ist auch sein Denken, und somit seine Einsicht und seine Weisheit. Aber diese bilden ein Ganzes mit seiner Liebe. Denn der Mensch denkt aus seiner Liebe und gemäß derselben, ja, wenn er in Freiheit ist, spricht und handelt er auch derselben gemäß. Hieraus kann man erkennen, dass die Liebe das Sein oder Wesen des Lebens im Menschen ist, und das Denken das Dasein oder die Existenz seines Lebens. Sprache und Handlung, die aus dem Denken fließen, fließen daher eigentlich nicht aus dem Denken, sondern aus der Liebe vermittelst des Denkens. Durch viele Erfahrungen wurde mir zu erkennen gegeben, dass der Mensch nach dem Tode nicht sein Denken ist, sondern seine Neigung, und hieraus sein Denken, oder seine Liebe und hieraus seine Einsicht; ferner, dass der Mensch nach dem Tode alles ablegt, was nicht mit seiner Liebe übereinstimmt; dass er dagegen allmählich das Angesicht, den Ton, die Rede, die Gebärde, und die Sitten der Liebe seines Lebens annimmt. Daher kommt es, dass der ganze Himmel allen Mannigfaltigkeiten der Neigungen der Liebe zum Guten gemäß, und die gesamte Hölle nach allen Neigungen der Liebe zum Bösen geordnet ist.

37. IV. Insbesondere bleibt die Geschlechtsliebe, und bei denen, die in den Himmel kommen, – und dies sind diejenigen, die auf Erden geistig werden -, die eheliche Liebe.
Dass die Geschlechtsliebe bei dem Menschen nach dem Tode bleibt, kommt daher, weil dann der Mann ein Mann
und das Weib ein Weib ist, und weil das Männliche im Mann im Ganzen und in allen seinen Teilen männlich ist; ebenso das Weibliche im Weib, und etwas zur Verbindung Dienliches im einzelnen, ja im einzelnsten derselben ist. Da nun diese Verbindungsfähigkeit schon von der Schöpfung her eingepflanzt ist, und daher beständig innewohnt, so folgt, dass das eine nach der Verbindung mit dem anderen verlangt und strebt. Die Liebe an sich betrachtet ist nichts anderes, als der Wunsch, und aus diesem das Streben nach Verbindung, und die eheliche Liebe ein Streben nach Verbindung zur Einheit; denn Mann und Weib sind so geschaffen, dass aus zweien gleichsam ein Mensch werden kann, oder ein Fleisch; und wenn sie eins werden, dann sind sie zusammengenommen ein Mensch in seinem Vollbestand; ohne diese Verbindung aber sind sie zwei, und jedes wie ein geteilter oder halber Mensch. Da nun jene Verbindungsfähigkeit inwendig im einzelnen des Mannes und des Weibes verborgen liegt, und das Vermögen zu und das Verlangen nach der Verbindung zur Einheit in dem einzelnen wohnt, so folgt, dass die gegenseitige und wechselseitige Geschlechtsliebe bei den Menschen nach dem Tode bleibt.

38. Es wurde gesagt ,Geschlechtsliebe und eheliche Liebe‘, weil die Geschlechtsliebe etwas anderes ist, als die eheliche Liebe. Die Geschlechtsliebe ist beim natürlichen, die eheliche Liebe aber beim geistigen Menschen; der natürliche Mensch liebt und begehrt nur äußerliche Verbindungen, und aus diesen körperliche Freuden; der geistige Mensch aber liebt und begehrt eine innere Verbindung, und aus dieser Wonnegefühle des Geistes, und er erkennt, dass diese nur bei einer Gattin möglich sind, mit der er fortwährend mehr und mehr vereinigt werden kann; und je mehr er so verbunden wird, desto mehr empfindet er auch, dass seine Wonnen in demselben Grad sich erhöhen, und zwar fortwährend in Ewigkeit. Der natürliche Mensch aber denkt hieran nicht; deshalb heißt es, dass die eheliche Liebe nach dem Tode bleibe bei denen, die in den Himmel kommen, und dies sind diejenigen, die auf Erden geistig werden.

39. V. Dies ist durch eigene Anschauung vollkommen bestätigt.
Dass der Mensch nach dem Tode als Mensch fortlebt, und dass auch dann noch der Mann ein Mann, das Weib ein Weib bleibt, ferner dass bei einem jeglichen seine Liebe, und insbesondere die Geschlechtsliebe und die eheliche Liebe bleibe, dieses habe ich bis jetzt durch solches, was in den Verstand fällt, und was man Vernunftgründe nennt, zur Genüge dargetan. Weil aber der Mensch von Kindheit an durch seine Eltern und Lehrer, und dann durch Gelehrte und Geistliche, den Glauben angenommen hat, dass er nicht eher als Mensch nach dem Tode fortleben werde, als nach dem Tag des Letzten Gerichts, in dessen Erwartung man nun schon seit sechstausend Jahren war, und da die meisten dieses zu denjenigen Dingen zählten, die man durch den Glauben und nicht durch den Verstand erfassen müsse, so war notwendig, es auch durch Beweise aus eigener Anschauung zu bestätigen; denn sonst würde der Mensch, der nur seinen Sinnen glaubt, nach dem ihm eingeprägten Glauben sagen: Wenn die Menschen nach dem Tode als Menschen fortlebten, so würde ich sie sehen, und hören; ferner: Wer ist vom Himmel herab- und von der Hölle heraufgestiegen, und hat es verkündet? Weil aber nicht möglich war, noch ist, dass ein Engel des Himmels herabsteige, oder ein Geist der Hölle heraufsteige, und mit irgendeinem Menschen rede, außer mit solchen, denen die inneren Gemütsregionen ihres Geistes vom Herrn aufgeschlossen worden sind, dieses aber nur bei denen vollständig geschehen kann, die vom Herrn zur Aufnahme dessen, was zur geistigen Wahrheit gehört, zubereitet worden sind, deshalb hat es dem Herrn gefallen, dieses bei mir zu tun, und zwar damit der Zustand des Himmels und der Hölle, und der Zustand des Lebens der Menschen nach dem Tode nicht unbekannt bleibe, und nicht in der Unwissenheit eingeschläfert, und endlich in der Ableugnung begraben werde. Die Beweise aus eigener Anschauung für das oben Gesagte können aber ihrer Menge wegen hier nicht angeführt werden; sie sind jedoch bereits angeführt in dem Werk von dem »Himmel und der Hölle« und dann in der »Fortsetzung von der geistigen Welt«, und nachher auch in der »Enthüllten Offenbarung« insbesondere aber über die Ehen, in den Denkwürdigkeiten, die den Abschnitten oder Kapiteln dieses Werkes beigefügt sind.

40. VI. Folglich gibt es Ehen im Himmel.
Da aber dieses bereits durch die Vernunft und zugleich durch die Erfahrung erwiesen wurde, so bedarf dieser Satz keines weiteren Beweises.

41. VII. Es sind geistige Vermählungen, die verstanden werden unter den Worten des Herrn, dass nach dem Tode (der Auferstehung) keine Verheiratung stattfinde.
Bei den Evangelisten liest man folgendes: Einige Sadduzäer, welche die Auferstehung leugneten, fragten Jesus und sprachen: Meister, Moses hat geschrieben, wenn ein Bruder, der ein Weib hatte, gestorben ist, und zwar ohne Nachkommen, so soll sein Bruder das Weib nehmen, damit er seinem Bruder Samen erwecke. Es waren nun sieben Brüder, welche einer nach dem anderen dasselbe Weib nahmen; aber sie starben ohne Kinder, dann erst starb auch das Weib; wessen wird nun bei der Auferstehung das Weib sein? – Jesus aber antwortete ihnen und sprach: Die Kinder dieser Welt freien und lassen sich freien; welche aber würdig sein werden, die andere Welt zu erlangen und die Auferstehung von den Toten, die werden nicht freien noch sich freien lassen; denn sie können hinfort nicht mehr sterben; denn sie sind den Engeln gleich, und Gottes Söhne, da sie Söhne der Auferstehung sind. Dass aber die Toten auferstehen, hat Moses angedeutet bei dem Busch, da er den Herrn nennet den Gott Abrahams, und den Gott Isaaks, und den Gott Jakobs; nun ist aber Gott nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebendigen, denn Ihm leben sie alle: Luk.20/27-38; Matth.22/22-31; Mark.12/18-27. – Zwei Dinge sind es, die der Herr durch dieses lehrte; fürs erste, dass der Mensch nach dem Tode auferstehe, und fürs andere, dass man sich im Himmel nicht verheiratet. Dass der Mensch nach dem Tode wieder auferstehe, durch die Worte – ‚dass Gott nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebendigen sei‘; und ‚dass Abraham, Isaak und Jakob leben‘; ferner im Gleichnis vom reichen Mann in der Hölle, und von Lazarus im Himmel: Luk.16/22-31. Das andere, dass man im Himmel sich nicht verheirate, durch die Worte: Welche würdig geachtet werden, die andere Welt zu erlangen, werden weder freien, noch sich freien lassen. Dass hier keine andere, als geistige Hochzeiten verstanden werden, ergibt sich klar aus den gleich darauf folgenden Worten: Sie können hinfort nicht sterben, denn sie sind den Engeln gleich, und Söhne Gottes, weil Söhne der Auferstehung. Unter geistiger Hochzeit wird verstanden, die Verbindung mit dem Herrn, und diese geschieht auf Erden, und wenn sie auf Erden geschehen ist, so ist sie auch im Himmel geschehen; deshalb wird im Himmel weder wieder gefreit, noch lässt man sich freien. Dies wird auch verstanden unter den Worten: Die Söhne dieser Welt freien, und lassen sich freien; welche aber würdig geachtet werden, die andere Welt zu erlangen, freien nicht, und lassen sich auch nicht freien. Diese werden auch vom Herrn ,Söhne der Hochzeit2‘ genannt: Matth.9/15; Mark.2/19, und hier „Engel, Söhne Gottes und Söhne der Auferstehung“. Dass ,Hochzeitmachen‘ bedeute: Mit dem Herrn verbunden werden, und ,zur Hochzeit eingehen‘: Vom Herrn in den Himmel aufgenommen werden, ist offenbar aus folgenden Stellen: Das Himmelreich ist gleich einem König, der seinem Sohn Hochzeit machte, und er sandte seine Knechte aus: Und lud zur Hochzeit: Matth.22/1-14. Das Himmelreich ist gleich zehn Jungfrauen, welche ausgingen, dem Bräutigam zu begegnen: Und fünf von ihnen, die bereitet waren, gingen zur Hochzeit ein: Matth.25/1f. Dass der Herr Sich hier selbst [unter dem Bräutigam] verstand, geht deutlich aus Matth.25/13 hervor, wo es heißt: Wachet, denn ihr wisset weder Zeit noch Stunde, wenn des Menschen Sohn zu euch kommen wird. Ferner in der Offb.19/7,9: Gekommen ist die Zeit der Hochzeit des Lammes, und sein Weib hat sich bereitet; selig, die zum Hochzeitmahl des Lammes berufen sind. Dass ein geistiger Verstand in allem und jedem einzelnen liege, was der Herr geredet hat, ist vollständig gezeigt worden in der »Lehre des neuen Jerusalems von der Heiligen Schrift«, welche zu Amsterdam im Jahre 1763 herauskam.

42. Diesem will ich zwei Denkwürdigkeiten aus der geistigen Welt beifügen.
Die erste ist folgende: Eines Morgens blickte ich zum Himmel auf und sah über mir eine Himmelswölbung über der anderen; und ich sah, dass sich die erste Himmelswölbung, die nahe war, auftat, und bald darauf die zweite, die höher war, und endlich eine dritte, welche die höchste war; und durch Erleuchtung von daher nahm ich wahr, dass über der ersten Himmelswölbung die Engel waren, aus denen der erste oder unterste Himmel besteht, und über der zweiten Himmelswölbung diejenigen Engel, aus denen der zweite oder mittlere Himmel, und über der dritten Himmelswölbung diejenigen Engel, aus denen der dritte oder höchste Himmel besteht. Zuerst wunderte ich mich, was und warum das sei? Aber bald ließ sich aus dem Himmel eine Stimme hören, wie von einer Trompete, welche rief: Wir haben vernommen und sehen jetzt, dass du nachsinnst über die eheliche Liebe; und wir wissen, dass bis jetzt niemand auf Erden weiß, was die wahrhaft eheliche Liebe in ihrem Ursprung und in ihrem Wesen ist, und doch ist es wichtig, dass man es wisse. Es hat daher dem Herrn gefallen, dir die Himmel aufzutun, damit in das Innere deines Gemütes ein erleuchtendes Licht und hierdurch ein Innewerden einfließe. Bei uns in den Himmeln, besonders im dritten, fließen unsere himmlischen Freuden hauptsächlich aus der ehelichen Liebe. Wir werden daher vermöge der uns gegebenen Erlaubnis ein Ehepaar zu dir hinab senden, damit du es sehest. Und siehe es erschien nun ein Wagen, der vom dritten oder höchsten Himmel herabfuhr, und in dem man einen Engel sah; sowie er aber näher kam, sah man zwei in demselben. Der Wagen glänzte aus der Ferne vor meinen Augen wie ein Diamant, und es waren ihm junge Pferde vorgespannt, weiß wie der Schnee; die im Wagen Sitzenden hielten in den Händen zwei Turteltauben und riefen mir zu: Willst du, dass wir näher kommen? Aber dann nimm dich in Acht, dass nicht der Glanz, der von unserem Himmel, aus dem wir herabgestiegen sind, herstammt und flammend ist, tiefer [in dich] eindringe; [denn] aus seinem Einfluss werden zwar die höheren Ideen deines Verstandes, die an sich himmlisch sind, erleuchtet, allein diese sind in der Welt, in der du lebst, unaussprechlich. Nimm deshalb, was du hören wirst, vernunftmäßig auf, und lege es so der Fassungskraft des Verstandes gemäß aus. Und ich antwortete: Ich will mich vorsehen; kommt nur näher! Und sie kamen, und siehe, es war ein Ehemann und seine Gattin; und sie sprachen: Wir sind Gatten, wir haben selig im Himmel gelebt vom ersten Weltalter an, das von euch das Goldene Zeitalter genannt wird, und fortwährend in demselben blühenden Alter, in dem du uns jetzt siehst. Ich betrachtete beide, weil ich inne wurde, dass sie die eheliche Liebe darstellten in ihrem Leben und in ihrem Schmuck, in ihrem Leben durch ihr Angesicht, in ihrem Schmuck durch ihre Kleider. Denn alle Engel sind Gefühle der Liebe in menschlicher Gestalt. Das herrschende Gefühl selbst leuchtet hervor aus ihrem Angesicht, und nach ihrem Gefühl und gemäß demselben empfangen sie Kleider. Deshalb sagt man im Himmel: Einen jeden kleidet sein Gefühl. Der Mann erschien in einem Lebensalter, welches die Mitte hielt zwischen Jugend und Mannesalter; aus seinen Augen schimmerte ein Lichtglanz von der Weisheit seiner Liebe, und von diesem Licht war sein Angesicht strahlend wie vom Innersten her, und von dieser Ausstrahlung her war die Haut im Äußersten wie glänzend, und hierdurch war sein ganzes Angesicht eine schimmernde Schönheit. Er war angetan mit einem Talar, und unter dem Talar mit einem Gewand von Hyazinthfarbe, und dieses umschloss ein goldener Gürtel, auf dem drei Edelsteine waren, zwei Saphire auf der Seite und ein Karfunkel in der Mittel. Die Beinkleider waren von glänzender Leinwand, in welcher Silberfäden eingewebt waren; und die Schuhe waren ganz von Seide; dies war die Darstellungsform der ehelichen Liebe beim Mann. Bei der Frau aber war es folgende: Ihr Angesicht erschien mir, und erschien mir auch wieder nicht; es erschien mir als die Schönheit selbst, und er erschien mir nicht, weil diese unaussprechlich ist; auf dem Angesicht war nämlich der Glanz eines flammenden Lichtes, wie das Licht bei den Engeln im dritten Himmel ist, und dieses blendete mein Gesicht, weshalb ich nur staunte. Als sie dies bemerkte, redete sie mich an, und sprach: Was siehst du? Ich antwortete: Ich sehe nichts denn die eheliche Liebe, und ihre Gestalt, allein ich sehe sie, und sehe sie nicht. Hierauf wendete sie sich seitwärts ab von ihrem Mann, und nun konnte ich sie genauer betrachten. Ihre Augen glänzten vom Licht ihres Himmels, das, wie gesagt, flammend ist, und somit aus der Liebe zur Weisheit stammt. Denn die Frauen lieben in jenem Himmel ihre Männer aus der Weisheit und in der Weisheit derselben, und die Männer ihre Gattinnen aus und in deren Liebe zu ihnen [den Männern], und so werden sie vereinigt. Daher war auch ihre Schönheit von der Art, das sie kein Maler nachahmen und in ihrer Gestalt darstellen kann; denn er hat nichts so Glänzendes in seinen Farben, und solche Schöne ist durch seine Kunst nicht darstellbar. Ihre Haare waren in schöne Ordnung gebracht, in Entsprechung mit ihrer Schönheit, und Blumen-Diademe in dieselben eingeflochten. Sie hatte ein Halsband von Karfunkeln, und an diesem hing eine Rosette von Chrysolith; auch trug sie Armbänder von Perlen. Sie war bekleidet mit einer scharlachroten Toga, und unter dieser mit einem purpurnen Brustgewand, das vorne Rubine zusammenhielten. Es wechselten jedoch, worüber ich mich verwunderte, die Farben, je nach ihrem Hinblick auf den Gatten, und diesem gemäß schimmerten sie auch bald mehr, bald minder; bei wechselseitigem Anblicken mehr, beim Hinblick von der Seite weniger. Nachdem ich dies gesehen hatte, sprachen sie wieder miteinander, und wenn der Mann sprach, so sprach er zugleich wie aus seiner Frau, und wenn die Frau sprach, so sprach sie zugleich wie aus ihrem Mann; solcher Art war die Vereinigung ihrer Gemüter, aus welchen die Reden fließen. Da hörte ich denn auch den Ton der ehelichen Liebe, dass er im Inneren gleichzeitig ist, und auch hervorgehend aus den Freuden im Stande des Friedens und der Unschuld. Zuletzt sagten sie: Wir werden abgerufen; wir wollen gehen; und dann erschienen sie wieder auf einem Wagen fahrend, wie früher, und fuhren auf einem gebahnten Weg zwischen Blumengefilden, auf deren Beeten Ölbäume standen, und Bäume voll von Pomeranzen; und da sie nahe an ihrem Himmel waren, kamen ihnen Jungfrauen entgegen, und empfingen sie, und führten sie hinein.

43. Hierauf erschien mir ein Engel aus jenem Himmel, der in der Hand ein Pergament hielt, welches er aufrollte, indem er sprach: Ich habe gesehen, das du über die eheliche Liebe nachdenkst; hierüber sind in diesem Pergament Geheimnisse der Weisheit, die bisher in der Welt noch nicht enthüllt waren, jetzt aber enthüllt werden sollen, weil es von Wichtigkeit ist. In unserem Himmel sind diese Geheimnisse mehr, als in den übrigen, weil wir in der Ehe der Liebe und Weisheit sind; ich sage dir aber voraus, dass keine anderen sich diese Liebe aneignen werden, als diejenigen, die vom Herrn in die neue Kirche, die das neue Jerusalem ist, aufgenommen werden. Bei diesen Worten ließ der Engel das aufgerollte Pergament herabfallen, das dann ein Engelgeist auffing, und auf einen Tisch in einem Gemach niederlegte, das er sogleich verschloss; er reichte mir aber den Schlüssel dar und sprach: Schreibe!

44. Zweite Denkwürdigkeit.
Einstmals erblickte ich drei aus der Welt neu angekommene Geister, die umher streiften und [alles] betrachteten, und sich darüber erkundigten. Sie waren in Verwunderung, dass sie als Menschen lebten ganz wie zuvor, und dass sie ähnliche Dinge sahen, wie früher; denn sie wussten, dass sie aus der vorigen oder natürlichen Welt geschieden waren, und dass sie dort geglaubt hatten, sie würden nicht eher wieder als Menschen leben, als nach dem Tage des Jüngsten Gerichts, wann sie wieder mit Fleisch und den in den Gräbern aufbewahrten Gebeinen umgeben werden würden. Um nun alles Zweifels ledig zu werden, dass sie wirklich Menschen seien, betrachteten und berührten sie abwechselnd sich und andere, und betasteten die Gegenstände, und überzeugten sich durch tausenderlei Dinge, dass sie nun Menschen seien, wie in der vorigen Welt, außer dass sie sich gegenseitig in hellerem Licht, und die Gegenstände in höherem Glanz, und somit Vollkommeneres sähen. Da traf es sich, dass ihnen zwei Engelgeister begegneten und sie anhielten mit den Worten: Woher seid ihr? worauf sie antworteten: Wir sind von der Welt geschieden, und leben nun wieder in einer Welt; so sind wir denn von einer Welt in die andere gewandert; darüber verwundern wir uns. Und nun befragten die drei Neuangekommenen die zwei Engelgeister über den Himmel; und da zwei von den drei Neuangekommenen Jünglinge waren, und aus ihren Augen so ein Flämmchen Geschlechtslust hervorblitzte, so sagten die Engelgeister: Ihr habt wohl Frauen gesehen; und sie bejahten es. Weil sie nun über den Himmel gefragt hatten, so sagten jene folgendes: Im Himmel ist alles herrlich und glänzend, und solches, was nirgendwo ein Auge gesehen hat. Auch gibt es dort Jungfrauen und Jünglinge; Jungfrauen von solcher Schönheit, dass man sie personifizierte Schönheiten nennen kann, und Jünglinge von solcher Sittlichkeit, dass man sie personifizierte Sittlichkeiten nennen kann. Und die Schönheiten der Jungfrauen und die Sittlichkeiten der Jünglinge entsprechen sich einander, wie wechselseitig sich aufeinander beziehende und zueinander passende Formen. Und die zwei Neuangekommenen fragten, ob im Himmel die menschlichen Gestalten ganz gleichartig wären mit denen in der natürlichen Welt, und sie erhielten zur Antwort: Ganz gleichartig; nichts ist vom Mann hinweg genommen, und nichts vom Weib. Mit einem Wort, der Mann ist Mann, und das Weib ist Weib, in aller Vollkommenheit der Form, in der sie geschaffen sind. Entferne dich, wenn du willst, und untersuche bei dir, ob dir etwas fehlt, dass du nicht Mann wärest, wie zuvor. Wiederum sagten die Neuangekommen: In der Welt, aus der wir abgeschieden sind, haben wir gehört, dass sie im Himmel nicht verheiratet werden, weil sie Engel seien; kann es denn auf diese Weise Geschlechtsliebe geben? Und die Engelgeister antworteten: Eure Geschlechtsliebe findet sich hier nicht, wohl aber eine engelische Geschlechtsliebe, die keusch ist, und frei von aller Reizung sinnlicher Lust. Hierauf erwiderten die Neuangekommenen: Wenn es eine Geschlechtsliebe gibt ohne allen Reiz, was ist dann die Geschlechtsliebe? Und da sie über diese Liebe nachdachten, seufzten sie und sprachen: O wie trocken ist die Freude des Himmels? Welcher Jüngling kann sich da den Himmel wünschen? Ist eine solche Liebe nicht unfruchtbar und leblos? Hierauf erwiderten die Engelgeister lächelnd: Die engelische Geschlechtsliebe, oder wie sie im Himmel ist, ist dennoch voll der innigsten Wonnegefühle. Sie ist die lieblichste Schwellung aller Teile des Gemüts, und von da aus aller Teile der Brust, und es ist inwendig in der Brust, wie wenn das Herz mit der Lunge spielte, aus welchem Spiele das Atmen, der Ton und die Rede hervorgeht, und diese machen, dass der Verkehr zwischen beiden Geschlechtern, oder zwischen Jünglingen und Jungfrauen, die himmlische Lieblichkeit selbst ist, welche rein ist. Alle Neuangekommenen, die in den Himmel aufsteigen, werden geprüft, wie sie in Rücksicht ihrer Keuschheit beschaffen sind. Sie werden nämlich zum Umgang mit Jungfrauen, den Schönheiten des Himmels, zugelassen, und diese erkennen am Ton, an der Rede, am Angesicht, an den Augen, an den Gebärden, und an der ausströmenden Sphäre, von welcher Art jene sind in Rücksicht der Geschlechtsliebe. Ist diese unkeusch, so fliehen sie weg und verkünden den Ihrigen, sie hätten Satyrn oder Priapen gesehen; auch werden jene Ankömmlinge verwandelt und erscheinen vor den Augen der Engel zottig, und ihre Füße wie die der Kälber und Leoparden, und sie werden dann schnell hinabgeworfen, damit sie nicht mit ihrer sinnlichen Begierde die Himmelsluft dort verpesten. Als sie dies gehört hatten, sagten die beiden Neuangekommenen wiederum: So gibt es also keine Geschlechtsliebe im Himmel; denn was ist eine keusche Geschlechtsliebe anderes, als eine Liebe, die des Wesens ihres Lebens beraubt ist? Ist nicht auf diese Weise der Umgang der Jünglinge mit den Jungfrauen ein trockenes Vergnügen? Wir sind keine Steine und Klötze, sondern Wahrnehmungen und Neigungen des Lebens. Nachdem sie dies gehört, erwiderten die beiden Engelgeister mit Unwillen: Ihr wisset ganz und gar nicht, was keusche Geschlechtsliebe ist, weil ihr bis jetzt noch nicht keusch seid. Diese Liebe ist die eigentliche Wonne des Gemüts, und von da aus des Herzens, nicht aber zugleich des Fleisches, unterhalb des Herzens. Die Keuschheit der Engel, die beiden Geschlechtern gemeinschaftlich ist, verhindert das Übergehen jener Liebe über den Verschluss des Herzens hinaus; innerhalb desselben aber und oberhalb desselben ergötzt sich die Sittlichkeit des Jünglings mit der Schönheit der Jungfrau durch die Freuden der keuschen Geschlechtsliebe, die inniger und reicher an Wonnen sind, als dass sie durch Worte geschildert werden könnten. Diese Geschlechtsliebe aber ist bei den Engeln, weil nur sie die eheliche Liebe haben, und diese Liebe kann unmöglich mit der unkeuschen Geschlechtsliebe zusammen sein. Die wahrhaft eheliche Liebe ist eine keusche Liebe, und hat nichts gemein mit der unkeuschen Liebe. Sie besteht nur mit einer aus dem Geschlecht, mit Ausschließung aller übrigen; denn sie ist eine Liebe des Geistes und von ihm aus des Körpers; nicht aber eine Liebe des Körpers und von ihm aus des Geistes, d.h. keine dem Geiste schadende Liebe. Als sie dies gehört, freuten sich die neu angekommenen Jünglinge und sagten: So gibt es also doch eine Geschlechtsliebe dort; denn was ist die eheliche Liebe anderes? Allein die Engelgeister erwiderten hierauf: Denket tiefer nach, und erwäget es, so werdet ihr inne werden, dass eure Liebe des Geschlechts eine außereheliche Liebe ist, und dass die eheliche Liebe eine ganze andere ist, ja dass diese von jener unterschieden ist, wie der Weizen von der Spreu, oder vielmehr wie das Menschliche vom Tierischen. Wenn ihr im Himmel Frauen fragen würdet, was außereheliche Liebe sei, so versichere ich euch, sie würden antworten: Was ist dies? Was redest du? Wie kann so etwas aus deinem Mund gehen, das die Ohren so beleidigt? Wie kann eine nicht erschaffene Liebe dem Menschen eingepflanzt werden? Wirst du aber dann fragen, was wahrhaft eheliche Liebe sei, so weiß ich, dass sie antworten werden: Sie ist keine Liebe zum Geschlecht überhaupt, sondern Liebe zu einer aus dem Geschlecht, die sich nicht anders herausstellt, als wenn der Jüngling die ihm vom Herrn vorgesehene Jungfrau erblickt, und die Jungfrau den Jüngling; dann fühlen beide in ihren Herzen das Eheliche entbrennen, und sie werden inne, jener, dass diese die Seinige, diese, dass jener der Ihrige ist: denn die Liebe begegnet der Liebe und macht sich erkennbar, und verbindet sogleich die Seelen, und nachher die Gemüter, und dringt von da aus in die Brust, und nach der Vermählung noch weiter, und wird so völlige Liebe, die von Tag zu Tag mehr zur Verbindung heranwächst, bis sie nicht mehr zwei sind, sondern wie eins. Ich weiß auch, sie werden schwören, dass sie keine andere Geschlechtsliebe kennen; denn sie sagen: Wie kann es eine Geschlechtsliebe geben, wenn sie nicht so entgegenkommend und wechselseitig ist, dass sie nach ewiger Vereinigung strebt, welche ist, dass zwei ein Fleisch sind? Diesem fügten die Engelgeister noch bei: Im Himmel weiß man gar nicht, was Unzucht ist, weder, dass sie ist, noch, dass sie nur möglich ist; die ganzen Körper der Engel überläuft ein kalter Schauer bei der unkeuschen oder außerehelichen Liebe, und umgekehrt erwärmen sie am ganzen Körper infolge der reinen oder ehelichen Liebe. Bei den Männern daselbst erschlaffen alle Nerven beim Anblick einer Buhlerin und geraten in Spannung beim Anblick der Gattin. Nachdem sie dies gehört hatten, fragten die drei Neuangekommenen, ob eine ähnliche Liebe zwischen den Ehegatten in den Himmeln bestehe, wie auf Erden; und die beiden Engelgeister antworteten: Eine ganz ähnliche. Und weil sie merkten, dass jene zu wissen wünschten, ob es auch ähnliche letzte Freuden daselbst gebe, so antworteten sie: Ganz ähnliche, aber weit seligere, weil das Wahrnehmen und Empfinden der Engel bei weitem schärfer ist, als das menschliche Wahrnehmen und Empfinden. Und was ist das Leben jener Liebe, wenn es nicht aus der Ader der Kraft entspringt? Erstirbt nicht jene Liebe und erkaltet, wenn diese mangelt? Und ist nicht jene Kraft, das eigentliche Maß, der eigentliche Grad, und die eigentliche Grundlage jener Liebe? Ist sie nicht der Anfang, die Grundfeste und Vollendung derselben? Es ist ein allgemeines Gesetz, dass das Erste immer Dasein, Bestehen und Fortdauer vom Letzten habe; so auch jene Liebe; wären daher nicht die letzten Freuden, so gäbe es gar keine in der ehelichen Liebe. Nun fragten die Neuangekommenen, ob aus den letzten Freuden jener Liebe auch Kinder erzeugt würden, und wenn keine Kinder, welchen Nutzen sie dann brächten. Die Engelgeister erwiderten: Keine natürlichen Kinder, wohl aber geistige. Und jene fragten: Was sind denn geistige Kinder? Sie antworteten: Die beiden Ehegatten werden vermittelst der letzten Freuden mehr zur Ehe des Guten und Wahren vereinigt, und die Ehe des Guten und Wahren ist die Ehe der Liebe und Weisheit, und Liebe und Weisheit sind auch die Kinder, die aus jener Ehe geboren werden; und weil der Mann daselbst Weisheit ist, und die Frau die Liebe zu derselben, und auch beide geistig sind, so können keine anderen Kinder als geistige daselbst empfangen und geboren werden. Daher kommt es, dass die Engel nach dem Genuss der Freude nicht traurig werden, wie manche auf Erden, sondern heiter, und dies geschieht bei ihnen infolge des beständigen Einfließens neuer Kräfte, nach den früheren, welche verjüngen und zugleich erleuchten. Alle nämlich, die in den Himmel kommen, kehren in den Frühling ihrer Jugendzeit zurück, und in die Kräfte jenes Lebensalters, und so bleiben sie in Ewigkeit. Als die drei Ankömmlinge dies hörten, sagten sie: Liest man nicht in dem Wort, dass es im Himmel keinen Hochzeiten gebe, weil sie Engel sind? Hierauf erwiderten die Engelgeister: Blicket auf zum Himmel, und es wird euch geantwortet werden! Auf die Frage, warum sie zum Himmel aufblicken sollten, antworteten jene: Weil von dorther uns alle Auslegungen des Wortes zukommen; das Wort ist durchaus geistig, und die Engel werden euch, weil sie geistig sind, das geistige Verständnis desselben lehren. Und nach einer Weile öffnete sich der Himmel über ihrem Haupt, und sie erblickten zwei Engel, welche sagten: Es gibt Hochzeiten in den Himmeln, wie auf den Erden; aber nur bei denen, die in der Ehe des Guten und Wahren sind, und keine anderen sind Engel, weshalb in jener Stelle geistige Hochzeiten, welche die der Ehe des Guten und Wahren sind, verstanden werden. Diese finden auf Erden statt und nicht nach dem Tode, also auch nicht in den Himmeln; wie denn auch von den fünf törichten Jungfrauen, die gleicherweise zur Hochzeit geladen waren, gesagt wird, dass sie nicht eingehen konnten, weil sie nicht in der Ehe des Guten und Wahren standen; denn sie hatten nicht Öl, sondern nur Lampen; unter Öl wird das Gute, und unter Lampen das Wahre verstanden; und vermählt werden heißt, in den Himmel eingehen, wo jene Ehe ist. Als die drei Ankömmlinge dieses gehört hatten, freuten sie sich und wurden erfüllt von Sehnsucht nach dem Himmel und von Hoffnung auf die Hochzeiten dort, und sprachen: Wir wollen uns der Moralität und eines anständigen Lebens befleißigen, auf dass unsere Wünsche erfüllt werden.

Swedenborg: die eheliche Liebe

2 Eigentlich und zunächst ‚Söhne des Brautgemachs‘. Anm.d.Übers.

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